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Die lebhafte Petra wurde mit einem Schicksal konfrontiert, das es nicht gut mit ihr meinte. Ihre Mutter vom Leben enttäuscht und frustriert. Der Vater unzufrieden und nicht imstande, sich von seiner Frau zu lösen. Petra, geboren als Spielball der Eltern und deren Machtspiele, entging schon als Kind ein paar Mal dem Tod nur knapp. Bei ihren Ehemännern und Lebensgefährten suchte Petra das, was sie selbst nicht auf Dauer geben konnte, Liebe. Drei Kinder von drei Vätern hielten sie emotional am Leben. Stürme, Krankheit und der Tod ließen sie zu einer starken und harten Frau wachsen. Zu hart um zu sehen, wo die Liebe wartet. Der Engel "Angelo" war das einzige Wesen, dem sie vertraute.
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Seitenzahl: 639
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Tiergarten
Santa Barbara
Schulzeit
Erste Liebe
Neue Welt
Das Glück kommt unverhofft
1967 Eheleben
Liebe?
Segeln in Kroatien
1972 Tim
Auf und ab
Neue Familie
Zusammenraufen
Julia
Aufbruch
Entwicklung
Resignation
Abschied
Hinter Gittern
Giuseppe
Die Welt dreht sich weiter
Die Vergangenheit holt sie ein
Der Tod verhandelt nicht
1999 Weg aus Deutschland
Der Kreis schließt sich
„Angelo? Ich weiß, du stehst neben mir.“
„Schön, dass du mir vertraust. Es hat lange gedauert.“
„Ich bin jetzt beinahe siebzig Jahre alt. Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, bin ich nicht zufrieden. Ich sehe einen Strudel, der mich ansaugt und mit in die Tiefe reißt. Kurzzeitig wieder ausspuckt, um mich wieder hinabzuziehen. Weißt du, was ich meine?“
„Ich kann es mir vorstellen, ich bin dein Engel.“
„Sag jetzt nicht, du warst immer an meiner Seite. Meistens hatte ich das Gefühl, alleine zu sein. Unendlich einsam und verloren.“ „Wenn du mich auch verleugnet oder nicht an deiner Seite geduldet hast, ich war da.“
„Es hat lange gedauert, bis ich das verstanden habe. Es war nicht immer leicht zu glauben.“
„Willst du mir von deinem Leben erzählen?“
„Wie viel Zeit hast du?“
„Bis in die Ewigkeit.“
Sommer 1946, der Krieg war vorbei.
Die übrig gebliebenen jungen Männer meldeten sich teilweise zur Marine, um in den Weltmeeren nach feindlichen Minen zu suchen.
Johann Baier, vierundzwanzig Jahre jung, war einer von ihnen. Aus einer schwäbisch-bayerischen Stadt kommend, war er gewillt, die Welt aus den Angeln zu heben. Die Arbeit auf dem Minensuchboot bedeutete ihm viel, die Seefahrt betrieb er leidenschaftlich. Zwar war die Arbeit anstrengend und bedurfte einer strengen Disziplin, doch die Freiheit und Kameradschaft unter den Männern wog alles auf. Vielleicht heuerte er auf einem Handelsschiff an, wenn die Bundeswehrzeit vorbei war? Eine Überlegung war es wert.
Landurlaub in Hamburg. Es gab eine Menge Tanzlokale damals in den Häfen, die Gewissheit, ein Mädchen aufzugabeln war gegeben. Johann war ein attraktiver junger Mann, ein toller Tänzer obendrein, und so passierte das Unvermeidliche.
Er lernte die sechs Jahre ältere Gisela kennen. Das Feuer loderte, auch sie war eine attraktive junge Frau. Dass sie verheiratet war, erfuhr er erst später. Er wollte sich nur ein bisschen die Zeit vertreiben.
Gisela amüsierte sich prächtig, sie verliebte sich in den Schwaben. Er kam ihr gerade recht, um sie aus ihrer toten Ehe herauszuholen. Vielleicht war der Gedanke, den jungen Mann an sich zu binden, am Anfang nicht präsent, doch nach der ersten Liebesnacht wurde er zwingend. Aus ihrer Ehe bekam sie keine Kinder, doch Johann schaffte es.
Bingo! Im November 1946 wurde Gisela schwanger. Johann war von dieser Nachricht nicht gerade entzückt. Da er auf hoher See war und Minen suchte, schob er den Gedanken, Vater zu werden, weit weg.
Im August 1947 war es so weit. Gisela war zur Entbindung in einen kleinen Ort gefahren, einige Kilometer entfernt von ihrem Wohnort. Dort hatte sie eine Freundin, die ihr beistehen sollte. Vor allem war sie vor dem Gerede der Menschen in ihrer Heimatstadt in Sicherheit.
In diesem Nest also wurde ihre Tochter im oberen Stock einer Kneipe geboren. Wenn das kein gutes Omen war.
Der nächste Landurlaub begann für Johann mit gemischten Gefühlen. Man hatte ihm berichtet, seine Tochter sei auf der Welt. An diesen Gedanken musste er sich erst gewöhnen. Er machte sich auf den Weg, um seine neue Familie in dieser Idylle zu besuchen. Als er das Kind sah, konnte er sich eine Äußerung nicht verkneifen: „Mein Gott, hat die Kleine einen Eierkopf.“
Die Tage bei der Marine waren gezählt, seine Bundeswehrzeit abgelaufen. Nix wie weg, nach Hause, nach Süddeutschland. Seine Heimatstadt lag über achthundert Kilometer weit entfernt, vielleicht konnte er seinem Schicksal entrinnen, indem er sich in Bayern totstellte? Vielleicht könnte man Gras über die Sache wachsen lassen? Doch mit den Geschickes Mächten ist kein ewiger Bund zu flechten.
In den ersten acht Monaten war die Welt der kleinen Petra noch in Ordnung. Sie lebte mit ihrer Tante und ihrer Mutter in einer Wohnung zusammen. Hätte Gisela dem Drängen ihrer Schwester nachgegeben, die Kleine bei ihr zu lassen, wäre ihr Leben wahrscheinlich anders verlaufen.
Gisela war von der Idee besessen, nach Süddeutschland überzusiedeln und den Vater ihres Kindes an seine Pflichten zu erinnern. Sie war in der Zwischenzeit geschieden und wusste genau, was sie wollte. Doch sie ließ sich nicht davon abbringen, das Baby auf diese Reise mitzunehmen.
Reisen mit dem Zug, 1948.
Achthundert Kilometer von Norddeutschland nach Bayern, das bedeutete: Abenteuer und Action. Vor und hinter den Abteilen befanden sich Plattformen, die nur mit einer Kette abgetrennt waren. Ein Waggon, für etwa sechzig Leute konzipiert, war innen und auf den Plattformen mit etwa hundert Menschen besetzt.
Gisela zwängte sich mit ihrem Kinderwagen in den überfüllten Zug mit Flüchtlingen, Soldaten und Heimkehrern. Trotz allem Gedränge und Geschiebe passte der Wagen nicht ganz auf die Plattform. So fuhr der Zug aus dem Bahnhof, die Räder des Kinderwagens hingen in der Luft.
Irgendwie kamen sie in Johanns Heimatstadt an. Was sie dort erwartete, war der jungen Mutter nicht klar. Würde sie mit offenen Armen empfangen werden?
Die frischgebackenen Großeltern lebten mit vier erwachsenen Kindern in einer damals so typischen Wohnung. Eine kleine Wohnküche, in der sich die einzige Heizgelegenheit befand. Ein mächtiger Kohleherd mit Schiffchen, drumherum eine Holzbank, darüber eine Wäscheleine, an der diverse Kleidungsstücke hingen. Außerdem befanden sich darin eine Eckbank, ein Tisch, zwei Stühle, ein Sofa und ein Küchenschrank. Eine Toilette auf dem Gang und eine Waschschüssel für den allgemeinen Gebrauch.
Es roch nach Urin, Essen, Schweiß und Gewaltbereitschaft.
Von der dunklen kleinen Diele aus gelangte man rechts in ein kleines Zimmer, das von Johanns Schwester bewohnt wurde. In ihrer Kindheitserinnerung kamen Petra die Dinge größer vor. Hatte der Raum wirklich nur acht Quadratmeter? Geradeaus kam man direkt in das Elternschlafzimmer. Von dort aus noch einmal in einen kleinen Raum, in dem die drei Jungs schliefen. In dieser beengten Behausung sollten in naher Zukunft noch weitere zwei Personen leben.
Nun standen die beiden Reisenden, heil dieser Höllenfahrt entronnen, im April 1948 am Bahnhof.
Der Adresse Johanns mächtig, machte sich Gisela zu Fuß auf die Suche nach ihrer neuen Bleibe. Fremder konnte für sie diese schwäbische Stadt nicht sein. Die Sprache verstand sie nicht und die Menschen waren zu sehr mit ihren eigenen Problemen beschäftigt, als dass sie sich um die junge Frau kümmern konnten. Irgendwie schafften sie es, die Wohnung zu finden.
Dort angekommen empfing man sie mit Eiseskälte. Die höflichste Aufforderung war die, zu den „Preißen“ zurückzugehen. Da könnte ja jeder kommen und behaupten, das Balg wäre Johanns Tochter. Gisela wurde als Hure beschimpft, und überhaupt, wo sollte sie schlafen?
Sie ließ sich nicht beirren und verlangte, als zukünftige Schwiegertochter in die Familie aufgenommen zu werden.
So kam es also, dass sie auf dem Sofa in der Küche nächtigte, ihre Tochter Petra neben ihr auf dem Boden. Ein halbes Jahr dauerte dieser Zustand an.
Im Oktober 1948 heirateten Gisela und Johann. Seine Schwester Emma war Trauzeugin. Als verheiratetes Paar zogen sie in ihre erste gemeinsame Wohnung.
Von nun an ging’s bergab. Doch immer der Reihe nach.
Diese Wohnung, im zweiten Stock der Gastwirtschaft im Zoo, war eigentlich nur ein großer Raum. Da Johann handwerklich sehr begabt war, entstanden mithilfe einer Wand aus Holz eine Wohnküche und ein Schlafraum. Mit geschenkten Möbeln wurde daraus ein kleines Nest, in dem die junge Familie endlich alleine sein konnte.
Schloss man vom Treppenhaus die Tür auf, stand man in einer etwa hundert Quadratmeter großen Diele. Von diesem „Tanzsaal“ aus konnte man in fünf verschiedene Räume gelangen. Drei davon bewohnte eine ältere Familie. Sie bestand aus einem Ehepaar und einer Oma. Ein Zimmer war an einen jungen Mann vermietet. Den Raum ganz hinten links bewohnte Johann mit seiner Familie. Die letzte Tür beinhaltete eine gemeinsame Toilette.
Hier begann also Petras Leben.
Sie war ein Jahr alt, ihre Erinnerungen begannen erst zwei Jahre später.
Der Vater fand Arbeit in einer Brauerei. Als gelernter Schlosser wartete er Maschinen, Braukessel und andere Geräte. Sein Lohn hätte ausgereicht, um seine kleine Familie zu ernähren, und vielleicht auch um ein bisschen Geld zu sparen. Doch Gisela hatte andere Pläne.
„Johann, ich will so schnell wie möglich aus diesem Loch heraus! Ich bin es nicht gewohnt so zu hausen. Wir hatten zu Hause ein schönes Haus und einen eigenen Laden.“
Ihre Stimme klang bei dieser Anklage nicht zum ersten Mal schrill und fordernd.
„Du musst noch ein bisschen Geduld haben. Ein, zwei Jahre vielleicht, dann können wir uns eine größere Wohnung leisten.“ „Vielleicht, vielleicht! Ich habe keine Lust, so lange zu warten. Ich werde mir eine Arbeit suchen.“ „Und was geschieht mit Petra?“ „Sie ist groß genug, um alleine in den Kindergarten zu gehen. Sie bekommt einen Schlüssel und mittags soll sie sich beschäftigen, bis ich nach Hause komme. Die Familie nebenan kann nach ihr sehen.“ „Das Kind ist drei Jahre alt.“ „Ja und? So wird sie früh mit dem Ernst des Lebens vertraut.“
Johann fielen bestimmt noch einige Argumente ein, doch leider war er nicht in der Lage, sich gegen Gisela durchzusetzen. Nach drei Jahren und einem Monat bekam Petra die erste Lektion in Sachen „Erwachsenwerden“. Mit einer rauen Paketschnur befestigte Mutter den Schlüssel und band ihn ihrer Tochter um den Hals. Viele Ermahnungen später lief Petra das erste Mal alleine zum Kindergarten.
Üblicherweise liegt ein Zoo außerhalb einer Siedlung. Idyllisch, mitten in einem großen Wald, ungefähr zwei Kilometer von einer menschlichen Behausung entfernt.
Moment...! In unmittelbarer Nähe gab es einen Pferdehof, damit verbunden eine kleine Wohnanlage. Dort wohnten einige Kinder, die von einem Elternteil zum Kindergarten gebracht wurden. Den Weg dorthin konnte man als Trampelpfad bezeichnen. Immer am Waldrand entlang, rechts und links von Getreidefeldern eingerahmt, mussten die Kinder kilometerweit laufen.
Ab und zu lief Petra hinter den Leuten aus der Pferdehofsiedlung her. Doch sie spürte, sie war nicht willkommen. Die Erwachsenen ignorierten sie. Lag es daran, dass sie im Zoo wohnte, oder an ihrem ungestümen Benehmen und penetrantem Auftreten? Nachmittags, wenn der Kindergarten schloss, schlich sie sich in den Pferdestall. Dort war es warm und die Tiere rochen angenehm nach Stroh. Ihre weichen Nüstern suchten in ihren Händen nach Essbarem. Sie wusste, sie durfte dort nicht sein, die Stallburschen hatten Order, sie aus dem Stall zu werfen.
Mit den anderen Kindern war es so eine Sache.
Niemand wollte mit Petra spielen. Vielleicht lag es daran: Sie war frech und direkt, und zwickte und haute jeden, der ihr dumm kam. So formierten sich bald Gruppen, die sie verlachten und verspotteten.
Sie wollte beliebt sein, doch es gelang ihr immer wieder, unangenehm aufzufallen.
„Wie siehst du denn schon wieder aus?“ „Das waren die anderen Kinder, die haben mich in den Dreck geschubst.“ „Warum lässt du dich verprügeln? Du bist so blöd! Ich weiß nicht, was aus dir werden soll!“
Patsch! „Das ist für dein dreckiges Kleid.“ Patsch! Und noch eine schallende Ohrfeige.
Petra wusste nicht genau warum. Sie hatte sich so sehr nach einer verständnisvollen Umarmung gesehnt. Schließlich waren sie zu sechst auf sie losgegangen. Irgendwie musste sie es schaffen, dass Mutti sie liebte.
„Mutti, wir haben im Kindergarten ein Sommerfest. Alle Eltern sind eingeladen. Wir führen ein Theaterstück vor und haben ein schönes Geschenk gebastelt. Ihr kommt doch, oder?“
Freudestrahlend sah sie Gisela an. Sie malte sich aus, wie schön es sein würde, mit ihren Eltern ein Fest zu feiern.
„Ich glaub, du spinnst! Wir haben keine Zeit für solche Kindereien, wir müssen in die Arbeit. Schließlich sollst du es einmal besser haben.“ „Kannst du dir nicht einen Tag freinehmen?“ „Ich habe gerade nein gesagt. Und jetzt hau ab, sonst kleb ich dir eine.“ Die Freude platzte wie eine Seifenblase. Unendlich traurig liefen die Tränen über die Wangen. Wie so oft sehnte sie sich nach Trost und Liebe.
Mit aufgewühlten Gefühlen sah Petra dem Sommerfest entgegen. Außer ihr saßen noch zwei Mädchen alleine in der Stuhlreihe. Sonst waren alle Mütter gekommen. Sie sah, wie sie ihren Kindern applaudierten und sie in den Arm nahmen. Ihre Traurigkeit schlug in Aufmüpfigkeit um.
„Ich habe die Theateraufführung gestört, weil ich den blöden Text nicht mehr wusste. Ich wollte die Prinzessin sein, und jetzt stecke ich in einem Froschkostüm!“
Endlich war das Fest vorbei. Zu allem Unglück rutschte ihr der Kuchen vom Teller und hinterließ hässliche Flecken auf dem Sonntagskleid.
Das gebastelte Geschenk trug sie vorsichtig nach Hause. Vielleicht freute sich Mutti darüber?
Auf dem Nachhauseweg pflückte sie noch einen Blumenstrauß. Vorsichtig legte sie beides auf den Boden, um die Tür aufzuschließen. Mutti war noch nicht zu Hause. Vielleicht war es von Vorteil, das schmutzige Kleid auszuziehen? Doch das half nichts, Mutti sah es so oder so.
Die Vorfreude auf ihr überraschtes Gesicht ließ sie ungeduldig werden. Das Geschenk war auf dem Esstisch drapiert, die Blumen standen in einer Vase daneben. Es gab nichts mehr zu tun. Endlich hörte sie den Schlüssel im Schloss. Schnell lief sie hin und öffnete die Tür von innen. Sie setzte ihr schönstes Lächeln auf. „Das habe ich dir gebastelt, es ist dein Geschenk.“
„Was soll dieses Zeug auf dem Tisch? Räum es sofort weg. Vater kommt gleich, dann wollen wir essen. Ich hetze mich ab, kaufe ein und koche, und du machst Unordnung!“
Petra sagte nichts mehr. Sie warf das Geschenk in den Mülleimer und zog traurig die Tür vom Schlafraum hinter sich zu.
Gisela kam nie vor achtzehn Uhr nach Hause. Damals gab es noch keinen Bus, der unter der Woche zum Tiergarten fuhr. Von der Straßenbahnhaltestelle einige Kilometer zu Fuß oder mit dem Fahrrad, durch den langgezogenen Wald – das war ihr Heimweg. Der Herbst und der Winter stellten eine Herausforderung für Mensch und Drahtesel dar. Wenn die Stürme das Laub von den Bäumen fegten und die Nässe von Nebel oder Regen den Weg glitschig machte, war es kein Vergnügen, in der Dämmerung nach Hause zu fahren.
Der Schnee brachte Gisela oft genug zu Fall, dann kam sie erst bei Dunkelheit zu Hause an, nass und durchgefroren. Beklagte sie sich bei ihrem Mann, kam die lakonische Antwort: „Du möchtest es so.“
Der Kindergarten schloss mittags um dreizehn Uhr seine Pforten. Um sich die lange Wartezeit zu vertreiben, trieb sich die Kleine lange auf dem Nachhauseweg herum. Im Sommer pflückte sie Blumen, im Winter baute sie Schneemänner, mit denen sie sprach.
Tiere liebte sie über alles. Der Zoo war ihr Spielplatz, Tiere ihre liebsten Freunde.
Deswegen gab es öfters Ärger zu Hause. Entweder kam sie mit verkleckertem Kleid, weil es zwischen ihr und dem Lama Missverständnisse gegeben hatte. Oder sie versuchte, den großen Löwen zu streicheln, der in dem Käfig eingesperrt war. Vor dem Gitter befand sich eine Absperrung, die verhindern sollte, dass die gaffende Menschenmenge zu nah an das Tier herankam. Für Petra stellte es kein Hindernis dar. Sie schlüpfte unter der Stange hindurch und redete auf die Großkatze ein. Der Wärter schlug die Hände über dem Kopf zusammen, wenn er das Mädchen sah. Er behielt sie im Auge und kam oft noch rechtzeitig, bevor die kleine Hand durch das Gitter langte.
Zum x-ten Mal schimpfte der Zoodirektor, der im gleichen Haus im ersten Stock wohnte. Er drohte mit Anzeige oder damit, den Hosenboden straffzuziehen, wenn Johann den Besuch seiner Tochter nicht verhindern könne. Wobei für Petra die zweite Drohung mehr Schmerzen verursachen würde.
„Können sie nicht besser auf ihre Tochter aufpassen? Ständig treibt sie sich bei den Großtierkäfigen herum. Wenn ich sie noch einmal dort erwische, werde ich die Erziehung übernehmen, die sie anscheinend versäumen.“ „Sie werden meine Tochter nicht anfassen!“
Trotz ständiger Ermahnungen und Prügel ging Petra weiter zu den geliebten Spielkameraden.
Dann kam die Sache mit dem Hund. Die Kleine war mal wieder bei den Tieren und sah beim Affenkäfig ein Paar stehen, das einen wunderschönen Pudel bei sich hatte. Das Paar bewegte sich weiter auf die anderen Käfige zu. Petra hüpfte hinter den Leuten drein, streichelte den Hund und freute sich, dass auch er Zuneigung spürte.
Inzwischen waren sie außerhalb des Zoos angelangt. Die beiden bemerkten die Kleine erst, als sie schon eine Weile gelaufen waren. „Bist du nicht die Kleine, die schon im Zoo war? Wo sind deine Eltern?“ „In der Arbeit.“ „Wo wohnst du denn?“ „Da, im Tiergarten.“
Sie war vier Jahre alt und wusste nichts Anderes, als dass sie im Tiergarten wohnte. Die Leute glaubten ihr kein Wort. Sie diskutierten eine Weile und beschlossen, Petra mitzunehmen. Bei der nächsten Polizeiwache gaben sie das Kind ab. Die Beamten taten ihr Bestes, das Kind auszufragen. „Jetzt sag uns doch mal, wo du wohnst?“ „Bei den Tieren.“
„Dort kann man doch nicht wohnen.“ „Doch, ich schon.“ „Wie heißt du denn?“ „Petra.“
Abgesehen von ihrem Vornamen konnte sie keine Angaben machen. Es dauerte eine Weile, bis die Polizeibeamten durch geschickte Fragen und ein Telefongespräch mit dem Zoodirektor wussten, dass die Kleine tatsächlich dort wohnte.
Petra hatte keine große Lust, nach Hause zu gehen. Die Polizisten waren alle sehr nett. Sie schenkten ihr Bonbons und Schokolade, und freuten sich über die Abwechslung im Revier. Die Kleine genoss die Aufmerksamkeit, die ihr zuteilwurde. Bald war der Spaß zu Ende. Mit dem Polizeiwagen wurde sie nach Hause gebracht. Gisela war entsetzt. Nicht nur, dass sie eine missratene Tochter hatte, nein, jetzt wurde sie auch noch zum Gerede der Nachbarn. Im Polizeiwagen nach Hause gebracht - wie peinlich! Was sollte sie nur mit diesem Kind anfangen? Nichts half, keine Schläge, keine Strafen, keine Verbote. Auch dieses Mal setzte es wieder eine Tracht Prügel – und ab ins Bett ohne Abendessen.
Die Eltern arbeiteten beide in einer großen Brauerei. Gisela in der Limonadenherstellung und Johann bei den Bierbrauern im Sudhaus. Große Braukessel verbreiteten eine immense Hitze. Da war es nicht verwunderlich, dass die Männer Durst bekamen. Eben gegen diesen Durst tranken sie Bier. So blieb es nicht aus, dass Johann mehrmals die Woche sehr spät und sehr betrunken nach Hause kam. Wie er es schaffte, auf seinem Fahrrad in Schlangenlinien den Weg zu finden, blieb sein Geheimnis. Manchmal warf ihn der Drahtesel ab, es gelang ihm jedoch die ganzen Jahre, einigermaßen heil nach Hause zu kommen. Dort angekommen warf er seine Kleidungsstücke in eine Ecke und wollte nur noch schlafen.
Jedoch hatte er die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Gisela lag wach im Bett, sah alle paar Minuten auf die Uhr und steigerte sich immer mehr in ihre Wut hinein. Kaum schlich Johann ins Schlafzimmer, fiel Gisela über ihn her:
„Kommst du schon wieder besoffen nach Hause?! Ich sitze hier, warte auf dich, und du hurst mit anderen Weibern herum!“ „Frau, lass mich schlafen, ich bin müde. Ich habe den ganzen Tag hart gearbeitet.“ Johanns Stimme klang schläfrig und ruhig. Er ließ sich nicht beirren und legte sich ins Bett.
Petra spürte Unruhe. Nicht das erste Mal ging die Nachttischlampe aus und an. Sie wusste, was jetzt kam. Ihr kleiner Körper war in Hochspannung. Leise betete sie: „Bitte, lieber Gott, lass meine Mutti aufhören zu schreien, bitte, bitte.“
Sie wusste genau, was passierte, wenn sie nicht endlich den Mund hielt. Doch Gisela dachte nicht daran, Ruhe zu geben. Sie saß im Bett und keifte weiter:
„Das ist nun der Dank dafür, dass ich alles für dich und das Kind tue. Ich schufte, damit wir es einmal besser haben, und du verprasst das Geld mit anderen Weibern. Wenn ich dieses Kind nicht hätte, dann wäre ich schon lange nicht mehr da. Das sage ich dir, eines Tages bringe ich mich um und das Kind nehme ich mit mir.“
Petra lag schweißgebadet in ihrem Bettchen. Angst schnürte ihr die Kehle zu. Sie traute sich nicht sich zu bewegen. Vielleicht vergaßen sie, dass sie da war?
Dazu kam, dass sie einen unerträglichen Juckreiz verspürte, seit sie im Bett lag. Der Drang sich zu kratzen wurde übermächtig. Doch sie lag da und hielt den Atem an.
Die keifende Stimme ihrer Mutter wurde immer lauter. „Warum sagst du nichts? Hab’ ich recht? Hast du eine andere?“
Johann verhielt sich immer noch ruhig. Nur der Atem verriet, dass seine Nerven zum Zerreißen gespannt waren. Jetzt zog Mutti ihm die Decke weg und dann passierte, wovor Petra am meisten Angst hatte. Mit einem Zischen blies Johann die angestaute Wut aus dem Mund. Mit einem Ruck saß er im Bett und gab Gisela eine Ohrfeige. „Ich sage es dir zum letzten Mal, halt endlich deinen Mund.“
Sie wehrte sich, schlug nach ihm. Doch er hielt ihre Hand fest. Plötzlich sprang sie aus dem Bett und lief in die Küche. Dort holte sie einen Handbesen und wollte auf ihn eindreschen. In einem Handgemenge entriss er ihr die Waffe und verletzte sie dabei heftig am Ohr.
Gisela blutete, jetzt erfolgte die Ernüchterung. Sie ließ den Besen fallen und lief schluchzend in die Küche.
Johann lief ihr hinterher, um sich das Ohr anzusehen. „Fass mich bloß nicht an, sonst vergesse ich mich!“
Er zuckte mit den Achseln und drehte sich um. „Wie du möchtest, ich wollte nur helfen.“ Endlich kehrte Ruhe ein. Sie schwiegen jetzt beide, lagen weit voneinander entfernt im Bett.
Bald war Johann eingeschlafen, nur Gisela lag lange wach. Sie sinnierte über ihr Schicksal. Erst gegen Morgen forderte der Körper sein Recht.
Auch Petra entspannte sich langsam. Sie wurde von diesem Jucken geplagt. Immer wieder wachte sie auf und kratzte sich die Haut blutig.
Nach solchen Streitnächten bekam Gisela Muttergefühle. Am nächsten Morgen kam sie an das Bettchen, schlug die Decke nach hinten und starrte entsetzt auf ihre Tochter. Mit blutunterlaufenden Striemen, übersät mit Stichen und Bissen, lag Petra in ihren Kissen. Johann rasierte sich in der Küche, als sie anfing zu keifen: „Schau dir das einmal an! In so einem Dreckloch lässt du deine Familie wohnen! Das Kind wurde von Wanzen gebissen. Und was das wieder kostet! Die Matratze und das gesamte Bettzeug müssen ausgewechselt werden.“ Johann sagte nichts. Nicht, dass ihn das Schicksal seiner Tochter nicht rühren würde, doch es war besser, den Mund zu halten. „Geh mit ihr zum Arzt und lass dir eine Salbe verschreiben.“
Damit war für ihn die Sache erledigt. Er verließ die Wohnung und hörte sie schimpfen, bis er die Wohnungstür hinter sich zuzog. Gisela wurde bewusst, wie einsam die nächsten Nächte würden. Johann kam nur noch sporadisch nach Hause. Er legte sich eher ins warme Sudhaus und schlief dort, bevor er die Tiraden seiner Frau ertrug.
Das Leben ging weiter. Ohne sich auszusprechen, redeten sie wieder miteinander. Es ergab sich so, schließlich musste man zusammenleben. Doch die Idylle hielt nicht lange an. Giselas Art, ihren Mann zu unterdrücken und zu manipulieren, brachte Johann mit der Zeit in ein Vakuum. Er hörte ihre Anschuldigungen und Anklagen, doch er verinnerlichte sie nicht mehr. Mit der Zeit wuchs ihm ein dickes, seelisches Fell.
Manchmal, wenn ihr seine Gleichgültigkeit so auf den Geist ging und sie ihn am liebsten geschüttelt hätte, griff sie zu drastischen Maßnahmen.
„Petra, komm her zu mir.“ Zögernd ließ die Kleine von ihrer Puppe ab und lief gemächlich zu ihrer Mutter. Irgendetwas stimmte nicht. Es war etwas im Busch, das spürte sie genau.
„Komm her zu mir. Komm, du brauchst keine Angst haben.“ Die Mutter lockte mit sanften Tönen. Genau das störte Petra. Diese Stimme führte etwas im Schilde, sie kannte einen anderen Ton. Jetzt stand sie vor Gisela, die in kniender Haltung vor der Backröhre des Gasherdes hockte. Was machte sie da unten? Petra sah keinen Kuchen, den sie in die Röhre schieben konnte. Mutti nahm ihre Tochter an der Hand und drehte mit ernster Miene den Gashahn auf. Ein merkwürdiger Geruch entwich dem Schlund. „Komm her zu mir, Petra, setz dich vor mich.“
„Ich will nicht. Ich habe Angst.“ Sie zerrte die Kleine am Ärmel zu sich herunter, nahm ihren Kopf und hielt ihn in dieses stinkende Loch. Mutter tat das Gleiche. Doch das tröstete Petra nicht im Geringsten.
Dieser Geruch war so scheußlich, ihr wurde davon übel. „Lass mich los!“ Petra versuchte verzweifelt, sich aus den Händen zu befreien. Es gelang ihr nicht. Von weit her hörte sie Stimmen… Dann ein lautes Klopfen, ein Krachen und Splittern. Im nächsten Augenblick hob sie jemand hoch…
Der Gasgeruch breitete sich auch in den anderen Wohnungen aus.
Keiner sperrte sie in eine Psychiatrie. Niemand nahm ihr das Kind weg. Petra musste sich ihrem Schicksal fügen.
Zwei-, dreimal übten die beiden dieses „Überlebenstraining“ im Laufe der Jahre, in denen die Familie in „diesem Loch“ hauste, wie sich Gisela auszudrücken beliebte. Petra legte sich eine gehörige Portion Sarkasmus zu, wenn sie später daran dachte.
„Petra, du bist stark. Du wirst deinen Weg gehen. Ich verspreche dir, immer neben dir zu sein.“
„Wer redet mit mir? Ich sehe niemanden. Höre ich schon Gespenster?“
„Keine Gespenster, Kleines. Dein Schutzengel. Ich bin hier, um dich zu beschützen.“
„Ein Engel? Meine Oma glaubt an Engel. Meine Mutti sagt, das ist Humbug. Also vergiss es, dich gibt es nicht.“
„Ich kann dich verstehen, es ist schwer. Im Laufe deines Lebens wirst du an mich glauben. Ich bin hier, wenn du mich brauchst. Es gibt Dinge, die wahr sind, auch wenn man es nicht glaubt.“
„Lass mich in Ruhe. Wo warst du, als ich hilflos in der Backröhre steckte…, hm? Gib Antwort. Wo warst du?“ Nichts mehr, keine Stimme, kein Laut.
Dann war da noch die Geschichte mit den Schlüsseln.
Seit ihrem dritten Geburtstag trug sie das Band um den Hals. Den Tag über war sie auf sich alleine gestellt.
Im Sommer vertrieb sie sich die Zeit draußen in der Natur. Kein Baum war zu hoch, kein Zaun zu wackelig, und kein Tier zu groß. Bei diesen Aktionen konnte es durchaus passieren, dass sie mit dem Band hängenblieb und es zerriss. Es lag in der Natur der Dinge, was dann passierte:
„Oma Rita, ich habe bei dir geklingelt, weil ich meinen Schlüssel verloren habe.“ „Na, dann komm rein, kannst gleich mitessen.“ „Meine Mutti wird mich wieder schimpfen wegen dem Schlüssel“, meinte die Kleine kauend, „kannst du nicht mit ihr reden?“ „Ich glaube nicht, dass sie mit dir schimpft. Sie hat dich doch lieb.“ „Ich bin mir da nicht so sicher, sie sagt es nie. Du hast mich lieb, oder?“ „Ich mag dich, doch deine Mutti liebt dich sicher. Sie hat eben eine besondere Art, es zu zeigen.“
„Hmmm…“
Bei der Nachbarin fühlte sich die Kleine geborgen, sie hatte immer ein offenes Ohr. Dass ihre Mutti sie liebhatte, hörte sie heute zum ersten Mal. Gleich am Abend würde sie der Frage nachgehen. Doch dazu kam es nicht.
„Du bist doch ein nichtsnutziges Geschöpf“, begann Gisela ihre Predigt. „Glaubst du, ich gehe in die Arbeit, nur um dir ständig neue Schlüssel zu kaufen? Wenn dein Vater nach Hause kommt, gibt es mal wieder eine richtige Abreibung. Solltest du noch einmal einen Schlüssel verlieren, kriegst du keinen mehr. Dann kannst du draußen warten, bis ich nach Hause komme. Ich will auch nicht, dass du die Nachbarn ständig belästigst.“
Die anschließende Ohrfeige erübrigte die Frage, ob Mutti sie liebhatte. Petra verkroch sich in die kleine Nische zwischen dem wuchtigen Kleiderschrank und ihrem Bettchen. Dort saß sie zusammengekauert und dachte über Schlüssel nach. Sie weinte schon lange nicht mehr, wenn Mutti sie ohrfeigte, es brachte nichts. Und der blöde Engel konnte ihr gestohlen bleiben! Wenn er seinen Job anständig erledigen würde, käme sie nicht immer wieder in so eine Misere.
Morgen würde sie es wieder versuchen. Morgen wollte sie ganz brav sein. Mutti sollte keinen Grund haben, sie zu schlagen.
Es musste Anfang Dezember gewesen sein. Schon am nächsten Tag ergab sich die Gelegenheit, Oma Rita und ihren Eltern eine Freude zu bereiten.
Da sie keine Schlüssel mehr hatte, verbrachte Petra den Tag zu Hause. Erst spielte sie mit der Puppe Greta. Sie brauchte dringend ein anderes Kleid und ihr Gesicht klebte noch vom letzten Versuch, sie zu schminken. So weit, so gut, immer diese Puppe aus- und anzuziehen wurde nach einer Weile langweilig. Was konnte sie nun erledigen?
„Ich könnte nach dem Feuer schauen, seit heute Morgen ist es sicher schon heruntergebrannt.“ Petra übte schon früh, mit sich selbst zu sprechen.
Mutti entzündete morgens das Feuer im Kohleherd in der Küche. Dann waren alle aus dem Haus. Erst am Abend wurde es wieder entfacht. Heute war es anders, heute war Petra da und es wurde kalt in der Wohnung. Die Ofentür klemmte etwas, doch nach einigen Versuchen gab sie nach. Aus dem Loch flog etwas Glut heraus, Gott sei Dank war ein Blech auf dem Boden angebracht. Petra steckte ein dickes Scheit Holz in die Öffnung und legte noch ein Brikett darauf, wie sie es bei den Eltern beobachtet hatte.
Anschließend waren ihre Hände schwarz, wie die ihrer Negerpuppe. Sie wischte sie an dem dicken Stoff ihres Rockes ab. Jetzt sah sie, dass etwas Glut kleine Löcher in den Holzboden gebrannt hatte.
„Ist schon passiert“, stellte sie lakonisch fest. Nach dieser schweren Arbeit legte sie sich eine Weile auf das elterliche Bett und überlegte, was sie als Nächstes tun konnte.
„Ich könnte probieren, ob ich auf den Regalbrettern im Wäscheschrank hochklettern kann.“
Dazu muss man wissen, dass der wuchtige, dreitürige Schrank aus massivem Holz bestand. Drei Regalbretter, auf denen säuberlich verschiedene Wäscheteile lagen, gab es zu erklimmen. Petra hatte beobachtet, wie Mutti, auf dem untersten Regalbrett stehend, etwas Geheimnisvolles ganz nach oben legte.
Gesagt, getan. Ein Stuhl war schnell zur Hand. Im untersten Fach gab es nichts zu entdecken. Auf dem zweiten Brett stehend sah sie sich um. Außer Wäsche war hier auch nichts. Also weiter hoch. Auf dem oberen Regalbrett, versteckt unter Tischdecken, lagen wunderschöne Dinge, die sie noch nie gesehen hatte. Ein Mensch-ärgere-Dich-nicht-Spiel, ein kleiner Fotoapparat, und noch einige andere Dinge. Das Mädchen warf die Beute auf das Bett, kraxelte hinunter und sah sich alles genauer an. In dem winzigen Fotoapparat konnte sie kleine Bilder sehen. Sie musste nur den Knopf drücken und das nächste Foto erschien. Entzückt von diesen schönen Frauen in Unterwäsche und Badeanzügen steckte Petra den Apparat ein.
„Den nehme ich mit in den Kindergarten“, freute sie sich, „damit gewinne ich bestimmt Freunde.“
Aus dem Spielekarton entnahm sie die lustigen bunten Figuren. Aus jedem dieser Einzelteile wollte sie den Eltern und Oma Rita ein Geschenk machen. Leider fand sie nur altes Zeitungspapier. Sorgfältig packte sie das Geschenk für Oma Rita ein.
Das Spielbrett bekam Vati, die Würfel waren für Mutti bestimmt. Mit glühenden Wangen verpackte sie die Präsente. Konnte es kaum erwarten, bis die Eltern nach Hause kamen.
Die würden Augen machen!
Oma Rita bekam ihr Geschenk sofort. Sie freute sich sehr, bedankte sich und zog Petra zu sich heran.
„Das ist eine liebe Geste von dir. Du wolltest mir eine Freude bereiten. Aber…“ Weiter kam sie nicht. Petra entzog sich ihren Armen. „Ich hab’ jetzt keine Zeit! Meine Mutti kommt gerade. Ich möchte ihr gleich das Geschenk geben, jetzt muss sie mich liebhaben!“
Die Eltern zogen schon in der Diele ihre Mäntel aus. Noch bevor sie die Tür zur Wohnung aufschlossen, lief ihnen Petra entgegen. „Ich habe Geschenke für euch.“ Freudestrahlend streckte sie ihnen ihre Präsente entgegen. Drinnen fielen der Mutter erst der schmutzige Rock, dann die kleinen Brandlöcher vor dem Herd auf. Ihren Augen entging nichts. Bevor sie Luft holen konnte, klopfte es.
„Guten Abend, Frau Baier. Ich möchte ihnen dies hier zurückbringen. Es gehört bestimmt zu einem Spiel. Petra hat es gut gemeint und ich habe mich sehr über das Geschenk gefreut.“ Sie blinzelte Petra verschmitzt zu. Gisela verstand nichts und starrte auf die Spielfiguren in Oma Ritas Hand. Ihr Gesicht veränderte sich zusehends, als sie das Zeitungspapier ihres Päckchens löste. Als sie sah, was sie in der Hand hielt, und sich alles zusammenreimte, flippte sie aus.
„Du undankbares Gör. Was erlaubst du dir eigentlich? In dem Schrank herumzuwühlen und die Weihnachtsgeschenke herzugeben!“ Oma Rita murmelte: „Seien Sie nicht so hart zu ihr, sie hat es ja nicht gewusst.“ Gisela starrte Oma Rita mit blitzenden Augen an. „Bitte mischen Sie sich nicht in unsere Familiengeschichten ein!“ Rita sagte nichts mehr, schüttelte den Kopf und zog die Tür hinter sich zu.
Die Beschimpfungen dauerten noch eine Weile an. Plötzlich griff sie Johann an. „Tu doch etwas! Du musst sie gründlich verhauen!“
Petra verstand die Welt nicht mehr. Was hatte sie Schlimmes getan? Wozu war die Tracht Prügel, die sie von Vater bekam? Sie wollte ihnen nur eine Freude machen, wollte doch nur geliebt werden. Und wieder einmal schlief sie weinend ein.
Die Kleine beschloss, den Fotoapparat zu verschweigen. „Ich lege ihn zurück, nachdem ich ihn im Kindergarten gezeigt habe.“
Damit war der nächste Ärger vorprogrammiert.
Der kleine Apparat mit den Bildern war im Kindergarten der große Renner. Alle Kinder wollten hindurchsehen und Petra stand zum ersten Mal im Mittelpunkt. Nach einer Weile wurde die Kindergärtnerin aufmerksam. „Was habt ihr denn da?“
Spätestens jetzt wurde Petra bewusst, dass wieder Ärger ins Haus stand. Schnell versteckte sie das Corpus Delicti hinter ihrem Rücken. Die Erzieherin nahm es ihr weg und erblasste.
„Wo hast du das her?“ „Von niemandem, ich habe es gefunden“, stotterte Petra.
Um die Sache kurz zu machen – sie rief beim Zoodirektor an. Nur er war im Besitz eines Telefons. In dringenden Situationen durfte man ihn stören. Er war über den Anruf nicht gerade erfreut, Johann und er waren nicht die besten Freunde.
Gisela wurde zum Kindergarten zitiert. Nein, das Problem erlaube keinerlei Aufschub. Für diesen Besuch musste sich Gisela einen Tag beurlauben lassen. Alleine das machte sie schon wütend. Vor Ort wurde sie aufgeklärt, welch verdorbene Tochter sie hatte. Dass sie besser auf ihr Kind aufpassen solle, oder man müsse Konsequenzen ziehen. Solche pornografischen Bilder wurden in diesem moralisch einwandfreien Kindergarten nicht geduldet.
Gisela war das erste Mal sprachlos. Auf dem Nachhauseweg stellte sie sich unterschiedliche Arten der Strafe vor, die sie ihrer Tochter auferlegen wollte. So konnte es nicht weitergehen. Was machte sie nur falsch? Sie gab dem Kind alles, was es brauchte: Ein Dach über dem Kopf, Essen und Trinken. Wie viele Kinder mussten diese Dinge entbehren? Oh, wie konnte das Mädchen nur so undankbar sein? Sie vor dem Kindergartenpersonal so zu demütigen! Es steckte etwas Böses in dem Kind, davon war sie überzeugt. Sie würde mit ihrem Mann reden, vielleicht wäre es für alle besser, sie in ein Heim zu geben. Diese Drohung würde Petra zur Vernunft bringen. Ja, das ist die Lösung.
Nach wiederholten Beteuerungen, dass sie einmal in der Gosse landen werde, und dass sie nicht einen Pfifferling wert sei, hörte Petra zum ersten Mal das Wort „Heim“. Die Tochter reagierte ganz anders als erwartet: „Ich würde mich freuen, dorthin zu gehen. Vielleicht habe ich es dort besser.“
Die gemeinen Worte, die über sie ausgeschüttet wurden, gerieten mit der Zeit in Vergessenheit. Am zerschundenen Rücken blieb die Erinnerung haften. Am meisten tat die Verachtung weh.
Wieder vergingen drei Jahre. Fünf Wochen nach ihrem sechsten Geburtstag wurde Petra eingeschult.
Der erste Schultag war aufregend. Mutter und Tochter verlebten einen wunderschönen Nachmittag. Einer der seltenen Tage, an denen beide glücklich waren. Die Schultüte steckte voller Leckereien. Die erste Stunde in der Klasse, in der die Eltern dabei sein durften, wurde viel gelacht. Anschließend lud Gisela ihre Kleine zum Eis ein. Petra wünschte, der Tag würde nie zu Ende gehen. Erst am späten Nachmittag liefen sie Hand in Hand am Waldrand entlang nach Hause.
An Petras Tagesablauf veränderte sich nichts. Bis die Eltern nach Hause kamen, sollte sie ihre Hausaufgaben erledigt haben. Der Befehl war da, der Wille auch. Doch gegen Gedanken, die ständig abschweiften, war man machtlos. Die Eltern interessierten sich am Abend nicht mehr für die Anstrengungen der Tochter. So kam es, dass die Hausaufgaben selten gemacht, oder wenn, dann falsch waren.
Das löste bei der Lehrerin selten Begeisterung aus.
Um sich ein Bild über Petras familiäre Verhältnisse zu machen, schickte die Lehrerin einen Brief an die Eltern. Johann las den Inhalt und wetterte: „Kann die Lehrkraft mich nicht in Ruhe lassen? Sie soll ihre Aufgabe lösen und ich die meine.“ Doch dass etwas geschehen musste, das wurde zu Hause diskutiert. Wie sollte Petra die Schule schaffen, wenn sich niemand um sie kümmerte? Gisela lehnte es strikt ab, zu Hause zu bleiben. Jetzt, wo endlich eine neue Zukunft in einem eigenen Haus in Sicht war. Dann hatte Johann eine brillante Idee: „Warum schicken wir sie nicht in den Hort? Sie ist unter Aufsicht, bekommt zu essen, und die Aufgaben werden betreut.“ Diese Idee wurde einstimmig angenommen.
Von da ab lief Petra direkt nach der Schule zum Hort. Das eigene Haus musste noch ein bisschen länger warten, der Hort verschlang einen Teil von Giselas Lohn. Doch allen ging es mit dieser Lösung gut. Um siebzehn Uhr schloss der Hort seine Pforten, bis Petra nach Hause kam, waren die Eltern auch da.
So auch an jenem heißen Hochsommertag. Petra zog die Jacke aus und schleifte sie mit dem Schulranzen zusammen hinter sich her. Sie trödelte, hielt den Kopf gesenkt und beobachtete das rege Treiben im Gras. Sie wollte keinen Käfer, keine Heuschrecke verpassen. Fasziniert schaute sie den Krabblern zu, besonders die Ameisen hatten es ihr angetan. Wie sie schwere Last in ihren Bau trugen, hin und her, hin und her. Nur aus diesem Grund bemerkte sie den Mann erst, als er genau vor ihr stand.
Er war ein Riese. Alles an ihm war schwarz. Die Haare, Augen, Bart, Schuhe, Hose und sein Mantel. Mantel? Wieso trug er bei dieser Hitze einen Mantel? Jetzt kam er einen Schritt auf sie zu.
Und jetzt spürte sie die Angst, die schleichend von ihr Besitz ergriff. Petra blieb stehen und starrte den Fremden an.
„Hallo Kleine. Willst du mal was Schönes sehen?“ Die Stimme war schmeichelnd und sanft, fast eine Einladung, noch einen Schritt näher zu kommen. Doch sie konnte sich nicht bewegen. Ohne eine Antwort abzuwarten, löste er den Gürtel. Der Mantel öffnete sich, die Hose fiel herunter.
In diesem Moment löste sich die Starre. Ein markerschütternder Schrei gellte durch die flirrende Luft.
Petra schrie und rannte, rannte, rannte...
„Warum hast du dieses schlimme Ereignis nicht deinen Eltern erzählt?“
„Was willst du von mir? Ich will nicht, dass du mit mir redest! Ich sehe dich nicht und will, dass du verschwindest! Meinen Schutzengel stell ich mir anders vor. Du bist nie da, wenn ich dich dringend brauche. Also halt die Klappe!“
„Ich habe dich vor Schlimmerem beschützt, glaube mir. Ich kann dein Leben nicht lenken, dich nur vor den schlimmsten Dingen bewahren. Wenn du es auch noch nicht glauben kannst, ich bin dein ganzes Leben neben dir. Du kannst immer auf mich zählen.“ „Ich weiß nicht, was ich glauben soll, und warum ich einen Engel brauche, um mit jemanden zu sprechen.“ „Du hast meine Frage noch nicht beantwortet.“
„Warum sollte ich es erzählen? Ich weiß sowieso, Mutter gibt mir dafür die Schuld. Ich weiß nicht wie, doch sie schafft es, dass ich mich schuldig fühle. Ich erzähl gar nichts mehr, es wird immer gegen mich verwendet.“
Die schönsten Erinnerungen begleiteten Petra von den warmen Sommern. Wenn sie auch meistens alleine war, so liebte sie es doch, zwischen den blauen Kornblumen und den roten Mohnblumen am Rand des Feldweges zu laufen. Barfuß oder mit leichten Sandalen, ein kurzes Röckchen mit einer Bluse, den Schulranzen zog sie hinter sich her. Oft lag sie glücklich im Gras und vergaß die Zeit.
An den Wochenenden unternahm die Familie oft Ausflüge in den Schrebergarten der Großeltern. Dort trafen sich Onkel und Tante, Opa und Oma. Eine große, glückliche Familie. Zumindest kam es Petra an diesen Tagen so vor.
Bei Kaffee und Kuchen saßen alle um den großen Tisch und erzählten von Leuten und Episoden, die Petra nicht kannte. Ständig von Ermahnungen begleitet, sich nicht zu beschmutzen, keine Leute zu belästigen, keine Hunde zu streicheln, lief Petra im Labyrinth der Gartenanlage herum. In diesem Paradies machte die Liebe zur Oma und zur Freiheit alles wett.
Vati war der Ansicht, seine Tochter müsste schon früh schwimmen lernen. Schon mit drei Jahren nahm er die Kleine auf dem Rad mit an den Eiskanal. Dieser künstlich angelegte Kanal, der im Hochsommer höchstens achtzehn Grad Celsius erreichte, war das Ziel der Sommergäste. Das besondere an dem Kanal war die Strömung. Oben sprang man hinein – die weniger Mutigen kletterten die Leiter hinunter – dann ließ man sich treiben. Bevor der große Rechen kam, hielt man sich an der Leiter fest und kletterte wieder hinaus. Dieses lustige Spiel konnte man den ganzen Tag über treiben.
Bei Petra war es anders. Vati stand am Rand des schnell fließenden Wassers, warf die Tochter hinein und hechtete hinterher. Er packte sie und hievte sie auf seinen Rücken. Petra klammerte sich an seinem Hals fest, dann schwamm er los. Das Wasser erschien ihr im Moment kalt. Doch die Vorfreude, mit ihrem Vater den schnellen Ritt bis zum Ende des Kanals erleben zu dürfen, ließ sie alles vergessen. Angst kannte sie nicht, schon gar nicht vor Wasser.
Ganz anders stellte sich der harte Winter dar. Die Eltern vereinbarten mit der Leiterin des Horts, Petra nur in Begleitung anderer Kinder aus der Pferdesiedlung nach Hause laufen zu lassen. Um vier Uhr wurde es dunkel und keiner wollte die Verantwortung übernehmen, sollte die Kleine alleine losmarschieren. So trottete sie hinter den Müttern drein, die mit einer Taschenlampe die Vorhut bildeten.
Eigentlich musste die Kleine so schnell es ging nach Hause laufen, ihre Kleidung war nicht unbedingt für den strengen Winter geeignet. Es gab keine Skianzüge oder warmen Stiefel mit Fell. Der Rock war aus einem festen Wollstoff genäht. Darunter dicke, kratzige, gestrickte Strümpfe, die bei den Schenkeln an Strapsen befestigt waren.
Die Lederstiefel waren eine Nummer zu klein, und auch am Tag danach noch mit einer Restnässe durchzogen. Ein kurzer Mantel trug nicht gerade dazu bei, den Körper warm zu halten.
Doch warum sollte sie sich beeilen, nach Hause zu kommen? Dort wartete eine kalte Wohnung auf sie. Mittlerweile hatte sie gelernt, das Feuer in der Küche anzuzünden. Doch bis die Wärme im Zimmer blieb, dauerte es eine Weile. Es dauerte immer noch zwei Stunden, bis ihre Mutter heimkam; so lange saß sie alleine in der Wohnung und fühlte sich verlassen.
Der Waschtag bedeutete eine besondere Herausforderung. Waschmaschinen gab es nicht und auf dem Herd in einem Topf konnte man nur kleine Wäschestücke wie Unterwäsche oder Socken waschen. Deshalb packte Gisela alle vier Wochen den alten Seesack aus dem Fundus von Johanns Militärzeit mit Bettwäsche, Hemden und allem, was sich angesammelt hatte.
„Petra, trödle nicht herum. Wir müssen los“, ermahnte sie ihre Mutter zum dritten Mal. Die Kleine erinnerte sich noch allzu gut an diese strengen Winter. Der Schnee lag meterhoch an den Wegrändern, die Straße war vereist und es war bitterkalt.
Allein das Aufsteigen bedeutete ein schwieriges Unterfangen. Mutter hob Petra auf den Gepäckträger. Der Seesack lag quer auf der Stange, und jetzt versuchte sie, das rechte Bein über den Sattel zu schwingen. Der eisige und schneebedeckte Belag des Weges ließ das aber nicht zu.
Aus Furcht vor dem, was jetzt kam, versteifte sich Petras Körper. Im nächsten Augenblick lagen sie schon im Straßengraben. Das tat weh und Petra fing an zu weinen. Der kurze Mantel schob sich nach oben und gab ein Stück Schenkel frei. Die kratzigen Wollstrümpfe bedeckten nur bedingt ihre Beine. Die dünnen Schuhe waren völlig durchnässt und die Finger blau vor Kälte.
„Hör auf zu heulen“, schrie Mutti sie an, „denkst du, mir macht das Spaß? Wenn ich dich nicht hätte, bräuchte ich mir nicht solche Strapazen aufzuladen.“
Da war er wieder, dieser Ausspruch. „Wenn ich dich nicht hätte.“ Was sollte sie tun, um unsichtbar zu werden?
Die Kleine wimmerte nur noch leise vor sich hin. Die Prozedur begann von vorne. Petra versuchte sich ruhig auf dem kalten Metall zu verhalten, um am nächsten Sturz nicht schuld zu sein.
Endlich – viele blaue Flecken und schmerzhafte Blessuren später – kamen sie bei der Oma an. Es lagen einige Kilometer zwischen ihrer Wohnung und der Wohnung der Großeltern. Mitten durch den Wald und quer durch die Stadt
Das Mietshaus besaß im Hof ein Waschhaus. Dort mussten sich die Mieter in eine Liste eintragen, um an bestimmten Tagen waschen zu dürfen. Die ganze Prozedur dauerte drei Tage, im Winter ein bisschen länger. Die Wäsche wurde auf dem Dachboden aufgehängt. Auch dort war es eisig und die Wäsche nach einem Tag steif gefroren.
Drei Tage bei der Oma. Petra war selig. Sie konnte machen, was sie wollte, keiner kümmerte sich um sie. Ihre Mutti und Oma waren mit der Wäsche beschäftigt. Einen Tag einweichen, dann im großen Bottich kochen. Den anderen Tag mit dem Waschbrett rubbeln, bis die Knöchel aufgescheuert waren. Lichen, bleichen und aufhängen. Am dritten Tag die Wäsche bügeln. Die fertig gebügelte und zusammengelegte Wäsche wurde wieder im Seesack verstaut, dann die gleiche Reise zurück nach Hause.
Alternativ konnte man auch mit Vaters Sachs reisen, einem kleinen Motorrad, das er sich vom Mund abgespart hatte. Im Sommer ein riesen Spaß, verursachte es im Winter, abgesehen von den blauen Flecken, Brandblasen vom heißen Auspuff. Petra schwor sich damals, sollte sie ihre Kindheit überleben, niemals auf ein Gefährt zu steigen, das weniger als vier Räder hatte.
So verging Petras frühe Kindheit. Ihre kleine Seele hatte tiefe Wunden und im Laufe ihres Lebens wurde sie Weltmeisterin im Verdrängen.
Ein Zeitsprung von fünfzig Jahren.
2003
Petra liegt in einer Hängematte, zwischen zwei Orangenbäumen gespannt. Ein Mietshaus in einem exotischen Garten in Santa Barbara auf Teneriffa – das ist ihr neues Zuhause. Durch wen und warum sie hier gelandet ist, erfahren Sie im letzten Kapitel. Also Geduld. Lange schon keimte in ihr die Idee, ein Buch zu schreiben, ihre eigene Geschichte. Nie ließ ihr der Alltag Zeit, diese Idee aufs Papier zu bringen. Jetzt war es so weit. Auf dieser wunderschönen Insel, in ihrem neuen Leben. Sie besorgte sich reichlich Schreibpapier und legte sich in die Hängematte. Jetzt hatte sie jede Menge Muse, in den azurblauen Himmel zu schauen. Ab und zu fiel eine überreife Orange mit einem „Plopp“ in den Rasen. Eidechsen sonnten sich auf der Mauer.
Petra ließ die letzten Wochen Revue passieren. Eigentlich müsste sie beunruhigt sein. Keine Arbeit, das Geld ging zur Neige. Doch konnte es ihr in diesem Paradies wirklich schlecht gehen? Sie hörte auf das Kreischen der wilden Papageien, schloss die Augen und totale Entspannung erfüllte sie.
Woher kam diese Ruhe? Wie viele Menschen würden in ihrer Situation so relaxt bleiben? Siebzehn Euro auf der Bank, zwei Euro in der Geldbörse. Seit einer Woche aß sie Nudeln mit Ei und Tomatensalat. Nein, pardon, gestern gab es Pfannkuchen. Doch der Reihe nach.
Der Mann, dem sie es verdankte, auf Teneriffa leben zu dürfen, erscheint erst im letzten Kapitel. Er besaß auf dieser traumhaften Insel seit zwanzig Jahren eine Wohnung. Im Norden Teneriffas, in Puerto de la Cruz. Drei Jahre war Petra mit ihm liiert, dann kam das Ende. Durch ihn hatte sie sich in dieses Eiland verliebt. Durch ein paar Zufälle (es gibt keine Zufälle) musste sie eine Woche alleine auf der Insel verbringen. Dort kam ihr die Idee, die ihr Leben verändern sollte.
„Ich wandere aus. Endlich wird mein Traum wahr, ich ziehe in ein warmes Land.“
So kam es. Petra landete am 20. Januar 2003 auf der Insel. Mit viel Optimismus und dem Elan einer Zwanzigjährigen verkaufte sie in Deutschland ihr verbliebenes Hab und Gut, löste ihre Wohnung auf und versetzte ihren Schmuck. Hier würde sie einen völlig neuen Lebensabschnitt beginnen.
Durch den Verkauf blieben ihr etwas über zweitausend Euro. Ein paar hundert Euro gingen für Flug und einhundertzwanzig Kilogramm Übergepäck drauf. Zwei oder drei Monate würde es wohl reichen. Bis dahin, dachte sie optimistisch, hatte sie bestimmt einen Job. Gott sei Dank stand der Großteil ihres Hausrats in der Garage von Bekannten. Ihr Ex hielt Wort. Nach der Trennung deponierte er ihre Sachen dort. Sie stand nicht mit leeren Händen da.
Einen Umzug ins Ausland zu organisieren will überlegt sein. Vom Volkshochschulkurs „Spanisch für Anfänger“ war nicht viel hängengeblieben. Zwei weitere Kurse, belegt vor drei Jahren auf Teneriffa, brachten ein paar Grundkenntnisse, die zusammen mit einem Sprachführer ihre Basis waren. Nun fehlte nur noch die Kleinigkeit einer Behausung. Petra war überzeugt davon, dass sie auch dieses Problem in den Griff bekommen würde.
Durch den nächsten Zufall las sie in ihrer Heimatstadt eine Annonce in der Zeitung. Eine Künstlerin aus Hamburg suchte für ihre Wohnung auf Teneriffa eine Mitbewohnerin. Was für eine Fügung! Durch lange Telefongespräche fanden die Frauen Gefallen aneinander. Es stellte sich heraus, dass Hanna schon seit einem Jahr eine große Wohnung auf der Insel mietete. Die wollte sie nun gerne mit jemandem teilen. Sie telefonierten die nächsten Wochen stundenlang, meistens nachts. Hanna schlief tagsüber und erwachte erst am späten Nachmittag zum Leben.
Das Klischee, Künstler tickten anders als „normale Menschen“, war kein Klischee. Zugegeben, bis dahin kannte Petra keinen dieser außergewöhnlichen Spezies. Sie sollte es bald zu spüren bekommen.
Hanna lud sie über Weihnachten zu sich nach Hamburg ein.
„Ich kann dich leider nicht vom Flugplatz abholen.“ Das war der erste Schock, den Petra erlebte. Noch nie war sie alleine in Hamburg gewesen, kannte sich dort nicht aus. Der klägliche Versuch, Hanna dazu zu bewegen, sie abzuholen, scheiterte. „Der Flieger landet erst um 12 Uhr 30!“ „Um diese Zeit schlafe ich noch. Dir zuliebe werde ich um vierzehn Uhr dort sein. Nein, warte, fahr mit dem Taxi in ein Café in der Innenstadt, dann muss ich nicht so weit fahren.“
So stand Petra an Heiligabend in Hamburg und rief nach einem Taxi. Wie, sagte Hanna, hieß das Café? Ach ja, „Café an der roten Baumchaussee“, erklärte sie dem Taxifahrer. Kurz darauf rannte sie durch einen Hagelsturm, hinein in das schützende Etablissement und bestellte sich ein Sektfrühstück. Sie wollte sich um keinen Preis die Laune verderben lassen. Heute gönnte sie sich etwas Außergewöhnliches. In der weihnachtlichen Atmosphäre genoss sie ihren Champagner. Um noch großstädtischer zu wirken, las sie die Hamburger Zeitung. Nach dem zweiten Kaffee und dem Ende des fesselnden Berichtes vom Hamburger Senat rief sie Hanna an.
„Wann kommst du? Ich kann mir nicht noch einen Kaffee bestellen.“ „Es tut mir leid, ich schaff es nicht. Ich bin gerade aufgestanden und mein Auto ist zugefroren. Nimm dir noch einmal eine Taxe und komm her.“ Petra wurde es immer unbehaglicher. Hoffentlich hatte Hanna wenigstens ein Gästezimmer, nicht, dass sie sich noch ein Hotel suchen musste. Vollbepackt mit Tüten aus dem Supermarkt und einer großen Reisetasche kam sie endlich an. In einem riesigen, ehemaligen Hamburger Herrenhaus, das nur noch entfernt den Glanz aus vergangenen Zeiten widerspiegelte, lag die Wohnung im vierten Stock.
Petra läutete. „Komm bitte herauf, wir haben leider keinen Aufzug. Ich kann dir auch nicht tragen helfen, ich habe Arthrose in den Knien“, quakte es aus der Sprechanlage.
Um es kurz zu machen, die vier Tage in Hamburg sahen folgendermaßen aus: Petra stand um zehn Uhr auf und bereitete sich ein Frühstück. In der Küche stand ein kleiner Fernseher, während des Essens sah sie sich Zeichentrickfilme an. Um zwölf Uhr machte sie sich auf die Suche nach der S-Bahn. Die Entdeckungsreise führte sie einmal in die Stadt, am nächsten Tag auf die Reeperbahn (ins Wachsfigurenkabinett), das dritte Mal an die Alster.
Gegen siebzehn Uhr erreichte sie durchgefroren und völlig durchnässt die Wohnung. Hanna öffnete ihr, noch nicht ganz bereit. Die Meditation stand noch aus.
Gegen neunzehn Uhr bereiteten sie sich aus den von Petra mitgebrachten Zutaten einen Salat. Kochen könne sie nicht, erklärte Hanna kategorisch.
Anschließend saßen die beiden Frauen in der Küche, mit einem Glas Wein in der Hand, und erzählten aus ihrem Leben.
Hanna breitete ihr Schicksal aus. Nicht viel Glück, oft Depressionen. Früher, ja früher, verdiente sie durch ihre Malerei viel Geld. Doch seit sie ihr junger Liebhaber für eine Jüngere sitzen gelassen hatte, ging es nur noch bergab. Zurzeit schlage ihr alles aufs Gemüt. Das Wetter, ihre kaputten Knochen, einfach alles. Kein Mensch kaufte noch ihre Bilder, deshalb müsse sie weg.
Die Wohnung auf Teneriffa sei viel zu groß und zu teuer. Mit drei Schlafzimmern, einem Bad und Küche könnten gut zwei Personen darin wohnen. Deshalb hatte sie per Anzeige eine Mitbewohnerin gesucht.
Alles in allem war Petra froh, als die vier Tage vorbei waren. Ob das Zusammenziehen in eine Wohnung eine gute Idee war, würde sich herausstellen.
Der Termin für die Abreise stand fest. Im Januar würde Petra Deutschland für immer verlassen. Hanna wollte schon auf der Insel sein, um Petra in Empfang zu nehmen.
Alles kam anders.
Eine Woche vor Abreise kam der erste Anruf. „Ich schaffe es nicht vorher. Es ist so viel Arbeit, die große Wohnung aufzulösen und ich stehe alleine da. Vielleicht können wir uns auf dem Flugplatz in Teneriffa treffen, um zusammen in unser Domizil zu fahren.“ Ein paar Tage später: „Ich schaffe es nicht bis zum 20. Januar. Hol dir den Schlüssel zur Wohnung beim Vermieter. Ich komme sicher am 1. Februar.“
Allmählich stieg Enttäuschung und Wut in Petra hoch. Jetzt saß sie doch alleine auf der Insel und musste die Miete bezahlen. Warum passierte ihr so etwas immer wieder? Stellte sie zu hohe Ansprüche an die Menschen?
Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann. Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
Als ihr dieser wunderschöne Sinnspruch einfiel, beruhigte sie sich allmählich. Ihre Situation würde sich nicht verbessern, wenn sie sich ärgerte.
„Ein schöner Spruch. Etwas abgedroschen, doch sehr wahr.“ „Da bist du ja, Angelo. Ich habe gehofft, du verlässt mit mir die Heimat. Jetzt bin ich beruhigt.“ „Natürlich bin ich bei dir. Ich kann dich nicht verlassen, auch wenn ich wollte. Ich bin dein Schutzengel, schon vergessen? Ich habe die unangenehme Aufgabe erhalten, auf dich aufzupassen.“
„Ja, sehr witzig. Ich habe gelernt, auf meine innere Stimme zu hören, schon lange vor dir.“ „Das war ich, ich wusste, du würdest mich ablehnen. Du beginnst einen neuen Abschnitt in deinem Leben. Ich gratuliere dir zu dem Mut.“ „Danke. Ich hoffe, du stehst mir bei.“
„Ich bin da.“
„Gut zu wissen.“
Voll Zuversicht bestieg Petra den Mietwagen und fuhr zu ihrem spanischen Vermieter. Sie sah kaum die wunderschöne Landschaft, die rechts und links der Autopista vorbeiflog.
Konzentriert achtete sie auf den Verkehr und legte sich aus ihrem kümmerlichen spanischen Wortschatz das Gespräch mit dem Herrn zurecht.
Als es dann so weit war, kapierte er irgendwann, dass sie die Vorhut seiner eigentlichen Mieterin war, und kassierte gleich die volle Miete für den nächsten Monat. Erst jetzt wurde Petra bewusst, auf was sie sich eingelassen hatte. Sie saß in einer Wohnung am Arsch der Welt, im hohen Norden Teneriffas, und fühlte sich unwohl. Ein malerisches Örtchen, kaum zweihundert spanische Einwohner, ein Tante-Emma-Laden, eine Kneipe, das war’s. Die Vermieter entpuppten sich als Tyrannen. Es wurde ihr verboten, Bilder aufhängen, Rollladen anzubringen, geschweige denn irgendetwas anderes zu verändern. Das Wasser in Küche und Bad war kalt, die Waschmaschine funktionierte nicht. Der einzige deutsche Fernsehsender sendete Schneegestöber. Und natürlich gab es keine Telefonleitung. Gut, dass sie das alte Handy bei sich hatte, sonst wäre sie völlig von der Welt abgeschnitten gewesen.
Als Hanna ihr mitteilte, sie käme erst am 1. März, war das Maß voll. „Wenn ich schon die Miete alleine bezahlen muss, dann wenigstens für eine Wohnung, in der ich mich wohlfühle.“
Um sich mit ihrer Umgebung vertraut zu machen, fuhr Petra mit dem Bus ins fünfzig Kilometer entfernte Puerto de la Cruz, die Hauptstadt des Nordens. Ihre nächste Wohnung sollte dort in der Nähe sein, nur so hätte sie die Chance, eine Arbeit zu finden. An einem Kiosk erstand sie eine deutsche Zeitung und fand darin eine Anzeige: „Haus in Icod de los Vinos zu vermieten.“ Der Mietvertrag mit dem deutschen Vermieter war schnell unter Dach und Fach. Jetzt war sie stolze Besitzerin eines Hauses mit großem Garten und Dachterrasse.
Zwei Tage bevor Hanna endlich ankam, war Petra aus der Wohnung ausgezogen. Sie war happy. Im unteren Stock befand sich ein großes Wohnzimmer mit offenem Kamin, Panoramafenster mit Sicht zum Meer, Küche und Bad. Im oberen Stock zwei Schlafräume, eventuell zum Vermieten.
Die Möbel recht zerschunden, doch ihr eigenes Reich. Und niemand hinderte sie daran, die Wohnung mit ein bisschen Farbe aufzupeppen. Außerdem bezahlte sie unwesentlich mehr als in der letzten Wohnung.
Jetzt ist es an der Zeit, von einer anderen Dame zu berichten: Sabine. Petra lernte sie kennen, als sie noch eine Second-Hand-Boutique in der Heimatstadt besaß. Sie brachte ihr einige Kleider und Wintersachen, die sie nach ihrem Umzug in ein warmes Land nicht mehr brauchen würde. Es ergab sich, dass die beiden gleichaltrigen Frauen ins Gespräch kamen und Petra von ihrem Vorhaben erzählte. Sabine bewunderte Petras Mut und zwischen den beiden bahnte sich eine Freundschaft an.
Eines Tages hing ein Zettel mit ihrer Telefonnummer an der Eingangstür des Ladens. Wie sich herausstellte, war Sabine pleite. Sie hatte nichts davon erwähnt. Das war genau die Situation, die Petra liebte. Ihr Helfersyndrom blühte auf. Sie krempelte die Ärmel hoch und riss Sabine aus ihrer Lethargie.
Jede freie Minute war sie bei ihr und half ihr beim Umzug in einen anderen Lagerraum. Schraubte Regale ab und verbrachte Wochen damit, Klamotten aus Säcken zu holen und aufzuhängen. „Weißt du, Petra, ich würde am liebsten mit dir gehen. Ich will hier weg. Weg von meiner Mutter und von der miesen Wirtschaftslage in Deutschland. Einiges muss ich hier noch erledigen, doch ich komme auf jeden Fall im Januar mit, um mir die Insel anzuschauen. Du hast so viel Positives erzählt, ich bin neugierig geworden. Sollte es mir dort gefallen, komme ich Ende des Jahres. Ich verkaufe meine Wohnung in Italien und kaufe stattdessen eine Finca auf Teneriffa. Wie hört sich das an?“
Petra war begeistert. Mit Hanna zusammen würden sie sich selbstständig machen. Es fiel ihnen sicher etwas Interessantes ein. Viele Ideen wurden gesponnen und wieder verworfen. Dann hatte Sabine einen genialen Einfall. „Ich habe vor einigen Jahren ein Seminar besucht, in dem ich lernte, wie man eine Partnerschaftsvermittlung aufzieht. Das könnten wir probieren, oder?“ Die Idee wurde gefestigt und Petra freute sich auf den Januar. Hanna kam aus Hamburg, Sabine und sie aus Bayern, das könnte lustig werden.
Eine Woche vor ihrer Abreise rief Sabine an. „Es tut mir leid. Es ist etwas passiert, das ich nicht habe kommen sehen. Ich habe eine Frau getroffen, die sich mit mir mit einem Second-Hand-Laden selbstständig machen würde. Ich wäre froh, die Klamotten liegen noch im Lager herum. Ich komme aber auf jeden Fall mit ihr im Februar nach Teneriffa, das ist schon ausgemacht.“
Petra war enttäuscht und traurig. Sie wusste von Hanna, dass sie später auf die Insel reisen würde – aber nun auch noch Sabine. Wieder war sie alleine gelassen, hatten sich Versprechungen nicht erfüllt.
Sabine kam tatsächlich am 10. Februar nach Teneriffa, jedoch alleine. Die Frau hatte sie hängengelassen. Zehn Tage lang zeigte Petra ihr die Insel und sie vertieften erneut ihre Pläne.
„Jetzt brauchst du zuerst einen fahrbaren Untersatz.“ „Wie soll ich das machen? Ich habe kein Geld mehr und noch keinen Job. Es muss noch eine Weile mit dem Bus gehen.“ „Blödsinn, du kannst nicht jeden Tag stundenlang mit dem Bus auf Jobsuche gehen. Ich leihe dir das Geld. Ich habe mir etwas angespart, das brauche ich im Moment nicht. Wir kaufen eine Zeitung und schauen, ob wir ein günstiges Auto finden.“
Auch in dieser Angelegenheit hatte Petra Glück. Tatsächlich wurde in der Zeitung ein günstiges Auto angepriesen. Sie fuhren nach Santa Ursula und erstanden einen passablen Kleinwagen für wenig Geld. Sabine war von der Insel begeistert und wollte zu Hause alles organisieren. Petra verhielt sich zurückhaltend, erst, wenn sie mit dem Hausrat vor der Tür stand, wollte sie jubeln.
Einiges hatte sie geschafft, doch keine Arbeit weit und breit. Ihr blieben zweihundertvierzig Euro übrig, und die nächste Miete war bald fällig. „Liebe Petra, jetzt muss schnell etwas geschehen.“ Immer wenn es ernsthafte Dinge zu besprechen gab, redete sie laut mit sich selbst. Mit wem auch sonst? Es war niemand in ihrer Nähe. „Du hast aus den drei Jahren mit deinem Ex ein paar Bekannte, ruf sie an und mach ihnen klar, sie brauchen dringend eine neue Frisur – und zwar von dir.“
Manchmal hatte sie recht blöde Ideen.
„
