Anomalie Mensch - Thoralf Schmidt - E-Book

Anomalie Mensch E-Book

Thoralf Schmidt

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Beschreibung

Anomalie Mensch - Gier frisst Hirn. Oder wie war das gleich mit dem Virus Neid, Arroganz oder Eifersucht? Thoralf Schmidt hat sie alle erlebt. Als Wendekind und Sohn eines ehemaligen Stasioffiziers erzählt der heutige Versicherungsvertreter auf teils skurile, teils schauerliche Weise das von ihm Erlebte. Wendekind? Sie haben richtig gelesen! Der heute 39-jährige könnte auch Krimiautor sein, so spannend und dramatisch spiegelt sich sein Familien- und Berufsleben wider. Allein, er ist keiner...

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Seitenzahl: 78

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Texte: © Copyright by Thoralf Schmidt Umschlaggestaltung: © Copyright by Thoralf Schmidt Verlag: Thoralf Schmidt c/o

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10247 Berlin email: [email protected]

Nun sitze ich hier, es ist 03.19 Uhr am 09. Juni des Jahres 2016 nach Christus, mein Name ist Thoralf Schmidt und ich habe nichts Besseres zu tun als mich an meinen Laptop zu setzen, um die Altersweisheiten eines 39-Jährigen zu Papier, zumindest dem Digitalen, zu bringen…

Warum? Ich kann nicht schlafen!

Sicher, die meisten Menschen würden nicht zwingend versuchen, morgens Ihre Memoiren in Sätze zu gießen aber wie ich beim Hin- und Her wälzen im Bett wieder einmal feststellen musste, kommen mir die besten Ideen tatsächlich über Nacht.

Ob ich nun das auch noch in eine vernünftige Ausdrucksweise bringen konnte, muss wohl der geneigte Leser für sich entscheiden.

Aber, wie war das doch gleich ein paar Sätze und wache Minuten zuvor? Altersweisheit? Mit 39 Jahren? Geburtsjahr 1977… Feuerschlange! Zumindest im chinesischen Horoskop.

Doch tatsächlich gab es in meinen 39 Jahren mehr Feuer als es den meisten anderen Menschen lieb oder auch nur recht gewesen wäre.³

Um es vorweg zu nehmen, dieses Buch soll helfen, Denen Kraft zu geben, die Dinge erlebt haben, an denen andere zerbrochen sind! Ja, vielleicht sogar so weit gehen mussten, dass sie nicht ein noch aus wussten und selbst allen Lebensmut verloren hatten.

In Anlehnung an ein berühmtes Zitat möchte ich Ihnen beim Lesen eins mit auf den Weg geben, an das Sie immer denken sollten:

„Gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,

Inhaltsverzeichnis:

Die Anomalie Mensch - Gier frisst Hirn          5

Virus Stasi - Leben und Sterben einer Familie         6

Virus Eifersucht - rachsüchtige Frau vs. schwanzgesteuerter Mann             23

Virus Erfolg - notwendige Last oder krankhafte Lust      31

Virus Arroganz - Niedergang und Rückkehr        41

Virus Liebe - Respekt & Anerkennung        58

Die Anomalie Mensch

Gier frisst Hirn

Einleitung:

Es gibt viele Arten von Anomalien. Sie sind wie Viren, die sich von einem oder mehreren Wirten ernähren und diese aufzehren und letztlich zerstören. Die schlimmsten von ihnen rafften ganze Kolonien von Lebewesen hinweg, sowohl von Tieren als auch von Menschen. Die populärsten Beispiele sind wohl die Pest oder der Grippevirus. Sie wurden bekämpft, man hat sie besiegt.

Aber EIN Virus hat überlebt. Er hat sich weiterentwickelt und mutiert jede Sekunde in den schlimmsten Auswüchsen über den gesamten Erdball. Es schließt sich ein Band, ja ein Ring sogar, den man nicht überwinden kann. Eine Mauer, die man nicht einreißen kann. In der Saga „Der Herr der Ringe“ nach J.R.R. Tolkien heißt es: „Ein Ring – Sie zu knechten...“

Grausame Wahrheit ist aber, dass dieser Ring der Krankheiten real ist. Er existiert. Und quält jeden Tag aufs Neue. Es ist der MENSCH!

In den folgenden Kapiteln wird Ihnen der Verfasser, teils auf schauerliche, teils auf skurrile Art und Weise nahebringen, wie der Virus der menschlichen Gier wächst und zerstört. Auch die Folgen dieses Befalls werden eindrücklich erklärt und spiegeln das Selbsterlebte wider.

Wie oft oder wie stark Sie schon von diesem Virus oder seinen Auswüchsen befallen wurden und ob Ihr Immunsystem sich bisher oder immer noch erfolgreich wehrt, müssen Sie selbst entscheiden, wenn Sie sich selbst oder Ihre eigenen Erfahrungen mit diesem Virus hier wiedererkennen werden!

Und Sie werden sich wiedererkennen....

Virus Stasi

Leben und Sterben einer Familie

Als Kind hatte mein Vater – meine Schwester und ich nennen ihn wohl treffender nur „den Erzeuger“ – immer davon gesprochen, er wäre jetzt gerade OVD und verabschiedete sich, ohne dass wir Kinder bzw. langsam Heranwachsende wussten, wohin er ging oder wann er wiederkommen würde.

Dass OVD eigentlich Offizier vom Dienst heißt, wusste ich erst, als ich Mitte der Neunziger meinen Dienst bei der „bunten Wehr“- viel mehr war es wohl auch nicht – ableistete.

Gehirnakrobaten, die nicht einmal wussten wie das Wort geschrieben wird, geschweige denn was es bedeutet, profilierten sich zu Schreihälsen in Uniform und holten sich wahrscheinlich jeden Abend dafür einen runter, weil sie das „zivile Fußvolk“, welches seine, vom Staat auferlegte Pflicht ableistete, schikanieren oder quälen konnten.

Qual? Dieses Wort kenne ich nur zu gut!

Was hat er uns nur angetan? Oder tut er uns immer noch etwas an? Nein, denn er atmet nicht mehr die Luft, die er mit seinem Charakter, seinem bösen Wesen und seinem Handeln verpestet hat.

Habe ich etwa meinen eigenen Vater zum Tod verurteilt? Nein! Ich sage nur, dass es eine Erlösung war – vielleicht auch für ihn selbst?!

Solange ich mich zurückerinnern kann, saß er abends bei Bier und Schnaps am Wohnzimmertisch und schaute fern. Dass der Qualm seiner Zigarette seiner Familie, insbesondere seinen beiden kleinen Kindern, nicht gut tat, interessierte ihn nicht. Er war ja der Herrscher dieser kleinen Familie, der „große Stasi-Offizier“. Was er sagte war Gesetz! Und wenn wir seine zynischen und ironischen Sprüche, mit denen er uns Kinder aufzog, nicht mehr hören oder ertragen wollten, schlug er zu. Als ich noch kleiner war hagelte es immer und immer wieder Kopfnüsse. D.h. er schlug mir oder auch gelegentlich meiner Schwester mit der flachen Hand auf den Hinterkopf.

Nach außen war natürlich alles eine heile Welt. Zu Nachbarn und angeblichen „Freunden“ wurde ein aufgesetztes Lachen und Scherzen der ständige Begleiter. Bis zum Schließen der Tür!

Teilweise sofort entglitten ihm die Gesichtszüge und er scheuchte uns Kinder oder unsere Mutter, um das zu tun, was wir seiner Meinung nach eben machen sollten. Unsere Zimmer aufräumen oder ähnliches. Prinzipiell ja nichts ungewöhnliches…Nur die Methoden waren keine, die in einer „heilen“ Familienwelt zu Tage treten würden. Wenn wir murrten oder uns stur stellen wollten, gab es wieder Schläge.

Schläge, die wir bis heute nicht vergessen haben, gut 39 Jahre später!

Alle waren wir übergewichtig bzw. teilweise adipös, um im Fachjargon zu bleiben. Ich denke, dass wir Kinder teilweise aus Frust gegessen haben mussten und eine gewisse Affinität dazu hatten wir wohl auch. Bewegung war natürlich auch eingefleischte Mangelware. Die Mutter war im „gehobenen öffentlichen Dienst“ tätig und er meistens nicht da.

Von der Verantwortung zur geliebten und kindesgerechten Erziehung konnten sich wohl aber beide nicht befreien.

Ich erinnere mich an eine Szene, in welcher meine Schwester, die gerade eine mit Erdnusscreme beschmierte Schnitte essen wollte, durch einen seiner Ausraster, so gedemütigt wurde, dass sie es bis heute noch detailgetreu erzählen könnte.

„Friss ruhig immer weiter!“ waren seine Worte. Dann ergriff er die Erdnussschnitte und zerdrückte sie meiner Schwester im Gesicht.

Ich schämte mich in diesem Moment so sehr, dass dieses Schwein mein Vater sein sollte aber ich war leider noch zu jung, um ihr helfen oder aktiv eingreifen zu können.

Es gab immer wieder Streit zwischen unseren Eltern. Sie schrien sich an, d.h. hauptsächlich hörte man ihn schreien. Brüllen! Rasen!

Das er auch handgreiflich wurde, bekam ich durch Zufall mit, als ich zu einem gerade eskalierenden Streit hinzukam. Meine Mutter warf vor Wut Teile seiner Wäsche aus dem Fenster. Er musste sie soweit gereizt haben, dass auch bei ihr die Nerven einmal völlig blank lagen. Ohne zu zögern, ohrfeigte er sie. Als ich sah, wie er meine Mutter schlug, wollte ich mich auf ihn stürzen, ihn am liebsten würgen…aber… ich war noch zu jung.

Doch ich wurde älter…!

Unsere Meinungsverschiedenheiten oder wie er sagte „meine Aufmüpfigkeiten“ wurden immer größer und heftiger. Ich wollte mir nicht mehr alles von ihm gefallen lassen. Ich wollte nicht mehr das glauben, was er mir sagte, nur weil ER es sagte. Ich fing an seine Aussagen oder Meinungen, gerade über das „System Kommunismus“, in Frage zu stellen bzw. kritisch und kontrovers zu hinterfragen.

Das passte ihm sichtlich überhaupt nicht und er rastete schneller aus. Seine cholerischen Ausbrüche wurden immer schlimmer, scheinbar auch, weil ich mich nicht so entwickelte, wie er es wollte.

Später, als ich volljährig war, sagte er sogar einmal zu mir, dass es ihm wahnsinnig leid tut, dass die Wende gekommen ist, da ich schließlich nicht so geworden bin, wie er es wollte!

Wie er es wollte?

Mit diesem Satz, fühlte ich mich noch mehr wie Zuchtvieh, als nicht vollwertiger Mensch. Trotzig antwortete ich ihm, dass ich froh war, dass ich mich so entwickelt habe, wie es nun einmal gekommen ist. Auch wollte ich ihm erklären, dass jeder Mensch ein Recht hat, frei zu entscheiden, wie er sich entwickelt. Aber er begriff gar nichts und wollte dies auch nicht begreifen.

Er war so verbohrt, „weinte“ so sehr dem System Staatssicherheit und Sozialismus der DDR nach, dass ich heute davon ausgehen muss, dass er entweder einer sogenannten „Gehirnwäsche“ unterzogen wurde oder er im Endeffekt auch nicht besser war, als die Schergen von Diktatoren, die denen blindlings ins Verderben folgten.

Nach 1933 sollte man doch glauben, dass wir Menschen es gelernt hätten?! Offenbar nicht!

It´s time to change:

Sicher wundern Sie sich jetzt nicht, wenn ich Ihnen heute berichte, dass einer der wenigen Deutschen, die sich am Tag des Mauerfalls nicht freuten und wie apathisch vorm Fernseher saßen, mein Vater war.