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Lara und Maya sind Schwestern, halb deutsch, halb indonesisch, und bedingt durch die Arbeit ihres Vaters als “Third Culture Kids” zum größten Teil im Ausland aufgewachsen. Dadurch fühlen sie sich ihrem Heimatland Deutschland fremd. Lara lebt in Indonesien, Maya in Singapur; doch zur Fußball-Weltmeisterschaft reisen sie gemeinsam zu ihren Eltern nach Berlin. Durch den Sport, den sie lieben, und die Euphorie, die das Turnier im Land auslöst, kommen sie Deutschland endlich wieder näher.
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Seitenzahl: 251
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Für Natalia, Mama und Papa
Deutschland – Portugal (4:0)
Deutschland – Ghana (2:2)
USA – Deutschland (0:1)
Deutschland – Algerien (2:1 n.V.)
Frankreich – Deutschland (0:1)
Brasilien – Deutschland (1:7)
Deutschland – Argentinien (1:0 n.V.)
Nachspielzeit
»Wie meinst du das, du fliegst nach Singapur, um dir das Fußballspiel mit deiner Schwester anzusehen?« Mikael sieht mich entgeistert an.
»Ich meine das genau so, wie ich es sage«, antworte ich.
»Entschuldige bitte ... aber findest du das nicht ein bisschen übertrieben? Und überhaupt ... musst du nicht morgen arbeiten?«
»Ich habe meinen freien Tag getauscht«, sage ich mit einem kurzen Blick auf die Uhr. Wenn ich pünktlich zum Flughafen kommen will, muss ich bald los, denn sonst wird mir der Berufsverkehr zum Verhängnis. »Morgen Nachmittag bin ich schon wieder zurück in Jakarta.«
Mikael zuckt resigniert mit den Schultern und ich muss lächeln. Ich erwarte nicht, dass jemand meine Obsession nachvollziehen kann. Wobei Mikael als Sportchef unserer Zeitung noch am verständnisvollsten ist und ich mich eigentlich auch im richtigen Land befinde: Indonesier sind generell fußballverrückt. Leider hat es ihre eigene Nationalmannschaft nicht zur Weltmeisterschaft in Brasilien geschafft.
Deutschland hingegen spielt heute gegen Portugal. Es ist unser Eröffnungsspiel in der schwierigen Gruppe G, in der außerdem noch die USA und Ghana um den Einzug ins Achtelfinale kämpfen.
Auf dem Weg zum Flughafen setzen die üblichen Symptome ein: leicht erhöhter Herzschlag, ein Gefühl von Angst, das sich von den Haarwurzeln ausgehend bis in die Zehenspitzen schleicht, um sich dort festzusetzen, und die schreckliche Erkenntnis, dass wir es sowieso nicht schaffen werden, den Titel zu holen. Wie auch, mit all diesen Verletzungssorgen!
Ich bin müde. Die WM ist gerade mal fünf Tage alt, aber ich fühle mich, als hätte ich seit Wochen nicht mehr richtig geschlafen. Die Zeitverschiebung von Brasilien nach Indonesien ist alles andere als günstig, die meisten Spiele finden mitten in der Nacht statt. Als Fußball-Liebhaber will ich nicht nur verfolgen, wie sich das deutsche Team schlägt – das ist natürlich Pflicht –, sondern ich möchte möglichst viel von dem ganzen Turnier aufsaugen. Schließlich ist es ein Fußballfest, etwas, worauf man sehnsüchtig wartet. Wenn es dann endlich beginnt, befindet man sich vier Wochen lang in einem tranceartigen Zustand, in einer Blase, in die nichts dringen kann, es sei denn, es hat etwas mit diesem wunderbaren Sport zu tun.
Vor vier Jahren, als die WM in Südafrika stattfand, war das noch kein Problem. Da konnte ich bis zwei, drei Uhr morgens wach bleiben, Spiele sehen, und am nächsten Morgen ins Büro gehen und arbeiten. Aber mit vierunddreißig Jahren ist das eben nicht mehr so einfach. Mein Körper macht da nicht mehr mit. Er signalisiert mir relativ schnell, dass ohne meine acht Stunden Schlaf pro Nacht nicht mehr viel geht.
Da muss ich jetzt durch, denke ich, während das Taxi über den Highway von Jakarta fährt, vorbei an Wolkenkratzern und Shopping Malls. Ich werde nostalgisch, wenn ich an Südafrika denke. Es war eine fantastische WM für unsere Jungs, damals, als erst alle dachten, der Ausfall von Michael Ballack würde ein vorzeitiges Aus bedeuten. Und dann schlugen wir England und Argentinien, und taten so, als hätten wir nie etwas anderes als wundervollen offensiven Fußball gespielt. Es war eine Augenweide, ein Genuss!
Umso bitterer war das verlorene Halbfinale gegen Spanien ... Nein, lieber nicht daran denken.
Ich krame mein Handy aus der Tasche – es liegt unter meinem Schweinsteiger-Trikot begraben – und öffne Twitter, um nach neuesten Informationen rund um unsere Nationalmannschaft zu suchen.
Gibt es schon Neuigkeiten zur Aufstellung? Wird Bastian Schweinsteiger in der Startelf stehen oder nur auf der Bank sitzen? Ist Sami Khedira fit? Auf welcher Position wird Philipp Lahm spielen? Natürlich wird die endgültige Aufstellung immer erst kurz vor Spielbeginn bekannt gegeben, aber als alter Fußballprofi kann ich sehr gut zwischen den Zeilen lesen.
Die Twitter-Welt ist noch immer schockiert von der Demontage Spaniens durch den fliegenden Holländer Robin van Persie und Duracell-Bunny Arjen Robben und singt Loblieder auf Italiens Mittelfeldstar Andrea Pirlo. Das kann ich nur allzu gut nachvollziehen. Pirlo, dieser Picasso unter den Fußballspielern, der mit seinen Pässen feine Gemälde auf dem Spielfeld zeichnet – es wird wohl seine letzte WM sein und ich werde ihn vermissen.
Ich frage mich, welche anderen Weltstars bei diesem Turnier ihren letzten großen Auftritt haben werden. Didier Drogba, Steven Gerrard, Iker Casillas, Xavi Hernandez?
Und welche Spieler der deutschen Mannschaft werden wir zum letzten Mal erleben? Miroslav Klose, das ist so gut wie sicher. Aber wie sieht es mit den anderen aus? Schweinsteiger, Lahm, Mertesacker, Podolski – sie alle könnten in vier Jahren schon von jüngeren Spielern abgelöst sein.
Das ist nur gut und richtig und der normale Lauf der Dinge, aber trotzdem erfüllt es mich mit Melancholie. Die letzten Fußballer der Sommermärchen-Generation treten ab.
Mein Flug hat Verspätung. Das darf doch nicht wahr sein! Nervös gehe ich zum Schalter, an dem sich bereits eine Traube von Passagieren gebildet hat. »Wann wird die Maschine voraussichtlich abfliegen?«, frage ich den jungen Mann, als ich endlich an der Reihe bin.
»Wir rechnen mit einer Verspätung von etwa fünfundvierzig Minuten«, antwortet er.
Eine knappe Stunde – ich schwebe also noch nicht in akuter Gefahr, den Anpfiff zu verpassen. Trotzdem kann ich mich nicht entspannen und schreibe meiner Schwester Maya regelmäßig Nachrichten, um sie auf dem Laufenden zu halten.
Maya ist nicht nur meine ältere Schwester, sondern meine beste Freundin und so etwas wie eine Seelenverwandte. Wir stehen uns so nah, dass wir meistens nach nur einem kurzen Blick wissen, was die andere denkt, und in bestimmten Situationen reagieren wir oft gleichzeitig – mit Worten und Gestik. Viele halten uns für Zwillinge, obwohl drei Jahre zwischen uns liegen.
»Keine Sorge, Lara, ich bereite schon mal alles vor«, steht in Mayas SMS, und ich weiß sofort, was sie meint: Sie wird auf YouTube die Videos suchen, die wir uns immer vor wichtigen Spielen ansehen: die Zusammenfassungen des Deutschland-Argentinien Viertelfinales von 2010, in dem wir mit 4:0 als Sieger vom Platz gingen.
Es gehört zu unserem Ritual, das zu tun. Ich kann mir gar nicht ausdenken, welch schreckliches Omen es wäre, wenn wir einmal nicht genügend Zeit dafür hätten.
Warum wir uns ausgerechnet dieses Spiel ansehen? Dafür gibt es mehrere Gründe. Es war ein Viertelfinale, das Spaß gemacht hat. Die Jungs haben so frisch, fröhlich und frei gespielt, dass es einfach eine Freude war, ihnen zuzusehen. Es macht Hoffnung auf mehr.
Natürlich war es auch eine gewisse Genugtuung, Argentiniens Fußballgott und damaligen Trainer Maradona geschlagen zu sehen. Noch besser war, wie Thomas Müller ihm nach nur zweieinhalb Minuten zeigte, dass er mehr ist als der Balljunge, für den Maradona ihn vor Jahren einmal gehalten hat – Hochmut kommt eben immer noch vor dem Fall.
Doch vor allem habe ich dieses Spiel in so guter Erinnerung behalten, weil Bastian Schweinsteiger und ich in diesen neunzig Minuten den nächsten Level unserer Beziehung erreichten. Selbstverständlich kannte und mochte ich ihn schon vorher; nicht nur als die eine Hälfte des unverbesserlichen Schweinsteiger-Podolski-Duos – oder Schweinski, wie man sie auch gemeinhin nennt –, sondern als Spieler des FC Bayern.
Der FC Bayern ist mein Lieblingsverein. In Deutschland muss ich mir dazu natürlich immer einiges anhören, aber da ich in Indonesien lebe, bleibe ich eigentlich ganz unbehelligt. Dort kennt man außer dem FC Bayern und Borussia Dortmund sowieso keine Clubs aus Deutschland und beide erfreuen sich wachsender Beliebtheit.
Schweinsteiger spielt seit der Jugend bei den Bayern und gab als 19-jähriger Lausebengel sein Debüt in der Nationalmannschaft – doch als ich sah, wie er bei dem WM-Spiel 2010 gegen Argentinien das Mittelfeld kontrollierte, als das Herzstück, als Lenker und Denker der Mannschaft, wurde mir schlagartig bewusst, dass er erwachsen geworden war. Dass er bereit war für größere Aufgaben. Dass er mehr war als nur ein Spaßvogel, der seinen Mitspielern pubertäre Streiche spielt. Dass da noch was ganz Großes kommen würde.
Dieser Sieg gegen Argentinien hat vieles in mir bewirkt, was ich vielleicht erst rückblickend verstanden habe. Doch das schwarze Trikot mit der Nummer 7 und dem Namen Schweinsteiger auf dem Rücken, das kam eine Woche später mit der Post.
Das Trikot trage ich inzwischen zu allen großen Spielen der Nationalmannschaft. Vorher hatte ich eines mit der Nummer 13, aber ich glaube, das hat Unglück gebracht.
Mein größter Glücksbringer bei Fußballspielen – bei den wichtigen zumindest – ist Maya. Irgendwann habe ich erkannt, dass die deutsche Nationalmannschaft nur gewinnt, wenn meine Schwester und ich uns die Spiele gemeinsam ansehen.
WM 2006, Halbfinale gegen Italien: Ich war in Berlin, sie in Singapur. Das EM-Finale zwei Jahre später sah ich in Jakarta, Maya in Singapur. Und zum WM-Halbfinale 2010, was schon wieder gegen Spanien verloren ging, waren wir auch getrennt.
Ich kann das Ganze auch noch auf Club-Level ausweiten: Nach dem traumatischen Champions League Finale der Bayern gegen Chelsea – das fassungslose Gesicht von Schweinsteiger nach dem verschossenen Elfmeter sollte mich wochenlang in meinen Träumen heimsuchen – musste ich mir die Tränen allein trocknen.
Also beschlossen wir, unsere Theorie ein Jahr später zu testen: Als Bayern erneut im Champions League Finale stand, dieses Mal gegen Dortmund, kam Maya zu mir nach Jakarta gereist – und prompt verließen wir den Platz als Sieger.
»Wir sollten das auch zur WM machen«, schlug ich Maya vor. »Vielleicht hilft es uns ja, den Titel zu gewinnen. Und wenn die Jungs doch verlieren sollten, dann können wir uns danach wenigstens gegenseitig trösten.«
Zum Glück sind Singapur und Jakarta nur anderthalb Flugstunden voneinander entfernt, und dank der vielen Billigflieger, die inzwischen den Markt erobert haben, besuchen Maya und ich uns regelmäßig. Sehr gerne auch zu wichtigen – und eher unwichtigen – Fußballspielen.
Die erste Begegnung, Deutschland gegen Portugal, werden wir uns also in Singapur ansehen. Zum zweiten Gruppenspiel gegen Ghana wird Maya nach Jakarta kommen. Und drei Tage danach werden wir gemeinsam nach Berlin fliegen, zu unseren Eltern und in den wohlverdienten Sommerurlaub, um dort den Rest der WM zu genießen.
»Den Rückflug buchen wir auf den 14. Juli – das ist ein Tag nach dem Finale«, sagte Maya, als wir nach günstigen Flügen suchten.
In Singapur angekommen werfe ich mich ins nächste Taxi und fahre zur Wohnung meiner Schwester.
Das letzte Mal war ich vor anderthalb Wochen hier. Erschöpft vom Alltagsstress in unseren Büros mussten wir die Zähne zusammenbeißen, unserer Müdigkeit trotzen und uns bis weit nach Mitternacht wach halten, um das letzte Testspiel der Deutschen gegen Armenien anzusehen.
Als Marco Reus kurz vor der Halbzeitpause einen Schlag auf den Knöchel bekam und lange am Boden liegenblieb, bevor er schließlich vom Platz humpelte, wussten wir: Damit ist die WM für ihn gelaufen. Sein düsteres, schmerzverzerrtes Gesicht sprach Bände. Ich glaube, die Spieler selbst merken sofort, wie schwerwiegend eine Verletzung ist. Reus wird es in diesem Moment geahnt haben: Ich werde nicht mit nach Brasilien fahren. Ich gebe zu, ich habe um ihn geweint. Und das, obwohl er ein Dortmund-Spieler ist, aber in der Nationalmannschaft haben Club-Rivalitäten meiner Ansicht nach nichts verloren.
Die Verletzung von Reus überschattete Mayas und mein gemeinsames Wochenende, denn die Sorgen um das deutsche Team wurden immer größer. So viele angeschlagene Spieler! So viele, die die lange Reise nach Brasilien gar nicht erst antreten konnten!
Doch daran ist jetzt nichts mehr zu ändern. Wir müssen das Beste aus diesem Turnier machen. Wenn mir gar nichts mehr an guten Argumenten einfällt und ich in meinem Pessimismus zu versinken drohe, klammere ich mich an die Aussage, die ich eigentlich noch nie leiden konnte, die aber dennoch fest im Glauben von Fußball-Deutschland verankert ist: Wir sind eine Turniermannschaft.
Das stimmt in gewisser Hinsicht schon, nur finde ich, dass es wenig bringt, es so zu verallgemeinern. Und trotzdem – auch ich benutze diese Theorie, um mich selbst aufzubauen und nicht vollends zu verzweifeln.
Die Menschen in Singapur sind weniger fußballbegeistert als die Indonesier. Wenn man sich die WM-Spiele ansehen will, muss man einen bestimmten Fernsehsender beantragen, der natürlich eine Menge Geld kostet.
Da Maya die meiste Zeit der WM ohnehin in Deutschland verbringen wird, hat sie darauf verzichtet. Trotzdem war sie verärgert darüber, weil sie gerne auch andere Spiele gesehen hätte, sich aber nicht Nacht für Nacht in irgendwelche Kneipen zum Public Viewing schleppen will.
»Endlich geht die WM los!«, begrüßt mich meine Schwester aufgeregt, als ich ihre Wohnung betrete. Für Fragen nach anderen Dingen bleibt keine Zeit. Wen interessiert noch der Job oder das Privatleben? Alles, was jetzt zählt, ist der Fußball.
Wir sehen uns die Videos an und sinnieren darüber, ob der bis vor kurzem noch angeschlagene Schweinsteiger heute wohl in der Startelf stehen wird. Ich ziehe mein Trikot an – Maya trägt unser neues Mannschaftstrikot, das weiße, nicht das schwarz-rote, das uns beiden gar nicht gefällt –, dann machen wir uns auf den Weg in eine deutsche Kneipe.
Zum Public Viewing haben wir ein gespaltenes Verhältnis. Einerseits kann die Stimmung durchaus dazu beitragen, die Euphorie zu steigern (vorausgesetzt natürlich, die Mannschaft spielt gut und gewinnt). Man stimmt gemeinsam Fan-Gesänge an, liegt sich jubelnd in den Armen und vergräbt in brenzligen Situationen den Kopf in des Nachbarn Schultern. Andererseits hat Public Viewing auch einen negativen Beigeschmack. Es hat doch etwas überhandgenommen in den letzten Jahren, und die sogenannten Fans, die sich zu Europa- und Weltmeisterschaften eine schwarz-rot-goldene Perücke auf den Kopf setzen, die Flagge ins Gesicht malen und nach einigen Litern Bier lautstark ihre Meinung zum Besten geben – ob man sie nun danach gefragt hat oder nicht – können einem den letzten Nerv rauben.
Schlimmer ist noch, wenn die Emotionen verrücktspielen und man sich auf ein Wortgefecht mit Anhängern der gegnerischen Mannschaft einlässt. Ich halte mich ja meistens zurück, aber einmal war ich in einer Kneipe am Kudamm, um mir das Champions League Finale Mailand gegen Liverpool anzusehen. Gefühlte 99 Prozent der Zuschauer um mich herum hielten dem englischen Club die Daumen, und ich fühlte mich ganz klein. Denn selbst das Herz meines Cousins, mit dem ich unterwegs war, schlug für Liverpool. Es war ein traumatisches Erlebnis für den AC Mailand, der nach einer 3:0-Führung tatsächlich am Ende im Elfmeterschießen verlor.
Ich war traurig und teilte gerade Maya das niederschmetternde Ergebnis per SMS mit, als sich ein Engländer zu mir umdrehte und mich wüst beschimpfte: »Siehst du, du scheiß Italienerin? Du kannst nach Hause fahren! Du und dein blöder Verein! Hau doch ab, geh wieder zurück in dein verfluchtes Land. Liverpool hat gewonnen, hast du das nicht gesehen? Verschwinde!«
Ganz untypisch für mich brauste ich auf und fragte den Kerl, was ihm einfiele, so mit mir zu sprechen, mal ganz abgesehen von der Tatsache, dass ich nicht einmal eine Italienerin sei.
Mein Cousin entschärfte die Situation schließlich mit einigen beruhigenden Worten, warf mir allerdings dabei einen drohenden Blick zu, der mir wohl sagen sollte: »Wenn du dich mit diesem Typen anlegst, bin ich derjenige, der sich nachher mit ihm prügeln muss.«
Ich drehte mich auf dem Absatz um und gesellte mich zu zwei einsamen Mailand-Fans, die in der hintersten Ecke der Kneipe saßen und versuchten, ihren Kummer mit Alkohol zu ertränken. Fußball verbindet – aber manchmal, wenn die Fans ihre Fassung verlieren, tritt leider auch das genaue Gegenteil ein.
Fußball war mal eine Männerdomäne, aber das hat sich in den letzten Jahren grundlegend geändert. Und trotzdem werden Frauen, die sich für Fußball interessieren, oftmals eher skeptisch betrachtet, manchmal auch müde belächelt. Weiß sie wirklich, worum es geht? Sie ist doch sicher nur hier, weil sie Mats Hummels so gut aussehend findet und irgendwann muss man ihr doch die verfluchte Abseitsregel erklären.
Ach, wenn sie nur wüssten, wie falsch sie damit liegen. Zumindest, was Maya und mich betrifft (bis auf die Sache mit Mats Hummels, der sieht nämlich wirklich unverschämt gut aus). Wir sind devote Fußballfans. Seit zwei Jahren werden die Bundesliga-Partien samstags auch in Indonesien und Singapur live übertragen – und seit zwei Jahren hatten wir Samstagabend keine Verabredung mehr.
Der Zeitverschiebung wegen stehen wir mitten in der Nacht auf, um bei den Qualifikationsspielen der Nationalmannschaft mitzufiebern oder den FC Bayern in der Champions League zu unterstützen, gerne auch Borussia Dortmund, Schalke und Leverkusen, allerdings nur, solange es sich um die Königsklasse handelt.
Bei jedem Deutschland-Urlaub ist mindestens ein Stadionbesuch Pflicht (da unsere Eltern in Berlin wohnen, wird es meistens Hertha BSC, und auch für die alte Dame hege ich gewisse Sympathien).
Regelmäßig lesen wir unsere Fußball-Bibel, das 11 Freunde Magazin, und die sonstige Berichterstattung rund um den Sport, der die Welt bedeutet.
An jedem Wochenende steht ein Skype-Chat mit den Eltern auf dem Programm, in dem wir meistens ausschließlich über Fußball sprechen. Es ist eben mehr als nur alle vier Jahre Weltmeisterschaft. So viel mehr.
In der Kneipe in Singapur ist es bereits anderthalb Stunden vor Anpfiff so brechend voll, dass wir uns nur noch mühselig an die Bar quetschen können. Wir sind umringt von Deutschen und Singapurern, die hier die einmalige Gelegenheit haben, sich als Deutschlandfans zu bekennen. Es wird ordentlich Bier gezapft, während die Vorberichterstattung über die Leinwände flimmert. Allerdings ohne Ton, da momentan noch eine Live-Band spielt. Das ist typisch für Südostasien, und eigentlich etwas, das ich normalerweise sehr schätze, aber nicht heute. Ich will doch Fußball sehen, und nicht eine spärlich bekleidete Sängerin, die kläglich an dem Versuch scheitert, die Aufmerksamkeit der Menge mit einem Lied von Katy Perry auf sich zu ziehen.
Die Kellner bahnen sich vorsichtig einen Weg durch die Masse, jonglieren Bierkrüge in der linken und rechten Hand und haben trotzdem noch erstaunlich gute Laune. Ich hätte an ihrer Stelle schon lange aufgegeben, gerade in Singapur, wo es nicht üblich ist, Trinkgeld zu geben.
Maya öffnet auf ihrem Handy Twitter und tippt mir dann aufgeregt auf die Schulter. »Die Aufstellung ist da!« Danach kommt eine lange Pause, während sie still die Namen liest. Ich kann das nicht leiden, wenn ich nicht sofort weiß, was Sache ist, und dann an ihren Gesichtszügen ablesen muss, ob wir mit der Aufstellung zufrieden sind oder nicht.
An diesem Abend weiß ich es sofort: Wir sind nicht zufrieden. Schweinsteiger spielt nicht.
»Schweinsteiger spielt nicht«, sagt sie und ich nicke wissend. Khedira steht in der Startelf, Lahm ist im Mittelfeld aufgestellt, und unsere Abwehrreihe besteht aus vier gelernten Innenverteidigern. Ich weiß nicht so recht, was ich davon halten soll.
Ich kann nur davon ausgehen, dass Schweinsteiger noch nicht fit genug ist, um neunzig Minuten zu spielen, denn einen anderen Grund kann der Trainer ja nicht haben, ihn auf die Bank zu setzen – oder? Ich fange an, mir ein wenig Sorgen um ihn zu machen. Aber dann spreche ich mir selbst Mut zu. Joachim Löw wird schon wissen, was er tut.
Viele Deutsche haben Löw im Vorfeld des Turniers schlecht gemacht. Diese Leute meinen, dass wir mit ihm nie einen Titel gewinnen werden, weil er zu stur ist und keinen Plan B hat, wenn es mal nicht so läuft, wie er es erwartet hat. Ich finde, das ist alles Quatsch. Wo kommt nur diese Erwartungshaltung her? Selbstverständlich haben wir es verdient, endlich mal wieder Weltmeister zu werden, vor allem nach der konstant guten Leistung in den letzten Jahren. Aber dass in diesem Jahr der Titel nicht nur erhofft, sondern regelrecht erwartet und gefordert wird, kann ich nicht verstehen. Es ist ja nicht so, dass andere Länder nicht auch gute Mannschaften hätten.
Maya tätschelt mir beruhigend die Wange. »Wir schaffen das schon«, sagt sie.
Maya ist immer guter Dinge. Ich dagegen bin äußerst pessimistisch. Das habe ich von meinem Vater. Meine Mutter ist, ähnlich wie Maya, unerschütterlich in ihrem Glauben: Deutschland wird den Titel holen. Davon ist Mama vor jedem Turnier felsenfest überzeugt.
An meiner Schwester ist neben ihrem gesunden Optimismus das Gute, dass sie so etwas wie einen siebten Sinn hat. Normalerweise frage ich sie kurz vor Spielbeginn, ob sie ein gutes oder ein schlechtes Gefühl hat. Sie lag bis jetzt immer richtig.
Damals, als Deutschland das WM-Halbfinale gegen Spanien spielte, teilte sie mir mit, sie habe leider eine schlechte Vorahnung. Für mich war das Ding damit so gut wie gelaufen.
Dummerweise habe ich den Fehler gemacht, meinen Freunden von ihrer besonderen Begabung zu erzählen. Nun fragen mich vor jedem Spiel alle: »Und, Lara, was sagt das Orakel?« Ich glaube, Maya kommt mit dem Druck nicht klar. Ich habe ihr schon versprochen, dass sie sich nach dieser WM zur Ruhe setzen darf, ähnlich wie die Krake Paul damals nach Südafrika, der bis zu seinem Lebensende in seinem Heimattank in Oberhausen fröhlich seine Runden drehen durfte.
Für heute hat Maya ein gutes Gefühl. Na bitte – das müsste mir doch eigentlich reichen. Und trotzdem, trotzdem ... Wer sagt, dass nicht auch Maya sich mal irren kann? Ich finde ja ohnehin, dass wir eine relativ schwere Gruppe erwischt haben, und gerade deshalb ist es so wichtig, mit einem Sieg in dieses Turnier zu starten. Nicht nur, um den Jungs ein wenig den Druck zu nehmen, sondern auch, um meine Nerven zu beruhigen. Tut mir doch den Gefallen, ja?
Gleich geht es los. Auf einmal gibt es ein Pfeifkonzert in der Kneipe. Was ist passiert? Ach so, die Bundeskanzlerin wurde eingeblendet. Angie und die Nationalmannschaft, das ist auch eine Geschichte für sich. Damals, 2006 im eigenen Land, da war das ja noch ganz nett, wie sie auf der Tribüne saß und freudig die Arme hochriss, wenn die Deutschen trafen. Warum sie aber dem Team ständig in andere Länder hinterherreisen muss – und dann noch nicht einmal zum Finale, sondern wann es ihr am besten passt –, das soll mal einer verstehen.
»Dafür werden also unsere Steuergelder verschwendet, für Flüge nach Brasilien«, beschwert sich ein dickbäuchiger Deutscher, der hinter uns steht. Er schnaubt verächtlich und kratzt sich am Bart. »Ja, hat die Frau Kanzlerin denn nicht ein Land zu regieren? Meine Güte!«
Ich wünsche mir, dass er endlich still ist. Schließlich versuche ich zu verstehen, was die Kommentatoren zu sagen haben. Und auf einmal macht mein Herz einen kleinen Freudensprung. Da sind sie! Unsere Jungs! Im Tunnel! Manu! Mats! Per! Jerome! Toni! Mesut! Radio Müller!
Ich finde, sie sehen relativ entspannt aus. Ein gutes Zeichen? Oder reine Fahrlässigkeit? Sie werden den Gegner doch nicht unterschätzen?
Und dann kommt das nächste Pfeifkonzert. Cristiano Ronaldo. Ich warte darauf, dass er aufs Spielfeld rennt, sich theatralisch das Trikot vom Leib reißt, um seinen Astralkörper zur Schau zu stellen, damit wir alle was zu lachen haben und sich meine Anspannung ein wenig löst.
»Das macht er nur beim Aufwärmen, nicht so kurz vor Spielbeginn«, klärt Maya mich auf.
Mir war Cristiano Ronaldo eigentlich immer herzlich egal. Guter Fußballer – da braucht man nicht lange diskutieren –, aber ansonsten ein ganz schön eingebildeter Kerl; das war bislang meine Meinung von ihm. Doch dann kam das Champions League Halbfinale, Bayern München gegen Real Madrid, in dem wir zerlegt wurden. Zuhause. Ach, diese Schmach. Natürlich haben wir das Spiel völligst verdient verloren, aber dieses hämische Grinsen auf Ronaldos Gesicht, es hat mich ganz rasend gemacht. Deswegen könnte ich es einfach nicht ertragen, heute noch einmal gegen ihn zu verlieren.
Fußball war schon immer ein Teil unseres Lebens, obwohl es auch Phasen gab, in denen die Leidenschaft verblasste. Allerdings nur, um danach wieder hervorzubrechen, meist noch stärker als zuvor. Diese fußballfreien Phasen waren unseren Auslandsaufenthalten geschuldet. Wir lebten an Orten, in denen es teilweise schwierig war, dem deutschen Fußball zu folgen. In den frühen 90er-Jahren beispielsweise, als wir in Japan lebten, interessierte man sich dort noch relativ wenig für die Bundesliga, obwohl Spieler wie Pierre Littbarski, Uwe Bein und Michael Rummenigge, die in ihrem fortgeschrittenen Fußballalter von japanischen Clubs angeheuert wurden, wenigstens für einen kleinen Boom sorgten.
Die deutsche Community in Tokio ist überschaubar, alle sind miteinander bekannt. Die Kinder der Fußballprofis besuchten die deutsche Schule, ebenso wie Maya und ich. Eine meiner besten Freundinnen war die Babysitterin von Rummenigges Kindern. Und als ich einmal abends nach Hause kam, nachdem ich mit Freunden unterwegs gewesen war, saß tatsächlich Guido Buchwald in unserem Wohnzimmer und unterhielt sich blendend mit meiner Mutter. Ich schüttelte ihm artig die Hand und stellte mich vor, nur um im nächsten Moment in meinem Zimmer zu verschwinden und ganz langsam zu realisieren, dass Guido Buchwald, der Weltmeister von 1990, einer der bekanntesten deutschen Innenverteidiger der Geschichte, sich in unserem Haus aufhielt und gerade ein indonesisches Abendessen à la Mama gekostet hatte. Verrückt, einfach verrückt – ich holte tief Luft, bevor ich mich schließlich zu meinen Eltern und den Buchwalds an den Tisch gesellte.
Wann immer wir in Deutschland lebten, gehörten die Sportschau am Samstagnachmittag und das Aktuelle Sportstudio am Abend zu unserem wöchentlichen Programm, und das hat sich bis heute nicht geändert. Als ich meine Eltern vor einigen Jahren in Berlin besuchte, freute ich mich wie ein kleines Kind auf dieses Familienritual. Ich lief schnell in die Küche, um eine Tüte Kartoffelchips aus dem Schrank zu holen, als ich bemerkte, dass meine Mutter am Fenster stand und gebannt auf die Straße blickte.
»Mama, was ist los?«, fragte ich sie. »Komm, die Sportschau fängt gleich an.«
»Ich kann es nicht glauben«, antwortete meine Mutter. Mit empörtem Gesichtsausdruck drehte sie sich zu mir um. »Da gehen doch tatsächlich Leute ganz seelenruhig spazieren! Die interessieren sich einfach nicht für Fußball! Sonst würden sie doch längst vor dem Fernseher sitzen!«
Ein anderes Mal, als Mama und Papa gerade zu Besuch in Jakarta waren, begleitete mich mein Vater beim abendlichen Spaziergang mit meinem Hund Popeye. Auf dem Rückweg, keine zehn Meter von unserem Haus entfernt, wurde mein Vater von einem Motorrad angefahren und brach sich den Knöchel. Ein betrunkener Teenager ohne Führerschein, der meinte, er müsse mit 70 km/h die Straße entlangbrettern, ohne eine Ahnung zu haben, wie man die Bremse bedient. Nachdem meine Mutter und ich meinen Vater zurück ins Haus gehievt hatten und dort auf den Krankenwagen warteten, fragte ich ihn besorgt, ob ich etwas für ihn tun könne.
»Ja«, sagte er, schwach und sichtlich unter Schmerzen, während die Platzwunde über seiner linken Schläfe immer noch blutete. »Könntest du mal eben im Internet gucken, wie die Bundesligapartien heute ausgegangen sind?«
Es ist also kein Wunder, dass Maya und ich diese Liebe für den Fußball geerbt haben. Wir sind damit aufgewachsen. Wobei unsere Mutter, die aus Indonesien kommt und dann Mitte der 70er-Jahre mit meinem Vater nach Deutschland gezogen ist, bei uns Mädchen scheinbar mehr Eindruck hinterlassen hat. Unser Vater ist eingefleischter Mönchengladbach-Fan, unsere Mutter hat den FC Bayern München als ihren Lieblingsverein erkoren – seit Franz Beckenbauer, wie sie immer wieder gerne betont. Papa beschwert sich oft, dass er gegen drei Frauen, die auch noch alle Bayern-Fans sind, nicht ankommt. Er bezeichnet sich selbst gern als »Fußball-Pariah«, aber es ist zu spät, um an dieser Konstellation noch etwas zu ändern.
Die erste WM, die ich bewusst erlebte, war die in Italien, 1990. Ich erinnere mich ganz genau an den widerlichen Spuckskandal um Frank Rijkaard und Rudi Völler. Aber noch besser ist mir das Halbfinale Deutschland gegen England im Gedächtnis geblieben. Wir waren zu der Zeit gerade im Sommerurlaub in England und hatten ein kleines Ferienhaus gemietet. Als es zum Elfmeterschießen kam, konnte meine Mutter nicht hinsehen. Sie ging nach draußen, auf die Terrasse. Unser Nachbar, ein älterer englischer Herr, winkte ihr zu – auch er hatte nicht die Nerven. Ich versteckte mich hinter dem Vorhang, lugte aber immer wieder hervor. Nur Maya und mein Vater saßen noch vor dem Fernseher. Während er die Hoffnung schon aufgegeben hatte, machte Maya sich mal wieder überhaupt keine Sorgen. Der Jubel war groß, als Chris Waddle den letzten Elfer für England verschoss. Aber ich werde niemals vergessen, wie unser Nachbar, ganz der faire Sportsmann, uns beglückwünschte, das Gesicht von tiefer Enttäuschung gezeichnet. Es war der Moment, in dem mir das erste Mal klar wurde, dass Fußball für so viele Menschen mehr ist als nur ein Spiel.
In den nächsten Tagen fuhren wir in unserem Auto mit deutschem Nummernschild durch die Gegend, die Nachrichten im Hinterkopf, dass verrückte Englandfans irgendwo deutsche Wagen in Brand gesetzt hatten. Doch uns passierte nichts. Im Gegenteil, einige Tage später wurden wir Weltmeister, und Maya und ich hatten uns unwiderruflich in den Fußball verliebt.
Lothar Matthäus, Andi Brehme, Bodo Illgner, Karlheinz Riedle, Olaf Thon und natürlich Guido Buchwald – es ist schon so viele Jahre her, dass sie bei ihrer Rückkehr aus Italien von den Fans als Weltmeister gefeiert wurden, und doch sind ihre Namen für immer in die Fußballgeschichte eingegangen. Ich wünsche mir das Gleiche für diese goldene Generation um Schweinsteiger, Podolski, Mertesacker und Lahm. Ich habe sie heranwachsen sehen, ihre Entwicklung verfolgt und denke mir immer wieder, dass niemand es so sehr verdient, Weltmeister zu werden, wie diese Mannschaft.
Früher hatten wir Teams, denen ich natürlich auch immer die Daumen gedrückt habe – man ist schließlich deutsch –, aber richtige Begeisterung haben die Deutschen nie bei mir ausgelöst. Rumpelfußball ist eben nicht so schön anzusehen. Das hat sich mit der WM 2006 schlagartig geändert. Auf einmal machte es Spaß, die deutsche Nationalmannschaft anzufeuern. Die neue offensive Spielweise machte es möglich. Ich bin seither auch um einiges emotionaler, wenn es zu großen Turnieren geht, denn im Gegensatz zu den Jahren um Anfang 2000 mag ich unsere Spieler, finde sie sympathisch und heule Rotz und Wasser, wenn sie es mal wieder nicht schaffen, den letzten Schritt zur Vollendung zu gehen.
Kurz vor Anpfiff klammere ich mich an Mayas Arm fest, weil ich die Spannung kaum noch ertragen kann.
»Selbst wenn wir heute verlieren oder nur ein Unentschieden schaffen, heißt das doch noch lange nichts«, sagt Maya.
Ich bin entsetzt. »Was? Du hast doch gerade noch behauptet, du hast ein gutes Gefühl!«
»Lara! Ganz ruhig! Ja, ich glaube, dass wir das gewinnen, aber selbst wenn ich falsch liegen sollte ... Oh, es geht los. Die Nationalhymnen.«
