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Sobald man sich ein Smartphone anschafft, ist man Herr oder Frau über Apps, ob man will oder nicht. Was da alles zugehört und was passieren kann, wird in einer lustigen Geschichte erzählt. Bitte nicht alles so ernst nehmen, auch wenn ihnen einiges bekannt vorkommen mag. Vielleicht hatten sie auch schon mal den Wunsch, ihr Smart-Phone an die Wand zu schmettern.
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Seitenzahl: 259
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Die Idee zu diesem Buch hatte ich, weil mir immer mehr auffiel, dass fast jeder ein Smartphone in der Hand hat.
Egal wo, das Ding ist immer parat.
Die Handlungen und Personen sind frei erfunden, viele der beschriebenen Apps gibt es und sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken.
Bedanken möchte ich mich zu allererst bei mir. Endlich habe ich mir selbst meinen größten Traum erfüllt, wurde auch Zeit.
Dann bei Regina Weiß für eine Vorabkorrektur.
Bei Dr. Harald Klein: du warst mir „Echt“ eine Hilfe.
Bei meiner Freundin Christine Jungbluth: als du den ersten Teil gelesen hast und aus dem Lachen nicht mehr rauskamst wusste ich, ich bin auf dem richtigen Weg.
Und dann danke an meinen Schatz Thomas, für all deine Hilfe.
Cerstin Anja Remscheid geborene Morawetz
Wie ich zum Smartphone kam, oder der Wahnsinn hält Einzug!
Die Smartphones sind da, oder das Telefon kommt mit der Post.
Moderne Eltern, oder auf Kaffeefahrten gibt es alles.
Irgendwie hat jeder eins, oder wie mir bewusst wurde, dass ich hinten anstand.
Jeder Anfang ist schwer, oder unnützes Wissen.
Ein ganz normaler Arbeitstag, oder normal ist anders.
Die ersten Berührungen mit Apps, oder braucht das ein Mensch?
Ab in die Pause, oder wie man seine Freizeit nutzt.
Mein erstes Selfie, oder wie ich dumm aus der Wäsche schaue.
Smartphone Lernphase, oder ich will nicht dümmer sein als meine Eltern.
Mark außer Haus, oder auch Arbeit kann Spaß machen.
Apps zum Geburtstag, oder Dinge, die man nicht umtauschen kann.
StayFriends, oder das Klassentreffen
Smartphone-Dating, oder sich mit einer App zum Affen machen.
Wedding App, oder mit einer App ins Unglück.
Ich brauche Hilfe, oder wie ich einen Schwulen zum Strahlen brachte.
Die Hochzeit, oder alles besser als gedacht.
Ein Schnupfen kommt selten allein, oder wie ich eine freudige Nachricht bekam.
Der Abend vor Mallorca, oder wie ich meine Unschuld verlor
Auf nach Malle, oder wie ich alleine in Urlaub fuhr.
Erster Tag Mallorca, oder der frühe Vogel hat Urlaub
Zweiter Tag auf Mallorca, oder den Kater pflegen.
Dritter Tag Mallorca, oder richtig Urlaub ist anders.
vierter Tag Mallorca, oder ein Orkan kommt selten allein
Ende, oder Ende gut alles gut
Ich weiß noch genau, es war ein sonniger Tag.
Quatsch, keine Ahnung wie und wann es passierte. Ich weiß nur noch, dass Mark eines Tages total stinkig nach Hause kam.
„Wo warst du?“ Mit dem Satz knallte er seine Schultasche in die Ecke.
„Hallo“, war meine Antwort. „Du wolltest mich doch von der Schule abholen!“, pflaumte Mark mich an.
Ich schaute schuldbewusst in den Kalender. „Stimmt, hab ich vergessen. Ich bin auch gerade erst nach Hause gekommen.“ Zum Beweis zog ich meine Straßenschuhe aus.
„Wo ist dein Handy?“, kam die nächste wütende Frage. Ich zog die Schublade auf und zeigte es ihm. „Es ist kaputt, die Tasten klemmen“, ich zuckte mit den Schultern.
„Dann kauf dir ein neues!“, blaffte er weiter. „Warum?“, fragte ich unbeeindruckt.
„Damit ich dich erreichen kann.“ Mit den Worten schulterte er seine Schultasche und verzog sich, die Türe knallend, in sein Zimmer. Im selben Moment ertönte ein Song der „Ärzte“ in voller Lautstärke. Nachdem ich mir eine Tasse Kaffee gemacht hatte, setzte ich mich damit an den Küchentisch. Irgendetwas lief hier doch verkehrt. Sollte nicht ich diejenige sein, die sauer auf ihren Sohn ist, weil ich ihn nicht erreichen konnte und er deshalb zu spät nach Hause kam?
Es war nicht das erste Mal, dass Mark mich zurechtwies. Ich kam mir dann immer vor, als hätte ich meinen Vater vor mir. Doch leider hatte er meistens recht oder sogar immer?
Ich stand auf, stellte die leere Tasse in die Spülmaschine und ging zu Marks Zimmertür. Die Ärzte brüllten gerade: „Was haben deine Eltern der Menschheit angetan?“
Dieses Lied hatte ich schon in meiner Jugend gehört und mit gegrölt, wenn ich mies drauf war und mich jemand bis zur Weißglut geärgert hatte.
Ohne zu klopfen, trat ich ein. Mark schaute mich gleich böse an. Während ich die Musik leiser machte, sagte ich: „Du hättest mich ja eh nicht gehört, wenn ich angeklopft hätte.“
Er gab nur ein Gemurmel von sich, was ich als Zustimmung empfand.
„Du hast ja recht“, begann ich sofort und setzte mich dabei auf seine Bettkante. Er saß am Schreibtisch und machte seine Hausaufgaben
„Also gut, ich werde mir ein neues Handy kaufen, hilfst du mir dabei?“
Er sprang sofort begeistert hoch und wäre am liebsten gleich mit mir in die Stadt gefahren. Nach langem Hin und Her einigten wir uns auf Samstag.
Als ich am nächsten Tag nach Hause kam, wurde ich schon sehnsüchtig von Mark erwartet. „Ich habe genau das Richtige für uns gefunden.“
„Ja, hallo erst einmal“, imitierte ich langgezogen den Komiker Rüdiger Hoffmann.
Mark verdrehte die Augen. „Was heißt, du hast das Richtige für uns gefunden?“, fragte ich nun mit normaler Stimme.
„Na einen Partnervertrag mit gleich zwei Smartphones, alles Flat und echt billig.“
„Jetzt sind wir also nicht mehr Mutter und Sohn sondern Partner?“, scherzte ich, doch Mark fand das gar nicht lustig. „Nee, wie witzig. Nein, das ist wirklich billiger als ständig die Karte aufzuladen und ich hätte Internet.“
Wir beide hatten nur diese aufladbaren Karten und zwei stinknormale Handys, wie ich gerne betonte. Also solche, mit denen man telefonieren konnte und sonst nichts. Ich dachte immer, das würde reichen. Doch Mark lag mir schon lange in den Ohren wegen so einem Ding, mit dem man auch ins Internet konnte.
Alle in seiner Klasse hätten so eins.
„Du hättest Internet?“, fragte ich flachsend.
„Wir hätten Internet! Beide Smartphones sind die gleichen und beide Karten haben die gleichen Tarife“, antwortete er prompt.
Mir kam er vor wie der kleine Junge, der damals unbedingt ein Fahrrad haben wollte, eins ohne Stützräder, voll modern. Er bekam es auch zum Geburtstag und bei seiner ersten Fahrt bremste er mit Hilfe eines geparkten Autos. Zum Glück gehörte es einem jungen Mann aus unserer Straße und war eine eh schon zerbeulte rostige Karre.
Als wir ihm das Dilemma mitteilten, blieb der ganz cool und sagte nur: „Kein Problem Mann, so hab ich mein Fahrrad auch immer angehalten.“
Mark war wieder so aufgeregt wie damals. Ich grinste bei der Erinnerung in mich hinein. „Und wo hast du sie gefunden?“, fragte ich nach.
„Na im Internet, oder glaubst du auf dem Klo.“
So langsam war seine Geduld am Ende.
„Okay zeig mal“, besänftigte ich ihn.
Wir gingen ins Wohnzimmer, wo der Computer stand. Da er uns beiden gehörte, bestand ich darauf, dass er auch für uns beide zugänglich war.
Mark hatte das Fenster noch offen, also nicht das vom Wohnzimmer, sondern das im Computer, wo das Angebot zu sehen war.
Ich weiß noch genau wie er mir das erste Mal sagte, er hätte das Fenster extra für mich offen gelassen und ich wie eine Irre ins Wohnzimmer gerannt bin, da es gerade draußen wie aus Eimern schüttete.
Er hat sich darüber köstlich amüsiert, dass ich dachte, er meinte das Wohnzimmerfenster. Mittlerweile habe ich schon ein bisschen was über Computer und seine Benutzung gelernt und ich surfe auch gerne mal im Netz, und das ohne Surfboard.
Außerdem arbeite ich ja auf der Zulassungsstelle an einem Computer. Zwar haben wir da keinen Internetzugang, damit wir nicht auf dumme Gedanken kommen, doch alle An-, Ab-, und Ummeldungen werden am Computer bearbeitet.
Und dann über Intranet übertragen.
Jetzt schaute ich mir genau das Angebot für die Smartphones an. Soweit ich das beurteilen konnte war es in Ordnung.
Es gab zwei Karten mit eigener Telefonnummer (oder Smartphonenummer?), dazu zwei Smartphones; besser gesagt Big-Phons. Was daran smart war, wusste ich nicht. Ich empfand sie schon eher Big. Doch ich glaube, Big-Phone hört sich nicht so gut an.
Das liegt wohl daran, dass Big einem „Dick“ suggeriert und man gleich an Diät denkt.
Und alles mit Flat, was hieß, dass sowohl alle Telefonate egal wohin, Benutzung des Internets und Verschicken von Nachrichten, also SMS, im Preis enthalten waren.
Bei all dem, was ich las, bekam ich das große Flattern.
Hörte sich so gar nicht schlecht an. Das Einzige was mich störte, waren die zwei Jahre, die man fest im Vertrag war. Das sagte ich auch Mark.
„Na und? Was sind schon zwei Jahre, da bin ich 17 und geh noch zur Schule, also zahlst du dann eh noch mein Smartphone.“
Teenager-Logik, doch wo er recht hatte, hatte er recht.
„Na ja irgendwann komm ich um so ein Smartphone für ihn eh nicht mehr rum“, dachte ich bei mir. War ja mittlerweile ein Muss und das konnte ich ihm nicht verwehren.
Wusste ich doch, was es heißt, nicht mit dem Strom zu schwimmen, sondern Kilometer hinterher.
Meine Schulzeit war echt eine Qual deswegen.
Klar hab ich es trotzdem geschafft, doch das wollte ich meinem Sohn ersparen.
Nicht, dass er alles von mir bekam, aber fast.
„Also gut“, gab ich klein bei, „lass uns die Dinger bestellen!“
Gesagt getan, mit wenig Aufwand ging es durch die Bestellung und nachdem wir nicht nur meinen Namen und die Adresse eingegeben hatten, sondern auch meine Bankdaten, drückte Mark auf OK und ab ging die Bestellung, durch das Netz gleich zum Anbieter.
Hätte mir einer in der Jugend erzählt, dass man nicht mehr telefoniert, sondern chattet, oder dass es irgendwann Smartphones gibt, den hätte ich für total bekloppt gehalten.
Oder dass man über den Computer Dinge bestellen und bezahlen konnte, so dass man nur noch auf den Briefträger warten musste, verrückt.
Sogar der Autor von „Zurück in die Zukunft“ wusste das damals noch nicht, denn keiner hatte ein Smartphone in der Hand. Dafür flog das Skateboard, doch das gibt es bis heute noch nicht, soviel ich weiß.
Obwohl es bei manchen, die mit einem Smartphone auf der Straße telefonieren, sicher besser wäre! Am sichersten wäre ein selbst Lenkendes, dann gäbe es weniger Unfälle, weil Leute vom Telefonieren abgelenkt sind und irgendwo gegen etwas laufen oder reinfallen.
Mark erzählte mir, dass man solche Leute in seiner Sprache Smombies nennen würde.
Nachdem wir die Bestellung abgeschickt hatten, hieß es nun warten.
Wir hatten Freitag und ich rechnete frühestens in einer Woche mit der Lieferung. In meinem E-Mail Postfach fanden wir sofort eine Bestätigung der Bestellung und Mark konnte es jetzt kaum noch abwarten.
Als ich am nächsten Tag zum Markt fuhr, lag Mark noch im Bett. Er würde frühestens zur Mittagszeit aufstehen. Am Nachmittag hatte er zwar Fußballtraining, doch eigentlich reichte es, wenn er kurz vorher aus dem Bett kroch. Das war auf jeden Fall seine Meinung.
Ich sah das anders, und fing jedes Mal an, ihn zu wecken, bevor ich mit dem Kochen begann. Und er stand auf, wenn das Essen schon längst kalt war.
Sonntags wiederholte sich das Ganze, doch da kam er in der Regel erst zum Abendessen aus seinem Zimmer. Immer wieder schaute ich nach, ob er nicht irgendwo einen heimlichen Essensvorrat hatte. Doch ich fand nie etwas, außer jede Menge Staub und leere Teller, dreckiges Besteck und Flaschen. Obwohl wir irgendwann einmal die Abmachung getroffen hatten, dass in seinem Zimmer weder gegessen noch getrunken würde.
Doch nachdem er mich eines Sonntags bei einem Frühstück im Bett erwischte, hatte er mich in der Hand.
Er kam zwar mit wenig Essen aus, aber auf sein zuckerhaltiges Getränk verzichtete er nicht.
Na ja, gibt auch irgendwie Energie. Als ich vom Markt kam, war ich deshalb sehr erstaunt, als ich ihn am Esstisch sitzen sah.
Vor sich einen großen, sowie zwei kleinere Kartons und deren gesamter Inhalt auf dem Tisch verteilt.
„Ist das nicht geil, wie schnell die sind!“ Mark hatte vor Aufregung gerötete Wangen.
„Die“ waren scheinbar schneller als ich, denn ich verstand gar nichts, irgendwie stand ich auf dem Schlauch.
Als Mark die Fragezeichen in meinem Gesicht erblickte, sagte er sofort.
„Unsere Smartphones sind da.“
Ach so! Na das war ja echt schnell. Ob die schon vorher wussten, dass wir die wollten und sie bereits verpackt dort standen?
Oder waren sie schon unterwegs, bevor wir bestellt hatten?
So was ist mir unheimlich. Wenn ich früher mal etwas bei Otto bestellt habe, war ich froh, es nach zwei Wochen endlich zu bekommen, das fand ich schon schnell.
Ich zog mich erst einmal aus und verstaute die Einkäufe im Kühlschrank und Schrank. Dann machte ich mir einen Kaffee und setzte mich an den Tisch.
Das mit dem Kaffee ist auch so eine Sache. Musste man früher eine Kaffeemaschine zuerst mit allem bestücken und sie dann zum Röcheln bringen, so macht man heute die Maschine nur an, vergewissert sich, dass noch Wasser im Tank ist, steckt eine Kapsel rein und drückt auf einen Knopf. Schon nach kurzer Zeit hat man die braune Brühe seiner Begierde in der Hand.
Was unsere Großeltern wohl dachten, als die ersten Kaffeemaschinen auf den Markt kamen?
Ich erinnere mich, dass meine Uroma immer noch Kaffee mit heißem Wasser und aufgesetztem Filter auf der Kanne aufbrühte. Dieser Trend kommt wohl zurück, wie ich von meiner Freundin Christine erfahren habe.
Ich stellte meine Tasse auf den Tisch und besah mir das, was da so rum lag.
Der ganze Tisch war voll, denn neben den Kartons lag auch eine Mehrfachsteckdose, in der zwei Smartphones eingesteckt waren.
„Pass bloß mit deinem Kaffee auf!“ Wurde ich von Mark angepflaumt.
Sofort nahm ich die Tasse wieder in die Hand.
„Ich kenn dich doch, wenn du eine Tasse oder ein Glas da stehen hast, dann dauert es nicht lange und du verschüttest den ganzen Inhalt auf dem Tisch“, sagte mein Sohn besserwisserisch.
Mist, wie gut er mich doch kannte. Genau deshalb hatte ich absolutes Trinkverbot am PC im Wohnzimmer. Noch nicht einmal eine Flasche durfte ich mit dahin nehmen. Ich könnte sie ja über die Tastatur kippen und dann ginge der ganze Rechner kaputt.
Einmal, als Mark beim Sport war, habe ich mich nicht an das Verbot gehalten und da wäre es fast passiert. Hätte ich die Tasse nicht rechtzeitig rumgerissen, so dass alles auf dem Boden landete, hätte ich sicher Hausarrest erhalten.
Ich trank meinen Kaffee in Ruhe aus und schaute dabei Mark zu, wie er das eine Smartphone immer wieder bearbeitete.
Was er da tat? Keine Ahnung, sah aber so aus als hätte er welche.
Zwar schaute er ab und zu in die Bedienungsanleitung, doch auch das sah professionell aus.
Nachdem ich meine leere Tasse ins Waschbecken gestellt hatte, nahm er auch das andere Smartphone, das noch an der Leitung hing, in die Hand. Es war rosa, nicht einfach nur rosa, nein knalle pink.
„Ist das deins?“ Fragte ich Mark grinsend.
Mit zusammengekniffenen Augen sah er mich an.
„Na klar, sonst noch was? Das ist deins, ist doch klar. Das ist meins!“, und damit hielt er ein dunkelblaues Smartphone hoch.
„Das ist nicht dein Ernst, das hier ist doch ein Smartphone für ein Ferkel, so pink wie das ist.“
Mit den Worten hielt ich das Smartphone nur mit zwei Fingern hoch.
Zwar hatte ich in meiner Jugend den Film ‚Pretty in Pink‘ geliebt, doch mit der Farbe selber wurde ich nie ganz warm.
„Du hast zu mir gesagt, als ich dich nach einer Farbe fürs Smartphone fragte: ‚Mir doch egal, sollte aber nach Mädchen aussehen.‘“
Bei den Worten grinste mich mein Sohn schelmisch an. Vielleicht hätte ich doch genauer bei der Farbwahl hinschauen sollen.
Dann hielt mein Sohn etwas hoch, was er aus einem der kleineren Kartons genommen hatte.
„Keine Sorge, das ist dein zweiter Deckel, ich kann die jederzeit wechseln.“
Ich schaute hin und war erleichtert. Was er da als Deckel bezeichnet hatte und hochhielt, war metallic bordeauxrot.
Puh! Glück gehabt, ich musste nicht wie Schweinchen Pink rumlaufen. Ich hatte schon überlegt, eine Hülle zu häkeln.
„So, jetzt müssen wir bis heute Abend warten, bis die Akkus richtig aufgeladen sind.“
Mit den Worten erhob sich mein Sohn vom Tisch und wollte in sein Zimmer gehen.
„Hey, und der Tisch? Soll das jetzt so bleiben?“
Brummelnd kam er zurück und fing an, das Meiste in den großen Karton zu schmeißen.
Die Mehrfachsteckdose mitsamt den beiden Smartphones platzierte er auf dem Sideboard.
„Geht doch!“, dachte ich mir.
Den restlichen Tag verbrachten wir wie gewohnt.
Während Mark später zum Training fuhr, machte ich mich auf den Weg zu meinen Eltern.
Beim Kaffeetrinken, ein paar Teilchen hatte ich aus der Bäckerei mitgebracht, erzählte ich ihnen von den Smartphones.
„Was? Du hattest noch keins?“ Mein Vater war total entsetzt.
Er stand auf und ging in den Flur, um dort etwas vom Schränkchen zu holen.
Als er wieder kam, hielt er mir eins vor die Nase.
Aber nicht so ein Senioren Handy, wie ich es schon in diversen Zeitungen gesehen habe und überlegt hatte, mir so eins zu besorgen. Denn die Tasten sind extragroß und da ich langsam weitsichtig wurde, wäre das eine Alternative zur Brille.
Nein, ein Smartphone hielt er in der Hand.
„Seit wann hast du das denn?“, ich war überrascht.
„Na Mutti und ich waren doch vor etwa einem halben Jahr auf dieser Fahrt in den Schwarzwald und da wurde das preiswert angeboten. Und wir bekamen genau erklärt was man damit alles machen kann“, erklärte mein Vater, nicht ohne Stolz.
Wie jetzt? Jetzt wurden Senioren auf Kaffeefahrten schon Smartphones mit Vertrag angedreht?
Apropos Vertrag. „Hast du etwa einen Vertrag gemacht?“, fragte ich entsetzt.
„Na klar, oder glaubst du, du bekommst die Dinger so geschenkt?“, blaffte mich mein Vater an.
Er ging und kam mit dem Vertrag zurück.
Waren das auch Zwei-Jahres-Verträge?
Und wie viele von den Rentnern erlebten das Ende ihres Vertrages erst gar nicht?
Ob man als Erbe diesen dann auch übernehmen muss?
Nachdem ich ihn mir genau angeschaut hatte, war ich verdattert. Also mir kam es so vor, als wäre dieser Vertrag sogar besser als unserer.
Er dauerte tatsächlich zwei Jahre und da stand, dass er mit dem Tode erlischt.
Mist, ich sollte doch mal so eine Tour mitmachen, meine Eltern belabern mich ja andauernd.
Da könnte ich ja auch Männer kennen lernen, war ein Lieblingsargument.
Klar und bald wäre ich dann Witwe, mit lauter Heizdecken im Keller.
Ich verabschiedete mich nach kurzer Zeit, denn ich hatte keine Lust auf weitere Diskusionen. Außerdem deprimierte es mich, dass meine Eltern technisch besser drauf waren.
Ich hatte keine Lust nach Hause zu fahren und rief von einer Telefonzelle aus meine beste Freundin Tanja an. Gott sei Dank hatte sie Lust und Zeit.
Das mit den Telefonzellen ist ja auch so eine Sache. Mittlerweile sind es ja gar keine Zellen mehr! Da stehen die Telefone einfach an der Straße, wenn man das Glück hat, überhaupt eins zu finden.
Als damals das Telefonieren mit der Karte eingeführt wurde, war man froh, wenn man noch ein Münztelefon fand. Nicht jeder hatte so eine Telefonkarte in der Tasche.
Heute in der Zeit der Handys und Smartphones wurden die öffentlichen Telefone immer seltener.
Tanja und ich hatten uns in einem Café in der Altstadt verabredet und da ich vor ihr da war, setzte ich mich an einen Tisch am Fenster.
Als Tanja kam, begrüßten wir uns wie immer herzlich mit einer Umarmung.
Noch bevor wir uns setzten, holte sie ihr Smartphone aus der Tasche und legte es auf den Tisch.
Immer wieder schaute sie darauf, irgendwann konnte ich nicht anders und fragte:
„Was ist denn so interessant an dem Ding, dass du andauernd drauf starrst?“
„Ich warte auf eine Nachricht von Udo.“
„Wer ist Udo?“, wollte ich wissen.
„Den habe ich in einer Singlegruppe im Internet kennen gelernt“, dabei warf sie wieder einen Blick auf ihr Smartphone, „und jetzt schreiben wir uns über WhatsApp.“
Ich stand da wie der Ochs vorm Berg.
WhatsApp? Was ist das denn?
Doch um nicht noch dümmer dazu stehen als ich war, antwortete ich nur: „Aha.“
Worauf mir Tanja ihr Smartphone mit den Worten unter die Nase hielt: „Ist der nicht toll?“
Das war nicht von der Hand zu weisen.
Schickes Kerlchen. Sah aber so jung aus, dass ich auch gleich nachhakte: „Wie alt ist er denn?“
„Na, einunddreißig. Warum?“ Mit spitzen Lippen schaute sie mich an.
Was sollte ich antworten? Tanja ist drei Jahre älter als ich, also fünfundvierzig.
„Wäre ich ein Mann, würde keiner was sagen.“ Mit dieser spitzen Bemerkung hatte sie natürlich recht.
Außerdem sah sie mit ihrer frechen schwarzen Kurzhaarfrisur wesentlich jünger aus.
Sie hatte zudem eine drahtige, schlanke Figur und kein Fältchen oder graues Haar. Ok, die Haare färbte sie sich. Und anders wie ich kleiner Pummel war sie auch über 1,70 cm.
„Du, ich gönn dir das.“ Ich lenkte ein und umging so jede weitere Diskussion.
Zum Glück erklang ein Stöhnen aus Tanjas Smartphone.
„Da! Er hat geschrieben!“ Aufgeregt schaute sie nach und las, was angekommen war.
Ich sah aus dem Fenster und beobachtete die Menschen. Fast alle hatten ein Smartphone am Ohr oder in der Hand.
Ich erinnerte mich an ein Buch von Stephan King ‚Puls‘. Dort kommt mit dem Klingeln des Smartphones der Wahnsinn und Tod.
Also dass Menschen durch ihr Smartphone infiziert werden, das stellte ich mir gerade vor.
Jeder, der jetzt gerade ein Smartphone in der Hand hat, wird zum Zombie. Die junge Frau mit dem Hund an der Leine, der junge Kerl mit der Hose, die ihm vom Arsch zu rutschen scheint, der Mann mit dem Anzug, der aussieht, als sei er ein Banker, und sogar die Oma mit dem Rollator, die anscheinend gerade ihren Pflegedienst anruft, dass es später wird.
Alle lassen alles, was sie in der Hand haben fallen, strecken ihre Arme nach vorne, bekommen einen glasigen Blick und fangen laut an zu stöhnen, ahhhhhhhhhhrrrrrrggggggggg.
Apropos Stöhnen, das hatte ich schon länger nicht mehr gehört, ich schaute schuldbewusst zu Tanja.
„Na du Tagträumerin, zurück in unseren Gefilden?“, fragte sie spöttisch.
Da wir uns schon so lange kennen weiß sie, dass ich gerne in den Tag hineinträume, und sie kennt vor allem meine Fantasie.
„Und du? Fertig mit flirten?“, konterte ich.
„Ja, wir haben uns für heute Abend zum Kino verabredet“, antwortete Tanja mit einem Grinsen im Gesicht.
Tja, verliebt müsste man sein!
Kurz darauf bezahlten wir und verabschiedeten uns voneinander ohne jeden Groll. Dieses Herumflachsen kennen wir schon zu gut, gehört irgendwie zu unserer Freundschaft dazu.
Wieder zu Hause, sah ich sofort, dass Mark vom Sport zurück war. Nicht allein, dass seine Sporttasche im Flur lag, nein auch sein Sportdress war auf dem Weg zum Badezimmer verstreut. Zumindest hatte er schon mal geduscht.
Was sich mir auch sofort bestätigte, denn er saß nur mit Handtuch um die Hüften am Küchentisch, seine kurzen blonden, lockigen Haare noch nass und total verstrubbelt.
Er erinnerte mich immer an meinen Ex-Mann, der hatte genau die gleiche Lockenpracht und diese blauen Augen, in denen ich versinken konnte.
Ich konnte einfach nicht anders, ich wuschelte ihm durch die nassen Haare.
„He, lass das“, maulte er sofort.
Und was hatte er in der Hand? Na klar: ein Smartphone, aber nicht seins, nein meins. Das sah ich an der pinken Hülle. Seins lag aber gleich vor ihm auf dem Tisch.
„Ich richte uns die gleich mit allem Wichtigen ein“, kam auch prompt seine Erklärung.
„Und was ist so wichtig?“, erkundigte ich mich.
„Neben dem Telefonbuch, was ich von unseren alten gleich rüber gezogen habe, braucht man WhatsApp, einen Kalender und ein Bildbearbeitungs-programm. Schau mich mal an.“
Ich schaute zu ihm herüber. Ein grelles Licht blitzte auf und ein Schnappen erklang.
„Hier ist das als Profilbild OK?“ Mit den Worten hielt mein Sohn mir das Smartphone hin, und was ich da sah, war alles andere als schmeichelhaft.
Ich sah aus, als hätte ich gerade den Film mit den Zombies wieder vor Augen.
Total erschrocken blickte ich mein Gegenüber an.
Da ich wohl immer noch so blöd aus der Wäsche schaute, lachte Mark sich fast weg.
„Kein Problem, ich lösch das und mach ein neues“, prustete er.
Diesmal bestand ich darauf, erst einmal ins Badezimmer gehen zu dürfen. Nachdem ich mich ein bisschen restauriert hatte, stellte ich mich vor eine weiße Wand. Erst nach dem vierten Versuch war ich halbwegs zufrieden. Mehr mutete ich Mark nicht zu, denn langsam merkte ich, dass er mit seiner Geduld am Ende war.
„Und soll ich jetzt eins von dir machen?“, bot ich ihm an.
„DU? Und hier?“ Entsetzter hätte er gar nicht fragen können.
„Nee lass mal! Das macht morgen Günther in der Schule.“
Günther heißt nicht nur mein innerer Schweinehund, nein auch Marks bester Freund trägt diesen Namen. Als er mir das erste Mal von ihm erzählte, dachte ich, er wäre so in meinem Alter. Mark kam gerade aus dem Kindergarten. Er hatte an diesem Tag das erste Mal dort ohne mich zugebracht.
Doch es stellte sich schnell heraus, dass Günther im gleichen Alter wie Mark war und seitdem sind die beiden unzertrennlich. Günther hat, glaube ich, eine Schublade in Marks Kleiderschrank und umgekehrt, da sie eigentlich immer zusammenhängen Tag und Nacht.
Ich glaube, wenn wir Eltern nicht ab und zu ein Machtwort sprächen, wären die beiden wirklich unzertrennlich.
Wobei, wann hatte ich Günther eigentlich zum letzten Mal gesehen? Das war ja schon Tage her, fiel mir gerade auf.
Sofort fragte ich nach.
„Du hörst mir echt nicht zu. Ich habe dir doch erzählt, dass Günthers Mutter sich den Fuß gebrochen hat und im Moment so gut wie nicht allein zurechtkommt. Darum muss er ihr viel helfen. Und da sie nur am Jammern ist und ich das echt nicht aushalte, bleibe ich da weg, bis es ihr wieder besser geht. Günther hat dafür volles Verständnis. Er würde am liebsten so lange zu uns ziehen. Geht leider nicht, wie ich schon sagte. Nun, wir sehen uns ja in der Schule. Das reicht!“, stellte Mark schulterzuckend fest.
Mit einer solch ausführlichen Erklärung hatte ich nun nicht gerechnet. Doch hatte er mir das echt erzählt? Musste ich wohl verdrängt haben!
Und schon war Mark wieder mit den Smartphones zugange. Da mich das nicht interessierte, ging ich ins Wohnzimmer und schaltete den Fernseher an. Es war ja Samstag, da durfte ich DSDS nicht verpassen. Mal sehen, wer sich da heute so zum Affen machte.
Zwar finde ich Dieter Bohlens Kommentare manchmal schon hart, aber wer es so haben will, bitte!
Irgendwann war ich wohl eingeschlafen. Als ich aufwachte, war der Fernseher aus und ich zugedeckt. Mein Sohn kann schon ein Schatz sein.
Ich stand auf und ging in die Küche, um mir einen heißen Kakao zu machen, und das Chaos, das ich hier vorfand, bestätigte mir, dass mein Sohn ein doch ganz normaler Teenager war.
Während die Milch auf dem Herd heiß wurde, räumte ich alles ein bisschen zusammen. Ich stellte das, was ich konnte, in die Spülmaschine. Mist! Die Milch auf dem Herd kochte über! Schnell zog ich den Topf von der Platte.
Wie oft hatte ich Mark schon gesagt, er solle die Milch nie unkontrolliert auf dem Herd lassen. Sie hatte nun mal die Angewohnheit, schnell über den Topfrand hinauszuwollen.
Ich wischte rasch das Übergelaufene auf, trank dann meinen Kakao und ging mit dem Gedanken ins Bett, uns vielleicht doch mal eine Mikrowelle zu kaufen.
Ein wirklicher Fan war ich nicht davon.
Liegt wohl daran, dass meine Mutter immer alles in dem Ding machte und ich Angst bekam, total verstrahlt zu werden. Aber wie mit dem Smartphone, lag Mark auch hier mir in den Ohren.
„Warum nicht? Dann könnte ich mir mal schnell was zu essen warm machen und müsste nicht immer die ganze Küche einsauen.“
Das war sein bevorzugtes Argument für eine Mikrowelle.
Vielleicht sollte ich meine Eltern mal fragen, ob sie nicht ein solches Gerät von einer ihrer Fahrten mitgebracht hatten.
Mit dem Gedanken schlief ich ein.
In der Nacht hatte ich einen gruseligen Traum. Der wäre vielleicht eine Buchidee für Stephan King.
In meinen Traum kämpften die Mikrowellen mit den Smartphones. Nicht, dass sie zu Monstern wurden, nein, sie haben sich gegenseitig über den Stromkreis platt gemacht und dabei viele Häuser in Schutt und Asche gelegt. Echt gruselig!
Als ich morgens aufwachte, nahm ich mir vor, ab jetzt nur noch Rosamunde-Pilcher-Romane zu lesen, soviel Horror schadete wohl nur.
Wie verkatert wachte ich auf. Da Sonntag war, zog ich mir nur was Bequemes an und stellte mich auf einen gemütlichen Tag ein. Die Kids nennen das wohl Chillen.
Mit Marc rechnete ich erst gegen Abend und so war es dann auch. Er stand zwar zwischendurch mal auf, um sich was zu essen zu holen, doch verschwand er damit wieder in seinen Gefilden.
Gegen Abend kam er dann angezogen aus seinem Zimmer und verabschiedete sich mit den Worten: “Bin dann mal weg.“
Irgendwie erinnerte er mich ganz stark an meine Jugendzeit!
Am Abend schaltete ich den Tatort an. Ja echt jetzt! So weit ist es gekommen, früher Stephan King und heute Tatort.
Ich hatte da so ein paar Lieblinge, je nachdem, wo die Handlung gerade spielte.
Auch diesmal schlief ich auf der Couch ein. Das war so ein Ding von mir. Als ich aufwachte, verlegte ich für den Rest der Nacht meinen Schlafplatz in mein Bett.
Am Montagmorgen stand ich gut erholt auf und machte mich langsam für den Tag fertig.
Für meine Arbeit bei der Zulassungsstelle zog ich mich chic legere an, eine Kombi die ich sehr genoss und in der ich mich auch wohl fühlte.
Kaum auf der Arbeit angekommen, bestellte mich mein Chef in sein Büro.
Ohne Begrüßung fiel er gleich mit der Tür ins Haus: „Der Müller ist krank, sie müssen in den Keller seine Arbeit übernehmen.“
Mit den Worten war alles gesagt und ich wieder draußen.
Mist, für die Arbeit hätte ich mir besser einen
Blaumann angezogen. Denn Müller hatte nicht nur die Aufgabe, die Plaketten von den Nummernschildern abzukratzen oder aufzukleben, auch wenn jemand Schwierigkeiten dabei hatte, sein Nummernschild zu montieren, musste er helfen. Und jetzt hatte ich das große Los gezogen! Missmutig ging ich in den Keller.
Nachdem ich meinen Tag mit Kratzen, Kleben und An- oder Abmontieren von Nummernschildern (was immer wieder mit guten Ratschlägen von irgendwelchen Typen, die gerade vorbei kamen, begleitet wurde) zugebracht hatte, kam ich total geschafft nach Hause.
Das Schlimmste an dem Tag war ein großspuriger Typ, der mir beibringen wollte, auf welche Art und Weise ich ein Nummernschild abzuschrauben hätte. Es sei noch original das erste und würde seit dem Tag der ersten Zulassung an seinem 30 Jahre alten Golf hängen.
Man hat bisher die neue TÜV-Plakette immer in der Werkstatt an das Auto gemacht. Jetzt war der Wagen an die Enkelin gegangen und zur Ummeldung musste das Nummernschild ab. Er meinte, ich sollte mir doch etwas Wichse holen, um das geschmeidiger zu machen.
Als ich ihn deshalb total zusammenschiss und ihm empfahl, sich doch bessere Anmachsprüche auszudenken, marschierte er total sauer mit der Bemerkung von dannen, ich solle doch das Wort Wichse mal googeln.
Was sollte ich gurgeln?
Ich habe das Schild dann doch abbekommen. Auch ohne Wichse! Doch der Tag war für mich gelaufen.
