Atlan 653: Schiffbruch auf Urab - Kurt Mahr - E-Book

Atlan 653: Schiffbruch auf Urab E-Book

Kurt Mahr

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Beschreibung

Es geschah im April 3808. Die endgültige Auseinandersetzung zwischen den Kräften des Positiven, hauptsächlich repräsentiert durch Atlan und die Solaner, und zwischen Anti-ES und seinen unfreiwilligen Helfern, vollzog sich in Bars-2-Bars, der künstlich geschaffenen Doppelgalaxis. Dieser Entscheidungskampf geht überraschend aus. Die von den Kosmokraten veranlasste Verbannung von Anti-ES wird gegenstandslos, denn aus Wöbbeking und Anti-ES entsteht ein neues Superwesen, das hinfort auf der Seite des Positiven agieren wird. Die neue Sachlage ist äußerst tröstlich, zumal die Chance besteht, dass in Bars-2-Bars nun endgültig der Friede einkehrt. Für Atlan jedoch ist die Situation alles andere als rosig. Der Besitz der Koordinaten von Varnhagher-Ghynnst, ohne die er nicht den Auftrag der Kosmokraten erfüllen kann, wird ihm nun ausgerechnet durch Chybrain vorenthalten. Ob er es will oder nicht, der Arkonide wird verpflichtet, die Namenlose Zone aufzusuchen und sich mit deren Rätseln und Schrecken auseinanderzusetzen. In diesen Bereich ist auch das SOL-Beiboot FARTULOON verschlagen worden. Die Korvette unter dem Kommando von Bjo Breiskoll kann allerdings der Namenlosen Zone entrinnen, doch Beschädigungen und Einwirkungen von Seiten mysteriöser Verfolger führen zum SCHIFFBRUCH AUF URAB ...

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Seitenzahl: 124

Veröffentlichungsjahr: 2012

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Nr. 653

Schiffbruch auf Urab

Die FARTULOON und die Verfolger aus der Namenlosen Zone

von Kurt Mahr

Es geschah im April 3808. Die endgültige Auseinandersetzung zwischen den Kräften des Positiven, hauptsächlich repräsentiert durch Atlan und die Solaner, und zwischen Anti-ES und seinen unfreiwilligen Helfern, vollzog sich in Bars-2-Bars, der künstlich geschaffenen Doppelgalaxis.

Dieser Entscheidungskampf geht überraschend aus. Die von den Kosmokraten veranlasste Verbannung von Anti-ES wird gegenstandslos, denn aus Wöbbeking und Anti-ES entsteht ein neues Superwesen, das hinfort auf der Seite des Positiven agieren wird.

Die neue Sachlage ist äußerst tröstlich, zumal die Chance besteht, dass in Bars-2-Bars nun endgültig der Friede einkehrt. Für Atlan jedoch ist die Situation alles andere als rosig. Der Besitz der Koordinaten von Varnhagher-Ghynnst, ohne die er nicht den Auftrag der Kosmokraten erfüllen kann, wird ihm nun ausgerechnet durch Chybrain vorenthalten. Ob er es will oder nicht, der Arkonide wird verpflichtet, die Namenlose Zone aufzusuchen und sich mit deren Rätseln und Schrecken auseinanderzusetzen.

Die Hauptpersonen des Romans

Bjo Breiskoll – Kommandant der FARTULOON.

110-Page – Vorsitzender des Rates der Zyrtonier.

Serbal Gnygg und Jerge Minhester – Besatzungsmitglieder der FARTULOON.

Verna la Fajjn – Eine tapfere Frau.

Parzelle

1.

Es kam alles so überraschend.

Eben noch hatte Bjo Breiskoll mit Interesse die Daten verfolgt, die auf der Bildfläche vor ihm abrollten und ihm Klarheit darüber verschaffen sollten, was mit der FARTULOON nun eigentlich geschehen war. Dann meldete sich eine Robotstimme und verkündete in der ihr eigenen ruhigen und unbeteiligten Weise:

»Die Anweisungen, die dem Autopiloten vorliegen, müssen überprüft werden.«

Bjo Breiskoll horchte auf. Neben ihm brummte Jerge Minhester:

»Was soll das nun wieder heißen?«

Und dann brach die Hölle los.

Eine unsichtbare Riesenfaust stauchte ihn in den Sessel. Flammender Schmerz schoss ihm das Rückgrat entlang. Alarmsirenen wimmerten, Menschen schrien, und auf der großen Videofläche vollführte das Sternenkreuz der Galaxis Bars-2-Bars einen abenteuerlichen Tanz.

Bjo schirmte sich gegen die panikerfüllten Gedanken ab, die von allen Seiten auf ihn einströmten. In Situationen wie dieser war die Fähigkeit der Telepathie eher ein Fluch als eine Gabe. Durch das Flimmern hindurch, das der mörderische Andruck vor seinen Augen erzeugte, versuchte er, die Anzeigen der Kontrollkonsolen zu erkennen. Er wusste nicht, was geschehen war. Er begriff nur, dass eine fremde Kraft nach dem kleinen Raumschiff gegriffen hatte und es erbarmungslos schüttelte.

Eine krächzende Stimme drang durch den infernalischen Lärm.

»Stete Fahrt! Zum Teufel ... hörst du mich? Stete Fahrt!«

»Stete Fahrt«, kam von irgendwoher die plärrende, scheppernde Antwort. »Zum Teufel ... hörst du mich? Stete Fa...«

Der Rest war Zischen, Fauchen, splitterndes Knistern. Der Audioservo hatte den Dienst eingestellt. Bjo stemmte sich mit letzter Kraft gegen den Druck, der auf ihm lastete. Er beugte sich nach vorne über die Anzeigen der Konsole. Irgendwo unter den bunten Lichtern, die vor seinen Augen tanzten, war die Taste für die manuelle Blockierung des Autopiloten. Orange ... wo war eine orangefarbene Taste?

Er hatte das Ziel vor Augen. Die Hand streckte sich zögernd, zitternd aus, die leuchtende Kontaktfläche zu berühren. Für den Bruchteil einer Sekunde ließ der teuflische Druck nach ...

Ein donnernder Knall. Bjo hörte das hässliche Knirschen, mit dem sich die Verankerung des Sessels aus dem Boden löste. Die Konsole, an der er eben noch zu hantieren versucht hatte, lag plötzlich unter ihm. Er krümmte sich so tief wie möglich in die Polsterung. Ein schmetternder Krach ... er wurde mit fürchterlicher Wucht nach vorn gerissen. Die Stirn prallte gegen etwas Hartes. Dann war es still. Und finster.

Die Ohnmacht war von kurzer Dauer. Ein schrilles, pfeifendes Geräusch riss Bjo Breiskoll in die Wirklichkeit zurück. Ein Signal! Er kannte dieses Signal! Krampfhaft versuchte der halbgelähmte Verstand, sich an seine Bedeutung zu erinnern.

Menschenleben in Gefahr!

Bjo öffnete die Augen. Ringsum waren Qualm und Dunst. Rote Flammenzungen leckten am Rand des Blickfelds. Er lag inmitten der Trümmer seines Sessels, immer noch festgeschnallt. Er griff nach dem Verschluss des Gurts und musterte einen Atemzug lang verblüfft die blutbeschmierte Hand. Der Gurt löste sich mit einem Ruck. Bjo stürzte nach vorne und landete in einem Trümmerhaufen.

Das Pfeifen gellte ihm in den Ohren. Wo war die Gefahr? Der Qualm brannte ihm in den Augen. Teile einer geborstenen Wand, die Trümmer des Sessels, die rauchenden Überreste eines Konsoleaggregats versperrten ihm den Weg. Zornig drückte er die Hindernisse beiseite und verbrannte sich dabei die blutende Hand. Der Schmerz machte ihn noch entschlossener. Irgendwo in der Nähe war ein Mensch in Gefahr – vielleicht mehrere Menschen. Er musste helfen. Der Gedanke brannte sich in seinem Gehirn fest.

Das Schiff rüttelte und schüttelte sich. Der Antigrav funktionierte nur noch zum Teil oder war womöglich ganz ausgefallen. Bjo wurde hin und her geworfen. Jetzt wurde ihm der Magen bis zur Kehle hinaufgedrückt, im nächsten Augenblick zwischen die Knie hinabgezerrt. Es wurde ihm übel.

Zwischen zwei Pfiffen des Warnsignals hörte er Stöhnen.

»Wo?«, schrie er, so laut er konnte. »Wo bist du?«

Er erhielt keine Antwort. Die Luft erhitzte sich zunehmend. Das Atmen fiel schwer. Er schleuderte eine herabgestürzte Strebe zur Seite und schrie vor Schmerz, als ihm das glühendheiße Polymermetall die Haut verbrannte. Vor ihm lag ein Stück freier Fläche, nicht mehr als zehn Quadratmeter, auf der gegenüberliegenden Seite begrenzt durch eine graue Wand. Vor der Wand kauerte in verkrümmter Haltung eine menschliche Gestalt. Bjo schob sich vorwärts.

Er hörte das Knacken in den Ohren und fühlte sich mit einemmal leicht und sorgenfrei. Um ein Haar hätte ihn die Euphorie überwältigt, aber im letzten Augenblick sah er die Stelle an der Wand, über der ein winziger Wirbelwind mit irrer Geschwindigkeit kreiselte.

Leck!, signalisierte das Gehirn.

Auf Knien und Ellbogen schob Bjo sich näher heran. Der Luftdruck sank rapide. Er hatte Mühe, sich auf seine Aufgabe zu konzentrieren. Am liebsten hätte er sich hingelegt und wäre eingeschlafen. Aber vor ihm kauerte die hilflose, verkrümmte Gestalt und wimmerte vor sich hin. Er biss die Zähne aufeinander und schob sich weiter.

Da sah er, wie ein unregelmäßig geformter Teil der Wand sich zu verfärben begann. Er kannte das Phänomen. Strukturelle Schwäche. Die Wand war beschädigt. Auf der anderen Seite lag das Vakuum. Durch das winzige Leck hindurch wollte der Druck sich ausgleichen. Aber noch drückten mehr als zehntausend Kilogramm gegen das beschädigte Wandstück. Wie lange noch, bis das überbeanspruchte Material zerbrach? Und dann? Explosive Dekompression, zerreißende Lungen ...

Bjo schoss vorwärts. Die wohlige Müdigkeit war vergessen. Er sah, wie haarfeine Risse sich in der Wand bildeten. Panik griff nach seinem Herzen. Er würde zu spät kommen. Es blieb ihm nicht einmal mehr Zeit, sich selbst in Sicherheit zu bringen. Aber Bjo gab nicht auf. Die Aussichtslosigkeit der Lage erfüllte ihn mit Trotz. Er schob sich weiter vorwärts. Weit hinter sich hörte er ein Geräusch, als würden Trümmer beiseite geräumt.

»Hierher!«, schrie er, so laut er konnte.

Seine Stimme hörte sich in der dünnen Luft eigenartig schrill und blechern an.

»Heh, beweg dich!«, fuhr er die reglose Gestalt des Kauernden an. »Streck die Hand aus, dann kann ich dich zu mir ziehen ...«

Aber der Kauernde rührte sich nicht. Entweder hatte er das Bewusstsein verloren, oder die Panik saß ihm in den Knochen. Bjo wusste nicht, wer der Unglückselige war. Er hatte den Kopf eingezogen und das Gesicht auf den Knien ruhen.

Die Wand geriet in Bewegung. Knirschend lösten sich kleine Brocken Polymermetall aus der grauen Fläche und tanzten im fauchenden Sog der ausströmenden Luft. Es wurde bitter kalt. Bjos Blick vernebelte sich. Bunte Ringe tanzten ihm vor den Augen. Stechender Schmerz zuckte durch die Lunge. Es war aus ...

Wie aus unendlich weiter Ferne hörte er den Knall, mit dem der Schaumdichter sich entlud. Der armdicke, weiße Strahl zäher Flüssigkeit, der beim Aufprall auf die Wand nach allen Seiten verspritzte, erschien ihm wie eine Halluzination.

Er fiel vornüber. Die Arme hatten keine Kraft mehr, die Wucht des Sturzes zu dämpfen. Aber die Schmerzsignale, die die Nerven aussandten, als der stürzende Körper den harten Boden berührte, erreichten das Gehirn nicht mehr ...

*

»Die Dinge sind auf höchste unerfreuliche Weise in Bewegung geraten«, erklärte 110-Page. »Die Beständigkeit der Verhältnisse in der Abgenabelten Zone ist in Gefahr. Der Rat für Besondere Ereignisse wurde einberufen, um Maßnahmen zu definieren, die in dieser Lage zu ergreifen sind.«

Helles, weißes Licht erfüllte den Saal der Beratung, in dem die 121 Ratsmitglieder, 110s Ruf folgend, sich eingefunden hatten. Der Raum war schmucklos. Kein spielerischer Zierrat, kein frivoles Ornament sollte die Gedanken derer ablenken, die in diesem Saal über besondere Ereignisse nachzudenken und zu beraten hatten und denen somit die Macht gegeben war, das Schicksal des zyrtonischen Volkes auf nachhaltige Weise zu beeinflussen. Es geschah nicht oft, dass der Rat der Pagen in seiner Funktion als Rat für Besondere Ereignisse einberufen wurde. Die Lage in der Abgenabelten Zone war stabil, fast hätte man sie statisch nennen können. Darum erregte die Zusammenkunft des Rates jedes Mal – d.h. im bisherigen Durchschnitt einmal alle 31 Planetenjahre – das besondere Interesse der Öffentlichkeit. Die Sitzungen des Rates waren geheim; ihr Ergebnis jedoch musste laut Verfassung den Bürgern mitgeteilt werden. Der Rat der Pagen galt als ultimater Born der Weisheit. Er hatte, so weit sich seine Geschichte zurückverfolgen ließ, noch niemals eine falsche oder schädliche Entscheidung getroffen.

Die 121 Ratsmitglieder saßen im weiten Kreis, jedes in einer Sitzmulde, die sich seinem silbern schimmernden Körper, der die Form eines Halbellipsoids besaß, genau anpasste. Lediglich 110-Page, der den Vorsitz innehatte, ruhte auf einem Podest, das sich eine halbe Körperlänge weit über den Boden des Saales erhob. Die erhöhte Position stand ihm zu – ebenso wie der Schmerz, den die unter den Leib gefalteten Gliedmaßen ihm bereiteten, weil die Oberfläche des Podests glatt und nicht in der Form einer Sitzmulde ausgebildet war. Exponierte Position und die Fähigkeit, Schmerz zu ertragen, ohne dass sich dabei auch nur ein einziger Fühler krümmte – das waren die äußeren Anzeichen, an denen der Zyrtonier seine Machtbefugten erkannte.

»Vorläufig ist dem Rat noch unklar«, meldete sich 255-Page zu Wort, »auf welche Weise die Dinge in Bewegung geraten sind. Man hört Gerüchte, es sei ein ganzes Sonnensystem aus der Abgenabelten Zone verschwunden, aber solches ...«

»Ist unglaublich?«, fiel ihm 110-Page ins Wort. »Keineswegs. Eben das ist geschehen. Nicht spontan, sondern unter Einwirkung eines Fremdkörpers und mit Hilfe von Fremdlingen, die aus dem Normaluniversum hier eindrangen.«

»Das ist ungeheuerlich!« 255s Schreck und Entrüstung waren echt. 110-Page wusste, dass er sich vor 255 zu hüten hatte. 255 strebte nach seinem Amt, dem Vorsitz über den Rat der Pagen, und nach noch ein paar anderen Posten, die er innehatte. Aber in diesem Augenblick intrigierte er nicht. »Wir müssen etwas dagegen unternehmen!«

110-Page machte eine abwehrende Gebärde.

»Es ist zu spät, etwas dagegen zu unternehmen«, sagte er. »Das System Jak ist verschwunden. Unsere Kräfte reichen nicht aus, es zurückzubringen. Wohl aber können wir zu ergründen versuchen, wie es zu einem solch unglaublichen Ereignis kommen konnte. Da das Jak-System bisher ebenso stabil war wie jedes andere, kann die Rückversetzung ins Normaluniversum nur durch den Fremdkörper ausgelöst worden sein. Diesem gilt es also auf der Spur zu bleiben. Ich habe das Notwendige bereits veranlasst.«

»Ohne den Rat zu befragen?«, meldete sich 255-Page.

»Ohne den Rat zu befragen«, bestätigte 110. »Hätte ich gewartet, bis ihr euch hier versammeltet, dann wäre uns die Spur der Fremden verlorengegangen.«

255-Page dachte einen Augenblick lang nach. Ob 110s Verhalten satzungsgerecht war oder nicht – aus dieser Sache ließ sich kein politisches Kapital schlagen.

»Du hast die HE-Sauger hinter ihnen hergeschickt?«, fragte er.

»Das ist in der Tat der Fall«, antwortete 110-Page. »Eine umfangreiche Schar von HE-Saugern hat die Schockfront durchstoßen und die Verfolgung der Fremden aufgenommen.«

»Ins Normaluniversum hinüber?«, wurden mehrere erstaunte Stimmen laut.

»Ja. Denn dorthin haben die Fremden sich entfernt.«

»Was weiß man bisher über den Erfolg der Mission?«, erkundigte sich 255-Page.

110-Page reckte zwei Vorderfühler steil in die Höhe und verlieh dadurch seinem Ärger sichtbaren Ausdruck.

»Du weißt so gut wie ich, dass die HE-Sauger völlig selbständig agieren. Dass wir keine Kontrolle über sie haben, sobald ihnen ein Auftrag erteilt wurde. Sie werden sich melden, sobald etwas Meldenswertes vorliegt. In der Zwischenzeit wärest du wohlberaten, dem Rat der Pagen nicht mit derartigen Fragen die Zeit zu stehlen.«

»Es sind aber Kuriere unter den HE-Saugern?«, beharrte 255-Page unbeeindruckt.

»Wie immer«, antwortete 110-Page knapp. »Wir werden von ihnen hören.«

255-Page gab durch Abknicken eines Sensors zu verstehen, dass er keine weiteren Fragen zu stellen gedenke. Er hatte 110 in Ärger versetzt; das genügte ihm für den Augenblick. Es war des Vorsitzenden unwürdig, während einer Ratsbesprechung ärgerlich zu werden. Man würde sich beizeiten an 110s Reaktion erinnern.

»Welchen Auftrag hast du den HE-Saugern gegeben?«, wollte 127-Page wissen.

»Die Fremden sind unbeweglich zu machen«, lautete 110s Antwort. »Es muss verhindert werden, dass sie entkommen. Sobald dieser Auftrag ausgeführt ist, wird sich eine zweite Kolonne von HE-Saugern um die Fremden und ihr Fahrzeug kümmern und in Erfahrung bringen, auf welche Weise sie die Entführung des Jak-Systems bewerkstelligten.«

Eine Stunde lang gab 110-Page Erklärungen dieser und ähnlicher Art. Dann gelangte die Angelegenheit zur Abstimmung. Die von 110 ergriffenen Maßnahmen wurden im Nachhinein einstimmig gebilligt. Selbst 255-Page stimmte zugunsten des Vorsitzenden – ein Zug, der ihm den Ruf der unbestechlichen Objektivität einbringen würde.

*

Aus den wallenden Nebeln, die das Blickfeld erfüllten, schälten sich die Umrisse eines Gesichts. Bjo Breiskolls Hände gerieten in Bewegung. Er tastete die Ränder der Liege ab, auf der er ruhte. Er wollte Kontakt mit der Wirklichkeit herstellen, sich überzeugen, dass er noch nicht ins große Jenseits eingegangen war. Denn das Gesicht waberte, zuckte und tanzte inmitten des Nebels und gab durch kein Anzeichen zu erkennen, dass es Bestandteil der greifbaren Realität war. Schließlich aber öffnete sich der Mund, und eine Reihe von Worten drang an Bjos Gehör.

»Es ist gut, dass du wieder bei uns bist, Bjo.«

Akustischer und optischer Eindruck gemeinsam brachten das Gedächtnis wieder in Gang.

»Jerge, bist du das?«, fragte Bjo mit schwerer Zunge.

»Wer ein derart unansehnliches Gesicht wiedererkennt«, tönte es aus dem Hintergrund, »der ist ohne Zweifel voll im Besitz seiner geistigen Kapazität.«

Bjo wandte mit Mühe den Kopf. Der Nebel verflog. Eine stämmige Gestalt wuchs vor ihm auf. In rötlichem Gold schimmerte die Haut des Buhrlos.

»Serbal Gnygg«, seufzte der Mutant. Es wurde ihm leicht ums Herz. Es gab keinen Zweifel mehr: Die Wirklichkeit hatte ihn wieder. »Was habt ihr zwei hier verloren? Wer kümmert sich um das Schiff?«

»Oh, das tut Vorlan Brick in bewährter Weise«, antwortete der Buhrlo. »Dass ihn die jüngsten Ereignisse ein wenig aus dem Gleichgewicht gebracht haben, lässt er sich nicht anmerken. Wäre sein Ego aus Granit, dann hätten wir einen Felsen so hoch wie ...«