Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Traummann, Haus, Hund, Großfamilie. Genau in dieser Reihenfolge und am besten noch vor dem dreißigsten Geburtstag. Doch was tun, wenn man bereits Siebenundzwanzig ist, das Haus aktuell noch eine kleine Zweizimmerwohnung darstellt, der Hund ein zu dick geratener Perserkater verkörpert, die Großfamilie aus aufmüpfigen Kinderhortzwergen besteht und der Traummann noch absolut nichts von seinem Glück weiß? Sarah, eine etwas naive und ungeschickte Kinderbetreuerin aus Heidelberg, hat die Antwort: Beginne mit Punkt 1 und suche dir deinen Traummann. Gedacht, getan, und so verfolgt sie heimlich ihren mutmaßlichen Traummann, den sie jedoch nur vom "Sehen" her kennt und eigentlich so gut wie nichts über ihn weiß. Als sich dann überraschend ihre Wege kreuzen, kommt alles erst einmal anders, als sich Sarah das in ihren romantischen Mann-Haus-Kind-Träumereien vorgestellt hat…
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 246
Veröffentlichungsjahr: 2020
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Noemi Wüthrich
Auch ein Pechvogel findet mal ein Korn
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Unauffällig auffällig
Über schwarze Kater und pinke Panther
Freundinnen und Zombies
Doppelte Überraschung
Zoo-Fiasko
Folgenschwere Shoppingtour
Stichtag
Gummilose Verwirrungen
Katzenjammer
Sport ist Mord … oder doch nicht?
Entscheidungsträchtiger Brief
Time to say goodbye
Hallo neues Leben
Neues Spital, altes Glück
Party mit Folgen
Und dann kam alles ganz anders…
Hausverbot
Transformation bis zum Tod
Himmel und Hölle
Gelüftete Geheimnisse
Männersorgen
Happy End – Klappe die Erste
Happy End – Klappe die Zweite
Impressum neobooks
Da war er wieder, die Perfektion in Person. Er fuhr sich mit seinen langen Fingern lässig durch seine dunkelblonden Haare und lief mit großen Schritten zielstrebig durch die Cafeteria.
Sie saß versteckt hinter einer wuchtigen Zimmerpflanze an einem kleinen Tisch in der hinteren Ecke des Kaffeehauses. Unglücklicherweise hatte sie erst vor ein paar Sekunden gemerkt, dass sie auf das Grünzeug, das ihr als Sichtschutz dienen sollte, allergisch reagierte. Sie rieb sich ihre juckende Nase und versuchte ihre brennenden Augen zu ignorieren. Zu ihrem Pech musste sie immer wieder feststellen, dass sie auf ziemlich viele Sachen allergisch war. Sie dachte an all die verschiedenen Früchte, Nüsse, Pflanzen und Tiere, welche sie nicht vertrug, und alleine der Gedanke daran löste bei ihr einen Juckreiz aus. Sie kratzte sich am Hals und überlegte sich, ob es möglich sein konnte, dass sie zu allem Überfluss auch auf Männer allergisch war. Das wäre dann wohl die Krönung, dachte sie stirnrunzelnd und unterdrückte einen Nieser. Dann strich sie sich eine braune Haarsträhne aus ihrem Gesicht und widmete sich wieder der Observation ihres Traummannes. Sie musterte ihn von oben bis unten. Seine gerade Nase, sein kantiges Kinn, seine muskulösen Arme und seine kräftigen Wanden ließen ihn stark und männlich erscheinen. Sein Kleidungsstil war sportlich elegant und sah an ihm stets perfekt aus. Heute trug er ein hellblaues enganliegendes Polohemd, darüber ein marineblaues Sakko, dazu eine beige Stoffhose und weiße Sneakers. Einen Moment lang verharrte ihr Blick auf seinen Schuhen und kurz darauf fing sie an zu grinsen, denn ihr Traummann zog einen langen Streifen Klopapier hinter sich her. Das Papier klebte, wie eine Schleppe, auffällig unter der Sohle seines linken weißen Turnschuhes. Das ganze sah aus, als ob seine Schuhe Hochzeit feiern würden.
Bis jetzt hatte sie immer gedacht, dass so etwas Peinliches nur ihr passieren konnte, doch wie es aussah, war auch ihr Angebeteter vom Pech verfolgt. Das war also ihre erste Gemeinsamkeit. Wenn auch nicht unbedingt eine wünschenswerte, aber es war eine Gemeinsamkeit.
Sie wagte nochmals einen Blick auf den charismatischen Herr ich-führe-gerne-mein-Klopapier-Gassi und konnte sich das Lachen nun nicht mehr verkneifen, wobei ihr einen feinen, aber doch hörbaren Gluckser entschlüpfte. Sie zog schnell ein paar Blätter der Zimmerpflanze vor ihr Gesicht, damit ihr Angebeteter sie nicht sehen konnte. Doch dabei vergaß sie ein wichtiges Detail: Ihre Allergie. Ihre Nase fing an zu jucken und plötzlich katapultierte sie mit einem lauten Nieser der armen Pflanze ihren Rotz in die Äste.
Mist, hoffentlich hat das mein Traumprinz nicht gesehen, dachte sie hektisch. Sie warf einen schnellen Blick dorthin, wo er vor kurzem noch gestanden hatte, doch er war nicht mehr zu sehen. Einen Moment später bemerkte sie, wie er draußen vor dem Fenster des Kaffeehauses vorbeiging. Sie löste sich aus ihrer gekrümmten Versteckhaltung, streckte sich kurz und überlegte, ob sie nun erleichtert sein sollte, dass er sie nicht bemerkt hatte, oder ob sie genau aus demselben Grund enttäuscht sein sollte. Sie wollte ihm irgendwie auffallen, aber positiv, was ihr in ihrer Ungeschicktheit irgendwie nie gelang. Das war auch der Grund, dass sie sich in seiner Gegenwart immer versteckte, weil sie wusste, wenn sie ihn ansprechen würde, würde ihr bestimmt etwas schrecklich Peinliches passieren. Und da sie das unbedingt vermeiden wollte, versuchte sie ihm irgendwie unauffällig aufzufallen. Leider war das in sich schon ein Widerspruch.
Sie seufzte und schaute ihrem heimlichen Schwarm verträumt hinterher, wie er mit seinem Kaffeebecher in der Hand und dem Klopapier am Schuh die Straße hinunter schlenderte. Während sie am Schwärmen war bemerkte sie nicht, dass inzwischen die Bedienung an ihrem Tisch stand und sie kritisch mit gehobenen Augenbrauen beäugte.
»Kann ich einkassieren?!«, fragte die Kellnerin forsch. Obwohl es eigentlich keine Frage, sondern eher eine gereizte Aufforderung war.
»Moment bitte … « Sie kramte in ihrer grauen Umhängetasche herum. »Hier.« Dann streckte sie der schon äußerst genervten Kellnerin eine Hand voll Münzen hin und machte sie dadurch nur noch zorniger.
»Geht es noch kleiner?!«, fragte die Bedienung schnippisch und knallte das Kleingeld in ihre Geldbörse. Dann schaute sie wieder zu ihr.
»Und das nächste Mal rotzen Sie bitte nicht wieder in meinen Ficus, verstanden?!« Die Kellnerin deutete mit einer Kopfbewegung auf die Zimmerpflanze. »Der hat mich nämlich eine ganze Stange Geld gekostet!« Dann drehte sie sich um und sagte beim Weggehen beiläufig: »Ach, das ist noch was …«, sie grinste hämisch. »An ihrer Nase hängt ein wirklich ekliger Popel!«
Sarah lebte mit ihrem schwarzen, etwas zu pummelig gewordenen Perserkater Tim in einer kleinen, aber gemütlichen Zweizimmerwohnung in Heidelberg. Sie arbeitete in einer von der Stadt subventionierten Kindertagesstätte und betreute dort Kinder, welche ihr sehr ans Herz gewachsen sind.
Schon seit Sarah klein war, wünschte sie sich eine eigene Großfamilie. Sie träumte von einem modernen Haus in einer Großstadt, einem kleinen Hund, einem gut aussehenden Mann und ganz vielen Kindern. Und das alles noch vor ihrem dreißigsten Geburtstag. Jetzt war sie siebenundzwanzig und ihr Traum noch meilenweit entfernt von der Realität. Ihr kleiner Hund war derzeitig noch ihr fetter Kater, ihr modernes Großstadthaus war ihre kleine Zweizimmerwohnung mitten in Heidelberg, und der gut aussehende Traummann hatte sie zwar bereits im Visier, nur wusste er noch nichts von seinem Glück. Und, na ja, Kinder hatte sie auch, aber es waren nicht ihre eigenen.
Es war sechzehn Uhr und die Eltern der Kinder in der KiTa würden in rund einer Stunde kommen, um ihre Sprösslinge abzuholen. Sarah schaute nachdenklich der kleinen Jessica zu, wie sie verzweifelt versuchte den grünen viereckigen Bauklotz in eine dreieckige Öffnung zu zwängen. Sarah musste schmunzeln.
Sarah war eigentlich keine ausgebildete Erzieherin. Es war eher Zufall, dass sie diesen Job ausüben durfte. Als sie vor ein paar Jahren ihre Ausbildung als Betriebswirtin an der Hotelfachschule begann, jobbte sie für einen kleinen finanziellen Zuschuss nebenher über Mittag in der Kindertagesstätte und half dort in der Küche aus. Sie hatte bereits damals schnell einen guten Draht zu den Kindern und diese freuten sich jedes Mal riesige, wenn Sarah nach getaner Arbeit in der Küche noch kurz eine Viertelstunde zu den Kindern in die Gruppe kam und eine Geschichte vorlas. Einestages ist eine Erzieherin krankheitshalber ausgefallen und da die Leitung der KiTa auf die Schnelle keinen Ersatz gefunden hatte, wurde Sarah kurzerhand gefragt, ob sie bei der Betreuung der Kinder die anderen Erzieher ein paar Tage unterstützen könnte. Sarah hatte damals gerade unterrichtsfreie Zeit und freute sich über die Arbeit mit den Kindern und die etwas höheren Einnahmen. Die krank gewordene Erzieherin fiel dann doch länger aus als gedacht und Sarah ging in ihrer Rolle als Kinderbetreuerin so sehr auf, dass die Leitung ihr anbot weiter zu bleiben. Und so kam es, dass Sarah neben ihrer Ausbildung als Betriebswirtin Teilzeit in der KiTa arbeitete und sich um das Wohl der Kinder sorgte. Nach dem Abschluss ihrer Ausbildung in der Hotelfachschule hatte sie sich dann so sehr an die Kinder und die Arbeit in der Tagesstätte gewöhnt, dass sie die Hotelbranche an den Nagel hing und weiter in der Tagesstätte arbeitete. Die Entlohnung war zwar nicht gerade üppig, doch es reichte Sarah zum Leben und die Arbeit macht sie glücklich.
»Frau Sarah, wieso darf Samuel an die Wand malen und ich nicht?«, fragte Timo mit großem Unverständnis und riss Sarah aus ihren Gedanken.
»Samuel!« Sarah schoss hoch und eilte zum vierjährigen Jungen, dessen Mutter gerade mal sechzehn war, als sie ihn zur Welt brachte.
»Samuel, was machst du denn da?« Sie nahm ihm den mit Wasserfarbe verschmierten Pinsel aus seinen kleinen Händen. Mit glasigen Augen schaute er Sarah an und meinte: »Zuhause habe ich Mami auch geholfen, die Wände schön zu machen. Mami hat gesagt, dass ich das toll mache. Sie hat gesagt, dass ich später mal ein großer Künstler werde.« Samuel kullerte eine Träne über die Wange, welche schließlich in einer seiner Mundecken verschwand. Sarah schaute die Wand an, welche mit verschieden farbigen Kritzeleien verziert war.
»Samuel, ich verrate dir jetzt ein Geheimnis«, sagte sie tröstend. »Weißt du, die wirklich großen Künstler malen auf Leinwände.« Sie holte einen Stuhl und stellte darauf einen großen Papierblock. »Hier mein Süßer, das ist eine Leinwand für große Künstler.« Über Samuels kleines Gesicht huschte ein fröhliches Lächeln und kurze Zeit später wedelte er mit viel zu viel Farbe am Pinsel über die bald nicht mehr erkennbare weiße Fläche des Papierblocks.
Als Sarah am Abend nach Hause kam, hängte sie ihre Tasche in die Garderobe und schaute sich nach ihrem Kater um. Normalerweise kam er sie jedes Mal an der Wohnungstür begrüßen, wenn sie die Tür öffnete.
»Miez, miez, miez. Tim, wo steckst du?« Als Sarah in die Küche ging, musste sie feststellen, dass ihr dicker Kater wortwörtlich in der Katzenklappe in der Balkontür steckte. Alles was sie von ihrem Kater sah, waren seine gestreckten Hinterläufe und seinen Po. Sarah zog kräftig daran, während Tim wie wild miaute. Als sie den Kater aus seiner misslichen Lage befreit hatte, rannte er schnell ins Wohnzimmer und verkroch sich unter dem roten Sofa.
»Also entweder ist die Katzenklappe zu eng oder du bist zu dick!«, rief Sarah ihm hinterher. »Wobei das Letztere wohl eher zutrifft.« Sie seufzte und entschied sich ihrem Kater heute nur eine halbe Portion zu Fressen zu geben. Als Tim sein Fressen in den Futternapf rieseln hörte, kam er blitzschnell wieder unter dem Sofa hervorgekrochen und schoss in die Küche. Als er jedoch bemerkte, dass der Fressnapf nur halbvoll war, bestrafte der Sarah mit einem verachtenden Blick, als sie ihm über den Rücken streichelte. Sarah war jedoch zu müde für "Diskussionen" und wärmte sich hungrig und erschöpft die Reste vom gestrigen Abendessen in der Mikrowelle auf und setzte sich dann zum Essen vor den Fernseher.
Um ein Uhr in der Früh wachte sie vor dem Fernseher auf und musste entsetzt feststellen, dass auf dem Sender, auf welchem sie sich vorhin einen schnulzigen Spielfilm angeschaut hatte, nun ein schlechtgemachter Sexfilm flimmerte. Sie schaltete den Fernseher aus und schlenderte ins Schlafzimmer. Ihr Schlafzimmer war etwas Besonderes für sie. Es war ihre Entspannungsoase. Die Wand hinter dem kleinen Doppelbett, welches mit etlichen Plüschkissen dekoriert war, war in einem zarten Flieder gestrichen. Vor dem Fenster hingen lange halbtransparente Vorhänge und auf jeder einstmalig freien Fläche befanden sich duftende Kerzen und Fotos von Familie und Freunden. Neben dem Bett saß ein menschengroßer Pink Panther, welchen sie damals von ihrer nun verstorbenen Tante zur Konfirmation geschenkt bekommen hatte. Andere Kinder erhielten zur Konfirmation von ihren Verwandten Geld oder teure Geschenke, Sarah hingegen kriegte einen riesigen Pink Panther. Aber es kam noch besser, denn ihr etwas seniler Großvater schenkte ihr ein Zahnspangenreinigungsgerät. Dabei hatte sie nicht mal eine Zahnspange!
Müde schlüpfte Sarah unter die Bettdecke, streichelte ihrem Pink Panther über den Kopf und löschte das Licht.
Am Morgen wurde Sarah von ihrem Kater geweckt, welcher quer über ihrem Gesicht lag.
»Tim!«, kreischte sie und stieß das dicke Tier von sich. »Was soll das?!«
Der Kater miaute jedoch nur kurz, hüpfte vom Bett und trottete dann gemütlich aus dem Zimmer. Sarah wischte sich die Katzenhaare vom Gesicht, schaute auf ihren Wecker und stellte fest, dass sie eine Stunde zu früh dran war. Trotzdem wuchtete sie sich mühsam aus dem Bett und ging in die Küche.
»Du manipulatives, dickes Ding, du! Legst dich aus Protest auf mein Gesicht, damit ich wach werde und dir dein Frühstück serviere«, meinte Sarah kopfschüttelnd zu Tim und kippte Trockenfutter in sein Fressnapf. Tim schlich freudig um Sarahs Beine und schnurrte, in der Hoffnung, dass Sarah diesmal den Fressnapf bis obenhin füllen würde. Sie stellte den vollen Napf auf den Boden und keine Millisekunde später fiel der Kater darüber her.
»Warte nur, Bürschchen. Dich setze ich bald komplett auf Diät. Wenn es so weitergeht, muss ich dich ja demnächst durch die Wohnung rollen, weil du zu fett zum Gehen bist!«, sagte Sarah auffordernd zu Tim, den es aber herzlich wenig interessierte und genüsslich sein Katzenfutter herunterschlang. Sarah verdrehte die Augen und ging zurück ins Schlafzimmer.
Gute drei Stunden später traf sie sich mit ihren zwei engsten Freundinnen in der Stadt. Sarahs Schicht in der Kindertagesstätte begann erst am Nachmittag und so hatte sie am Vormittag Zeit, etwas mit ihren Freundinnen zu unternehmen.
»Hallo, Sarah. Wie geht es dir?« Barbara umarmte ihre Freundin. Doch Sarah kam gar nicht erst zum Antworten, schon klingelte aus Fionas Handtasche in ohrenbetäubendem Lärm ihr Smartphone (Klingelton: Like a virgin von Madonna, unpassender ging es gar nicht).
»Hi, Süße.« Fiona hauchte Sarah schnell drei Küsschen auf die Wangen. »Sorry, da muss ich ran, ist bestimmt wichtig«, meinte Fiona und ging ans Telefon.
»Ja bitte? … Tom! Ist die Lieferung endlich gekommen?!…« Mit einem Wink machte sie den anderen beiden Frauen klar, dass es einen Moment lang dauern würde. Und einen Moment bedeutete bei Fiona immer etwa eine Viertelstunde.
Zwanzig Minuten später (Fiona hatte sich mal wieder selbst übertroffen) verabschiedete sie sich endlich von ihrem Anrufer und meinte biestig: »Sind doch alle nur nutzlose Idioten! Immer muss ich alles selbst in die Hände nehmen.« Sie verdrehte ihre stark geschminkten Augen und stemmte protestvoll ihre schön manikürten Hände in die Hüpften.
Sarah hatte Fiona Haller vor gut fünf Jahren in einem Fitnesskurs kennen gelernt. Fiona war dort um ihren, Zitat: »scheußlich dicken Beinen« Fett abzutrainieren, und Sarah, um ihren »scheußlich dünnen Beinen« Muskeln anzutrainieren. Sarah und Fiona waren eigentlich so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Mit ihrer Größe von 1.76 m, ihrem athletischen Körper, der schwarzen Lockenpracht und den stahlblauen Augen war Fiona eine Erscheinung. Sarah daneben wirkte eher unscheinbar. Sie war mit 1.68 zwar nicht unbedingt klein, aber schien durch ihre eher magere Gestalt, ihren schlaksigen Gang und ihre braunen, schulterlangen Haare beinahe uninteressant. Auch charakterlich waren Sarah und Fiona gänzlich unterschiedlich. Fiona war laut, impulsiv und direkt, Sarah hingegen eher ruhig, zurückhaltend und unsicher. Während Sarah ein schlichtes, unspektakuläres Leben führte und als Kinderbetreuerin arbeitete, betrieb Fiona, nach eigenen Angaben, ein bekanntes Modelabel als selbsternannte Modedesignerin. Eigentlich war sie die Abteilungsleiterin einer Boutique im hiesigen Einkaufszentrum, aber jeder Mensch brauchte halt seine Motivation. Also machte sie es zu ihrem Job alle Angestellten herumzukommandieren und sie zusammenzustauchen, wenn nicht alles so klappte, wie Fiona das gerne gehabt hätte.
Trotz all der Unterschiede verstanden sich Sarah und Fiona, auf eine sich neckende Art, erstaunlich gut und auch ihr gemeinsamer Wunsch nach einem eigenen Kind verband die beiden Freundinnen.
»Sarah, Schätzchen, bist du schwanger? Du siehst irgendwie … aufgedunsen aus«, Fiona fasste an Sarahs Bauch.
»Fiona!«, rief Barbara empört. »Sarah ist doch nicht aufgedunsen!« Sie schaute zu Sarah. »Du bist nicht dick. Im ernst, schau mal mich an, dann weißt du was dick ist.« Barbara war etwas rundlich, aber sie hatte schließlich auch zwei Kinder zur Welt gebracht. Jedoch bemerkte kaum jemand ihre etwas ausgeprägtere Weiblichkeit, denn wenn man sie ansah, fiel einem direkt ihr wunderschönes Gesicht auf. Die feinen Gesichtszüge, die hohen Wangenknochen, die vollen Lippen und die großen Augen ließen ihr Gesicht erstrahlen und lenkten gekonnt von ihren paar Pfunden zu viel auf den Hüften ab.
Sarah und Barbara kannten sich schon seit der Vorschule und obwohl sich ihre beiden Leben seit dem Schulabschluss in komplett unterschiedliche Richtungen bewegt haben, waren sie auch heute noch gut befreundet.
»Nein, ich bin nicht schwanger«, sagte Sarah gelangweilt, weil Fiona jedes zweite Mal, wenn sie sich trafen, diese Behauptung anstellte.
»Von wem sollte ich denn bitte schwanger sein? Es gibt ja nicht einmal wirklich einen Mann in meinem Leben«, meinte sie dann und band sich ihre Haare zu einem lockeren Zopf zusammen.
»Mach dir keine Sorgen. Du bist erst siebenundzwanzig. Du bist schön, intelligent und du hast noch genügend Zeit dich zu verlieben und eine Familie zu gründen«, versuchte Barbara sie aufzumuntern.
»Aber schlepp uns ja nicht wieder so ein Trottel wie Denis an!«, schaltete sich Fiona ein. »Der war der letzte Abschaum. Wie konntest du dich bloß in so einen nichtsnutzigen Rüppel verlieben?«
»Er war gar nicht so schlimm, wie du immer behauptest, Fiona. Er konnte sehr liebevoll sein.«, Sarah nahm ihren Ex-Freund in Schutz.
»Das habe ich gemerkt, als du bei mir zu Hause warst und dir die Augen aus dem Kopf geweint hast, weil er dir während eines Streites ein altes Brot an den Kopf geworfen hat!«, meinte Fiona höhnisch.
»Das war nicht böse gemeint. Er hatte halt einfach vergessen, dass ein drei Tage altes Brot hart wird!«, protestierte Sarah und rieb sich anschließend am Kopf, weil sie sich daran erinnerte, wie sich das doch sehr harte Brot damals fast ein Loch durch ihren Schädel bohrte.
»Selbst wenn er es vergessen haben sollte, wirft man doch nicht mit Broten!«, rief Fiona entsetzt. »Sei nicht so naiv, Sarah. Dieser Mann war einfach ein Nahrungsmittel- und Menschen misshandelnder Wüstling!«
»Leute, nicht streiten! Ich habe heute weder Lust noch Zeit, um mir eure Zankereien anzuhören«, ging Barbara dazwischen. »Ich muss um zwölf Uhr Johnny von der Schule abholen. Er war im Ferienlager.« Sie schaute auf ihre zartrosafarbene Armbanduhr. »Ach, war das herrlich eine Woche lang kein Chaos zu Hause zu haben. Es war so schön ruhig mit Emma und Till alleine. Sogar Till war froh, Johnny nicht jede freie Minuten mit Fußballspielen, Legoturmbauen oder Carrerarennenfahren unterhalten zu müssen.« Barbara wurde nachdenklich. »Ach, wie die Zeit vergeht. Zuerst sind sie klein und süß und dann plötzlich werden sie zu lauten, trotzigen Rackern.«
»Ach, jetzt mach mal halblang!«, meinte Fiona. »Sei froh, dass du zwei Kinder und einen tollen Mann hast! Schau mich an, ich bin Ende dreißig, entdeckte erst kürzlich meine wachsenden Krähenfüße neben den Augen, und was noch viel schlimmer war, die ersten Haare auf meinen Nippeln!«, sagte Fiona empört. »Ich würde einen Freudentanz aufführen, hätte ich so einen tollen und verständnisvollen Mann wie du«, meinte Fiona. »Typen aufreißen ist ja nicht mal das Problem. Aber wenn sie dann merken, dass ich mehr als nur Sex möchte, dann sind sie schneller weg als sie gekommen sind. Ich denke ihr wisst was ich meine.« Fiona zog ihre rechte Augenbraue hoch und stieß anschließend einen tiefen Seufzer aus. »Und dann stehe ich wieder alleine da, ohne Mann und ohne Kind. Versteht ihr, ich brauch nicht mal `nen Mann, um das Kind aufzuziehen. Das könnte ich ohne Probleme alleine regeln, aber ich brauche einen Mann damit ich überhaupt erst ein Kind bekomme.« Fiona war plötzlich ganz unfionahaft nachdenklich.
»Wie wäre es denn mit einer Samenbank?« Fiona und Sarah schauten beide überrascht zu Barbara, weil ausgerechnet von ihr dieser Vorschlag kam.
»Ich mein ja nur …«, Barbara schoss Röte ins Gesicht.
»Tolle Idee«, meinte Fiona spöttisch. »Dann gehst du mit deinem Kind durch die Stadt und plötzlich siehst du einen Penner an der Straßenecke, dem dein Kind äußerst ähnlich sieht. Was denkst du dann: `Oh mein Gott, der könnte der Vater meines Kindes sein!`« Fiona rümpfte ihre Nase. »Nee, das ist nichts für mich. Ich möchte dann schon wissen, von wem das Kind ist.«
»Komm schon, das sieht dir gar nicht ähnlich, du bist doch sonst immer so spontan«, stichelte Sarah. »Du könntest doch lässig in eine Samenbank spazieren und dir ein Reagenzglas mit Samen von einem Mann schnappen, in dessen Akte steht, dass er gut gebaut, intelligent und humorvoll ist«, witzelte sie.
»Na, super, das wäre dann eine Mischung aus Arnold Schwarzenegger, Albert Einstein und dem Mickey Mouse!« Fiona lächelte fade. »Nein, ernsthaft Mädels, ich merke langsam, dass meine biologische Uhr am Ablaufen ist.« Um sich ihre Bedrücktheit nicht so sehr anmerken zu lassen, zückte sie einen Spiegel aus ihrer Handtasche und zog sich, jetzt wieder ganz fionahaft, mit rotem Lippenstift ihren Schmollmund nach.
»Es ist irgendwie schon komisch«, meinte Barbara, »Ihr wünscht euch beide sehnlichst Kinder, und ich, die eigentlich nie Kinder wollte, hat zwei davon!« Sie lachte. »Aber ich muss sagen, auch wenn es manchmal sehr anstrengend ist mit ihnen, bereichern sie mein Leben ungemein. Und ich bin mir sicher, dass es irgendwann auch bei euch beiden klappen wird!« Barbara lächelte, dann hakte sich bei ihren Freundinnen unter und so schlenderten sie gemeinsam in das nächste Café.
Barbara bestellte sich einen Espresso, Sarah einen Milchkaffee und Fiona, wie immer brauchte sie natürlich eine Extrawurst, einen Kaffee mit einem kleinen Löffel braunem Zucker, zwei Löffeln Sojamilch, und auf dem Sahnehäubchen einen Hauch Schokoladenstreusel.
Als alle ihren Kaffee hatten, berichtete Sarah an von ihrer amüsant-peinlichen Begegnung mit ihrem Traummann.
»Ihr könnt euch nicht vorstellen wie witzig das war! Ich weiß nicht wann er bemerkt hatte, dass er von ein paar Blättern Klopapier verfolgt wurde. Vielleicht kleben sie ihm ja jetzt noch am Schuh!« Die Freundinnen mussten lachen. »Trotzdem, bei ihm sah es fast schon wieder sexy aus. Ihn kann einfach nichts entstellen«, schwärmte Sarah und nahm einen Schluck von ihrem Milchkaffee. »Wisst ihr, ich war immer fest davon überzeugt, dass peinliche Dinge nur mir passieren können! Aber wie es aussieht hat es Gott nochmals gut mit mir gemeint und mir einen Gleichgesinnten geschickt.« Sarah sah nach oben und dankte Gott im Stillen. »Das ist doch die Basis für jede Beziehung, dass man Gemeinsamkeiten hat.« Sarah lächelte fröhlich.
»Süße, eure Tollpatschigkeit ist auch schon eure einzige Gemeinsamkeit. Und erst noch eine Unvorteilhafte! Und überhaupt: Weiß er eigentlich, dass du existierst?«, fragte Fiona stirnrunzelnd und nippte dann an ihrem Extrawurst-Kaffee, möglichst so, dass ihr Lippenstift unbeschadet blieb.
»Nun, … ich weiß nicht so recht. Kann schon sein.« Sarah dachte an ihre Niesattacken im Kaffeehaus. »Ich gehe immer ins Nanni`s Kaffeehaus, weil ich weiß, dass er oft dort ist.« Dann kam sie wieder ins Schwärmen. »Er ist einfach so unglaublich attraktiv, und obwohl ich geradezu nichts von ihm weiß, finde ich ihn wahnsinnig anziehend.«
»Wieso hast du ihn noch nie angesprochen?«, wollte Barbara wissen.
»Ich habe einfach irgendwie Angst vor einer Abfuhr. Ich meine, er könnte verheiratet sein, oder Kinder haben …«
»… Oder schwul sein, oder ein Massenmörder …«, meinte Fiona spöttisch. Barbara funkelte Fiona warnend an und meinte dann zu Sarah: »Aber wenn du nie mit ihm sprichst, wirst du es auch nie herausfinden. Kneif dir mal selbst in den Po und zeig was du drauf hast. Geh zu ihm und verwickle ihn in ein Gespräch. Du wirst sehen, er wird dir schon nicht gleich den Kopf abreißen …«
»Es sei denn, meine Theorie mit dem Massenmörder stimmt.«, grinste Fiona. »Ich mache ja nur Witze«, sagte sie dann rasch, als Barbara sie erneut warnend anfunkelte.
»Ob er verheiratet ist, lässt sich ja relativ einfach herausfinden. Schau einfach, ob er einen Ehering trägt. Falls ja, kannst du dich immer noch geschickt aus der Affäre ziehen«, meinte sie dann.
»Hmm, ich glaube nicht, dass ich so geschickt bin. Zudem habe ich euch einen klitzekleinen, peinlichen Zwischenfall meinerseits verschwiegen.« Sarah erzählte ihren Freundinnen von ihrer Pflanzen-Rotz-Popel-Aktion. Die Frauen mussten so sehr lachen, dass ihnen Tränen über die Wangen liefen.
»Das ist ja wieder mal typisch Sarah«, lachte Fiona. »Ich dachte die Aktion von deinem Traummann mit der Klopapierschleppe ist schon peinlich, aber du schaffst es mal wieder, alle Peinlichkeit zu übertreffen!« Sie tupfte sich mit der Serviette eine Träne von der Wange. »Man könnte fast meinen, in Fettnäpfchen zu treten ist dein Hobby. Allerdings solltest du dir lieber einen etwas normaleren Zeitvertreib suchen, denn dieses Hobby tut sich nicht so gut im Lebenslauf.«
»Ha-ha, sehr witzig, Miss-Extrawurst.« Sarah streckte Fiona spielerisch die Zunge heraus.
»Auf jeden Fall bin ich mir nicht sicher, ob er das Ganze mitgekriegt hatte oder nicht. Und wenn ich ihn jetzt anspreche und er mich erkennt und fragt: »Bist du nicht die, die eine Pflanze angerotzt hat und anschließend nicht merkte, dass ihr ein fetter Popel an der Nase hing?«. Was ist dann?! Ich würde sterben.«
»Dann sagst du einfach: »Bist du nicht der, der die ganze Zeit mit einem ultrapeinlichen Klopapierstreifen am Schuh durch die ganze Stadt gelatscht ist und nichts gemerkt hat?« «, antwortete Fiona schlagfertig und die Frauen brachen erneut in Gelächter aus.
Um halb zwölf verabschiedete sich Barbara von ihren Freundinnen und fuhr zu Johnnys Schule, um ihn nach der Rückkehr vom Schullager abzuholen. Sarah und Fiona unterhielten sich noch eine Weile über Mr. Perfekt. Um zwölf Uhr musste auch Sarah gehen, weil sie am Nachmittag in der Kindertagesstätte arbeitete.
Als Sarah die Tür zur KiTa öffnete, stürmte ihr Eric entgegen.
»Sarah, du musst mich retten!«, meinte er spielerisch verzweifelt. »Die Kinder haben sich alle in Zombies verwandelt und wollen mich auffressen!« Er zog an seinen strubbeligen, blond gefärbten Haaren und rollte theatralisch mit den Augen.
Sarah grinste und meinte dann: »Hey, du Spaßvogel, gibt es auch noch wichtigere Neuigkeiten, als menschenfressende Kinder und deine angeknabberten Extremitäten?«
»Oh, ja, ich kann dir von einem besonders gefährlichem Zombie berichten!«
Sarah zog fragend ihre Augenbrauen hoch.
Eric wurde ernster und erzählte Sarah von einem Neueintritt.
»Heute früh ist ein neues Kind in die KiTa gebracht worden. Der Junge heißt Lukas. Er ist fünf und unglaublich … zeitaufwändig! Aber du wirst schon sehen.« Eric sah auf seine silberne Armbanduhr. »Ich habe leider keine Zeit für eine vertiefte Ausführung seines Charakters, aber mach dich auf etwas gefasst. Tschüssi!« Eric drückte Sarah kurz an sich, schnappe seine limettengrüne Jacke und stürmte die Tür hinaus.
Eric Lorenz war ein humorvoller und liebenswerter Sozialpädagoge, welcher schon lange in der Kindertagesstätte arbeitete und genau wusste, wie er mit den kleinen Persönlichkeiten umzugehen hatte. Er war früher, nach seinem sozialpädagogischen Studium, in einem Heim für behinderte Kinder tätig und hatte über die Jahre sehr viel Erfahrung gesammelt. Das machte aus ihm mitunter einen ausgezeichneten Kinderbetreuer. Leider hatten manche Eltern anfangs Probleme mit ihm, weil sie befürchteten, dass Erics Homosexualität sich auf ihre Kinder übertragen könnte. An einen Elternabend wollte mal eine Mutter von einem neueingetretenen Jungen wissen, ob Eric tatsächlich schwul sei. Seine Antwort war: »Ja, aber nur Donnerstags. Und keine Angst, an diesem Tag arbeite ich nicht!« Bedauerlicherweise verstanden nicht alle Eltern seinen Humor. Aber wenn Eric ihnen dann seinen beruflichen Werdegang aufzeigte, wurden sie meist etwas entspannter. Und schließlich war das Eis dann meist gebrochen, wenn die Eltern sahen, wie gut Eric mit ihren Kinder umgehen konnte, wie einfühlsam und geduldig er war, und dass die Kinder ihn bereits nach wenigen Minuten ins Herz geschlossen hatten.
Als sich die Tür hinter Eric schloss, hängte Sarah ihre Jacke in die Garderobe und ging dann, gespannt auf den "neuen Zombie", zu den Kindern in den Spielraum.
Der neue Junge saß alleine auf einem winzigen Stuhl, an einem winzigen Tisch.
»Hallo, ich bin Sarah. Du bist der Lukas, nicht wahr?«, begrüßte Sarah den Jungen freundlich und quetschte sich neben ihn auf einen kleinen, blauen Kinderstuhl.
Der Junge starrte, ohne kurz hochzuschauen, auf sein angefangenes Puzzle und versuchte vergebens ein falsches Teil einzufügen. Nach einer Weile war seine Geduld am Ende und er schleuderte das Puzzle quer durch den Raum.
»Ich will zu Mami!«, kreischte er laut und Sarah, die direkt neben ihm saß, wurde auf ihrem rechten Ohr fast taub. Sie rieb kurz ihr Ohr, in der Hoffnung, dass das grelle Läuten bald wieder nachlassen würde und versuchte dann das Vertrauen des Jungen zu gewinnen.
»Ach, Schätzchen, das kann ich gut verstehen«, meinte Sarah einfühlsam. »Aber hier ist es doch auch ganz nett. Hier gibt es viele andere Kinder, mit denen du spielen und Spaß haben kannst. Und ich verspreche dir, wenn dich deine Eltern dann wieder abholen kommen, möchtest du gar nicht mehr nach Hause«, versuchte Sarah den aufgebrachten Jungen zu beruhigen. Doch Lukas schien Sarahs Antwort nicht zu gefallen, denn einen Augenblick später zog er völlig unerwartet an Sarahs geflochtenem Zopf, spuckte ihr ins Gesicht und rannte anschließend davon. Vor lauter Schock war Sarah einen Moment lang wie gelähmt, sie saß nur wie angewurzelt da, starrte ins Nichts und die Spucke lief ihr langsam über die Wange in Richtung Mund. Dann rieb sich Sarah mit dem Pulliärmel übers Gesicht und versuchte sich mühsam aus dem kleinen Stuhl zu schälen, was ihr allerdings nicht gelang. Deshalb hüpfte sie mit dem Kinderstuhl am Hinterteil hängend durch den Raum und versuchte den kleinen Jungen zu erwischen. Doch Lukas war schnell und flink und Sarah hatte große Mühe ihn (mit dem Stuhl am Po) zu fassen. Aber nach kurzer Zeit hatte sie es dann doch noch geschafft und packte ihn am Ärmel.
»Was sollte das eben, junger Mann?!«, fragte sie ihn und versuchte dabei ruhig zu bleiben. »Man spuckt niemandem ins Gesicht. Ich weiß nicht was du dir dabei gedacht hast, aber …«
»Gibt es irgendwelche Probleme?«, wurde Sarah von einer tiefen Männerstimme unterbrochen. Sie wollte schon anfangen loszuwettern, doch als sie hochsah, traf sie fast der Schlag.
»Daniel!?«, entfuhr es Sarah. Vor ihr stand ihr Traummann, der, den sie schon seit geraumer Zeit im Kaffeehaus beobachtete. Der, mit dem sie bis anhin noch kein Wort gewechselt hatte.
Sarahs Entsetzen und ihre Wut auf Lukas waren wie verflogen und wurden durch Überraschung und aufsteigender Röte im Gesicht ersetzt.
»Ich, ähm … Freut mich, Sie kennenzulernen, Herr …« Sarah streckte ihm reflexartig ihre Hand zur Begrüßung entgegen.
»Maurer.« Er schüttelte ihr die Hand. »Meinen Vornamen kennen Sie offensichtlich schon.« Er lächelte.
