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Die Kinder sind aus dem Hause, es lebt kein Haustier in den vier Wänden mehr. Man grübelt und grübelt. Was für Tier sollte zukünftig das Familienleben bereichern. Ein Pferd kam aufgrund seiner Körpermaße nicht infrage, da das Ehepaar in einer Stadtwohnung lebte. Wer kann schon ein Pferd mehrere Treppen hoch tragen. So kam man auf die Katze. Sie schnurrt friedlich, liegt graziös auf dem Sofa und so wollte man es auch haben. Nach .langem Suchen fand man das noch kleine Katerchen. Es war schneeweiß und sah sehr possierlich aus. Nach mehreren Wochen verwandelt sich das Tier in einen wahren Zerstörungskünstler. Er zerdeppert Geschirr, zerkratzt Möbel. Vor allem haart Tom, so heißt der Kater, ganz fürchterlich. Täglich musste es so weit sein, dass er eine nackte Katze werden sollte. Dann müssen wir ihm ein kleines Mäntelchen nähen, damit er nicht friert, schlug die Ehefrau vor. Er kletterte auf Dächer, so dass das Technische Hilfswerk ihn holen musste. Er kletterte aber auch auf hohe Bäume und wusste dann nicht wie er wieder herunterkommen sollte. Bei einem Bootsausflug fiel er sogar in den See. Ein Ausflug mit dem Fahrrad brachte ihm die Bekanntschaft vieler Hunde ein, die gerne eine Katze gefressen hätten. Katerchen Tom brachte viel Trubel in den Alltag, aber er konnte auch so lieb sein.
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Seitenzahl: 59
Veröffentlichungsjahr: 2011
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Auf die Katz gekommen …
© 2011 Rainer W. Stengel
Umschlaggestaltung: www.autoren-service.com
epubliGmbH, Berlin
ISBN 978-3-8442-0603-6
EPUBLI VERLAG BERLIN
www.epubli.de
Die Katze ist das einzige vierbeinige Tier,
das dem Menschen eingeredet hat,
er müsse es erhalten,
es brauche aber dafür nichts zu tun.
Kurt Tucholsky
Vorwort
Bis heute kannte ich nur drei Wege, um zu einem Buch zu kommen.
Man kauft es im Laden, geht in die Leihbücherei oder borgt es sich bei einem Freund. Der billigste Weg ein Buch in die Finger zu bekommen, ist das Borgen beim Freund. Man muss dann in den nächsten Tagen aber aufpassen, dass man diesem nicht zu oft begegnet.
Eines Tages, ich blätterte gemütlich in einem aufregenden Katzenbuch, da sprach mich mein Kater Tom an.
»Du Herrchen, du musst etwas für mich tun.«
Nicht fragend, erst recht nicht bittend klangen seine Worte.
»Was soll ich für dich tun. Ich ruiniere mich finanziell für dein Futter, deine Leckerli und dein teures Katzenstreu. Was soll ich denn noch tun?«
»Du musst etwas für meine Unsterblichkeit tun«, so Tom.
»Denkst du da an einen Grabstein?«
»Quatsch, kein Grabstein. Du musst ein Buch über mich schreiben.«
Ich war perplex. Ich ein Buch verfassen, selbst? Ich kann ein Buch lesen (manchmal auch verstehen), aber schreiben?
Oft habe ich schon Schwierigkeiten mit den Kommata.
Tom ermunterte mich:
»Schreib einfach so, wie es dir in den Sinn kommt, das ist am originellsten.«
Und das tat ich.
I.
Die sind wir eigentlich auf die Idee gekommen uns ein Tier anzuschaffen das kratzt, haart, Gardinen zerreißt, Geschirr aus den Regalen schmeißt und noch vielen anderen Unsinn treibt?
Das kam so. Das treue Kaninchen meines Sohnes Roman hatte das Zeitliche gesegnet. Es wurde würdevoll hinter dem Haus bestattet. Bei der Beerdigung waren alle taktvoll. Niemand erwähnte, dass Hugo – so hieß das Kaninchen – unzählige Kabel zerbissen, überall in der Wohnung seine Kaninchenknödel hinterlassen und Zeitungen zerrissen hatte.
Sein Vorgänger Otto, auch ein Kaninchen, hatte sogar einen Weihnachtsbaum in vollem Ornat umgeworfen und dieser fiel auf Tante Dagi. Ich erspare mir die Diskussionen über Tiererziehung und Tante Dagis Litanei. Ich stellte nur insgeheim fest, ich war kein Pestalozzi.
Übrigens handelte es sich bei Hugo um eine Hugoline. Die Verkäuferin bei Karstadt hatte uns ein männliches Kaninchen verkauft, die Tierärztin war anderer Meinung. So fanden wir einen Kompromiss. Wir behandelten Hugo wie eine Dame und nannten sie weiterhin Hugo. Sie war keine Feministin und hatte keine Einwände. Alle waren zufrieden.
Wie gesagt, mein Roman war nun ohne ein Haustier und wir begannen zu überlegen, welches Wesen seine künftigen Tage begleiten sollte. Am liebsten wäre ihm eine Blondine mit den Maßen 95-60-95 (ein paar Millimeter auf oder ab hätten da wirklich keine Rolle gespielt) gewesen. Leider ist so etwas im Allgemeinen nicht käuflich – nur im Besonderen.
Vögel schieden aus. Wir hatten zwei Wellensittiche, sie hießen Marylin und Tilly und machten mehr Dreck als eine Horde ausgeflippter Wildschweine. Sie fanden sich ununterbrochen bemüßigt ihr Futter aus dem Käfig zu schleudern. Damit das Futter nicht allein auf dem Boden lag, kratzen sie im Sand herum, der dann auch wie Vulkanasche auf den Fußboden fiel. Der Boden sah immer aus wie ein Schlachtfeld. Abends saßen sie ganz oben auf den Gardinenstangen und waren nur mit akrobatischen Leistungen einzufangen, damit wir sie in den Käfig bugsieren konnten. Unsere Haftpflichtversicherung haben wir daher immer regelmäßig bezahlt. Merke: Haft kommt von Käfig – oder umgekehrt.
Ein Meerschweinchen schied auch aus. Ein früheres Meerschweinchen, das auf den schönen Namen Murkel hörte, brachte uns viel Verdruss. Statt abends in seinen Käfig zu klettern um sich schönen Träumen hinzugeben, krabbelte es unter Schränke und andere Möbel. Die mussten dann so lange hin- und hergeschoben werden, bis wir ihn einfangen konnten. Während dieser mühseligen Möbelplackerei schauten die Damen immer bewundernd auf meine Bizeps, die immer mächtiger wurden.
Ein Pferd schied aus Platzgründen aus.
»Ein Hund«, kam der Vorschlag aus dem Familienkreis.
»Und wer führt ihn aus?«
»Ich – Ich«, sagten alle.
So sehr ich meine Familie liebe, hier habe ich aber abgewinkt. Denn selbstverständlich hatten wir auch schon einen Hund. Raten Sie einmal, wer immer mit ihm spazieren ging. Semper idem, wie wir Lateiner zu sagen pflegen. Meine Frau murmelte immer etwas von unaufschiebbarer Haushaltsarbeit, meine beiden Söhne waren Wunder im Erfinden von Ausreden. Schularbeiten, mit Freunden lernen, Lexika nachschlagen, einen ganz wichtigen Film auf Video – natürlich für die Schule – aufnehmen usw. (Bei dem Schulfilm handelte es sich garantiert um einen Western mit Bud Spencer).
Ich ging in Gedanken Brehms Tierleben durch. Vergeistigte mir das Verhalten aller Lebewesen, wog sodann Vor- und Nachteile (in einem langwierigen Entscheidungsprozess) sorgfältig ab.
Heureka – ich hab es. Eine Katze musste her. Misstrauen im Kreise meiner Lieben.
»Beißt und kratzt die nicht?«, hinterfragten sie sofort skeptisch.
»Nein«, entgegnete ich, wobei ich sicherheitshalber noch mit einer wegwerfenden Handbewegung diese Verneinung bekräftigte. Somit quasi meinen Kontrahenten eine doppelte Verneinung vor die Füße warf.
»Im Gegenteil, sie fängt sogar Mäuse.«
»Mäuse, wo haben wir hier Mäuse?«, fragte altklug mein Jüngster, »wir wohnen in einem Penthouse, im fünften Stock.«
Mit aller mir zur Verfügung stehender Rhetorik gelang es mir letztlich, ihre Emotionen Katzen gegenüber in das Positive zu zerren.
Punkt eins war also geklärt. Das Wesen, das den Alltag des Jüngsten mitgestalten sollte, war gefunden.
Punkt zwei war, wie kam man zu einer Katze?
EBay schied aus, die Gründe sind bekannt. Geizkragen.de oder andere Preissuchmaschinen im Internet kamen auch nicht infrage. Grübel, grübel. Ich surfte im Internet und fand einen Berliner Katzenverband »Berliner Pro-Kat«.
»Prima«, sagte der freundliche Verbandsvorsitzende, »morgen am Sonntag ist in Großbeeren eine Katzenausstellung, da können sie sich ein passendes Tier aussuchen.«
Mutter, Roman und ich düsten nach Großbeeren. Dank unserer Navigationstante mussten wir nicht lange suchen. Freundlich verkündete sie uns: »Jetzt haben sie ihr Ziel erreicht.«
Wir kauften unsere Eintrittskarten, in der Vorhalle wurden leckere Brötchen, Kaffee und Kuchen angeboten.
»Nein«, meinte Mutter Gerlinde mit Blick auf das Nahrungsangebot, »erst die Katze.« Na, dann nicht und ich schaute noch einmal traurig auf die belegten Brötchen, eins war sogar mit Schinken und Ei belegt. Wir betraten die Halle. Ich dachte ich wäre im Katzenhimmel. Ein unübersehbares Heer von Katzen. Sie saßen alle in ihrem Käfig, teilweise auch zu mehreren. Vor ihnen saßen ihre stolzen Besitzer und kraulten ihre Tiere oder fuchtelten mit Federn an Stöckchen vor ihren Abgöttern herum. Mir taten die armen Schweine (Katzen) leid. Sie mussten den ganzen Tag in ihren Käfigen sitzen, während um sie herum Besucherschwärme hektisch hin und her wogten. Samt und sonders Rassekatzen erfasste mein geschultes Auge. Fein, von Adel, mit klangvollen Namen und das Blut vermutlich blau coloriert.
Als ich den Kaufpreis erfuhr, war ich einer Ohnmacht nahe, schade, dass ich kein Riechfläschchen dabei hatte. Die Kaufpreise fingen bei 500 Euro an. Inflation hin, Inflation her. Die Katzen konnte man nicht einmal essen, da hatten die Chinesen es mit ihren Hunden besser.
Roman schritt von Käfig zu Käfig. Ich überlegte, ob das belegte Brötchen mit Schinken und Ei noch da war. Es kostete 2 Euro, war somit also viel preiswerter als eine Katze und man konnte es überdies der Nahrungskette zuführen.
