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Die beliebte Schriftstellerin Friederike von Buchner hat mit dieser Idee ein Meisterwerk geschaffen: Die Sehnsucht des modernen Großstadtbewohners nach der anderen, der ursprünglichen Welt voller Liebe und Gefühle, nach Heimat und bodenständiger Natur bildet Kern und Botschaft dieser unvergleichlichen Romanserie. Liebe und Gefühle, nach Heimat und bodenständiger Natur bildet Kern und Botschaft dieser unvergleichlichen Romanserie. Bello, der junge Neufundländerrüde, lag auf der Terrasse der Berghütte und döste in der Sonne. Toni und Anna saßen an einem Tisch in der Nähe. Sie machten eine kleine Pause und tranken ihren Kaffee, wie jeden Morgen, wenn die Hüttengäste zu ihren Wanderungen aufgebrochen waren. Plötzlich hob Bello den Kopf und stand auf. Er wedelte mit dem Schwanz, bellte kurz und rannte los. Er stürmte laut bellend über das Geröllfeld in Richtung der Einmündung des Bergpfades, der von der Oberländer Alm heraufführte. Noch bevor sich Toni, Anna und der alte Alois fragen konnten, was der Grund für Bellos Verhalten war, sahen sie Mira auf Bello zurennen. Mira war die junge Pointerhündin von Doktor Martin Engler, dem Arzt aus Waldkogel. Er war ein guter Freund von Toni. Bello und Mira tobten ausgelassen über das weitläufige Geröllfeld. Dann kam Martin den Pfad herauf. Er trug einen Rucksack und eine Bergsteigerausrüstung. Mit großen Schritten ging er auf die Berghütte zu. Toni stand auf und wartete an der Treppe auf ihn, die mit wenigen Stufen zur Terrasse der Berghütte heraufführte. »Grüß Gott, Martin!« »Grüß Gott, Anna! Grüß Gott, Toni und Alois!« Martin streifte seinen Rucksack ab und stellte ihn auf den Boden. »Du willst eine Bergtour machen?« fragte Toni.
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Seitenzahl: 132
Veröffentlichungsjahr: 2022
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Bello, der junge Neufundländerrüde, lag auf der Terrasse der Berghütte und döste in der Sonne. Toni und Anna saßen an einem Tisch in der Nähe. Sie machten eine kleine Pause und tranken ihren Kaffee, wie jeden Morgen, wenn die Hüttengäste zu ihren Wanderungen aufgebrochen waren.
Plötzlich hob Bello den Kopf und stand auf. Er wedelte mit dem Schwanz, bellte kurz und rannte los. Er stürmte laut bellend über das Geröllfeld in Richtung der Einmündung des Bergpfades, der von der Oberländer Alm heraufführte. Noch bevor sich Toni, Anna und der alte Alois fragen konnten, was der Grund für Bellos Verhalten war, sahen sie Mira auf Bello zurennen. Mira war die junge Pointerhündin von Doktor Martin Engler, dem Arzt aus Waldkogel. Er war ein guter Freund von Toni.
Bello und Mira tobten ausgelassen über das weitläufige Geröllfeld. Dann kam Martin den Pfad herauf. Er trug einen Rucksack und eine Bergsteigerausrüstung. Mit großen Schritten ging er auf die Berghütte zu.
Toni stand auf und wartete an der Treppe auf ihn, die mit wenigen Stufen zur Terrasse der Berghütte heraufführte.
»Grüß Gott, Martin!«
»Grüß Gott, Anna! Grüß Gott, Toni und Alois!«
Martin streifte seinen Rucksack ab und stellte ihn auf den Boden.
»Du willst eine Bergtour machen?« fragte Toni.
»Ja, ich dachte, wenn ich euch besuche, dann kann ich von hier aus mal wieder auf den ›Engelssteig‹. Ich war schon lang’ nimmer oben. Was ist mit dir, Toni? Willst net mitkommen?«
»Wollen schon! Wie kannst des fragen, Marin? Können! Ich werde es mir überlegen.«
Anna mischte sich sofort ein.
»Toni, geh’ ruhig mit. Alois und ich kommen gut ohne dich aus!«
»Hast du gehört, Martin? Meine Anna will mich loswerden. Ich bin hier überflüssig!«
Alle lachten. Martin setzte sich mit an den Tisch. Toni holte ihm auch einen Kaffee.
»Wann willst du rauf auf den Gipfel?«
»Morgen früh! Habt ihr noch einen Schlafplatz?«
»Wir sind voll, aber für dich haben wir immer einen Platz. Kannst bei uns im Wohnzimmer nächtigen. Bist ja ein Freund der Familie.«
Alois sah Martin neugierig an.
»Kannst du deine Praxis alleine lassen? Bist schon lange nimmer über Nacht bei uns gewesen.«
»Des stimmt! Aber ich hab’ mir eine Vertretung besorgt, eine junge Ärztin.«
»Aha, eine junge Ärztin! Was hör’ ich da? Soso, und da läufst davon? Ist sie häßlich?«
Der junge Arzt schüttelte den Kopf.
»Alois, ich weiß schon, was dir im Kopf herumgeht«, lachte Martin. »Ihr denkt alle, daß es an der Zeit ist, daß ich heirate. Doch es ist net so einfach. Dazu muß erst noch die Richtige kommen.«
»Und die junge Ärztin ist net die Richtige? Ist sie net fesch?«
»Mei, fesch ist sie schon. Aber die ist in festen Händen. Sie ist verlobt mit einem Studienkollegen. Da ist nix zu machen. Die beiden wollen bald heiraten. Ich muß mich eben noch ein bissel gedulden. Es scheint noch net der Augenblick gekommen zu sein, daß ich an der Reihe bin, einem passenden Madl zu begegnen.«
Eine leise Traurigkeit lag in Martins Stimme. Toni versuchte ihn zu trösten.
»Kannst ja mal mit den Engeln auf dem ›Engelssteig‹ reden, wenn du oben bist!«
»Ja, des ist vielleicht keine schlechte Idee«, sagte Martin leise, dann wurde seine Stimme wieder fester. »Was ist jetzt, Toni? Kommst morgen mit?«
Toni warf Anna einen Blick zu. Diese nickte ihm aufmunternd zu.
»Ja, ich komme mit! Wir brechen gleich bei Sonnenaufgang auf. Dann sind wir oben die Ersten! Dann haben wir den Gipfel eine Weile für uns alleine. Das Wetter scheint auch gut zu sein. Es wird morgen früh keinen Nebel geben, denke ich.«
»Des ist doch ein Wort, Toni. Mei, ich freue mich! Weißt noch, wie wir als Buben oben waren?«
»Martin, sicher! Wie kannst fragen? Als wir das erstemal alleine oben waren, hatten wir vorher niemand etwas gesagt. Richtige Schulbuben waren wir noch. Mein Vater hätte mich nie ohne einen erwachsenen Bergführer auf den Gipfel gelassen.«
»Wir mußten es uns beweisen, Toni. Wir wollten erwachsen sein, nimmer als kleine Schulbuben angesehen werden! Mei, wenn ich heute daran denke, dann muß ich schon sagen, daß wir ein bissel leichtsinnig waren.«
»Des stimmt. Aber der Drang nach Abenteuer war eben stärker.
An des Donnerwetter von meinem Vater kann ich mich noch gut erinnern. Mei, hat der gebrüllt!« Toni grinste. »Aber stolz auf mich war er doch. Einige Tage später erzählte er mir, daß er des als Bub auch so gemacht hat.«
»Bald wird der Sebastian raufwollen, Toni!« warf der alte Alois ein.
»Möglich! Aber ich denke, er hat noch ein bissel Zeit. Wenn es soweit ist, dann bemerken wir hoffentlich etwas. Ich rede dann mit ihm und gebe ihm noch einige gute Ratschläge. Es ist besser, er klettert mit unserem Einverständnis hinauf als heimlich.«
»Rede doch mal mit dem Leo. Die Bergwacht bietet in den Ferien Freizeiten an, da lernen die Kinder – meistens sind es nur Buben – alles über die Berge. Sie lernen dabei auch viel über die Gefahren aus der Sicht der Bergwacht. Ich habe in solchen Ferienfreizeiten auch schon Vorträge gehalten, Toni.«
»Das ist eine gute Idee, Martin! Der Leo will ohnehin die Tage vorbeikommen und Bier herauffliegen.«
»So, Toni! Kommen wir zu der anderen Sache. Du weißt schon, weshalb du mich angerufen hast.«
»Du meinst die ärztliche Untersuchung wegen der Adoption vom Sebastian und der Franziska?«
»Genau! Kannst du mir mal die Papiere zeigen?«
Anna stand auf und eilte hinein. Bald kam sie mit dem Ordner zurück. Sie schlug ihn auf und legte ihn Martin vor.
»Hier, schaue selbst! Das sind die Vorgaben für das medizinische Gutachten.«
Martin schmunzelte, als er erst einmal die vielen Seiten durchblätterte und überflog.
»Was sich diese Bürokraten da alles so ausdenken!«
Doktor Martin Engler schüttelte den Kopf.
»Aber es hilft nix! Da müßt ihr eben durch, Toni, und du auch, Anna! Aber des sieht schlimmer aus, als es ist.«
Martin holte seinen Kugelschreiber aus der Innentasche seiner Wanderjacke.
»Wir haben erst mal alles mit Bleistift ausgefüllt, Martin. Der Fellbacher will sich des ansehen. Als Bürgermeister hat er auch die richtigen Kontakte, um im Vorfeld unsere Angaben prüfen zu lassen. Wenn des irgend etwas mißverständlich oder net günstig für uns ist, dann können wir im Original etwas anderes reinschreiben. So hat es sich der Fritz Fellbacher gedacht.«
Martin verstand. Aber er beruhigte Toni und Anna. Bei seinen Angaben gäbe es ohnehin nichts mehr zu ändern. Dann fragte er Toni und Anna ab. Alles wurde erfaßt, Gewicht, Größe, überstandene Krankheiten, Krankheiten in der weiteren Familie und so weiter.
Anschließend ging Martin zuerst mit Toni, dann mit Anna ins Schlafzimmer der Berghütte. Dort untersuchte er die beiden. Maß Puls und Blutdruck.
»Mußt kein Blut abnehmen?«
»Naa! Des schenke ich mir bei euch! Die wollen von mir nur wissen, ob alles im Normalbereich ist. Des ist es! Des Leben hier auf der Berghütte ist kein Zuckerschlecken. Wer des so bewältigt wie ihr, der ist net krank. Weißt, da machen wir gar net so viel Theater. Ich erkläre euch für gesund. Außerdem, was soll des ganze Getue? Ob ein Mensch die nächste Woche noch genauso gesund ist wie heute, des weiß doch allein nur der Herrgott! Da helfen auch alle Untersuchungen net. Des ganze Zeugs hier!« Martin deutete auf den Ordner. »Des ganze Zeugs hier, des halte ich für einen Schmarrn – besonders in eurem Fall. Die sollen froh sein, daß ihr beide euch der Bichler Kinder so angenommen habt.«
Martin füllte die Seiten aus. Dann setzte er Datum und Unterschrift darunter. Er holte aus dem Rucksack seinen Praxisstempel und drückte ihn darauf. Er hatte ihn extra aus der Praxis mitgebracht.
»So, des war’s! Ich habe auch hier noch einige Atteste geschrieben, eines über dich, Toni, eines über Anna und eines über die beiden Kinder. Die tut ihr dazu. Damit dürften die Vorschriften mehr als erfüllt sein. Wenn der Amtsschimmel auf dem Vormundschaftsgericht und dem Jugendamt in Kirchwalden noch etwas wissen will, dann sollen sie sich direkt an mich wenden. Dann werde ich denen schon einige passende Worte sagen. Basta!«
Martin schaute Toni und Anna an.
»Macht euch net so viele Gedanken! Des ist in meinen Augen völlig unnötig. Des wird schon alles gutgehen«, sagte Martin mit einem Lächeln.
»Des denken wir auch, besser gesagt, wir hoffen es. Trotzdem haben wir dem Basti und der Franzi noch nix gesagt. Wir wissen net, wie lange die Zustimmung zu unserem Adoptionsanliegen dauert. Deshalb wollen wir erst mit den beiden reden, wenn die Sache ausgestanden ist.«
»Des ist eine gute Idee! Ich hoffe, es dauert nicht allzu lange. Aber dafür werden der Fellbacher und Pfarrer Zandler schon sorgen. Weißt, in der heutigen Zeit tut man nur was erreichen, wenn man die richtige Seilschaft hat.«
»Des war doch schon immer so, net nur am Berg!« warf der alte Alois ein.
Darüber waren sie sich einig. Doch in der modernen Zeit mit der ganzen Datenerfassung ist eine richtige Sammelwut ausgebrochen, gab Doktor Martin Engler zu bedenken. Er erlebte das mit der Verwaltung seiner Praxis täglich. Und er ärgerte sich darüber.
»Der Herrgott gebe uns die Kraft zu ändern, was zu ändern ist und die Gelassenheit hinzunehmen, was nicht zu ändern ist«, sagte Martin. »Aber ich denke, daß man mehr ändern kann, als manche denken. Und dafür kämpfe ich. Aber des ist ein anderes Thema. Ich will mir die schöne Laune net selbst verderben, heute an so einem schönen Tag in den Bergen. Es kommen auch mal wieder andere Zeiten.«
Martin ließ seinen Blick schweifen. Er lächelte.
»Wenn ich mir die Berge so ansehe, dann muß ich daran denken, wie alt die sind und wie viele Generationen im Tal gelebt haben. Mei, was haben sich die Leut’ für Gedanken und Sorgen gemacht! Mei, was hat es für Umbrüche und Änderungen gegeben! Trotz allem ist viel Gutes und Sinnvolles erhalten geblieben. Gerade wir hier in Waldkogel halten es doch mit der Tradition. Des ist gut und deshalb wollte ich auch nirgends anders Doktor sein.«
Martin schaute Toni an.
»Ich habe kürzlich einen schönen Kalenderspruch gefunden. Er ist von Georg Bernhard Shaw. Er lautet: ›Tradition ist eine Laterne, der Dumme hält sich an ihr fest, dem Klugen leuchtet sie den Weg.‹ Der Spruch gefällt mir!«
»Des ist ein schöner Spruch, Martin«, sagte Toni leise. »Da steckt viel Wahrheit drin. Wir hier oben auf der Berghütte werden fast jeden Tag von Hüttengästen angesprochen. Es gibt eben solche und solche. Die einen kommen auf unsere Berghütte, weil wir hier noch so traditionell wirtschaften, wie es möglich ist. Die anderen suchen die Moderne.«
Toni schmunzelte.
»Des ist schon lustig, sich die Vorschläge anzuhören, wie man alles verbessern könnte. Eine Straße raufbauen, Badezimmer für alle Kammern, Tiefkühlschränke und Mikrowellenherd sind uns schon empfohlen worden. Doch wenn die ewig Modernen erst einmal einige Tage auf der Berghütte sind, dann lernen sie des einfache Leben nicht nur schätzen, sondern sogar lieben. Sie entdecken eine für sie unbekannte Lebensqualität. Weißt, Martin, ich habe es aufgegeben, ihnen zu erklären, warum ich keine Straße will und warum wir keine Elektrizität aus Waldkogel haben herauflegen lassen. Ich sage ihnen nur, daß wir in einigen Tagen wieder drüber reden. Aber meistens ist es dann nimmer nötig. Sie finden hier Ruhe und einen Frieden, den sie vorher nicht kannten. Das müssen sie mit dem Herzen fühlen. Sie müssen es erleben. Erst dann können sie es begreifen. Worte bewirken da zu wenig.«
»Du machst des schon gut, Toni! Und ich freue mich jedes Mal, wenn ich daran denke, wie du, liebe Anna, den hinterhältigen Ruppert Schwarzer ausgetrickst hast. Es wäre wirklich eine Schande gewesen, wenn er die Berghütte bekommen hätte. Mei, dann stände jetzt hier ein Luxushotel mit breiter Zufahrtsstraße, einem Sessellift und einem Hubschrauberlandeplatz. Die Romantik wäre zerstört.«
»Für mich und für Anna war es keine Frage, daß wir des so alles erhalten wollen. Weißt, dazu gehört auch ein bissel Mut. Sicher könnte man mit einem Hotel hier oben viel mehr Geld verdienen. Aber der Preis, den wir dafür zahlen müßten, wäre sehr hoch. Die Zufriedenheit und des Glück, das wir in unseren Herzen verspüren, des ist unbezahlbar.«
»Es wäre schön, wenn mehr so denken würden, Toni. Weniger und einfacher ist oft mehr, denke ich. Es erhält gesund.«
»Die Menschen kommen schon noch drauf. Und es sind immer mehr, die des wieder entdecken. Sie denken eine Weile, sie haben alles. Doch dann entdecken sie, daß es Dinge gibt, die man mit Geld net kaufen kann. Die Sehnsucht danach wird größer und größer und des ist gut so.«
Toni schmunzelte.
»Weißt, es passiert immer öfter, daß die Berghütte ausgebucht ist und wir über Nacht Matratzen im Wirtsraum auslegen müssen. Da schlafen dann Leut’ drauf, die kürzlich noch in einem Luxushotel übernachtet haben. Doch sie schlafen gut und waschen sich oben am Gebirgsbach. Sie finden dabei zu sich zurück und zur Natur. Ihnen in die strahlenden Augen zu schauen, des gibt mir und Anna Kraft und die Bestätigung, daß wir mit unserer etwas altmodischen Berghütte alles richtig machen.«
»So gesehen, seid ihr wieder sehr modern und dem Trend voraus, wie man sagt.«
»Deswegen wollte ich die Berghütte net, Martin. Ich wollte sie, weil ich als Bub beim Alois schon glücklich war. Ich bin meinem Gefühl gefolgt, der Stimme meines Herzens. Jeder hat eine Stimme in seinem Herzen, die ihm zuflüstert, welchen Weg er einschlagen soll.«
»Ja, des stimmt, Toni! Nur sind manche Menschen leider schwerhörig geworden. Damit will ich sie net verurteilen. Ich weiß, wie mir es geht. Die Praxis und der ganze Papierkram lassen mir kaum Zeit. Deshalb sagte ich mir, ich muß mal raus. Weißt, die junge Ärztin, die kann eine Woche bleiben und mich vertreten. Ich will rauf auf den ›Engelssteig‹ und Wanderungen machen. Ich will mal abschalten und wieder Kräfte tanken. Des habe mir selbst verordnet.«
»Des machst gut, Martin! Und morgen klettern wir beide rauf auf den Gipfel.«
»Ja, das machen wir! Und jetzt mache ich eine schöne Wanderung. Ich will ein Stück den Pilgerpfad raufgehen. Bis zum späten Nachmittag bin ich wieder zurück.«
Martin brachte seinen großen Rucksack und seine Bergsteigerausrüstung ins Wohnzimmer. Toni gab ihm Proviant in einem kleinen Rucksack mit. Dann stapfte Martin davon. Mira, seine junge Pointerhündin, blieb auf der Berghütte. Sie lag neben Bello in der Sonne. Sie dösten vor sich hin. Beide waren vom ausgedehnten Spiel erschöpft.
*
Es war Sonntagmorgen. Eduard Moser und seine Frau Petra saßen auf der Terrasse ihrer schönen Villa und frühstückten. Ihr Sohn Emil war schon fertig. Er verabschiedete sich. Er wollte sich mit jemandem treffen. Die Eltern schauten ihm nach.
»Petra, kann es sein, daß sich unser Junge verliebt hat?«
»Das ist gut möglich, Eduard! Das habe ich auch schon vermutet. Doch Emil erzählt nichts und meinen Fragen weicht er aus. Er ist alt genug. Als du so alt warst, waren wir beide schon verheiratet und hatten unseren Emil. Amelie war unterwegs. Jetzt ist sie auch schon zwanzig und hat ihr Abitur gemacht.«
»Ja, ja, wie die Zeit vergeht! Wo ist Amelie?«
»Sie wird noch schlafen. Ihr Auto steht in der Garage. Ich habe sie spät heute nacht kommen gehört. Sie war bei Stella. Die beiden hängen noch mehr zusammen, als sie es zur Schulzeit getan hatten. Es wird die anstehende Trennung sein, die sie jede Minute auskosten läßt. Für Amelie wird es eine Umstellung sein, wenn Stella fort ist.«
»Stella weiß eben, was sie will! Das Mädel ist bodenständig. Sie ist keine Träumerin. Ich hatte gehofft, daß sie Amelie etwas mitreißt.«
»Ja, das habe ich auch gehofft. Es hätte Amelie gut getan, mit Stella nach Australien zu gehen. Dort hätte sie bei Stellas Verwandten arbeiten und Erfahrungen sammeln können.«
Eduard Moser schmunzelte.
»Eine Schafzüchterfarm in Australien ist eben nichts für unsere Amelie. Ich erinnere mich an den einzigen großen Streit, den die beiden Freundinnen hatten.«
»O ja! Das war damals tüchtig daneben gegangen, der gemeinsame Ferienaufenthalt bei Stellas Tante in Australien. Wenn ich daran denke – besser nicht!«
