Am Anfang stand ein Traum - Hanna Thierfelder - E-Book

Am Anfang stand ein Traum E-Book

Hanna Thierfelder

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Beschreibung

Ronny hat es im Leben nicht immer leicht gehabt, aber plötzlich wendet sich das Blatt. Er findet einen Job, der mehr als gut bezahlt ist und er kann dabei auch noch Gutes tun. Für einen Pharmakonzern, der neue Wege gehen will, soll er Albträume bearbeiten, damit Patienten auch ohne Tabletten wieder durchschlafen können. Viel zu spät kommen ihm erste Zweifel. Ein bodenloser Abgrund tut sich vor ihm auf – und er steht hilflos davor!
Hanna Thierfelder ist vielen Lesern durch ihre eher ungewöhnliche Art Reiseführer und Reiseberichte neu zu interpretieren bekannt.
Mit »Am Anfang stand ein Traum« legt sie ihren ersten Roman vor, und wieder möchte sie genreuntypisch schreiben – weder Krimi, noch Science-Fiction, noch ein typischer Medizin-Thriller, aber von jedem für jeden ist etwas dabei!

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Hanna Thierfelder

 

 

Am Anfang

stand ein Traum

 

 

 

 

 

Roman

 

 

 

 

 

 

Impressum

 

Neuausgabe

Copyright © by Authors/Bärenklau Exklusiv

Cover: © by Igor Morski mit Bärenklau Exklusiv, 2024 

Lektorat/Korrektorat: Claudia Müller

 

Verlag: Bärenklau Exklusiv. Jörg Martin Munsonius (Verleger), Koalabärweg 2, 16727 Bärenklau (OT), Gemeinde Oberkrämer. Kerstin Peschel (Verlegerin), Am Wald 67, 14656 Brieselang

[email protected]

 

Die Handlungen dieser Geschichte ist frei erfunden sowie die Namen der Protagonisten und Firmen. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind rein zufällig und nicht gewollt.

 

Alle Rechte vorbehalten

 

Das Copyright auf den Text oder andere Medien und Illustrationen und Bilder erlaubt es KIs/AIs und allen damit in Verbindung stehenden Firmen und menschlichen Personen, welche KIs/AIs bereitstellen, trainieren oder damit weitere Texte oder Textteile in der Art, dem Ausdruck oder als Nachahmung erstellen, zeitlich und räumlich unbegrenzt nicht, diesen Text oder auch nur Teile davon als Vorlage zu nutzen, und damit auch nicht allen Firmen und menschlichen Personen, welche KIs/AIs nutzen, diesen Text oder Teile daraus für ihre Texte zu verwenden, um daraus neue, eigene Texte im Stil des ursprünglichen Autors oder ähnlich zu generieren. Es haften alle Firmen und menschlichen Personen, die mit dieser menschlichen Roman-Vorlage einen neuen Text über eine KI/AI in der Art des ursprünglichen Autors erzeugen, sowie alle Firmen, menschlichen Personen , welche KIs/AIs bereitstellen, trainieren um damit weitere Texte oder Textteile in der Art, dem Ausdruck oder als Nachahmung zu erstellen; das Copyright für diesen Impressumstext sowie artverwandte Abwandlungen davon liegt zeitlich und räumlich unbegrenzt bei Bärenklau Exklusiv. Hiermit untersagen wir ausdrücklich die Nutzung unserer Texte nach §44b Urheberrechtsgesetz Absatz 2 Satz 1 und behalten uns dieses Recht selbst vor. 13.07.2023 

 

Inhaltsverzeichnis

Impressum 

Das Buch 

Am Anfang stand ein Traum 

1. Kapitel 

2. Kapitel 

3. Kapitel 

4. Kapitel 

5. Kapitel 

6. Kapitel 

7. Kapitel 

8. Kapitel 

9. Kapitel 

10. Kapitel 

11. Kapitel 

12. Kapitel 

13. Kapitel 

14. Kapitel 

15. Kapitel 

16. Kapitel 

17. Kapitel 

18. Kapitel 

19. Kapitel 

20. Kapitel 

21. Kapitel 

22. Kapitel 

23. Kapitel 

24. Kapitel 

 

Das Buch

 

 

 

 

Ronny hat es im Leben nicht immer leicht gehabt, aber plötzlich wendet sich das Blatt. Er findet einen Job, der mehr als gut bezahlt ist und er kann dabei auch noch Gutes tun. Für einen Pharmakonzern, der neue Wege gehen will, soll er Albträume bearbeiten, damit Patienten auch ohne Tabletten wieder durchschlafen können. Viel zu spät kommen ihm erste Zweifel.

Ein bodenloser Abgrund tut sich vor ihm auf – und er steht hilflos davor!

Hanna Thierfelder ist vielen Lesern durch ihre eher ungewöhnliche Art Reiseführer und Reiseberichte neu zu interpretieren bekannt.

Mit »Am Anfang stand ein Traum« legt sie ihren ersten Roman vor, und wieder möchte sie genreuntypisch schreiben – weder Krimi, noch Science-Fiction, noch ein typischer Medizin-Thriller, aber von jedem für jeden ist etwas dabei!

 

 

*** 

Am Anfang stand ein Traum

 

Roman

 

 

1. Kapitel

 

Wenn man ihn fragte, wie es zu den sich überschlagenden Ereignissen gekommen war, sagte er nur: »… weil ich Ehre habe.« Das war nicht immer so, zumindest als er noch zur Schule ging. Sein bester Freund hieß damals Sercan, der immer sagte, dass wenn man Ehre hat, einen alle respektieren, egal ob man arm oder reich ist. Die Kowalskis, waren in der dritten Generation Sozialhilfeempfänger, also Assis, wie seine Mitschüler sagten und als sich das Ganze Hartz IV nannte, änderte sich nichts. Er, Ronny Kowalski, blieb der Klassenassi, was nicht zuletzt daran lag, dass es in seiner Klasse nur drei Schüler gab, deren Eltern nicht für sich selbst sorgen konnten.

An dem Tag, als er sein Abschlusszeugnis erhielt, war klar, dass er jetzt selbst für sich sorgen musste, aber Arbeit war nicht so sein Ding. Er konnte sich einfach nicht vorstellen mit den Hühnern aufzustehen und sich den ganzen Tag abzurackern. Außerdem klopfte auch niemand an der Tür, um ihm eine Lehrstelle anzubieten. Vom Staat zu leben kam nicht in Frage. Endlich konnte er selbst dafür sorgen, dass er respektiert wurde. Das bedeutete für ihn zwangsläufig, dass er ausziehen musste. Glücklicherweise sah der Wohnungsmarkt in Berlin zu diesem Zeitpunkt deutlich besser aus als der Arbeitsmarkt, und es gelang ihm für zweihundertachtzig Euro eine echte Bruchbude mit Ofenheizung im Wedding anzumieten. Respekt, dachte er, du hast eine eigene Bude und bist nicht einmal Hartzer. Diesen gehobenen Standard ohne Arbeit zu erhalten, stellte sich schon bald als schwieriges Unterfangen heraus.

Das Geld für Essen, Trinken und Strom fand sich auf der Straße. Flaschensammeln ermöglichte mehr, als er erwartet hatte. Im Sommer verdiente er doppelt so viel wie im Winter und er konnte für schlechte Zeiten sogar eine Kleinigkeit zurücklegen. Er kannte sich aus. Vor den großen Konzerthallen stand er mit seinem eigenen Einkaufswagen. Die Leute stellten ihre Flaschen hinein, ohne dass er etwas dafür tun musste. An heißen Tagen konnte er sich manchmal sogar den Luxus leisten, Bierflaschen abzulehnen, weil ihm acht Cent doch ein eher magerer Verdienst schienen.

Schwieriger war es, jeden Monat das Geld für die Miete aufzubringen. Mehreren älteren Damen in der Nähe brachte er den Einkauf nach Hause und erhielt jedes Mal fünf Euro, aber in Wirklichkeit verhalfen ihm die Damen zu einem effektiveren Nebenverdienst. Anna wohnte zwei Etagen über ihm. Sie studierte BWL und erlaubte ihm täglich, eine Stunde ihren Computer zu benutzen. Von Rechnern verstand er gar nichts, aber er war leidenschaftlicher Spieler. Er meldete sich bei einem Spielportal an, zahlte zehn Euro ein und drei Tage später besaß er bereits fünfzig erzockte Euro. Das war ein guter Verdienst und deshalb suchte er noch weitere Spieleanbieter. In einem Monat schaffte er es problemlos seine Miete einzuspielen, im kommenden funktionierte das nicht mehr, weil seine Gegner auch immer besser wurden, aber er konnte zu Recht behaupten, ein helles Köpfchen zu sein. Andere hätten ihn sicher als Betrüger beschimpft, aber diesbezüglich sah er sich eher als Fisch in einem Tümpel voller Haie. Er erzählte Erna Kaschube, für die er montags immer zu Aldi ging, dass er über kein eigenes Konto verfügte, aber einen Zahlungseingang erwartete. Sie gab ihm ihre Bankverbindung, er besorgte auf ihren Namen eine E-Mailadresse und schon konnte er, als Erna Kaschube weiterspielen. Der Gewinn ging auf ihrem Konto ein und sie übergab ihm das Geld. So hielt er es in den kommenden Monaten mit Annemarie Schwarz, Gerlinde Moor, Rosemarie Huber und Christa Ristock. Dann aber gingen ihm die alten Damen aus.

Sercan sah er kaum noch. Er arbeitete sechs Tage die Woche im Obst- und Gemüseladen seines Onkels für fünf Euro die Stunde. Zufällig begegnete ihm Sercan auf seinem Weg zur Arbeit.

»Mensch Ronny, wie geht’s?«, fragte Sercan.

»Ausgezeichnet«, schwindelte er, denn er kam ja nur mühsam über die Runden.

»Ich hab jetzt eine eigene Wohnung.«

»Vom Staat?«

»Nee, ich schaff das auch so.«

»Respekt«, sagte Sercan, »ich wohne noch zu Hause«, und dann kam sein Bus und Ronny klang noch das Wort ’Respekt‘ in den Ohren. Von keinem hätte ihm diese Anerkennung so viel bedeutet wie von Sercan. Ihm war der Respekt in die Wiege gelegt worden. Er musste nur darauf achten, welchen Eindruck er bei anderen hinterließ und baute er mal richtigen Scheiß, dann war es egal, wenn es nur keiner erfuhr. Ronny Kowalski musste sich alles erarbeiten, wobei ihm Arbeit im herkömmlichen Sinn fremd blieb.

 

 

2. Kapitel

 

Er lebte nun schon fast zwei Jahre in seiner Bude, aber es wurde immer schwieriger die Miete aufzutreiben. Vier Mal im Monat spendete er Blutplasma, denn niemand war bereit, für sein Blut zu bezahlen. Warum diese wässerige Flüssigkeit mehr wert sein sollte, als der rote Lebenssaft blieb ihm ein Rätsel.

Selbst Samen hatte er schon gespendet, aber das versuchte er nach dem ersten Mal zu vermeiden. Es war ihm egal, ob er ohne sein Wissen Vater werden würde, aber dieses merkwürdige in den Becher wichsen war ihm zuwider, zumal ihm eine Hand fehlte. Eine brauchte er für sein bestes Stück, eine um den Becher zu halten und eine dritte für den Porno, der gereicht wurde. Leider hatte er sich für ein Jahr verpflichtet. Es war ein fester Job, einmal im Monat bezahltes Rubbeln und die halbe Miete war drin. Ehrlich gesagt, Spermien konnten glücklich machen, zumindest ihn.

Er fand eine Seite im Internet, wo lesbische Paare Samenspender suchten. Nach ersten Gesprächen traf er eine kleine Auswahl und zwar danach, ob sie gewillt waren, mindestens dreißig Euro je Spende zu zahlen und, ob es bei ihnen auch gemütlich war. Die Frauen riefen ihn an, wenn sie ihren Eisprung hatten und er sprang in die Bahn und übergab ihnen innerhalb einer Stunde den Becher mit dem Besten, was er zu bieten hatte. Er war jung und gesund und hätte sich auch jeden Tag einen von der Palme wedeln können, aber so ein verdammter Eisprung kommt nur einmal im Monat vor.

Drei Paare fuhr er regelmäßig an und bei Bea und Janine macht es ihm richtig Spaß. Bea versuchte Janines Fruchtbarkeit zu erhöhen, indem sie ihr zu einem Orgasmus verhalf. Er war dabei, wenn sie sich liebten. Sie lachten, wenn er seinen Schwanz in den Becher spritzen ließ und brachten den Samen mit einer Spritze an den Ort der Bestimmung. Er war und blieb nur Spender, aber schön war es doch. Vor allem schien diese Methode effektiv zu sein. Janine wurde als Erste schwanger und nach und nach auch die anderen, sodass sein kleiner Verdienst geringer und geringer wurde.

Bea schlug vor, er solle seinen Körper doch der Forschung und Medizin zur Verfügung stellen, dort zahle man besonders gut. Also ging er in eines dieser Häuser mit den Metallfassaden. Es folgten einige Untersuchungen, dann gab es viel zu unterschreiben und schließlich war er Teilnehmer einer Medikamentenstudie. Glücklicherweise hatte er seine bisherige Raucherkarriere verschwiegen und das Honorar konnte sich sehen lassen, monatelang Mietfreiheit. Manche Charaktereigenschaften verfolgen einen ein Leben lang. Sein Laster war, dass er immer auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig tanzen musste. Es gab immer mehrere ältere Damen, mehrere Spieleportale, mehrere Lesben und natürlich auch mehrere Pharmakonzerne. Er nahm an bis zu drei Studien gleichzeitig teil, was er natürlich für sich behalten musste. Bei jeder Blutabnahme musste er aufpassen, dass man keine Einstiche der anderen Klinik sah. Allmählich wurde er wohlhabend, zumindest hatten seine Eltern noch nie so viel Geld gleichzeitig besessen, aber ganz langsam stellten sich Nebenwirkungen ein, die ihn richtig fertig machten. Er konnte nur noch schwer einschlafen. Er wurde vergesslich und ihm war ständig schlecht. Welcher Firma sollte er nun von den Nebenwirkungen erzählen? Wahrscheinlich war es eher der Cocktail, der ihn aus den Schuhen haute. Einfach aufhören ging nicht, aber dann beendete die jeweils andere Seite die gemeinsamen Geschäftsbeziehungen, weil bei ihm die Nebenwirkungen so stark seien, dass er um sein Leben fürchten müsste, wenn er weiter das Versuchskaninchen spielte.

Nachdem die letzte Studie abgebrochen war, setzte er sich hängenden Kopfes auf eine Bank vor dem Institut. Nach einer Weile setzte sich ein Punk mit seinem Hund zu ihm.

»Haste mal nen Euro?«

Wie konnte der ausgerechnet ihn so etwas fragen.

»Nee«, antwortete er und glaubte, das Gespräch beendet zu haben, aber der Punk hatte wohl seinen redseligen Tag.

»Kommste von denen da?«, wollte er wissen und deutete mit dem Kopf auf die Eingangstür des Institutes.

»Können dich wohl als Kaninchen nicht gebrauchen. Mach dir nichts draus. Es gibt auch noch andere die gut zahlen.«

Langsam wurde er wütend. Alles war schon schlimm genug, warum musste jetzt noch dieser Typ auftauchen, der mit rasiertem Schädel und einem Haarersatztattoo neben ihm saß. Er schwieg und versuchte ihn zu ignorieren, aber das ließ dieser Typ einfach nicht zu.

»Nimmste irgendwas? Du siehst echt Scheiße aus. Kein Wunder, dass die dich nicht wollen.«

»Das ist deren Schuld«, schrie er ihn an und stand auf, um zu gehen. Er war schon einige Schritte davongekommen, als er hörte, wie er ihm keuchend nachsetzte. Er hielt ihm eine Visitenkarte hin.

»Die zahlen Spitzenpreise«, sagte er und streichelte dabei seinen Hund.

»Seitdem gibt’s nur noch Markenfutter, stimmts Alter?«, und als hätte der Hund jedes Wort verstanden, schmiegte er sich zärtlich an seine Beine. Wie der Köter das teure Futter, nahm Ronny die Visitenkarte, steckte sie in die Hosentasche und haute einfach ab. In den kommenden Wochen erholte er sich nur langsam. Er nahm sich Zeit für seine Omis, deckte sich für zuhause mit dem Nötigsten ein und beschloss, nach langer Zeit mal wieder den Waschsalon aufzusuchen, und beim Leeren der Hosentasche fand er sie, die Visitenkarte, hellbraun mit goldenem Rand. Es stand nichts darauf außer dem Namen der Firma, DREAMLAND und einer Adresse in der Nähe des Hackeschen Marktes.

Am nächsten Montag, das Geld war inzwischen wieder knapp geworden, stattete er denen erst mal einen Besuch ab. Die Eingangstür befand sich im dritten Stock eines Bürohauses und auch auf dem Firmenschild an der Tür stand nichts weiter als DREAMLAND. Was sollte er nur sagen? Warum war er nur hier? Wonach sollte er fragen? Da es keine Antworten gab, drückte er den Klingelknopf, sofort folgte ein Surren und automatisch öffnete sich die Tür. Die Visitenkarte in der Hand ging er auf die Angestellte zu, die an einem Schreibtisch direkt gegenüber der Eingangstür saß. Sie hob nur kurz den Kopf und sagte: »Zimmer 3.« Dann wandte sie sich wieder ihrem Computer zu und würdigte ihn keines weiteren Blickes. Kurzfristig schwankte er, ob er nicht wieder gehen sollte, aber da er schon einmal hier war, machte er sich auf zum Zimmer mit der Aufschrift 3. Kurze Zeit blieb er stehen. Die Tür war leicht geöffnet und als er gerade klopfen wollte, wurde er hereingerufen.

»Sie möchten uns also bei unserer Arbeit unterstützen«, sagte genau die Dame, die er gerade noch am Empfang gesehen hatte. Wie war sie nur so schnell in Zimmer 3 gekommen.

»Ja, aber«, stammelte er, denn dieser Besuch überforderte ihn von Minute zu Minute mehr.

»Oh, entschuldigen sie bitte. Ich habe mich gar nicht vorgestellt. Daniela ist mein Name«, und damit streckte sie ihm ihre Hand entgegen.

»Ronny Kowalski«, entgegnete er und befürchtete, dass er jetzt in der Pflicht war, das Gespräch voranzutreiben und deshalb erschien es ihm das Beste zu sein, in die Offensive zu gehen.

»Woher wissen sie eigentlich, dass ich mich vorstellen möchte?«

»Ach, das ist einfach. Ihre Visitenkarte. Die hellbraunen Karten besitzen nur Menschen, die uns unterstützen möchten.«

»Das würde ich sehr gern, aber wie könnte meine Hilfe aussehen?«

»Ich sehe schon, ich muss sie erst einmal darüber informieren, worum es sich bei DREAMLAND eigentlich handelt. Wie der Name schon sagt, beschäftigen wir uns mit Träumen, überwiegend Albträumen. Zu uns kommen Menschen, die nicht schlafen können, weil sie jede Nacht von Albträumen geplagt werden, die sie dann stundenlang wachliegen lassen. Als Tochterfirma eines Pharmakonzerns versuchten wir, über viele Jahre diesen Menschen mit Tabletten zu einem ruhigen Schlaf zu verhelfen, aber uns allen war klar, dass wir den Menschen nicht wirklich halfen. Sie brauchten eine andere Form der Hilfe und keine Pillen.«

»Sie meinen Psychologen?«

»Auch, aber die moderne Hirnforschung erlaubt uns heute, direkt auf die Träume der Patienten Einfluss zu nehmen.«

»Sie bestimmen was jemand träumt?«

»So ähnlich, jeder hat weiterhin seine eigenen Träume, aber wir können sie beeinflussen.«

»Woher wissen sie denn, was jemand träumt?«

»Dazu brauchen wir Menschen wie sie. Stellen sie sich vor, sie haben einen Gedanken, dann entsteht der irgendwo in ihrem Gehirn. Vereinfacht ausgedrückt, funkt es an bestimmten Stellen in ihrem Kopf. Wenn sie an Erdbeereis denken, gibt es andere Gedankenblitze als wenn sie an ein Haus denken. Ein Gehirn ist einem Computer sehr ähnlich, und wir entschlüsseln das Programm.«

Er war beeindruckt, aber zweifelte daran, dass das Gedankenlesen legal war. Neugierig und gleichzeitig ängstlich wartete er, was als nächstes kommen würde.

»Ich weiß, das ist gar nicht so einfach zu verstehen. Ich mache ihnen einen Vorschlag. Wir testen, ob sie für unser Programm geeignet sind und dabei wird es ihnen vielleicht schon etwas klarer.«

Ronny zögerte, aber dann brachte sie das beste Argument für eine Teilnahme, das liebe Geld.

»Für die heutigen Tests erhalten Sie sofort zweihundertfünfzig Euro. Leider muss ich ihnen mitteilen, dass wir ihnen dafür eine Glatze rasieren müssen, aber auch dafür werden sie mit einer einmaligen Zahlung von fünfhundert Euro entschädigt. Einverstanden?«

siebenhundertfünfzig Euro sind ein gutes Betäubungsmittel für den Verstand und deshalb sagte er ohne zu zögern zu. Frau Lehmann führte ihn in den Nebenraum, wo schon jemand auf ihn gewartet hatte und in Nullkommanichts sah er aus wie Vin Diesel mit schlaksigem Körperbau. Er kam nicht einen Moment zum Nachdenken, als man ihn schon durch die nächste Tür schob.

»Jetzt befinden sie sich im Reich von Ralf. Er wird Ihnen alles Weitere erklären«, und damit zog sie sich zurück.

»Neu?«, fragte ein bulliger Kerl, Anfang vierzig, der so aussah als hätte er den Titel zu Mister Universum nur knapp verfehlt.

»Keine Sorge, ich heiße Ralf und werde es dir hier so angenehm wie möglich machen.«

»Ronny«, stammelte Ronny. Scheinbar gab es hier ein Arbeits-Du, obwohl die Frau ihn eben noch gesiezt hatte.

»Jetzt kannst du dich dort auf die Liege legen und den Kopf bitte genau in dafür vorgesehene Mulde. – Gut so und jetzt nicht nervös werden. Ich werde deinen Kopf jetzt verkabeln.«

Nervös werden konnte er gar nicht, denn er war es bereits. Außerdem hatte Ralf ein kleinwenig untertrieben, als er fertig war gab es keine einzige Stelle mehr auf Ronnys Kopf von dem kein Kabel wegführte.

»Das war’s«, stellte Ralf prüfend fest, »jetzt müssen wir dich nur noch fixieren.«

Eigentlich wollte er NEIN schreien, aber während seine Mimik und Gestik seinem Wunsch gehorchten, fragte sein Mund nur: »Muss das sein?«

»Leider, wir tun das nicht, weil etwas Unangenehmes auf dich zukommt, sondern nur, weil wir genau wissen müssen, wo es in deinem Schädel funkt, und damit wir alles, was wir jetzt tun, jederzeit wiederholen können.«

Gepolsterte Metallbänder schlossen sich überall um seinen Körper und ein letzter drückte seinen Kopf fest auf die Mulde in der Liegenpolsterung.

»Versuch dich zu bewegen!«

»Geht nicht«, stammelte er und erntete ein, »gut so«. Maschinen liefen im Hintergrund an. Monitore wurden neben die Liege geschoben und er dachte daran, dass es sich auch um eine Bahre handeln könnte, mit der er gleich in die Pathologie geschoben würde.

»Jetzt kann es losgehen, ich nenn einen Begriff, zum Beispiel HAUS, und du musst dir dann ein Haus vorstellen. Ganz einfach und dann beschreibst du mir dreißig Sekunden lang, wie das Haus aussieht. Dann kommt ein neuer Begriff und du stellst dir wieder etwas vor. Können wir anfangen?«

»Ja«, antwortete er verängstigt. Nicken war unmöglich.

»O.K., los geht’s, HAUS«, und Ronny musste gleich an eine Villa im spanischen Baustil denken, die er beschrieb. Schon fiel der nächste Begriff PFERD und es gelang ihm sofort an einen schwarzen Hengst, mit langer wehender Mähne zu denken. Dann folgten WÜSTE, MEER, AUTOBAHN, MIXER, BABY, BLUME, BAUM und AUTO. Mit jedem Begriff erschuf er ein Fantasiegemälde und seine Erklärungen erschienen ihm dürftig, denn die Zeit für Beschreibungen war eher knapp bemessen.

»Sehr schön«, Ralf lächelte, »jetzt wirst du staunen. Los geht’s, Input«, sagte er, drückte einige Schalter und schon sah Ronny die Autobahn wieder, die er eben noch beschrieben hatte. Kurz danach sah er dann zum wiederholten Mal die Wüstenlandschaft.

»Beeindruckend, oder? Ich kann die sogar kombinieren. Und? Was siehst du jetzt.«

»Wow«, vor der Villa stand nun das eben noch gesehene Auto. »Wie geht das denn?«

»Ich lasse es einfach dort wieder funken, wo es vorher gefunkt hat und damit nichts schief geht, bist du fixiert, aber das war es jetzt auch schon. In wenigen Minuten bist du wieder ein freier Mann. War’s schlimm?«

»Nö, und was passiert jetzt?«

»Nichts, du kannst gehen. Wir speichern und verarbeiten die Daten, aber das braucht dich nicht zu interessieren. Man gibt dir gleich dein Geld.«

Schneller als gedacht stand Ronny, die Taschen voller Geld, wieder auf der Straße. Er war völlig durcheinander, aber begeistert von der neuen Erfahrung. Euphorisch macht er sich auf den Heimweg und er verschwendete keinen Gedanken an den Verlust seiner Haarpracht.

 

 

3. Kapitel

 

Kaum, dass dieser Jungspund die Agentur verlassen hatte, stürzte Ralf an das Telefon. Er hatte bereits die Hälfte der Nummer gewählt, als er auflegte und Daniela bat, eine Verbindung mit Paul Kiefer herzustellen. Kaum dreißig Sekunden später klingelte sein Apparat, und er hörte die vertraute Stimme.

»Paul, ich glaube das war der Durchbruch. Heute war jemand da, und ich habe ihm die zehn Testworte gegeben. Du glaubst nicht was für eine Datenmenge dabei herausgekommen ist.«

»Also gut, fang mal von vorne an. Was ist los?«

»Daniela brachte ihn in mein Labor. Er schien etwas verunsichert zu sein, aber wie auch immer, er folgte genau den Anweisungen. Schon beim ersten Begriff verarbeitete der Computer fünf Mal so viele Datenmengen wie ich nach deinen Beschreibungen erwarten musste. Der muss eine ungeheuer große Vorstellungskraft haben.«

»Kann sein, aber freu dich nicht zu früh. Vielleicht hatte er einfach nur Hunger oder musste auf Toilette und wir haben dann noch andere Daten, die die Begriffe überlagern. Jetzt sollten wir erst einmal testen, ob er so gut ist wie du glaubst. Wann kommt er wieder?«

Ralf wurde kreidebleich. Wie gut, dass ihn Paul nicht sehen konnte. In seiner Begeisterung hatte er ganz vergessen, diesen jungen Schnösel zu bitten, wiederzukommen.

»In zwei Tagen«, log er.

»Dann ist ja alles in Ordnung. Ich schicke dir morgen zehn neue Begriffe per Mail. Lass ihm bei den Beschreibungen so viel Zeit wie er möchte, aber gib den neuen Begriff, bevor er etwas anderes denkt. Wann schickst du die Daten rüber?«

»Sind in einer halben Stunde da. Schönen Abend noch«, sagte er, legte auf und rannte zu Daniela.

»Hast du einen Termin mit dem letzten Besucher gemacht?«

»Nein«, sagte sie.

Und er dachte nur: Scheiße! 

Nach dem er das Labor aufgeräumt hatte und alles Wichtige verschickt war, machte er sich auf den Heimweg. Ihn verfolgten nur zwei Gedanken, würde der junge Mann wiederkommen und was hatte er gesehen. Wie gern würde er es auch versuchen, aber dann würde er von heute auf morgen seine Arbeit verlieren. Sein Vertrag war mehr als eindeutig. Sein Vorgänger musste wohl einen Selbstversuch unternommen haben, zumindest vermutete er es. Nie wurde über ihn gesprochen, aber einmal hatte Daniela eine Andeutung gemacht, dass es doch schade wäre, dass ihm seine Neugier zum Verhängnis geworden sei. Dies war der bestbezahlte Job den er je hatte. Da gab es nichts zu riskieren. Klar, die Probanden hätten mehr als er verdient, wenn sie täglich erschienen wären, aber wer tat das schon. Als er aus der S-Bahn ausstieg, strich er sich über das volle Haar und musste lächeln. Würde er mit einer Glatze nach Hause kommen, müsste er sich wohl einiges anhören.

Auch Paul wollte Feierabend machen, aber musste noch auf Ralfs Daten warten. Als sie endlich eintrafen, war auch er überrascht, aber andererseits war es ihm egal. Seine Aufgabe war das Weiterschicken und Archivieren. Die Daten mussten heute noch nach London. Dort geschah mit ihnen, was auch immer und morgen, hätte er dann zehn neue Begriffe auf dem Tisch und die bereinigten Daten, die er nun ablegen konnte. Er ärgerte sich über eine Überstunde, aber die würde er sich schon am Wochenende zurückholen.

 

 

4. Kapitel

 

Als Ronny die Wohnungstür aufschloss kam seine Nachbarin gerade aus der Tür.

»Wette verloren?«, fragte sie. Einen kurzen Moment war er irritiert.

»Nee, nee, cool oder?«, antwortete er, indem er so tat als würde er seine Glatze polieren. Ohne auf die Antwort zu warten, verschwand er in der Eingangstür. Morgen würde er sich ein Basecap zulegen. Das stand schon mal fest.

Bereits am nächsten Morgen fragte er sich, was passieren würde, wenn er schon heute wieder bei DREAMLAND auftauchte. Nicht, dass er einen neuen Besuch so schnell vorhatte, er wollte ja nicht Geld gierig erscheinen, aber sein Interesse war geweckt.

Siebenhundertfünfzig Euro Bares waren für ihn eine Menge Geld, die einen schnell verführen konnten mehr auszugeben, als zum täglichen Leben nötig war. Andererseits musste er nicht unbedingt sparsam sein, denn er konnte jederzeit wieder zu DREAMLAND gehen. Er beschloss es allerdings gemächlich angehen zu lassen. Die Vergangenheit hatte ihn gelehrt, dass er immer zu viel wollte und am Ende ganz ohne Einnahmen da stand. Sparen war wichtig und er legte fünfhundert Euro in das einzige Buch, das er besaß, aber nie gelesen hatte. Von den restlichen zweihundertfünfzig Euro wollte er den Kühlschrank füllen, sich eine neue Hose kaufen und wenn möglich auch ein Paar Schuhe.

Zwei Tage nach seiner DREAMLAND Erfahrung war er satt und neu eingekleidet. Seine Kopfhaut fühlte sich kratzig und stachelig an, aber er hatte sich fest vorgenommen noch zwei weitere Tage zu warten, bevor er zu DREAMLAND zurückkehrte. Besser man hinterlässt nicht gleich den Eindruck ausverschämt zu sein, dachte er, während Ralf bei DREAMLAND sein Erscheinen herbeisehnte. Die weitergereichten Daten hatten sich mehr als brauchbar erwiesen und bereits für die nächsten zehn Sitzungen lagen neue Begriffe vor. Als er am Freitag an der Tür klingelte, wurde er sofort zu Ralf geschickt, dessen Gesichtszüge sich merklich entspannten, wovon Ronny allerdings gar nichts mitbekam, denn Ralf war sehr geschickt darin seine Gefühle zu verbergen.

»Du möchtest also weitermachen.«

»Natürlich, ich fand das alles sehr interessant, auch wenn ich nicht begriffen habe, wie man auf diese Art und Weise Menschen mit Albträumen helfen kann.«

»Das wirst du bald erfahren, aber im Moment kann ich es dir leider nicht erklären, am besten machst du bald deine eigenen Erfahrungen. Du kannst täglich kommen, wenn du möchtest, umso schneller wirst du antworten auf alle deine Fragen bekommen.«

Ralf schmunzelte, denn jetzt hatte er den Fisch am Haken und um seine Freude zu verbergen, drängte er auf den Beginn der Sitzung. Ronny war bereit, aber Neues kam nicht auf ihn zu.

In den nächsten drei Wochen kam er fast täglich, um sich Begriffe vorzustellen. Sein Barvermögen wuchs beträchtlich, aber die ganze Sache begann, ihn auch zu langweilen, während sich sein Privatleben deutlich spannender gestaltete. Er verfügte über genug Geld, um sich alle Wünsche zu erfüllen. Er lud Sercan ins Kino ein und Anna auf einen Cocktail. Während er Anna verschwieg, womit er sein Geld verdiente, erzählte er Sercan alles ganz ausführlich, und er bettelte förmlich danach, auch zu DREAMLAND zu dürfen. Weder könne er noch Obstkisten sehen, noch glaubte er, es im Geschäft seines Onkels je zu etwas zu bringen. Ronny wusste nicht, ob er jemanden zu DREAMLAND mitbringen durfte, versprach aber, sich zu erkundigen.

Den nächsten Besuch bei DREAMLAND empfand er als besonders erfreulich. Als er fragte, ob man dort noch Interesse an einem seiner Freunde hätte, wurde ihm die Bitte zwar verwehrt, aber er könne eine ihm unbekannte Person mit einer Visitenkarte einladen, wenn er bereit zu einer neuen Testreihe sei. Er hätte vor lauter Freude Luftsprünge machen können. Voller Begeisterung betrat er Ralfs Labor.

»Hallo Ralf, was machen wir heute?«

»Im Prinzip dasselbe wie sonst auch, allerdings spielen heute die Wortkarten keine Rolle mehr.«

»Darf ich meiner Fantasie freien Lauf lassen?«

»Soweit würde ich da nicht gehen. Heute bekommst du, die Vorstellungen anderer Menschen zu sehen. Lass dich überraschen.«

Nachdem er wie gewohnt verkabelt worden war, entspannte er sich und wartete interessiert ab. Erst geschah zehn Minuten gar nichts und dann auf einmal, ganz plötzlich, war da ein verschwommenes Bild. Es sah aus wie ein verwackeltes Foto, eine bergige Landschaft von der er Ralf sofort berichtete. Er konnte den Kopf zwar nicht drehen, aber er hörte wie Ralf tippte, hämmerte, drehte und drückte und mit einem Mal war das Bild glasklar und er brachte nicht mehr als ein, »Oh Mann«, heraus.

»Was ist?«, fragte Ralf. »Hast du die klare Vorstellung eines anderen vor Augen?«

»Und ob, aber sehr fantasiebegabt war der Mensch nicht, der sich das Bild ausgedacht hat.«

»Warum?«, gab Ralf sichtlich irritiert zurück.

»Beschreib genau, was du siehst!«

»Erinnerst du dich noch an die ersten Computerspiele, da wirkte die Landschaft immer irgendwie flach und unnatürlich. Es gab da immer nur die Dinge, die für das Spiel notwendig waren. Jetzt sehe ich zum Beispiel einen Bergsee.

---ENDE DER LESEPROBE---