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Amerikanische Impressionen.Ein Reisebericht aus dem Jahre 1996 ...Wenn ein Ehepaar eine große Reise, in das Land ihrer Jugendträume unternimmt, dann erwarten sie dort nicht nur lang gehegte Träume, sondern auch einige Alpträume. Muss außerdem noch ein Geburtstag feierlich begangen werden, bleiben grobe Enttäuschungen nicht aus. Von den zahlreichen Eindrücken, Erfahrungen und Hoffnungen dieser kleinen, leider etwas immobilen Reisetruppe handelt die folgende Geschichte in dem Buch.
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Seitenzahl: 105
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Mirko Krumbach
Amerikanische Impressionen
Eine Erinnerung
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Vor langer, langer Zeit
Ein alter Wunsch...
...endlich wurde er Wirklichkeit
Fremd in einem fremden Land
Erste Visite in Baltimore
Washington...dann Georgetown
Und jetzt New York!
Eine große Überraschung
Sightseeing durch die Weltmetropole Teil 1
Sightseeing durch die Weltmetropole Teil 2
Der Besuch des Musicals "Cats"
Nach dem Musical
Ein Vormittag für uns
Die Kräfte schwinden
Washington auf eigene Faust
"National Mall" und seine Sehenswürdigkeiten
Die Hauptstadt lässt uns nicht los
Erst Einkaufen, dann "Arlington", der Ehrenfriedhof
Museum...,Museum,Museum
Kleines sightseeing,Geburtstag,Abschied
Abreise,Ankunft in der Heimat
Nachtrag
Impressum neobooks
Reisen ist in der Jugend ein Teil der Erziehung,im Alter ein Teil der Erfahrung.(Francis Bacon (1561 – 1626))
Wenn es je eine deutsche Generation gegeben hat, die der “American Way of Life“ sozusagen als erste ungeschützt überrollt hat, dann waren es sicherlich die Generation der Nachkriegskinder. Deutschland lag nach ´45 nicht nur materiell und substantiell sondern auch kulturell fast völlig am Boden. Alles, was nur irgendwie mit dem Begriff „deutsch“ in Zusammenhang gebracht werden konnte, war durch die Nazi-Diktatur und ihr totales Scheitern gründlich diskreditiert worden. Insofern hängte man das in Verruf geratene Hergebrachte betont niedrig und bediente sich, auch weil es die neuen Machthaber gewogener machte, ausgiebig im kulturellen Bauchladen der Sieger.
Die Eltern und Großeltern mühten sich nach Kräften mit den Segnungen der freiheitlich demokratischen Grundordnung angloamerikanischer Prägung. Wussten mit der plötzlichen Warenfülle nur schwer umzugehen, erwärmten sich aber dennoch allmählich für sie. Herz und Gemüt blieben indes dem Gewohnten, dem Teutonischen aufs Innigste verbunden, also im Zweifelsfall den Stars der >Ufa< wie Willi Birgel, Heinz Rühmann und Greta Garbo oder eben Interpreten vom Schlage einer Lale Andersen oder Marika Röck. Deutsche Volkslieder und sonstiges Liedgut standen weitaus höher bei ihnen im Kurs als beispielsweise Jazz oder Swing.
Anders die Nachgeborenen, deren Bewusstsein Ende der Vierziger erwachte und die in den Fünfzigern groß und pubertär und flegelig wurden. Diese flogen geradezu auf die Angebote aus der "Neuen Welt". Nicht bloß weil die bunt, schrill oder einfach modern waren, nein, sie bedienten sich ihrer zuvörderst, um das Anderssein zu dokumentieren. Der Spießigkeit ihrer Eltern oder der Erwachsen überhaupt wollten die Kinder keinesfalls anheim fallen! Also tranken diese vorzugsweise >Coca Cola<, schoben sich unentwegt Kaugummis zwischen die Zähne, bittelten, bis sich ein Hula-hoop-Reifen um deren Körpermitte drehte, träumten von ausladenden Ami-Schlitten und spielten am liebsten Cowboy und Indianer, wie sie`s sich sattsam aus Western abgeguckt hatten. Anglizismen gehörten bereits wie selbstverständlich zu ihrem Wortschatz, selbst wenn der deutsche Begriff besser gepasst oder sogar gefälliger geklungen hätte. Die jungen Leute waren dem, was da an Neuem über den großen Teich kam, von Herzen zugetan.
Und so brauchte sie keiner lange zu überzeugen, als in den Fünzigern der Musikstil des Rock´n Roll zu ihnen herüberschwappte. Auf diesen fetzigen Rhythmus hatten sie buchstäblich gewartet, drückte doch gerade er ihre Gefühlswelt am treffendsten aus. Dass die Erwachsenen ihn und seine Begleiterscheinungen wie Kleidung, Haartolle oder Gebärden im Bausch und Bogen ablehnten, war für die Heranwachsenden nur ein weiterer Beleg für die Richtigkeit und Bedeutung dieser Neuheit. Mochten die auch noch so toben oder dagegen stänkern, die Jugend fühlte sich von dieser Musik vollkommen verstanden. Folglich hießen deren Idole nicht mehr Johannes Heesters und Rudi Schuricke oder gar Richard Tauber sondern Bill Halley, Buddy Holly, Jerry Lee Lewis und natürlich Elvis Presley. Sie hingen an deren Lippen, sangen ihre Hits und guckten genau hin wie sie sich bewegten, sich kleideten und tanzten nach ihren Songs, was die Knochen und Gelenke hergaben.
Deutsche Filmproduktionen ließ die Jugend zumeist links liegen, es sei denn, es waren amerikanische Adaptionen – also eingedeutschte Fassungen der US-Originale. Alles, was Hollywood damals in die Kinos brachte, ob nun Western-, Abenteuer- oder Monumentalfilm, war unbedingt tonangebend, setzte Maßstäbe und wurde von der jungen Generation fast kniefällig bewundert. Hingehen, Ansehen und Dabeisein war gewissermaßen Pflicht. Vorausgesetzt natürlich, man verfügte über die nötigen Mittel – Geld war damals nämlich ein entscheidender Faktor und ein strenges Regulativ.
Wenn man so will, traf die Pubertierenden der amerikanische Kulturimperialismus in aller Schärfe, denn wirksame Abwehrmechanismen gab es für diese kaum. Das Deutschtum war verpönt, vorgestrig und hatte ihnen wenig zu sagen. Überdies dominierten jene Produkte, die, bedingt durch die Marktwirtschaft sowie ihre speziellen ökonomischen Liberalisierungs- und Wettbewerbsregeln, nachgefragt wurden und begehrt waren. Und da die USA auf diesem Felde einen uneinholbaren Vorsprung hatten und auch sonst gut aufgestellt waren, beherrschten sie ganze Branchen ziemlich souverän.
Mit zunehmenden Alter haben die jugendlichen Erwachsenen diese wirtschaftlichen Rattenfänger-Mechanismen natürlich durchschaut. Spielfilme, TV-Serien, Musikstile und Tanzrhythmen sowie ihre jeweiligen Stars, Idole oder Protagonisten dienten selbstredend weniger dazu, junge Menschen besser aufs Leben vorzubereiten oder den Bildungsstandard anzuheben - sollte dies ein Nebeneffekt gewesen sein, schön und gut. Das Hauptinteresse der wirtschaftlichen Akteure galt selbstverständlich den Umsätzen und dem Geldverdienen! Mit Gefühligkeit Kasse machen, das war ihr Bestreben. Ehrenrührig ist das nur insoweit, als hierbei mit den Illusionen junger, unkritischer Menschen gespielt wurde - Ausbeutung wäre der weniger feine Begriff dafür.
Doch sei´s drum. Es besteht kein dringendes Anliegen, sich hier über die Hinterlist von Wirtschaftsfuzzys zu verbreiten. Es kommt einzig darauf an klarzumachen, dass Amerika ... die Vereinigten Staaten ... alles Amerikanische und sein “Way of Life“ ... buchstäblich in junge Köpfe hineinwuchs, gewissermaßen ein Stück zu deren Identität wurden. Städtenamen wie New York, San Francisco, New Orleans und Los Angeles oder Laremie, Tucson und Abilane ist dieser Generation mindestens so bekannt wie München, Frankfurt oder Köln, obgleich viele wahrscheinlich nie im ihrem Leben dort – in Amerika also - gewesen waren. Die häufige Nennung in Filmen, Serien oder Musiktiteln genügte, um sie in deren Gedächtnis so zu verankern, als hätten sie wie selbstverständlich in ihnen gelebt oder sie zumindest ausgiebig bereist.
Der nachfolgende Kommentar eines Mannes aus der Nachkriegs- Generation verdeutlicht, wie phantasie- verzerrt die Vorstellungen von einem Land sein können, das jener ausschließlich aus Dokumentationen und Erzählungen her kennt. Es formte sich über Jahrzehnte unentwegt fort und verfestigt sich dadurch.
>>Die amerikanische Imagination war zuweilen so kräftig, dass ich mich bei dem Gedanken ertappte, ich müsse in einem früheren Leben irgendwo in so einem Westernnest gelebt haben – jedenfalls mutete meine Vorstellung von dieser typischen staubigen, menschenleeren, holzhäusergesäumten Straße, über der eine brütende Mittagsglast lag und die ich, die klappernde Saloontür im Rücken, mit zusammengekniffenen Augen hinunterblickte, ziemlich realistisch an.
Ob wir´s wahr haben wollen oder nicht: an unserem Hirnstamm pappt, beeinflusst durch die besonderen politischen Umstände der Nachkriegszeit, ein gehöriges Stück US-Amerika. Insofern ist der Wunsch nur zu verständlich, ihm auch einmal leibhaftig zu begegnen. Es einmal persönlich – auch wenn´s bloß ein bescheidenes Eckchen des kontinentweiten Landes sein sollte – in Augenschein nehmen zu können. Diese Sehnsucht schlummerte sicher stets irgendwo in den unzähligen Windungen der Hirntälern meiner Altersgruppe. Besonders aber tief in mir und meinem Hirn.<<
Wie sich doch so mancher Gedanke tief eingräbt und zu einem Wunsch festigt, der uns dann nie mehr loslässt!
Zwischen Wollen und Tun, zwischen Wunsch und Wirklichkeit klaffen indes Abgründe. Allein schon aus finanziellen Gründen war so eine Reise ein schwer zu wuppender Brocken, der durch das lange Zeit ungünstige Dollar- DMark Verhältnis noch verschärft wurde. Wer also keine Verwandten in den Staaten hatte und auch sonst nicht sonderlich vermögend war, konnte sich solch eine Reise getrost “abschminken“. Und wer obendrein, wie Herr T. gesundheitliche Einschränkungen besaß, die Strapazen eines solchen Trips scheute oder doch wenigstens abwägend zu bedenken hatte, für den würde eine amerikanische Visite aller Wahrscheinlichkeit auf ewig Wunsch und Traum bleiben. Eingedenk dessen waren die Chancen, jemals in seinem Leben die USA zu besuchen, äußerst gering, wenn nicht gar gleich null!
Dennoch , entgegen aller widrigen Umstände und fehlenden Voraussetzungen, eröffnete ihm das Schicksal eines Tages die Möglichkeit eines kurzen Aufenthalts, in dem Land von dem er schon soviel wundervolles gehört hatte. Es folgen jetzt die Reise- Erinnerung von Herrn T.. Seine Erlebnisse, Erfahrungen und Einsichten, die er ausgiebig im Land der unbegrenzten Möglichkeiten sammeln konnte.
Eine Reise von tausend Meilen beginnt mit einem einzigen Schritt.Lao-tse (4. Jahrhundert v.Chr.)
Zu Beginn des Jahres ´96 beschäftigte mich zunehmend eine Frage: Wie und wo und in welcher Form feierst du deinen fünfzigsten Geburtstag? Es hatte sich nämlich unterdessen hier zu Lande der Brauch eingeschliffen, dass man die runden Jubiläen etwas größer, etwas würdiger und etwas aufwändiger beging. An sich hielt ich wenig von diesem Zahlenhokuspokus, wollte mich aber dennoch meinen gesellschaftlichen Pflichten nicht entziehen. Nicht zuletzt auch wegen der erfreulichen Begleiterscheinung, dass man auf diese Weise großfamiliär wieder einmal irgendwo zusammenkam.
Meine Bemühungen in diese Richtung wollten jedoch, anders als noch bei vorangegangen Feierlichkeiten, nicht recht vom Fleck kommen. Es war unter den zahlreichen potentiellen Gästen kaum Einigkeit zu erzielen: Jeder fand irgendwie, irgendwo einen Grund, sich ratgebend einzumischen oder kritisierend Vorbehalte ins Feld zu führen. Diesem passte jenes, einem anderen etwas anderes nicht – mal war´s der Ort, der nicht zusagte, dann der Zeitpunkt oder gleich das gesamte Vorhaben. Ich war genervt und nahe dran, das Ganze abzublasen ...
Just in dieser Spanne geriet ein vertrautes Familienmitglied, aus früheren Tagen wieder in mein Blickfeld, H.G., ein Neffe meines Vaters. H. lebte in Berlin, war verheiratet, hatte vier halbwüchsige Kinder, war seines Zeichens Bauingenieur und für einen großen Baukonzern weltweit tätig. Bis Ende der Achtziger Jahre stand ich im regen Kontakt mit ihm, schon wegen zahlreicher, großen und kleinen Bauprojekte im Umland von Köln. Später schlief die Verbindung, wohl auch wegen unterschiedlicher Interessen, schleichend ein. Seine Familie und er waren mir, das muss ich bedauerlicherweise so sagen, ziemlich aus dem Sinn, aus der unmittelbaren Wahrnehmung geraten.
Wie gesagt, um die Jahreswende 1995/96 schob sich H. erneut in mein Blickfeld. Um genau zu sein, es war sein mehrseitiger Brief, der die Verbindung neuerlich knüpfte. Es erstaunte mich nicht wenig, von ihm überhaupt Post zu bekommen, ungleich mehr verblüffte mich aber der Umstand, von wo das Lebenszeichen abgeschickt worden war – Mc Lean/ Virginia, Vereinigte Staaten stand da zu lesen.
Potztausend! - das haute um: H. war samt Familie für mehrere Jahre beruflich in die USA umgesiedelt und hatte uns kein Sterbenswörtchen davon gesagt. Klammheimlich hatte er sich davongemacht und meldete sich nun von jenseits des großen Teichs.
Ich nahm den Faden gern auf, antwortete ihm ausführlich schriftlich, normalisierte und aktualisierte so unsere Beziehung wieder. Gelegentlich eines Heimatbesuchs tauchte er bei uns auf, wir gingen gemeinsam Essen und verlebten einen gemütlichen Abend. Auf die Weise erfuhr er neben anderem auch vom Verdruss rund um mein güldenes Wiegenfest.
„Mach kurzen Prozess ... feier deinen Geburtstag bei uns“, sagte er so prompt und leicht dahin, als sei es das Selbstverständlichste von der Welt.
„Du meinst in den USA ...?“, fragte ich ungläubig.
„Ja, klar ... Ich lade euch ein ... Was soll´s? ... Platz ist genug vorhanden“, bekräftigte er noch einmal seine erste Aussage.
Mir verschlug´s die Sprache. Drinnen wurde eine Lawine der unterschiedlichsten und widersprüchlichsten Gedanken losgetreten, sodass ich wohl sekundenlang zu keiner Aussage, geschweige denn Entscheidung im Stande war. Als es in meinem Innersten wieder einigermaßen
übersichtlich zuging, äußerte ich verhalten: „Hm, ... eigentlich keine schlechte Idee ... Die Sache sollte man ernstlich in Betracht ziehen.“ Meine Frau stimmte mir zu.
„Ja, denkt drüber nach ... Es eilt ja nicht ... Und gebt mir dann Bescheid“, meinte H. verständnisvoll.
Ich hatte mir wegen eines Augenblicks des Wankelmuts Bedenkzeit erbeten, wusste indes längst, dass ich aus vollem Herzen ja sagen würde. Hier kam sie nämlich unversehens angedackelt: Meine Chance, meine Riesenchance einmal in jenes „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ zu gelangen, von dem so unendlich viel in meinem Kopf steckte. Etwas anderes als sie beherzt zu ergreifen, wäre schlichtweg dämlich gewesen. Hier erfüllte mir so was wie ´ne gute Fee einen lang gehegten Wunsch! – Warum also zaudern? – Insofern gab ich H., der sich noch in der Stadt aufhielt, bereits anderntags liebend gern mein Okay.
Die Uhr begann somit unweigerlich zu ticken ... Der Countdown lief ... Mitte November, so wurde es verbindlich abgesprochen, würden meine Frau und ich für drei oder vier lange Wochen in Uncle Sams Reich einschweben ... Wow!
Obgleich der Tag X noch gut und gerne zehn Monate voraus lag, säumte ich keine Zeit und begann augenblicks mit den Vorbereitungen ...
Ein Blick in die Pässe verriet uns, dass neue zu beantragen waren. Also nichts wie hin und anleiern, so etwas Behördliches kann nämlich dauern. In gewisser Weise eilbedürftig war auch die Sache mit den Kreditkarten. Ein Mitarbeiter unserer Bank, hatte mir den Tipp gegeben, “Visa-Cards“ zu verwenden – mit denen könne man in Amerika fast unbeschränkt bezahlen, die seien äußerst praktisch.
