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Herrschaften!Et Coco! Et Coco! So ruft der Hahn Louis, er kommt ja aus Frankreich, das versteht man sogar, wenn man nicht gackern kann. Er holt damit seine Hühnerdamen zum Essen oder wenn er etwas Wichtiges zu berichten hat. Also hört, ihr Kinder, ihr Hühner und Staunende: Nicht weit von hier, da ist die beste aller Welten! Dort sind die Wiesen saftig und grün, dort duftet es nach Kräutern und Gänseblümchen, dort lebt bei Bauer Sixtus der glückliche Hahn Louis mit seiner ausgelassenen Hühnerschar. Die Damenrunde Edith und Prudence, Summer, Holly und Millie, Dragica und Lubica und auch die anderen zehn, sie alle hätten es nicht besser treffen können. Für nur ein Ei am Tag als Gegenleistung werden sie von ihrem Hahn im Korb mit bester französischer Hühnerkochkunst verwöhnt. Bauer Sixtus, ihr Freund und Herbergsgeber, hat ihnen gar eine Residenz errichtet und verständigt sich in tadellosem Gackerisch mit seiner gefiederten Kommune. Eines Tages stellt er ihnen Zsofia vor, eine Neue, sie kommt aus Ungarn und war dort amtierende Schönheitskönigin. Welche Aufregung im Hühnerstall! Pardon, Mesdames, Messieurs, in der Residenz, wollte ich sagen, der Residenz des bunten Hühnervolkes. Ausgerechnet jetzt Neuzuwachs, wo sich Louis Mädels auf den großen Wettbewerb von Austrias Next Topchicken vorbereiten müssen! Kann das gut gehen? (Gudrun Tielsch)
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Seitenzahl: 94
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Am Bauernhof von Sixtus Hinkel
Berichte aus dem Hühnerstall
Silvia L. Lüftenegger / RosaRot
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Personen und Handlungen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind zufällig und nicht beabsichtigt.
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© 2021 – Papierfresserchens MTM-Verlag GbR
Mühlstr. 10, 88085 Langenargen
Alle Rechte vorbehalten. Taschenbuchauflage erschienen 2021.
Herstellung und Lektorat: CAT creativ - cat-creativ.at
Bilder (Auswahl aus dem Taschenbuch): Silvia L. Lüftenegger / RosaRot
ISBN: 978-3-96074-438-2 - Taschenbuch
ISBN: 978-3-96074-441-2 - E-Book
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Vorwort
Endlich ist der Wurm drin
Ungarischer Besuch im Hause Loisl
Modernes Chicken-Work-out
Was gestern noch geschah
Rühreier zu Mittag
Nachbarschaftlicher Besuch steht ins Haus
Zickenalarm
Louis ist genervt
Von Wettkämpfen, Wetten und sonstigem Kräftemessen
Louis verus Josef
Freudige Ereignisse
Zachary und seine Mitbringsel
Der Tag der Tage, Wettkampfsonntag
Zu Besuch bei Bartl und Seppl
Ediths Befürchtungen
Vorbereitungen auf Austria’s Next Topchicken
Gackerübungen
Der richtige Powackler
Die große Hühnerbeschau
Besetzung
Die Autorin
Buchtipp
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Gewidmet meiner Tochter Bianca und ihrer bunten Hühnerschar
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Und dann?
Als ich ein Kind war, liebte ich nichts mehr, als Geschichten zu hören, die im Moment des Erzählens von meiner Oma für mich erfunden wurden. Diese Geschichten waren eher Berichte, Berichte aus den besten aller Welten, die nur mir und meiner Großmutter gehörten. Unsere Geheimnisse. Episoden wie bunte Tücher aufgespannt auf einer langen Wäscheleine. Oft erzählten wir uns abwechselnd diese Geschichten immer weiter und staunten über ihren Verlauf, und obwohl gar nichts Dramatisches passierte, waren wir immer ganz aufgeregt und sehr überrascht. Dabei legten wir größten Wert auf Details. Was gab es zu essen, wie hoch ganz genau war der Zaun, wie dunkel war die dunkelste Nacht? Manchmal spielten wir auch die Geschichten weiter ... und immer weiter ... und immer weiter … Und dann? Ja, dann war ich auf einmal groß, und die Wäscheleine, die mich durch meine Kindheit geführt hatte wie ein roter Faden und die das Wahrste und Allerwichtigste war, endete festgezurrt an einem Haken. Meine Großmutter und all unsere Geheimnisse, unsere Erfindungen und Spiele, sie blieben zurück in meiner Kinderzeit.
Geschichten, so sagte man mir jetzt, werden dramaturgisch gebaut. Man muss wissen, wo man hinwill. Ohne Plan, so sagte man mir, kommst du nicht voran, nirgends, nicht im Leben und auch nicht mit einer Geschichte. Jetzt suche ich immer wieder nach den Bausteinen, den richtigen, versteht sich, die liegen ja nicht einfach so herum. Und während ich suche, begleitet mich die Sehnsucht nach den magischen Zauberworten: „Und dann?“
Und dann, ja, dann habe ich Silvia Lüftenegger getroffen. Meine Freundin, in deren Namen schon der Wald und die Lüfte mitschwingen. Sie hat mir ihre Bilder gezeigt, sie ist Malerin. Als sie ein großes Atelier hatte, malte sie ganz große Bilder.
Und als sie dann im Waldviertel für das Theater Kostüme erfand und nur eine kleine Wohnung besaß, waren ihre Werke Miniaturen. In der kleinen Wohnung empfing sie mich mit einem herrlichen fünf gängigen Menü – ein Süppchen, eine Pastete aus Pilzen und Wild, Fisch und Salate und ein Dessert aus Wein und Früchten, ein Küchengeheimnis par excellence. Ihre Wohnung und ihr Garten waren eine Wunderwerkstatt, voller Erzählungen. Wir hörten Musik, lachten viel, tanzten und betrachteten die Sterne. Der Tag mit ihr, der war ein buntes Stück Stoff auf meiner Kindheitswäscheleine, ja, sie war wieder da!
Und dann? Inzwischen ist viel Zeit vergangen. Silvia wohnt jetzt in der Stadt. Sie hat Schmuck gemacht, Kostüme, Bilder und Skulpturen, sie hat Reisen durch ferne Länder unternommen, viel beim Theater gearbeitet und Geschichten geschrieben.
Und dann? Dann hat mich Silvia mitgenommen, auf den Hof von Sixtus Hinkel. Das heißt, eigentlich hat mich ja ihre Erzählung mitgenommen. Ich bin also dort angekommen und habe sie alle kennengelernt – die Hühner, die Hähne und Bauern. Ich habe jeden Tag ein Stückchen mehr über sie erfahren, und sie haben mich wahrhaft überrascht. Die Wäscheleine aus meiner Kindheit war wieder gespannt, die Episoden flatterten über Felder und Wälder in der sommerlichen Landschaft. Et coco! Hängt Eure Tücher, Eure Blätter und Federn dazu. Die Hühnerwelt am Hofe Sixtus Hinkel braucht keine Füchse, keine Gewitter, keine dramaturgischen Pläne, sondern sie braucht, um sich immer weiterzuspinnen, und hoffentlich noch weiter, nur ein bisschen Mut für das eine, das Wahre, das große Zauberwort: Und dann?
Gudrun Tielsch
Freundin, Schauspielerin, Herausgeberin der Zeitschrift PORTRAIT, Kulturschaffende
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Nach einem extrem heißen Tag beschließt Louis, er ist der Küchenchef, das Oberhaupt des Clans und sozusagen der Hahn im Korb, heute Abend einmal nicht warm zu kochen. Der Würmer-Vorrat ist bereits aufgebraucht und da es in den letzten Tagen extrem heiß war und dadurch kein Nachschub zu erwarten, fasst er den Entschluss, für seine Kommune etwas Gemüse auf den Teller zu bringen. Dazu begibt er sich auf den herrlich duftenden Misthaufen, der sich gleich hinter ihrem luxuriös ausgebauten Hühnerstall befindet. Da sie ja Biohühner sind, legt Bauer Sixtus extrem viel Wert auf Komfort – um nicht zu sagen ... Luxus.
Darum bevorzugt Louis auch, das Wort Residenz für ihre Behausung zu verwenden, denn er ist der Meinung, dass sie etwas Besseres sind. Er hängt sich einen Korb um den rechten Flügel und stolziert zum Misthaufen. Man muss diesbezüglich auch noch kurz anmerken, dass auch dieses Wort dem nicht Genüge tut, denn der Misthaufen ist eigentlich ein wohl gedüngtes Hochbeet. Seine Mädchenschar, es sind siebzehn an der Zahl, ist gerade beim Korbballspiel – wie jeden Tag. Er ist wie Bauer Sixtus der Meinung, dass sie nur durch viel Bewegung frisch und knackig bleiben.
Schon am Weg zum Misthaufenhochbeet bemerkt er, dass der Wind empfindlich stark aufgefrischt hat, denn seine wunderbar langen Schwanzfedern werden ordentlich durchgeschüttelt. Ein Blick auf den See genügt, um festzustellen, dass es heute noch ein kräftiges Gewitter geben wird. Das Schilf peitscht im Wind hin und her und der sonst so ruhige See wirft kleine Wellen ans Ufer. Am Horizont sind bereits Blitze zu sehen und der Himmel beginnt sich zu verdunkeln. Rasch pflückt er einen Kürbis und ein paar Kräuter, denn zu mehr ist keine Zeit mehr.
Auf dem Rückweg scheucht er seine Hühner ins Haus und ordnet an, alle Fenster zu schließen. Er bittet Summer, Holly und Millie, die gerade in Ruhe auf der Reservebank ihre Pediküre-Utensilien verstauen, den anderen dabei zu helfen. Unter heftigem Gegacker, denn ihre Krallennägel seien noch nicht ganz trocken, begeben sie sich flatternd auf den Weg hinein. Knapp schaffen sie es, alles zu verschließen, bevor es anfängt, so richtig zu stürmen und zu regnen. Louis ist ganz angetan über die Aussicht, dass es nach dem Regen wieder jede Menge Würmer geben wird, die er dann morgen, eingehüllt in Löwenzahnblätter mit frischem Thymian, als Sushi, kredenzen kann.
Er kocht gerne für seine Mädchenschar, denn er ist der Meinung, dass er von allen am besten kochen kann. Nicht umsonst hat er bei Coucou de Rennes, dem bekannten französischen Koch, gelernt. Nur der Umsicht von Bauer Sixtus ist es zu verdanken, dass er hier ist – und er wiederholt oft und gerne, dass sie diesbezüglich richtig Glück hätten.
So bereitet er heute mit dem frisch gepflückten Kürbis ein leckeres Antipasto zu und kräht dabei sein Lieblingslied „Qui qu`a vu coco“, das der berühmten Modedesignerin Gabrielle, die er sehr verehrt, ihren Namen gab und ihn zu seinem Weckruf inspirierte.
Nach dem Mahl, alle sind zwar satt geworden, aber, da sie seit Tagen kein zartes Wurmfleisch mehr hatten, etwas ungehalten und meinen, dass er doch besser vorbereitet hätte sein müssen und sie sich einen Würmer-Vorrat zulegen hätte können.
Louis, den sein Bauer einfach Loisl nennt, beruhigt sie. Und da der Regen Würmer verspricht, gelobt er, morgen zum Frühstück leckeres Sushi zuzubereiten, denn frisch schmecken sie erstens besser und sind zweitens nahrhafter.
Der Tag und die darauffolgende Nacht verlaufen stürmisch und regnerisch, doch der kommende Morgen verheißt das Beste. Mit einem fröhlichen: „Et coco! Et coco!“, denn ein normaler Kikeriki-Kräher ist ihm etwas zu gewöhnlich, weckt er die Mädels, die heute nicht aus den Federn kommen wollen, denn sie haben durch den nächtlichen Sturm fast kein Auge zugetan.
Doch als er: „Sushi, Sushi“, kräht, hüpfen sie aus ihren Nestern, denn die Aussicht auf etwas zartes Wurmfleisch macht sie hungrig. Nur Prudence, die Anführerin der Mädchentruppe, lässt sich etwas Zeit und legt noch schnell ihr morgendliches Ei.
Aufgeregt scharren und sammeln sie die Würmer auf, die in der weichen Erde ganz leicht zu finden sind. Die Ausbeute ist reichlich und Louis, der in der Zwischenzeit allerlei Kräuter und Löwenzahn gesammelt hat, zelebriert die Zubereitung ihrer aller Lieblingsspeise, sein Lieblingslied krähend.
Alle sind zufrieden, nur Bauer Sixtus nicht, denn in der Eile haben die Mädels, außer Prudence natürlich, vergessen, ihr morgendliches Ei zu legen, und da das zu Lieferschwierigkeiten führen könnte, müssen sie am Vormittag so lange im Stall bleiben, bis sie ihre Arbeit getan haben.
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Bauer Sixtus Hinkel ist sehr bedacht darauf, dass seine Hühner immer gepflegt aussehen und gut trainiert sind, denn jeden Herbst findet in der großen Stadt die alljährliche Hühnerschau Austria’s Next Topchicken statt. Als Anregung bringt er seinen Hühnern an jedem ersten Montag im Monat Zeitschriften wie Best Chicks, Täglich Federleicht oder Chickennews aus der Stadt mit nach Hause. Summer, Holly und Millie warten dann immer ganz aufgeregt gackernd am Eingangsgatter, um sofort die heiß geliebte Zeitschrift Best Chicks vor allen anderen zu ergattern.
Heute ist wieder der besagte Montag und die drei Mädels, die sich am Wochenende ausgiebig über Schminktechniken, Federnpolitur und Schnabellack beratschlagt und sich mit Yoga und Aerobic fit gehalten haben, während die anderen Korbball trainierten, warten schon vor dem Frühstück aufgeregt am Tor auf ihren Bauern. Schon von Weitem sehen sie Sixtus, betont lässig schlendernd, mit seinem Rucksack auf dem Rücken sich dem Hofe nähern. Summer, Holly und Millie flattern unruhig hin und her, denn sie können es kaum erwarten, die Zeitschrift in Empfang zu nehmen. Als er jedoch näher kommt, erspähen sie etwas Unerwartetes.
Ein blauroter Schopf lugt aus dem Rucksack und gackert ihnen aufgeregt: „Szervusz, Szervusz“, entgegen. Wie erstarrt, ganz die Zeitschrift vergessend, stehen die drei am Eingang und blicken sich leise gackernd an. Bauer Sixtus nimmt den Rucksack vom Rücken und heraus hüpft, freudig flatternd, ein hübsches rotes Hühnchen. „Nevem Zsofia, ich heiße Zsofia“, gackert es ausgelassen und streckt ihnen den Flügel entgegen. Völlig überrumpelt von der Situation reichen ihr Summer, Holly und Millie ihre Flügel zur Begrüßung, aber ohne nur einen Gackerer herauszubekommen.
Zu fünft gehen und flattern sie in den Innenhof zu den anderen, die das Szenario bereits aus einiger Entfernung beobachtet haben und leise vor sich hin gackern. Louis, ganz Herr der Situation, fliegt ihnen entgegen und schüttelt Zsofia zur Begrüßung freudig den Flügel. „Darf ich euch vorstellen, das ist Zsofia aus Sopron, Ungarns amtierende Schönheitskönigin“, meint Bauer Sixtus kurz und lächelt stolz. Zsofia holt ihre Tasche mit persönlichem Kram, einen Korb mit Geschenken und ein Blümchen für Louis aus dem Rucksack des Bauern. Prudence fängt sich als Erste und reicht ihr fröhlich gackernd ihren Flügel zur Begrüßung. „Endlich Frischfleisch für unsere Korbballmannschaft. Ich hoffe, du hast genug Paprika in deinem knackigen Hühnerpopo.“
