Atlan - Das absolute Abenteuer 10: Das Gesetz der Erbauer - Hubert Haensel - E-Book + Hörbuch

Atlan - Das absolute Abenteuer 10: Das Gesetz der Erbauer E-Book und Hörbuch

Hubert Haensel

4,0

Beschreibung

Am Ende des vierten Jahrtausends: Der unsterbliche Arkonide Atlan hat das Generationenraumschiff SOL im letzten Moment vor der drohenden Demontage durch den Herrn in den Kuppeln bewahrt. Doch die Gefahr für die rund 100.000 Menschen und Außerirdischen an Bord ist noch nicht vorbei. Nach wie vor wird die SOL von einem starken Energiestrahl im Mausefalle-System festgehalten. Zudem herrschen an Bord des Hantelraumers furchtbare Zustände. Die Mitglieder des komplexen Kastensystems SOLAG sind nicht bereit, ihren jahrzehntelang durch Gewalt und Unterdrückung zementierten Machtanspruch aufzugeben, weshalb Atlan einmal mehr eingreifen muss ...

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Zeit:6 Std. 26 min

Sprecher:Renier Baaken

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Band 10

Das Gesetz der Erbauer

Hubert Haensel

Detlev G. Winter

Am Ende des vierten Jahrtausends: Der unsterbliche Arkonide Atlan hat das Generationenraumschiff SOL im letzten Moment vor der drohenden Demontage durch den Herrn in den Kuppeln bewahrt.

Doch die Gefahr für die rund 100.000 Menschen und Außerirdischen an Bord ist noch nicht vorbei. Nach wie vor wird die SOL von einem starken Energiestrahl im Mausefalle-System festgehalten. Zudem herrschen an Bord des Hantelraumers furchtbare Zustände.

Prolog

Im Dezember des Jahres 3586 übergibt Perry Rhodan das terranische Fernraumschiff SOL offiziell an die Solaner, jene Menschen, die an Bord des Hantelraumers geboren wurden und diesen längst als ihre Heimat betrachten. Kurz darauf bricht das Schiff mit rund 100.000 Menschen und Außerirdischen in die Weiten des Weltraums auf. Über zwei Jahrhunderte lang bleibt es verschollen.

Dann jedoch – im Jahr 3791 – gelangt der relativ unsterbliche Arkonide Atlan auf die SOL. Auch von ihm fehlte nach seinem Verschwinden mit dem geheimnisvollen Kosmokratenroboter Laire mehr als zweihundert Jahre lang jede Spur.

Bereits die ersten Tage auf dem Hantelraumer machen deutlich, dass es Atlan alles andere als leicht haben wird, denn um den kosmischen Auftrag zu erfüllen, den ihm die geheimnisvollen Geisteswesen jenseits der Materiequellen mitgegeben haben, muss er zunächst einmal die chaotischen Zustände an Bord beseitigen. Die SOL ist in die Gewalt eines starken Zugstrahls geraten, der sie unaufhaltsam in ein fremdes Sonnensystem hineinzieht, das die Solaner Mausefalle taufen. Dort droht dem Schiff die Demontage durch ein Heer von Robotern und den Solanern das lebenslange Exil.

Atlan schafft es, die sogenannten Schläfer zu wecken, eine Gruppe von besonders befähigten Solanern, die einst in biologischen Tiefschlaf versetzt wurden, um dem Hantelraumer in zukünftigen Notsituationen beistehen zu können. Gemeinsam mit ihnen dringt er nach Mausefalle VII und bis zum Herrn in den Kuppeln vor, dem geheimnisvollen Gebieter des Maschinenheers. Der Kontakt verläuft allerdings nicht so, wie es der Arkonide erwartet hat; er kann den Herrn nicht davon überzeugen, seine Roboter zurückzurufen.

1.

Der Korridor lag im trüben Licht der flackernden Notbeleuchtung.

Horm Brast zögerte, den Gang zu betreten. Irgendwie fühlte er die Gefahr, die dort auf ihn lauerte. Zu allem Überfluss begannen ausgerechnet jetzt seine Gesichtsnarben zu schmerzen. Die Wundmale verursachten heftiges Stechen. Er hatte sie sich zugezogen, als er vor vielen Jahren bei dem Versuch, in eine der Verbotenen Zonen einzudringen, mit Giftstoffen in Berührung gekommen war.

Horm Brast taumelte. Mit beiden Händen fing er sich an der Wand ab und presste seine Stirn gegen das kühle Metall. Die Berührung tat gut. Die beginnende Übelkeit verflog wieder.

Die böse Vorahnung dagegen blieb.

Sollte er umkehren?

»Nein!«, ächzte der Mann. Der heisere Klang seiner eigenen Stimme erschreckte ihn. Jeder Umweg hätte ihn nur Zeit gekostet – und gerade Zeit war kostbar. Was nutzten die besten Medikamente, wenn er zu spät zurückkehrte?

Germa, schoss es durch seinen Kopf. Halte durch! Ich werde dir helfen!

Doch der Zweifel ließ sich nicht betäuben. Er fürchtete, dass das Mädchen sterben würde, und obwohl Germa ein Monster war, hatte er Angst davor, sie zu verlieren. Sie und Sylva, ihre ältere Zwillingsschwester – und Mira Willem, die für die beiden wie eine Mutter war.

Das Wort Monster besaß für Horm Brast mittlerweile einen bitteren Beigeschmack. Dabei lag es noch gar nicht lange zurück, dass auch er die Missgeburten der SOL gejagt hatte, um sich an ihrer Angst zu weiden, sich an ihrem Besitz zu bereichern.

Mehr als sechs Wochen waren inzwischen vergangen, Wochen voller Furcht und Hoffnung ... Wie ein Film im Zeitraffer zogen die Ereignisse erneut an Brasts innerem Auge vorüber.

Das Gefühl unbekümmerter Stärke und Zusammengehörigkeit, als es die Bordnomaden noch gab. Die einträglichen Raubzüge in der Maske von Troiliten, von denen damals niemand wusste, ob sie wirklich existierten. Dann dieser geheimnisvolle Fremde, der sich Atlan nannte, die beiden Mädchen, deren Mutter anstelle des Magniden Homer Gerigk starb ...

Unbewusst tastete Horm Brast nach seiner Neuropeitsche. Das Gefühl der kühlen Waffe in seiner Hand brachte ihm das schwindende Selbstvertrauen zurück.

Er lauschte. Die Stille um ihn herum war beängstigend. Vor einer knappen Woche war die Beleuchtung in diesem Abschnitt noch nicht defekt gewesen. Zufall? Oder steckte Absicht dahinter?

Horm Brast war geneigt, Letzteres anzunehmen.

»Er bringt uns alle in Gefahr.«

»Werft ihn den Vystiden vor – ihn und diese Brut, die er bei sich aufgenommen hat.«

»Monster? Man sollte ihn auf der Stelle totschlagen – und seine Hausgäste gleich mit ...«

Laut klangen die Worte seiner Freunde in ihm nach.

»Freunde – dass ich nicht lache!« Brast spuckte aus. Mit der geballten Linken schlug er gegen die Wand. Ein dumpfes, hallendes Geräusch durchbrach die Stille um ihn herum.

Fünf Tage lag es inzwischen zurück. Er würde jenen 20. Mai nie mehr vergessen, denn seit damals wusste er, was er von seinen Mitmenschen – seinen Freunden – zu halten hatte. Egoistisch waren sie und feige, sie sprachen von einer Freiheit, die sie nicht kannten, vielleicht gar nicht kennen wollten, und beneideten deshalb die Buhrlos. Aber sie redeten nur. Und sie fürchteten alles, was anders war als sie, was ihren gewohnten Lebensrhythmus störte. Deshalb hassten sie Germa – von dem Augenblick an, als sie herausfanden, dass das Mädchen außer ihren beiden dürren Ärmchen zwei weitere besaß, die in Höhe der Hüftknochen aus ihrem Körper wuchsen.

Und mit jedem Tag, der verging, veränderte sich Germa weiter, bildeten sich immer größere Hautbereiche aus verhornten Schuppen.

Horm Brast wandte sich um. Hinter ihm waren die Gänge hell erleuchtet. Lediglich vor ihm, auf einer Länge von vielleicht hundert Metern, lauerte die Finsternis.

Er hatte geahnt, dass sie irgendwann zuschlagen würden. Aber ausgerechnet jetzt ...

Dabei hatte die Gruppe ihn, Mira und die Mädchen zunächst freudig aufgenommen. In ihrer Mitte war Horm Brast aufgewachsen. Er kannte jeden Einzelnen von ihnen, und sie kannten ihn. Hier, in diesem Sektor der SZ-1, der in der Nähe der Außenhülle lag, hatte er so etwas wie Geborgenheit zu finden gehofft. Nicht nur für sich oder Mira, sondern vor allem für Germa und Sylva, die so viel hatten erdulden müssen.

Anfangs hatten seine Hoffnungen sich auch erfüllt. Aber ein einziges Wort konnte an Bord der SOL alles zerstören.

Monster!

»Verdammt«, murmelte Brast leise vor sich hin. »In ihrer Verbohrtheit ist nicht mit ihnen zu reden.«

Sie wussten nicht, wie Germa wirklich war. Sie wollten es nicht wissen. Das Mädchen konnte weinen und lachen, es empfand Freude und Trauer, Hunger und Durst wie jeder normale Solaner auch. Es sah lediglich anders aus. Aber spielte das wirklich eine Rolle?

Horm Brast war nahe daran, ins Grübeln zu verfallen. Er musste sich förmlich zu anderen Gedanken zwingen. Immerhin hatte auch er anfangs jenen Atlan belächelt und war der Meinung gewesen, der Fremde hätte Prediger werden sollen. Heute sah er vieles anders.

Das Dämmerlicht nahm ihn auf. Brast schritt zügig aus. Die anderen würden nicht so dumm sein, ihn einfach zu überfallen. Er besaß eine Waffe, sie nicht.

Unrat häufte sich zu beiden Seiten des kaum vier Meter breiten Korridors. Achtlos weggeworfenes Verpackungsmaterial und Teile defekter Geräte. Horm Brast beachtete all das kaum. Im Grunde genommen sah es fast überall an Bord so aus.

Schrill quietschend flohen einige eidechsenähnliche Tiere vor ihm. Sekundenlang hörte er es zwischen Blech und Plastik rascheln. War da nicht noch ein anderes Geräusch?

Der Mann verharrte. Er hatte gelernt, auf vieles zu achten. Leichtsinn konnte tödlich sein. Vielleicht glaubte er gerade deshalb noch immer an eine mögliche Gefahr. Sein Blick irrte durch den Gang. Nichts rührte sich.

»Wer ist da?«, fragte Brast zögernd. Er erhielt keine Antwort.

Seine Reaktion kam zu spät. Bevor er die Arme hochreißen und sich wehren konnte, fiel ein engmaschiges Netz über ihn und behinderte ihn in seinen Bewegungen.

Die Wand öffnete sich. Horm Brast konnte nicht erkennen, wer auf ihn zukam, weil die plötzliche Lichtflut ihn blendete. Ein Tritt brachte ihn zu Fall. Schwer stürzte er in einen Abfallhaufen. Der Geruch nach Fäulnis stieg in seine Nase.

Für einen kurzen Moment war Brast benommen. Schon beugte sich jemand über ihn und zerrte ihn hoch.

»Er hat eine Abreibung verdient«, sagte eine Stimme, die Horm nur zu gut kannte. Also hatte er sich nicht getäuscht. Aber was trieb seine Gefährten von einst zu solchen Taten? Hass? Enttäuschung? Furcht vor den Ferraten?

Man schlug ihm ins Gesicht. Horm Brast biss die Zähne zusammen, um nicht laut aufzuschreien. Seine Narben brannten wie Feuer. Er glaubte, dass noch immer verschwindend geringe Spuren des Gifts, mit dem er damals in Kontakt gekommen war, unter seiner Haut saßen.

»Was wollt ihr von mir?«, schrie er.

Lautes Gelächter antwortete ihm.

»Ausgerechnet du musst das fragen. Dir ist es doch egal, was geschieht, selbst wenn die Vystiden auf uns aufmerksam werden. Wenn sie dahinterkommen, dass du ein verdammtes Monster versteckst.«

»Germa ist ein kleines Mädchen! Sie ist ...«

»Sie ist nicht wie wir. Sie gehört nicht zu uns. Sollen wir wegen ihr unsere eigenen Frauen und Kinder in Gefahr bringen?«

»Du kannst behaupten, von nichts gewusst zu haben, Lothar«, sagte Horm Brast eindringlich. »Ich werde das bestätigen, und niemand wird das Gegenteil beweisen können.«

»Ach ja?«, stieß Brasts Gegenüber hervor. »Dann lass dir gesagt sein, dass Aksel von Dhrau nicht der Mann ist, der viele Fragen stellt.«

»Wie sollte er jemals erfahren ...?«

»Auf der SOL haben manchmal selbst die Wände Ohren. Nein, Horm. Entweder du jagst dieses Monster zum Teufel – oder wir erledigen das für dich!«

Brast sah verzerrte Gesichter, die ihn anstarrten. Gleichzeitig wusste er, dass mit diesen Männern nicht zu reden war. Sie hatten ihren Standpunkt und würden niemals davon abweichen, egal was er ihnen erzählte.

Sein Schweigen legten sie offenbar als Ablehnung aus. Lothar schlug zu.

Horm Brast stöhnte unterdrückt. Aber dann biss er die Zähne zusammen und schnellte sich mit aller Kraft vor.

Das Netz zog ihn zurück. Er streckte die Arme aus und bekam Lothars Knöchel zu fassen. Der andere, darauf nicht gefasst, verlor den Halt.

»Macht ihn fertig!«, schrie Lothar wütend.

Unvermittelt lag Horm Brast unter einer fünffachen Übermacht begraben. Blindlings droschen sie auf ihn ein, behinderten sich dabei in ihrem blinden Zorn jedoch gegenseitig.

Hatte der Solaner eben noch Panik empfunden, so erfasste ihn nun eine tiefe innere Ruhe. Sein Vorteil war es, dass er sich nicht von seinen Gefühlen, sondern von seinem Verstand leiten ließ. Fast war es wie zu jenen Zeiten, als es die Bordnomaden noch gegeben hatte.

In welche Situation du auch gerätst, bewahre einen kühlen Kopf, sonst ist es um dich geschehen.

Horm Brast handelte nach dieser Maxime. Jemand packte seine Arme, versuchte ihn auf den Bauch zu drehen. Er aber stieß mit beiden Beinen zu.

Zwei der Angreifer flogen nach hinten. Für einige Sekunden bekam Horm Luft. Diese kurze Zeitspanne genügte ihm, um mit der Rechten den Griff der Neuropeitsche zu umklammern.

»Achtung!«, brüllte Lothar.

Brast riss die Waffe aus dem Gürtel. Vergeblich versuchte er, auf die Beine zu kommen.

Ein Faustschlag traf ihn. Instinktiv stieß Brast die Peitsche nach oben. Die Schnur zuckte hoch, verfing sich aber in den Maschen des Netzes. Er spürte den Schock, der von der Waffe ausging. Seine Muskeln verkrampften sich, Schweiß brach ihm aus allen Poren.

Lothar lachte. Es klang wie das heisere Bellen eines Hundes.

Er hat Angst, schoss es Horm Brast durch den Sinn.

Im nächsten Moment packte einer der anderen Männer sein Handgelenk. Es fühlte sich an, als würde es in einem Schraubstock stecken. Horm spürte, wie seine Finger sich unter dem Druck öffneten – er ließ die Peitsche fallen.

»Zeigt es ihm!«

Seine Finger verkrallten sich in den Maschen des Netzes. Während ihm der Schweiß in Strömen über die Stirn lief und in seinen Augen brannte, zerrissen einige der hauchdünnen Netzfäden.

Flüchtig erhaschte er einen Blick in Lothars Augen, der jedoch sofort den Kopf wandte. Niemand sprach mehr ein Wort, nur heftiges Keuchen war zu vernehmen. Überraschend kam Horm frei. Er wollte nach der neben ihm liegenden Waffe greifen, aber ein Fußtritt beförderte sie etliche Meter weit weg.

Die Männer ließen erst von ihm ab, als das Geräusch harter Schritte durch den Gang hallte.

»Ferraten!«

Irgendeiner zischte es, und selbst Lothar schien zu erstarren. »Verdammt!«, presste er hervor.

Da bogen die Rostjäger bereits um die Ecke – keine fünfzig Meter entfernt.

Sie zitterte am ganzen Körper. Ihr Atem ging kurz und heftig. In ihren großen, hellen Augen stand pure Verzweiflung geschrieben.

Germa hatte hohes Fieber. Das war insofern gut, als der Schweiß wenigstens einen Teil der angestauten Wärme aus dem Körper der Kranken abführte.

Sanft fuhr Sylva ihrer Zwillingsschwester mit der flachen Hand über die Stirn. Germa dankte es mit einem flüchtigen Lächeln.

Wenn Mutter noch lebte ...

Sylva las ihr die Worte von den Lippen ab. Zögernd nickte sie. »Es wird alles gut werden.« Dabei war sie selbst nicht überzeugt von dem, was sie sagte.

Germa stöhnte leise und begann, sich unruhig hin und her zu wälzen. Das Bett, in dem sie lag, war längst völlig durchnässt. Selbst das Feuchtigkeit absorbierende Gewebe erwies sich als überfordert.

Sylva wandte den Blick nicht ein einziges Mal ab. Sie konnte sich nicht erinnern, Germa jemals in einem derart schlechten Zustand gesehen zu haben. Bleich wie der Tod war sie, blutleer selbst die Lippen und starr und glasig ihre Augen.

Auch wenn es schwerfiel, es blieb ihr nichts anderes übrig, als zu warten.

Mit der Zeit wurden die hastigen Atemzüge der Schwester ruhiger. Germa entspannte sich ein wenig. Sie griff nach Sylvas Händen und drückte sie fest. Schließlich senkten sich ihre Lider, und kurz darauf war sie eingeschlafen.

»Komm«, flüsterte Mira Willem. »Wir wollen sie ungestört lassen.« Die junge Frau, deren Haltung einen reichen Schatz an Erfahrung verriet, der nur schwer mit ihrer Jugend in Einklang zu bringen war, ließ das Schott aufgleiten, das den Schlafraum von der übrigen Kabine abtrennte. Zögernd folgte Sylva ihr.

Als sie endlich allein waren und sich in den Sesseln niederließen, den einzigen Möbeln außer dem Bett, die es in dem fünfzehn Quadratmeter großen Raum gab, sagte zunächst keiner ein Wort. Es war Mira, die es als Erste nicht mehr aushielt.

»Was hat die Kleine nur?«, wollte sie wissen. Sie erwartete keine Antwort auf ihre Frage. Sie redete nur, um das bedrückende Schweigen zu brechen.

Sylva seufzte und zuckte die Achseln. »Horm ist schon lange weg, findest du nicht?«

»Lange?« Mira schüttelte den Kopf. »Kind, was bedeuten schon einige Stunden? Er wird aufgehalten worden sein.« Aber so recht glaubte sie offenbar selbst nicht daran.

»Ich habe Angst«, sagte Sylva unvermittelt. Das Mädchen barg seinen Kopf in den Handflächen und schluchzte.

»Aber, aber ...« Mira ging zu ihr hin und legte ihr einen Arm um die Schultern.

Sylva sah nicht auf. Sie sackte förmlich in sich zusammen. Und dann konnte sie nicht mehr an sich halten, begann heftig zu schluchzen. Tränen rollten über ihre Wangen.

»Es wird alles gut werden«, versuchte Mira zu trösten. »Du wirst sehen, bald kommt Horm zurück, und er bringt Medikamente, die Germa helfen.«

»Meinst du wirklich?«, erklang es hoffnungsvoll. Vorübergehend wurde das Schluchzen leiser.

»Ich bin überzeugt davon«, bekräftigte Mira.

Sylva hob den Kopf und sah sie aus geröteten Augen an.

Das leise Summen der Luftumwälzung wirkte plötzlich bedrohlich. Von irgendwoher erklangen Rufen und Schreien. Schritte wurden laut, die an der Kabine vorüberhasteten.

Mira Willem zuckte unwillkürlich zusammen. Es war ihr nicht verborgen geblieben, dass sich seit einigen Tagen Unheil zusammenbraute. Noch wusste sie nicht, was geschehen würde, aber sie fühlte, dass es gegen Horm, sie und die Kinder gerichtet war.

»Du lügst«, platzte Sylva auf einmal heraus. »Ich sehe dir an, dass du mir etwas verschweigst.«

Mira war zutiefst betroffen. Die Anklage, die in den Worten des Mädchens lag, war unüberhörbar. Sie wollte es nicht, aber sie wich Sylvas vorwurfsvollem Blick dennoch aus.

Der hallende Donner einer Explosion zerriss die entstandene Stille. Sylva sprang auf und hetzte zum Schott. Mira wollte sie aufhalten, kam jedoch zu spät. Schon glitt der Stahlflügel zur Seite.

»Wohin willst du?«

Draußen im Gang wandte Sylva sich noch einmal um. »Ich halte es nicht mehr aus. Niemand versucht ernsthaft, Germa zu helfen. Sie kann doch nichts dafür, dass sie ein ... dass sie anders ist als andere Kinder.«

»Du tust Horm bitter unrecht. Er würde sein Leben geben, um euch zu helfen.«

Sylva rümpfte die Nase, dann schüttelte sie stumm den Kopf. Im nächsten Moment glitt ihr Blick an Mira vorbei. Sie zuckte zusammen.

Mira wirbelte herum.

Da stand Germa, aschfahl im Gesicht, zitternd, mit tief eingefallenen, dunkel geränderten Augen und wirrem, strähnigem Haar. Sie schien etwas sagen zu wollen, brachte aber nur ein heiseres Krächzen zustande.

»Germa!«, schrie ihre Schwester und hetzte heran. Hinter ihr glitt das Schott wieder zu.

Das missgebildete Mädchen zitterte. Fast schien es, als begreife Germa nicht, wo sie sich befand. Dann brach sie lautlos zusammen und blieb mit verrenkten Gliedern liegen.

Ihre schlichten dunkelblauen Uniformen zeichneten sich kaum vor dem Hintergrund des Korridors ab. Es waren vier Ferraten, die sofort aufmerksam wurden und ihre Schritte beschleunigten.

»He!«, rief einer von ihnen mit rauer Stimme. »Bleibt stehen!«

Aber jene, die Horm Brast gerade noch mit so viel Leidenschaft zusammengeschlagen hatten, dachten nicht daran. Sie schickten sich an, durch einen gut getarnten Seitengang zu verschwinden.

»Verdammt!«, brüllte der Rostjäger. »Habt ihr mich nicht gehört?«

»Diese Schwachköpfe«, flüsterte Lothar so leise, dass nur Brast ihn verstehen konnte. Wütend fügte er hinzu: »Und was dich betrifft: Wir bringen das irgendwann zu Ende – falls du hier heil rauskommst.«

Eine gleißende Strahlbahn erhellte plötzlich den Korridor. Horm spürte die Hitze, die von ihr ausging. Verzweifelt versuchte er, unter dem Netz hervorzukommen. Es gelang ihm nicht.

Jemand stieß ihn mit der Stiefelspitze an.

»Haben wir doch einen erwischt. Wo sind deine Freunde hin?«

»Sieht es für dich so aus, als wären das meine Freunde gewesen?«, fragte Brast zurück.

Die Ferraten unterzogen die Wand einer flüchtigen Untersuchung, fanden aber nichts, was sie zufriedengestellt hätte.

»Wahrscheinlich ein Geheimgang. Kerl, du wirst uns auf der Stelle sagen, wo sich deine Kumpane verstecken, oder ich werde ungemütlich.«

Horm Brast schwieg. Egal, was er sagte, er hätte die Rostjäger nur gegen sich aufgebracht.

Kräftige Fäuste zerrten ihn hoch und stellten ihn auf die Beine. Einer der Ferraten durchtrennte mit einem Messer das Netz.

»Es wäre sehr dumm, wenn du die Burschen deckst. Du schadest dir nur selbst damit. Wir finden sie notfalls auch ohne deine Hilfe. Wenn du dagegen redest ...«

»Seht mich doch an, wie sie mich zugerichtet haben«, versuchte es Brast noch einmal. »Wenn ich euch helfen könnte, würde ich es ganz sicher tun.«

»Du wurdest überfallen?«

»Sie kamen durch die Wand, genauso wie sie wieder verschwanden.« Horm entdeckte seine Neuropeitsche. Keine zwei Meter von ihm entfernt lag sie auf dem Boden des Gangs. Wenn es ihm gelang, sie an sich zu bringen, hatte er vielleicht eine Chance. Aber er musste blitzschnell handeln. Ohne das Moment der Überraschung stand er gegen die Ferraten auf verlorenem Posten.

»Hier ist etwas, Buck.«

Der Mann, der Horm Brast verhörte, wandte sich um.

»Der Öffnungsmechanismus wurde von der anderen Seite blockiert«, stellte einer der Ferraten fest. »Mit den entsprechenden Geräten ist es leicht, die Sperre zu beseitigen.«

»Worauf wartest du dann noch?«

»Und was wird aus dem da?«

»Wir nehmen ihn mit.«

Kaum merklich wich Horm Brast nach hinten aus. Jede seiner Bewegungen war so langsam, als stünde er einer Giftnatter gegenüber. Dabei wusste Horm nur ungefähr, was er sich unter einer Schlange vorzustellen hatte. Angeblich lebten solche Tiere auf der Oberfläche von Planeten – auch auf der Erde. Ein einziger Biss konnte tödlich sein. Weshalb die Terra-Idealisten trotzdem mit solchem Eifer die Idee der Rückkehr zur Scholle verbreiteten, hatte Horm nie verstanden. Jedenfalls nicht unter solchen Umständen.

Sein Fuß stieß an etwas Hartes. Eigentlich konnte es nur die Peitsche sein. Dennoch blickte er nach unten, um wirklich sicherzugehen. Eine zweite Chance würde sich ihm nicht mehr bieten.

»Hey, du! Was machst ...?«

Blitzschnell ging er in die Hocke und griff zu. Die Peitschenschnur war halb aufgerollt. Aber Horm kam nicht mehr dazu, den geplanten Schlag auszuführen. Jemand fiel ihm von hinten in den Arm. Und jener, den die anderen Buck nannten, entriss ihm die Waffe.

»Du musst uns für ziemlich dämlich halten.« Abschätzend wog der Ferrate den kurzen Stiel in den Händen, dann ließ er die Peitsche mehrmals hintereinander knallen. Ein zynisches Lächeln umspielte seine Mundwinkel. Horm spürte, wie seine Knie weich wurden.

»Jeder, der es wagt, die Brüder und Schwestern der SOLAG anzugreifen, weiß, dass so etwas nicht ohne Konsequenzen bleibt«, zischte Buck. »Ich glaube, einige Tage in einer engen, finsteren Zelle ohne Wasser und Essen werden dich zur Besinnung bringen. Es hat jedenfalls bisher noch niemandem geschadet. Los, beweg dich!« Er stieß Horm den Griff der Neuropeitsche vor die Brust. Resigniert tat der wie ihm geheißen.

Im nächsten Antigravschacht schwebten sie nach oben. Mehrmals begegneten sie Trupps von Ferraten. Auch überraschend viele Pyrriden waren unterwegs. Daraus bestimmte Schlüsse zu ziehen fiel nicht schwer. Jeder wusste, dass es die Aufgabe der Brüder der vierten Wertigkeit war, die SOL bei Planetenanflügen mit Rohstoffen und anderen Dingen zu versorgen. Allem Anschein nach näherte man sich einer fremden Welt.

Von irgendwoher hallten ungewohnte Geräusche durch die SZ-1. Sie wurden nicht durch Erschütterungen verursacht, wie es während der letzten Wochen immer wieder der Fall gewesen war, sondern schienen vielmehr auf bestimmte Sektoren des Schiffes beschränkt zu sein.

Horm Brast musste an Mira und die Kinder denken. Hoffentlich würden sie auf ihn warten und ließen sich nicht zu Dummheiten hinreißen.

Plötzlich lag ein leises Summen in der Luft. Es kam von dem Armbandgerät, das Buck trug. Der Ferrate sprach einige Worte hinein.

Horm Brast konnte sich des Eindrucks nicht entziehen, dass der Rostjäger Befehle erhielt. Tatsächlich wandte sich der Mann zu ihm um. »Du hast Glück«, fauchte er. »Für dieses Mal bist du noch davongekommen. Aber hüte dich davor, uns noch einmal über den Weg zu laufen.«

Damit wandte Buck sich ab und ließ seinen Gefangenen einfach stehen. Seine Untergebenen folgten ihm. Die Gruppe verschwand in Richtung der Außenhülle des Schiffes, und die Männer schienen es überaus eilig zu haben.

Kopfschüttelnd sah Brast ihnen hinterher. Was konnte von solcher Dringlichkeit sein, dass sie ihn einfach laufen ließen?

Den Teil des Schiffes, in dem er sich befand, kannte er. Hier war er noch vor wenigen Wochen gewesen und hatte sich als Troilite ausgegeben – zusammen mit Mira und Mark Hartem. Ganz in der Nähe lag eine der Verteilerstationen, lediglich zwei Zwischendecks höher. Aber waffenlos, wie er war, würde es ihm schwerfallen, sich Einlass zu verschaffen.

2.

Ihr werdet das Schiff retten, flüsterte der Logiksektor. So oder so. Eine Entscheidung ist unausweichlich. Derjenige, der an Bord der SOL die Oberhand behält, wird die Zukunft bestimmen.

Es ist schön, dass du die Worte des Herrn in den Kuppeln auswendig gelernt hast, gab Atlan lautlos zurück. Kannst du mir auch gleich den Sieger dieses skurrilen Wettstreits nennen?

Der Extrasinn ließ ein leises Lachen hören. Weicos, wenn es nach dem Herrn in den Kuppeln geht.

Der Arkonide nickte zögernd. Dennoch will er uns beide zur SOL zurückschicken, dachte er.

Weicos, der auf einen unbefangenen Beobachter keineswegs wie ein Monster im Wortsinn wirkte, sondern eher wie ein zwar fremdartiges, aber auf seine Weise durchaus elegantes Geschöpf, saß ihm gegenüber in den Polstern des kleinen Raumschiffs. Die großen, dunklen Augen blickten auf die vertikal angeordneten Bildschirme, die Ausschnitte des Raumhafens zeigten.

Es herrschte eine gespenstische Stille. Nirgendwo bewegte sich etwas. Das riesige Areal wirkte wie ausgestorben. In der Ferne erhoben sich eine Reihe von schneebedeckten Bergen, die zum Teil hinter wehenden Dunstschleiern verborgen waren.

Weicos seufzte – und schwieg. Auch Atlan sah keinen Anlass, eine Unterhaltung zu beginnen. Dabei hätte es so vieles gegeben, was einer Aussprache bedurfte. Allerdings hatte das einer terranischen Robbe gleichende Fremdwesen deutlich gemacht, dass es nicht zu Verhandlungen bereit war.

Du fürchtest um die SOL, stellte der Logiksektor fest.

Wir haben praktisch nichts erreicht, erwiderte Atlan. All die langen Wochen auf Mausefalle VII – und ich kehre mit leeren Händen auf die SOL zurück.

Träge vergingen die Minuten. Die Ungewissheit nagte an den Nerven des Arkoniden.

»Die Phanos hatten es ziemlich eilig, uns an Bord dieses Schiffes zu bringen«, sagte Weicos plötzlich, als hätte er Atlans Gedanken gelesen. »Ich möchte wissen, warum uns der Herr in den Kuppeln nun so lange warten lässt.«

»Vielleicht hat er es sich anders überlegt.«

»Die Entscheidungen des Herrn sind immer richtig«, erklang unvermittelt eine leise, einschmeichelnde Stimme. »Zu Zweifeln besteht kein Anlass.«

»Wer bist du?«, wollte Atlan wissen.

»Du kannst mich Thorma Null nennen«, antwortete die Stimme, die fraglos ihrem Raumschiff gehörte. »Ich stehe zu eurer Verfügung.«

»Null? Ein Prototyp?«, stieß Atlan überrascht hervor. »Verzögert sich der Flug, weil du defekt bist?«

»Alle Systeme sind überprüft und voll funktionsfähig.«

»Wann hat man dich in Betrieb genommen?«

»Vor fünf Planetentagen.«

Atlan wusste in diesem Moment nicht, ob er weinen oder lachen sollte. »Du bist also zu hundert Prozent einsatzbereit?«

»Ich wiederhole es gern, wenn du willst: Alle meine Systeme sind überprüft und voll funktionsfähig.«

»Warum starten wir dann nicht?«, fragte Weicos.

»Dem Herrn in den Kuppeln war daran gelegen, euer Verhalten zu studieren«, erwiderte Thorma Null. »Gerade du, Atlan, trägst offenbar eine Menge versteckter Aggressionen mit dir herum. Warten macht ungeduldig. Und Ungeduld legt Emotionen frei, die Wesen deiner Art normalerweise verbergen.«

Der Arkonide beherrschte sich mustergültig und lächelte. Sicher waren eine ganze Anzahl Mess- und Beobachtungsgeräte auf ihn gerichtet, und das Robotgehirn im Tal der Kuppeln wusste seine Mimik zu deuten.

»Und?«, fragte Atlan. »Ist der Herr von Osath zu einer Entscheidung gelangt?«

»Wir fliegen nun das Raumschiff an, das ihr SOL nennt«, sagte Thorma Null.

Leichte, kaum wahrnehmbare Vibrationen liefen durch den Boden der Kabine. Ein feines Summen wurde hörbar. Das Bild auf den Schirmen veränderte sich; der Raumhafen sackte in die Tiefe, und eine bis an den Horizont reichende Steppenlandschaft wurde sichtbar. Der Anblick war trostlos.

Im Westen zogen schwere Gewitterwolken herauf. Über dem Ozean tobte bereits ein heftiges Unwetter. In nicht enden wollender Folge zuckten grelle Blitze auf.

Dann glitt Thorma Null zwischen die ersten Wolkenbänke. Das Geräusch prasselnden Hagels wurde von den Außenmikrofonen übertragen. Die Illusion, die von einer Vielzahl gleichgeschalteter holografischer Bildschirme ausging, war nahezu perfekt. Selbst Atlan unterlag sekundenlang dem Eindruck, ungeschützt den Unbilden des Wetters von Osath ausgesetzt zu sein. Mit rasch zunehmender Geschwindigkeit ließ das Schiff die dichten Schichten der Atmosphäre hinter sich.

Mausefalle-Sonne stand hoch im Zenit. Sie schien an Größe zu verlieren, je dünner die Lufthülle und je geringer deren Brechungsindex wurde.

Unter Thorma Null blieb der große, wolkenverhangene Planet zurück. Nur Minuten später kam die SOL in Sicht.

Zuerst war das Fernraumschiff nicht viel mehr als ein funkelnder Reflex inmitten der samtenen Schwärze des Alls, und nur ein geübtes Auge konnte ihn überhaupt wahrnehmen. Dann wurde allmählich der unverwechselbare hantelförmige Umriss erkennbar.

Der Raum um die SOL herum war nicht leer. Dutzende winziger Objekte bewegten sich zwischen den beiden jeweils zweieinhalb Kilometer durchmessenden Kugelhälften, die durch ein 1500 Meter langes Mittelstück verbunden waren.

Wie weit sind die Demontagearbeiten inzwischen fortgeschritten?, fragte sich Atlan stumm. In wenigen Sekunden würde er eine Antwort auf seine Frage erhalten.

»Ich benötige eine Vergrößerung der SOL«, bat der Arkonide. Sofort veränderte sich das Bild.

»Welchen Ausschnitt möchtest du betrachten?«, wollte Thorma Null wissen.

»Die uns zugewandte Kugelzelle.«

Die SZ-2 und das Mittelstück wurden ausgeblendet, und die Wiedergabe schien den Betrachter förmlich anzuspringen. Atlan atmete hastig ein und wieder aus. Der Anblick bereitete ihm körperliche Schmerzen.

Die Kugelhülle war an mehreren Stellen aufgerissen. Etliche Bereiche lagen völlig ungeschützt offen. Man konnte die einzelnen Decks deutlich erkennen. Zu seiner Erleichterung entdeckte Atlan nirgendwo Solaner. Ein leichtes Flimmern lag über der ganzen Szenerie.

Ein Energieschirm, wisperte der Logiksektor. Die Phanos verhindern damit, dass die Atemluft entweicht.

Sie häuten die SOL bei lebendigem Leib, gab Atlan schockiert zurück. Siehst du das nicht? Sie reißen ihr die Eingeweide heraus und verstümmeln die ...

Verlier jetzt nicht die Nerven, beruhigte der Logiksektor. Die SOL ist ein Raumschiff, kein lebendes Wesen.

Für dich vielleicht, dachte der Unsterbliche. Für mich und die Solaner ist sie so viel mehr.

Etliche Buhrlos verließen soeben das Schiff durch eine Schleuse in der Nähe des Ringwulsts. Zögernd näherten sie sich den Robotern. Die Gläsernen waren die Einzigen, denen ein plötzlicher Vakuumeinbruch nichts anhaben konnte.

Thorma Null umrundete den Hantelraumer in einer weiten Schleife. Überall waren Phanos damit beschäftigt, das Innere der SOL bloßzulegen. Ihre Zahl war weitaus größer, als Atlan befürchtet hatte. Eine Gruppe der Maschinen hatte etliche Hangars im Ringwulst aufgebrochen und war damit beschäftigt, Korvetten und Space-Jets abzuwracken.

»Wir müssen etwas tun«, stieß der Unsterbliche hervor. »Wir müssen sie daran hindern, weitere, womöglich sogar nicht wiedergutzumachende Schäden anzurichten.«