Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Pthor, der Kontinent des Schreckens, hat sich auf Loors, dem Planeten der Brangeln, lange genug aufgehalten, um es Atlan zu ermöglichen, Spercos, des Tyrannen der Galaxis Wolcion, Gewaltherrschaft ein jähes Ende zu setzen und den unterdrückten Völkern die verlorene Freiheit wiederzugeben. Inzwischen ist Pthor zu neuem Flug durch den Kosmos gestartet. Eingeleitet wurde der Start durch den "Ruf des Wächters", der fast alle Lebewesen auf Pthor in tiefen Schlaf versinken ließ, und durch das Erscheinen des "schwarzen Kontrolleurs". Um zu verhindern, dass Pthor wieder der Kontrolle der mysteriösen Beherrscher der Schwarzen Galaxis anheimfällt, macht sich Atlan, der dank dem Goldenen Vlies nicht in Tiefschlaf verfallen ist, auf den Weg zur "Seele" von Pthor. Doch es gelingt Atlan nicht, auf die Steuerung Einfluss zu nehmen. Statt dessen wird der Arkonide auf die "Dimensionsschleppe", den Ableger Pthors, verschlagen, der eine kleine Welt für sich bildet. Während Atlan sich aus der Dimensionsschleppe den Weg zurück erkämpft und zur FESTUNG gelangt, wo er die Odinssöhne als Herren über Pthor ablöst, blenden wir um zu den weiteren Erlebnissen Algonkin-Yattas, des kosmischen Kundschafters, der zusammen mit Anlytha, seiner Gefährtin, Atlans Spuren durch Zeit und Raum verfolgt. Im Zuge dieser Verfolgung passiert eines Tages DIE ZEITPANNE ...
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 127
Veröffentlichungsjahr: 2012
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Nr. 375
Die Zeitpanne
Der kosmische Kundschafter im alten Rom
von H. G. Ewers
Pthor, der Kontinent des Schreckens, hat sich auf Loors, dem Planeten der Brangeln, lange genug aufgehalten, um es Atlan zu ermöglichen, Spercos, des Tyrannen der Galaxis Wolcion, Gewaltherrschaft ein jähes Ende zu setzen und den unterdrückten Völkern die verlorene Freiheit wiederzugeben.
Inzwischen ist Pthor zu neuem Flug durch den Kosmos gestartet. Eingeleitet wurde der Start durch den »Ruf des Wächters«, der fast alle Lebewesen auf Pthor in tiefen Schlaf versinken ließ, und durch das Erscheinen des »schwarzen Kontrolleurs«.
Um zu verhindern, dass Pthor wieder der Kontrolle der mysteriösen Beherrscher der Schwarzen Galaxis anheimfällt, macht sich Atlan, der dank dem Goldenen Vlies nicht in Tiefschlaf verfallen ist, auf den Weg zur »Seele« von Pthor. Doch es gelingt Atlan nicht, auf die Steuerung Einfluss zu nehmen. Statt dessen wird der Arkonide auf die »Dimensionsschleppe«, den Ableger Pthors, verschlagen, der eine kleine Welt für sich bildet.
Während Atlan sich aus der Dimensionsschleppe den Weg zurück erkämpft und zur FESTUNG gelangt, wo er die Odinssöhne als Herren über Pthor ablöst, blenden wir um zu den weiteren Erlebnissen Algonkin-Yattas, des kosmischen Kundschafters, der zusammen mit Anlytha, seiner Gefährtin, Atlans Spuren durch Zeit und Raum verfolgt.
Algonkin-Yatta – Der kosmische Kundschafter auf Atlans Spuren.
Anlytha – Algonkins exotische Gefährtin.
Dorstellarain – Der Clanoc macht Karriere im alten Rom.
Marcus Aurelius
Das Objekt tauchte so plötzlich vor dem Kundschafterschiff auf, dass weder Algonkin-Yatta noch die Psiotronik rechtzeitig reagieren konnten. Ja, der Kundschafter von Ruoryc war nicht einmal in der Lage, zu erkennen, um was für ein Objekt es sich handelte.
Anlythas vogelhaftes Kreischen erfüllte die Zentrale des Kundschafterschiffs, während es mit dem Bauch über etwas schrammte und während das Licht erlosch, weil die Psiotronik alle verfügbare Energie zur negativen Beschleunigung verwendete.
Algonkin-Yatta blieb reglos vor den Kontrollen sitzen. Er wusste, dass er in Notsituationen wie dieser zur Untätigkeit verurteilt war. Er war sich klar darüber, dass, wenn überhaupt, nur die Psiotronik etwas zur Rettung des Kundschafterschiffs und damit auch zu seiner eigenen Rettung und zur Rettung seiner Begleiterin tun konnte.
Diesmal aber schien sogar der ungeheuer leistungsfähige Ableger von MYOTEX machtlos gegen die Gewalten zu sein, die durch die Kollision entfesselt worden waren.
Ein Schlag vermittelte Algonkin-Yatta den Eindruck, ein Gleiter würde mit voller Geschwindigkeit gegen seinen Hinterkopf prallen, so dass er sich für tot hielt, als sein Bewusstsein ihm entglitt.
Aus dem gleichen Grund rührte er sich auch nicht, als er nach unbestimmter Zeit den Eindruck hatte, als erwachte er aus einer längeren Bewusstlosigkeit. Da er glaubte, dass sein Schädel zertrümmert worden sei, musste er annehmen, dass es sein körperloses Bewusstsein war, das nach seinem Tode weiterlebte.
Ein Schlag gegen sein Nasenbein und das von seinem Bewusstsein registrierte reflektorische Hochrucken seiner Arme zerstörten die Illusion.
Seine Hände bekamen etwas zu fassen, das unzweifelhaft ein Stiefel war, in dem ein Fuß steckte – ein weiblicher Fuß, denn der Stiefel war zu klein für einen erwachsenen Mann.
»Anlytha!«
Mit bebenden Fingern zog er den für seine Körperkräfte federleichten Körper ganz zu sich heran und tastete Gesicht und Hinterkopf vorsichtig ab. Sein Herz blieb sekundenlang stehen, als er keine Verletzung feststellte. Er wagte nicht zu hoffen, dass Anlytha nichts Ernsthaftes zugestoßen sei.
Doch dann regte sich seine Begleiterin. Es war nur ein schwaches Zucken, das über ihren Körper lief, dann hielt sie ganz still, aber nur, um im nächsten Augenblick wild um sich zu schlagen.
Algonkin-Yatta spürte die Tritte und Schläge nicht. Er lachte, glücklich darüber, dass seine Begleiterin so offenkundig quicklebendig war.
Es dauerte nicht lange, bis Anlytha ihn an seinem Lachen erkannte und ihre sinnlose Gegenwehr einstellte.
Nach einem empörten Schnaufer sagte sie:
»Ich weiß nicht, was es zu lachen gibt, Algonkin. Du hast mir schließlich einen Schrecken eingejagt. Zuerst dachte ich, ein Ungeheuer hielte mich in seinen Pranken gefangen. Warum lässt du mich eigentlich nicht los?«
Der Kundschafter lockerte seinen Griff etwas, hielt Anlytha aber weiterhin fest.
»Wir befinden uns im Zustand der Schwerelosigkeit«, erklärte er. »Jede abrupte Bewegung könnte dich davonfliegen und gegen eine Wand der Zentrale prallen lassen.«
Er runzelte die Stirn, denn in seinem Bewusstsein tauchte die Frage auf, ob Anlytha und er sich überhaupt in der Zentrale des Kundschafterschiffs befanden. Sie schwebten in absoluter Dunkelheit, so dass sich diese Frage nicht durch optische Beobachtung beantworten ließ.
Er griff nach der Handlampe, die für gewöhnlich in einer Magnethalterung seines Gürtels hing. Sie war nicht dort.
»Ich habe eine Lampe«, sagte Anlytha. Sie musste seine Bewegung gespürt und richtig gedeutet haben. Aber ihre Stimme hatte eigentümlich flach geklungen. Demnach zweifelte auch Anlytha daran, dass sie sich in der Zentrale des Kundschafterschiffs befanden.
»Schalte sie ein, bitte!«, sagte Algonkin-Yatta.
Der Lichtkegel wirkte nach der langen absoluten Dunkelheit wie der Blitz einer Explosion. Unwillkürlich kniff Algonkin-Yatta die Augen zusammen, dann blickte er dem weißen Kegel nach und musterte die Flächen, über die er wanderte und die sein Licht unterschiedlich reflektierten.
Die Ahnung wurde zur Gewissheit.
Sie befanden sich nicht in der Zentrale des Kundschafterschiffs, sondern in einem quaderförmigen großen Raum mit polierten Wänden aus Stahlplastik oder schwarzem Fels, mit zahlreichen unterschiedlichen Nischen und zahlreichen eingelassenen Symbolen oder Figuren aus verschiedenen Edelmetallen und großen Kristallen.
Algonkin-Yatta blickte zu Anlytha und sah im Widerschein des Lichts, dass der kleine weiße Federkamm seiner Begleiterin sich hochgestellt hatte.
»Wo sind wir?«, flüsterte sie beklommen. »Und wo ist das Schiff?«
»Das sind nur zwei von vielen Fragen, die sich uns stellen«, erwiderte der Kundschafter. »Ich bin schon sehr gespannt auf die Antworten, die wir finden werden.«
»Willst du etwa ...?«, kreischte Anlytha entsetzt, verstummte und fuhr dann leise fort: »... etwa in diesem unbekannten Gespensterschloss herumirren? Ich fühle, dass unsere Umgebung von den schwarzen Schatten unheimlicher Wesenheiten wimmelt!«
»Gegen Schatten hilft Licht«, entgegnete der Kundschafter. »Außerdem, willst du etwa darauf verzichten, in den kostbaren Geschmeiden und anderen Kleinodien zu wühlen, die es hier haufenweise geben wird?«
Anlythas Hände fuhren unwillkürlich an den breiten schwarzen Gürtel, der ihre silberfarbene Raumkombination in Taillenhöhe umspannte. Die zahlreichen daran befindlichen Taschen waren leer, doch das gierige Funkeln in Anlythas Augen verriet, dass sie entschlossen war, diesen Zustand baldmöglichst zu ändern.
»Worauf warten wir noch, Algonkin?«, stieß sie hervor.
*
Algonkin-Yatta ließ sich von Anlytha die stabförmige Lampe geben. Systematisch suchte er mit Hilfe des Lichtkegels die Stellen in den Wänden ab, die er bei der ersten Betrachtung als denkbare Positionen von verborgenen Türen oder Schotten eingestuft hatte.
Nach einiger Zeit vermerkte er ärgerlich, dass seine Konzentration zu wünschen übrig ließ. Zu viele verschiedene Gedanken beschäftigten ihn. Er fragte sich, auf welche Art und Weise Anlytha und er von dem Kundschafterschiff getrennt worden waren, er fragte sich, warum weder er noch Anlytha bei der Kollision mit dem unbekannten Objekt verletzt worden waren, obwohl er doch einen Schlag verspürt hatte, der nur von einem harten Aufprall herrühren konnte – und er fragte sich, ob er nicht doch tot sei und die vermeintlichen Wahrnehmungen und Aktivitäten nur Resultate seines vom Körper gelösten Geistes seien.
Ein Tritt gegen das linke Schienbein riss ihn aus seinem Grübeln.
»Was ist los mit dir?«, fragte Anlytha. »Schläfst du mit offenen Augen?«
Algonkin-Yatta seufzte abgrundtief, dann sagte er:
»Ich habe nachgedacht.«
»Wozu hat dein Schiff eine Psiotronik, die viel besser nachdenken kann als jedes organische Lebewesen?«, fragte Anlytha vorwurfsvoll.
Der Kundschafter musterte die Stelle seines rechten Unterarms, an dem bei Exkursionen sein Kommandogerät befestigt zu sein pflegte. Bei dieser Exkursion fehlte es. Allerdings war sie auch nicht geplant gewesen.
»Hast du dir den Kopf angeschlagen, Algonkin?«, erkundigte sich Anlytha verwundert. »Warum benutzt du nicht dieses Ding oberhalb deiner Hirnanhangdrüse?«
Der Kundschafter konzentrierte sich auf den bimolekularen Auslöser des mikrominiaturisierten Duplikats seines Kommandoarmbands. Es vermochte psionische Impulse aufzufangen und in die normalen Hirnimpulse von Mathonern umzuwandeln – und umgekehrt. Dadurch stellte es das ideale Kommunikationsorgan mit jeder Psiotronik dar. Nur war die Leistungsfähigkeit eben begrenzt. Deshalb wunderte sich Algonkin-Yatta nicht übermäßig, als keine Verbindung mit der Psiotronik seines Kundschafterschiffs zustande kam.
»Offenbar ist das Schiff zu weit entfernt«, erklärte er seiner Begleiterin. »Wir werden uns also bewegen müssen, wenn ich der Psiotronik meine Probleme unterbreiten will.«
Ohne weitere Worte klemmte er sich Anlytha unter den linken Arm, aktivierte sein Flugaggregat und steuerte eine zirka zwei mal vier Meter, große, halbmetertiefe Nische an, an deren Rückwand er ungefähr dreißig punktförmige Stellen entdeckt hatte, die das Licht von Anlythas Lampe reflektierten.
Und wieder verfiel er ins Grübeln. Aber diesmal ließ er nur die Ereignisse an seinem geistigen Auge vorüberziehen, die ihn und seine Begleiterin schließlich in diese Lage getrieben hatten.
Durch puren Zufall hatte er vor langer Zeit auf dem Planeten Perpandron von einem Sterbenden einiges über einen Arkoniden gehört, der als Kristallprinz von Arkon für sein Recht kämpfte, das Amt des Imperators über das Große Imperium zu übernehmen, dadurch den Usurpator Orbanaschol zu stürzen und seinem Volk die ersehnte Freiheit zu geben.
Was Algonkin-Yatta über das Verhalten des Arkoniden Atlan erfuhr, machte diesen mutigen und ritterlichen Mann in den Augen des Kundschafters zu einem strahlenden Helden des Kosmos – und Algonkin-Yatta fasste den Entschluss, von seinem vorgegebenen Kundschafterkurs abzuweichen und nicht eher wieder auf ihn zurückzukehren, bis er Atlan gefunden und mit ihm gesprochen hatte.
In der Praxis hatte sich die Suche nach Atlan dann als erheblich schwieriger herausgestellt, als Algonkin-Yatta ursprünglich annahm. Der Kundschafter und seine Begleiterin waren in zahlreiche, oft lebensgefährliche Abenteuer verwickelt worden.
Einige Male hatte ihre Suche sie relativ dicht an Atlan herangebracht, aber jedes Mal waren sie durch Verkettungen unglücklicher Zufälle zu spät gekommen. Sie hatten dabei alle möglichen Intelligenzen, zahlreiche kosmische Zivilisationen, deren Vermächtnisse und viele Rätsel und Geheimnisse kennen gelernt.
Irgendwann kam der Kundschafter unter mysteriösen Umständen in den Besitz der Zeitkapsel, die zuvor großes Unheil über Welten und Völker gebracht hatte. Algonkin-Yatta bereitete dem unheilvollen Einfluss ein Ende, benutzte die Zeitkapsel für die weitere Suche nach Atlan und traf eines Tages mit Loggy zusammen, dem ehemaligen Kontrollelement eines Zeitauges.
Loggy schloss Freundschaft mit Algonkin-Yatta und half ihm bei seinen Exkursionen durch die Zeit. Bei einer dieser Exkursionen geriet die Zeitkapsel in den temporären Wirbel eines unheimlichen Objekts und wurde dorthin geschleudert, woher dieses Objekt gekommen war – in eine andere Zeit und zu einem Planeten, den seine Bewohner Erde oder auch Terra nannten.
Es kam zu einem Unfall. Der Kundschafter geriet bewusstlos in die Gewalt der Terraner, was nicht weiter schlimm gewesen wäre, wenn sich nicht eine verbrecherische Organisation seiner Zeitkapsel bemächtigt und ihn selbst entführt hätte. Glücklicherweise befand sich Loggy unentdeckt in der Zeitkapsel und steuerte sie in die Zeit zurück, in der Anlytha mit dem Kundschafterschiff wartete.
Als Anlytha von dem unglaublichen Vorfall erfuhr, stufte sie die Menschheit pauschal als Schurkengesellschaft ein und begab sich heimlich auf die Erde und in die Zeit, in der Algonkin-Yatta dort gefangen gehalten wurde. Es gelang ihr anfangs, die Solare Abwehr und die Mutanten der Erde zu täuschen. Glücklicherweise blieb das nicht so, denn als Anlytha das Nest der Verbrecher im Alleingang ausheben wollte, war ihr die Solare Abwehr dicht genug auf den Fersen, um im letzten Augenblick als rettender Engel einzugreifen.
Algonkin-Yatta und Anlytha lernten anschließend die angenehme Seite der Menschheit kennen. Sie schlossen Freundschaft mit Perry Rhodan und erfuhren von Atlantis und davon, dass Atlan verschollen war, seitdem er nach Atlantis aufgebrochen war.
Und sie erfuhren, dass das unheimliche Objekt, in dessen Wirbel die Zeitkapsel geraten war, nichts anderes als das Neue Atlantis gewesen war und dass dieses Neue Atlantis mit unbekanntem Ziel verschwunden war, ohne dass jemand auf der Erde etwas über Atlans Schicksal ahnte.
Mit Hilfe von Messungen, die Algonkin-Yatta dort vornahm, wo das Neue Atlantis aufgetaucht und wieder verschwunden war, ließen sich die Gesetzmäßigkeiten ermitteln, nach denen das Neue Atlantis sich zwischen den Dimensionen fortbewegte.
Algonkin-Yatta und Anlytha verabschiedeten sich von Perry Rhodan und ihren anderen terranischen Freunden und folgten mit dem Kundschafterschiff der Spur von Atlantis.
Der Kundschafter gelangte in die Galaxis Wolcion und erfuhr nach Abenteuern mit fremden Intelligenzen, dass das Neue Atlantis vermutlich auf einem Planeten namens Loors gestrandet sei. Eine langwierige Suche begann, ein Wettlauf mit der Zeit in doppelter Bedeutung.
Aber dank der Zähigkeit und dem kosmonautischen Können Algonkin-Yattas wurde Loors schließlich doch gefunden. Allerdings waren in der Zwischenzeit auf dem Neuen Atlantis Entwicklungen eingetreten, die zum Gewaltstart des unheimlichen Objekts geführt hatten. Als der Kundschafter über Loors auftauchte, zeugte nur noch eine große hässliche Narbe in der Oberfläche des Planeten davon, dass darauf einmal das gigantische Gewicht eines Inselkontinents gedrückt hatte.
Und bei seinen Messungen musste Algonkin-Yatta feststellen, dass das Neue Atlantis sich nicht mehr nach den alten Gesetzmäßigkeiten zwischen den Dimensionen bewegte. Das bedeutete eine zusätzliche Erschwerung der Suche nach Atlantis – und der Suche nach Atlan.
Aber der Kundschafter von Ruoryc verzagte nicht. Er war davon überzeugt, dass Atlan lebte und auf dem Neuen Atlantis einen tapferen Kampf gegen die Mächte der Finsternis führte.
Abermals setzte er die Suche fort – und bei seinem geduldigen Kreuzen zwischen den Dimensionen war das Kundschafterschiff mit einem rätselhaften Etwas kollidiert, in dem unheimliche und vielleicht unbegreifliche Kräfte wirkten.
Algonkin-Yatta spürte, wie die Neugier in ihm wuchs. Natürlich würde er die Suche nach Atlan fortsetzen, aber zuvor musste er das Geheimnis des rätselhaften Objekts lösen.
*
»Ich kann keine Tür sehen, Algonkin«, maulte Anlytha und starrte in die finstere Nische.
»Du darfst hier keine Tür in unserem Sinn erwarten, Anlytha«, erwiderte der Kundschafter. »Sieh her!«
Er richtete den Lichtkegel der Lampe in die Nische und ließ ihn langsam kreisen.
»Siehst du die Reflexionen?«, fragte er. »Sie sind kaum zu sehen – und noch weniger kannst du sehen, was das Licht reflektiert. Deshalb nehme ich an, dass es sich um winzige Öffnungen von Informationskanälen handelt, die entweder im subatomaren Bereich oder in einer anderen Dimension existieren und auf einen bestimmten Photonenkode ansprechen.«
»Photonenkode!«, stieß Anlytha verächtlich hervor. »Das sagt mir viel, Algonkin. Vor allem aber sagt es mir, dass wir einen solchen Kode niemals knacken können.«
»Knacken!«, wiederholte Algonkin-Yatta. »Was für eine Verunstaltung der Sprache! Gib mir die Halskette, die du Frekson gestohlen hast, Anlytha!«
»Ich – Frekson gestohlen!«, kreischte Anlytha empört.
»Ich habe es gesehen, obwohl du damals glaubtest, niemand hätte es bemerkt«, erwiderte der Kundschafter. »Aber ich habe es gesehen.«
»Frekson hatte die Kette selber erst gestohlen«, erklärte Anlytha trotzig. Sie öffnete das Oberteil ihrer Raumkombination, und im Lichtschein der Lampe funkelten und glitzerten die geschliffenen Edelsteine eines zweifingerbreiten Halsbands, das Anlytha trug. »Aber was sollte ein Drache mit diesem Geschmeide anfangen? Was willst du überhaupt damit anfangen, Algonkin?«
Algonkin-Yattas blauschwarzes Gesicht verzog sich zu einem breiten Lächeln.
»Wenn dieses Kollier dich so verblendete, dass du es stehlen musstest, dann vermag es möglicherweise auch die Informationskanäle des unbekannten Türwächters zu blenden«, erklärte er. »Nimm das Kollier ab und halte es hoch! Ja! Noch ein Stück dort hinüber, etwas tiefer – so!«
Er war neben die Nische geschwebt und richtete den Lichtkegel der Handlampe in einem bestimmten Winkel auf das Kollier. Als er traf, schienen die Edelsteine zu explodieren. Algonkin-Yatta schloss die Augen.
Als er sie wieder öffnete, sah er, dass die Rückwand der Nische verschwunden war. An ihrer Stelle schimmerte das Quadrat einer in einem schwach beleuchteten Gang führenden Öffnung.
»Phantastisch!«, entfuhr es dem Kundschafter.
