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Ein Toter erwacht zum Leben - und entfesselt den psionischen Sturm Auf Terra, den Welten des Solaren Imperiums und den Stützpunkten der USO schreibt man Anfang März des Jahres 2841 Standardzeit. Somit sind seit dem Ende der Condos Vasac rund 432 Jahre vergangen. Oberst Ronald Tekener und Oberstleutnant Sinclair M. Kennon, die beiden Asse der USO, sind noch immer am Leben und aktiv im Einsatz - der eine dank seinem lebenserhaltenden Zellaktivator und der andere aufgrund der weit fortgeschrittenen Biochemie, die seinem organischen Gehirn im Robotkörper eine nach Jahrhunderten zählende Lebenserwartung verschafft. Gegenwärtig ist Ronald Tekener unter der Maske eines gewissen Aarlon DeVanten bei einer Organisation verbrecherischer Wissenschaftler tätig, die den Bau eines so genannten "Daseinslöscher" betreiben. Sein Freund und Kollege Kennon gilt bei den Wissenschaftlern inzwischen als tot - und das ist gut so, da Kennon als "Toter" bessere Chancen des Eingreifens hat. Spezialist Kennon nutzt alle Möglichkeiten, die sein Robotkörper bietet. Er muss es tun, denn er - ebenso wie sein Kollege - befindet sich in akuter Gefahr. Diese Gefahr erreicht ihren Höhepunkt, als ein Gespenst erwacht - der Bewohner des SCHWARZEN ASTEROIDEN ...
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Veröffentlichungsjahr: 2012
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Nr. 56
Der schwarze Asteroid
Ein Toter erwacht zum Leben – und entfesselt den psionischen Sturm
von H. G. Ewers
Auf Terra, den Welten des Solaren Imperiums und den Stützpunkten der USO schreibt man Anfang März des Jahres 2841 Standardzeit. Somit sind seit dem Ende der Condos Vasac rund 432 Jahre vergangen.
Oberst Ronald Tekener und Oberstleutnant Sinclair M. Kennon, die beiden Asse der USO, sind noch immer am Leben und aktiv im Einsatz – der eine dank seinem lebenserhaltenden Zellaktivator und der andere aufgrund der weit fortgeschrittenen Biochemie, die seinem organischen Gehirn im Robotkörper eine nach Jahrhunderten zählende Lebenserwartung verschafft.
Gegenwärtig ist Ronald Tekener unter der Maske eines gewissen Aarlon DeVanten bei einer Organisation verbrecherischer Wissenschaftler tätig, die den Bau eines so genannten »Daseinslöscher« betreiben. Sein Freund und Kollege Kennon gilt bei den Wissenschaftlern inzwischen als tot – und das ist gut so, da Kennon als »Toter« bessere Chancen des Eingreifens hat.
Spezialist Kennon nutzt alle Möglichkeiten, die sein Robotkörper bietet. Er muss es tun, denn er – ebenso wie sein Kollege – befindet sich in akuter Gefahr.
Atlan – Der Lordadmiral macht eine seltsame Entdeckung.
Sinclair M. Kennon – Der USO-Spezialist verliert seine »Haut«.
Ronald Tekener – Der USO-Spezialist wird nicht mehr benötigt.
Durbin Hoykalare – Chef des Projektes »Daseinslöscher«.
Gracia Monet – Eine Schönheit von Siga.
Karghan-Am-Tarmäus
»Sie sind nicht schlecht, Dr. DeVanten«, sagte der Mann, den ich vor wenigen Minuten als Dr. Zirro Palec kennen gelernt hatte. »Aber man hat offenbar gemerkt, dass das, was Sie vorführten, im Grunde genommen ein alter Hut war.«
Ich blickte den schlaksigen semmelblonden Wissenschaftler prüfend an. Sein Gesicht sah aus, als könnte er kein Wässerchen trüben, aber gerade bei solchen Typen muss man besonders aufpassen.
»Wie meinen Sie das?«, fragte ich. »Mein Daseinslöscher ist zwar noch nicht perfekt, aber immerhin ...«
Zirro Palec grinste.
»Das, was Sie uns demonstrierten, erinnerte an die altbekannte arkonidische Gravitationsbombe, mit der unsere Vorfahren schon hantierten, als es auf der Erde noch mehrere Staatsgebilde gab. Ich erinnere an Iridul, den Mond des achtundzwanzigsten Planeten der Wega. Er wurde bei Rhodans erstem Ausflug in interstellare Gefilde mit Gravitationsbomben aus dem vierdimensionalen Raum-Zeit-Kontinuum geschleudert. Die Effektivität Ihres Daseinslöschers ist kaum größer.«
Ich bemühte mich, eine erstaunte Miene zur Schau zu stellen. Ein so hervorragender Hyperphysiker wie Aarlon DeVanten hatte schließlich seinen Ruf zu schützen – und wenn ich auch nicht wirklich Dr. DeVanten war, sondern Ronald Tekener hieß, brauchte es niemand zu merken, jedenfalls vorläufig noch nicht.
»Er befindet sich ja auch noch im Erprobungsstadium«, erwiderte ich. »Aber weshalb sollte ich mich mit Ihnen darüber streiten!«
»Wie wahr!«, erklärte Palec und ließ seinen Blick durch die Zelle schweifen, in die man mich auf Durbin Hoykalares Befehl gesperrt hatte. »Sie brauchen sich überhaupt nicht mehr um den Daseinslöscher zu kümmern. Das wird Hoykalare ganz allein besorgen, nachdem Sie ihm dummerweise die Unterlagen beschafft haben.«
»Noch ist nicht aller Tage Abend«, sagte ich abweisend und streckte mich auf dem knarrenden Bett aus.
Zirro Palecs Gesicht verschwand vom Zellenfenster. Ich hörte an seinen Schritten, dass er sich entfernte. Gleich darauf veränderte sich das kaum hörbare Summen des nächsten Antigravlifts um eine winzige Nuance. Palec befand sich auf dem Weg nach oben.
Ich schloss die Augen und überdachte meine Lage.
Mein Partner Sinclair und ich hatten uns mit der schon oft praktizierten »Einsickerungstaktik« in eine Organisation verbrecherischer terranischer Wissenschaftler eingeschlichen, um die Organisation von innen heraus aufzurollen.
Eine Zeitlang war alles nach Plan gelaufen. Sinclair Marout Kennon alias Fodor Tarinow und ich, Ronald Tekener alias Dr. Aarlon DeVanten, waren auf der Erde vor Gericht gestellt und wegen illegaler Experimente angeklagt worden. Verkleidete USO-Spezialisten hatten uns befreit, und die Organisation der Wissenschaftler hatte mit uns Verbindung aufgenommen.
Am Ende des Weges waren wir schließlich auf dem zweiten Planeten der roten Sonne Durbin gelandet, auf dem die Verbrecher umfangreiche Forschungsanlagen besaßen. Unter scharfer Bewachung bereiteten mein Partner und ich ein demonstratives Experiment mit dem Prototyp des so genannten Daseinslöschers vor.
Doch dann fing Sinclair mit den Spezialgeräten seines fleischverhüllten Roboterkörpers Funksprüche auf, die zwischen dem zweiten und dritten Planeten von Durbin hin- und hergingen. Aus ihnen ließ sich entnehmen, dass eine auf Planet drei weilende Gruppe von Wissenschaftlern in Not geraten sei.
Wir schlossen daraus, dass Planet Nr. drei die gesuchte Welt sein müsse, auf der die Wissenschaftler die Geheimnisse einer untergegangenen Zivilisation zu ergründen versuchten. Wenn überhaupt, dann würden wir nur auf Planet drei die Motive der Verbrecher ergründen können.
Sinclair kam zu dem Entschluss, ein hohes Risiko einzugehen, um sich über die Verhältnisse auf Planet drei zu informieren.
Sinclair verließ seine Unterkunft und stahl ein kleines Raumschiff, um damit den dritten Planeten anzufliegen. Natürlich blieb der Start des kleinen Schiffes nicht unbemerkt. Professor Durbin Hoykalare unterzog mich einem hochnotpeinlichen Verhör.
Ich erklärte ihm verabredungsgemäß, mein Assistent Tarinow sei eine labile Natur, die unter den zahlreichen Verhören und dem durch Druck erzeugten Stress nicht mehr gewachsen gewesen wäre. Seine Flucht sei der vom Unterbewusstsein erzwungene Versuch gewesen, aus einem Teufelskreis auszubrechen.
Hoykalare glaubte mir. Dennoch nützte das meinem Partner nicht viel. Es brachte ihm lediglich einen Zeitgewinn ein. Hoykalare aktivierte den Impulssender, um den Funkzünder eines Vernichtungsgerätes zu aktivieren, das Sinclair unter der Haut trug.
Beinahe hätte es geklappt, denn Sinclairs Sprengkapsel war – ebenso wie meine – heimlich durch das Team des siganesischen Mikrochirurgen Altos funktionsunfähig gemacht worden.
Als Hoykalare merkte, dass Sinclairs Sprengkapsel nicht explodiert war, ließ er das Raumschiff des Entflohenen durch Fernimpuls zerstören.
Ich wusste bis zur Stunde nicht, ob das Gehirn in seinem Robotkörper die Explosion überlebt hatte oder nicht. So leicht war der Halbroboter nicht zu töten, aber er besaß eben auch seine Achillesfersen.
Anschließend an die Zerstörung des Raumschiffes verstärkte Hoykalare seinen Druck auf mich, den Daseinslöscher vorzuführen. Ohne den ertrusischen Spezialisten für Gravitationsbomben wäre ich sehr schnell entlarvt worden.
Nach dem erfolgreich verlaufenen Experiment begannen die ernsten Schwierigkeiten für mich. Die Verbrecher schienen zu ahnen, dass ich ihnen nur ein Schauspiel geboten hatte. Man stellte mir wissenschaftliche Detailfragen, und selbstverständlich konnte ich sie nicht vollständig beantworten.
Als Folge davon befand ich mich in einer ausbruchsicheren Zelle und wartete auf die nächsten Schritte der Verbrecher. Ich hatte kaum Gutes zu erwarten. Professor Durbin Hoykalare hatte zynisch erklärt, man könne notfalls auch ohne mich auskommen, da man ja im Besitz meiner Unterlagen sei und das erste Experiment erfolgreich verlaufen war.
Aber noch verfügte ich über einen Trumpf, von dem Hoykalare nichts ahnte – und dieser Trumpf tauchte just vor dem Zellenfenster auf und winkte mir zu.
Ich warf ihr eine Kusshand zu und erhob mich.
Gracia Monet schaute mir lächelnd entgegen. Sie war wirklich allerliebst anzusehen mit ihrem edlen Gesicht, den langen Haaren und den schelmisch blitzenden Augen.
Gracia betätigte eine Schaltung an ihrer Gürtelschnalle. Die Rotorblätter ihres Traghubschraubers klappten zusammen, so dass die Spezialistin mühelos zwischen den Gitterstäben hindurchtreten konnte.
Wenn man nur 13,92 Zentimeter groß war, bildeten die Gitterstäbe einer für Normalmenschen gebauten Gefängniszelle kein Hindernis.
»Hoffentlich hat niemand Sie beobachtet«, flüsterte ich, während die Siganesin auf meine ausgestreckte Hand stieg.
Sie schüttelte den Kopf.
»Hier gibt es weder Beobachter noch Beobachtungsanlagen, Ronald. Ich könnte einen Ausbruch organisieren. Noc befindet sich in einer besonders stark gepanzerten Zelle auf dem gleichen Flur. Mit ihm konnte ich leider noch nicht sprechen, seine Zelle enthält kein Gitterfenster. Aber bei einem Ausbruch könnte ich seine Zellentür sprengen.«
Ich schüttelte den Kopf.
»Vorläufig bleiben wir hier, Gracia. Solange die Chance besteht, dass ich Hoykalares Verdacht zerstreuen kann, wollen wir uns nicht selbst entlarven.«
»Aber Hoykalare bereitet ein Verhör vor, Ronald!«
Ich zuckte die Schultern.
»Ich habe in meinem Leben schon viel ausgehalten, folglich werde ich auch noch einige Verhöre überleben. Wenn wir fliehen, erreichen wir überhaupt nichts.«
»Na schön, Spezialist Tekener«, erklärte die Siganesin, »wenn Sie sich nicht von mir befreien lassen wollen, dann verschwinde ich eben wieder.«
Ich grinste.
»Nicht so hastig, meine Schöne. Ich habe noch einen Auftrag für Sie.«
Nachdem ich ihr meine Anweisungen gegeben hatte, verabschiedete Gracia Monet sich mit einem Knicks, zwängte sich durch die Gitterstäbe und entfaltete ihre Tragschrauberrotoren. Mit schwachem Summen entfernte sie sich in Richtung Antigravlift.
Ich hockte mich auf den Rand des Bettes, stützte das Kinn in die Hände und dachte nach.
Durbin Hoykalare und seine Organisation bereiteten mir Kopfzerbrechen. Nicht etwa, dass ich daran gezweifelt hätte, dass die USO sie letzten Endes doch unschädlich machen würde. Mich störte es, dass ich kein Motiv fand, das stark genug gewesen wäre, so viele tüchtige Wissenschaftler zu ihrem verbrecherischen Tun anzureizen.
Sicher, sie wollten Ruhm und Macht und sie hofften, mit Hilfe einer neuen Waffe, nämlich des Daseinslöschers, ihr Ziel zu erreichen. Aber sie mussten doch wissen, dass das unmöglich war. Ganz abgesehen davon, dass der so genannte Daseinslöscher der altbekannten arkonidischen Gravitationsbombe nur minimal überlegen war, würden sie selbst mit einer haushoch überlegenen Waffe nur kurzfristig Macht erobern können. Die wirtschaftliche und militärische Macht des Solaren Imperiums war nicht so leicht zu erschüttern.
Die Beherrschung des Solaren Imperiums schied demnach als Motiv aus.
Doch vielleicht suchte ich in der falschen Richtung. Hoykalare und seine Mitarbeiter waren mit Leib und Seele Wissenschaftler. Es war durchaus möglich, dass es ihnen nur darum ging, die Geheimnisse einer untergegangenen Zivilisation zu enträtseln.
Und die Geheimnisse für sich zu behalten.
Ich legte mich aufs Bett und verschränkte die Arme hinter dem Kopf.
Die Antwort auf meine Fragen lag wahrscheinlich auf dem dritten Planeten verborgen.
Ich konnte nur hoffen, dass Sinclair Marout Kennon noch lebte – und dass er in einem Stück auf dem dritten Planeten landete, um die Rätsel jener Welt zu lösen.
*
Die Welt, die ich wegen dem düsteren Blau ihres Himmels Inkpot genannt hatte, bot ein phantastisches Bild.
Ich war auf einem Platz von scheinbar unendlicher Ausdehnung gelandet, nachdem ich die Explosion meines Schiffes und die übrigen Widrigkeiten überwunden hatte.
Der Platz war, soweit ich das beurteilen konnte, völlig eben, und er war mit marmorierten Steinplatten belegt. Soweit ich sehen konnte, erhoben sich überall auf dem Platz seltsame Statuen. Ein Teil der Statuen war umgestürzt oder zerbröckelt. Sie mussten uralt sein.
Die Sensoren meiner Vollprothese zeigten an, dass die Luft feucht und kalt war und dass außer den vom Wind erzeugten Geräuschen kein Laut zu hören war. Aus Rissen und Spalten im Boden krochen graue Nebelschleier; sie wälzten sich träge über den Boden, wurden vom Wind zu den seltsamsten Phantasiegebilden verformt und lösten sich auf, sobald sie einige Meter gestiegen waren.
Mein erster Gedanke nach der Landung war der, dass ich großes Glück gehabt hatte, in eine unbewohnte Gegend von Inkpot geraten zu sein. Es wäre mir peinlich gewesen, mit einem nackten Metallkörper intelligenten Lebewesen zu begegnen.
Die Explosion meines Raumschiffes hatte die Biomolplastbeschichtung meiner Vollprothese vernichtet, so dass ich zur Zeit weder Ähnlichkeit mit dem USO-Spezialisten Sinclair Marout Kennon noch dem Wissenschaftler Fodor Tarinow besaß.
Ich suchte mit meinen hochempfindlichen Messgeräten die Umgebung ab. Doch die Funksprüche, die mich nach Inkpot gelockt hatten, waren verstummt. Dagegen funkte eine Station auf Gorbish pausenlos in dem gleichen Kode, den zuvor die Station auf Inkpot für ihre Hyperkommeldungen verwendet hatte.
Man wollte wissen, was geschehen sei.
Ich lachte innerlich, denn es amüsierte mich, dass zwischen, den Verbrechern auf Gorbish und mir Übereinstimmung bestand. Wir wollten das gleiche wissen.
In einer Entfernung von 10.890 Kilometern stellte meine Energieortung die Streustrahlung eines stationären Fusionsmeilers fest. Dort befand sich offenbar eine Station der Verbrecher.
Ich überlegte, ob ich dort hinfliegen sollte, entschied mich aber dagegen. Die Station würde mir nicht davonlaufen. Augenblicklich interessierten mich die Überreste einer untergegangenen Kultur bedeutend stärker.
Langsam schritt ich zur nächsten Statue und musterte das Gebilde. Meine Schritte dröhnten dumpf durch die tote Landschaft. Es war, als ginge ich über einen Resonanzboden.
Die Figur war zu verwittert, um zu verraten, was für ein Lebewesen sie einst dargestellt hatte. Ich erkannte lediglich noch, dass es sich um ein aufrecht gehendes Lebewesen gehandelt haben musste, das den Kopf an der gleichen Stelle getragen hatte wie der Mensch.
Alles andere blieb rätselhaft.
Langsam ging ich weiter. Nach einigen Schritten blieb ich stehen und lauschte den weithin hallenden Echos meiner Schritte. Gleichzeitig tasteten meine Messgeräte nach Bodenvibrationen. Doch es gab keine. Das machte alles noch rätselhafter, beinahe gespenstisch, denn Schall ohne entsprechende Bewegung war ungefähr so unwirklich wie ein Mensch, der keinen Schatten wirft.
Als ich etwa einen Kilometer gegangen war, fingen die Geräte meiner Vollprothese einen hyperenergetischen Kurzimpuls auf.
Ich blieb stehen und lauschte abermals.
Zuerst maß ich starke, aber äußerst primitive Gehirnimpulse an, dann fingen meine Schallrezeptoren schleifende Geräusche, hastiges Atmen und gedämpftes Aufprallen weicher Pfoten ein.
Im nächsten Moment hatte das Linsensystem meiner Vollprothese das Lebewesen erfasst, das dieses Geräusch verursachte. Ich sah einen etwa kniehohen Hund mit gelbem Fell, kurzen spitzen Ohren, hechelnder Zunge und scharfen Reißzähnen zwischen den Statuen dahintrotten.
Als ich einen scharfen Pfiff ausstieß, zuckte er zusammen und floh mit weiten Sprüngen.
»Dummer Hund!«, sagte ich.
Plötzlich löste sich das Tier in Nichts auf. Es verschwand einfach, während es zwischen zwei Statuen hindurchlief.
Es verschwand, ohne dass ich einen Energieimpuls anmessen konnte.
Wenn ich noch meinen Originalkörper besäße, hätte ich mir das anscheinend spurlose Verschwinden des Hundes als Ursache einer kleinen Unaufmerksamkeit meinerseits und besonderer Schnelligkeit seitens des Tieres ausgelegt. Im Besitz einer Vollprothese, die das Nonplusultra galaktischer Technik darstellte, fielen Wahrnehmungsmängel als Ursache fort. Ich hätte den Hund auf jeden Fall sehen müssen, auch wenn er sich blitzschnell verbarg – und selbst dann müsste ich noch seine Gehirnimpulse anmessen.
Aber nichts dergleichen war der Fall.
Misstrauisch umkreiste ich die beiden Statuen, zwischen denen das Tier sich in Nichts aufgelöst hatte. Ich konnte keine Spur des Tieres entdecken, und ich maß auch keine Kraftfelder an, die vielleicht für das Verschwinden verantwortlich sein könnten.
Dennoch hütete ich mich, zwischen die beiden Statuen zu gehen. Wo ein Hund verschwunden war, konnte auch ein USO-Spezialist verschwinden, und ich sah zur Zeit keine Ursache, auch nur das geringste Risiko einzugehen, nur um meine Neugier zu befriedigen.
In Gedanken zuckte ich die Schultern und ging weiter. Schritt für Schritt über die uralten Steinplatten, aus deren Rissen und Spalten graue Nebel quollen und wie nasse schwere Tücher wallten. Meine Vollprothese bedeckte sich mit einem dichten Netz kleiner Wassertropfen.
Ich streckte eine Sonde aus und analysierte den Nebel. Er bestand tatsächlich aus gewöhnlichem Wasser, genauer aus verdichtetem Wasserdampf. Es waren allerdings einige chemische Verunreinigungen dabei, aber die gab es auf jeder Welt, auf der Nebelbildung möglich war.
Und abermals fing ich einen hyperenergetischen Kurzimpuls auf.
Wie beim ersten Mal folgten unmittelbar auf die energetische die akustische und die optische Wahrnehmung.
Mit dem Unterschied, dass das aufgetauchte Lebewesen diesmal kein Hund war, sondern ein Mensch.
Genauer definiert, ein 1,52 Meter großes Lebewesen von humanoider Bauart, mit kupferfarbener Haut, haarlosem Schädel und mächtiger Krummnase. Das Wesen trug eine Art Bordkombination aus silbrigem Material und über den Schultern einen tintenblauen Umhang.
Es stand rund zehn Meter vor mir, blickte mich aufmerksam an und schwieg sich aus.
Ich wollte ein friedliches Lächeln auf mein Gesicht zaubern und wurde wieder daran erinnert, dass ich kein Gesicht mehr besaß. Also winkte ich und rief:
»Seien Sie gegrüßt, einsamer Wanderer!«
Ich hatte Interkosmo gesprochen, weil das die Sprache ist, die von allen raumfahrttreibenden Völkern unserer Galaxis verstanden wird, und der Fremde antwortete in der gleichen Sprache.
»Danke, Roboter«, sagte er. »Hast du einen Auftrag?«
Ich zählte in Gedanken langsam bis zehn, um meinen Zorn niederzukämpfen. Ausgerechnet mich einen Roboter zu nennen.
Als ich mich einigermaßen gefasst hatte, sagte ich:
»Ich bin kein Roboter, sondern trage nur eine stählerne Rüstung. Mein Name ist Marout, der Eiserne.«
Der Kleine schwenkte die langen Arme und rief fröhlich:
»O, das freut mich, Marout. Ich bin Honk Y'tonk, der im Zeichen des Großen Bockes Stehende, und ich bin unterwegs nach U'talaya, um den Schrein des Batatuga zu suchen.«
Ich kannte keinen dieser Namen, doch das wunderte mich nicht, denn ich war zum ersten Mal auf Inkpot. Höflich erwiderte ich:
