Atlan 772: Die Hölle des Dreigestirns - H.G. Ewers - E-Book

Atlan 772: Die Hölle des Dreigestirns E-Book

H.G. Ewers

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Beschreibung

Der Anfang des Jahres 3820 bringt eine einschneidende Veränderung der Machtkonstellation in der Galaxis Manam-Turu. Atlans Hauptgegner, der Erleuchtete, der vor Jahresfrist Alkordoom verließ, um hier, an seinem Ursprungsort, sein Kunstgeschöpf EVOLO zu vollenden, ist nicht mehr. Auch wenn Atlans größter Gegner nicht mehr existiert, die Lage in Manam-Turu hat sich dadurch nicht entspannt. EVOLO ist im Frühjahr 3820 bereits stärker, als der Erleuchtete es jemals war. Welche Gefahr das Psi-Geschöpf darstellt, ist längst bewiesen. Und selbst das zweite Konzil bleibt durch EVOLOS Aktivitäten nicht ungeschoren. Allerdings ist ein eindeutiger Trend noch nicht erkennbar, was den Ausgang des Machtkampfs um Manam-Turu betrifft. Zu viele unbekannte Faktoren sind im Spiel. Einer davon ist EVOLOS Instabilität, ein anderer die wachsende Feindschaft zwischen Hyptons und Ligriden, ein dritter das Wiederauftauchen von Dschadda-Moi, der alten Herrscherin der Krelquotten. Atlan selbst greift gegenwärtig in das großräumige Geschehen nicht ein. Während er auf einen Notruf seines alten Freundes und Lehrmeisters Fartuloon reagiert und dabei nur mit knapper Not einem tödlichen Anschlag entgeht, beginnt Goman-Largo mit seinem Zeit-Team das "Sternenspringen". Diese Aktionen führen letztlich in DIE HÖLLE DES DREIGESTIRNS ...

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Veröffentlichungsjahr: 2012

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Nr. 772

Die Hölle des Dreigestirns

In der Sternenfalle von Askyschon-Nurgh

von H. G. Ewers

Der Anfang des Jahres 3820 bringt eine einschneidende Veränderung der Machtkonstellation in der Galaxis Manam-Turu. Atlans Hauptgegner, der Erleuchtete, der vor Jahresfrist Alkordoom verließ, um hier, an seinem Ursprungsort, sein Kunstgeschöpf EVOLO zu vollenden, ist nicht mehr.

Auch wenn Atlans größter Gegner nicht mehr existiert, die Lage in Manam-Turu hat sich dadurch nicht entspannt. EVOLO ist im Frühjahr 3820 bereits stärker, als der Erleuchtete es jemals war. Welche Gefahr das Psi-Geschöpf darstellt, ist längst bewiesen. Und selbst das zweite Konzil bleibt durch EVOLOS Aktivitäten nicht ungeschoren.

Allerdings ist ein eindeutiger Trend noch nicht erkennbar, was den Ausgang des Machtkampfs um Manam-Turu betrifft. Zu viele unbekannte Faktoren sind im Spiel. Einer davon ist EVOLOS Instabilität, ein anderer die wachsende Feindschaft zwischen Hyptons und Ligriden, ein dritter das Wiederauftauchen von Dschadda-Moi, der alten Herrscherin der Krelquotten.

Atlan selbst greift gegenwärtig in das großräumige Geschehen nicht ein. Während er auf einen Notruf seines alten Freundes und Lehrmeisters Fartuloon reagiert und dabei nur mit knapper Not einem tödlichen Anschlag entgeht, beginnt Goman-Largo mit seinem Zeit-Team das »Sternenspringen«.

Die Hauptpersonen des Romans

Goman-Largo und Neithadl-Off – Die Zeitspezialisten in der Sternenfalle von Askyschon-Nurgh.

Anima – Die Orbiterin ist dem Tode nahe.

Nussel, Navak und Sutok – Das Einhorn und die Meisterdiebe übernehmen ein fremdes Raumschiff.

Atlan

1.

Bericht Neithadl-Off

Ich zitterte am ganzen Körper, als würde ich soeben aus tiefem Schlaf oder einer Ohnmacht erwachen.

Dabei hatte ich weder geschlafen noch war ich ohnmächtig gewesen.

Ich hatte lediglich einen Schock erlitten, als jene Energieballung, die als sechster »Planet« den hellblauen Stern Heißer Stahl umkreiste und die von POSIMOL Klingsor genannt worden war, sich plötzlich rasend schnell ausgedehnt und unsere STERNENSEGLER verschlungen hatte.

Wie aus weiter Ferne vernahm ich seltsame Schreie. Sie erinnerten mich an etwas, aber ich kam nicht darauf, an was. Es musste ein Lebewesen sein, das da schrie.

Wenn ich nur etwas sehen könnte!

Dieser Gedanke schien die Synapsen meiner denkenden Nervenzellen zu reaktivieren, denn mir wurde mit einemmal klar, dass ich gar nichts sehen konnte, weil ich im Augenblick des Schocks reflexhaft meine Sensorstäbchen eingezogen hatte.

Ich fuhr sie vorsichtig aus. Gleichzeitig ließ das Zittern nach. Es hatte seinen Zweck erfüllt, meine durch den Schock paralysierten physischen Funktionen aufzuheizen. Ich fühlte mich wieder besser.

Die ersten Wahrnehmungen zeigten mir die Bildschirme der Außenbeobachtung. Ich sah zahlreiche riesige Wolken interstellarer Materie. Es musste sich um gasförmige Materie handeln, denn die Wolken leuchteten blau und rot. Rot war die Farbe kosmischer Wasserstoffwolken und blau die von kosmischen Wolken aus Sauerstoff. Alle Wolken zusammen verdeckten mindestens zwei Drittel der hinter ihnen liegenden Raumregionen. Davor, dazwischen und jenseits der Lücken schimmerten die Sterne einer Galaxis.

Manam-Turu?

Oder eine völlig fremde Galaxis? Ich schob diese Überlegungen beiseite, als ich mich plötzlich wieder an die seltsamen Schreie erinnerte, die ich vorhin gehört hatte.

Als ich meine Sinne auf das Innere des Zentralraums konzentrierte, sah ich Nussel und die beiden Saltics. Die Meisterdiebe knieten am Boden, während das Einhorn seinen Kopf tief gesenkt hatte.

Und Anima lag lang ausgestreckt auf dem Boden und rührte sich nicht. Ich trippelte zu ihr hin.

»Ist sie tot?«, fragte ich ahnungsvoll, denn ich hatte bemerkt, dass die Hominidin nicht mehr atmete. Außerdem war ihr Gesicht kreideweiß.

Sutok deutete auf die kleine Medobox, die auf der bloßen Haut zwischen den beiden Seiten des aufgerissenen Brustteils ihrer Raumkombination lag. Ich hatte das Kästchen übersehen. Als ich meine Aufmerksamkeit darauf konzentrierte, hörte ich das leise Klicken des Anzeigesektors. Die eigentliche Diagnose-Apparatur selbst arbeitete völlig lautlos, denn sie war positronischer Art.

Ich ging näher heran, um lesen zu können, was im Anzeigefeld erschienen war.

»Atmung und Herztätigkeit nicht feststellbar«, las Navak laut ab. »Reflexe sind erloschen, Spannungszustand des Körpergewebes nimmt ab.«

»Sie ist tot«, sagte Sutok, der andere Saltic, tonlos.

Nussel wimmerte. Seine Augen schwammen in Tränen.

Ich fuhr die Sensorstäbchen ganz aus und erhöhte die Intensität meiner Wahrnehmungen auf das mögliche Maximum.

Plötzlich entdeckte ich ganz schwache Hirnströme. Die Medobox hatte sie bestimmt für Restströme gehalten, wie sie nach dem Tode eines Lebewesens mit Zentralnervensystem aufzutreten und eine Zeitlang anzuhalten pflegten. Ich vermochte jedoch die Gleichmäßigkeit der Hirnströme festzustellen – und das gab es bei Toten nicht.

»Sie muss scheintot sein!«, pfiff ich erregt und schlug mit einem meiner Vordergliedmaßen wütend auf die Medobox. »Warum zeigt dieser Apparat das nicht an?«

»Ich habe noch nicht alles vorgelesen«, sagte Navak. »Hier steht noch, dass die unsicheren Todeszeichen für einen Scheintod sprechen, dass dieser Scheintod aber in den echten Tod übergehen wird, falls nicht massive Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Injektionen aus dem Vorrat der Medobox reichten dazu nicht aus.«

»Massive Gegenmaßnahmen!«, pfiff ich aufgebracht. »Wir haben keine Bordklinik mit Überlebenssystemen!«

»Was ist los?«, fragte eine Stimme vom Durchgang zum Cockpit des Solopiloten her. Goman-Largos Stimme.

Ich berichtete hastig und in Stichworten.

Mein Modulmann ließ mich nicht einmal zu Ende sprechen, da handelte er schon.

»POSIMOL!«, wandte er sich an die Bordpositronik. »Gibt es im Schiff ein Überlebenssystem oder kannst du eines schalten?«

»Ich fahre einen Cyborg-Tank aus, Goman-Largo«, erklärte die Positronik.

Erleichtert sah ich aus einer Wandöffnung, die eben noch nicht dagewesen war, das Gebilde herausgleiten, das eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Sarg für Hominide hatte. Es war transparent, bis auf die erhabenen, grünlich schimmernden Muster, die seine Oberfläche zur Hälfte bedeckten und bei denen es sich wohl um die positronischen Steuerungs- und Funktionselemente des Überlebenssystems handelte.

Es schien ein hochwertiges System zu sein, das Anima eine Überlebenschance garantierte.

Allerdings – eine Überlebenschance war noch nicht gleichzusetzen mit einem faktischen Überleben. Um das zu erreichen, würden wir die Ursachen ihres plötzlichen Scheintodes herausfinden müssen.

Ich ahnte, dass es mit dem Versetzungsvortrag in diesen Raumsektor zu tun hatte – oder mit noch unbekannten Einflüssen, die in diesem Raumsektor wirkten.

Doch darum konnten wir uns später kümmern.

Erst einmal musste Anima an das Überlebenssystem angeschlossen werden.

Goman-Largo hatte bereits seine Arme unter sie geschoben, dann richtete er sich auf. Anscheinend bereitete es ihm keine Mühe, die Hominidin auf seinen Armen zu halten; dabei sah er gar nicht besonders stark aus.

Als der Deckel des Überlebenssystems aufklappte, stand mein Modulmann schon daneben. Behutsam ließ er Anima ins Innere des Behälters sinken. Ich bemerkte, dass Animas herabbaumelnde Beine sich streckten und der nach hinten geneigte Kopf sich in Liegeposition bewegte. Demnach herrschte innerhalb des Überlebenssystems Schwerelosigkeit, wahrscheinlich durch ein eng begrenztes Antigravfeld erzeugt.

Eine Gesichtsmaske an einem dicken, elastischen Strang schlängelte sich über Animas Brust und legte sich über ihr Gesicht, dann füllte sich der Behälter mit einer Art transparentem Gel, das vorher hochkomprimiert in der Wandung gewesen sein musste. Es konnte sich nur um ein Kontaktgel handeln, das die Patientin perfekt mit den Cyborg-Apparaturen verband.

Goman-Largo nahm der Hominidin die Medobox ab, dann schloss sich der Deckel.

»Reaktion positiv«, meldete POSIMOL. »Die Kontrollimpulse des Cyborg-Tanks zeigen mir an, dass Animas Anschluss an das System ihren Übergang vom Scheintod in den sicheren Tod aufgehalten hat und dass sich ihre Lebensfunktionen auf einem Minimum stabilisieren lassen werden. Ein Erwachen kann jedoch erst nach Beseitigung der Ursache ihres Zusammenbruchs erfolgen.«

Mein Modulmann wischte sich mit dem Handrücken die Transpirationsflüssigkeit von der Stirn und lächelte flüchtig, dann erklärte er:

»Das wäre also das. Wenden wir uns nun dem anderen Problem zu!«

Navak und Sutok blickten ihn verwundert an. Die beiden Saltics schienen noch gar nicht bemerkt zu haben, dass wir uns in einem völlig anderen Raumsektor befanden. Anscheinend hatte Animas Zusammenbruch sie an den entsprechenden Wahrnehmungen gehindert.

Nussel ging es ebenso. Er hob den Kopf und blickte erstaunt auf die Bildschirme. Seine Nüstern weiteten und verengten sich abwechselnd.

»Klingsor scheint eine Art Transmitter zu sein«, sagte ich. »Es fragt sich nur, ob er uns durch den Raum oder durch die Zeit befördert hat.«

»Als Parazeit-Historikerin solltest du das feststellen können«, meinte Sutok.

»Selbstverständlich kann ich das«, gab ich zurück. »Aber dazu brauche ich konkrete Anhaltspunkte – und die kann ich von hier aus nicht bekommen.«

»Fort!«, jammerte Nussel. »Lasst uns fortfliegen! Hier riecht es nach Tod und Grauen.«

»Wo?«, fragte Navak. »Im Schiff?«

»Draußen«, antwortete das Einhorn. »Überall draußen.«

»Wie kannst du etwas wittern, was sich im Weltraum befindet?«, erkundigte sich Navak spöttisch.

»Ich rieche es«, behauptete Nussel.

Navak und Sutok lachten ihn aus.

»Lacht nur!«, pfiff ich wütend. »Ich bin sicher, dass Nussel genau das wahrnimmt, was er gesagt hat. Es spielt doch wohl keine Rolle, ob er es tatsächlich riecht oder ob dimensional übergeordnete Paraschwingungen in seinem Gehirn die Vorstellung hervorrufen, er würde es riechen. Ich denke auch, wir sollten aus dieser Region zwischen den Wolken verschwinden. Mir kommt es hier unheimlich vor.«

»POSIMOL, Ortungsauswertung!«, sagte Goman-Largo.

»Erfolgt«, erwiderte die Bordpositronik. »Die Ortung hat festgestellt, dass der Raum innerhalb des von interstellaren Gaswolken eingeschlossenen Sektors etwa kugelförmig ist und neunundachtzig Lichtjahre durchmisst. Es gibt in ihm siebenhundertvierzehn Sonnen.«

»Siebenhundertvierzehn Sonnen«, wiederholte mein Modulmann sinnend. »Wenn wir die alle absuchen müssten ...«

»Aber wieso denn?«, begehrte ich auf.

»Vergiss es, Prinzessin!«, entgegnete der Tigganoi. »POSIMOL, sende den gespeicherten Ruf an Atlan eine Viertelstunde lang ununterbrochen!«

»Meinst du, Atlan befände sich in diesem Raumsektor?«, fragte ich.

»Ich weiß nicht«, gab er zurück. »Aber wir sind es Anima schuldig, es wenigstens zu versuchen. Sollten wir keine Antwort erhalten, versuchen wir auszubrechen.«

»Wieso versuchen?«, fragte ich verwundert. »Die Lücken zwischen den Gaswolken sind riesig. Da könnten hunderttausend Raumschiffe wie die STERNENSEGLER nebeneinander durchfliegen.«

Goman-Largo erwiderte nichts darauf. Er machte nur eine Geste, die seine Ratlosigkeit verriet.

*

Wir bekamen keine Antwort.

Die Funkanlage schickte die Botschaft an den Arkoniden mit maximaler Intensität aus den Hyperfunkantennen, während sie gleichzeitig auf allen Hyperfrequenzen in den Raum lauschte. Seltsamerweise empfing sie nicht ein einziges Hyperfunksignal. Das war ungewöhnlich. Zwar gab es kein Naturgesetz, das zwingend besagte, dass sich bei 714 Sonnen wenigstens auf einem Planeten einer Sonne intelligentes Leben entwickeln musste, das zu diesem Zeitpunkt die interstellare Raumfahrt und den Hyperfunk beherrschte, aber die Antennen der STERNENSEGLER lauschten ja weit über die Grenzen des Binnenraums hinaus, in die Myriaden von Sternen hinein, die sich weit außerhalb befanden.

Von irgendwo hätten wir Hyperfunksignale auffangen müssen, selbst wenn man berücksichtigte, dass Manam-Turu in der Vergangenheit einen Rückschlag in der Entwicklung erlitten hatte, so dass von den einst blühenden Hunderttausenden von hochentwickelten Zivilisationen heute nur noch wenige die interstellare Raumfahrt und den Hyperfunk beherrschten.

Oder falls wir uns in einer fremden Galaxis befanden, in der die Entwicklung ähnlich wie in Manam-Turu verlaufen war.

Wenigstens ein paar Piepser hätten wir empfangen müssen!

Unsere Antennen jedoch holten überhaupt nichts herein.

»Wir versuchen auszubrechen«, erklärte Goman-Largo. »POSIMOL, bringe das Schiff auf einen Kurs zur nächstliegenden Lücke zwischen den Gasballungen! Wie groß ist die Entfernung?«

»Einunddreißig Lichtjahre«, antwortete die Positronik. »Soll ich eine Linearetappe programmieren?«

»Natürlich«, gab der Tigganoi zurück. »Oder meinst du, wir wollten mehr als einunddreißig Jahre lang dahinschleichen, relativistische Effekte hin und her? Programmiere eine Linearetappe über fünfzig Lichtjahre!«

»Verstanden«, erwiderte POSIMOL. »Ausführung folgt.«

Goman-Largo ließ sich in einen Sessel fallen und beobachtete eine Weile schweigend die Kontrollen, die anzeigten, dass das Schiff mit Maximalwerten beschleunigte, dann drehte er sich zu mir um.

»Du solltest dich auf die Polsterbank dort hinten legen, Prinzessin!«, riet er mir und deutete auf das gepolsterte Halbrund im Hintergrund des Zentralraums. »Du auch, Nussel! Und ihr Langfinger solltet euch wie ich in Kontursitze legen und anschnallen!«

Ich gehorchte, da ich es dem Gesicht meines Modulmanns ansah, dass er es ernst meinte. Er hegte gewisse Befürchtungen und war um unsere Sicherheit besorgt.

Nussel gehorchte ebenfalls.

Nur die beiden Saltics schienen den Tigganoi nicht ernst zu nehmen und machten sich mit »klugen Sprüchen« über ihn lustig.

Da er überhaupt nicht darauf reagierte, pfiff ich zornig:

»Ihr könnt wohl nicht begreifen, dass es gefährlich werden könnte, wie!«

»Aber du hast doch selbst gesagt, die Lücken zwischen den Gaswolken wären so riesig, dass hunderttausend Raumschiffe nebeneinander durchfliegen könnten!«, entgegnete Navak.

»Da wusste ich auch noch nicht, dass wir von nirgendwo auch nur einen einzigen Piepser mit den Hyperfunkantennen einfangen würden«, gab ich zurück. »Jetzt weiß ich es, und das kann keine natürliche Ursache haben. Schnallt euch also lieber an! Wenn Goman-Largo zu etwas rät, dann hat er Grund dazu.«

Maulend gehorchten sie.

Mein Modulmann lobte mich nicht einmal dafür, wie ich für ihn eingetreten war. Er schien das für selbstverständlich zu halten. Mit ausdruckslosem Gesicht musterte er die Kontrollen und Bildschirme. Natürlich hatte er sich inzwischen angeschnallt.

Als die STERNENSEGLER auf Überlicht ging und in den Bildschirmen die Nebel und Schlieren des Zwischenraums zu sehen waren, atmete ich auf.

Es hatte geklappt.

Innerhalb des Zwischenraums konnte nichts mehr auf uns einwirken, das sich im vierdimensionalen Raum-Zeit-Kontinuum befand.

Ich erhob mich von meinem Polster.

»Du handelst voreilig, Neithadl-Off!«, sagte der Tigganoi streng, ohne mich anzusehen. »Wir sind noch nicht aus dem Binnenraum.«

»Aber wir sind doch auf Linearflug«, gab ich zurück. »Im dimensional übergeordneten Kontinuum ...«

»Gerade da stimmt doch etwas nicht«, unterbrach mich Goman-Largo. »Auch Hyperfunksignale pflegen bekanntlich durch ein dimensional übergeordnetes Kontinuum zu gehen. Solltest du das vergessen haben, schöne Vigpanderin?«

Beschämt ließ ich mich zurücksinken, von den beiden Saltics mit schadenfrohem Grinsen bedacht.

Das würde ich den Schönlingen heimzahlen!

Aber lange konnte ich diesen Vorsatz nicht weiterdenken, denn nur wenige Minuten später schrillten die Alarmpfeifen durch das Schiff.

»Achtung!«, rief die Vocoderstimme POSIMOLS. »Schiff weicht hart nach Backbord vom Kurs ab. Ich kann nichts daran ändern. Die Steuerung ist blockiert.«

Ich musterte die Bildschirme.

Sie zeigten unverändert die Nebel und Schlieren des Zwischenraums.

»Aber während eines Linearmanövers sind doch keine erheblichen Kursänderungen möglich!«, wandte ich ein.

»Nicht mit den Triebwerken!«, machte mich Goman-Largo auf einen wichtigen Unterschied aufmerksam.

»Die Kursabweichung wird von äußeren Kräften verursacht«, ergänzte POSIMOL. »Das Schiff bewegt sich auf einer kreisförmigen Bahn.«

»Linearkonverter abschalten!«, befahl der Tigganoi.

POSIMOL bestätigte und schaltete die Linearkonverter ab. Im nächsten Moment fiel die STERNENSEGLER abrupt in den Normalraum zurück. Die Bildschirme zeigten das gleiche wie vor unserem Ausbruchsversuch, nur befanden wir uns näher am Rand des Binnenraums.