Als wir von Freiheit träumten - Jon Walter - E-Book
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Als wir von Freiheit träumten E-Book

Jon Walter

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Beschreibung

London 1913: Die Schwestern Clara und Nancy arbeiten als Aufseherinnen in einem Frauengefängnis, in dem auch viele Suffragetten inhaftiert sind. Besonders Nancy ist fasziniert von der Frauenrechtlerin Daisy. Nachdem diese aus dem Gefängnis entlassen wird, folgt Nancy ihr und schließt sich der Suffragetten-Bewegung an. Als Nancy nach einem Brandanschlag verhaftet wird, stehen die beiden Schwestern sich schließlich wieder gegenüber - diesmal auf verschiedenen Seiten der Gitter ...

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Seitenzahl: 370

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Inhalt

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Über dieses Buch

London 1913: Die Schwestern Clara und Nancy arbeiten als Aufseherinnen in einem Frauengefängnis, in dem auch viele Suffragetten inhaftiert sind. Besonders Nancy ist fasziniert von der Frauenrechtlerin Daisy. Nachdem diese aus dem Gefängnis entlassen wird, folgt Nancy ihr und schließt sich der Suffragetten-Bewegung an. Als Nancy nach einem Brandanschlag verhaftet wird, stehen die beiden Schwestern sich schließlich wieder gegenüber – diesmal auf verschiedenen Seiten der Gitter …

Über den Autor

Jon Walter lebt in East Sussex. Er hat Englische Literatur und Theaterwissenschaften studiert und als Fotojournalist gearbeitet. Wenn sein Leben spannend klingen soll, erzählt er, dass er einmal in einen Aufstand verwickelt war, einem Tsunami entkommen ist, für die Vogue gemodelt und zwei Premierministern die Hand geschüttelt hat. Aber meistens sitzt er zu Hause und schaut aus dem Fenster. Seine Jugendbücher wurden von der Presse hochgelobt und mit mehreren Preisen ausgezeichnet. »Nevertheless She Persisted« ist sein erster Roman für Erwachsene.

J O N W A L T E R

ALS WIR VON

FREIHEIT

TRÄUMTEN

ROMAN

Aus dem Englischen vonAngela Koonen

LÜBBE

Vollständige eBook-Ausgabe

des in der Bastei Lübbe AG erschienenen Werkes

Titel der englischen Originalausgabe:

»Nevertheless She Persisted«, David Fickling Books, Oxford

Für die Originalausgabe:

Copyright © 2018 by Jon Walter

Für die deutschsprachige Ausgabe:

Copyright © 2020 by Bastei Lübbe AG, Köln

Textredaktion: Dr. Ulrike Brandt-Schwarze, Bonn

Umschlaggestaltung: Christin Wilhelm, www.grafic4u.de

Unter Verwendung von Motiven von © arcangel: Ildiko Neer |

Malgorzata Maj | Deborah Pendell und

© shutterstock: vectortwins | Lukasz Szwaj

eBook-Produktion: hanseatenSatz-bremen, Bremen

ISBN 978-3-7325-8635-6

www.luebbe.de

www.lesejury.de

»Wahlrecht den Frauen, Keuschheit den Männern.«Christabel Pankhurst(Britische Suffragette; 1880–1958)

VORWORT

Im viktorianischen England änderte sich die Rolle der Frauen, als sie anfingen, sich an der Erwerbsarbeit zu beteiligen. Die Bewegung für das Frauenwahlrecht gab es zwar schon seit 1870, aber nach der Gründung der Women’s Social and Political Union (WSPU) 1903 gewann sie eine neue Dynamik. Im Gegensatz zu anderen Wahlrechtsvereinen schaffte es die WSPU mit ihrer Strategie, der sogenannten direkten Aktion, in die Schlagzeilen der Daily Mail, die den Begriff suffragettes prägte, um sie von ihren konventionelleren Mitstreiterinnen, den suffragists, zu unterscheiden.

Da die politischen Versprechen ständig gebrochen wurden, traten die Mitglieder der WSPU um 1910 immer militanter auf. Unter den inhaftierten Suffragetten kam es zu Hungerstreiks, auf die man in vielen britischen Gefängnissen mit Zwangsernährung reagierte. 1913, als der Tod einer Inhaftierten zu befürchten stand, führte die Regierung ein Gesetz ein, das im Volksmund als »Cat and Mouse Act« bezeichnet wurde. Es erlaubte, eine Hungerstreikende von der Haft zu beurlauben, wenn sie lebensbedrohlich geschwächt und sie erneut zu inhaftieren, sobald ihre Gesundheit wiederhergestellt war.

Keine der Frauen im Hungerstreik starb aufgrund ihrer Protestaktion, weder im Gefängnis noch nach ihrer zeitweiligen Entlassung. Das Gesetz wurde jedoch von der Bevölkerung als ungerecht angesehen und dementsprechend abgelehnt. Es erwies sich außerdem als schwierig umzusetzen, weil sich die Suffragetten ihrer neuerlichen Verhaftung durch die Polizei erfolgreich zu entziehen wussten.

1

Sobald Clara von der Arbeit weg kann, macht sie sich auf den Weg. Sie eilt die Seven Sisters Road hinunter bis zu dem kleinen Reihenhaus und schließt die Tür auf und geht hinein. Ihr Vater hat sich beim Geräusch des Riegels aus seinem Sessel erhoben, sinkt jedoch gleich wieder hinein, als er sieht, dass sie es ist. Sie zieht den Mantel aus und findet einen freien Haken dafür.

»Ist sie oben?« Sie setzt bereits einen Fuß auf die Treppe, und er lässt sie ohne ein Wort hinaufsteigen. Aber sie spürt seinen Blick, bis sie den Treppenabsatz erreicht.

In dem Schlafzimmer, das sie betritt, brennt nur eine Öllampe, die auf einer kleinen Kommode steht. Clara stellt die Flamme größer. Ihre Schwester liegt im Bett und dreht sich sofort zur Wand, um sich vor dem Licht zu verkriechen wie ein Insekt im Erdreich.

»Nicht!« Nancy bedeckt mit einer Hand ihr Gesicht und zieht sich die Decke bis über die Schultern.

Clara schnalzt mit der Zunge. »Ich muss dich doch ansehen können, oder?«

»Da gibt es nichts zu sehen«, entgegnet ihre Mutter, die mit finsterer Miene auf dem Stuhl in der Zimmerecke sitzt.

Nancy hechelt wie ein Hund. »Mach, dass es aufhört«, jammert sie. »Oh, es soll aufhören!«

Clara tritt ans Bett und kniet sich hin. Sie legt eine Hand auf Nancys Kopf, weil ihr das angemessen erscheint.

»Sie will es nicht rauskommen lassen«, erklärt ihre Mutter rundheraus.

Clara zieht ihrer Schwester den Arm vom Gesicht.

Nancy schließt die Augen. Ihr Mund ist zusammengekniffen, die Knie hat sie eng an den Leib gezogen. »Es tut weh, Clara. Es tut furchtbar weh, und es hört nicht auf.«

Clara schaut zu ihrer Mutter. »Wie lange geht das schon so?«

»Seit heute Mittag. Ich bin sofort losgegangen, um dich zu holen.«

»Ich konnte nicht weg.«

»Ich habe an der Pforte eine Nachricht hinterlassen.«

»Ich musste meine Arbeit erst zu Ende bringen, vorher wollten sie mich nicht gehen lassen.«

Ihre Mutter wendet sich auf dem Stuhl ab, damit sie ihre Töchter nicht sehen muss. Sie schlägt die Beine übereinander und setzt eine entschlossene Miene auf.

»Hast du nach der Hebamme geschickt?«, fragt Clara.

»Er war dagegen.«

»Er ist ein Trottel.«

»Meint, ich sollte inzwischen wissen, wie es geht, weil ich euch zwei bekommen habe. Er sagt, wir müssten allein damit fertigwerden.«

Clara steht auf und geht zu der Schüssel auf dem Frisiertisch. Das Wasser ist kalt. Sie nimmt einen Waschlappen, taucht ihn ein, wringt ihn aus und kehrt damit ans Bett zurück. Nancys Haare sind verschwitzt. Clara streicht sie ihr aus dem Gesicht und hinter die Ohren und legt ihr den Waschlappen auf die Stirn. Die Bettdecke schlägt sie bis zu den Knien zurück, und als Nancy danach greifen will, fängt Clara ihre Hand ab.

»Du glühst, Nancy. Du musst abkühlen.«

»Sie ist krank«, sagt ihre Mutter. »Sie sollte im Bett bleiben.«

»Sie ist nicht krank.«

»Ich will schlafen«, jammert Nancy. »Nur schlafen, sonst nichts.« Sie kneift die Augen zu, als eine neue Wehe heranrollt wie eine Welle an den Strand. »Oh, es soll aufhören. Bitte, irgendjemand soll machen, dass es aufhört!«

Ihre Mutter kommt ans Bett. »Das hättest du dir vorher überlegen sollen, nicht wahr!«

Clara sieht sie wütend an, bis sie zu ihrem Stuhl zurückgekehrt ist. »Ich gehe jetzt die Hebamme holen.« Sie zieht ihren Rock glatt. »Es wird nicht lange dauern. Gib acht, dass sie sich nicht weiter erhitzt.«

Als sie die Zimmertür öffnet, steht da ihr Vater und weicht vor ihr zurück. Sie geht an ihm vorbei. Am Treppenabsatz sagt sie: »Ich hole die Hebamme.«

»Nicht nötig«, schnauzt er, dann folgt er ihr die Treppe hinunter.

Halb erwartet sie, dass er seine Hand auf ihre Schulter legt. Wenn es ihm ernst ist, wird er sie nicht gehen lassen. Doch am Fuß der Treppe bleibt er stehen, während sie das Wohnzimmer durchquert und ihren Mantel vom Haken nimmt. Sie fährt in die Ärmel und hebt die Haare über den Kragen.

»Hast du nicht gehört?« Er wird laut, aber sie weiß, er will damit nur das Gesicht wahren, wie ein Hund, der einen Passanten anknurrt. »Ich sagte, das ist nicht nötig!«

»Man kann es richtig oder falsch machen, wie bei allem«, erwidert sie ruhig. »Irgendwas könnte schiefgehen.«

»Wäre keine Katastrophe, oder?« Er geht zu seinem Sessel und setzt sich. »Vielleicht sogar das Beste. Das Beste für uns alle.«

Clara schlüpft hinaus und eilt die Straße entlang, froh, von ihm weg zu sein.

Die Hebamme, mit der sie zurückkommt, hat eine knappe, nüchterne Art und beachtet den Vater kaum, sondern nickt ihm nur zu, während sie auf die Treppe zuhält. Das ärgert ihn, und er langt nach Claras Arm, um sie aufzuhalten.

»Ich werde sie nicht bezahlen«, zischt er. »Das ist dir doch klar?« Aber er lässt sie los. »Als hätte ich lauter Katzen um mich«, brummt er, als sie den Treppenabsatz erreicht.

Ihre Mutter steht mit der Hebamme am Frisiertisch. »Das Wasser ist kalt«, bemerkt die Hebamme.

»Wir haben sie gekühlt«, erklärt die Mutter und zeigt auf Nancy, die sich die Bettdecke wieder bis zum Kinn hochgezogen hat.

Die Hebamme geht zum Bett. Sie zieht die Decke zurück, sodass Nancy zusammengekrümmt und wimmernd den Blicken ausgesetzt ist. »Kommen Sie, Liebes.« Sie fasst sie bei den Schultern und dreht sie behutsam herum, damit sie ihr Gesicht sieht. Eins der beiden Kissen schüttelt sie auf. »Versuchen Sie, sich ein wenig aufzusetzen.« Aber Nancy jammert nur ängstlich und verloren. Die Hebamme nickt Clara zu. »Geben Sie mir meine Tasche.« Als Nächstes schickt sie die Mutter nach unten, um heißes Wasser zu holen.

Clara sieht zu, wie die Hebamme ihrer Schwester das Nachthemd bis über die Hüften hochschiebt. Die plötzliche Nacktheit bringt sie aus der Fassung, und sie wendet sich ab. Der Anblick erzeugt ein Gefühl des Ausgeliefertseins, bei dem ihr schwindlig wird. Doch so ist sie niemandem eine Hilfe, das ist ihr klar. Sie ermahnt sich streng. Was hier passiert, ist Realität, und nichts kann sie daran ändern. Also ist es besser, sie stellt sich dem, genau wie Nancy es tun muss. Sie holt tief Luft, um einen klaren Kopf zu bekommen, bevor sie sich wieder zum Bett umdreht.

Die Hebamme legt die Hände an Nancys Bauch. Behutsam tastet sie über die Seiten bis zum Nabel, dann nimmt sie ein hölzernes Hörrohr aus der Tasche und hält das eine Ende an den Bauchnabel, das andere an ihr Ohr. »Tritt er häufig?«

»Weiß ich nicht«, antwortet Nancy mürrisch und erschöpft.

»Wie bitte? Sie haben ihn nicht gespürt? Dann müssen Sie einen Bauch aus Stein haben, denn er hat ein kräftiges Herz.«

»Hat er?«

»Da ist bei ihm alles in Ordnung.«

Nancy umklammert ihr Kissen und zieht es sich vors Gesicht, als eine Wehe kommt. »Warum kommt er dann nicht?«

»Weil es noch nicht so weit ist.«

Nancy bricht in Tränen aus. Weinend verzieht sie das Gesicht und kneift die Augen zu.

Rasch greift die Hebamme nach ihrer Hand und legt sie fest auf den Bauch. »Fühlen Sie, wie er tritt? Da! Spüren Sie das?«

Nancy reißt staunend die Augen auf. »Das ist es?«

»Haben Sie das nicht gewusst?«

Clara tritt näher. Sie möchte auch den Bauch ihrer Schwester anfassen, um zu fühlen, wie es ist, ein lebendiges, tretendes Wesen in sich zu haben.

Da passiert etwas, das Nancy zum Lachen bringt. »Oh, oh, der kleine Bursche.« Sie schiebt die Finger zum unteren Rand des Bauches. »Er versucht es, nicht wahr?«, fragt sie die Hebamme. »Er versucht, sich rauszuschieben.«

Schweigend schauen die drei auf den Bauch, wie man auf ein Naturschauspiel wartet, und ganz plötzlich zeichnet sich ein Fuß an der Bauchdecke ab, als würde sich das Kind abstoßen und umdrehen, und die Schwestern blicken einander an, weil sie wissen wollen, ob die andere es auch gesehen hat. Halb erschrocken, halb staunend halten sie den Atem an.

»Kommen Sie, und helfen Sie Ihrer Schwester aus dem Bett.« Die Hebamme macht Clara Platz, und zusammen greifen sie Nancy unter die Arme und heben sie auf die Beine.

»Wohin soll sie gehen?«

»Nirgendwohin. Nur auf und ab. Das tut beiden gut. Sorgt für den Fortgang der Dinge. Bringt Luft in ihre Lunge.«

Clara ist fast zu ängstlich, um Nancy anzufassen, greift ihr aber um die Taille, und es ist doch nicht so seltsam wie geglaubt. Aneinandergelehnt halten sie sich bei den Händen und gehen im Zimmer hin und her, fünf Schritte zum Fenster und zurück. Bis vor einem Jahr haben sie sich ein Bett geteilt. Clara kennt also den Leib ihrer Schwester, die Figur unter dem Nachthemd, jedoch nicht so, nicht prall und schamlos und nachlässig. Nancy ist keine, zu der schwere Brüste und ein großer runder Bauch passen. Sie ist ein stilles Mädchen. Sehr schüchtern.

Ihre Mutter kommt mit heißem Wasser zurück und erschrickt beim Anblick der beiden. »Wieso bist du aufgestanden? Du musst liegen.« Um Zustimmung heischend schaut sie zur Hebamme, bekommt aber keine. »Ich werde eine Bettpfanne holen«, sagt sie und wendet sich zum Gehen. »Dein Vater sagt, du hättest ihn in den Pub getrieben.«

Die Hebamme setzt sich auf den Stuhl in der Ecke. Sie nimmt ihr Strickzeug aus der Tasche und widmet sich schweigend ihrer Handarbeit, während die Schwestern auf und ab gehen.

So hat Clara sich das nicht vorgestellt. Sie war nach Hause gekommen, um nach ihrer jüngeren Schwester zu sehen, ihr zu sagen, was sie tun soll, so wie immer. Doch nun macht Nancy etwas durch, das für sie beide neu ist, und zum ersten Mal ist Clara nicht die Erfahrenere. Immerhin hat sie daran gedacht, die Hebamme hinzuzuziehen. Das war doch etwas Nützliches. »Geht es dir besser, wenn wir laufen?«, fragt sie Nancy.

»Ein bisschen.« Und nachdem sie kehrtgemacht haben: »Das haben wir lange nicht mehr getan.«

»Wir haben das noch nie getan!«

»Doch, im Park«, erinnert Nancy sie. »Früher sind wir so im Park hin und her spaziert.«

»Das ist lange her«, sagt Clara. »Nicht mehr, seit wir arbeiten gehen.«

»Ja. Seitdem nicht mehr.«

Jedes Mal, wenn eine Wehe einsetzt, bleiben sie am Fenster stehen, und Nancy hält sich am Frisiertisch fest, beugt sich darüber und atmet tief ein und aus. Clara lässt dabei die Hand an ihrer Taille. Sobald Nancy weitergehen kann, legt sie den Kopf an Claras Schulter, und sie schlurfen durchs Zimmer, bis sie die Zeit vergessen haben und nicht mehr darauf achten, wer bei ihnen ist und wer nicht.

Ihr Vater kehrt aus dem Pub zurück. Sie hören, wie er die Haustür zuknallt. »Ist es erledigt?«, ruft er aus dem Wohnzimmer nach oben. Sie hören seine Stiefel auf den unteren Treppenstufen, dann aber die Stimme ihrer Mutter, die ihn auffordert, umzukehren und die Töchter in Ruhe zu lassen.

»Hexen sind das, nichts anderes.« Schimpfend steigt er die Stufen wieder herunter.

Die Hebamme überzeugt Nancy, einen Keks zu essen und einen Schluck Wasser zu trinken, dann nehmen sie das Stricken und Umhergehen wieder auf. Ein Weilchen später hält Nancy inne. »Oh …« Mit spitzen Fingern greift sie in Taillenhöhe an ihr Nachthemd. »Oh … oh … mir scheint, da passiert etwas.«

Sie treten auseinander. Nancys Nachthemd ist vorne nass, und sie steht in einer Pfütze.

»Das ist gut«, erklärt die Hebamme. »Das ist genau richtig.«

Nancy greift an ihren Ausschnitt. »Ich will es ausziehen, Clara. Hilf mir bitte.«

Clara nimmt es beim Saum und zieht es ihr über den Kopf.

Als Nancy nackt dasteht, legt sie wieder den Arm um den Hals ihrer Schwester und stöhnt.

Von Clara gestützt, beugt Nancy die Knie und kreist mit den Hüften. Sie stöhnt jetzt fortwährend, denn tief in sich spürt sie etwas Animalisches, das sie laut werden lässt. Clara erscheint sie fast wie eine Besessene, so als würde ihre Schwester von einer Macht benutzt, die sich um keine der beiden schert. Nancy wird immer schwerer zu halten und droht Clara zu entgleiten, sodass ihr nichts anderes übrigbleibt, als sich mit ihr hinsinken zu lassen. So knien sie schließlich beide am Boden wie kalbende Kühe in einem dämmrigen Stall.

Die Hebamme kniet sich neben sie. Sie wirkt völlig unerschüttert. »Besser, Sie atmen ihn hinaus, Mädchen. Erzwingen Sie es nicht. Lassen Sie ihn von selbst kommen.«

Nancy richtet sich kniend auf, und Clara rückt hinter sie, damit sich Nancy gegen sie lehnen kann. Aber sie braucht alle Kraft, um so zu bleiben. Sie spürt, wie Nancy sich anspannt und streckt, spürt ihr Zittern. Um der Liebe Gottes willen, denkt sie. Warum hast du dir das von ihm antun lassen? Und dann ändert sich erneut die Lage. Nancy hört auf zu stöhnen. Stattdessen starrt sie auf die Türklinke, als wäre die das Wichtigste auf der Welt.

Die Hebamme kommt mit einem warmen Waschlappen und drückt ihn Nancy zwischen die Beine. »Man kann jetzt den Kopf des Kindes spüren.« Sie nimmt Nancys Hand. »Nur zu. Sie tun ihm nicht weh.«

Nancy stemmt sich langsam von Claras Oberschenkeln hoch und betastet sich mit zitternden Fingern. »Da ist er, Clara!« Sie wirft den Kopf in den Nacken und lacht. Ihr Gesicht strahlt wie die aufgehende Sonne. »Er ist tatsächlich da!«

»Die nächste Wehe wird den Kopf ganz heraustreiben«, erklärt die Hebamme, und tatsächlich kommt er sofort, während Nancy sich in Claras Armen aufrichtet und dann presst, ihre Kraft zieht beide Schwestern nach vorn zum Boden, sodass die Hebamme sie mit einer Hand an Nancys Brustbein wieder aufrichten muss. »Wir haben den Kopf«, sagt sie. »Es ist ein Sterngucker, das Kind, hält den Blick auf Höheres geheftet. Nun sparen Sie Ihre Kräfte, Mädchen. Nicht pressen, wenn Sie nicht müssen.«

Nancy atmet tief. Kraftlos sackt sie gegen Clara. Plötzlich stemmt sie sich so vehement nach vorn, dass Clara sie loslässt. Aber sie zieht sie gleich wieder an sich, und kurz darauf gibt etwas nach. Nancy wirft sich erneut nach vorn, und Clara sieht das Kind, seinen Kopf und die Schultern. Ganz blaugrau gleitet es auf die Welt, mit einer Hand erschrocken ins Leere greifend. Clara fängt es bei den Schultern ab, ehe es weiter herausgetrieben wird, und einen Augenblick später wird es in ihre Hände geboren.

Einen Moment lang gibt es nur sie beide, die einander anstarren, dann bemerkt sie die Hebamme neben sich, die ein Tuch in der Hand hält. Sie wickelt das kleine Geschöpf darin ein und lässt die graue Nabelschnur herabhängen, als sie es Nancy zum Halten gibt.

Clara sinkt erschöpft zu Boden. Sie beobachtet Nancy, die sich ans Bett lehnt und ihr Kind bestaunt. »Was soll ich damit machen?«, fragt sie die Hebamme.

»Schauen Sie mal, ob es trinken will.«

Nancy legt sich das Kind an die Brust. »Ich kann das«, sagt sie ungläubig und stolz. »Clara, sieh doch. Er will mich. Siehst du?«

»Es ist kein Junge.« Die Hebamme lacht. »Überzeugen Sie sich selbst: Es ist ein Mädchen.«

»Ach.« Nancy klingt, als würde das alles ändern. Sie mustert das Kind. »Aber ist sie nicht hübsch?«

Clara geht zur Wasserschüssel und wäscht sich die Hände, ebenso die Hebamme.

»Sollte sie es im Arm halten?«, flüstert Clara, doch die Hebamme ignoriert sie, und sie schämt sich für ihre Frage. Sie hört ihren Vater an der Tür vorbei in sein Zimmer gehen. »Besser ich wische jetzt den Boden«, sagt sie zu der Hebamme.

Ihre Mutter sitzt allein in der Küche. »Hat sie es geschafft?«

»Es ist ein Mädchen.«

»Nun, das war’s dann.« Sie öffnet eine Schranktür und schließt sie, ohne etwas herauszunehmen. »Du gehst wieder zurück, nehme ich an.«

»Meine Schicht fängt gleich an.«

Clara füllt Wasser in einen Topf und stellt ihn auf den Herd. Als es heiß ist, gießt sie es in den Eimer und sucht die Scheuerbürste hervor. Auf der Treppe begegnet sie der Hebamme, die soeben herunterkommt, um das Haus zu verlassen, und bezahlt sie aus eigener Tasche. Sie trägt den Eimer nach oben in das Zimmer, wo sie den Lampendocht höher dreht. Nancy ist fast eingeschlafen mit dem Kind an der Brust.

Clara geht auf die Knie und schrubbt den Fußboden, beginnend in der Mitte, wo Nancy das Fruchtwasser verloren hat, und bewegt sich von dort rückwärts zum Bett. Gott, ist sie müde. Seit dem Frühstück hat sie sich nicht ausgeruht, und ihr Rücken schmerzt furchtbar.

Flüchtig nimmt sie wahr, wie ihre Schwester die Augen schließt. »Nancy? Nancy! Nicht einschlafen.« Und dann etwas leiser: »Ich muss sie mitnehmen. Weißt du noch?«

Nancy schreckt hoch. »Nicht jetzt, Clara. Bitte. Erst morgen früh.«

»Es wird dadurch nicht leichter, oder? Besser, ich tu’s sofort.« Sie steht auf und legt die Bürste in den Eimer. In solch einer Situation gibt es nur eins: Man muss praktisch denken. Und sich beschäftigen. Sie denkt an ihre Mutter, während sie vor dem Bett steht und das unbenutzte Leinenzeug zusammenfaltet.

Nancy wirkt wie ein kleines Mädchen, das verzweifelt seine Puppe festhält. »Wenigstens noch ein bisschen?«, bittet sie. »Nur noch einen Moment.«

Clara zieht die Brauen zusammen, geht aber mit dem Eimer nach unten. Sie gießt das Wasser im Hof in einen Abfluss, dann holt sie aus der Vorratskammer den Korb, den ihre Mutter zum Einkaufen benutzt. Sie polstert ihn mit einer Decke aus, die so warm und weich ist, dass ihr Entschluss ins Wanken gerät. Vielleicht wäre es doch besser, bis zum Morgen zu warten? Vielleicht wäre es nicht so gut, mitten in der Nacht an eine Haustür zu klopfen und die halbe Nachbarschaft aufzuwecken. Über solche Dinge tratschen die Leute gern. Schluss damit, sagt sie sich. Diese Sache wird am besten möglichst bald erledigt, und mit der Frau ist es ohnehin abgesprochen. Die erwartet mich.

Sie kehrt in das Schlafzimmer zurück und stellt den Korb neben das Bett. Nancy fängt an zu weinen.

»Aber, aber«, sagt Clara sanft. Sie beugt sich hinüber und legt dem Säugling ihren kleinen Finger an den Mundwinkel. »Siehst du? So macht man das, damit sie nicht aufwacht.«

Das Kind regt sich für einen Moment, dann schläft es weiter, und Clara kann es hochnehmen. Nackt und warm liegt es auf ihrem Unterarm, aber sie wagt nicht, es länger zu halten. Sie legt es in den Korb und deckt es zu, und Nancy dreht sich weg. Das war’s also, denkt Clara. Besser ohne Aufregung. Leise schließt sie hinter sich die Zimmertür.

Das Haus, zu dem sie das Kind bringt, liegt ganz in der Nähe, und die Frau öffnet, ohne dass Clara ein zweites Mal klopfen muss.

Sie nimmt den Korb und wirft nur einen schnellen Blick hinein. »Hat es einen Namen?«

Daran hat Clara nicht gedacht. »Nein. Braucht sie einen?«

Die Frau zuckt nur die Achseln und schließt die Tür.

2

Als sie aufwacht, gibt es einen Moment, da ihr die Welt freundlich erscheint. Einen Moment, bevor sie den Verlust ihrer Tochter fühlt, das schreckliche Wissen, dass sie fort ist, dass ihr Bauch, wo das Kind zusammengekrümmt schlief, nun verwaist ist.

Der Drang zu urinieren überkommt sie, und sie schwingt die Beine über die Bettkante. Im Halbdunkel der zugezogenen Vorhänge tastet sie mit den Füßen nach dem Eimer, bis sie dagegenstößt. Sie rafft ihr Nachthemd hoch und hockt sich hin. Der Henkel des Eimers klappert, weil ihre Oberschenkel zittern, und es brennt, als sie Wasser lässt. Wieder hat sie Schmerzen. In den Ellbogen und Knien. Im Kreuz und zwischen den Schulterblättern. Überall tut es weh.

Das Kind könnte noch da sein. Sie erlaubt sich, es zu glauben. Vielleicht noch in ihrem Bett, wo es still unter der Decke atmet, oder warm eingewickelt in einem Korb irgendwo außerhalb ihres Blickfelds. Vielleicht hat Clara es nicht übers Herz gebracht. Vielleicht liegt ihr Töchterchen dort auf dem Boden? Auf der anderen Seite des Bettes? Wenn sie nur aufhören könnte, Pipi zu machen, würde sie es hören. Aber erst nach einer Ewigkeit auf dem Eimer beugt sie sich nach vorn auf die Knie und kriecht über den Fußboden, ihre Hoffnung nun schon groß wie eine Kerzenflamme.

Mit angehaltenem Atem späht sie am Bett vorbei in die Düsternis einer leeren Ecke. Sie schiebt eine Hand unter die Bettdecke und schlägt sie mit einem Schwung zur Seite, nur für den Fall, dass das Kind über Nacht irgendwie flacher geworden ist, als Nancy es in Erinnerung hat. Es war ein so winziges Wesen. Es könnte noch da sein, fest zugedeckt und tief schlafend, sodass Nancy es noch nicht entdeckt hat. Es sieht ihr ähnlich, alles falsch mitzubekommen. Das Baby kann überall sein. Überall, nur nicht bei ihr.

Clara hat es mitgenommen, wie sie gesagt hat. Alle waren damit einverstanden. Sie hat noch nie ihre Meinung geändert, nicht, wenn sie beschlossen hat, dass etwas richtig ist. Die Enttäuschung fällt klirrend in ihre Brust wie eine Münze ins Sparschwein, die man für schlechte Zeiten zurücklegt. Sie sagt sich, dass das dumm ist. Das Kind zu vermissen ist dumm. Bis gestern Abend hat sie nicht mal einen Gedanken an das Baby verschwendet. Erst als sie seinen Kopf berührt hat. Bis dahin hatte sie gar nicht an es denken wollen.

Bei den Nachbarn nebenan gibt es ein Neugeborenes. Sie kann durch die Wände hören, wenn es schreit. Und es ist nicht ihr erstes. Sie haben schon zwei, mit nur einem Jahr Abstand. Allerdings sagt die Frau, sie müsse nicht mehr arbeiten, sie habe ihre Stellung gleich nach der Heirat aufgegeben, weil sein Lohn ausreicht, ohne dass sie allzu viele Näharbeiten annehmen muss. Nancy weiß nicht genau, welchen Beruf er hat, aber seinem Aussehen nach arbeitet er in einem Büro. Es ist ein sonderbares Gefühl, gleich nebenan eine Frau zu wissen, die ein ganz anderes Leben führt als sie.

Vater ist lieb zu ihr, als sie sich unten blicken lässt. Seine Morgenstimmung. Er meint, sie solle für ein, zwei Tage im Bett bleiben, und als Mutter fragt, wer dann die Wäsche waschen und die Böden wischen soll, erwidert er, sie solle den Mund halten und sich an die Arbeit gewöhnen, sie werde es ohnehin tun müssen, sobald ihre Tochter ausgezogen ist. Das Kind erwähnen sie gar nicht. Nancy nimmt eine Scheibe Brot mit auf ihr Zimmer, dankbar für die friedliche Ruhe dort, und wundert sich, weshalb sie sich so merkwürdig fühlt. Sie ist heute nicht wie sonst. Andauernd muss sie sich ermahnen zu kauen. Sie schaut auf ihre Füße. Beide sind geschwollen und rosa, die dicken Zehen sind nicht mehr so hübsch, wie sie mal waren. Sie streicht sich über den Bauch, der jetzt schlaff und flach ist, wie etwas, das die alte Mrs Oliver nach dem Waschtag auf die Leine hängt.

Kaum liegt sie wieder im Bett, als ihr Vater anklopft, ein Mal nur, und ins Zimmer huscht. Leise schließt er die Tür, dann stellt er sich mit dem Rücken davor. Er sieht zu Boden und wringt die Hände, als forme er erst die Worte, die er sagen will. Nancy setzt sich auf, lehnt sich ans Betthaupt und zieht die Knie an die Brust.

»Ich wollte wissen …« Er stockt. »Wollte fragen …« Erneut zögert er, dann zündet er seine Lunte und zeigt energisch mit dem Finger auf sie. »Du musst mir sagen, was du zu tun gedenkst!« Er geht ein paar schnelle Schritte ins Zimmer hinein, zieht sich aber wieder an die Tür zurück, und Nancy genießt seine Unsicherheit. So erlebt sie ihn selten. In milderem Ton fährt er fort. »Du könntest trotzdem hierbleiben. Es muss sich nichts ändern. Zumal jetzt alles erledigt ist.« Er dreht sich zum Fenster und tut so, als gebe es draußen etwas Interessantes zu beobachten – einen Wagen oder eine Frau, die unten auf dem Trottoir vorbeigeht. »Du gehörst hierher. Hier bist du geboren.« Er räuspert sich, vielleicht weil er bereut, eine Geburt erwähnt zu haben. »Deine Mam und ich … wir brauchen dich.«

Er wartet, ob sie etwas sagt, und als sie schweigt, schlägt er einen förmlicheren Ton an. »Daher dachte ich, du solltest wissen, wenn du eine neue Anstellung findest, nun ja, du darfst die Hälfte deines Lohns behalten. Egal, wie viel du verdienst. Die Hälfte des Lohns.«

Sie weiß, es ist ein gefährliches Spiel, weiter zu schweigen – er kann jeden Moment wütend werden –, doch ihr fällt überhaupt nichts ein, was sie sagen könnte, nichts, das ihr nützen würde oder nicht gelogen wäre.

Seine Brauen zucken. Jetzt fängt es an, denkt sie, aber er schüttelt den Kopf. Wenn er den Gedanken hatte, sie zu schlagen, so hat er ihn beiseitegeschoben. Noch immer hat er einen gemeinen Zug um den Mund, so als würde er gleich quer durchs Zimmer spucken. Er schiebt die Hände in die Hosentaschen. »Deine Schwester denkt, sie weiß, was das Beste ist, aber sie hat nicht immer recht.«

»Sie hätte das Kind nicht mitnehmen sollen«, sagt Nancy. Sie bereut es sofort und versucht, es abzuschwächen. »Nicht so jedenfalls, mitten in der Nacht, ohne dass ich mich anständig verabschieden konnte.«

»Das ist typisch. Stimmt doch, oder? Sie bringt uns alle dazu, zu tun, was sie will. So war sie schon immer.« Verstohlen schielt er zu ihr hinüber. »Also werde ich es ihr sagen. Soll ich? Ihr sagen, dass du hierbleibst und deinen eigenen Weg gehst?« Er tritt ans Bett und setzt sich auf den Rand, befreit von der Anspannung, die ihn eben noch steifbeinig machte. Er legt eine Hand auf ihr Knie, und durch die Berührung verliert sie sich, sie treibt sie an jenen Ort, wo sie ein Nichts ist. Ohne Gedanke, ohne Stimme. Niemand.

»Sie will uns am Donnerstag besuchen«, sagt er leise. »Soll ich es ihr dann sagen?«

Der Säugling nebenan fängt an zu weinen, sie hört es durch die Wand hinter sich und fühlt die Milch einschießen und aus ihren Brüsten tropfen, fühlt es mit Entsetzen. Hastig nickt sie, während sie die Bettdecke bis unters Kinn zieht, weil sie weiß, nach einem Ja wird er sie in Ruhe lassen.

Am Donnerstag ist die Schwellung ihrer Füße abgeklungen, und sie kann Schuhe anziehen. Sie wickelt Leinenstreifen um ihren Brustkorb wie einen Verband. Es ist das erste Mal seit einer Woche, dass sie das Haus verlässt. Das erste Mal, dass sie einen Mantel braucht.

Sie treffen vor Clara im Café ein. Nancy setzt sich weit von ihrer Mutter weg an den Tisch. Sie bestellen eine Kanne Kaffee mit drei Tassen. Ihre Mutter sagt, sie werden keinen Kuchen essen, und Nancy sagt, sie habe nichts dagegen. Sie denkt, je weniger sie den Mund aufmacht, desto besser.

Bis Clara hereinkommt, sind sie alle drei in Schweigen verfallen. Vater hat eine Zeitung aufgeschlagen, um respektabel zu erscheinen, aber Nancy weiß, dass er sie nicht liest. Er legt sie hin, als Clara sich zu ihnen setzt, auf den Platz zwischen ihm und Nancy.

»Ihr habt schon bestellt.«

»Wir wussten nicht, wann du kommst«, erklärt ihr Vater.

»Nun, jetzt bin ich da. Wollen wir Kuchen essen?« Sie winkt einer Kellnerin, und Nancy denkt, das ist wieder typisch für sie, gibt sich nie mit dem zufrieden, was da ist, immer will sie mehr. Halb ärgert es sie, halb bewundert sie ihre Schwester dafür.

Clara greift nach ihrer Hand und drückt ihre Finger. »Nancy? Bestimmt hast du Lust auf ein Stück Kuchen. Wie geht’s dir inzwischen?«

»Sie war krank«, sagt ihre Mutter.

Clara hält die Hand ihrer Schwester fest, aber Nancy findet darin keinen Trost. »Bist du heute zum ersten Mal außer Haus?«

»Was darf ich Ihnen bringen?«, fragt die Kellnerin, die plötzlich am Tisch steht.

Clara wird nervös, lässt Nancys Hand los und greift nach einer Speisekarte, ohne jedoch einen Blick hineinzuwerfen. »Muffins, bitte. Zwei Muffins mit Butter und eine Tasse Kaffee für mich.«

»Wir werden nicht bleiben.« Ihre Mutter trinkt demonstrativ ihren Kaffee aus und stellt die Tasse ab.

Ihr Vater faltet die Zeitung zusammen. »Wir sind hier, um dir mitzuteilen, dass Nancy dein Stellenangebot nicht annehmen wird.« Er strafft die Schultern. »Sie wird auf absehbare Zeit bei uns bleiben.« Er legt die Hände flach auf den Tisch, als wäre das Thema damit beendet.

»Um was zu tun?« Clara hebt die Stimme. »Bei Freeman’s wird man sie nicht mehr nehmen. Die Stelle hat inzwischen bestimmt jemand anderes.«

Nancy schämt sich. Sie hatte gewusst, dass es so kommen würde, sie würden sich zanken wie Krähen um ein Stück Aas.

Nun wendet sich Clara an sie. »Möchtest du das, Nancy? Das Bewerbungsgespräch ist für morgen arrangiert, und wenn du die Stelle bekommst, kannst du noch diese Woche anfangen.«

»Sie wird nicht hingehen«, bestimmt ihr Vater.

Nancy zieht die Hände vom Tisch und legt sie in den Schoß.

»Sie muss«, erwidert Clara. »Alles ist besprochen.« Sie blickt ihn direkt an, dabei streckt sie den Hals und hebt das Kinn wie ein Schwan, der das Gefieder sträubt. »Ich habe mich dafür eingesetzt, und sie lässt mich im Stich, wenn sie nicht hingeht.«

»Sie wird nicht hingehen.«

»Dann möchte ich das von ihr selbst hören.«

Doch Nancy bringt nicht den Willen auf zu sprechen, und selbst wenn, würde ihr niemand zuhören.

»Du weißt, wie sie ist«, sagt ihre Mutter.

Ihr Vater stellt seine Tasse ab, dass es klirrt. »Wie ich schon sagte, es gibt nichts zu besprechen.«

»Stimmt«, pflichtet Clara ihm bei. »Gibt es ja nie. Genau wie beim Vater ihres Kindes. Da gab es auch nichts zu besprechen.«

Die Kellnerin bringt die Muffins und stellt den Teller mit einer Grobheit vor sie hin, als hätte sie genug gehört, um ihr Urteil über sie alle zu fällen.

»Bitte, nicht das wieder!«, sagt ihre Mutter, sobald die Kellnerin weggegangen ist. Sie steht auf und greift hinter sich nach ihrem Mantel. »Es war der Junge aus der übernächsten Straße. Richard Soundso, der mit den hellblonden Locken.«

»Richard Carter?«, ruft Clara viel zu laut aus. Sie senkt ihre Stimme. »Der war es nicht! Das kann ich dir versichern.«

Ihre Mutter macht eine wegwerfende Geste und strebt auf die Tür zu. »Tom? Komm jetzt.«

Nancy ist erleichtert, weil sie gehen, bevor noch mehr gesprochen wird.

Ihr Vater hat sich halb vom Stuhl erhoben. »Komm, Nancy«, sagt er leise und nimmt sie beim Ellbogen, um ihr aufzuhelfen. »Komm jetzt mit uns.«

Nancy erhebt sich bereits, als Clara sie am anderen Arm festhält und auf den Stuhl zurückzieht. »Ich werd’s ausplaudern, wenn ich muss«, zischt sie ihm über Nancys Kopf hinweg zu.

Daraufhin lässt er seine Tochter los. »Mach, was du willst«, entgegnet er. Und dann: »Gut, dass wir euch beide los sind.«

Clara hält Nancy fest, bis sich die Tür des Cafés hinter den Eltern geschlossen hat. »Diese Stellung ist wichtig, Nancy. Du wirst im selben Haus wohnen wie ich. Der Lohn ist ganz gut. Und du bist in Sicherheit.«

»Ja.« Nancy nickt. »Das sagtest du schon.«

3

Clara lässt Nancy auswendig lernen, was sie erzählen soll, wenn sie sich vorstellt – warum sie ihre vorige Arbeit aufgegeben hat, warum sie eine neue Stellung antreten möchte, wann sie geboren ist, denn sie soll sich fünf Jahre älter machen. Nancy findet es aufregend, nun die Ältere zu sein, bis ihr klar wird, dass Clara auch über ihr eigenes Alter gelogen haben muss.

»Nagelneue Strümpfe, ein gestärktes Taschentuch, flache Schuhe mit Schnallen, auf Hochglanz poliert, und dein dunkelblaues Kleid, gründlich gewaschen und gebügelt.« Das schärft sie ihr zusätzlich ein. Und noch mehr. »Steck dir die Haare hoch, Nancy. Und nimm die Haarspange, die ich dir vergangenes Jahr geschenkt habe, die schlichte aus Messing. Die wäre sehr passend.«

Vor dem Gefängnis angekommen, denkt Nancy, dass es wie ein Schloss aussieht. Es hat Türme und hohe Mauern. Es hat ein hohes schwarzes Tor, wie sie in Spukgeschichten vorkommen, und es wirkt zu einschüchternd, als dass Nancy daran klopfen möchte. Deshalb ist sie froh, dass Clara die Tür erwähnt hat, die daneben in die Mauer eingelassen ist.

Obwohl sie halb damit rechnet, weist die Frau im Pförtnerbüro sie nicht ab. Sie sagt, Nancy stünde auf einer Liste, und gleich werde sich jemand um sie kümmern.

Eine Wärterin kommt. »Miss Cooper? Bitte folgen Sie mir.« Die Frau geht voraus, offenbar nicht geneigt, mit ihr zu plaudern, denn sie geht so schnell, dass Nancy immer einen oder zwei Schritte zurückbleibt. Sie trägt ein langärmliges Kleid aus dunkelblauem Tuch, das bis zum Boden reicht, auf dem Kopf eine passende Haube, die unter dem Kinn fest zugebunden ist. Sie führt Nancy aus dem Gebäude und über einen kleinen Hof mit hohen dunklen Mauern. Sie treten durch eine weitere Tür in einen weiteren Gang. Sie begegnen anderen Wärterinnen, die alle genauso gekleidet sind und mit gefalteten Händen einherschreiten. Wie Nonnen, denkt Nancy. Oder finstere Engel. Streng, unerbittlich und unnahbar.

Die Frau hält vor einer Tür an, die sie weit öffnet. »Bitte, warten Sie hier.« Sie bedeutet Nancy, hineinzugehen, und lässt sie dann allein.

In dem Raum gibt es einen Schreibtisch und ein Wandbord mit drei Büchern, aber kein Fenster, und Nancy wartet eine ganze Weile, während sie nichts tun kann, außer den Gesprächen der Frauen zuzuhören, die auf dem Korridor vorbeigehen.

Irgendwann kehrt die Wärterin mit einem Prüfungsbogen zurück. Er enthält Rechen- und Textaufgaben. Sie gibt Nancy einen Bleistift und ein Lineal. »In zwanzig Minuten komme ich zurück und nehme das Blatt wieder an mich.« Sie sieht auf die Uhr an der Wand, dann geht sie und zieht die Tür hinter sich zu.

Nancy holt tief Luft, schreibt ihren Namen oben an den Rand und fängt an.

Die Vorsteherin des Gefängnisses ist eine Miss Hardgrave, und als Nancy ihr vorgestellt wird, liegt der Prüfungsbogen bereits auf ihrem Schreibtisch. Sie trägt ein schlichtes Kostüm aus grauem Tuch, durch das sie zugänglicher wirken könnte als die Wärterin, aber weder lächelt sie Nancy an, noch gibt sie ihr die Hand. Ebenso wenig bietet sie ihr an, sich zu setzen, stattdessen lässt sie Nancy ihr gegenüber hinter dem leeren Stuhl stehen.

»Wie heißen Sie?«

Ihr Name steht zwar oben auf dem Blatt, aber Nancy weiß, dass dies eine Methode ist, um hervorzuheben, wer hier zu bestimmen hat. »Nancy Cooper, Miss.«

»Kein zweiter Vorname?«

»Nein, Miss.«

»Und Sie sind vierundzwanzig Jahre alt? Ist das richtig?«

»Ja, Miss. Gerade geworden, am 5. Mai.«

Die Vorsteherin schaut in ihre Notizen. »Bitte, setzen Sie sich.« Ihr Ton deutet an, dass Nancy sich gleich beim Hereinkommen hätte setzen können, wenn sie kühn genug gewesen wäre. »In den vergangenen drei Jahren haben sie als Verkäuferin in einem Kaufhaus namens Freeman’s gearbeitet, haben aber vor sechs Monaten dort aufgehört.« Sie hebt den Kopf, um über den Brillenrand zu blicken. »Waren Sie dort zufrieden?«

»Ja, Miss. Ziemlich zufrieden. Die Arbeit war anstrengend, aber angenehm. Es hat mir gefallen, so vielen Menschen zu begegnen.«

»Und trotzdem haben Sie gekündigt, ohne eine andere Stellung in Aussicht zu haben. Warum?«

»Mein Vater ist krank geworden, Miss. Er musste gepflegt werden, und wir hatten beschlossen, dass ich das übernehmen sollte und nicht Clara.«

»Ja, natürlich – Ihre Schwester.« Die Vorsteherin lächelt kurz, als der Name fällt. »Und wie geht es Ihrem Vater jetzt?«

»Vorigen Monat ist er gestorben, Miss.« Nancys Mund rettet sie, da er schneller arbeitet als ihr Verstand, obgleich ihre Scheu zu lügen ihr die Farbe aus den Wangen treibt.

»Das tut mir leid zu hören«, sagt die Vorsteherin freundlich und wirkt dann einen Moment lang verwirrt, als wäre sie in ein Buch vertieft gewesen und müsse in die Wirklichkeit zurückfinden. Noch einmal schaut sie in ihre Notizen und tippt mit dem Finger auf den Prüfungsbogen. »Das ist … nicht bemerkenswert … aber ich habe schon schlechtere Ergebnisse gesehen.« Sie schiebt das fehlerhafte Blatt nach unten, sodass ein anderes zuoberst liegt. »Wie ich sehe, hat man Ihnen bei Freeman’s ein Zeugnis ausgestellt.« Sie zieht eine Braue hoch. »Stehen Sie bitte auf, Miss Cooper.« Sie zeigt, wo Nancy sich hinstellen soll. »Da drüben, damit ich Sie sehen kann.«

Nancy tritt in die Mitte des Raumes. Miss Hardgrave mustert sie von oben bis unten – und durchschaut sie restlos, davon ist Nancy überzeugt. »Heben Sie Ihr Kleid an, bitte, Miss Cooper.«

Nancy zögert nicht, sondern rafft den Stoff in beide Hände und hebt den Saum an, nicht höher als zwei Fingerbreit über den Knien, denn das wäre unanständig, wie sie weiß. Clara hat sie eigens davor gewarnt.

Die Vorsteherin beginnt bei den Füßen. »Das gefällt mir. Vernünftiges Schuhwerk. Strümpfe ohne Löcher. Jetzt drehen Sie sich um.«

Nancy tut es, hält den Blick auf die Wand gerichtet, während sie sich auf den Fußballen dreht und versucht, nicht daran zu denken, wie sie in den Augen eines anderen erscheint, sondern stellt sich den Augen des Premierministers und des neuen Königs, George V., deren Porträts über dem Kamin hängen.

Die Vorsteherin nickt zufrieden. »Danke. Sie dürfen Ihr Kleid wieder herunterlassen und sich setzen.« Nancy kehrt zum Stuhl zurück. »Die Kleinigkeiten, die dem Auge gewöhnlich verborgen sind, verraten am meisten über uns, Miss Cooper.«

Nancy ist erleichtert. Das Schlimmste hat sie wohl hinter sich. Alles ist genauso verlaufen, wie Clara angekündigt hat.

»Sie kommen mir ein wenig zu still vor«, sagt Miss Hardgrave in einem scharfen Ton, der jeden Optimismus zunichtemacht. »Wenn Sie in dieser Arbeit erfolgreich sein wollen, können Sie es sich nicht leisten, kleinlaut zu sein.«

»Nein, Ma’am.«

Die Vorsteherin hält inne, um mit ihren folgenden Worten die größtmögliche Wirkung zu erzielen. »Möchten Sie gern wissen, wie viele Mörderinnen wir hier haben?«

Nancy kann nicht anders, sie reißt die Augen auf, dann senkt sie den Kopf, um zu überlegen, was sie antworten soll. Die Vorsteherin will sie offenbar auf den Arm nehmen, und daher beschließt sie, lieber zu schweigen, als etwas Falsches zu sagen.

»Es sind fünf, Miss Cooper. Sie haben entweder ihren Mann oder ihre Kinder ermordet, aber ich bezweifle, dass Sie sie unter den Insassen erkennen würden. Frauen eignen sich nicht zu Meisterverbrechern, Miss Cooper. Sie neigen auch nicht zu Grausamkeit oder Gewalt. Dankenswerterweise liegt das nicht in unserer Natur, ganz im Gegensatz zu den Männern. Die meisten Frauen in unserer Obhut sind Prostituierte und Trinkerinnen, denen man nicht viel mehr als Dummheit vorwerfen kann. Die Frauen mögen Ihr Mitgefühl wecken, sie brauchen es jedoch nicht, und es würde ihnen auch nicht nützen. Was sie brauchen, ist Ihr gutes Beispiel. Sie müssen in Ihnen eine Frau von vorbildlichem Charakter sehen. Können Sie mir sagen, was dazugehört?«

Davon hat Clara ihr nichts gesagt, und Nancy wird nervös. »Sollte ich aufrichtig sein?«

»Das wäre das Mindeste«, antwortet Miss Hardgrave grimmig.

Nancy erinnert sich, was Clara über die Arbeit gesagt hat, die die Gefangenen leisten müssen. Sie sollen dadurch umerzogen werden. Sie spult das Gehörte nacheinander ab. »Ich sollte hart arbeiten und immer sauber sein. Ich meine, hygienisch – wissen, wie man richtig Wäsche wäscht und einen Boden wischt. Und nähen. Ich sollte gut nähen können, und das tue ich, Miss. Ich kann sehr gut nähen.«

Die Vorsteherin nickt beifällig. »Einen Haushalt führen zu können ist eine wesentliche Fähigkeit, Miss Cooper, aber vor allem sollten Sie als tugendhaft angesehen werden.«

»Ja, Miss. Selbstverständlich, Miss.«

»Wenn eine Frau ihre Tugendhaftigkeit und ihre Würde verloren hat, besitzt sie nichts mehr.«

»Nein, Miss.«

»Und die Frauen hier haben nichts mehr. Sie werden ihnen ein Beispiel geben müssen, Miss Cooper, und Sie dürfen darin niemals nachlassen. Das ist unsere einzige Hoffnung.« Die Vorsteherin hält inne. Noch einmal mustert sie Nancy eingehend, wobei sie mit dem Finger auf die Schreibtischplatte klopft.

Nancy denkt an ihre bandagierten Brüste. Vielleicht hat Miss Hardgrave es längst erraten.

»Ihre Schwester ist nun ein gutes Jahr bei uns und macht sich sehr gut. Unter diesen Umständen wäre es unverständlich, Ihnen nicht auch die Möglichkeit zu geben. Deshalb bin ich damit einverstanden, dass Sie für eine Probezeit von drei Monaten bei uns arbeiten. Sie werden unsere Angestellten bei ihrer Arbeit begleiten, um praktische Erfahrungen zu sammeln, mit der Aussicht, selbst Wärterin zu werden und die Ausbildung zu absolvieren. Haben Sie Fragen?«

»Nein, Miss.« Nancy lächelt erleichtert. Und bevor sie geht, fällt ihr ein, was sie noch sagen sollte: »Danke, Miss.«

4

Miss Jackson, die Oberaufseherin, hat ein weiches Gesicht mit kaum ausgeprägten Zügen wie ein Kind. Ein Gesicht, das Männer entweder sehr hübsch oder völlig reizlos finden, denkt Clara, weiß aber nicht, was davon zutrifft, und misstraut ihr deswegen. Miss Jackson sagt, sie solle ihre Schwester in zehn Minuten an der Pforte abholen. »Ich dachte, Sie möchten ihr vielleicht helfen, sich einzugewöhnen. Es wird sie beruhigen, ein vertrautes Gesicht zu sehen.«

Clara ärgert sich darüber, kann aber natürlich nicht ablehnen. Nancy soll nicht annehmen, dass sie ständig für sie da sein wird. Es wäre besser für sie beide, während der Arbeit voneinander unabhängig zu sein, und überhaupt, sie ist sich nach wie vor nicht sicher, ob Nancy kommen wird. Dass sie möglicherweise zu Miss Jackson zurückkehren und gestehen muss, dass auf ihre Schwester kein Verlass ist, ärgert sie noch mehr, und sie läuft mit energischen Schritten die Korridore entlang, die Hände noch fester ineinander verschränkt als sonst.

Am Schwarzen Brett hängen der Dienstplan und eine Liste mit den Zimmernummern der Wärterinnen. Sie fährt mit dem Finger an den Namen entlang. Nancy Cooper hat die Nummer 501, die, wie Clara zufrieden feststellt, in einem anderen Trakt liegt als ihr eigenes Zimmer. Sie klopft an die Bürotür, dann tritt sie ein. Miss Penny, die Sekretärin, sitzt wie gewöhnlich an ihrem Schreibtisch. Sie trägt meist geblümte Blusen, was ihre Rolle als reine Verwaltungskraft unterstreicht und ihr den Anschein gibt, in einem ganz gewöhnlichen Büro zu arbeiten. Es befindet sich nur zufällig im Frauengefängnis.