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Frederick Bingo Mandeville kommt am 12. September 1880 im kleinen Städtchen Farnham, Surrey, zur Welt. Und bereits in den ersten Wochen wird unübersehbar, was ihn sein Leben lang auszeichnen wird: Bingo hat ein geradezu bestürzend unerschütterliches, heiteres Gemüt. Nichts bringt ihn aus der Ruhe, er lacht gerne und oft, und am liebsten schart er Zuhörer um sich, um sie mit selbst erdachten Possen zu unterhalten. Kaum verwunderlich, dass er später als gefeierter Autor heiterer Gesellschaftsromane zu Ansehen und Vermögen kommt. Doch der Zweite Weltkrieg reißt ihn aus der Behaglichkeit seiner Schreibstube an der französischen Atlantikküste, wo er sich mit seiner Frau Florence niedergelassen hat. Als „feindlicher Ausländer“ wird er in ein deutsches Lager interniert – doch auch dort vermag er seine Mitinsassen mit seinen Späßen aufzuheitern. Und merkt dabei gar nicht, wie die deutsche Propaganda ihn vor ihren Karren zu spannen weiß – denn wenn derart gute Stimmung herrscht, wie schlimm kann es dann schon sein?
Philipp Lyonel Russell erzählt von einem Mann, der stets gutgelaunt durchs Leben geht, der alles mit einem Scherz zu garnieren und mit Humor zu nehmen weiß – bis ihm genau das zum Verhängnis wird …
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Seitenzahl: 242
Veröffentlichungsjahr: 2019
Philipp Lyonel Russell
Am Ende ein Blick aufs Meer
Roman
Aus dem amerikanischen Englisch von Christoph Hein
Insel Verlag
In jenem bedeutsamen Jahr, in dem die britische Armee im Zweiten Anglo-Afghanischen Krieg in der Schlacht bei Maiwand durch die Stammeskrieger von Mohammed Ayub Khan völlig unerwartet eine überaus schmähliche und endgültige Niederlage erlitt und in London der Cul de Paris, auch Cul de Ouatte oder Cul de la Reine genannt, die weiblichen Hinterteile der Angehörigen der britischen Hautevolee aufbauschte und mit einer vergleichbaren Endgültigkeit wie bei der militärischen Niederlage des Empire in Afghanistan ein für alle Mal die Robe à l’Anglaise verdrängte, am 12. September des Jahres 1880 kam Frederick Bingo Mandeville im kleinen Städtchen Farnham in Surrey zur Welt.
Bingo war der geborene Possenreißer. Bereits als kleines Kind nannten seine Ammen ihn »Sonnenstrahl Gottes« und sein ganzes Leben lang blieb ihm sein heiteres, durch nichts zu verstörendes Gemüt erhalten. Er war der sprichwörtliche Witzbold, und selbst während der Zeit, in der die gesamte Nation sich über ihn entrüstete und seine Bücher verschmähte, in der die altehrwürdige BBC wiederholt unmittelbar nach den Abendnachrichten flammende Schuldsprüche gegen ihn in den Äther schickte, in der seine einst getreue und ihn bewundernde Leserschaft verlangte, ihn wegen Landesverrat anzuklagen, lebenslang einzusperren oder gar hinzurichten, und in der sich selbst der britische Premierminister öffentlich herabwürdigend über ihn äußerte – auch in diesen schweren Jahren blieb Bingo heiter und gelassen.
Es überraschte ihn aber durchaus, mit welcher Wucht sich der Zorn der gesamten Nation gegen ihn richtete. Seinen schärfsten Kritikern entgegnete er, möglicherweise habe er aus reiner Unbekümmertheit einen großen Fehler begangen, doch das habe nichts daran geändert, dass er das Leben eben von der heiteren Seite zu nehmen pflegte. Er habe zu keinem Zeitpunkt die Absicht gehabt, sich jemals dem sogenannten ›Ernst des Lebens‹ zu stellen, und nichts liege ihm ferner, als sich ins politische Geschehen zu mischen. Ganz im Gegenteil erheiterten ihn Meinungsäußerungen zu Angelegenheiten des Staates, ganz besonders dann, wenn diese im Brustton der Überzeugung vorgetragen würden. Je leidenschaftlicher ein Standpunkt vertreten werde, umso drolliger erscheine ihm derjenige, der ihn vertrete. Er nehme sich dabei selbst gar nicht aus und ziehe es daher vor, auf Meinungsäußerungen zu Fragen der Politik gänzlich zu verzichten. Ihm sei es nur darum gegangen, seine Zuhörer zum Lachen zu bringen, wie jeder unvoreingenommene Radiohörer doch sicherlich bestätigen müsse. Die Kameraden im Lager jedenfalls hätten sich seinerzeit großartig amüsiert und ihn gefeiert.
Bingo mied nach diesen Angriffen jedoch sein Heimatland, wo er ohnehin unerwünscht war, und weilte bis zu seinem Lebensende in Frankreich, blieb unerschütterlich heiter und war stets bereit, seine ewige Seligkeit für eine treffende Pointe aufs Spiel zu setzen. Selbst in seiner Todesstunde rang er dem herbeigerufenen anglikanischen Pater, der den Sterbenden aufforderte, ihm seine Sünden zu beichten, um seine Seele zu erleichtern und unbeschwert vor den Herrgott zu treten, ein widerwilliges Lächeln ab, so dass dieser schließlich seufzend das Kreuz über ihm schlug und ihn wissen ließ, der Herr habe ihm alle seine Sünden vergeben.
Die kleine Stadt Farnham konnte sich mit zwei bedeutsamen Ereignissen in die britische Geschichte einschreiben, denn sie war nicht nur die Heimatstadt von Frederick Bingo Mandeville, woran eine eherne Gedenktafel an seinem Geburtshaus bis zum heutigen Tag erinnert, sondern der Ort wurde fast ein Jahrhundert später als Produktionsstätte der »Kit Car« genannten Bausatz-Automobile bekannt und erlangte landesweite Aufmerksamkeit, da die Produktion bereits nach vierzehn Monaten vollständig eingestellt wurde, nachdem von dem einzigen Modell, dem Zweisitzer-Sportwagen Alto, insgesamt drei Exemplare, die jedoch alle eine instabile Lenkung besaßen, hergestellt und an drei unglückliche Briten verkauft worden waren, ein Umstand, den Frederick Bingo Mandeville nicht mehr erleben konnte, der ihn aber zweifellos erheitert hätte.
Bingos Vater, Meiself Mandeville, verrichtete seinen Kolonialdienst in Hongkong als Ausbilder einer chinesischen Polizeitruppe und war bei Bingos Geburt nicht in England. Er sah seinen einzigen Sohn zum ersten Mal bei einem der seltenen Heimaturlaube, als dieser vierzehn Monate alt war. Meiself war es, der den ungewöhnlichen Namen Bingo für seinen Sohn bestimmt hatte, ein Name, der aus einer Verballhornung des Familiennamens seines chinesischen Stellvertreters in Hongkong entstanden war.
Bingos Mutter Merylliane war zwei Monate vor dem Geburtstermin von Hongkong nach Farnham gereist, auf dass der erhoffte männliche Erbe auf britischem Boden das Licht der Welt erblicke. Bingos Eltern hatten bereits zwei Mädchen und wünschten sich nun beide einen Sohn, der ihren Namen weitertragen würde.
Bingos Geburt verlief ohne Komplikationen, bereits drei Wochen später gab seine Mutter den Säugling in die Obhut seiner vier Tanten, die bereits die beiden Töchter betreuten. Sie selbst reiste nach Dover, um dort eine der wenigen Passagierkabinen der HMS Black Prince zu beziehen, eines Panzerschiffs, das sie mit einer Geschwindigkeit von fünfundzwanzig Knoten in der Stunde nach Hongkong bringen sollte.
Das Schiff, eins der stärksten Panzerschiffe seiner Zeit und durch die Schiffskanonen nahezu unverwundbar, gehörte zur Klasse der Her Majesty Ship Warrior und war, da es zusätzlich zu der vollständigen Takelage eines Vollschiffs als Hauptantrieb eine liegende, einzylindrige Dampfmaschine besaß, uneingeschränkt ozeantauglich.
Der Abschied von ihrem Baby verlief herzlich und mühelos, sie küsste Bingo und er schien daraufhin seine Mutter anzulächeln. Als sie jedoch den Töchtern Lebewohl sagen wollte, kam es zu den bei jeder Abreise der Mutter üblichen Dramen und Tränenausbrüchen. Die jüngere Tochter, Twyla, weinte herzzerreißend und Ashlee, die ältere, hatte sich in ihrem Zimmer eingeschlossen und weigerte sich, ihrer Mutter die Hand zu geben und ihr eine gute Überfahrt zu wünschen. Die beiden Mädchen litten unter dem Verlust der Eltern, seit diese vor drei Jahren nach China aufgebrochen waren und jährlich nur für zwei bis drei Wochen in die Villa Conqueror zurückkehrten, um nach ihren Kindern und dem Haus zu sehen.
Die einzige Schwester des Vaters, Tante Dahlia, sowie die drei sämtlich unverheirateten älteren Schwestern der Mutter, Honoris, Agatha und Constance, bewohnten die acht Zimmer des mittleren Stockwerks und sorgten in Abwesenheit der Eltern für die Kinder, beaufsichtigten Köchin und Gärtner und gaben notwendige Reparaturen am Haus in Auftrag.
Da Bingo noch ein Säugling war, organisierte Dahlia, die älteste der Tanten, eine Amme, die viermal am Tag im Haus erschien, um das Baby zu stillen. Und bereits zehn Tage später fragte Dahlia bei einer weiteren Frau im Dorf an, ob sie bereit sei, ebenfalls als Amme in ihre Dienste zu treten. Eine Freundin hatte ihr von weiteren Offiziersgattinnen wie ihrer Schwägerin erzählt, deren Ehemänner im Nahen oder Fernen Osten als Kolonialbeamte für das britische Imperium tätig waren und die diese nicht allein und völlig unbeaufsichtigt in jene exotischen Länder von bekanntlich ausschweifender sexueller Kultur reisen lassen, ihre Säuglinge aber keinesfalls dem dortigen ungewohnten und strapaziösen Klima aussetzen wollten. Und so hatte Dahlia kurzerhand beschlossen, weitere Säuglinge in die Villa Conqueror aufzunehmen.
Dahlia hatte mehrere der besagten Mütter angesprochen, ihnen die für die Kinderbetreuung vorgesehenen Zimmer der Villa gezeigt und auch die beiden Ammen Florrie und Cissie vorgestellt, reinliche und stämmige Bauernmädchen aus der Umgebung, die für das leibliche Wohl der Zöglinge sorgen sollten. Die Damen waren sich bald einig geworden, Dahlia und die beiden Ammen würden nun außer dem kleinen Bingo noch drei weitere Säuglinge für ein Jahr betreuen, so dass die Mütter unbesorgt die Schiffspassage antreten konnten, um in entlegenen Kolonien ihren Ehegatten beizustehen – schließlich hatte Her Majesty Victoria höchstpersönlich und wiederholt angemahnt, die tapferen Beamten der Krone nicht allein in die Weiten des britischen Imperiums reisen zu lassen, um ihre Moral und Gesundheit nicht zu gefährden.
Dahlia ließ zwei Zimmer im Erdgeschoss für die beiden Ammen und die vier Säuglinge als Still- und Schlafräume einrichten. Die drei anderen Tanten waren anfangs reichlich empört über Dahlias Eigenmächtigkeit. Dass ihr Haus nun von schreienden Säuglingen bevölkert sein sollte, ließ sie um ihre Ruhe und Muße fürchten, auch witterten sie bei Dahlia einen kalten Geschäftssinn und die Absicht, sich bereichern zu wollen, doch Dahlia konnte ihre Bedenken zerstreuen, die Einnahmen sollten zuvörderst die Kosten für die Ammen decken, und der restliche Gewinn werde unter ihnen vier aufgeteilt.
Bingo wuchs die ersten beiden Jahre in der Gemeinschaft mit Gleichaltrigen auf. Sobald die Kinder abgestillt waren, wurden sie Verwandten der Eltern übergeben, die bis zu deren Rückkehr für die Betreuung zu sorgen hatten. Und kaum war ein Kind in familiärer Obhut, nahm Dahlia umgehend einen neuen Säugling auf. Das Geschäft florierte, waren doch im Mutterland des Imperiums dazumal viele Gattinnen von Kolonialbeamten hochschwanger, und die Villa Conqueror hatte rasch einen weit über den Landkreis hinausreichenden Ruf als seriöser und empfehlenswerter Baby-Hort erworben.
Der Liebling der Tanten wie der Ammen war und blieb, ungeachtet aller wechselnden Schreihälse, der kleine Bingo. Cissie war es, die ihn einmal »Gottes Sonnenstrahl« nannte, was zunächst von Florrie, dann auch bald von den Tanten übernommen wurde.
Bingo weinte selten, strahlte jeden an, der sich über seine Wiege beugte oder sich zu ihm setzte, als er größer war, und verbreitete Heiterkeit und Wohlbehagen. Tatsächlich hatte er auch keinen Grund, unzufrieden zu sein, denn alle vier Tanten sowie die beiden Ammen suchten seine Nähe, wollten mit ihm spielen, ihn herzen und drücken. Da Dahlia streng darauf achtete, dass Florrie und Cissie ihre Arbeitszeit nicht vertrödelten, sondern diese ausschließlich auf das Stillen und die Pflege der Babys, nicht aber das Herumalbern mit Bingo verwendeten, Cissie und Florrie aber ebenso begierig wie die Tanten darauf waren, sich mit dem kleinen Sonnenstrahl zu beschäftigen, ihn auf den Arm zu nehmen und ihn zu streicheln, hatten sie sich angewöhnt, ihn bei jeder Gelegenheit an die Brust zu legen. Bingo bekam daher in den ersten beiden Lebensjahren täglich mindestens acht, meistens jedoch zehn Mahlzeiten serviert, und schon bald zeigten sich die Folgen dieser Zuneigung. Bingo nahm rascher als die anderen Säuglinge an Gewicht zu, sein Babyspeck war beachtlich und lud erst recht zum Knuddeln ein, und weinen oder gar lauthals schreien musste er nie, denn ehe er nur den kleinsten Hunger verspüren konnte, lag er ohnehin bereits an einer warmen Brust, und selbst nachdem er mit einem vernehmlichen und begeistert begrüßten »Bäuerchen« seine Mahlzeit beendet hatte, wurde er liebevoll zum Weitersaugen gedrängt.
Auch bei seinen Milchbrüdern und -schwestern, die zunehmend jünger waren als er, war er beliebt. Die Kleinen achteten interessiert auf alles, was er äußerte und tat, und bemühten sich, seinem Beispiel zu folgen, wollten wie Bingo auf die Beine kommen, mit den Händen die Tischkante greifen oder den Rock einer der Ammen. Besonders sein Lachen steckte sie an. Wenn Bingo in ein scheinbar grundloses und glockenhelles Lachen ausbrach, war kurz danach das ganze Kinderzimmer in fröhlichster Stimmung, die Kleinen strahlten und quiekten vor Vergnügen, stießen Freudenschreie aus oder lächelten zumindest still vor sich hin.
Die Heiterkeitsausbrüche der Kinder erfreuten Tanten und Ammen, sie waren dem kleinen Bingo dankbar, dass er derart gute Laune verbreitete, und steckten ihm dafür gerne eine Süßigkeit zu oder Cissie und Florrie boten ihm die Brust an.
Als Florrie ihn einmal stillte und Cissie, die zwei Säuglinge angelegt hatte und Florrie neidisch beobachtete, lachte Florrie plötzlich auf.
»Hast du das gesehen, Cissie? Hast du gesehen, wie er mich eben angeschaut hat? Der Junge hat’s drauf.«
»Darauf kannst du wetten. Der weiß jetzt schon, wo es langgeht.«
»Was glaubst du, was er in achtzehn Jahren erst draufhat. Der wird abgehen wie eine Rakete.«
»In achtzehn Jahren, ganz bestimmt. Aber dann wird er nicht mehr an deine Brust wollen. Dann kannst du deinen ganzen Milchladen zumachen.«
»Wart’s ab. Meine Tittchen werden auch in achtzehn Jahren noch passabel aussehen. Da wett ich drauf.«
»In achtzehn Jahren? Nach der ganzen Stillerei? Da werden sie dir sonst wo hängen.«
Florrie grinste nur und tätschelte dem kleinen Bingo den Kopf.
»Da kannst du ganz unbesorgt sein. Ich habe ein Zaubermittelchen, da behalten meine beiden hübschen Tittchen ihre Form.«
»Ein Zaubermittel? Meinst du damit die schwarze Schuhwichse, die du dir jeden Abend draufschmierst?«
»Das ist keine Schuhwichse. Das ist Waldnachtschatl. Das habe ich von der Phelps.«
»Von der Phelps? Etwa von der Maggie Phelps?«
»Genau von der.«
»Wie kannst du nur, Florrie! Die Maggie Phelps ist eine Hexe. Das wissen doch alle.«
»Hexe oder nicht, das ist mir egal. Aber mit ihrem Waldnachtschatl bleibt meine Brust so, wie sie heute ist. Für fünfzig Jahre bleibt sie in Form. Mindestens, sagt die Phelps. Sie garantiert es.«
»Mit ihrem Hexengift? Wie kannst du nur! – Und was soll da drin sein, in deinem Waldnachtsowieso?«
»Waldnachtschatl. Da ist einiges drin, darum ist es auch teuer. Das kleine Fläschchen kostet ganze zwölf Cent. Da hat sie Tintenbeer reingemixt und Giftbeer, Barbenkraut, Nachtschatten, Teufelskirsche, Tollkraut und irgend so ein Muskimol oder so ähnlich. So genau weiß ich das auch nicht, und die richtige Mischung verrät die Phelps sowieso keinem, ist ja ihr Geschäftsgeheimnis.«
»Zwölf Cent für diesen Hexenkram! Und wie lange musst du das nehmen? Wie lange musst du dich mit dieser ekligen Schuhwichse einschmieren?«
»Drei Jahre, sagt die Phelps, dann ist alles stabil für immer.«
»Wer’s glaubt, wird selig.«
Als sie die Kinder tauschten und nun Cissie den kleinen Bingo an die Brust bekam, fragte sie: »Sag mal, Florrie, würdest du mir mal deinen Hexensaft geben? Nur mal zum Ausprobieren?«
»Zum Ausprobieren? Bei zwölf Cent pro Flasche? Da lass ich keine nix ausprobieren. Kauf dir selbst eine. Zwölf Cent sind zwar schweinisch viel Geld, aber wenn meine beiden Hübschen ihre Form behalten, ist es gut angelegt.«
Dahlia stellte den Hortbetrieb in der Villa nach vier Jahren ein und entließ Florrie und Cissie. Bingo war von den beiden zwei Jahre lang gestillt worden, spielte in seinem dritten Lebensjahr noch gern im Kinderzimmer mit den kleinen Gästen und den Ammen, aber als Vierjähriger zog es ihn zu den verwegeneren Vergnügungen seiner älteren Schwestern und er ließ sich zum Kummer von Florrie und Cissie nur noch selten in ihren Räumen sehen. Da der Sonnenstrahl nun nicht mehr das Kinderzimmer erhellte, veränderte sich dort die Stimmung, es wurde seltener gelacht und stattdessen weinten und quengelten die Säuglinge nun häufiger. Honoris, Agatha und Constance missfiel das Kindergekreisch, sie wünschten sich die alte Ruhe zurück, und selbst Dahlia, die den Baby-Hort nur ungern aufgeben wollte – immerhin machte er sie zum geschätzten Mittelpunkt der kleinen Aristokratie der Kolonialbeamten und ließ sie damit in gewisser Weise am Leben ihres verehrten Bruders teilhaben –, selbst Dahlia wurde das laute Kinderzimmer lästig, so dass sie, in ihrer gewohnt beherzten Art, innerhalb von drei Tagen den beiden Ammen kündigte und die vier Säuglinge dem staatlichen Kinderheim in Farnborough übergab.
An den Kosenamen Gottes Sonnenstrahl hatten sich auch Meiself und Merylliane Mandeville gewöhnt. Der kleine Bingo hatte sie ebenso rasch und bedingungslos wie seine Ammen und Tanten für sich eingenommen, da er die Eltern bei ihren jährlichen Besuchen aufgeschlossen und herzlich begrüßte, während die älteren Schwestern Mutter und Vater verschlossen und starrköpfig empfingen, ihnen nicht entgegenliefen, um sie zu liebkosen, und sich nur widerwillig umarmen ließen. Selbst die reichlichen Geschenke, mit denen die Eltern um ihre Liebe buhlten, beäugten sie lediglich mürrisch. Bingo dagegen, der das Familienleben nie anders erlebt hatte, der nicht wie seine Schwestern einige Zeit mit den Eltern zusammengelebt und daher auch keinen Verlust zu beklagen hatte, lief ihnen mit offenen Armen entgegen und verabschiedete sich ebenso herzlich, wenn die Eltern nach Dover abreisten, um sich dort Richtung Hongkong einzuschiffen.
Bei einem ihrer seltenen Besuche hatte Merylliane Mandeville ihre französische Freundin Noëlle de Dantzig in die Familienvilla eingeladen, was ihre Töchter mit Empörung aufnahmen, da ihre Mutter dadurch in den drei gemeinsamen Wochen noch weniger Zeit für sie aufbringen konnte. Bingo dagegen war von der ausschließlich französisch parlierenden Dame entzückt und erfreute sich an ihrer zierlichen Aussprache. Er verstand kein Wort, aber die fremde Sprache fesselte seine Aufmerksamkeit und er hielt sich daher gern in Noëlles Nähe auf. Sie beherrschte vier Fremdsprachen, aber das Englische war ihr aus familiären Gründen nicht vertraut.
Ein Urgroßvater der Familie hatte im Juli 1812 als Colonel unter dem Oberbefehl Marschall Auguste de Marmonts gegen Wellington gekämpft. Diese Schlacht auf den Hügeln von Salamanca verloren die Franzosen, Marschall Marmont überdies seinen rechten Arm und Colonel Duc de Dantzig sein linkes Auge. Für den Colonel war Wellingtons Sieg wegen schweren Regelverstoßes irregulär, doch es gab auf der Welt kein Gericht, vor dem er den frisch ernannten Earl of Wellington sowie die kriegsverbrecherische Nation Großbritannien verklagen konnte, und er verfügte daher einen Familienbann gegen das Imperium, wozu auch die profunde Verachtung der englischen Sprache gehörte samt dem Verdikt, diese niemals zu erlernen, geschweige denn zu gebrauchen.
Noëlle de Dantzig hielt dieses Verdikt für unsinnig, doch die englische Sprache wurde an französischen Schulen nicht gelehrt, und erst mit fünfundzwanzig traf sie erstmals auf einen Engländer und hörte zum ersten Mal in ihrem Leben englische Laute. Sie bemühte sich, auch diese Sprache zu erlernen, beherrschte sie später jedoch nur eingeschränkt und vermied es, sie aktiv zu gebrauchen. Da Meiself Mandeville im Unterschied zu seiner Frau, die das Französische nahezu akzentfrei beherrschte, nur über dürftige Kenntnisse der Sprache verfügte, konnte er Noëlle zwar verstehen, musste aber, wie umgekehrt auch sie, stets in seiner Muttersprache antworten.
An einem der Tage, an denen Bingo im Wohnzimmer bei seiner Mutter und Noëlle de Dantzig spielte und dem französischen Geplauder der Frauen aufmerksam lauschte, stand er unvermittelt auf und fragte seine Mutter: »Weißt du eigentlich, Mama, dass du die wichtigste Frau meines ganzen Lebens bist? Heute und für alle Zeit.«
Die Mutter lachte auf, nickte und nahm ihn glückstrahlend in ihre Arme. Noëlle, die nicht sicher war, ob sie den Vierjährigen richtig verstanden hatte, ließ sich seine Worte übersetzen und meinte dann zu ihrer Freundin, sie habe mit Bingo wohl einen richtigen Gaillard im Haus. Bingo wollte wissen, was die Tante gesagt habe, und seine Mutter erklärte: »Noëlle hält dich für albern. Sie sagt, du bist ein alberner Spaßvogel.«
»Je n’ai pas dit niais. J’ai dit gaillard«, wandte ihre Freundin ein, doch Bingo lachte beglückt auf und rief: »Ja, ja, ja, ich bin ein Spaßvogel. Ich bin der Spaßvogel.«
Dann rannte er durch das Haus, zu seinem Vater, zu den Schwestern, zu seinen Tanten, um ihnen allen zu sagen, er sei der Spaßvogel, das sei sein eigentlicher Name und er wolle, dass man ihn künftig nur noch so nenne.
Auch noch als Jugendlicher und selbst als Erwachsener behielt er diesen Namen bei, auch neuen Bekannten gegenüber versäumte er es nie, seinem Geburtsnamen noch den gewohnten Necknamen anzufügen, und äußerte wiederholt, dass darin seine ganze Lebenshaltung Ausdruck finde. Noch im hohen Alter erlaubte er es sich, gewichtige und von seiner Ehefrau und seinem Anwalt sorgsam und akkurat geprüfte Verträge nicht allein mit seinem Namen zu unterschreiben, sondern hinter sein Frederick Bingo Mandeville noch den Namenszusatz der Spaßvogel zu setzen. Aus dem Sonnenstrahl Gottes war der Spaßvogel geworden und tatsächlich erreichte der Vierjährige, dass ihn ausnahmslos alle bei diesem Namen riefen.
Bingo war sechs Jahre alt, als für seinen Vater der Kolonialdienst in Hongkong endete und er mit seiner Frau nach Merry Old England zurückkehrte. Sie bezogen nach Jahren der Abwesenheit wieder die Villa Conqueror und waren bemüht, mit ihren Kindern, Schwestern und Schwägerinnen zurechtzukommen.
Nach der langen Abwesenheit der beiden fiel es allen nicht leicht, sich an die veränderten Umstände zu gewöhnen, denn die Tanten, und insbesondere Dahlia, hatten in den vergangenen Jahren die Pflichten des Hausherrn übernommen, sich aber auch an seine Rechte gewöhnt, und waren verstimmt darüber, dass nun alle Entscheidungen von Meiself und Merylliane getroffen und sie nicht einmal zu Rate gezogen wurden. Hinter ihrem Rücken – so empfanden sie es jedenfalls – wurden Veränderungen am Haus und im häuslichen Leben vorgenommen, und die vier Damen zogen sich irritiert und verärgert in ihre Zimmer im zweiten Stock zurück. Lediglich den Tee nahmen sie zusammen mit der Familie ein, die übrigen Mahlzeiten ließen sie sich aus der Küche in ihre Privaträume bringen, um, wie sie sagten, das Familienleben nicht zu stören.
Bingos Schwestern Ashlee und Twyla waren anfangs erfreut, wieder mit den Eltern zusammenzuleben, doch auch sie hatten sich an das Leben mit den Tanten gewöhnt, hatten deren Unterstützung und Zuwendung gern angenommen, sich aber kaum um ihre Ermahnungen und Anweisungen geschert. Dann und wann hatten sie ihnen gar schroff an den Kopf geworfen, keine der Tanten sei ihre Mutter, sie hätten ihnen folglich nichts zu befehlen, und ohnehin seien diese nur Gäste im Haus des Vaters. Doch seit der Rückkehr der Eltern hatten sie sich einer anderen Hausordnung und einem strengen familiären Regiment anzupassen, was ihnen überaus missfiel.
Die beiden halbwüchsigen Mädchen hatten bislang ein mehr oder weniger eigenständiges, selbstbestimmtes Leben geführt, sie allein entschieden über ihr Tun und Lassen und nahmen sich in der Schule mehr Freiheiten heraus als ihre Kameradinnen. Innerhalb der Lehrerschaft hieß es, Ashlee und Twyla seien frech, vorlaut und ungezogen, aber man wolle Nachsicht üben, schließlich dienten ihre Eltern in fernen Ländern der britischen Krone und die Kinder mussten sie entbehren. Die bereits zweimal eingebrachten Anträge ihrer Klassenlehrerinnen, sie wegen Aufsässigkeit der Grammar School zu verweisen, wurden von der Rektorin und dem Schulrat abgeschmettert.
Nach der Rückkehr der Eltern hatten sich beide deren Anordnungen zu fügen. Da diese auch mit ihren Lehrern Kontakt aufgenommen und von ihnen über das ungebührliche Verhalten der Töchter unterrichtet worden waren, bestraften sie sie mit zusätzlichen häuslichen Pflichten. Ashlee und Twyla wünschten sich bereits nach zwei Wochen, die Eltern mögen wieder nach Hongkong verschwinden, und die Ältere, Ashlee, sagte bei einer Auseinandersetzung mit ihrer Mutter, sie möge dorthin abdampfen, wo die Salzgurken wachsen, worauf ihr umgehend eine Kopfnuss versetzt wurde und der Vater sie beim Abendbrot darüber unterrichtete, dass ihre Kenntnisse in Geographie und Botanik erhebliche und bedenkliche Lücken aufwiesen, denn in einem Land wie China würden keine Salzgurken angebaut.
Auch die Eltern mussten sich erst an das Familienleben gewöhnen. In Hongkong hatten sie das ungebundene Leben eines kinderlosen Ehepaares führen und jeder Einladung ihrer Freunde zu den zahlreichen Haus- und Gartenpartys folgen oder sich in den europäischen Restaurants bis in den späten Abend vergnügen können.
Meiself Mandeville hatte täglich von neun bis zwölf Uhr und nach einer Mittagspause von zwei bis vier Uhr die Ausbildung der chinesischen Polizeikadetten zu überwachen und die ortsansässigen Offiziere anzuleiten, doch den späteren Nachmittag verbrachte er tagtäglich auf den Sportplätzen oder in der Snooker-Halle. Seine große Leidenschaft galt den Mounted Games, einem Mannschafts-Reitsport, bei dem ausschließlich Ponys geritten wurden und der unter den Kolonialbeamten besonders beliebt war. An den Wochenenden war er auf dem Cricketfeld, stellte sich mit weiteren seiner Landsleute an der Pitch kampfbereit auf, um Runs zu bekommen. Und nach dem kräftezehrenden Sport ging es an die Snooker-Tische, wo man bei Whisky und importierten Zigarren den Tag zu einem angemessenen Ende brachte.
Merylliane Mandeville hatte ihr Haus in Hongkong, eine kleine Beamtenvilla am Stadtrand, gewöhnlich mittags verlassen, ließ sich von einem zivilen Angestellten der Polizei mit einer Jinrikscha in die Innenstadt bringen und traf sich zu einem späten Frühstück oder Mittagsmahl mit einer ihrer zahlreichen Freundinnen. Dann bummelte man zusammen durch den Central District oder ließ sich mit den Rikschas der Polizei zum alten Fischerdorf Wan Chai oder auch auf den Victoria Peak bringen, stets begleitet von einem uniformierten Polizisten, der für die Sicherheit der ihm anvertrauten Damen zu sorgen hatte. Am Abend traf man sich mit den Ehemännern in der Snooker-Halle, um in großer Runde am Damentisch über die Ereignisse des Tages zu plaudern, bevor man sich an der Seite des Ehemannes nach Hause kutschieren ließ.
In Farnham war an ein solches Leben nicht zu denken. In der Villa hatte die Familie lediglich zwei Bedienstete zur Verfügung, einen Gärtner und eine Köchin, die neben ihrem Dienst in der Küche auch noch für die Reinigung des Hauses verantwortlich war. Viele Arbeiten an Haus und Garten hatte Meiself Mandeville selbst zu verrichten oder doch persönlich zu überwachen, und zu seinem noch größeren Kummer gab es im ganzen Landkreis kein zufriedenstellendes Cricketfeld, und nur mit erheblicher Mühe hatte er eine Mounted Games-Mannschaft in Farnham und den umliegenden Orten zusammenbekommen. Die unmittelbaren Nachbarn waren zwar sämtlich gottesfürchtige Kirchgänger, doch sportlich wenig aktiv und mehr an der Zucht von Rosen oder Hunden interessiert als an einem verwegenen Mannschafts-Reitsport und an waghalsigen Turnieren, in denen es um Schnelligkeit, Mut und Geschicklichkeit ging und Teamfähigkeit gefragt war. In Farnham hatten sie überdies ihre drei Kinder und die Schwestern zu versorgen, und die fast täglichen Auseinandersetzungen mit den widerspenstigen Mädchen und den nachhaltig gekränkten Tanten überforderte das Ehepaar und weckte bereits nach wenigen Monaten die Sehnsucht nach ihrem Leben im fernen Hongkong.
Einzig Bingo hatte keinerlei Schwierigkeiten mit den neuen Gegebenheiten. Er genoss das Zusammensein mit den Eltern, seine Zuneigung zu den vier Tanten blieb ungebrochen und seine beiden Schwestern liebten ihn abgöttisch. Der Sonnenstrahl Gottes, der Spaßvogel war aller Liebling, und nur seinetwegen versöhnten sich die Eltern mit dem einförmigen Landleben, wo selten Partys stattfanden, und wenn, dann verhielten sich die Gäste steif und die Stimmung blieb eher unterkühlt. Zu seinem siebten Geburtstag schenkte Meiself seinem Sohn ein für die Mounted Games trainiertes Pony mit dem Namen Celebration. Er wollte den geliebten Sohn frühzeitig für diesen Sport begeistern, seine Fähigkeiten als Athlet und Reiter schulen und hoffte, mit ihm bald einen Teampartner für seine Mannschaft zu gewinnen.
Bingo war entzückt, ein eigenes kleines Pferd zu besitzen. Er kümmerte sich liebevoll um das Tier, brachte es täglich auf eine nahe gelegene Weide, fütterte es nach den väterlichen Anweisungen und mistete sogar unaufgefordert und alleine die Stallbuchte aus, in der sein Pony stand. Allerdings weigerte er sich, auf dem Tier zu reiten, denn dies empfand er als eine Grausamkeit, die er seinem Liebling nicht antun wollte. In Wahrheit scheute er aber nicht die vermeintliche Tierquälerei, sondern ihm missfiel der Gedanke, auf einem schwankenden Pferderücken zu sitzen und bei einem schnellen und heftigen Ritt sein Leben zu gefährden. Die doppelten Portionen, die er von seinen Ammen erhalten hatte, die Süßigkeiten, die ihm alle Frauen im Haus über die Jahre zusteckten, hatten zur Folge, dass er seinen Babyspeck nie losgeworden war, vielmehr eine rundliche Figur bekommen hatte und Brett- und Würfelspiele im Zimmer den schweißtreibenden athletischen Betätigungen auf den Sportplätzen vorzog. Er war, sehr zum Kummer seines dynamischen und gut trainierten Vaters, ein Stubenhocker, der stundenlang bei einer seiner Tanten sitzen konnte, um sie mit den heiteren Geschichten seiner Erlebnisse aufzumuntern, die er fantastisch ausschmückte, so dass sie immer unglaubwürdiger, aber auch immer drolliger wurden.
Schon in diesem zarten Alter entwickelte Bingo ein feines Gespür dafür, welche Worte er wählen und wo er seine Pointe setzen musste. Er übte sich darin, einen überraschenden Schluss hinauszuzögern und dabei mit zwei, drei Schlenkern die Spannung zu erhöhen, und er hatte bemerkt, dass er sein Publikum besonders dann zum Lachen brachte, wenn er auch bei den lustigsten Geschichten keine Miene verzog. Er verkniff sich selbst die Andeutung eines Lächelns und zwickte sich schmerzhaft in den Arm, wenn ein wildes Lachen in ihm aufstieg, das er anders nicht bremsen konnte.
Die Tanten waren überzeugt, ihr geliebter Spaßvogel würde einst Schauspieler werden und eines Tages ganz London mit seinen Darbietungen entzücken, oder er würde als ein Master of ceremonies in einem der neuerdings beliebten Kabarette, Varietés und Revuen das Publikum in den Bann schlagen, eine Vorstellung, die seine Mutter weit von sich wies und die seinen Vater hell empörte. Meiself Mandeville hatte als angesehener Kolonialbeamter einen Ruf zu verteidigen, durfte nach den erfolgreichen Jahren in Hongkong und der mustergültigen und gelobten Ausbildung der chinesischen Polizeitruppe eine Beförderung von der Regierung erwarten und eine Anerkennung der Krone, eine Medaille oder sogar einen Titel. Der Gedanke, sein einziger Sohn würde als Spaßmacher in einer jener fragwürdigen Schaubuden des Londoner Unterhaltungsviertels seinen Lebensunterhalt verdienen und den Namen Mandeville mit dem Gewerbe eines Komödianten und Gauklers, eines Possenreißers und Grimassenschneiders beschmutzen und damit auch seinen Vater in den Dunstkreis solcher Tagediebe bringen, empörte ihn derart, dass er sich mit seiner Frau darüber beriet, welche Weichen zu stellen seien, um Bingo dem Einfluss der Tanten zu entziehen.
Zwei Jahre nach der Rückkehr von Meiself und Merylliane verkauften diese die Villa Conqueror, den Tanten gestanden sie einen erheblichen Anteil der Kaufsumme zu, damit sie eine angemessene und standesgemäße Unterkunft erwerben konnten. Die beiden Töchter kamen auf ein Mädchenpensionat der kleinen Stadt Camberley in Surrey, und Bingo wurde in ein Internat in Reading gesteckt, wo das Christ Church College der Universität Oxford wenige Jahre zuvor eine Primary Junior School für Knaben eingerichtet hatte, um den Söhnen der Lehrkräfte und Dozenten des Colleges eine annehmbare Bildungsstätte bieten zu können. Durch die Vermittlung eines alten Studienfreundes, eines kinderlosen Professors des University Extension College, bekamen sie für Bingo dort einen der begehrten Schul- und Internatsplätze. Als sie mit ihrem Jungen das Internat aufsuchten, sah das Ehepaar beglückt das über dem Eingang prangende, prachtvoll kolorierte Königswappen, umkränzt mit den vier Worten: God, Queen, Empire, Royal Navy, ein Anblick, der Ordnung, Disziplin und Lebensart versprach und ihnen versicherte, mit ihrer Schulwahl das Richtige zu tun.
Sie selbst nahmen sich eine Wohnung in London, da Meiself Mandeville zum Assistant Secretary of State for China
