Arkane Glut - Martek Dupris - E-Book

Arkane Glut E-Book

Martek Dupris

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Beschreibung

Im Reiche Gribar ist die Zeit, in der man einseitig Magiebegabte liebevoll als ›Arkane Glut‹ bezeichnet hat, längst vorbei. So lehnen alle Magierzirkel des Landes es ab, die junge Neala Turvis als Lehrling aufzunehmen, da man sie in ihrem einzigen Talent, der Telekinese, für minderbegabt hält. Seitdem verdient sie sich den Lebensunterhalt damit, ihre spezielle Fähigkeit Menschen anzubieten, die in verschiedensten Nöten stecken. Ihr nächster Auftrag erweist sich jedoch als weitaus gefährlicher, als zunächst erwartet, denn sie wird mit tiefster schwarzer Magie und einer geheimen, uralten Fähigkeit von schrecklicher Zerstörungskraft konfrontiert. Auf sich allein gestellt muss sie über ihre bestehenden Grenzen hinauswachsen, um ihr eigenes Leben und das vieler anderer zu retten.

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Veröffentlichungsjahr: 2021

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Arkane Glut

 

Dark Fantasy

 

© Martek Dupris

Alle Rechte vorbehalten.

Inhaltsverzeichnis

1.

2.

3.

4.

5.

Epilog

Impressum

 

1.

 

›Es tut uns leid, aber Ihr seid magisch minderwertig – eine Subarkane – und deshalb unseres Zirkels unwürdig.‹

Obwohl jeder Bewerber bei den verschiedenen Magierzirkeln im Reich Gribar diesen Standardsatz zu hören bekam, wenn er durch deren Aufnahmeprüfungen fiel, verfolgte er Neala Turvis seit einem Jahr beinahe täglich. Er tat ihr weh. Sie fühlte sich gedemütigt, von Absage zu Absage immer mehr. Und sie nahm es persönlich, auch wenn sie wusste, dass sie dazu keinen Grund haben sollte, außer beim Zirkel von Gwandin. Ihr Prüfer, der kahlköpfige Meister Korwalt, hatte sie als ›minderwertige Telekinetikerin‹ und ›unfähig‹ bezeichnet und ihr geraten, dass sie mit ihrem Aussehen woanders doch viel mehr Erfolg haben könnte. Ein anderer Magier, Meister Tyrmon, forderte von ihm Mäßigung. Immerhin. Es waren nicht alle gleich. Aber die Wut und den Frust jener Situation spürte Neala bis heute nach.

Lange Zeit war es her, da wurden eingeschränkt Magiebegabten noch Respekt und Anerkennung gezollt. Damals, da nannte man sie fast schon liebevoll ›Arkane Glut‹. Doch die Selbstgefälligkeit und elitäres Getue im Wettbewerb der Zirkel untereinander hatten jene wohlgesonnene Epoche für Menschen wie Neala beendet.

»Ich kenne diesen Blick und er gefällt mir nicht«, riss Brius Pamedin, der neben ihr auf dem Landweg nahe der Stadt Garmet ritt, sie aus den schwermütigen Gedanken. »Ist es der graue Himmel, hat dich jemand als Subarkane erkannt und beleidigt, oder quält dich wieder nur die Vergangenheit?«

Sie antwortete zunächst mit einem Schmunzeln, weil sie sich auf eine freundschaftliche Weise ertappt fühlte. Sie ließ den Blick über den dichten Konthaker Nadelwald zur Rechten schweifen und die vereinzelten Gehöfte zwischen den Kornfeldern vor ihr, ehe sie auf ihren Weggefährten und Auftragsvermittler umschwenkte. Sie wusste, sie könnte ihm nicht ausweichen. Er würde nachhaken, bis sie sich offenbarte, und ihr dann gut zureden. Warum eigentlich nicht?

»Nur das Letztere. Alles gut.«

Ein mitfühlendes Lächeln umspielte die Lippen in dem jungen und bubenhaften Gesicht. »Pfeif auf die Zirkel. Ich habe noch nie gesehen oder gehört, dass jemand so schnell Fortschritte innerhalb seines magischen Fachgebiets macht wie du, insbesondere bei der Telekinese. Darauf kannst du stolz sein. Denk an die, denen du mit deiner Begabung schon geholfen hast.«

Sie wog herunterspielend eine Hand. »Naja, wenn man einen Auftrag annimmt, sollte man ihn auch ausführen können.«

»Wenn das nur allgemein so selbstverständlich wäre wie bei dir …«

»Ich komme aber über gewisse Grenzen nicht hinaus, egal wie viel ich übe. Ich kann nach wie vor entweder nur leichte leblose Dinge sehr schnell von mir wegbewegen oder schwere langsam in alle Richtungen. Kein Vergleich zu einem richtigen Magier. Trotzdem nett von dir, dass du versuchst, mich aufzuheitern. Lass uns dem Auftrag zuwenden.«

Er nickte mit einem freundlichen Lächeln. »Die Auftraggeberin heißt Jana Magris, die Ehefrau eines Gemischtwarenhändlers namens Bernard, den sie seit zwei Tagen vermisst.«

Neala zog eine Braue hoch. »Seit zwei Tagen? Das kann doch an allem Möglichen liegen. Vielleicht ist sein Transportwagen kaputtgegangen oder er hat sich einen zu viel hinter die Binde gekippt.«

Ein kurzer Windstoß wehte ihm einige dunkelblonde Strähnen in die Stirn. »Die Auftraggeberin sagt, dass er sich auf keiner Handelsreise befand. Er wollte abends nur in einem Wirtshaus etwas trinken. Er soll laut dem Wirt an jenem Abend dort nicht einmal aufgetaucht sein. Die Stadtwache soll ihn auch nicht gesehen haben. Sie haben sich der Sache zwar angenommen, aber keine heiße Spur.«

»Verstehe, das hört sich schon ernster an. Ich mache es.«

Brius lächelte. »Das gefällt mir an dir. Wenn jemand in ernsthafter Not scheint, nimmst du den Auftrag an, bevor du das Honorar kennst.«

Sie lehnte den Kopf in seine Richtung. »Oh, oh, heißt das, wir sollen wieder mit Plunder und ein paar Groschen bezahlt werden?«

Er lachte auf. »Nein, dieses Mal ganz und gar nicht. Geld stellt für die Auftraggeberin nicht das Problem dar. Vierundzwanzig Silbertaler springen heraus, also sechzehn für dich. Was sagst du?«

»Wow, das hört sich außerordentlich gut an. Wo finde ich sie?«

Er deutete mit einer Hand vor sich auf die rechte Seite. »Nordöstlich, nahe Ribrunn direkt auf dem Weg zwischen dem Altma-Turm und dem Heias-See.«

»Gut, den Weg kenne ich.« Sie ließ eine kühle, erfrischende Brise an ihrer Haut vorbeigleiten. Die schulterlangen brünetten Spitzen wogten unter ihrem geflochtenen Haarkranz. Ihr dunkelbrauner Umhang bauschte kurz auf. Brius sah nachdenklich zu Boden.

»Gibt es noch was, das ich wissen sollte?«, hakte sie nach.

Er schüttelte den Kopf und sah sie an. »Nicht direkt. Es ist vielmehr, dass diese Jana am Boden zerstört wirkt, sie scheint sich wirklich ernsthafte Sorgen um sein Leben zu machen. Ich hätte sonst nicht jemand mit deinen Fähigkeiten darauf ansetzten wollen.«

»Oh, in Ordnung, dann nehme ich den Auftrag umso lieber an.« Sie las die Holzschilder an einer Wegscheide ein paar Schritt vor ihr. »Hier geht es nach Korbal, mein nächster Wegpunkt. Ich breche gleich auf.«

»Hervorragend. Die nächsten drei Tage bin ich in Bengsa, nächtige bei Freunden und höre mich um, was die Spatzen von den Dächern zwitschern, aber in anderer Angelegenheit. Danach werde ich nach Hause zurückkehren.«

Sie nickte, als sie ihren Weg einbog. »Also dann.«

Er hob eine Hand. »Viel Erfolg und sei vorsichtig.«

Sie hob selbstsicher einen Mundwinkel. »Wie immer.« Sie galoppierte weiter. Brius entschwand ihrem Blick hinter einer Anhöhe.

Sie ging in Gedanken ihre Ausrüstung durch und blickte an ihrem Körper herab. Neala besaß zwar nicht dasselbe Geschick eines versierten Schmieds, wie es ihr Vater war, aber ihre Fähigkeiten genügten, um ein paar spezielle, auf sie angepasste Waffen anzufertigen. In ihrer Kleidung waren viele brünierte Metallblätter und -Stifte integriert. Sie war in der Lage, diese über ihre Telekinese in potenziell tödliche Projektile zu verwandeln, alles bis zu einem Gewicht von einem Pfund. Ihr Äußeres wirkte sicherlich ein wenig extravagant mit der breiten Halskette oder den Armstulpen aus Leder und in aufwendigen Mustern geformtem Stahl, aber dadurch konnte sie möglichst unauffällig ihre Waffen mit sich führen. So hatte sie schon so manche Kontrolle passieren können, wo andere beinahe mit heruntergelassenen Hosen dastünden.

Falls man sie aber mal doch als eine subarkane Telekinetikerin erkannte, behandelte sie man schnell wie eine Geächtete, obwohl sie die gleichen Rechte besaß wie jeder andere normale Mensch. Wer spielte schon gerne mit einem Karten in dem Wissen, dass sein Gegenüber ihm die Kehle mit ebenjenen Spielgegenständen aufschießen könnte? Neala konnte deren Unbehagen bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen, das Leben gestaltete es aber dadurch nicht einfacher. Von den viel mächtigeren Magiern als minderwertig Magiebegabte betrachtet und von normalen Menschen wiederum oft als etwas Unberechenbares und in höchstem Maße Beunruhigendes besaß sie eine sehr übersichtliche Anzahl an Freundschaften. Die zum zwanzigjährigen Brius war ursprünglich aus einer rein geschäftlichen Beziehung entwachsen. Als Waise wurde er häufig von einem Ort zum anderen verstoßen und lernte so jedoch auch andere und deren Nöte kennen. Er hatte gelernt, Menschen zusammenzubringen, die sich gegenseitig helfen könnten. Mit der Zeit kam man auf ihn zu, weil man sein Vermittlungsgeschick schätzte. Er machte sich zunächst unter ärmeren Schichten einen Namen, aber ab und an wandten sich auch Bessergestellte an ihn. Brius war schlau, er graste die von dem Magierzirkel Abgelehnten ab, um ihre Kräfte in eine konstruktive Bahn zu lenken. Auch Neala war er damals gelegen gekommen, und bis heute hatte sie es nicht bereut.

Sie tätschelte die Mähne ihres Rappen. »Endlich wieder ein lukrativerer Auftrag!«, wisperte sie ihm in einem liebevollen Ton zu. »Danach werden wir uns eine Auszeit gönnen. Was sagst du dazu?«

Nordur wieherte, als verstünde er sie, was gewiss nicht wortwörtlich der Fall war.

»Schön, dann lass uns loslegen. Wir haben noch dreizehn Meilen vor uns, das schaffen wir gut vor Einbruch der Dunkelheit.« Sie ritt schneller.

2.

 

Neala hatte Korbal passiert, zwischendurch auf ihrer Reise ein paar Rasten eingelegt und befand sich nahe des Städtchens Ribrunn, das man in der Ferne sah. Östlich davon erhob sich der Altma Aussichtsturm, eine teilzerstörte Ruine, aus dem Wald. Den Heias-See hatte sie bereits hinter sich gelassen. Der Himmel war hier genauso behangen wie in Garmet, was die Landschaft in ein fahles Grau tauchte mit einem zarten Rosa am östlichen Horizont. Die Tagesreise war ohne Zwischenfälle verlaufen. Gelegentlich kreuzten Betrunkene ihres Weges, die Neala, gönnerhaft wie sie waren, eine Nacht anboten und dies mit einem Rülpsen zu untermauern versuchten, der der Tiefe ihres Bierbauchs entsprang. Wenn das noch nicht an Überzeugungskraft reichte, glaubten sie, mit Anspielungen auf ihre auffälligen weiblichen Attribute ihre Chancen zu erhöhen.

Welche Frau konnte schon Sprüchen wie ›Hey Süße, was für große Titten und was für ein heißer Stutenarsch‹ oder ›Du bist bestimmt ganz wild auf meine Milch, nicht wahr?‹ widerstehen? Ja, Neala schaffte es erstaunlich oft, diese Exemplare von Männern abzuweisen – im Sinne von immer.

Selbst solche Geschöpfe würden ihr Angebot sofort zurückziehen, wenn sie wüssten, mit wem sie es zu tun hatten. Vor knapp einem Jahr, nachdem Neala das letzte Mal durch die Aufnahmeprüfung eines Magierzirkels gefallen war, offenbarte sie ihre telekinetischen Kräfte fremden, interessierten Männern gegenüber ganz offen, von Frust und Wut durch die Ablehnung der Zirkel beseelt. Es war erstaunlich, wie schnell das die sichtbare Erhebung im Schritt des Anderen zum Abschwellen bringen konnte.

Aber es gab eine Ausnahmebegegnung in jeder Hinsicht in ihrem Leben:

Aiden Stirkan, ein Infanterist der königlichen Armee. Neala war ihm zur Seite gesprungen, als er eine Bauerstochter sogar gegen übergriffige Waffengefährten verteidigt hatte. Mit seinen marineblauen, tiefliegenden Augen, dem muskulösen wie ästhetisch geformten Körper und der für einen Soldaten überraschend höflichen Art war es schnell um Neala geschehen und hatte in eine unvergessliche Nacht mit ihm geführt, die sie sehr vermisste. Er musste weiterziehen nach Gribars Nachbarreich Fortye, um die dortigen Verbündeten gegen mehrere wilde Stämme im Südwesten zu verteidigen. Was wohl aus Aiden geworden war? Obwohl sie ihm seit der einzigen Begegnung nie wieder gesehen hatte, betete sie ab und zu für ihn, dass es ihm gutging. Die Welt, Sanora, benötigte Männer wie ihn.

Nordur wieherte, als hätte er Nealas Sehnsucht erspürt. Sie streichelte ihn, hob den Blick und erkannte in der Ferne ein einsames, umzäuntes Fachwerkhaus auf einer Wiese, hinter dem ein Stall stand und unweit davon ein Mischwald lag.

»Das muss es sein«, freute sie sich und wunderte sich gleichzeitig, dass das Ehepaar einen zurückgezogenen Wohnort nahe eines Waldrands wählten. Allgemein war bekannt, dass Räuberbanden bevorzugt solche Orte für Überfälle aussuchten. Man konnte sich relativ unentdeckt an das Ziel heranschleichen, es ausrauben und sich schnell in den Schutz des Dickichts wieder zurückziehen.

Neala ritt auf das Grundstück zu und stieg vom Pferd ab. Sie band es selten an, auch jetzt nicht. Manches Mal musste sie fliehen, wenn sie sich einer Übermacht gegenübersah. Da zählte jede Sekunde.

Sie tätschelte ihn, und er wand den Kopf in ihre Richtung. »Bin gleich wieder da.«

Sie öffnete das Gartentor und passierte einen gepflasterten Weg. Ein hübsch angelegter Garten mit Orchideen und Rosen säumten ihn. Die Fenster besaßen sogar beige Vorhänge, mit Kordeln gebunden. Sie stieg eine kurze Treppe hinauf, lugte durch die Scheiben und erkannte hauptsächlich Silhouetten des Mobiliars. Es schien niemand anwesend zu sein.

»Hallo?«, rief sie und klopfte mit dem Zeigefingerglied an. Sie lauschte und hörte keine Erwiderung, dafür schob sich die Tür einen Spalt auf.

Neala zog die Brauen zusammen. Die Tür besaß ein massives Schloss, wurde aber nicht benutzt, die Fensterläden waren offen, wie eine Einladung für Einbrecher und sonstiges Gesindel, von dem es beileibe nicht zu wenig gab. Sie öffnete langsam die Tür und trat herein.

»Hallo, Frau Magris?« Sie stand im Flur, der in mehrere Zimmer abzweigte, und eine Treppe führte hinauf. Die Holzmöbel waren alle aufwendig verarbeitet, viele davon mit Intarsien. Das konnten sich nur gut betuchte Menschen leisten oder selbst handwerklich Versierte. Umso seltsamer, dass sie nicht besonders viel Vorsicht bei der häuslichen Sicherheit walten ließen, zumindest was die Ehefrau anbelangte.

Neala könnte jetzt hier warten, dann sollte sie das allerdings vor der Tür machen. Diese Idee schien nicht verlockend, denn es ging auf den Abend zu. Hunger hatte sie auch und der Proviant war knapp geworden. Sie entschied sich, in Ribrunn erst einmal zu speisen. Sie würde später zurückkehren und fände die Ehefrau hier sicherlich vor.

Sie schritt zur Tür, als sie für den Bruchteil einer Sekunde ein leises Wimmern vernahm. Sie hörte heraus, dass es die, wenn auch gedämpfte, hohe Stimme eines Kindes – oder einer Frau – sein musste. Ihr Herz klopfte schneller, doch sie widerstand dem Drang, sich umzudrehen. Sie hatte genug gehört, um ihre Strategie auszurichten.

»Lässt die blöde Henne mich hier sitzen, so ein Mist!«, grummelte sie vor sich hin, aber so, dass es die anderen, die sich hier zweifellos versteckten, noch hören können mussten. »Dabei waren wir doch verabredet. Scheiß drauf, Zeit für einen Umtrunk. Die kann sich später einen Satz heißer Ohren abholen.«

Sie schritt zur Tür zurück und wollte das Haus verlassen, aber nur, um sich gleich von hinten unbemerkt heranzuschleichen und die Lage zu sondieren.

---ENDE DER LESEPROBE---