Anomalie - Andreas Meckel - E-Book

Anomalie E-Book

Andreas Meckel

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Beschreibung

Das Rätsel geht weiter! Nach den Vorfällen im vergangenen Jahr, und der Meuterei der strategischen Raumflotte, wird die Gesamtsituation allmählich instabil. und dann kommt es auf Remember auch noch zu einem Fund, der wirklich alles verändert. Auch die Selbstsicht der Menschen. Denn mit einem Mal ist klar, das der Celut nicht nur eine Legende ist, sondern ein wirklich existierendes Phänomen.

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Seitenzahl: 522

Veröffentlichungsjahr: 2026

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1 – Prolog
2 – Dysonwelt
3 – Daedalus
4 – Remember
5 – Greenhouse
6 – Alpha Lyrae VI/6
7 – Antares
8 – Missionsparameter
9 – Caliban
10 – Kreuzer C57D
11 – Galaktische Historie
12 – Remember
13 – Caliban
14 – Alpha Lyrae IV/6
15 – Daedalus
16 – PROMETHEUS
17 – Remember
18 – Alpha Lyrae IV/6
19 – Caliban
20 – Greenhouse
21 – Remember
22 – Greenhouse
23 – Alpha Lyrae IV/6
24 – Antares
25 – Galaktische Historie
26 – Greenhouse
27 – Remember
28 – Alpha Lyrae IV/6
29 – Caliban
30 – PROMETHEUS
31 – Antares
32 – Remember
33 – Solsystem
34 – PROMETHEUS
35 – Antares
36 – Varal III
37 – Mecha Prime
38 – Solsystem
39 – Remember
40 – Song
41 – Vorki
42 – EPILOG

Impressum neobooks

Anomalie

Andreas Meckel

Buchbeschreibung

Das Rätsel geht weiter! Nach den Vorfällen im vergangenen Jahr, und der Meuterei der strategischen Raumflotte, wird die Gesamtsituation allmählich instabil. und dann kommt es auf Remember auch noch zu einem Fund, der wirklich alles verändert. Auch die Selbstsicht der Menschen. Denn mit einem Mal ist klar, das der Celut nicht nur eine Legende ist, sondern ein wirklich existierendes Phänomen. Verschiedene Spezies fanden Möglichkeiten dagegen zu bestehen, doch die Galaxics ist ein gnadenloser Ort. Und die Menschheit steckt inmitten eines Putschversuches der Raumflotte und muß sich selbst ihrer eigenen Haut erwehren, ohne dabei die neuesten Erkenntnisse wirklich berücksichtigen zu können.

Über den Autor

Andreas Meckel wurde 1968 in Seeheim-Jugenheim geboren, aufgewachsen ist er im Saarland und hat dort seinen größten Teil der Jugend verbracht. Meckel hat einige Jahre in Paraguay gelebt, dort wurde er von Einheimischen in die Scharmanismuslehre aufgenommen.

Angefangen mit seiner Schreiberei hat er mit 16 Jahren. Sein erstes Buch war ein Fantasyroman und trug den Titel Savarenna. Seine Werke sind facettenreich und umfassen meist 400 Seiten.

Der Autor wird nicht ohne Grund als Wanderer zwischen den Genres bezeichnet. Es gelingt ihm mühelos mit seinem eigenen Erzähl- und Schreibstil die Leserschaft zu begeistern. Geschichten wollen erzählt und somit erlebt werden, dies gelingt ihm durch alte Legenden und realen Spielstätten. Zu seinen literarischen Leidenschaften zählen Horror, Fantasy, Mystery Horror und ganz besonders Science Fiction. Das Monster im Schatten und MEGA: Aufbruch zu neuen Ufern sind seine aktuellen Meisterwerke. Inspiration holt er sich bei seinen Reisen, sowie seinen Erfahrungen in über 30 Berufen. Japanische und koreanische Klänge sind für Ihn beim Schreiben wie Medizin.

Er ist Ratgeber für die Entstehung von Charaktere, gibt Tipps in Tutorials und ist Mitglied im Spielekreis Darmstadt. Seine Motivation zu schreiben ist den Kultstatus unter Science-Fiction-Fans zu erlangen.

Anomalie

Der neue Bestseller
Andreas Meckel

Phantastic Arts

[email protected]

1. Auflage, veröffentlicht 2025.

© 2025 Andreas Meckel – alle Rechte vorbehalten.

Phantastic Arts

Sandstraße 63

64342 Seeheim-Jugenheim

Druck:

ISBN: 1234-5678-901

[email protected]

ZYKLUS 1: MEGA

1. Die Jupiterexpedition

2. Aufbruch zu neuen Ufern

3. Zukunftsnebel

ZYKLUS 2: ADHARA

4. Expedition ins Ungewisse

5. Der Garten der verlorenen Sterne

6. Phantome des Vergessens

ZYKLUS 3: SUKZESSOR

7. Der verschleierte Thron

8. Anomalie

1 – Prolog

15. Mai 2327

Das ganze vergangene Jahr war von einer gewaltigen Krise gekennzeichnet worden. Der Aufstand der strategischen Raumflotte zog allmählich Kreise. Die umliegenden Sonnensysteme um das Herz der solaren Union waren von ihrer eigentlichen Sicherungsflotte angegriffen worden. Im Gallahad-System sicherten sich die aufständigen Captains der strategischen Raumflotte einen arhenischen Dreadnaught mit überragenden Fähigkeiten. Auch wenn die dort im Einsatz befindliche Flotte das System erst nach fast einem Jahr wieder verlassen konnte, weil das arhenische Schlachtschiff erst einmal wieder umgebaut werden mußte.

In der Zwischenzeit hatte die „Freie Republik Erde“ fast einmal pro Woche ein weiteres Sonnensystem aus dem Reigen der vielen Kolonien rund um die Erde erobert. Obwohl man dieses Verhalten nicht so nennen konnte, denn die meisten Kolonien hatten nichts, mit dem sie Widerstand leisten konnten. Selbst Kolonien, die schon mehr als hundert Jahre bestanden, waren außerstande, entsprechende Gegenwehr zu leisten. Und das, was die strategische Raumflotte an Gegenwehr vorfand, wurde innerhalb von Minuten zu Klump geschossen.

Amdiral Daenok, seines Zeichens Commander, und für seine Spezialmission in den Status eines Captains befördert, saß in seinem komfortablen Hotelzimmer am alten Raumhafen von Greenhouse City und starrte wie hypnotisiert auf den Monitor, der auf halber Höhe an der Wand hing.

Die Nachrichten waren fatal.

Die Regierung der solaren Union hatte mittlerweile der MEGA, der Dachorganisation der strategischen Raumflotte, sämtliche Privilegien entzogen, und hielt sie unter Beobachtung. Wenn man es nicht besser wüßte, ging die Regierung von einem geplanten Putschversuch von seitens der MEGA aus. Doch Amdiral Daenok wußte aus eigener Erfahrung, das es so nicht sein konnte.

Die MEGA-Admiral Nuhura war seit über einem Jahr spurlos verschwunden. Ein weiteres Detail, welches die Presse auch regelmäßig ausschlachtete, falls es wieder einmal eine Spur gab, die zu der Offizierin führen konnte.

Wenn man die Situation wirklich ernst nahm, sollte man sich lieber darum kümmern, wie man die solare Verteidigung so in Handlungsbereitschaft versetzte, damit es Admiral Feldmann nicht gelang, das Solsystem letztlich doch noch für seine Gruppierung zu erobern. Es war schon schlimm genug, daß es rein faktisch keinerlei Raumtruppen gab, die in der Lage gewesen wären, die Flotte des Raumflottenadmirals in irgendeiner Form aufzuhalten.

Da es die Verteidigungsallianz nicht mehr gab, konnte sich die Menschheit nur sehr umständlich an die befreundeten Spezies wenden und diese um Hilfe bitten. Selbst der schlimmste Rivale der Menschheit war nicht ungeschoren durch den Krieg, der nun neunundzwanzig Jahre zurücklag, hindurchgekommen. Die Arhenier hatten eine Revolte erlebt, die ihr gesamtes Reich massiv erschütterte. Das Sternenreich mit der zahlenmäßig größten Raumflotte aller ehemaligen Mitgliedsvölker der Verteidigungsallianz war außerstande zu handeln. Auf Arrhenius Prime zogen seit Jahrzehnten bereits wieder Demokratie und Gerechtigkeit ein. Die Nachwirkungen war zwar nicht eine Verkleinerung der Raumflotte, sondern eine völlig neue Politik.

Intern, wie extern.

Wie sich diese Veränderung bei den Arheniern auswirken würde, konnte noch niemand sagen. Ob sie diesmal ein Freundschaftsangebot der Menschheit annehmen würden, stand in den Sternen. Also waren aktuell nicht einmal die aggressivsten vormals Verbündeten eine Hilfe.

Die Menschheit mußte mit dem Problem alleine fertig werden.

Amdiral Daenok, der Enkel des berühmten Admiral Daenoks, der vor mehr als zweihundertdreißig Jahren das Solsystem mit vierzig alten Raumschiffen einnahm, und der Menschheit Frieden brachte, und später als MEGA-Direktor selbst zu einer lebenden Legende wurde, konnte nicht glauben, was er da in der Television sah.

Mißmutig schaltete er den großen Monitor in seinem Hotelzimmer wieder ab.

Allzu viel hatte er nicht zu tun. Die PRT PROMETHEUS lag im alten Raumhafen von Greenhouse City immer noch regelrecht an der Kette. Sein Raumschiff durfte nicht wieder starten, und seine eigene Mission, das Dokument, welches die Familie Johnson dazu legitimierte, ihre Heimatwelt auch zu führen, konnte er auch nicht prüfen. Diktator Charles Johnson hatte ihn in dieser Hinsicht immer noch kein Bescheid gegeben. Denn dieses Dokument war quasi der größte Staatsschatz, über den Greenhouse verfügte.

Commander Daenok hatte im ganzen letzten Jahr lernen müssen, das eine miese Situation daheim auch dafür sorgte, daß man selbst an anderer Stelle eigenen schlechten Umständen ausgesetzt wurde. Zwar war seine Besatzung und seine Offiziere nicht auf Greenhouse festgesetzt, aber man konnte sich dennoch wie ein Gefangener fühlen, wenn man den ganzen Tag nur Freizeit hatte, und nicht handeln konnte. Zu Amdiral Daenoks Glück war das beste Waffensystem seiner winzigen PROMETHEUS nicht mit Munition ausgestattet. Mit ihren Plasmakanonen konnte sie gegen die Flotte von Admiral Feldmann nichts reißen.

Nicht mal im Ansatz.

Hinzu kam noch, das Amdiral selbst keinerlei stellare Kampferfahrung hatte. Seine Besatzung war aus Spezialisten der Prototypflotte zusammengesetzt. Im Verlauf des vergangenen Jahres hatte er sich die Mühe gemacht, einige näher kennenzulernen. Dies hatte ihn zumindest bei seiner Kernbesatzung beliebter gemacht. Faktisch aber nichts gebracht. Der junge Commander wußte immer noch nicht, wem er denn wirklich trauen konnte.

Und dann war da noch sein erster Offizier. Sara Montreux, wie er Commander, aber gleichzeitig wohl auch noch PolKom, obwohl dieser Posten schon lange wieder abgeschafft war. Die junge Frau war fünf Jahre älter als er selbst, und deutlich kampferfahrener. Jedenfalls konnte sie mit einer Laserpistole genauso gut umgehen wie mit einem Nadler. Und sie trug beides an ihrem Gürtel. Hinzu kam noch ein langes Messer, das eher einem altertümlichen Bowiemesser ähnelte, und wahrscheinlich wie dieses in der Lage war, Knochen zu schneiden. Sein erster Offizier hatte ihn imponiert, dies gab er zu. Zudem war sie eine ausnehmend hübsche Frau.

Doch dies änderte nichts daran, das Daenok hier festsaß, und die gesamte Krise quasi in der Ferne an ihm vorbei zog. So wirklich ein Held, geschweige denn ein Kriegsheld wollte er auch nicht werden. Ihm ging es eher darum, die PRT PROMETHEUS wieder nach Hause zu bringen, damit sie in Sicherheit war. So leicht würde sich das nicht bewältigen lassen. Aktuell jedoch war das schnellste Raumschiff der Menschheit wohl am sichersten in Greenhouse. Dies hörte sich paradox an, doch die ehemalige Kolonie Greenhouse bot aus mehreren Gründen einen sicheren Unterschlupf.

Amdiral stand aus seinem Bett auf und ging wieder auf den Balkon seines luxuriösen Hotelzimmers. Diktator Johnson ließ sich, wenn es um die Unterbringung seiner Gäste ging, nicht lumpen. Dieses Hotel befand sich im alten Stadtzentrum, man konnte von hier aus den alten, ausgebrannten Gouverneurspalast sehen. Nicht weit davon stand der neue Regierungssitz. Deutlich spartanischer und kleiner gehalten.

Der junge Arheniermischling sah wieder hinüber zum nahen Stadtpark. Auch ohne Fernglas konnte er erkennen, wie sich dort die Bürger dieses Reiches dort tummelten. Beinahe überall erhielt man Informationen über den Aufbau des Regierungssystems, welches die Johnsons geschaffen hatten. Amdiral hatte das historische Museum bereits besucht. Dies war eine Hinterlassenschaft von vor dem Krieg, die man wieder aufgebaut hatte. Die dortigen Exponate waren aus einem speziellen Kunststoff nachgegossene Teile gewesen, dennoch war es ein Erlebnis. Dabei wurde darauf hingewiesen, daß Greenhouse sich an einem wichtigen Abschnitt in seiner geologischen Entwicklung befand, als die menschlichen Kolonisten sich hier eine neue Heimat erbauten.

Der alte Stadtkern von Greenhouse City wurde von den Überresten des alten Kollonieraumschiffes gebildet, mit dem einst die ersten Siedler hierher gekommen waren. Die Mutterzelle dieser Kolonie bestand aus vielleicht einmal zweitausend Siedlern und etwas mehr als dreißig Mannschaftsmitgliedern des Raumschiffes, welches sie hierher gebracht. Darunter fielen auch der Captain der damaligen Expedition, da die Sensordaten über Greenhouse nie so genau gewesen waren. Captain Arthur D. McKenna war dann schließlich doch gelandet.

In jenem schönen Tal, in dem sich heute die planetare Hauptstadt befand. Innerhalb des ersten Jahres war es den Kolonisten gelungen, eine vernünftige Infrastruktur zu etablieren. Danach war es laut Kolonisationsgeschichte überraschend schnell gegangen. Man hatte von der Erde aus Greenhouse nicht vergessen. Und schon bald bekam die Kolonie einen Raumhafen der Stufe zwei. Die ersten Abenteurer landeten auf dieser paradiesischgrünen Welt.

Danach begann die offizielle Erkundung.

Wieder einmal wurde eine versuchte Planetenerkundung abgebrochen, als man in den westlichen Gebirgen auf gewaltige Uranitvorkommen stieß. Damit begann die wirtschaftliche Periode. Neben dem Uranit wurden Eisen. Gold, Palladium, Platin, Silber, Kohle gefunden. Die ersten Bergbaufirmen entstanden. Zuerst durch einfache Mineure, später mit richtiger Technologie begann Greenhouse seinen Schatz zu erschließen.

Als der von der solaren Union eingesetzte Gouverneur Johnson diese Welt noch regierte, waren die Zustände nicht so frei gewesen, wie sie es heute waren. Greenhouse unterhielt nur den Teil der unbedingt notwendigen Schwerindustrieund dann auch nicht in allen bekannten Gebieten. Es gab einige Stahlwerke, die vernünftiges Material lieferten. Diese Welt verfügte neben der Schwerindustrie auch noch über eine entsprechende digitale Technologie. Greenhouse fertigte dreiviertel seiner Elektronik selbst. Dabei war es egal, ob es Unterhaltungselektronik, oder militärisch nutzbares Material war. Diese Kolonie konnte sich autark damit selbst versorgen. Wenn irgendwann der Planet nicht mehr genug hergab, würde man beginnen, den Asteroidenring, der das System umgab, systematisch zu plündern. Doch dies lag noch in weiter Ferne.

Daenok wollte wieder frustriert in sein Zimmer zurückgehen, als ihm einfiel, daß er noch sein Logbuch führen sollte. Dies hatte er in diesem Jahr mehr als nur einmal vernachlässigt. Nicht, weil er es nicht mochte, sondern weil ihn diese Welt wirklich so sehr faszinierte, das er seine üblichen Arbeiten vollkommen ignorierte. Greenhouse war ein Paradies.

Jetzt fehlte ihm nur noch Zugriff auf das Dokument, welches den Anspruch von Familie Johnson legitimierte, und alles weitere wäre vom Tisch. An Bord der PROMETHEUS gab es einige Geräte im wissenschaftlichen Bereich, mit dem er das Alter und das Material des legendären Dokuments festmachen konnte. Damit würde er beweisen, ob es wirklich echt war, oder nicht.

Ihm selbst fehlte jedoch der Antrieb, einfach hinüber in den Regierungspalast zu gehen und seine Arbeit zu tun. Diese letzten vierzehn Monate hatten ihm einiges vor Augen geführt. Unter anderem auch den Umstand, das man gelegentlich bei der JAG-Einheit der Raumflotte etwas um dümmliche Gerüchte geben sollte.

Seine Abteilung hatte es früh genug gewußt.

Und nicht eingegriffen.

Allein dies war schon schmerzlich.

Dies war es aber nicht allein, was ihn so frustrierte. Vor über einem Jahr hatten Sara Montreux und er festgestellt, daß es ein weiteres Problem gab. Die MEGA hatte alle wichtigen Abteilungen mit Admiralen ausgestattet. Admiral Nuhura, ihrerseits Kommandeurin der ProtFlot, der Prototypflotte der MEGA, war kurz vor dem Ausbruch des Aufstands des Militärs spurlos verschwunden. Dies wurde vor allem deshalb zu einer gefährlichen Situation, weil sie eine von drei Personen war, die aktuell den Zentralschlüssel zu dem Safe der MEGA mit sich trug.

Einen elektronischen Passierschein, der es gestattete, zu einem der nahen Sonnensysteme um Sol zu fliegen, dort Teile der stillgelegten Flotte wieder zu reaktivieren. Dieser Passierschein war so wichtig, weil es im Prinzip im Solsystem nur drei dieser Keycodeträger gab. Die wichtigste Person war der Präsident der solaren Union. Im Zweifelsfall konnte er von der MEGA die ausgemusterten Raumschiffe wieder reaktivieren lassen. Sein Keycode gestattete ihm diesen Befehl jederzeit zu geben. Die zweite bekannte Person, die unter Umständen auch noch den Keycode für die ausgemusterten Flotten bei sich trug, war der MEGA-Direktor Louis. Wenn er in Feindeshand fiel, würde dies Admiral Feldmann gestatten, seine Flotten so weit aufzurüsten, das sie jeglichen Widerstand im Solsystem allein durch die Masse erdrücken konnten.

Diktator Johnson hatte damals der PRT PROMETHEUS den Start verweigert. Seine Techniker ließen aber auch überraschend die Finger von dem Prototyp. Auch dies war ein Umstand, der Daenok eher nervös als unruhig machte.

Seine winzige Besatzung genoß seit der Landung Landurlaub, den die MEGA sogar noch bezahlen durfte. Aber Daenok hatte das Problem, das ihm immer langweiliger wurde, obwohl er genau wußte, das sein Raumschiff in einigen Sonnensystemen, die für die „Freie Republik Erde“ erobert wurden, etwas hätte tun können. Erfolgreich. Selbst mit unzureichender Bewaffnung.

Dies frustrierte ihn wirklich.

Das schnellste Raumschiff der Flotte, außerstande es einzusetzen, und auf einer Welt festsitzend, die durchaus den Stempel Paradies verdient hatte. In diesem einen Jahr auf Greenhouse hatte sich Amdiral Daenok mit der Umgebung um die Hauptstadt vertraut gemacht. Diese Welt war wirklich etwas Besonderes.

In mehrfacher Hinsicht. Das Farmland rund um die Hauptstadt bis zu dem westlichen Gebirge war ein Obstgarten, fruchtbares Ackerland, auf dem alljährlich alle möglichen Gemüse und Getreide wuchsen. Greenhouse würde Nahrungs exportieren können, wenn man es nur wollte. Doch die Regierungspolitik sah vor, daß sich nun erst einmal die planetare Bevölkerung vergrößerte. Eine Raumflotte stellte sich nicht von allein auf. Außerdem benötigte sie dringend ausgebildetes Personal. Greenhouse hatte wirklich Großes vor.

Amdiral Daenok verstand durchaus, weshalb Diktator Johnson eine eigene Raumflotte wollte. Zwar besaß er eine rudimentäre, würde diese jedoch ein zweites Mal versagen, wäre wohl auch seine Herrschaft ein für alle Mal vorbei. Jedenfalls gab es im Sonnensystem einige kampfbereite Raumschiffe. Ob sie kampfstark waren, konnte Daenok auf diese Distanz nicht sagen.

Greenhouse war eine wunderschöne Welt.

Doch es stand fest, daß sie früher oder später wieder zum Kriegsgebiet werden würde. Diese kleine Welt, unweit des ehemaligen Autoritätsraumes hatte mehrere Schlüsselpositionen inne. Mit ihr konnte man nicht nur den kompletten Sektor kontrollieren, man wäre auch in der Lage, darüber hinaus zu expandieren.

Greenhouse war eine Welt, deren einer Fuß auf einer gewaltigen Schatzkiste thronte, die nur noch geöffnet werden wollte. Das sich zwei weitere Systeme bereits Greenhouse angeschlossen hatten, hieß eigentlich nur, dass die Politik des Diktators im allgemeinen als wohlwollend angesehen wurde.

Kein Scheusal auf einem Thron, der ihm nicht zustand.

Eher ein Wohltäter im Wolfspelz.

2 – Dysonwelt

15. Mai 2327

Es fiel Argyle sichtlich schwer, sich unter all den Menschen auf der alten Heimatwelt der Ahnen frei zu bewegen. Auf der Erde hatte er damit weniger Probleme gehabt. Doch hier, auf einer Welt, die seinem Volk, seiner Spezies, heilig sein sollte, kam ihm jeder Mensch wie ein Fremdkörper vor.

Es lag nun über ein Jahrhundert zurück, seitdem eine massive Kobaltladung der EXP 1135 NORWAY die Sonnenstrahlung wieder stabilisiert hatte. Seitdem war normales Leben auf der Oberfläche, beziehungsweise auf der Innenseite der Dysonsphäre, wieder möglich.

Doch Argyle hatte andere Probleme, als die Anwesenheit von so vielen Menschen. Seit gut einem Jahr trug er sich mit dem Gedanken, eine Verschmelzung mit seiner Kaiserin zu riskieren, um das aus seinem Gedächtnis an die Oberfläche zu holen, was ihm direkt nicht einfallen wollte.

Seine Arbeit im Archiv des SSD konnte nicht umsonst gewesen sein. Die Realität schrieb inzwischen ihre eigene Geschichte. Und Argyle war verbittert darüber, das er es hätte verhindern können, wenn er nur einmal in seinem Leben richtig reagiert. Doch wieder einmal war er zu langsam gewesen.

Wieder einmal.

Während er so durch die Straßen der Stadt lief, in Richtung Raumhafen, auf dem seit Monaten keine Nachschublieferung mehr eingegangen war, dachte der Prinz der Gestaltwandler darüber nach, was falsch gelaufen war.

Als seine Geschichte mit der Menschheit anfing, wollte er sie eigentlich selbst auslöschen. Bis er dann durch seine Kaiserin eines Besseren belehrt wurde, und sich herausstellte, dass die Menschheit deutlich besser war als der Ruf, den sie sich über eine Viertelmillion Jahren in der Galaxis erworben hatte.

Doch diese Einmischung der Menschheit reichte deutlich weiter zurück, wie er inzwischen hatte lernen dürfen. Argyle war auch nur deshalb zum Raumhafen unterwegs, weil wieder einmal die BLACK DEMON dort vor Anker lag.

Das Raumschiff von Captain John Harris war nicht nur ein schwarzer todbringender Dämon wie sein Name bereits sagte, sondern auch ein deutliches Fanal für die Galaxis, das sich wieder etwas ändern würde.

Doch Argyle dachte dabei immer wieder daran, wie genau dieser Mensch die komplette Zukunft der Gestaltwandler beeinflußt hatte. Nichts hatte er dem Zufall überlassen. Weshalb war es ihm, Argyle, als Gestaltwandler dann unmöglich, sich an das wichtigste Detail zu erinnern, welches er gesehen hatte, an das er sich aber nicht erinnern konnte?

Dies ergab für den Gestaltwandler einfach keinen Sinn.

Die nächste Kreuzung noch, dann befand er sich auf der Straße, die direkt zum Raumhafen führte. Über seinem Kopf zog die wieder flugfähige Maschine entlang, die seiner Kaiserin gerade als Domizil diente. Argyle kannte solche fliegenden Paläste noch von ihrer alten Heimatwelt. Noch bevor der große Krieg gegen die Verteidigungsallianz alles vernichtete. Doch die alten Kaiserinnen waren gewarnt gewesen. Sie hatten die Warnung von Captain Harris ignoriert.

Argyle verdankte seine Mitgliedschaft beim solaren Sicherheitsdienst, was das Akronym SSD ausgeschrieben bedeutete, nur den Verbindungen von Captain Harris. Auch wieder so eine Sache.

Seine Wut auf die Menschen war mittlerweile verraucht. Jetzt kannte er die Menschen gut genug, um zu wissen, weshalb Captain Harris in der Vergangenheit dermaßen massiv durchgreifen mußte. Den galaktischen Krieg, den die alten Kaiserinnen verschuldeten, wäre eigentlich vollkommen unnötig gewesen. Es hätte gereicht, sich gegenüber der jungen Spezies als die Rasse zu erkennen zu geben, die seit Jahrmillionen über die Galaxis wacht.

Captain Harris hatte dies erkannt, und auch erst eingegriffen, als sicher war, dass dieser Krieg nur mit einem Untergang der alten Kaiserinnen enden konnte. Seitdem waren die Gestaltwandler ein gejagtes Volk gewesen.

Argyle hatte das alte Werftsystem vor über einhundert Jahren wieder in Betrieb genommen, weil er dachte, das es noch genug von seiner Spezies gab, damit es sich lohnte, die Milchstraße zu verlassen. Doch die Verteidigungsallianz hatte das Sonnensystem durch Zufall gefunden. Die daraufhin folgende Schlacht war nicht wirklich eine gewesen. Die Allianz hatte einfach alle Werftanlagen systematisch vernichtet, bis dann auch noch die BLACK DEMON selbst eingriff, und die kleine gelbe Sonne des Systems zum Kollabieren brachte. Von diesem alten Werftsystem der Gestaltwandler war nichts geblieben. Nur ein paar umhertreibende Wracks, die langsam von der immer mehr nachlassenden Gravitation der ermordeten Sonne angezogen wurden.

Endlich hatte der Gestaltwandler die letzte Kreuzung erreicht.

Wie lange lebten hier jetzt schon wieder Menschen unter den Überlebenden? Unter den wenigen der alten Spezies, die ihren Geist nicht in die Maschine hatten übertragen lassen? Die Einheimischen hier waren keine Gestaltwandler. Jedenfalls nicht in dem Sinne, wie es Argyle und seine Kaiserin waren. Dafür besaßen die hier Einheimischen eine sehr gut ausgeprägte Empathie.

Maja verabschiedete sich gerade am Schott der BLACK DEMON von Captain Harris. Argyle warf dem Menschen ein schlichtes grüßendes Nicken zu, dann wandte er sich an seine Kaiserin.

„Maja, wir sind hier nicht sicher!“

Die junge Frau lächelte wissend zurück.

„Ja, ich weiß. John hat mich schon darüber informiert, daß dir wahrscheinlich der Attentäter hierher folgen wird. Sobald er erst einmal ausgemacht hat, wer und was du genau bist.“

Die beiden gingen von dem nachtschwarz angestrichenem Raumschiff einige Meter fort, dessen Antriebsdüsen gezündet wurden. Langsam stieg das Raumschiff auf seinen Dorsaldüsen auf, gewann an Höhe, dann nahm es Kurs auf die einzige Passage, die es in diese Dysonsphäre gab.

Die beiden Gestaltwandler sahen dem entschwindenden Raumschiff hinterher.

„Also denkst du, das dieser Killer jemand ist, mit dem wir schon Kontakt hatten?“

Die junge Kaiserin lachte amüsiert auf.

„Nein, wir kennen ihn beide nicht. Aber Captain Harris, John, war so freundlich, um mir die Eckdaten über ihn zu geben. Wir wissen also wieder ein wenig mehr als dein SSD so schnell erfahren wird. Andererseits habe ich aber auch eine Mission angenommen, die nicht aufgeschoben werden darf. Wir beide können helfen, das Solsystem zu retten.“

Der junge Prinz sah zu seiner Kaiserin, schüttelte verwirrte den Kopf, und bemerkte: „Maja, wir sind nicht sicher!“

Die junge Frau nickte.

„Darüber bin ich mir vollständig im Klarem, mein Freund. Aber es spielt keine Rolle, wo wir uns verstecken, dieser Killer würde uns überall finden. Unter den Vorki-iri wären wir wahrscheinlich am sichersten, aber selbst John akzeptiert, das ich keinen Genozid meinetwegen riskieren möchte. Vor allem auch nicht deinetwegen, der mich bereits mehr Aufwand kostete, als er wert war.“

Argyle lächelte zynisch zurück.

„Du wirst immer zynisch und beleidigend, wenn dir klar ist, das es diesmal kritisch werden könnte. Mein Gott, wir haben es sogar geschafft, uns aus diesem verdammten Krieg gegen die Autorität herauszuhalten. Jetzt mit einem Mal willst du in einen Krieg ziehen, der nicht der unsrige ist.“

Die junge Kaiserin schüttelte den Kopf.

„Argyle, dieser Krieg ist durchaus der unsrige. Denn wir haben schon einmal mit jenen zu tun gehabt, den dieser Killer einst gefolgt ist. Sie waren schwierige Gegner. Ihr Sternenreich fiel durch einen winzigen Umstand, und den hatten noch nicht einmal wir zu verantworten. Diese Spezies weigerte sich auf uns als Wächter zu hören. Sie begannen einen Krieg mit einer Spezies, die du auch kennst. Und die wir heute noch fürchten.“

„Die Kla’kkar?“

Maja nickte.

„Ja, und wenn John’s Beobachtungen korrekt sind, treibt sich im Raumgebiet der Menschheit einer ihrer Raumjäger herum.“

Der Gestaltwandler erbleichte. Ein Vorgang, der nicht oft zu beobachten war. Mit einem Mal wurde er richtig grau. Nicht nur im Gesicht.

„Kla’kkar? Sie können noch nicht wach werden. Dies hätte katastrophale Folgen!“, warf er dann überhastet ein.

Maja folgte dem Weg bis zum Rand des Raumhafens. Ihr fliegendes Domizil war längst gelandet und stand keine Handvoll Meter von ihnen entfernt.

Die Kaiserin der Gestaltwandlerin nickte zustimmend.

„Sollten die Kla’kkar jetzt bereits wach werden, hätte dies schreckliche Folgen. Uns sind die Hände gebunden, und die Adhara sind auch nicht darauf vorbereitet. Aktuell gibt es keine Spezies in der Nähe, welche noch das Idiom der Insektoiden spricht. Unsere einzige Chance sind die Cosmotica.“

Argyle lachte amüsiert auf.

„Majestät, Maja, es gibt keine Cosmotica mehr. Doch bezweifle ich ernsthaft, das es, wenn es noch welche gäbe, sie uns dabei helfen würden, Schaden von der Menschheit abzuwenden, wenn jene doch direkt an dem Genozid der Cosmotica beteiligt ist.“

Maja nickte zustimmend.

„Genau dies habe ich John Harris auch gesagt. Aber er meinte nur, wir hätten eine reele Chance. Doch um diese Möglichkeit zu nutzen, müssen wir nach Greenhouse aufbrechen. Dort gäbe es ein Raumschiff, welches über hervorragende Eigenschaften verfügte, und mit dem wir uns auf die Suche begeben könnten. Unser einziges Problem ist nur, wie wir dessen Captain davon überzeugen, uns zu helfen.“

Nun war es an Argyle richtig, laut aufzulachen.

„Ich kenne die Menschen gut genug. Ich habe noch nicht einmal meinem kommandierenden Offizier gesagt, das ich nach dem Attentat auf das Archiv hierher fliege, weil ich nicht wußte, wem ich noch vertrauen kann. Jetzt bin ich seit Monaten hier, und keinen Schritt weiter, weil mir nicht einfällt, was ich noch wissen muß, damit ich endlich erfahre, welchen Sinn und Zweck dieses dumme Attentat hatte. Die einzige Information, die etwas gebracht hätte, kam mir auch erst wieder in den Sinn, als es bereits zu spät war. Ich bin in dieser Sache keine große Hilfe.“

Maja lächelte ihren Prinzen wieder amüsiert an.

„Wie kommt es, das der skrupelloseste meiner Untertanen mit einem Mal solches Mitgefühl spazieren trägt. Captain Harris hatte seine Gründe, weshalb er dich zum menschlichen Geheimdienst schickte. Ich habe ihm diesen Gefallen gerne getan. Doch jetzt merke ich, das du zögerlich reagierst. Weshalb? Unsere Schuld den Menschen gegenüber ist bald abgegolten. Danach werden wir uns entscheiden müssen, wo wir stehen. Aber ich vertrete die Meinung von Captain Harris, das die Galaxis die Gestaltwandler irgendwann wieder als Spezies braucht. Als handelnde Macht. Immerhin waren wir lange genug die Hüter der Galaxis. Wir kennen die Geheimnisse der meisten Spezies. Aber wir waren nie perfekt.“

Argyle nickte zustimmend.

Die alte Kaiserin hatte den Verstand verloren, als sie den Angriff auf das restliche Leben in der Galaxis befahl. Als sie unbedingt jedes Leben in Leben gleich der Gestaltwandler umgewandelt sehen wollte. Die BLACK DEMON hatte diesem Albtraum ein Ende gemacht. Nur Maja war verschont geblieben, weil Captain Harris vorher für sie und ihren Hofstaat eine Ausweichheimat gefunden hatte. Einen Ort, den Argyle lieber wieder vergessen wollte.

Ein uralter Asteroid irgendwo im Nirgendwo, aber nah genug an dieser alten Dysonsphäre dran, um sicherzustellen, dass Maja ihr Erbe irgendwann würde akzeptieren können. Argyle kannte diesen Ort. Dort hatte er ebenfalls geschlafen. Doch war er niemals der Mörder all ihrer Wachen gewesen. Selbst wenn es so ausgesehen hatte. Doch die toten Wachen ließen sich am leichtesten dadurch erklären, da es vorher schon zwei einfache Wachleute gegeben hatte, die den Verstand verloren und gegen die Menschheit opponierten.

Ohne dies wäre es kaum notwendig, das sich Maja auf dieser Dysonwelt versteckte. Bewacht von einer Adhara. Abermals dachte er darüber nach, was er von seiner Kaiserin gerade gehört hatte.

Maja stand immer noch vor dem Eingang ihres fliegenden Domizils.

„Argyle, wir werden eines unserer Raumschiffe benutzen müssen, wenn wir schnell genug auf Greenhouse sein wollen. Die Menschen haben endlich den Raumschiffhangar aufbekommen. Jetzt suchen sie von der Außenseite aus den Zugang.“

Der Gestaltwandler lächelte schief zurück.

„Maja, du willst es wirklich tun? Wir sind die letzten unseres Volkes. Wenn wir fallen, dann gibt es keine Gestaltwandler mit unendlichem Gedächtnis und Wissen mehr.“

Die Kaiserin grinste schelmisch zurück.

„Du denkst wirklich, John würde uns auf eine Mission schicken, wenn er nicht sicher wäre, das wir damit nicht fertig würden? Diesmal ist unser Spürsinn gefragt. Dein Verfolger wird uns einige Zeit lang nichts tun. Bis er sich einen Plan zurecht gelegt hat, wie er dich erledigt. Dies gibt uns die Möglichkeit, ihn aufzuspüren, und gleichzeitig unsere eigene Mission durchzuführen.“

Argyles Lächeln verunglückte wieder.

„Und was hat uns der große Captain diesmal versprochen? Was bekommen wir dann geschenkt? Den Dienst, dem du ihn in der Vergangenheit erwiesen hast, sorgte dafür, das wir alle auf einem drögen Felsen landeten, wo wir eigentlich kaum Überlebenschancen hatten. Jetzt willst du ihm schon wieder einen Gefallen tun. Ohne dabei zu bedenken, welche Konsequenzen dies für uns als Spezies haben könnte!“

Maja sah ihren Vertrauten und Prinzen nun fest an.

Jegliche Freude war aus ihrem Gesicht gewichen. Ihre Augen wurden hart und behielten ihre Farbe bei. Diesmal verwandelten sie sich nicht wieder in dieses strahlende Gold, welches Maja so gerne trug.

„Captain Harris hat zugesagt, das die Gestaltwandler in der nächsten Allianz, die gegründet wird, Vollmitglied sein werden. Von Anfang an. Allein schon deshalb, weil wir so viel riskieren, um den Menschen zu helfen. Unsere Spezies ist aufgestiegen, wie es unsere Ahnen wollten. Aber wir haben unsere Vorfahren nicht im Auge behalten. Wir waren nicht für sie da, als die Katastrophe hier ausbrach. Ich bin nicht bereit, aus reinem Egoismus den gleichen Fehler wie die letzte Kaiserin zu machen. Die Gestaltwandler waren einmal die Hüter dieser Galaxis. Dies muß immer noch Bedeutung für uns haben.“

Argyle verstand.

„Dafür tust du es also!“

Der Prinz war vollkommen verblüfft.

Ja, seine junge Kaiserin war etwas Besonderes. Doch bisher waren alle ihre Entscheidungen zu ihren Gunsten gewesen. Dass sie jetzt den letzten Überlebenden ihrer alten Vorgängerspezies wieder ein Leben in der Zivilisation beibrachte, das sie mit der Menschheit und den menschlichen Forschern auf dieser Dysonwelt kooperierte, sprach so sehr für sie. Dies belegte immer mehr, das diese Kaiserin genau wußte, was ihre Aufgabe war. In der Vergangenheit waren die Gestaltwandler weniger der Schrecken der Galaxis, als dessen Aufpasser gewesen. Es hatte immer Arbeit in der Galaxis gegeben, als man sich noch daran hielt, was die Altvorderen vorgegeben hatten.

Dann kamen die sieben Kaiserinnen an die Macht und richteten eine Katastrophe an. Die Galaxis wurde verheert, und dieser Krieg schien ewig zu dauern. Doch dann tauchte der schwarze Dämon auf und klärte das Problem mit seiner überlegenen Feuerkraft. Die sieben Kaiserinnen starben aus. Vollständig.

Nur Maja blieb übrig.

Als letzte Prinzessin, die sich seit Jahrzehnten daran gewöhnte, die Kaiserin zu sein, die ihr Volk irgendwann wieder auferstehen lassen würde. Eine Kaiserin, deren Namen man mit Ehrfurcht aussprach und deren Leistungen in der Geschichte aller Spezies verzeichnet waren. Für Argyle machte es dennoch wenig Sinn, das Captain Harris ausgerechnet Maja und ihn gerettet hatte. Es wäre so einfach gewesen, die Spezies der Gestaltwandler vollständig auszulöschen. Doch anstatt dies zu tun wurde er zum Lebensretter.

Argyle entschied sich.

„Maja, ich werde dir natürlich folgen. Wenn du also sagst, das diese Mission Priorität hat, dann werde ich dich begleiten. Sollte es dieser ominöse Killer wirklich auf uns abgesehen haben, wäre dies vielleicht die einzige Möglichkeit, ihn erfolgreich zu stellen.“

Die junge Frau nickte.

„Wir sehen uns am Raumhafen kommende Woche. Ich brauche noch Zeit, ein passendes Raumschiff herauszusuchen. Wir müssen noch unauffällig bleiben. Fielen wir jetzt bereits auf, wäre wahrscheinlich mehr in Gefahr, als die weitere Existenz unseres Volkes.“

Argyle nickte, deutete eine Verbeugung an, und wandte sich dann von der langsam startenden fliegenden Behausung ab. Dieser fliegende Palast gewann schnell an Höhe.

Irgendwie beneidete der junge Prinz seine Kaiserin.

Maja wußte immer, was das Richtige war. Auch wenn es ihm manchmal schwerfiel, dies auch zu akzeptieren.

3 – Daedalus

15. Mai 2327 (NV 256)

Cameron Rodriguez sah interessiert hinüber zu der sechzig Meter durchmessenden grauen Kugel, die da auf einem guten Dutzend scheinbar zerbrechlich wirkenden kurzen Stützen auf dem gleichfalls grau wirkenden Beton des Raumhafens von Neu-Terra stand.

Die DAEDALUS, wie man das Raumschiff nach dem Projekt getauft hatte, aus dem es hervorgegangen war, schien nur ein schlichter Kugelraumer zu sein. Wenn man jedoch ehrlich war, war dieses Raumschiff die erste eigene Konstruktion, die die Regierung der Terraner abgeliefert hatte.

Nach einer Schwierigkeit von mehr als fünfundzwanzig Jahren, um die entsprechenden Rohstoffe, die entsprechenden Reaktorenund noch einige andere Bauteile zu organisieren. Aktuell war es so, das auch dieses Raumschiff mit den Taurischen PLT-Reaktoren lief, die die Alkali freundlicherweise lieferten.

Cameron Rodriguez war der amtierende Präsident der Terraner. Nicht direkt mit einem Putsch, sondern nur mit zwei Pistolenkugeln an die Macht gekommen, war er die höchste Instanz dieser Welt. Als Geheimdienstchef hatte er sein Ohr immer genau dort, wo es sein sollte.

Der Unmut im Volk hielt sich in Grenzen, und nach etwas mehr als zweihundertfünfzig Jahren im Exil gewöhnten sich die ersten Bewohner dieser Welt endlich daran, daß sie ihre eigentliche Heimat war. Auf den ersten Blick hörte sich so etwas hervorragend an, doch es gab immer noch Kräfte innerhalb der planetaren Bevölkerung, die eher wieder die alten Verhältnisse zurückhaben wollten. Und diese bestanden leider Gottes daraus wieder auf die Erde zurückzukehrenund diese Welt zur Zentralwelt eines die Galaxis umspannenden Netzwerks aus Kolonien zu machen.

Schöne Verhältnisse, wenn man es genau nahm. Doch Rodriguez hatte mit zu den Ersten gehört, die niemals akzeptieren konnten, dass eine Rückkehr ins Solsystem wirklich die Befreiung von ihren aktuellen Sorgen darstellen würde.

Dieses erste eigene Raumschiff der Terraner würde ein Zeichen setzen. Sie waren endlich da. Endlich angekommen. Es würde sich aber noch zeigen müssen, ob der von den Alkali erhaltene von den Solanern gebaute Hyperraumantrieb auch wirklich funktionierte.

Präsident Rodriguez hatte deshalb lange darüber nachgedacht, wohin der erste Flug der DAEDALUS führen würde. Es gab ein gutes Dutzend interessanter Ziele. Doch man wußte noch nicht, wie hoch die Reichweite wirklich war. Man brauchte nicht viel Wissen, wenn man mit einem solchen Raumschiff wirklich unterwegs sein wollte.

Die Terraner hatten so viel Können in diesen Kugelraumer hineingesteckt, wie sie gerade entbehren konnten. Dieses Raumschiff entsprach nicht den üblichen Kriterien, deshalb war es auch ein Experiment innerhalb eines Experiments. Sollte die DAEDALUS heute fliegen, wären ihre ersten Aufgaben keinerlei Vermessung, sondern Kontaktaufnahme mit der legendären Antares-Basisstation.

Cameron Rodriguez hatte sich dies sehr genau durchgedacht.

Sein einziges Problem waren seine unfähigen Agenten auf der Erde, die alles ruiniert hatten. Normalerweise hätte Admiral Feldmann für sie arbeiten müssen, sollen. Damit er mit seiner strategischen Raumflotte der Kampfflotte der Terraner den Weg freiräumt, und die ehemaligen Dissidenten wieder auf die Erde zurückkehren konnten.

Das war der eigentliche Plan gewesen.

Dann ging mehr als eine Sache schief. Zuerst versaute der angeheuerte Profikiller seinen Auftrag, bei dem es nur darum ging, eine winzige Abteilung des solaren Sicherheitsdienst zu neutralisieren, weil jene gerade dabei war, uralte Akten der strategischen Raumflotte zu sichten. Dummerweise hatte sich in diesen Dokumenten der gesamte geplante Feldzug beschrieben. Sogar mit den genauen Koordinaten der Sonnensysteme, die die terranische Flotte würde erobern müssen, um letztlich Erfolg zu haben. Das kleine Attentat ging schief. Gewaltig schief.

Seitdem war der Killer abgetaucht.

Doch Cameron Rodriguez störte das nicht weiter. Die Panne war geschehen. Sie ließ sich nicht mehr rückgängig machen. Entscheidend an diesem ganzen Chaos war nun, das die Terraner mit Antares in Kontakt kamen. Jener künstlichen Intelligenz, oder was sie sonst darstellte, die diese gewaltige Raumbasis kontrollierte. Mit ein wenig Glück würden die Terraner weiteren Schaden abwenden können. Doch dazu benötigten sie die Kooperation von Antares. Diese Raumstation wäre der letzte Strohhalm. Denn bei den Terranern konnte man nicht davon sprechen, das sie wirklich eine nutzbare, oder besser gesagt, nützliche, Raumflotte zur Verfügung hatte.

Deshalb auch Projekt DAEDALUS. Dieser Kugelraumer war wirklich die einzige Chance, die die Terraner noch hatten, wenn sie weiteren Schaden von der Galaxis abwenden wollten. Und nicht am Ende dieses Fiaskos als die Bösen gebrandmarkt werden wollten. Anhand des Vorgehens der Verteidigungsallianz gegen die Autorität hatten die Terraner sehr gut mitbekommen, wie die Allianz mit Kräften umging, mit denen sie so nicht fertig werden konnte. Die beobachteten Genozide waren an für sich schon schlimm gewesen.

Doch ausgerechnet hatte dies bei der Bevölkerung von Neu-Terra letztlich dazu geführt, dass man die Politik seines Amtsvorgängers immer mehr infrage gestellt hatte. Hidago war ein Idiot gewesen, die Klagen des Volkes einfach zu ignorieren.

Einer von mehreren Gründen, weshalb Rodriguez ihn und dessen Geliebte erschoß und sich selbst zum neuen Präsidenten der Exilwelt ausrief. Doch ihr Exil würde bald zu Ende sein, wenn die DAEDALUS heute erfolgreich abhob.

Die Besatzung war bereits an Bord.

Präsident Rodriguez hatte nicht vor, eine entsprechend flammende Rede zu halten. Sein Verteidigungsminister John James McNaughtan stand unweit neben ihm und man sah ihm die Angst durchaus an. Sollte der Prototyp heute schon wieder nicht starten können, wäre es das Todesurteil für seinen Minister.

Doch Cameron Rodriguez hatte mehr Angst davor, wenn der Hyperraumantrieb nicht funktionierte. Was nutzte ein moderner Kugelraumer, wenn sie damit nicht durch den Hyperraum und nach Antares kamen. Eigentlich war er Geheimdienstler. Mit Technologie hatte er nicht so viel am Hut.

Doch das änderte sich, nachdem der bestellte Killer es übertrieb, und zwar alle Agenten des SSD im Flottenarchiv erledigte, aber dabei mehr Aufmerksamkeit auf die ganze Affäre lenkte, als notwendig gewesen wäre. Eine Panne. Aber eine, die Nachwirkungen hatte. Deshalb war es so wichtig, dass sie zumindest Antares erreichen konnten. Nur hatte Neu-Terra keine MEGA-Akademie zur Verfügung, oder sonst eine Möglichkeit, fähige Astronauten auszubilden. Alles hatten sie in den letzten Jahrzehnten so aufgebaut. Zwar gab es eine Akademie, aber jene hatte nicht die Qualität, wie die MEGA-Akademie im Solsystem. Wahrscheinlich würden sie es diesmal auch nicht wieder schaffen, die DAEDALUS starten zu lassen. Es war zumindest schon einmal etwas gewonnen, wenn das Raumschiff über die Atmosphäre hinaus kam.

Auf dem Lautsprecher des Raumhafens war die Stimme des Towers zu hören.

„Launchpad Alpha, DAEDALUS, sind sie startbereit?“

Es dauerte einen Moment, dann meldete sich die Stimme des Captains. Rodriguez konnte sich dessen Namen nicht merken. Irgendwie der Nachfahre eines irdischen Schauspielers, der wegen seines schlechten Schauspiels eher eine Legende als wirklich eine Bereicherung der Kunst gewesen war.

„Hier DAELDUS, Raumhafen, ich kann das Schiff startklar melden!“, kam dann die Antwort.

Der Tower aktivierte die Lichter des Launchpads, schaltete die Kühlanlage an. Man spürte den kalten Luftstrom, der von dem eingelassenen Wasser erzeugt wurde bis hoch zur Tribüne. Dann schaltete der Tower das Launchpad auf Grün.

Es dauerte einen kurzen Moment, dann bildete sich unter dem Antriebsring des Kugelraumers ein leichtes Glühen. Rodriguez mußte lächeln. Jeder andere hätte dieses Projekt so bauen lassen, das noch ein alter PLT für den primären Schub sorgte. Doch dieser veränderte Plasmaantrieb hatte seinen eigenen Vorteil.

Das Plasma wurde in eine Spulenkette gefeuert, wodurch sich ein kohärentes Energiefeld bildete. Der Antrieb war zwar nicht so effektiv wie der im Solsystem entwickelte ESA, aber er funktionierte nach ähnlichen Methoden. Sobald sich ein stabiles Energiefeld gebildet hatte, würde der Kugelraumer abheben.

Das Glühen unter dem Antriebsring nahm zu, dann sah man, wie der Kugelraumer langsam an Höhe gewann. Nicht viel, vielleicht einen halben Meter. Doch schließlich wirkte sich die Kälte, die von unten auf den Schiffskörper einwirkte, auf den Antrieb auf. Das Magnetfeld schloß sich, und auf einem feinen Wasserregen schoß der Kugelraumer in den Himmel. Wurde rasch kleiner, und durchbrach dann mit einem Überschallknall die Atmosphäre.

Eine halbe Minute später wurden wieder die Lautsprecher aktiv. Es war die Stimme des Captains der DAEDALUS. „Hier die DAEDALUS. Wir befinden uns in einem stabilen Orbit um den Planeten. Der Antrieb arbeitet wie erwartet. Alles in bester Ordnung. Wir führen nun das erste Testprogramm durch.“

Damit schaltete er ab.

Cameron Rodriguez sah zu seinem Verteidigungsminister.

„Gute Arbeit, McNaughtan. Damit ist sicher gestellt, das wir nun auch zu den raumfahrenden Nationen dieser Galaxis gehören. Sie kennen die Anweisungen. Geben sie diese an den Captain unseres Raumschiffes weiter. Und sagen sie ihm, daß es immens wichtig ist, das er seine Testflugroutinen komplett abschließt.“

John James McNaughtan nickte nur sprachlos.

Eigentlich hatte der Verteidigungsminister niemals gedacht, lebend heute vom Platz zu kommen. Atemlos sah er zu, wie sich der Herr Präsident von einem ganzen Rudel Sicherheitsleute von der Tribüne geleiten und zu seinem Bodenfahrzeug bringen ließ.

McNaughtan mußte nicht weiter nachdenken, wenn er sich doch sowieso sicher war, wie gefährlich alles noch werden würde, falls Antares ihre Ankunft nicht akzeptieren würde. Aber Befehl war Befehl. Am liebsten würde er selbst fliegen. Doch dann erinnerte er sich, dass genau mit einem solchen Trick die Autorität damals bei der Verteidigungsallianz um Vertrauen geworben hatte. Dieses Verhalten war unentschuldbar, zudem sie keine zwanzig Jahre später ihren Krieg gegen die Allianz vom Zaum brachen.

Der Präsident fuhr wieder hinüber zum Regierungspalast.

Dem Verteidigungsminister wurde flau, wenn er daran dachte, was nun die Witwe des letzten Präsidenten durchmachen würde. Der Geheimdienstchef war nicht verheiratet. Er amüsierte sich lieber mit der Witwe seines Amtsvorgängers. Dessen Sohn hatte er wider Erwarten nicht töten lassen, sondern in eines der häßlichsten und grausamsten Folterlager gesteckt, die Neu-Terra aufwies. Doch McNaughtan stellte dies nicht mehr infrage.

Der neue Präsident war mittlerweile dafür bekannt, dass er keine Kompromisse einging. Ein Minister, der im Amt versagte, wurde hingerichtet. Ohne jeglichen weiteren Kommentar. Es waren gefährliche Zeiten.

Doch Neu-Terra sollte sich verändern. Dies war zumindest von seitens des neuen Präsidenten angedacht. In welche Richtung stand jedoch noch nicht fest. Es konnte in Richtung auf mehr Freiheit gehen, oder aber auch entgegengesetzt. So absolut sicher war das wirklich nicht.

John James McNaughtan dachte an seinen Vorfahren, der Mitte des einundzwanzigsten Jahrhunderts die alte Erde verlassen, und sich den Dissidenten angeschlossen hatte. Es war ja nicht so, das alle, die zu den Dissidenten zählten, Künstler, Politiker, Schauspieler, Reiche oder Superreiche gewesen wären. Es war ein ganz bestimmter Menschenschlag aussortiert worden. Die damalige Revolutionsregierung hatte zumindest aus der französischen Revolution gelernt, und nicht automatisch jeden, der einem bestimmten gesellschaftlichen Stand angehörte, ausgelöscht. Die Bestrafung war viel nachhaltiger gewesen.

Ein Großteil derer, die von der damaligen Erdregierung ausgewiesen wurden, waren zwar Reiche gewesen, aber jene durften auch einen Großteil ihres Vermögens mitnehmen. Der sonstige Rest, der gehen mußte, waren ein bestimmter Menschenschlag, der als provokante Künstler vorher auf die Meinung der Menschheit einwirkten.

McNaughtans Ahn war nur deshalb in das Raster hineingerutscht, weil er sich kritisch gegenüber den Zuständen äußerte, die sich im Solsystem zwangsläufig herausbilden würden, wenn diejenigen, die die Kontrolle übernommen hatten, nicht ein wenig vernünftiger vorgehen würden.

Insgesamt waren es nur zweiundzwanzig Dissidentenraumschiffe vor zweihundertfünfzig Jahren gewesen. Nicht viel, um eine funktionierende Kolonie aufzubauen, doch es war irgendwie gelungen. Neu-Terra war deshalb weniger ein Traum als ein wirklich gelebter Albtraum. Die neue Gesellschaft, die hier aufgebaut worden war, hatte ihre Schwächen. Aber sie funktionierte!

McNaughtan kehrte zu Fuß zum Rande des Raumhafens zurück. Jetzt, wo das Publikum sich langsam wieder verlief, kam die DAEDALUS wieder aus ihrem Orbit gefallen. Der Kugelraumer verzögerte wenige Kilometer über Grund, nur um dann auf seinem Kraftfeld wieder zu landen. Dabei schien er wirklich langsam einzuschweben.

Der Verteidigungsminister mußte nicht lange überlegen. Wahrscheinlich würde er eine Mitfluggelegenheit bekommen. Sobald sichergestellt war, wie der neue Präsident gedachte, das Raumschiff einzusetzen. Der Flug nach Antares würde schon einiges von der Besatzung abverlangen. Zwar hatte man trainierte Astronauten, doch nicht in dem Maße, wie man sie wirklich benötigte, wenn man aus diesem einzelnen kleinen Raumschiff wirklich später einmal eine Raumflotte erstellen wollte. Das die Terraner Hilfe brauchten war offensichtlich. Ob sie diese auch bekamen, stand auf einem anderen Blatt. Entscheidend war, was sich noch tun würde. Präsident Rodriguez war gnadenlos. Er tolerierte keine Fehler. Das er den Auftrag an den Killer noch einmal erneuert hatte, mit der Auflage, das der Job diesmal richtig erledigt werden sollte, war auch nichts berauschendes.

Es war logisch.

Doch der Killer war seit gut einem Jahr abgetaucht, und niemand wußte, wo sich der Schakal gerade aufhielt. Zumindest fanden keine spektakulären Attentate statt, so das man wußte, das er derzeit nicht aktiv war.

McNaughtan als Verteidigungsminister mußte um solche Kleinigkeiten wissen, auch wenn der Geheimdienst nun über das Präsidialamt lief, und er nicht mehr alles erfuhr, was an Informationen anfiel.

Neu-Terra hatte eine Chance.

Zumindest die Möglichkeit einer Chance.

Wenn die Geschichten, die sie über Antares gehört hatten, zutrafen, würden sie bei der Raumstation Gehör finden. Und vielleicht verhindern, das der Bürgerkrieg, der gerade dabei war die solare Union aufzuspalten, diese endgültig vernichtete. Dies wäre im Sinne der alten Vertriebenen gewesen. Doch es war nicht im Sinne von Neu-Terra, seitdem man dort festgestellt hatte, das die Politik, die die solare Union betrieb, insgesamt doch etwas positives war.

Wenn man es genau nahm, waren die meisten Dissidentenfamilien mittlerweile nicht mehr auf die alte Heimat wütend oder verärgert, weil sie eingesehen hatten, das in der alten Zeit so vieles falsch gelaufen war. Fairness war auch heute noch ein Thema auf Neu-Terra. In Terrania, der Hauptstadt, sowieso.

Aber Fairness war nichts, mit dem man wirklich Geld verdienen konnte. Reichtum machte immer noch das Moment aus, das darüber entschied, ob du in dieser Welt Karriere machen konntest oder nicht. Das der Ruf nach Fairness langsam lauter wurde, machte McNaughtan nicht weiter verrückt. Er registrierte es und hakte es ab. Ihn als Verteidigungsminister betraf dieses Bestreben nicht. Dies ging nur den Innenminister an.

Jener schäkerte aber auch lieber mit seinen leichten Damen herum, als seine Arbeit zu machen. Der Polizeidienst auf Neu-Terra war strikt gehandhabt. Die meisten Strafen lauteten auf Tod. Aber erst, seitdem sichergestellt war, das die globale Bevölkerungszahl nicht entscheidend dadurch sinken würde. Die Polizei war gleichzeitig Richter, Geschworener und Vollstrecker. Das System funktionierte gut. Solange sicher gestellt war, das wenigstens vor dieser Art von Gesetz so etwas wie Fairness gewährleistet wurde.

4 – Remember

15. Mai 2327

Die schwer gepanzerte Infanterie der FRE hatte das Baislager vor gut einem Jahr eingenommen. Die freie Republik Erde, zumindest nannten sich die Truppen so, gingen nicht gerade friedfertig mit den Wissenschaftlern von interstellar Expeditions um. Im Zentrallager hatte es Tote gegeben, weil einige der Wissenschaftler dachten, sie könnten effektiv Widerstand leisten. Ein tödlicher Trugschluß, wie sich herausstellte.

Die Begleitflotte um Remember war vertrieben worden. Die drei vorkischen Kreuzer mußten der Übermacht von zwei solaren Schlachtschiffen weichen, die plötzlich in das System gesprungen waren. Doch die Vorki lieferten sich keinen Kampf, sondern verschwanden mit Höchstgeschwindigkeit aus dem Sonnensystem, genauso wie das taurische Schlachtschiff der L1-Klasse. Auch dieses wurde von einem schlagartig auftauchenden Aufgebot der Flotte der freien Republik Erde zum Rückzug gezwungen. Seit diesen Tagen dominierte die FRE das Sonnensystem.

Die Wissenschaftler durften weiter arbeiten. Jedoch unter einer immensen, strengen, Bewachung. Die Hälfte der Wissenschaftler des Basislagers hatte die Fehleinschätzung der Lage bereits das Leben gekostet.

Rosenbaum, Marx und Marcheson hielt dies jedoch nicht davon ab, in ihrem kleinen Lager wenigstens schon einmal die Vorbereitungen für den Jahrtausendfund zu treffen. In einer separaten Kammer des Baues links unterhalb des vorher schon gefundenen Hochhauses fanden sie den Kadaver einer unbekannten Spezies. Die Frau schien jung verstorben zu sein, und irgendwelche Kräfte in der Kammer verhinderten, das sie bereits vollständig verwest war. Jedenfalls hatten die drei Wissenschaftler den Kadaver nicht geborgen, sondern nur einen ziemlich detailierten Filmbericht über ihren Fund gemacht.

Das Interessanteste an ihrem bisherigen Fund war aber nicht der Kadaver an für sich, sondern der Umstand, das das Hochhaus, welches sie schließlich zu dieser Grabkammer geführt hatte, unterschiedlichen Zivilisationen anzugehören schienen. Der blauhäutige Kadaver ergab in diesem Zusammenhang noch viel weniger Sinn, da sich die drei Wissenschaftler primär auf den Gegenstand konzentrierten, der diese vermaldeite Quantenstrahlung abgab. Eine Strahlung, die er nach den bisherigen Erkenntnissen, wann die T’Kar ungefähr diese Welt kolonisiert hatten, gar nicht mehr hätte vorhanden sein dürfen.

Nun befanden sich die drei Wissenschaftler im Basislager und harrten dort der Dinge, die noch folgen würden. Der blauhäutige Kadaver war ungewöhnlich. Denn er wirkte zu frisch, um wirklich so alt zu sein, wie die Quantenanalyse ausgab.

Und genau wegen diesem Fund saßen die drei Wissenschaftler nun einem Offizier der freien Republik Erde gegenüber. Der Colonel sah von einem zum anderen, dann erklärte er noch einmal: „Die freie Republik Erde fühlt sich geehrt, das sie wenigstens bereit sind, mit uns zusammenzuarbeiten. Ihre Kollegen war ja bisher in dieser Hinsicht verstockter. Dürfte man erfahren, weshalb sie ausgerechnet in diesem Tal mit ihren Ausgrabungen angefangen haben?“

William Marcheson sah den Offizier der rebellischen Flotte an, und entgegnete dann: „Wir hatten einen Quantenausschlag in einem Gebiet, wo eigentlich keiner hätte sein dürfen. Die T’Kar hatten interstellar Expeditions ziemlich genaue Pläne ihrer alten Bebauung überlassen. Wir wußten also, wo wir entsprechend Artefakte der T’Kar finden könnten. Aber in diesem kleinen Tal hatten wir eben eine ungewöhnliche Quantensignatur, der wir nachgehen wollten. Doch bisher kamen wir nicht so weit, sondern fanden nur diesen Kadaver, den wir wohl der zweiten Spezies, die diesen Planeten einst bewohnte, zuschreiben müssen.“

Professor Marx lächelte den Offizier wieder freundlich an, und entgegnete: „Dieser Zufallsfund wirft unsere gesamte Theorie über die Geschichte dieses Planeten über den Haufen. Wenn ich nach unseren bisherigen Analysen gehe, würde ich sagen, der Kadaver ist Kaskar. Doch das kann er nicht sein, weil so weit im galaktischen Süden haben die Kaskar niemals kolonisiert. Doch wir sind uns noch nicht wirklich sicher.“

Der Offizier sah von einem zum anderen.

„Und bei dem Kadaver fanden sie keine Artefakte, die die Quantenfrequenz aufwiesen, auf die sie aufmerksam wurden?“

Professor Rosenbaum lächelte amüsiert.

„Sir, Colonel, wir sind uns sehr sicher, was unsere bisherigen Ausgrabungen angeht. Nachdem wir das Hochhaus mit seinen neun Etagen fanden, dachten wir zuerst, es wäre eine Wohnstätte. Doch es erwies sich als eine eigene Grablege. Ungewöhnlich hierbei war nur, das man ein mehrstöckiges Haus nicht vergrub, sondern auf der damaligen Bodenebene aufbrachte. Mit einem Beton, den wir auf der Erde nicht herstellen können. Und der eindeutig ebenfalls nicht von den T’Kar stammt.“

Der Offizier überlegte einen Moment.

„Sie drei würden gerne weiter machen, oder?“

Die drei nickten unisono.

Der Offizier lächelte die Wissenschaftler erfreut an.

„Dann kann ich ihnen mitteilen, das Admiral Feldmann ihnen die Graberlaubnis wieder erneuert. Sie müssen nur unserer Infanterie gestatten, sowohl das Hochhaus, als auch die Grablege der unbekannten Kaskar zu plündern. Oder einfacher ausgedrückt, die freie Republik Erde möchte sich hier die Hinterlassenschaften absolut sichern. Unsere Leute werden ihre Funde alle einpacken und mitnehmen. Sollten sie etwas dagegen haben, können sie dies gerne anmelden.“

Professor Marcheson schüttelte den entschieden den Kopf.

„Wir sind mit der Ausgrabung aber noch nicht fertig, Colonel. Wir haben dieses Kaskargrab gefunden, was so gar nicht den Überlieferungen über diese Spezies entspricht. Man könnte fast meinen, die Kaskar wäre nicht tot. Sondern auf eine Art und Weise konserviert worden, wie man es schon seit Jahrzehntausenden nicht mehr verwendet. Wir können nicht einmal mit Sicherheit sagen, ob sie wirklich tot ist.“

Der Offizier der freien Republik Erde lächelte mit einem Mal die drei Wissenschaftler an. „An Bord unseres Flaggschiffes haben wir Labore, die darauf ausgerichtet sind, selbst solche Untersuchungen durchführen zu können. Wir werden ihre bisherigen Funde dort klassifizieren und einlagern.“

Die drei Männer nickten wieder.

Professor Marx wirkte leicht nervös. Schließlich sagte er: „Wir wissen noch zu wenig über die Kaskar. Wir wissen nur, sie waren eine Spezies, die mit zur Autorität gehörte. Wenn sie ihre Toten so weit im Süden der Galaxis begruben, muß dies einen Grund gehabt haben. Wir waren nicht einmal imstande, die genaue Herkunft jener Kaskar zu erklären. Aber bei einer Sache sind wir uns definitiv sicher: Es gab einen Grund, weshalb man sie hier begrub, und nicht im eigentlichen Herkunftsgebiet ihrer Spezies. Dies hier war nie eine Kolonie der Kaskar. Das wir dennoch hier auf einen Kadaver gestoßen sind, paßt nicht. Weder in das Wissen, was wir bisher über die Galaxis haben, noch dazu, was wir bisher nur vermuten. Und Kaskar findet man so weit im Süden nicht!“

Der Colonel nickte.

„Ich werde ihre Auslassungen meinem kommandierenden Offizier weitergeben. Auch ihre Bedenken, wenn es um den Kadaver geht. Doch wenn ihre Aufzeichnungen korrekt sind, ist das gefundene Hochhaus mindestens zwei Million Jahre jünger?“

Marcheson nickte.

„Ja, so weit es unsere Scanner feststellen konnten. Uns verwirrt dies, genauso wie sie. Fest steht aber, das die Erbauer dieses Hochhauses wußten, was sich hierunter befand. Und dessen Ruhe nicht gestört hatten. Wir Menschen waren die ersten, die dies getan haben.“

Der Offizier nickte wieder.

„Sie können gehen. Sie werden von mir erfahren, wann sie mit ihren Arbeiten fortfahren können.“

Damit war für ihn alles gesagt.

Und die drei Wissenschaftler hatten danach schreckliche drei Wochen vor sich, bevor es endlich weitergehen konnten. Als man sie wieder an ihre Ausgrabungsstätte ließ, ähnelte ihr dortiges Lager eher wie eine leere Bauhütte.

Man sah aufgrund der vielen Spuren, das hier mehrere Transportshuttles gelandet waren. Professor Marx hatte nur noch seine Aufzeichnungen über den Inhalt des Hochhauses, welches sie gefunden hatten. Mehr war ihm nicht geblieben. Sogar seine eigene, private, Kiste, die er mit einigen Fundstücken gefüllt hatte, war ihm genommen worden. In den darauffolgenden Tagen machte der Herr Archäologieprofessor keinen so freundlichen Eindruck mehr, wie er ihn vorher immer vermittelt.

Rosenbaum und Marcheson gingen bis tief hinunter, bis sie an der Grablege der Kaskar angekommen waren. Schließlich meinte Marcheson in diesem Gewölbe.

„Es ist ungewöhnlich. Nichts an diesem Bau weist darauf hin, das er wirklich von den Kaskar geschaffen wurde.“

Rosenbaum nickte nur stumm.

Sein Blick traf die Gravuren in den Wänden, die ihn schon beim Fund so fasziniert hatten. Schließlich stutzte er: „Es könnte sein, das der Herr Admiral eine böse Überraschung erhält. Unsere Tote ist wahrscheinlich gar nicht tot.“

Marcheson trat zu dem Doktor hinüber und besah sich ebenfalls das Relief, welches jener gerade bestaunte.

„Und was macht sie da so sicher?“, wollte er dann wissen.

Rosenbaum lächelte geheimnisvoll, dann erklärte er: „Die Kaskar waren eine Spezies, die von den T’Kar mit Absicht in deren Raumgebiet angesiedelt wurde. Eine Spezies, die schon in ihrer normalen Form ein wenig zu exotisch war. Eigentlich hat diese Kaskar hier wirklich nichts verloren. Man könnte meinen, sie wäre hier vergessen worden. In den Aufzeichnungen des T’Kar Midas steht eindeutig drin, das die T’Kar alle Welten vollständig räumten. Warum sollten sie eine Kaskar vergessen? Dies sähe ihnen gar nicht ähnlich. Die T’Kar sind pedantisch korrekt. Ein solcher Flüchtigkeitsfehler würde nur passieren, wenn es keiner wäre.“

Marcheson wurde bleich.

„Und gedenken sie dies der freien Republik mitzuteilen?“

Rosenbaum schüttelte entschieden den Kopf.

„Ich habe mit diesen Spinnern nichts gemein. Sie erinnern ein wenig an ein Problem meiner Vorfahren. Es gab einmal ein Volk in Europa, das nannte sich Nazis. Sie wollten artenrein bleiben, deshalb vergewaltigten ihre Soldaten am liebsten die jungen Frauen von Minderheiten. Wie etwa Rumänen, Polen, Rußland. Auch über mein eigenes Volk und unsere Frauen fielen sie her. Es waren Barbaren. Wen sie nicht auf ihre Seite bringen konnten, ermordeten sie. Angeblich haben sie von meinem Volk sechs Millionen umgebracht, aber es dürften durchaus mehr gewesen sein, denn viele von uns waren auch Sinti und Roma. Zigeunergruppen, die vagabundierend durch Europa zogen. Das waren damals schlimme Zeiten. Diese Spinner, die sich darauf beriefen, das ihr Volk artenrein bleiben sollte, bekamen schließlich von der Interimsregierung nach dem Bürgerkrieg von ´71 ein Stück Land im ehemaligen Rußland zugewiesen. Sie siedelten sich dort an, sind aber mittlerweile ausgestorben. Denn ihre Artenreinheit ging für sie weiter, als sie offen zugaben. Diese war ihnen wichtiger als vernünftige Vermischung. Selbst mein Volk hat akzeptiert, das es nur überleben kann, wenn es auch Ungläubige aufnimmt. Aber dieser kleine europäische Volksstamm begriff es einfach nicht. Sie folgten einer Doktrin. Ähnlich wie nun die freie Republik. Beide ähneln sich so. Das man sich direkt Sorgen machen muß.“

Marcheson lachte wieder amüsiert auf.

„Rosenbaum, sie sind schon ein Märchenerzähler. Den von ihnen beschriebenen Volksstamm hat es doch nie gegeben. Welches Volk wäre denn so verrückt, andere Völker nur wegen Fragen der Rassenreinheit auszurotten? Das müssen doch totale Volldeppen gewesen sein. Niemand mit Verstand käme auf diese Idee!“

Der alte Jude lächelte wieder zurück.

„Ja, heutzutage, im vierundzwanzigsten Jahrhundert hält man es für ein Volksmärchen, das meine Leute immer am Lagerfeuer erzählen, wenn sie ihre Zuhörer das gruseln lehren wollen. Doch es ist keines. Viele unserer Familien wurden damals abgeschlachtet. Und ich befürchte, das die freie Republik in die gleiche Richtung gehen wird, wenn sie erst einmal das Solsystem erobert haben.“

Marcheson nickte.

Schließlich kamen sie an einer Reliefplatte an, die deutlich zu erkennen gab, wer die tote Frau war, die sie gefunden hatten. Ein Name war direkt nicht vermerkt, nur das sie von den Kaskar eine Art Botschafterin gewesen war. Und alle vier Million Jahre eine Ruhezeit von vielleicht zehntausend Jahre brauchte, um ihre internen Akkus wieder aufzufüllen. Damit niemand auf dumme Ideen kam, wurde der Kadaver dann für diesen Zeitraum in eine unterirdische Kammer gebracht.

Dabei dann irgendwie vergessen.

Marcheson lächelte wieder seinen Ausgrabungspartner an.

„Die freie Republik sollte sich vorsehen. Die Kaskar jener Zeit werden selbst in den Schriften der T’Kar als nicht eben freundlich geschildert. Warum sie eigentlich hier war, ist merkwürdigerweise nirgendwo verzeichnet. Aber was sollte eine einzelne Kaskar so weit im Süden der Galaxis?“

Rosenbaum überlegte einen Moment.

„Vielleicht wurde sie auf eigenem Wunsch hier zurückgelassen? Wir wissen zu wenig über die Kaskar-Kultur. Wir wissen nur, das sie existiert hat, oder vielleicht noch in der Galaxis existiert. Doch so weit ist noch nie eines unserer Raumschiffe vorgedrungen. Wir haben nur ungefähre Koordinaten. Aber wenn das stimmt, was auf diesem Relief vermerkt ist, kam sie direkt aus deren Primärsystem. Von dort, wo sich die Kaskar einst entwickelt hatten.“

Marcheson schluckte erneut. Eine echte, lebende, Kaskar?

Über die genauen Verbindungen zwischen T’Kar und Kaskar wußte man so gut wie gar nichts. Besser gesagt, man wußte gar nichts. Die T’Kar hatten diese abenteuerliche Spezies nur als Referenz für ihre eigene Entwicklung angegeben, und das die Kaskar sehr vieles aus der Geschichte der Galaxis wußten.

Rosenbaum erinnerte sich sogar wieder, in welchem Zusammenhang dies damals gefallen war. Der Archäologe grinste mit einem Mal wieder.

„Wenn sie ihr quantenrelatives Artefakt gefunden haben, sollten sie unbedingt einen Antrag an interstellar Expeditions stellen, der es uns gestattet, in jenen Teil der Galaxis vorzudringen, in dem einmal die Kaskar aktiv gewesen sind. Ich kann mir nicht vorstellen, das eine solch hoch entwickelte Spezies einfach ausstirbt. Jedenfalls nicht ohne einen triftigen Grund. Aber wenn diese Reliefs hier zutreffen, wurde dieses Gebäude hier von den T’Kar erbaut. Während das Hochhaus obendrüber von einer Spezies stammt, die als drittes hier siedelte. Womit die Gestaltwandler die älteste Spezies auf diesem Felsen hier wären.“

Marcheson glaubte seinen Ohren nicht zu trauen.

„Und sie sind sich sicher, Rosenbaum?“

Der alte Jude nickte.

„Absolut sicher. Genauso sicher bin ich mir, das die Kaskar hier nicht unbegründet lag. Es gab einen Grund, weshalb man sie auf diesem Planeten zurückließ. Ich fand aber nirgendwo etwas in den Reliefs, das darauf hinwies. Also war es entweder ein Vergehen gegen die Regeln der damaligen Herrn dieser Welt, und da wissen wir nicht genau, wer es war. Ob es die Gestaltwandler oder die T’Kar waren. Oder ob da vielleicht schon die dritte Spezies auf dieser Welt aktiv war.“

Marcheson überlegte einen Moment.

„Wir haben ein Hochhaus aus einem Beton, der nicht einmal durch die natürlich vorkommende Säure im Mutterboden zersetzt wird. Und diese Kammer hier sieht zwar aus, als wäre es Granit, aber unser beider Messungen haben ergeben, das es kein echter Granit ist, sondern nur ein Gestein, das im gleichen Masse verdichtet ist. Was absolut unlogisch ist, weil die Wände massiv aussehen.“

Rosenbaum grinste wieder.

„Marcheson, sie denken zu kurz. Mein Gott hat immer wieder gesagt, das er eines Tages zu seinem Volk zurückkehren wird. Wir haben auf der Erde mehr als nur ein Artefakt einer Technologie gefunden, die einfach unerklärlich ist. Sitchin hat in seinen Forschungen im zwanzigsten Jahrhundert versucht nachzuweisen, das diese Besuche von Aliens zu einer Zeit einmal völlig normal waren. Und was war bis vor dem Krieg gegen die Autorität auf der Erde los? Die Menschheit bekam fast täglich neuen Besuch aus dem Weltall. Teilweise von Spezies, deren Bedeutung wir erst später kennenlernten. Aber in den ersten hundert Jahren unserer astralen Geschichte können wir locker sagen, das wir eine Menge Aliens zu Besuch hatten. Warum denken sie, weshalb die Kaskar hier begraben wurde?“

Die Frage war rhetorisch gestellt.

„Die Kaskar wollte hier ausharren. Sie wollte hier ihre normalen zehntausend Jahre verschlafen, um sich wieder zu regenieren. Nach den Aufzeichnungen der T’Kar kam dies eigentlich nie vor. Wir haben hier aber eine Kaskar gefunden. Sollte ihre Spezies noch existieren, sollte derjenige, der sie daheim abliefert, eine gewaltige Belohnung erwarten dürfen.“

Marcheson grinste mit einem Mal wieder.

„Sie denken aber, das der Admiral nicht damit rechnen kann?“

Rosenbaum schüttelte den Kopf.