E-Book Verlag: mvg Hörbuch Verlag: mvg Verlag Kategorie: Ratgeber Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2016

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E-Book-Beschreibung Am Arsch vorbei geht auch ein Weg - Alexandra Reinwarth

Es gibt Momente im Leben, in denen einem klar wird, dass man etwas ändern muss. Der Moment, als Alexandra Reinwarth ihre nervige Freundin Kathrin mit einem herzlichen "Fick Dich" zum Teufel schickte, war so einer. Das Leben war schöner ohne sie – und wie viel schöner könnte es erst sein, wenn man generell damit aufhörte, Dinge zu tun, die man nicht will, mit Leuten die man nicht mag, um zu bekommen, was man nicht braucht! Wer noch der Meinung ist, das Leben könnte etwas mehr Freiheit, Muße, Eigenbestimmung und Schokolade vertragen und dafür weniger Kathrins, WhatsApp-Gruppen und Weihnachtsfeiern, der ist hier goldrichtig. Lassen Sie sich von Alexandra Reinwarth inspirieren, wie man sich Leute, Dinge und Umstände am Arsch vorbei gehen lässt, aber trotzdem nicht zum Arschloch mutiert. Und lernen Sie von ihr, wie kleine Entscheidungen einen großen Effekt auf die Lebensqualität haben können. Ganz einfach.

Meinungen über das E-Book Am Arsch vorbei geht auch ein Weg - Alexandra Reinwarth

E-Book-Leseprobe Am Arsch vorbei geht auch ein Weg - Alexandra Reinwarth

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

DieDeutscheNationalbibliothekverzeichnetdiesePublikationinderDeutschenNationalbibliografie.DetailliertebibliografischeDatensindimInternetüberhttp://dnb.d-nb.deabrufbar.

Für Fragen und Anregungen:

info@mvg-verlag.de

Originalausgabe

17. Auflage 2018

© 2016 by mvg Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH,

Nymphenburger Straße 86 D-80636 München Tel.: 089 651285-0 Fax: 089 652096

AlleRechte,insbesonderedasRechtderVervielfältigungundVerbreitungsowiederÜbersetzung,vorbehalten.KeinTeildesWerkesdarfinirgendeinerForm(durchFotokopie,MikrofilmodereinanderesVerfahren)ohneschriftlicheGenehmigungdesVerlagesreproduziertoderunterVerwendungelektronischerSystemegespeichert,verarbeitet,vervielfältigtoderverbreitetwerden.

Redaktion: Petra Holzmann Umschlaggestaltung: Kristin Hoffmann

Umschlagabbildung: amnat11/Shutterstock.com, Borja Andreu/Shutterstock.com

Satz: inpunkt[w]o, Haiger

ISBN Print 978-3-86882-666-1

ISBN E-Book (PDF) 978-3-86415-926-8

ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-86415-927-5

Inhalt

Einleitung

Warum ist es so schwer, sich die Dinge am Arsch vorbeigehen zu lassen?

1. Die eigene Person

Bikinifigur am Arsch vorbei

Aussehen generell am Arsch vorbei

Selbstverbesserung am Arsch vorbei

Dinge am Arsch vorbei

2. Freunde, Bekannte und Unbekannte

Unbekannte

Bekannte

Freunde

3. Familie

Die Interviews von Tante Marta

Die Schwiegermutter

Geschenke und Erbstücke der Familie

Der Onkel darf nicht kommen

Religion & Politik

Essen

Familientraditionen

Die Eltern enttäuschen

4. Im Beruf

Das Brainstorming

Bürogeschenke

Alles auf sich beziehen

Gefallen

After Work

Aufopfern

Schuld

Anderen Arbeit bereiten

5. Eltern & Kinder

Ratschläge am Arsch vorbei

Geschmack am Arsch vorbei

Normen am Arsch vorbei

Pläne am Arsch vorbei

Die anderen Eltern am Arsch vorbei

Das Bemühen um Verständnis von kinderlosen Freunden — am Arsch vorbei

6. Liebe

Interpretieren am Arsch vorbei

Verstehen am Arsch vorbei

Nur wer sich selbst liebt … am Arsch vorbei

All die anderen am Arsch vorbei

Gemeinsame Hobbys … aber sowas von am Arsch vorbei

Fehler des Partners … am Arsch vorbei

Nachwörtchen

Holen Sie sich das ultimative

»Am-Arsch-vorbei«-Lebensgefühl

unbedingt auch online unter

www.am-arsch-vorbei.de

Einleitung

Es fing damit an, dass ich zu Kathrin »Fick dich!« gesagt habe. Dazu muss man wissen: Ich sage das normalerweise nicht zu Leuten. Ich werfe generell nicht mit Aufforderungen zum Geschlechtsverkehr um mich, egal wann. Nicht mal beim Autofahren.

Aber Kathrin, das muss man wissen, ist einer dieser Menschen, die einem immer das Gefühl geben, man hätte etwas falsch gemacht und stehe nun in ihrer Schuld. Kennen Sie solche Leute? Solche, die sich immer beschweren, aber nie etwas verändern? Leute, die einem die Energie aussaugen wie kleine Kinder Capri- Sonnen?

Kathrin befindet sich in einem konstanten Jammertal. Wäre es ihr Ernst damit, könnte man vermuten, sie leide an Depressionen. Mir wurde aber mit der Zeit klar, dass Kathrin mitnichten depressiv ist, sondern eine blöde Gans.

Das Leben schien Kathrin permanent übel mitzuspielen: der Job schlimm, ihre Beziehung mit Jean-Claude im Eimer, die Familie wälzt alles auf sie ab, die Zukunft ist düster, sie weiß nicht mehr ein noch aus. Und während ich mir Sorgen um sie machte, unternahm Kathrin Kreuzfahrten, gab Partys und heiratete Jean-Claude.

Als sie mir mal wieder leid tat (»Die Ehe ist so gut wie gescheitert!«) und sie mit Jean-Claude eine Städtereise nach Venedig machte (die Idee kam von mir: damit die beiden etwas Schönes miteinander unternehmen), passte ich auf den Hund auf, goss die Pflanzen und salzte das Meerwasser-Schwimmbecken. Und das Haus von Kathrin liegt nicht um die Ecke. Das Haus von Kathrin ist außerdem sehr groß, modern und sauteuer eingerichtet – trotz der großen finanziellen Belastungen, die auf ihren schmalen Schultern liegen. Kathrin ist nämlich viel zu gut für diese Welt, sagt sie. Zum Beispiel, wenn sie einen Handwerker normal bezahlt, anstatt ihn monatelang hinzuhalten, um ihn dann mit der Hälfte abzuspeisen. So ginge das nämlich auch.

»Aber der hat ja vielleicht auch Familie, denke ich mir dann«, sagt sie und schaut wie eine Madonna.

Als wir uns nach dem Venedig-Trip trafen, war sie etwas in Eile – sie musste Jean-Claude noch schnell bei der Massage abliefern, denn die Betten in dem Hotel, das ich empfohlen hatte, waren ka-tas-tro-phal. Der Trip war natürlich ein Desaster, sie hatte aber tapfer das Beste daraus gemacht.

Beim nächsten Treffen ist dann die Mutter krank, was sie mit einem Timbre sagt, dass man davon ausgeht, die Mama kippt morgen vom Stängchen. Kurz – irgendwas ist immer. Und immer ist es ein Schicksalsschlag, darunter macht sie es nicht. Derweilen hat die Mama nur Kopfweh oder Wasser in der Hüfte oder was weiß denn ich.

Sie verstehen das Prinzip? Es war immer das Gleiche – Kathrins Welt kreiste nur um Kathrin. Irgendwann stellte ich also fest, dass ich gar keine Lust hatte, ebenfalls immer um Kathrin zu kreisen, ich bin nämlich kein Satellit.

Warum ich Kathrin nicht schon viel früher zum Teufel geschickt habe, kann ich gar nicht sagen – auch wenn mein Lebensgefährte L. mich das auch immer wieder fragte. Anfangs war mir irgendwie gar nicht so bewusst, dass sie mich nur benutzte, und dann ging ich der Konfrontation aus dem Weg. Im Zuge einer generellen Lebensverbesserung mithilfe des Glücksprojekts1 kam ich aber zu dem Entschluss: Kathrin muss weg.

Ich hatte vorher noch nie mit einer Freundin Schluss gemacht. Normalerweise läuft es doch so, dass man sich irgendwie nicht mehr so gut versteht, sich immer seltener sieht und dann schläft der Kontakt sanft ein. Fertig. Der Schlag Freunde aber, die einen aussaugen wie die Blutegel, die lassen nicht einfach los. Wie genau ich das mit dem Schlussmachen nun anstellen sollte, war mir also nicht ganz klar – vor allem wie ich es anstellen sollte, ohne mich vor lauter unangenehm! dabei zu winden wie ein Regenwurm.

L.’s Vorschlag war dahingehend recht pragmatisch: Du gehst einfach hin und sagst: »Kathrin, du gehst mir auf die Nerven und ich will dich nicht mehr sehen«, dann überlegte er kurz und hängte noch »du Sau« hinten dran. L. konnte Kathrin noch nie leiden.

Ich weiß, es gibt Leute, die hätten den Nerv, das genau so zu machen. Ich gehöre nicht dazu. Im Gegenteil. Ich spiele in dem Team, bei dem man sich entschuldigt, wenn man angerempelt wird.

Um dem Ganzen aus dem Weg zu gehen, erwägte ich also stattdessen andere Maßnahmen:

•L. als Vertretung hinschicken

•Eine neue Identität annehmen und Kathrin mein bedauerliches Ableben vortäuschen

•Bedauerlicherweise ableben

Als dann der große Moment kam und ich Kathrin in einem Café gegenübersaß, war sie zu meinem großen Glück so unmöglich, dass ich die aufsteigende Welle Zorn direkt verwandeln konnte und auf dieser zu dem legendären Moment surfte:

»Kathrin?«

»Ja?«

»Fick dich!«

Für andere vielleicht kein großes Ding, aber ich fühlte mich wie eine zwei Meter große Jeanne d’Arc. Auf dem Weg aus dem Café kam es mir vor, als ginge ich in Zeitlupe, und wie bei Boxern auf dem Weg zum Ring ertönte bei meinem Abgang eine melodramatische Musik mit Trompeten und allem Drum und Dran. Ich schwang meinen Poncho auch prompt so schwungvoll um meine Schultern, dass es gleich noch einen völlig unbeteiligten Stapel Flugblätter vom nächsten Wandregal fegte. Während diese sanft zu Boden segelten, schritt ich erhobenen Hauptes nach draußen, und es hätte mich nicht verwundert, dort ein treues Ross vorzufinden, um mich in Richtung weiterer, lebensgefährlicher Abenteuer zu bringen.

»Hä? Aber Jeanne d’ Arc war doch kein Boxer …«, unterbricht L. an diesem Abend meinen Bericht und sieht dabei deutlich verwirrt aus. Männer hören oft nicht gut zu, oder? Ich stelle mir das so vor, dass die so ein leichtes Rauschen hören, zwei, drei signifikante Substantive herauspicken und sich den Rest zusammenreimen. Ergeben diese Wörter keinen Sinn, haben sie ein Problem …

Tatsächlich geht es mir natürlich nicht um französische Nationalheldinnen oder gar ums Boxen, es geht noch nicht mal um Kathrin und ihren beknackten Meerwasserpool. Es geht darum, warum ein einzelnes Fick dich! so eine derartige Hochstimmung auslösen kann.

»Ich glaube, es geht um Freiheit«, meinte Anne, meine esoterische Freundin, als ich ihr von dem Moment erzählte, und ich glaube wiederum, sie hat recht. Es war ein befreiender Akt, wobei das ganze Trompetengedöns nicht davon kam, dass ich mich von Kathrin, der blöden Gans, befreit habe, sondern dass ich mich in dem Moment frei von meinen eigenen, popeligen, selbst auferlegten, beklemmenden Einschränkungen gefühlt habe. Einfach zu tun, was einem richtig erscheint – ohne sich Gedanken zu machen, ob einen danach noch alle dufte finden. Herrlich. Sollte es so nicht eigentlich immer sein? Gerade heraus? Und wo genau ist die Grenze zwischen frei sein und Arschloch sein?

In den darauffolgenden Wochen fiel mir nicht nur auf, dass mein Leben ohne Kathrin schöner war, ich bemerkte auch in anderen Situationen, dass das, was ich tat, oft davon gesteuert war, was andere über mich denken könnten und nicht davon, was ich wollte. Wollte ich mich morgens schminken, wenn ich nur das Kind in den Kindergarten brachte? Zur Hölle, nein! Also warum machte ich das dann? Die scheußliche Antwort ist: um vor den anderen Eltern ein gutes Bild abzugeben. – Dabei finde ich neunzig Prozent von denen noch nicht mal sympathisch! Apropos sympathisch: Warum ging ich überhaupt auf die Weihnachtsfeier der Agentur? Weil ich die Chefs und Kollegen so gerne mag? Nope! Und warum bin ich eigentlich immer noch in dieser beknackten WhatsApp-Gruppe, die dafür sorgt, dass mein Handy mitten in der Nacht vibriert wie anderer Leute Sexspielzeug? Je mehr ich darüber nachdachte, umso mehr fiel es mir auf: Ich verbrachte viel zu viel Zeit mit Leuten, die ich nicht mochte, an Orten, die mir nicht gefielen, und tat Dinge, die ich nicht wollte.

Das ist doch Scheiße.

Je mehr Dinge mir einfielen, desto konkreter wurde mein Plan: Wenn es schon so ein bombastischer Erfolg war, Kathrin aus meinem Leben zu schmeißen – was könnte dann erst für ein wunderbares Leben vor mir liegen, wenn ich all die Dinge aus meinem Leben strich, die mir eigentlich widersprachen?

Wenn ich zum Beispiel zu den Kollegen in der Agentur sagen würde: »Danke, aber ich möchte nicht nach der Arbeit noch ein Glas trinken gehen. Nein, nicht nur heute nicht, sondern generell nicht.« Es würde sich so viel besser anfühlen, als mir abstruse Ausreden einfallen zu lassen und dann aufzupassen, dass ich mich nicht verplappere und alles rauskommt á la:

»Und, geht es deiner Schwester heute schon besser?«

»Schwester? Ich habe keine Schwester!«

Alles schon dagewesen.

»Verstehst du, was ich meine?«, fragte ich L. am gleichen Abend, als er gerade Gemüse in kleine Würfel schnitt. »Hmja, schon«, druckst er etwas herum. »Es ist nur – das wird doch kein Plan, in dem du zu einem rücksichtslosen Egoisten wirst, oder?«

»Ach was«, fegte ich seine Bedenken vom Tisch, aber er hatte natürlich recht. Es besteht eine nicht geringe Chance, während dieser Befreiungsaktion zum Arschloch zu mutieren, aber das würde ich schon hinbekommen. Ich war voller Tatendrang – wunderbare Zeiten lagen vor mir. Was würde passieren, wenn ich meine Zeit und meine Energie (und mein Geld) nur in Dinge, Menschen oder Situationen investierte, die mich froh machten? Das wäre doch wunderbar!

»Nicht wahr, mein Schatz?«, fragte ich das Kind, das begeistert seine Ärmchen um meine Beine schwang.

»Schokolade!«, sagte es, wie immer, denn das ist sein Lieblingswort.

Genau. Schokolade.

Wer noch der Meinung ist, das Leben könnte etwas mehr Freiheit, Muße, Eigenbestimmung und Schokolade vertragen und dafür weniger Kathrins, WhatsApp-Gruppen und Weihnachtsfeiern, der ist hier goldrichtig. Ich hoffe, ich kann hierfür Inspiration und Anschubhilfe bieten. Wir kümmern uns auf den weiteren Seiten um Folgendes:

•Wie man sich Leute oder Dinge am Arsch vorbeigehen lässt.

•Wie man deswegen aber trotzdem nicht zum Arschloch mutiert.

•Welches sind die Kriterien, die helfen zu unterscheiden, was einem tatsächlich wichtig ist und was nicht.

•Wie kleine Entscheidungen einen großen Effekt auf die Lebensqualität haben können.

•Wir visualisieren eine ziemlich lustige Übung, wie etwas am Arsch vorbeigeht.

•Es wird auf verschiedene Fettnäpfchen hingewiesen, in die ich im Zuge der Sortierarbeit hineingeraten bin.

Bevor wir beginnen, möchte ich Ihnen die erwähnte lustige Übung präsentieren. Es ist eine Imagination, ein Bild, das wir uns vorstellen und das jederzeit abrufbar ist. Hoffentlich finden Sie es auch so toll wie ich:

Also. Sie kennen doch Toreros? Die – Olé! – Stierkämpfer mit den knackigen Pos und den albernen Klamotten? Stellen Sie sich vor, Sie wären einer davon. Und stellen Sie sich auch vor, Sie hätten eines dieser roten Tücher dabei, mit denen die immer die Stiere herbeiwedeln. Haben Sie das? Gut.

Egal, auf was wir im Buch stoßen: Was Ihnen von nun an am Arsch vorbeigehen soll, lassen Sie es angaloppieren, Fahrt aufnehmen, und dann, kurz bevor es sie erreicht, machen Sie einen eleganten Torero-Hüpfer zur Seite und lassen es haarscharf an Ihrem Arsch vorbeirennen. Olé!

Ein weiterer Helfer, den ich Ihnen an die Seite stellen möchte, ist Ole. Während ich mir nämlich noch überlegte, wie dufte es wäre, nur noch das zu tun, auf das man wirklich Wert legt, fiel mir jemand ein, der genau das schon immer tut (abgesehen vom Kind, das tut das auch): mein Freund Ole.

Mein Ole ist ein Freund aus Jugendtagen und inzwischen ein wahnsinnig erfolgreicher Geschäftsmann. Er ist gefühlte zwei Meter fünfzig groß, ein reizender Kerl, und er tut nie etwas, was er nicht möchte. Unnötig zu sagen, dass Ole in keiner WhatsApp-Gruppe ist, und auch auf der Weihnachtsfeier seiner Firma bleibt er nur, wenn es lustig ist. Trotzdem ist er ein beliebter Chef, er hat einen großen Freundeskreis und eine tolle Familie.

Er wird einem allerdings nicht beim Umzug helfen und er wird einem auch nicht beim Poetry-Slam zujubeln, auch wenn man ihn hundertmal darum bittet. – Aber das ist okay, so ist er halt. Man mag ihn trotzdem.

Wenn mich in der Arbeit jemand fragt, ob ich noch schnell über einen Text gucken kann, neige ich dazu zu sagen: »Ja, klar, gib her.« Dadurch gerate ich in Zeitmangel, komme dann in Stress und zu guter Letzt ärgere ich mich noch über mich selber.

Wenn jemand Ole fragt, ob er noch schnell über einen Text gucken kann, sagt er »Nö«. Und macht es nicht. Er hat mehr Zeit, ist weniger gestresst, ärgert sich nicht über sich selbst, und man hat ihn trotzdem lieb, weil er dennoch ein feiner Kerl ist.

Mir hat Ole sehr geholfen auf meinem Weg am Arsch vorbei – einfach, weil ich mir in haarigen Situationen vorstellen konnte, wie er wohl reagieren würde. Da war es dann, als stünde er neben mir mit seinen zwei Meter fuffzig und sagt: »Das machst du unter gar keinen Umständen, meine Liebe.« Kennen Sie auch so jemanden? Wenn ja, stellen Sie denjenigen an Ihre Seite. Wenn Sie niemanden kennen, der so ist, leihe ich Ihnen meinen Ole.

Dann kann’s ja losgehen.

1 Das Glücksprojekt, mvg Verlag, ISBN-13: 978-3868822052

1. Die eigene Person

•Bikinifigur am Arsch vorbei

•Aussehen generell am Arsch vorbei

•Selbstverbesserung am Arsch vorbei

•Dinge am Arsch vorbei

Mit der eigenen Person zu beginnen, ist naheliegend. Man hat eh so ein schwammiges Gefühl, dass man irgendwas an sich verbessern müsste: Der Hintern sollte kleiner, das Konto dafür dicker, das Selbstvertrauen größer und das Sexleben sollte irgendwie spannender sein, und Sport sollte man auch mal wieder machen. Fangen wir also an, am besten mit Schokolade.

Normalerweise ist es doch so, dass man sich auf ein gewisses Gewicht einpendelt. Ohne groß zu hungern oder besonders reinzuhauen (die Weihnachtszeit ausgenommen). Dieses eingependelte Gewicht hat in der Regel nichts, also überhaupt nichts mit dem Gewicht zu tun, das man für eine sogenannte Bikinifigur braucht.

Bikinifigur am Arsch vorbei

Eine Bikinifigur, also zumindest das, was die Öffentlichkeit unter einer Bikinifigur versteht, hatte ich das letzte Mal mit zwölf. Von da an waren Bikini und Figur zwei getrennte Welten, die sich auch nie wieder vereinen ließen. Teilweise bestanden nicht mal diplomatische Beziehungen zwischen den beiden. Seit ich also zarte dreizehn war, und ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass dies schon ein paar Jahre her ist, zog ich Jahr für Jahr im Sommer den Bauch ein. Am See, am Meer und am Badeweiher atmete ich von Juni bis August flach in den Bauch hinein und in den Achtzigern, als bauchfrei gerade hochmodern war, habe ich komplett die Luft angehalten. Ein Wunder, dass ich keine Spätschäden davongetragen habe.

Dank der gängigen Frauenzeitschriften wusste ich aber auch ganz genau, wie ich die Röllchen im Liegen bestmöglich kaschieren kann: In liegender Position auf einem Badehandtuch gab es nur eine einzige mögliche Haltung: auf dem Rücken liegend, mit leicht angezogenen Beinen, so sehen die nämlich dünner aus. Nur diese langen, schlaksigen Mädels saßen selbstbewusst im Schneidersitz oder wie sie eben wollten – dafür behielten sie meistens ihr T-Shirt an, zur Vertuschung des nicht vorhandenen Busens. Irgendwas ist eben immer.

Mein Verhalten hat sich inzwischen etwas entspannt – aber nicht wirklich. Ich erwische mich immer noch dabei, dass ich auf Stühlen am vorderen Rand sitze – da sehen die Beine dünner aus. Das habe ich mir irgendwann mal angewöhnt. Das ging ganz von alleine, genauso wie Leute mit schlechten Zähnen automatisch so lächeln, dass man ebendiese nicht zu sehen bekommt. Dass es in diesem Leben nichts mehr wird mit der Bikinifigur, weiß ich. Trotzdem habe ich permanent das Gefühl, ich müsste darauf hinarbeiten. Wie eine Mahnung liegt diese verdammte Jeans in meinem Schrank, die genau eine Nummer zu klein ist, und wenn sie könnte, sie zöge die Augenbrauen hoch, jedes Mal, wenn ich in Unterhosen vor dem Kleiderschrank stehe. Dabei, und das ist das wirklich Abstruse an der Geschichte, finde ich im wirklichen Leben Frauen immer dann besonders gut aussehend, wenn sie sich selbstbewusst präsentieren: mitsamt großer Nase oder krausen Haaren, einer breiten Hüfte oder einem Bäuchlein.

Vielleicht (vermutlich) ist diese Frau-nackig-/Mann-redet-Sache, die dem Kind schon aufgefallen ist, schuld, auf jeden Fall wird es wirklich Zeit, sich zu fragen:

»Eine Bikinifigur hat, wer einen Bikini anzieht, so sieht es doch aus«, erkläre ich denn auch Anne, die neben mir im Auto sitzt und uns Richtung Badesee fährt.

Neue Beschlüsse wollen umgesetzt werden, also nehme ich mir zu Recherchezwecken den Tag frei und fahre mit Anne baden. Ich erkläre ihr mein neues Vorhaben, mir die Bikinifigur am Arsch vorbeigehen zu lassen. »Hey!«, rüffle ich sie an, denn prompt hat sie einen Seitenblick in Richtung meines Allerwertesten geworfen.

Angekommen, legen wir unsere Handtücher ins Gras, und während Anne ihr dünnes Kleidchen über den Kopf zieht, bin ich mal wieder maßlos neidisch: auf ihre langen, schlanken Beine, den flachen Bauch und diese Hüftlinie, an die kein Donut jemals angedockt hat. Anne ernährt sich nämlich sowohl vegan als auch ökologisch, sie verzichtet auf weißen Zucker und auf weißes Mehl, Laktose und Tiefkühlware – nicht zu vergessen die Phase, in der sie versuchte, sich nur von Licht zu ernähren und mit der wir sie immer noch gerne aufziehen.

In meinem nächsten Leben habe ich auch solche Beine und trage jeden Tag Minirock, knallenge Slimstretch-Jeans und Hotpants.

»Und ich habe in meinem nächsten Leben ein Dekolleté«, seufzt Anne. Einen Bikini haben wir beide dabei und kaum schlüpfe ich in meinen rein und stehe in meiner vollen Pracht da, ziehe ich automatisch den Bauch ein – und könnte ich den Hintern, die Oberschenkel und die Hüften auch einziehen, ja, ich würde es tun.

Bewusst atme ich aus, entspanne mich, und der Bauch rutscht dahin, wo er hingehört. »Leg dich einfach so hin, wie du beim Einschlafen liegst, das ist bestimmt deine bequemste Position!«, rät Anne und das klingt vernünftig.

»Und? Wie fühlst du dich?«, fragt sie nach einiger Zeit, in der ich verkrampft auf der Seite liege.

»Du kennst doch diese Bilder von gestrandeten Walen?«, frage ich zurück, und das trifft es eigentlich ziemlich gut. Ich fühle mich nicht gut. Nicht auf der Seite, nicht im Sitzen und schon gleich dreimal nicht im Schneidersitz. Ich achte nur noch mehr auf die diversen Röllchen und Falten, die sich zwischen mich und meine eigentliche Figur drängen, und werde darüber ein bisschen missmutig.

»Warum kann ich nicht auch veganen und weißen Tiefkühl-Zucker weglassen? Und auf eine zweite Portion Nachtisch verzichten? Warum kann ich meinen Hintern nicht in so ein Personal-Trainer-Höllentraining bewegen? Oder verdammt noch mal nicht die Schokolade wieder einpacken, nachdem ich ein Stück gegessen habe?«

»Weil du Schokolade liebst«, höre ich es hinter mir, und da steht L. mit Handtuch, Hund und Kind. L. hat sich kurzerhand auch frei genommen, das Kind abgeholt und uns sogar eine große Wassermelone mitgebracht.

Da stehen sie und grinsen mich an – und dann ist für meinen Ärger plötzlich kein Platz mehr. Ich trage das Kind mitsamt seiner Hai-Badehose zum Wasser, der Hund sieht uns schwanzwedelnd zu und L. schneidet die Melone in mundgerechte Stücke. Kurz kommt mir in den Sinn, dass ich eventuell nicht die beste Figur abgebe, während ich mit dem Kind Seemonster spiele, aber dann quiekt es vor Vergnügen und es geht wieder.

Auch vergesse ich während des Wettrennens zurück zum Handtuch, dass ich dabei nicht aussehe wie eine Gazelle, einfach weil ich lachen muss. Kurz zucke ich zurück, als ich mich im Schneidersitz zum Melone essen niederlasse – aber sobald ich meine Lieben ansehe, fühle ich mich wohl und sicher. Es ist kurios: Sobald ich mich mit einem guten Gefühl, mit Freundschaft, Liebe, Wohlwollen und Lachen ablenke, ist für die negativen Gefühle kein Raum mehr.

Ein kurzer Seitenblick hilft auch, denn, wie soll ich sagen, man liegt da ja nicht ausschließlich zwischen Jennifer Lopez’ und Ben Afflecks, im Gegenteil. Und zwischen den Ludolfs und dem Casting für Schwiegermuttergesucht, mache ich mich gar nicht sooo schlecht. Ich sehe nicht mehr permanent an mir selbst herunter, sondern auf Melonensaft, der sich auf dem Gesicht des Kindes verteilt, in die blitzenden Augen von L. und höre mir Annes lustige Geschichte aus dem letzten Schamanen-Retreat an.

Als die Sonne schon rot-gold wird, schmiege ich mich an L. und gemeinsam sehen wir Anne zu, wie sie mit dem Kind Steine ins Wasser wirft.