1,99 €
Eine Kurzgeschichten-Sammlung der besonderen Art. Von prickelnden Liebesabenteuern, über spannende Lebensgeschichten bis zu hinterhältigen Morden ist alles dabei. App jetzt Liebe enthält nicht nur bekannte Texte, sondern auch neue Erzählungen zusammengefasst in einem Band.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 54
Veröffentlichungsjahr: 2019
Hallo und herzlich willkommen zu meiner Kurzgeschichtensammlung.
Sie finden hier Auswahl an bekannten Texten sowie neuen Erzählungen zu einer bunten Mischung zusammengestellt. Perfekt zum Schmökern zwischendurch, sei es nun in der U-Bahn oder auf Reisen.
Es erwarten Sie Geschichten voller Liebe und Leidenschaft, von Wut und Hass und mörderischen Gedanken.
Danke, dass Sie sich für mein Werk entschieden haben.
Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen!
Lucy van Geldern
Gedankenverloren grub Melli mit ihren Füßen im warmen Sandstrand. Beobachtete versonnen, wie er zwischen den Zehen hindurchrann.
Mit einem leisen, wehmütigen Seufzer drückte sie den Liebesroman, den sie soeben zu Ende gelesen hatte, an ihre Brust und verstaute ihn schließlich in ihrer Handtasche. Stattdessen holte sie ihr Smartphone hervor und aktivierte es.
Während das Smartphone nach einem Netz suchte, beobachtete sie das riesige Containerschiff, das - scheinbar zum Greifen nah - an ihr vorbei fuhr.
Ein Knacken, dann erklang ein Tusch und eine freundliche Lautsprecherstimme begrüßte das eintreffende Schiff im Hamburger Hafen.
Wenn das Leben doch nur so einfach gestrickt wäre wie in ihren Roman.
Wehmütig sah Melli dem Frachter nach, bis er aus ihrem Blickfeld verschwand. Erste, vorwitzige Wellen trafen auf das Ufer. Waren sie ein Zeichen dafür, dass sie endlich Erfolg mit ihrer Kontaktsuche hatte?
Melli öffnete mit zitternden Fingern die „Liebes-App“, gab ihr Passwort ein. Vor lauter Aufregung knabberte sie an ihrer Oberlippe. Hoffentlich hatte sich heute jemand auf ihr neu bearbeitetes Profil gemeldet.
Nachrichten. Sie tippte auf das Feld. 0 – nichts. Keine einzige Nachricht. Sie seufzte tief und schaufelte mit ihren Zehen weitere kleine Häufchen in den Sandstrand. Ein weißes Sportsboot zischte an ihr vorbei, schickte ihr weitere vorwitzige Wellen.
Sie strich sich mit der freien Hand ein paar Strähnen ihrer dunkelblonden langen Haare, die sie zu einem lässigen Knoten gebunden hatte, aus dem Gesicht.
Ein weiterer Tipp auf das Display. Neue Mitglieder - vielleicht fand sie dort einen netten Mann, einen spannenden Lebenslauf.
Minutenlang wischte sie über ihr Handy, las hier einen Text, besah sich dort das Foto. Bei zweien der Neuvorstellungen machte sie ein Häkchen, schrieb die Männer an, die unter so lustigen Namen wie Kuschelbär und Plüschsocke eingeloggt waren. Allerdings versprach sie sich davon nicht sehr viel. Männer mit solchen verspielten Namen waren selten beziehungstauglich.
Da, das Foto! Dieser Mann schien ihr regelrecht ins Gesicht zu springen. Das freundliche Lächeln, die blauen Augen. Das war der Mann ihrer Träume. Sie las den dazugehörigen Vorstellungstext.
Auch der war so besonders, so liebevoll und poetisch. Es schien ihr, als ob er sie direkt angeschrieben hätte.
Mit der Zunge fuhr sie sich über die Lippen und ihr Herz klopfte aufgeregt, während sie eine Nachricht schrieb.
Am Abend, als Melli nach Hause kam, schmiss sie ihre Tasche in die Ecke und loggte sich mit zitternden Fingern bei ihrer „Liebes-App“ ein. Ihr digitaler Briefkasten quoll regelrecht über. Sowohl Kuschelbär als auch Plüschsocke hatten ihr geschrieben, und wie erwartet, hatten sie private Fotos angehängt. Melli seufzte verhalten, während sie die Antwort von Plüschsocke durchlas und die Bilder betrachtete. Ein Mann in kurzen Hosen und Tennissocken, dazu eine Goldrand-Brille, Wuschelbart und Glatze. Eindeutig, er hatte keine Frau, die ihm sagte, was er anziehen sollte. Und nein, ihn wollte sie nicht näher kennenlernen. Sie schrieb ihm eine freundliche Nachricht und löschte sein Profil.
Noch niederschmetternder war die Nachricht von Kuschelbär. War sein Profiltext noch relativ frei von Rechtschreibfehlern, so stolperte sie schon bei seinem Anschreiben über unzählige Fehler. Nein, hier konnte sie getrost auf einen Kontakt verzichten. Die Daten von Kuschelbär löschte sie, ohne ihm zu antworten.
Sollte sie es wagen? Unsicher knabberte Melli auf ihrer Unterlippe herum. Nach den beiden Kontakten hatte sie eigentlich keine Lust auf weitere Enttäuschungen.
Doch das Foto von Joachim schien ihr zuzublinzeln. Melli schloss die Augen, nachdem sie auf Kontakt öffnen getippt hatte. Zwei Atemzüge lang hielt sie durch, dann blinzelte sie einmal. Zweimal. Schließlich wagte sie es, die ersten Sätze zu lesen.
Und urplötzlich schien ihr Herz einen Salto nach dem anderen zu schlagen. Mit jedem seiner Worte brachte Joachim eine Saite bei ihr zum Klingen, von der sie nie gedacht hätte, dass es sie noch gab. Glücklich seufzte Melli. Es schien, als ob er nur auf sie gewartet hätte. Mit zitternden Fingern antwortete sie Joachim.
Und seine Antwort kam umgehend. Übermütig lachte sie auf und kurz entschlossen verabredete sie sich mit ihm für den kommenden Abend. Sie wollte, nein sie musste, Joachim persönlich kennenlernen!
Mit einem glücklichen Lächeln begrüßte Melli heraufziehenden Morgen. Nie schien ihr ein Tag schöner, vielversprechender zu sein als dieser. Rasch prüfte sie ihre Nachrichten und schrieb Joachim ein paar Zeilen.
Irene, ihre beste Freundin, hatte sich für ein Treffen am Nachmittag angemeldet. Sie wollte etwas Wichtiges mit ihr besprechen. Was, das hatte sie nicht gesagt … Aber Melli ahnte schon etwas, schließlich kannte sie ihre Freundin seit vielen Jahren.
„Nun stell dich nicht so an!“ Irene, die als Einzige von ihrem „Männer-Problem“ wusste, wanderte in der Wohnküche umher. Sie blickte Melanie mit ihren dunklen Augen an. Schien sie mit ihrem Blick regelrecht durchbohren zu wollen.
„Du hast so eine große, gemütliche Wohnung mit drei Zimmern, die du nicht nutzt. Ein Garten, der nur darauf wartet, dass Kinder in ihm herumtoben. Warum also nicht?“
„Warum nicht?“ Melanie bediente mit geübten Griffen die Kaffeemaschine und zauberte für sich und ihre Freundin zwei Kaffee. Nachdenklich schaute sie sich in ihrer gemütlichen Wohnküche um. Lies ihre Freundin reden. Wenn sie mal etwas in den Kopf gesetzt hatte, dann gab es nur selten ein Entrinnen.
Von ihrem momentanen, so vielversprechenden Kontakt zu Joachim erzählte sie ihr lieber nichts. Diese Beziehung wollte sie erst einmal in Ruhe genießen und sich entwickeln lassen.
„Ich weiß nicht. Ich kann dieses Gefühl nicht beschreiben.“ Melli zuckte mit den Schultern. „Ein alleinstehender Mann mit drei Kindern. Dazu noch aus dem Iran. Wie stellst du dir das vor? Die sprachlichen Probleme und der völlig andere kulturelle Hintergrund ...“
„Ganz einfach!“ Irene packte die Kekse aus, die sie mitgebracht hatte, und stellte sie vor ihre Freundin. „Deine ewige Sucherei im Netz nach dem einen Mann. Wie kannst du nur so naiv sein! Das wird doch nichts! Trau dich doch mal, die Grenze, die in deinen Gedanken vorherrscht, zu überwinden!“
„Warum?“ Melanie nahm sich einen Keks und knabberte daran. Zitronenkekse, Irene schaffte es immer wieder, etwas nach ihrem Geschmack zu finden.
„Wenn ich mich nicht irre, bist du seit gut einem Jahr dabei. Zahlst monatlich eine horrende Gebühr für die Vermittlung und bis auf drei Dates, wo ich dich begleitet habe, passierte nichts.“
