Annuschka Blume - Marjana Gaponenko - E-Book

Annuschka Blume E-Book

Marjana Gaponenko

4,8

Beschreibung

Dieses Buch steckt voller Wunder! Ein Roman, der vor Seele, vor Liebe, Pathos, Witz und Farben nur so trieft. Annuschka lebt als Lehrerin in der ukrainischen Provinz, Piotr ist Journalist und Weltenbummler und immer weit, weit weg, um zu beweisen, dass es keinen Unterschied gibt zwischen Steppe und Bergen. Wie es ja auch keinen Unterschied gibt zwischen Mensch und Tier, Mann und Frau, Glück und Unglück, hier und dort. Kommt nur darauf an, wie weit man sich von den nüchternen Tatsachen entfernt. Und das tun die beiden mit Begeisterung und Leidenschaft, indem sie sich Briefe schreiben. Schreiben? Sie zünden sie wie Raketen, schießen sich und die Welt ins All, und von dort aus schauen die Dinge tatsächlich etwas anders aus, als wenn man auf dem Boden bleibt. Und so schweben sie und schwärmen sie und berauschen sich und erzählen einander Geschichten, die so witzig sind und zugleich so traurig, denn - wo ist da der Unterschied? Das ist wahrlich kein Buch für Musterschüler und Bürokraten. Hände weg!

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 302

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
4,8 (12 Bewertungen)
9
3
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Marjana GaponenkoAnnuschka Blume

Marjana Gaponenko

Annuschka Blume

Roman

Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek:Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in derDeutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografischeDaten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

www.residenzverlag.at

© 2010 Residenz Verlagim Niederösterreichischen PressehausDruck- und Verlagsgesellschaft mbHSt. Pölten – Salzburg

Alle Urheber- und Leistungsschutzrechte vorbehalten.Keine unerlaubte Vervielfältigung!

ISBN ePub:978-3-7017-4206-6

ISBN Printausgabe:978-3-7017-1544-2

für Ruprecht

Nacht. Ich sitze im Haus und stelle mir vor, ich wäre im Bauch eines Schiffes. Ich sage, nicht Berge umgeben mich, sondern steinerne Wellen, und schon ist es geschehen. Riesig bäumen sie sich vor mir auf, und ihre Schaumkrone glänzt in der Sonne, die nicht zu sehen ist, denn es regnet seit Tagen. Ich sage, es ist kein Schnee, es ist Schaum, auf das Deck geworfen. Ich sage es, und schon ist es geschehen. Ich bin ein betrunkener Kapitän. Mein Gang ist verdammt sicher in seiner Unsicherheit. Ich gehe auf und ab, und Schaum knirscht unter meinen Füßen. Meine Taschenuhr schlägt wie ein Herz, ich zerre und zerre daran und kann sie nicht aus der Tasche ziehen. Auch meine Weste fehlt, und das Knopfloch ist in meine linke Hosentasche gewandert und hat seinen Knopf dabei verloren. Ich schweige und rede ununterbrochen. Ich sage, es ist nur ein Traum … ein Traum, und schlafe ein.

Liebe Anna Konstantinowna,

es wird ein langer Brief werden. So einen Brief haben Sie in Ihrem Leben noch nicht bekommen. Sollten Sie ihn gewogen haben, haben Sie sicher bemerkt, dass er exakt das Gewicht einer Woche hat: dreißig Gramm! Ist das nicht entzückend?

Wie Sie wissen, hat man mich in die Berge geschickt, in die Alpen, auf eine Höhe von tausendvierhundertfünfzig Metern, um zu beweisen, dass es keinen Unterschied gibt zwischen Bergen und Steppe. Dieser kühne Gedanke ist mir in einem Traum gekommen, den ich später bei einem Glas Birkenschnaps Iwan Iwanitsch erzählte, der ihn wiederum Wassilij Anatoljewitsch erzählte, der ihn, außer sich vor Empörung, Konew weitererzählt hat, dem Landwirtschaftsminister unserer ukrainischen Kornkammer. Und Konew war es schließlich, der sich den Scherz erlaubte, mich zum Zwecke der Forschung unbefristet in die Verbannung zu schicken. Kehre ich mit Berichten zurück, die kaum überzeugen, ist es um meinen kahlen Kopf geschehen. Wahrlich, wie im Märchen! Das macht aber nichts, ich habe ja nicht vor zurückzukommen. Und forschen würde ich nur im Namen der Poesie. Ja, wo ich schon einmal hier bin, bleibt mir gar nichts anderes übrig, als zu forschen. Ich kann gar nicht anders. Irgendetwas zwingt mich dazu, Vergleiche anzustellen, Unterschiede, so gravierend sie sein mögen, zu einer vollkommenen Ähnlichkeit zu verschmelzen, in den Bergen die Steppe zu sehen.

Es gefällt mir hier recht gut, liebe Anna Konstantinowna. Ich war zuvor noch nie in den Bergen, und Schnee sehe ich zum ersten Mal seit Jahren. Es schneit ja nie bei uns, nur wenn wir schlafen vielleicht, und am nächsten Morgen ist überall nur Dreck. Hier jubelt mein Herz vor Entzücken. Bei Gott, ich würde diesen Schnee essen, wenn ich nicht so einen empfindlichen Magen hätte.

Ich schreibe Ihnen, liebe Anna Konstantinowna, aus einem Zimmer mit dicken Wänden und kleinen Fenstern mit Sprossen, die in der Mitte ein Kreuz bilden. Dieses Kreuz wird von zwei durchsichtigen Gardinen mit Spitzensaum umrahmt. Wenn ich es lange genug anschaue und dann die Augen fest schließe, was ich gerade getan habe, sehe ich dieses Fenster hinter meinen Augenlidern wieder. Der Schnee ist schwarz, und das Kreuz ist weiß und wird immer weißer, je länger ich es fixiere, bis es schließlich blutrot ist. Die Spitzengardine bildet die Hälften einer Sanduhr, rechts und links. Mache ich die Augen noch fester zu, kann ich sogar ihr Saummuster erkennen. Es ist wie Flaum, lodernder Flaum. Wenn ich mir Ihr Bild so einprägen könnte, wenn es in meinen Augen nur so brennen könnte!

Ab und zu gehe ich an eines dieser Fenster und schaue hinaus und stelle mir vor, Sie bögen um die Ecke und sähen mich am Fenster stehen. Ich schaue so lange hinaus, bis meine Augen zu schmerzen beginnen. Dann kehre ich zurück zu meinem Brief, auf dem weiße Buchstaben in einer Substanz aus schwarzem Nebel zittern, und warte, bis sie sich beruhigt haben, ehe ich Ihnen weiter schreibe.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!