Andere Ansichten - Volker Jentsch - E-Book

Andere Ansichten E-Book

Volker Jentsch

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Beschreibung

Mir war und ist das Schreiben eine Herzensangelegenheit. Wenn andere Entspannungsübungen der bekannten Art machten, um den Druck der Ereignisse loszuwerden oder wie man sagt, zu verarbeiten, setzte ich mich (sofern vorhanden) auf eine Bank mit Aussicht auf die unter oder vor mir ausgebreiteten Wiesen, Wälder und Siedlungen. Und machte mich daran, dort meine Gedanken, Stimmungen und Meinungen aufzuschreiben. Ich habe Prominente an einem Tisch versammelt und Argumente austauschen lassen; habe Bücher besprochen, Regierungen, vergangene und noch aktive, aber doch schon geraume Zeit der Auflösung preisgegebene in Szene gesetzt. Meinungsmacher porträtiert, technische Wunderwerke, die das Leben verändern können, hinterfragt. Und weiter zurückliegend, in der auslaufenden Zeit der beruflichen Tätigkeit, nahm ich die Besonderheiten des Hochschullebens unter die Lupe. Schrieb Leserbriefe zu Ereignissen, in denen das heute im damals enthalten zu sein scheint. Und im frühen Stadium meines Werdegangs destillierte ich Themen aus der Studentenzeit - herausfordernde Aufsätze die einen, romantisch-melancholisch die anderen. Jetzt habe ich einige dieser Schriften wieder hervorgeholt, neuere, am Schreibtisch entstandene dazugelegt und daraus ein Buch gemacht.

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Seitenzahl: 231

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Das Buch

Ich fasse zusammen, was ich mir im Lauf der Jahre, jenseits der beruflichen Arbeit, habe einfallen lassen; ich bringe in Form, was ich erdacht, erkundet, erzählt und erfahren habe: Leute aus Politik und Fernsehen an einen Tisch gesetzt und sprechen lassen; Bücher rezensiert; das Hochschulleben charakterisiert; Leserbriefe geschrieben; politische Höhepunkte persifliert; die Studentenzeit aufleuchten lassen – Schriften und Aufzeichnungen zum Zeitgeschehen, die bei mir den Eindruck erwecken, heute so aktuell wie damals zu sein. . .

Manches davon ist auch auf www.volkerjentsch.de zu besichtigen. Aber erst ein Buch macht daraus ein Ganzes.

Dank an alle, die im Text Fehler gesucht und naturgemäß nicht jeden gefunden haben. . .

Dank ein weiteres Mal an Laura – Mange tak til Laura Stær for hendes vidunderlige cover-design. . .

Inhalt

Prolog

Büchergeschichten

Romane

Sachbücher

Theatergespräche

Wer ist die Schönste im ganzen Land?

Scholz versus SelenskyI

Scholz versus Selensky II

Joe und Olaf

Die Zwergin und der Zwerg

KI-Gespräche

Krankenkasse der Privaten

Streitschriften

Der Koalitionsvertrag von 2021

Unsere Regierung ein Jahr später

Unsere Regierung macht Halbzeit

Unsere Regierung löst sich auf

Die Repräsentantinnen der FDP

Sein oder Nichtsein

Weiter so?

Bürgerbeteiligung

Denkschriften

Doktoranden

Professoren

Forschung im Verbund

Unsere Informationsgesellschaft

Abschluss-Feier

Leserschriften

Guten Morgen, Herr...

WikiLeaks

Regierung Schröder

Verschiedenes

Studentengeschichten

Ideologie und Funktion der MPG

Kündigung des Militärdienstes

In die SPD

Schein und Widerschein

Prolog

Mir war und ist das Schreiben eine Herzensangelegenheit. Wenn andere Entspannungsübungen der bekannten Art machten, um den Druck der Ereignisse loszuwerden oder wie man sagt, zu „verarbeiten“, setzte ich mich (sofern vorhanden) auf eine Bank mit Aussicht auf die unter oder vor mir ausgebreiteten Wiesen, Wälder und Siedlungen. Und machte mich daran, dort meine Gedanken, Stimmungen und Meinungen aufzuschreiben. Ich habe Prominente an einem Tisch versammelt und Argumente austauschen lassen; habe Bücher besprochen, Regierungen, vergangene und noch aktive, aber doch schon geraume Zeit der Auflösung preisgegebene, in Szene gesetzt. Meinungsmacher porträtiert, technische Wunderwerke, die das Leben verändern können, hinterfragt.

Und weiter zurückliegend, in der auslaufenden Zeit der beruflichen Tätigkeit, nahm ich die Besonderheiten des Hochschullebens unter die Lupe. Schrieb Leserbriefe zu Ereignissen, in denen das heute im damals enthalten zu sein scheint. Und noch weiter zurückliegend, im frühen Stadium meines Werdegangs, der Studien- und Studentenzeiten, destillierte ich Themen, die für und gegen den Zeitgeist gerichtet waren – herausfordernd die einen, romantisch-melancholisch die anderen. . .

Jetzt habe ich einige dieser Schriften wieder hervorgeholt, neuere, am Schreibtisch entstandene dazugelegt und daraus ein Buch gemacht.

Büchergeschichten

Über große und kleine, dicke und dünne Bücher

Über Bücher, die mir in Erinnerung bleiben

Wie aus dem Inhaltsverzeichnis ersichtlich, beschäftige ich mich auch mit der schönen Literatur. Schon als Jugendlicher habe ich dafür ein gewisses Faible entwickelt und dieses bis ins hohe Alter, mal mehr, mal weniger gepflegt. Immerhin sind, dank dieser Vorliebe, in den letzten fünf Jahren vier Bücher von mir erschienen, und wenn ich dieses vollendet habe, sind es sogar fünf. Kurzum, ich konsumiere und produziere.

Mich beeindrucken vor allem Geschichten, in denen die Protagonisten genügend Wagemut haben, sich auf die Suche zu begeben. Auf die Suche nach einem Ort, der gestaltet werden kann, nach einer Tätigkeit, in der Theorie und Praxis gefordert sind, und gelegentlich auch nach Lust und Liebe. Geschichten dieser Art gibt es einige, aber nur wenige, die mir gefallen.

Der Roman, ginge es nach mir, soll so durchsichtig sein wie das Nachtkleid der Geliebten. Und so unvorhersehbar wie ein Gewitter im Winter.

Bilder der geschriebenen Art verleihen dem Roman Farbe. Oft kommen sie in Form von Vergleichen und beginnen mit dem unscheinbaren Wörtchen „wie“, gefolgt von einer beliebigen Anzahl von Wörtern. Manchmal sind es nur zwei; wer es pompös liebt, blendet dafür eine ganze Seite auf. Alles in allem sind Vergleiche sehr mächtig – sind sie gelungen, können sie den Roman auf den ersten Platz katapultieren; sollten sie daneben gehen, hat er Aussichten, auf dem letzten Platz zu landen. Nun will ich an dieser Stelle keinen Streit über die Frage entfachen, wann ein Roman als gelungen bezeichnet werden kann. Dazu nur diese einfache Formel: ob ein Roman gefällt oder nicht gefällt, ist für mich maßgeblich eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Mir ist aufgefallen, dass viele Romane, vorzugsweise solche, die durch Preise geehrt werden, Sätze hervorbringen, die wider jeglichen Sprachverständnisses unvermittelt enden oder sich Seite für Seite wiederholen; oder auseinandergebrochene Wörter gebären, die als Silben sinnlos hintereinander herlaufen, sich verstricken, schließlich in einem heillosen Durcheinander enden. Für mich sind das überflüssige, unschöne und nichtssagende Experimente, auch wenn sie vermutlich vom Autor als besonderer Leckerbissen verstanden werden wollen.

Literaturwissenschaftler werden derlei Bemerkungen empört zurückweisen, mich als Laien bezeichnen (was stimmt), auf ihre Expertise pochen und feststellen, dass allein sie über die Methoden und das Vokabular verfügen, um den Rang und die Bedeutung des jeweiligen Werkes zu bestimmen. Ich werde entgegnen, dass sie über keine objektiv gültigen, durch Experiment oder Evidenz verifizierbaren Regeln verfügen, wie das in den Naturwissenschaften der Fall ist. Und da das so ist, dürfen sich Experten und Expertinnen in Diskussionsrunden und Feuilletons über den Wert des Werkes streiten.

Meine Reaktionen auf Romane, Erzählungen etc. sind kurz gefasst die folgenden: Was ich gut finde, lässt mich erglühen, was mir nicht gefällt, erkalten, was mir nicht gefällt und mit Lorbeer umhängt ist: ergrimmen. Der Vollständigkeit halber sei vermerkt, dass sich mein Geschmack und der des berühmten Herrn Scheck meist nicht vertragen. Wer kennt ihn nicht, den Herrn mit den närrisch großen Ohren, der pompöse Settings liebt, Autoren in persönlichen Vorstellungen lobt und preist, aber mit einer kaum erwarteten Zielsicherheit die von ihm als missraten klassifizierten Bücher in die bereitgestellte Tonne wirft.

Romane

Jenny Erpenbeck: Tand. Darunter befindet sich dieser bemerkenswerte Satz: „Das Blut so heiß aus meinem Körper läuft, die Schale ineinander verkracht ist, Augen, die sich wie zwei Segel zusammenfalten, innerlich etwas aus mir kippt, eine wüste Stelle im Inneren, ein Nichts, das jedoch großen Raum beansprucht.“ Wer diesen Tand mag, ist bei Jenny genau richtig.

Robert Menasse: Die Hauptstadt. Brüssel ist die Hauptstadt der EU. Das gefällt dem Herrn Erhart, einem aufrührerischen Gelehrten aus Österreich ganz und gar nicht. Er stellt fest: Das Elend der Ökonomie sei ihr nationalistischer Charakter. Und fordert: Auschwitz müsse europäische Hauptstadt werden. Menasses dickes Buch bekommt den Buchpreis.

Bodo Kirchhoff: Widerfahrnis. Ein Womanizer, dem Autor vermutlich nicht unähnlich, wird in intimer Pose mit folgenden Sätzen konfrontiert: „Glocke schlug in verlorenen Tönen elf; Anprall an ihre weichen Klippen; verstörend glatt; wie benagelt mit Sternen; hellwach; Nacht ist vorgedrungen“; oder zitiert: „wie man sagt, auch wenn er es nicht sagen würde, nur hier ausnahmsweise.“ Auch dieser Autor wird mit dem Buchpreis belohnt.

Saša Stanišić: Herkunft. Saša, Kriegsflüchtling aus Bosnien, von den Experten gefeiert und mit dem deutschen Buchpreis gekrönt. Der Autor springt im Buch und in der Zeit hierhin und dorthin. Gegen Ende des Buchs kämpft er auf sechzig Seiten sogar mit den Drachen. Und macht aus seiner Herkunft ein „Drachenmärchen“, den Ort derselben zum „Drachenhort“. Den Ausgang aus dem Hort soll der Leser finden. Ich hab ihn nicht gefunden und das Buch vorzeitig zugeklappt.

Sibylle Lewitscharoff, Büchner-Preisträgerin: lässt im Apostoloff das Bild von der kleinen Sibylle entstehen, das dem Vater die Zeitung vorliest und noch gar nicht lesen kann – ein Bild so schön, dass es immer bei mir bleiben wird. Die Geschichte an sich, die Exhumierung der Exilanten, der Konvoi, der sich zur Bestattung nach Bulgarien dahinschleppt, all das hat mich nicht beeindruckt.

Graeme Simsion: Das Rosie Projekt; gefolgt von Der Rosie Effekt und Das Rosie Resultat, von denen nur das erste ich gelesen habe. Die weltweit ausgreifenden Glückwünsche, mit denen das Werk gefeiert wird, sind bei mir nicht angekommen – auch weil von Anfang an vorhersehbar, dass der unsägliche „Questionnaire“ des Buches nicht zum Zuge kommt und die romantischen Liebe den Sieg davonträgt. Gleichwohl, die Darstellung erheitert mit zahlreichen Sätzen, und die umhüllen die Konstruktion mit viel Humor.

Javier Marías: plagen in Alle Seelen die Wiederholungen des Lebens. Dazu gehören das Leeren des Abfalleimers, Claires Schuhe und Strümpfe, die Zigarettenasche, die auf eben diese Strümpfe fällt und ihr Rock, der verrutscht, und des Autors begehrenden und verzehrenden Blick auf ihre „starken Beine“ ermöglicht; es sind die ungezählten Zigaretten, ob heiß oder kalt, geraucht oder weggeworfen; es sind diese Trivialitäten, die das Buch bevölkern. Ich war froh, als ich die vorletzte Seite umdrehte.

H.M. Enzensberger, Büchner-Preis Gewinner: nennt sein Buch Tumult. Mit seinen politischen Ansichten habe ich stets sympathisiert. Sein Hammerstein oder der Eigensinn hat mir gefallen. Das vorliegende Buch, eines seiner letzten, laut Enzensberger dem Zufall(!) geschuldet, gibt eine Reihe Details aus den sechziger Jahren im bewegten Leben des vielfach geehrten und enorm produktiven Schriftstellers und Dichters bekannt. Wer das wissen möchte, wird in diesem Buch auf seine Kosten kommen; wer das alles schon weiß (was durchaus vorstellbar ist) oder wen Lebensbeschreibungen, auch „tumultuarische“, nicht sonderlich interessieren, wird es liegen lassen. Letzteres würde ich empfehlen.

Und an dieser Stelle mach ich Schluss. Jetzt geht es um Bücher, die mir gefallen haben, und ich schreibe auf, warum.

János Székely: Verlockung

János Székely hat ein wunderbares Buch geschrieben. Es ist das tiefste und leidenschaftlichste, das mir seit langem begegnet ist und es ist zugleich das spannendste und verstrickteste, das traurigste und komischste, und ich weiß, dass selbst diese Superlative die Qualität des Buches nicht beschreiben können. Es gibt Bilder in Székelys Sprache, die sind umwerfend, denn sie sind so gut.

Székely erzählt die Geschichte des Jungen Béla. Der wächst in unfassbarer Armut auf, bringt es bis zum Liebhaber Seiner Exzellenz und findet als Kämpfer zu den Seinen, den Mittel- und Rechtlosen, zurück.

Es ist ein ganz und gar parteiisches Buch. Hier die Machtlosen, dem die Zuwendung des Autors gilt, und dort die Mächtigen, die er mit Spott, Hohn und Verachtung abhandelt. Und doch ist sein Roman alles andere als platt oder gar propagandistisch. Dafür sind die Machtlosen selbst zu fehlerhaft, lasterhaft und schwächlich. Es gelingt dem Autor, seine Parteilichkeit auf die Leserschaft zu übertragen. Ich habe mit Béla und seinen Leuten gelitten und gekämpft und mit ihnen auf ein besseres Leben gehofft.

Gleichwohl, die Machtlosen sind nicht immer die Unterlegenen. Zwei Szenen, die ich für die besten des Buches halte, belegen das. Im Wettstreit des Händedrücken zerquetscht Béla die Hand des skrupellosen Abgeordneten, nachdem dieser zuvor das Gleiche bei Béla versucht hat und gescheitert ist. Und das im Angesicht Seiner Exzellenz, deren Schönheit und Laszivität alle Männer verrückt macht! In der anderen Szene wird Béla von Seiner Exzellenz gerufen. Sie empfängt ihn, halbnackt, in ihrem Zimmer. Sie spielt mit seiner Erregung, gerät selbst außer Sinnen und als er, angestachelt davon, über sie herfällt, nimmt sie sich, was ihr impotenter Mann nicht geben kann. Eindringlicher, leidenschaftlicher und ästhetischer kann Erotik nicht geschrieben werden. Finde ich. Aber in dieser Szene steckt noch mehr. Sie ist der Höhepunkt der gegenseitigen moralischen und psychischen Ausbeutung. Insofern ist die Verlockung, der Béla erliegt, oberflächlich nichts anderes, als die Verlockung, der Seine Exzellenz erliegt.

Tatsächlich sind die Unterschiede aber eben doch gravierend, und deshalb entsagt Béla, als sein Verstand wieder die Oberhand gewinnt, seiner Leidenschaft, wenn auch unter Schmerzen, und kämpft hinfort auf der richtigen Seite um Leben und Freiheit, mit den Unterdrückten, gegen die Unterdrücker.

Paul Bowles: The sheltering sky

Ich halte „The sheltering sky“ (deutsch: Himmel über der Wüste) für einen der besten Romane des 20. Jahrhunderts.

Die Zeit unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg. Zwei Menschen lieben sich, aber kommen nicht zusammen. Die groß angelegte Reise nach Marokko: ein eher verzweifelter Versuch, endlich die Intimität zu erfahren, die beide auch nach zwölf Jahren ihrer Ehe nicht gefunden haben. Aber es gelingt nicht. Sie und er sind zu kompliziert. Sie fürchten sich, vor dem was hinter der Liebe liegt: die Finsternis. Es sind vergeudete Jahre, sagt sich Kit, als sie Port, ihren Mann, den doch eigentlich geliebten, dem vom Typhus gezeichneten in den Armen hält, sie sagt es bitter und angsterfüllt. Und nach seinem Tod und all den Jahren des Zurückhaltens, Abwehrens, Verweigerns brennt ihre Sucht, sie will gesättigt werden; lustvoll unterwirft sie sich wieder und wieder dem heißen, animalischen Begehren des Arabers. Das geht so lange gut, bis dieser sein Verlangen gestillt und eine andere aus seinem Harem bevorzugt. Das Ende: schwer beschädigt, flieht sie vor sich selbst und ihrer Vergangenheit. Ihre Spur verliert sich im Gedränge von Tanger.

Bowles erzählt eine düstere Geschichte, die von dem Licht und dem Wind über der Wüste zehrt. Es ist der Himmel, durchsichtig und glühend wie geschmolzenes Metall, der das Buch begleitet. Es ist der Himmel über der Wüste, der scheinbar? oder tatsächlich? tröstet, bedeckt und schützt, eben als The sheltering sky.

Ich empfehle die englische Version, die allerdings nicht einfach zu lesen ist; die deutsche fällt an einigen Stellen etwas flach, wenn auch im Großen und Ganzen die Übersetzung wohl das Richtige trifft. Bertoluccis Verfilmung bleibt wie jede Romanverfilmung hinter den Text zurück, hat aber einen grandiosen Einstieg, als in Tanger die jungen Marokkaner das Schiff entladen und mit dem voluminösen Gepäck des amerikanischen Paars die Treppen heraufsteigen.

Eva Menasse: Quasikristalle

Eva Menasse kommt aus Österreich, spricht Hochdeutsch und ist reichlich mit Preisen dekoriert. Ihr kleiner Stern ist eigentlich ein großer Stern, von der Natur reichlich beschenkt, mit begehrten Eigenschaften ausgestattet – es handelt sich um eine attraktive Frau, die „Berge gebrochener Herzen“ hinterlässt, außerdem erfolgreich im Beruf und in der Ehe, ehrgeizig, hundertprozentig, mütterlich und von ihren Freundinnen beneidet, kurzum, irgendwie unerreichbar in ihrer Unwiderstehlichkeit. Sie gibt sich als Xane zu erkennen und tritt in allen dreizehn Kapiteln auf, manchmal überraschend, manchmal vorhersehbar. Wobei der Name zu denken gibt. Nicht eher Roxane? Xane gilt als männlicher Vorname. Steckt in Menasses Frauenfigur womöglich ein Mann? Nein, das ist boshaft. Alles, was mit Xane zu tun hat, ist unwiderruflich weiblich.

Jedes der Kapitel kommt mit einer etwas anderen Sicht auf Xane, jedes für sich ist leicht lesbar, und weitgehend unabhängig von den anderen. Sind sie auch lesenswert? Allemal! Fünf davon haben mir ausnehmend gut gefallen, das sind die Nummern 3,4,5,10 und mit Einschränkung auch die Nummer 11. Interessanterweise sind es diese, in denen Xane nicht die beherrschende Figur ist. Am stärksten beeindruckt hat mich Kapitel 5, in dem eine der inzwischen so zahlreichen Reproduktions- oder Nachwuchsfabriken im Mittelpunkt steht. Das Wunschkind lässt auf sich warten, der Gang zur Reproduktion wird dann für viele zur Qual der Wahl; für die eine ist er Endstation Sehnsucht, für die andere das Tor zum Paradies. Frau Menasse erzählt über beide Möglichkeiten, und sie tut es, so scheint mir, mit großer Detailkenntnis und Meisterschaft.

Gleichwohl ist es nicht der Inhalt, der das Buch vom Durchschnitt absetzt, sondern es ist Menasses Formulierungskunst: die überraschenden Wortzusammenstellungen, der spielerische Umgang mit der deutschen Sprache. Aber hat sie dabei gelegentlich nicht doch etwas übertrieben? Was zum Beispiel ist ein „milchiger Blick“? Eine „übergriffige Hilfsbereitschaft“? Ein „verrutschtes Lachen“? (komisch, das „Verrutschsein“ im Zusammenhang mit Lachen ist das Standardrepertoire von Romanen dieser Art; wie mag das nur aussehen?)

Was den Titel betrifft: Xanes Leben hat nichts mit Kristallen zu tun, auch nicht im übertragenen Sinn, wie der Klappentext mit zehn Zeilen Text zu suggerieren versucht; der Kristall, ob geordnet oder ungeordnet, ist geronnene Substanz, verkörpert nicht die Dynamik, auf die es Frau Menasse ankommt – die sich in den geschwungenen Linien des Lebens manifestiert. Man könnte sagen, ein bisschen verrutscht, der Kristall. Dennoch: es ist ein guter Roman, dem ein ansehnliches Portrait der Schriftstellerin beigefügt ist.

Gergely Péterfy: Der ausgestopfte Barbar

Niedertracht versus Edelmut Dieses Buch finde ich sehr gut, es ist ein besonderes und schön geschriebenes Buch, und es ist nicht ganz leicht zu lesen. Ja, die Leser müssen aufmerksam sein, dürfen den Faden nicht verlieren, um auf dem Laufenden zu bleiben, wer in welcher Phase, zu welcher Zeit des Romans erzählt: ist es der Erzähler, oder ist es Sophia, die Frau von Ferenc Kazinczy, des großen Geistes- und Kulturwissenschaftlers, oder ist es dieser selbst; ist es Angelo Soliman, der „ausgestopfte Barbar“, oder ist es eine der vielen anderen Figuren aus dem Habsburgerreich des 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts, als es seinen Absolutismus nur noch mühsam und nur mit Gewalt gegen den aufklärerischen Geist und den Unabhängigkeitsdrang seiner vielen Völker durchsetzen konnte. Hilfe bietet der Klappentext, der kurz und bündig den Inhalt wiedergibt und sich so unendlich wohltuend unterscheidet von der plumpen Umschlagwerbung, mit der selbst beste Bücher dem Leser in den Rücken fallen.

In vielerlei Hinsicht ähnelt dieser von historischen Tatsachen durchdrungene Roman den Werken von Umberto Eco, thematisch etwa dem Friedhof in Prag. Aber Peterfys Roman bewegt das Gemüt sehr viel stärker als Eco, ist entschieden grobkörniger, setzt unbeirrbar das Bösartige gegen das Gutartige; Niedertracht, Neid, sexuelle und materielle Gier, Verleumdung, Lüge, diese Grausamkeiten aus den Niederungen der Menschheit, gegen Bildung, Intelligenz, Nachsicht und Toleranz. Seine Helden, der Ungar und der Afrikaner, ertragen bis zur Selbstaufgabe all die Schmähungen, Beleidigungen und Verleumdungen der Infamen, in stolzer Einbildung ihrer eigenen Überlegenheit, im Vertrauen darauf, dass die Zukunft den Aufschwung, die Wende zum Besseren bringen wird. Doch diese ist noch in düsterer Ferne. Die Helden sind besessen vom Okkultismus und der Geheimwissenschaft der Freimaurerei. Sie suchen nach Zeichen des Schicksals. Vergeblich. Weil es doch nichts anderes als der schnöde Zufall ist, der Sophia zu Ferenc und Ferenc zu Angelo und Angelo zu seinen fürstlichen Gebietern geführt hat?

Der Roman spielt in der begüterten Welt der Adeligen und Fürsten. Die Dienerschaft ist das geschundene, rechtlose, intrigante Beiwerk, die Bauern bilden den gewalttätigen Hintergrund. Die zahlreichen Frauen des Romans sind die mitleidlos Leidenden, sie lassen sich dem Willen und Wahnsinn ihrer Männer unterwerfen. Auch Sophia gehört dazu, wenngleich in vornehmerer Form. Gibt es ein Thema, unter dem das Buch zusammengefasst werden kann?

Es ist die Andersartigkeit, die von der eingesessenen Bevölkerung in Stadt und Land nicht geduldet wird. Es sind die Jahrtausende alten Verhaltensweisen derer, die glauben, das Territorium sei das ihre; wer hier sich niederlasse, müsse sich einfügen, so sein wie sie selbst. Das Andere wird in teils roher, teils subtiler Art gedemütigt, im schlimmsten Fall ausgeschlossen, im Roman eingekerkert oder getötet.

Das Thema des Buchs ist zeitlos, und es ist in ganz besonderer Weise dargeboten.

Vladimir Jabotinsky: Die Fünf

Eine Familiengeschichte. Solche erfreuen sich weltweit großer Beliebtheit bei dem schreibenden wie auch lesenden Teil der Bevölkerung. Hier begegnen wir einer wahrhaft großen.

Das Buch lebt von der Leichtigkeit, mit der Vladimir Jabotinsky die Zeit des beginnenden 20. Jahrhunderts fließen lässt. Die jüdische Familie Milgrom besteht aus skurrilen Figuren, davon haben es zwei dem Autor besonders angetan: Die umwerfende Marussja, die mit ihren zahlreichen Verehrern, den Passagieren, ein etwas ungewöhnliches Spiel treibt und ihr Bruder Serjosha, der um keine Pointe verlegen ist. Beide nehmen das Leben wie es kommt, aber wie so oft bei solchen Charakteren, liegt dahinter eine morbide Melancholie, die am Ende des Buches, bei den beiden und eigentlich allen anderen Angehörigen der Familie, mit Ausnahme des Vaters vielleicht, zum Durchbruch kommt und auf ein bitteres Ende zusteuert.

Kapitel 14 hat bei mir den stärksten Eindruck hinterlassen. In diesem wird die Natur um Odessa auf mitreißende, sehr ungewöhnliche Weise dargestellt.

Wer sich von der Atmosphäre des Um- und Aufbruchs in Russland und Europa um 1900 einfangen lassen will, der sollte zu diesem Buch greifen. Und das Einzigartige von Odessa auf sich wirken lassen. Es auferstehen lassen, bevor es womöglich von russischen Bomben getroffen, im Staub des Krieges versinkt.

Ein Satz zu der handwerklichen Seite: Einband und Schriftbild sind, wie so oft in Die Andere Bibliothek, an Eleganz kaum zu übertreffen.

Wassili Grossman: Stalingrad

Der Roman Stalingrad ist ein epochales Werk. Es schildert das Leiden, Leben, Lieben, das Kämpfen, Erdulden, den Mut und die Entschlossenheit der Menschen in der Sowjetunion im Kampf gegen Hitlers Armeen. Wir erfahren, wie diese im Krieg, in dem das Extreme zum Normalen wird, sich verhalten, wie sie trotz all der Zerstörungen und Niederlagen, die sie haben hinnehmen müssen, ihre Angst vorm Tod besiegen, mit äußerster Hingabe ihr Land verteidigen, und niemals daran zweifeln, dass am Ende der Sieg ihnen gehört. Das, scheint mir, ist Grossmans Botschaft: wenn alle zusammenstehen, unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Alter und Bildung, dann, aber nur dann, wird der Widerstand erfolgreich sein.

Darf ich Grossmans euphorischem Bild glauben? Seine Vita, inzwischen gut bekannt, spricht dafür. Ebenso der Verlauf des Krieges. Auch der umfängliche, mit Fakten gespickte Anhang. Und wer bemängelt, dass er Stalin nur gelegentlich, und dann eher mit Milde, fast könnte man sagen, mit einem gewissen Verständnis erwähnt, dann doch deshalb, um die damalige Wirklichkeit richtig abzubilden. Der gemeinsame Feind war Hitler, nicht Stalin. Im Gegenteil. Stalins unerbittliche Brutalität und bedenkenloser Einsatz, bei dem weit mehr als zehn Millionen Soldaten zu Tode kamen, hat den Sieg über Deutschland ermöglicht.

Grosmanns Beschreibungen der Wolga lassen den Krieg zumindest vorübergehend vergessen. Die sachte Strömung des mächtigen Stroms, die Luft über dem Wasser und das Farbspektrum, das durch die auf- und untergehende Sonne hervorgerufen wird, gehört zu den schönsten Naturbeschreibungen, die ich bis hierher gelesen habe.

Die Sowjetunion hat Menschen und Städte, Dörfer, Wälder und Felder opfern müssen, um die auf Vernichtung spezialisierte deutsche Kriegsmaschinerie aufzuhalten, zurückzudrängen und letztlich zu vernichten. Nirgendwo wird das vermutlich eindringlicher und realistischer beschrieben, als in Grossmans Buch Stalingrad.

Die Fortsetzung von Stalingrad ist Leben und Schicksal. Das Buch ist ebenso umfangreich wie das vorliegende. Kritik an den Machenschaften des politischen Systems, insbesondere Stalin, dem unumschränkten Herrscher über Land und Leute, wird hier allerdings sehr viel deutlicher.

Beide Bücher zeugen von Grossmans unverbrüchlicher Treue zu seinem Land. Aber da ist mehr – sein Mitgefühl, seine schriftstellerische Kraft, eingesetzt für alle, die im Krieg gelebt, gelitten, getrauert haben, gefallen sind, sich dem Aggressor in den Weg gestellt haben; sein Aufbegehren für all diejenigen, die auf Geheiß der Diktatoren des zwanzigsten Jahrhunderts gefoltert und geschändet und ums Leben gebracht worden sind.

Sachbücher

Sachbüchern bezeichne ich als gelungen, wenn der Inhalt relevant und die Darstellung verständlich ist, Fakten überprüft sind und dem Stand des Wissens entsprechen, eine aussagekräftige Literaturliste beigefügt ist und Textstellen, die von anderswo herkommen, gewissenhaft gekennzeichnet sind.

Sachbücher, in denen die Meinung der Autoren durchscheint, sind zum Beispiel „Die Nacht der Physiker“ von Richard von Schirach oder „Macht“ von Katja Kraus. Harald Welzers „Nachruf auf mich selbst“ ist ein Sachbuch, in dem das Persönliche sehr viele Seiten einnimmt.

Zu den Sachbüchern gehören auch populärwissenschaftliche Bücher, die meist eine gewisse Vorbildung erfordern und zum Verständnis wichtiger Phänomene aus Natur und Gesellschaft beitragen können. In diese Kategorie fallen zum Beispiel: „Wütendes Wetter“ von Friederike Otto oder „Risiko“ von Gerd Gigerenzer. Die Zuordnungen sind zugegebenermaßen immer etwas willkürlich, weil Elemente aus der einen oder anderen Kategorie zum Zuge kommen können. Meine Erzählung „Die Verabredungen der fünf Doktorandinnen“ ist eine Mischung aus Roman und populärwissenschaftlichen Elementen. Ein griffiger Name für diese exotische Art steht aus.

Harald Welzer: Nachruf auf mich selbst

Der Bestsellerautor und Soziologe beklagt die Unfähigkeit der Menschen, ein Ende zu setzen, aufhören zu können (oder zu wollen).

Welzer möchte, dass die Endlichkeit des Lebens, der Tätigkeiten, der lebendigen und toten Materie, anerkannt und das Handeln und Streben danach ausgerichtet werden. Der Tod muss wieder als solcher stattfinden dürfen. Er plädiert für die Reduktion der Lebensweise, straft dessen unaufhörliche Expansion. Kritisiert die Wirtschaftsweisen, das Verlangen nach Vorhersage und ärgert sich über „imperiale“ Lebensweisen.

Das alles ist bekanntlich fester Bestandteil im Ruf nach einem anderen, vor allem genügsameren Leben. Insofern könnte ich mich mit Welzer in ungefährer Übereinstimmung finden und seinem Bestseller-Buch ein weiteres Lob zu den bereits vorhandenen hinzufügen. Tu ich aber nicht. Und diese sind meine Gründe:

Die ausführliche Darstellung seines Herzinfarktes. Warum muss die Leserschaft davon erfahren? Um sie von der Illusion der Unsterblichkeit zu lösen?

Die tristen, unscharfen, in Grau gehaltenen Abbildungen. Diese sind angesichts der heutigen Möglichkeiten der Bildwiedergabe sowie des stattlichen Preises für dieses Buch absolut inakzeptabel. Ganz zu schweigen vom EKG, in dem die schwach ausgeprägten RR-Zacken nur unter heller Beleuchtung zu erahnen sind.

Die Bewunderung für den Bergsteiger und Vortragsreisenden Messner. Welzer bewundert Messmers „Reduktionismus", ohne Sauerstoff den höchsten Berg der Erde bestiegen zu haben (und wer hat ihm seine Ausrüstung ins Basislager getragen?) Welzer hat mit Messmer die unverblümte Eitelkeit gemeinsam. Die er aber doch eigentlich (S.211) ablegen möchte – aber dem Professorenstand, zu dem auch er gehört, unauslöschlich zu eigen ist. Was auch das Buch-Cover beweist. Welzer in Großaufnahme; ginge es nicht ein bisschen kleiner? So schön ist er doch gar nicht.

Der übermäßige Gebrauch des Zitates. Das suggeriert eine gewisse Wissenschaftlichkeit des Werkes. Nicht alle, die es lesen, haben die Sozialwissenschaften erlernt, so dass die Zitate kaum die Würdigung erfahren dürften, die Welzer möglicherweise im Sinn hatte. Oder war es die Sorge, des Plagiats überführt zu werden, wenn Fremdes nicht gebührend als solches bezeichnet wird? Die allerdings ist ernst zu nehmen.

Ein viele Seiten umfassendes Nachwort. Das ist gleichsam die Wiederholung dessen, was vorab auf zweihundert Seiten mitgeteilt wurde.

Fazit: „Im Nachruf“ geht es darum, was Welzer sein möchte – vor allem ein guter Mensch. Irgendwie rührend.

Friederike Otto (FO): Wütendes Wetter

Wird das Wetter – wütend, weil ihm stetig steigende Konzentration von Kohlenstoff in der Atmosphäre zugemutet wird? Oder ist es – ein Wüterich, der mit Menschen und Natur macht was es will? Oder – beides? Egal: die Autorin Dr. Friederike Otto braucht sich um derlei Spitzfindigkeiten nicht zu kümmern. Sie ist inzwischen zur Gewinnerin des Umweltpreises aufgerückt, außerdem laut Amazon die Nummer eins in der Sachbuch-Preisliste. Ich habe ihr Buch sogar in der Mediathek einer südwestdeutschen Kleinstadt gefunden. Heute habe ich erfahren, dass sie inzwischen ein zweites Buch geschrieben hat. Da ich mich einst mit ähnlichen Phänomene beschäftigt habe (siehe nach in Extreme Events in Nature and Society, Springer Verlag, 2005), werde ich an dieser Stelle zu einer recht umfangreichen Besprechung ausholen.

FO plagt sich nicht mit Vermutungen. Für sie steht fest, dass vor allem die spektakulären Ereignisse unter den extremen Kandidaten durch die Klimaänderung hervorgerufen, zumindest aber maßgeblich davon beeinflusst werden. Starkregen, Überflutungen, Orkane, Taifune, Hurricans, Hitzewellen, als auch deren Gegenteil, wie Dürre, Flaute und Kältewellen werden durch zunehmenden Kohlenstoff in der Luft wahrscheinlicher. Doch nicht nur das. Die Ereignisse wiederholen sich in kürzeren Abständen, mit höherer Intensität und größerer zeitlicher und räumlicher Ausdehnung. Ihre Folgerungen: Die Eintrittswahrscheinlichkeit solcher Ereignisse könne sich in einem wärmeren Klima verdoppeln, verdreifachen oder verzehnfachen, je nachdem. Und um das Ganze noch etwas spektakulärer zu machen, erklärt FO ihre Ergebnisse kurzerhand als Beitrag zu einem neuen Typ von Wissenschaft: es ist die Attributionswissenschaft (event attribution science).

Ist das die neue Wissenschaft? Lange bevor FO Publikationen den Büchermarkt bereicherten, waren Zeitungen, Klimaschützer und Wetterfrösche sich einig, dass extremes Wetter dem Klimawandel zugeschrieben werden muss. Man hatte Mutmaßungen zu Gewissheiten umgedeutet. Beweise gab es aber nicht. . .

Zusammenhänge zu finden ist immanenter Bestandteil jeder Wissenschaft. Im Zeitalter der Epidemiologie untersucht man z.B. die Assoziation von Lungenkrebs und Rauchen. Bekanntlich ist die Sterblichkeit wegen Lungenkrebs weitgehend auf das Rauchen zurückzuführen. Das attributive Risiko der Exponierten beträgt mehr als 90%. Allerdings ist eine Assoziation, auch wenn sie statistisch signifikant ist, nicht notwendig auch kausal.

In Wütendes Wetter wird an Hand mehrerer Beispiele erläutert, dass die Wetterfrösche Recht haben, wenn sie Wut und Wetter auf die Erderwärmung zurückführen.

Warum das so ist, habe ich aus dem Buch nicht wirklich erschließen können.

Zur Methodik, die angewendet wurde, um die These zu untermauern, habe ich, wenn auch nicht ohne Mühe, folgendes herausgelesen.

FO arbeitet mit zwei Modell-Typen, ich nenne sie alt und neu. In neu steigt der Kohlenstoff-Eintrag, in alt ändert er sich nicht. Für die folgenden Schritte habe ich eine Art Rezept zusammengestellt: