Anea - Wolfgang Greuloch - E-Book

Anea E-Book

Wolfgang Greuloch

0,0

Beschreibung

"Dein Name ist Anea", sagte Larus. Sie ist das virtuelle Geschöpf des Creators. Sie besitzt keine Empfindungen, keine Emotionen. Nur einige grundlegende Files bestimmen ihre Handlungen. Aber der Creator ist ehrgeizig, er hegt hochfliegende Pläne. Anea wird in eine Cyberwelt hineingeboren. Larus, das Wesen im Wald, erwartet sie. Es übermittelt ihr die Aufgabe des Creators, die sie erfüllen soll. Anea folgt seinen Anweisungen, kommt in das Land der Icks und erlebt bald einen Raubzug der Yps. Sie verschleppen die Kinder der Icks in ihre Höhlenwelt. Aber es sind nur die hässlichen Kinder. Die Icks sind in der Überzahl. Es wäre leicht für sie, das Rauben ihrer Kinder zu verhindern. Aber sie lassen es geschehen. Anea verfolgt den Trupp der Entführer und dringt in die unterirdische Welt der Yps ein. Eine Welt, die geprägt ist von der mystischen Verehrung ihrer Göttin, der Bergerdmutter. Nur wenn Anea die Aufgabe erfüllt, erreicht sie das nächste Level.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 128

Veröffentlichungsjahr: 2019

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Wolfgang Greuloch

Anea

Cyberfantasy // Level 1 / Genesis

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Anea

Larus

Icks und Ips

Verfolgung

Höhlenwelt

Die Kinder

Flucht

Gefangen

Verwandlung

Die Grube

Joshua

Rettung

Flucht

Außenwelt

Zurück

Am Hof

Schön und hässlich

Anea’s Kampf

Vergeltung

Die Königin

Der Boss

Der Marsch der Icks-Kinder

Larus

Impressum neobooks

Anea

Nichts!

Dunkelheit!

Langsames Erwachen. Geräusche, kaum wahrnehmbar, ein Wispern, ein Flüstern.

Zunehmende Helligkeit verdrängt die Dunkelheit. Langsam kann sie sehen. Das Licht kommt von einem Fleck über ihr, sonst um sie herum ein matter Schimmer, rötlichbraun. Sie steckt in einer Blase, gefangen in einer engen, erdfarbenen Blase. Nur der Lichtschein über ihr weist einen Weg aus dem Verlies heraus. Sie erhebt sich, streckt die Arme gegen das Licht, aber sie reicht nicht an die Öffnung heran. Sie scharrt im Sand, der sofort herabrieselt, und je mehr sie schaufelt und scharrt, füllt der Sand die Blase aus. Sie kommt dem Licht näher, gräbt weiter den Sand nach unten, kann schließlich den Kopf nach draußen schieben. Etwas, sie wusste nicht was, sagt ihr, vorsichtig zu sein.

Fast über ihr ein strahlender Ball, der seine Lichtflut mit sengender Kraft durch ein schimmerndes Blau auf den Boden wirft. Sie streckt den Kopf aus dem Loch. Welliger Sand liegt vor ihr, manchmal zu höheren Dünen aufgetürmt, manchmal einen Durchgang gewährend, aber wohin? Etwas sagt ihr, sie muss den Bau verlassen und Sicherheit suchen.

In der Ferne schimmert ein grüner Streifen, ein Gespinst aus grünen Fäden, Stämmen, Wedeln, Zweigen. Das ist ihr Ziel, da muss sie hin. Da wird sie Sicherheit finden.

Sicherheit?

Ja, etwas sagt ihr, wenn sie die Erdblase verlässt, schwebt sie in Gefahr. Gefahr?

Sie weiß es. Sie muss zu diesem Grün! Vorsichtig streckt sie den Kopf aus dem Sand, sieht sich um, der Sand liegt ruhig vor ihr, keine Bewegung ist um sie herum. Sie kriecht, springt auf, rennt los. Aber was ist das? Vor ihr springt ein Wesen auf und rennt, rechts neben ihr ein anderes Wesen, links, vor ihr, noch weitere, viele, alle rennen, wie sie. Und alle haben das gleiche Ziel, den grünen Streifen in der Ferne.

Und sie sehen alle gleich aus: schlanke, schmale Körper. Die Gesichter unter einem dunklen, strähnigen Haarschopf kaum zu erkennen. Sie rennen alle gemeinsam, wie von einem Signal gesteuert.

Sie spürt etwas näher kommen. Die Gefahr!

Ein Sirren, ein kurzes helles Zischen, ein triumphierendes Krächzen, ein Blitzen, und das Wesen links vor ihr verschwindet im Nichts, aufgelöst im grellen Licht. Noch weitere verschwinden. Die Rennenden steigern ihr Tempo, schlagen Haken, aber der unbekannte Feind, unsichtbar aus dem scheinbar grenzenlosen Blau agierend, holt ein Wesen nach dem anderen.

Sie steigert ihre Laufgeschwindigkeit. Sie darf kein Opfer werden. Sie muss das rettende Grün erreichen. Auch sie schlägt Haken, schaut im Laufen nach oben, kann keinen Feind erkennen, aber sie hört das feine Sirren, das Zischen bevor der Moloch seine Opfer verschlingt. Sie stolpert in eine Sandvertiefung, hört das bestialische Geräusch, wirft sich zur Seite und spürt das Schnappen des Ungeheuers, das ins Leere geht. Aber das nächste Mal ist es vielleicht erfolgreich. Sie springt auf, rennt weiter, nur noch vereinzelt sind andere Geschöpfe zu sehen, die wie sie, um ihre Existenz hetzen.

Und wieder das Gefahr bringende Sirren. Im letzten Moment hechtet sie zur Seite, der Moloch schreit verärgert, stößt ungezielt seinen Todesarm auf sie herab. Aber sie ändert blitzschnell ihre Richtung, bremst überraschend ihren Lauf, tritt nach hinten, wälzt sich im Sand, springt wieder auf und hechtet gebückt weiter, nur ihr Gehör auf die todbringende Gefahr gerichtet.

Der grüne Streifen kommt näher. Sie blickt schnell nach rechts und links. Sie ist die Einzige! Alle anderen sind verschwunden. Sie darf nicht auch noch scheitern. Nein, das darf sie nicht.

Im vollen Lauf bricht sie durch die grünen Zweige, die ihr entgegen peitschen. Sie hört noch einmal das fürchterliche Geräusch, rollt hinter einen dicken, schuppigen Stamm. Die Gewalt des Molochs schlägt zwischen das andere Grün, fetzt die Zweige durcheinander, trifft sie aber nicht. Sie hastet weiter, spürt, dass sie es schafft. Sie sinkt unter einen riesigen Farn, der sie mit seinem Blättergefieder bedeckt.

Nach einer Weile erhebt sie sich und geht weiter. Aber wohin soll sie gehen? Irgendetwas sagt ihr, sie soll immer tiefer in diesen geheimnisvollen Wald wandern.

Larus

Und dann sieht sie plötzlich das andere Wesen.

Wesen?

Sie weiß es. Das Wesen ist kein Baum, keine Pflanze, es besitzt Augen. Sie kann es kaum gegen den Hintergrund der grünen Wildnis ausmachen, denn es ist mit einem grünen Schuppenpanzer getarnt, ein lang gezogener, schlanker Körper, die Arme vor dem Korpus gekreuzt, die Finger erstaunlich feingliedrig. Das Gesicht, rund, grün, mit winzigsten Schuppen; ein Mund, der nach vorne ragt, mit gewölbte Lippen, gleichmäßig grün. Die Augen, weder Entenaugen noch Echsenaugen, gelbe Menschenaugen. Sie weiß es einfach.

Auch das Wesen mustert sie aufmerksam, dann winkt es mit einem seiner langen Finger. ‚Komm her’, sagt die Geste.

Sie folgt dem Wesen. Sie streifen eine Zeit lang durch den Wald. Unvermittelt hält das Wesen an, wendet sich ihr zu. Sie kann keinen besonderen Grund erkennen, weswegen das Wesen gerade an diesem Ort innehält. Es ist groß, zwei Köpfe größer als sie.

„Dein Name ist Anea!“

Name? Was ist ein Name?

‚Alles hat einen Namen, deiner sei fortan Anea beschloss der Creator’, hört sie eine Stimme aus dem Nichts, ohne dass Larus den breiten rudimentären Schnabel-Mund bewegt.

„Ich bin Larus. Der Creator beauftragte mich dich zu empfangen und dir deine Ausrüstung zu übergeben und dir die erste Aufgabe zu erklären.“

Aufgabe?

„Du bist nackt, hier ist ein Kleid.“

Nackt?

Und Larus reicht ihr ein einfaches Kleid aus hellem Tuch, mit einem Loch für den Kopf und zwei kurzen Ärmeln, das Kleid endet über ihren Knien, einen bastartiger Gürtel schlingt sie um die Taille.

„Hier ist dein Mantel“, sagt das Wesen und hält ihr einen langes Bekleidungsstück hin.

„Das ist ein ganz besonderer Mantel. Er wärmt dich bei Kälte, er kühlt dich bei Hitze“.

Kälte? Hitze?

„Seine Farbe passt sich der Umgebung an“, fährt Larus fort. „Jetzt erscheint er grün, so grün wie die Pflanzen um uns herum. Draußen in der Wüste nimmt er die Farbe des Sandes an, du wirst sehen. Und wenn du die Kapuze über den Kopf ziehst, bist du unsichtbar - Hier deine Schuhe.“

Er reicht ihr einen sonderbaren grünen Beutel mit Öffnungen.

„Das sind Schuhe aus dem Blattwerk des Clantusbaumes: einem Baum mit ganz besonderen zähen Blättern. Ich habe sie für dich angefertigt. Sie sind widerstandsfähig und verfallen nur sehr langsam. Mit den Schnüren hier, kannst du den Schaft zusammenbinden.“

Er reicht ihr faserige Schnüre. Sie schlüpft in die grünen Beutel und schnürt sie an Knöchel und Bein fest.

„Hier deine Waffe.“

Er hält ihr auf ausgestreckter Handfläche einen länglichen Gegenstand entgegen, der in das grüne Material aus dem auch die Schuhe bestehen, eingepackt ist. An einem Ende ragt ein Griff heraus.

„Eine Waffe? Was ist das? Und wofür brauche ich das?“, fragt sie.

„Das wirst du sehen, wenn du dich wehren musst. – Nimm den Pugio.“ Er zieht die Waffe am Griff aus der kunstvoll gewickelten Blätterscheide. Ein matt glänzendes, grauschwarzes Ding kommt hervor, mit einer leichten Einschnürung nach dem Heft bevor es schmal und dünn zur Spitze ausläuft, ein Handschutz und einen Knauf bieten einen festen Griff. Die Waffe ist mindestens doppelt so lang, wie es die Länge der Scheide vorgibt, länger als ihr Unterarm. Larus dreht den Pugio im Licht des Waldes, die Klinge spiegelt kein Licht, sie wirkt bedrohlich.

„Die Waffe birgt Kniffe. Der erste Kniff ist dir aufgefallen, die Klinge ist mehr als doppelt so lang wie die Scheide. Und der zweite Kniff ist: Eine Schneide der Klinge ist mit einem todbringenden Gift bedeckt, nur du kannst die Schneide erkennen.“

Er beugt sich nach vorne, legt den Pugio flach auf seinen großen Handteller einer Hand und legt einen Finger auf eine Klingenseite.

„Schau genau hin, nur du und kein anderer wird die Seite erkennen. Ich werde die Seite vergessen, wenn du gegangen bist.“

Anea schaut auf die Waffe. Sie sieht merkwürdige Zeichen in der Mitte der Klinge, aber dann erkennt sie die vergiftete Seite der Klinge.

„Wenn du einen Feind mit dieser Seite verletzt, wird er in wenigen Sekunden in Starre verfallen und nach wenigen Augenblicken ausgelöscht sein.“

Larus steckt den Pugio wieder zurück. An der Scheide ist ein breites faseriges Band befestigtes, welches jenem, mit dem sie die Beutelschuhe schnürte, ähnelt. Anea nimmt den Dolch, hängt ihn um. Er baumelt nun an ihrer linken Körperseite.

„Jetzt bist du bereit.“

„Du sprachst von einer Aufgabe?“, fragt Anea.

„Ich führe dich durch den Wald. Dann gehst du in Richtung der Mittagssonne weiter, bis du in ein schönes Land vor einer Bergkette kommst. Du erkennst den Ort daran, da die Berge besonders schroff aus dem Land hervortreten, manchmal sonderbar sind und steile Hänge besitzen. In dem fruchtbaren Land vor den Bergen leben die Icks. Es sind friedliche Wesen. Sie leben in einer geheimnisvollen Verbindung mit den Yps, die in den Bergen, in Höhlen leben, regelmäßig das Land überfallen und Kinder der Icks rauben und in ihre Höhlen verschleppen. Was dort mit diesen Kindern passiert ist unbekannt. Das Verhalten der Icks ist seltsam. Sie leisten keinen Widerstand, obwohl sie zahlreicher sind als die Yps. Es wäre ein Leichtes für sie, eine Truppe aufzustellen, zu bewaffnen und den Yps zu trotzen. Aber sie tun es nicht. Sie überlassen ihre Kinder den Yps. Ein dunkles Geheimnis liegt über den beiden Völkern. Finde heraus, woraus es besteht. Befreie die Kinder aus den Händen der Yps und bringe sie zurück. Das wird dir Aufschluss geben.“

Ein Geheimnis?

„Was ist ein Geheimnis?“, fragt Anea.

Einen Augenblick später.

„Ja ich weiß. Ein Geheimnis ist etwas das keiner wissen darf, außer ganz wenige.“

„So ist es. Und du sollst herausfinden, was dieses Geheimnis ist. Wir gehen.“

Larus schreitet voran, schaut nicht nach hinten. Er ist gewiss, sie folgt ihm. Manchmal scheint er mit dem grünen Dickicht zu verschmelzen, gleitet behänd zwischen riesigen Farnzweigen, von den Bäumen hängenden Pflanzenschlingen und in den Weg ragende Zweige hindurch und vorbei. Anea folgt ihm. Sie merkt, dass der Mantel Schutz vor zurückschnellenden Ästen und dicken Farnzweigen bietet.

So wandern sie schweigsam hintereinander durch Dickicht und Unterholz, bis das Licht der Sonne, das vermehrt bis an den weichen Boden dringt, das Ende des Waldes ankündigt. Larus verharrt plötzlich und dreht sich zu Anea um:

„Da vorne endet der Wald. Meine Mission ist hier erfüllt, vorerst. Du gehst weiter wie beschrieben. Merke dir die Stelle genau, an der du aus dem Wald trittst, denn zurück zu mir findest du nur an diesem Ort, aber das wird dir nicht schwer fallen. Wenn du zurück bist, brauchst du nicht lange zu warten. Ich werde da sein.“

Anea schaut nach vorne, in Richtung Waldgrenze. Sie hört einen seltsamen sanften Akkord aus drei Tönen in ihrem Inneren, dreht sich um, aber Larus ist verschwunden.

Anea geht weiter, wenige Schritte, und sie schaut auf eine weitläufige, hügelige Wiesenlandschaft, manchmal unterbrochen durch lockeren Baumbestand, durch Hecken umrahmte Felder, das Gelände stetig ansteigend, in schroffe Hügelformationen übergehend, manche Hügel geformt wie Kegel, manchmal aufgeworfen zu einer steilen, von Granitfelsen durchzogenen Wand, deren Ende die Landschaft auf ein höheres Plateau zu heben scheint. Hinter diesen Hügel lugen graue und glitzernd weiße Bergspitzen hervor.

Achtung!

Sie muss sich die Stelle merken. Sie schaut nach rechts den Waldsaum entlang, registriert die Formation des Geländes, sie schaut nach links, sieht die in der Ferne aufragende Bergspitze, blickt nach vorne, verankert die geometrische Struktur der Felder in ihrem Inneren.

Sie weiß, sie wird die Stelle wieder finden.

Anea wandert in Richtung Sonne, die nicht mehr bedrohlich über ihr steht, wie im Wüstenstreifen aus dem sie kam, sondern ihr Licht schräg über die Berge auf die Landschaft wirft.

Anea wandert ruhig und ausdauernd. Bald findet sie einen Weg, der aus zwei parallel laufenden Spuren besteht, die weniger mit Gras bewachsen sind als das übrige Land. Der Weg führt in Kurven über das Hügelland, an Baumgruppen und akkuraten Feldern vorbei, die manchmal mit langen Halmen, die in dicken haarigen Ähren enden, oder mit kurzem grünblättrigen Kraut, bepflanzt sind.

Ein Geräusch, über ihr, in dieser blauen Glocke, die über dieser Welt liegt. Ein Zirpen, ein Trällern, seltsame Töne. Sie sieht das Wesen, das durch die Luft flattert und sich auf der braunen Erde eines Ackerbodens niederlässt, auf dem schon andere Artgenossen mit auf und ab nickenden Köpfen in der Erde picken.

Eins, zwei schwarze Schatten, ebenfalls durch die Luft schwebende Wesen, kommen herbei und lassen sich auf dem Ackerboden nieder. Sie sind größer als die ersteren und schreiten majestätisch ruckartig vorwärts, zeigen mit ihren kräftigen Schnäbeln mal hier und mal dort hin. Die Kolonie der kleineren Wesen flattert laut schimpfend auf, steigen in sichere Höhe, drehen eine Kurve wie von einem Anführer gelenkt und lassen sich in der gegenüberliegenden Ecke der freien Ackerfläche nieder.

Was sind das für Wesen, die durch die Luft laufen können?

‚Vögel!’, antwort die Stimme aus ihrem Inneren. ‚Sie fliegen’.

Und was raschelt da drüben in den Hecken?

‚Ein Tier!’

Sie glaubt, ein glitzerndes Augenpaar in der Dunkelheit des Unterholzes zu sehen, das sie neugierig beobachtet. Sie lauscht nach innen. Ist da etwas, das ihr sagt, von diesem Tier geht Gefahr aus? Nein, sie spürt nicht das warnende Signal der Gefahr, so wie sie es wahrnahm, als sie aus dem Sandloch kroch. Dann dreht das Tier um und verschwindet gelangweilt im Blattwerk. Anea sieht flüchtig die Umrisse des Wesens, klein, weitaus kleiner als sie.

Sie wandert weiter Richtung Sonne, die unbeweglich über den Bergen steht und ein mildes, angenehmes Licht auf die Landschaft wirft. Das Gelände steigt an, aber die Hügel rücken kaum näher. Nach einer Kuppe schaut sie in eine flache Senke, die eine größere Ausdehnung besitzt und bis zu den ersten schroffen Hügeln reicht. In der Ferne ragen seltsame, ja was, Bauwerke, aus dem Gelände, aus Holz der Bäume gefertigt, manchmal auch teilweise aus Stein; abgeschlossen von nach beiden Seiten schräg nach unten laufenden vergilbt schimmernden dickem Blattwerk.

Icks und Ips

Und nun hört Anea auch Stimmen von Wesen, die in der Umgebung der Hütten auf Feldern und Wiesen beschäftigt sind. Sie ähneln den Geschöpfen, die mit ihr in der Wüste vor dem Moloch zu flüchten versucht haben. Dann sehen sie mir ähnlich, stellt Anea fest. Aber diese Wesen besitzen unterschiedliche Größen, teilweise sind sie hoch gewachsen, dann folgen alle Größenabstufungen, bis zu zwergenhaftem Wuchs. Besonders diese Sorte hüpft und wuselt um die Größeren herum oder sie jagen in kleinen Gruppen um einander.

Anea steht unter dem Blätterdach eines mächtigen Baumes, dessen Äste fast bis zum Boden reichen, und überblickt das Treiben in der Senke. Sie beobachtet die Gruppe der kleineren Wesen, die rufend, manchmal schreiend, vor einem einzelnen Wesen weglaufen, zwischen den Hütten auseinanderstieben und verschwinden. Das einzelne kleine Geschöpf geht nach einigen Augenblicken den anderen hinterher. Aber das Geschöpf kommt nur langsam voran, es kann nicht schneller. Eines seiner Beine funktioniert nicht, es zieht es ruckartig hinterher. Seine Spielgefährten springen lachend aus ihren Verstecken, schneiden Grimassen und fordern das hinkende Kind provozierend zu einer schnelleren Gangart auf.

Kind?

Das sind die Icks und ihre Kinder von denen Larus erzählte. Hier beginnt meine Aufgabe.

Aufgabe? Ja, meine Aufgabe. Sie ist sicher. Wie in der Wüste, als etwas sie vor der drohenden Gefahr warnte.