Auf ein Wort - Sylvia Prüßmann - E-Book

Auf ein Wort E-Book

Sylvia Prüßmann

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Beschreibung

In der heutigen Zeit wird oftmals viel geredet und dennoch wenig gesagt. In diesem Buch haben die Autoren Kurz-Geschichten zu aktuellen Themen zusammen gefasst. Sie nennen dabei in wenigen Worten die Dinge beim Namen, und nehmen dabei auch zu Themen Stellung, die gemeinhin oft als Tabu-Themen verschwiegen werden. Sylvia Prüßmann und Paul v. Hoff haben in der Vergangenheit unter anderem als Redakteure für Tageszeitungen geschrieben. Inzwischen betreiben sie als Herausgeber eine Online-Zeitung und haben mehrere Bücher in den Bereichen Kinderbuch, heitere Kurzgeschichten sowie eine Sammlung von eigenen Gedichttexten veröffentlicht. Kennen Sie das auch? Man sitzt vor dem Fernseher und schaut sich erwartungsvoll eine Diskussionsrunde zu einem aktuellen Thema an.

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Seitenzahl: 73

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Auf ein Wort

Titel SeiteVorwortInhaltsverzeichnisDer Schal der NationDas elende Gaffer-SyndromOstern …..das zweite Weihnachten?Unser täglich Hamsterrad gib uns heuteUnruhige Zeiten auf dem schönen blauen PlanetenTitelMerkwürdige ZeitenSchokolade hilft nicht – leben mit DepressionZeit …..eine endliche Ressource

Sylvia Prüßmann

Paul van Hoff

Auf ein Wort

Impressum

© Sylvia Prüßmann / Paul van Hoff

Verlag

Neopubli GmbH Köpenicker Straße 154a 10997 Berlin

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und der Autoren unzulässig.

Dies gilt auch für elektronische und sonstige Vervielfältigungen, Übersetzungen und öffentliche Bekanntmachungen.

Vorwort

Paul van Hoff

Kennen Sie das auch? Man sitzt vor dem Fernseher und schaut sich erwartungsvoll eine Diskussionsrunde zu einem aktuellen Thema an. Und obwohl die Gästeliste vielversprechend erscheint, bleibt am Ende der Sendung nur, dass zwar von allen Beteiligten viel geredet, aber dennoch wenig gesagt wurde.

Leider erlebt ein Jeder von uns dieses Phänomen des „Tot-Diskutierens“ auch im eigenen Alltag, aber am Ende kommt wenig dabei heraus.

Die Menschen haben es in der Zeit des Internets leider verlernt, Ihre Meinung auch mal einem Menschen, der ihnen gegenüber sitzt, zu sagen und gegebenenfalls auf eine direkte Antwort selbst reagieren zu müssen und im Zweifelsfall Farbe zu bekennen.

Schade eigentlich ...

Inhaltsverzeichnis

Ein fiktives InterviewSeite 5

Eine andere BlickweiseSeite 13

Alt und Neu …Seite 18

BegegnungSeite 22

Die stille Krankheit ...Seite 25

Momente Seite 30

Die richtige WortwahlSeite 33 Zeitvertreib im WandelSeite 36

AngekommenSeite 43 Advent, AdventSeite 47

WeihnachtsgedankenSeite 51 Vereine in NotSeite 54

Generation „Guck-aufs-Handy“Seite 57 Irgendetwas stimmt doch nicht mehrSeite 62 Der Schal der NationSeite 66 Das elende Gaffer-SyndromSeite 69 Ostern – das zweite Weihnachten?Seite 71

Unser täglich Hamsterrad ...Seite 74

Unruhige Zeiten …Seite 77 Depression – eine wahre GeschichteSeite 81

Merkwürdige ZeitenSeite 87 Schokolade hilft nicht …Seite 89 Zeit- eine endliche RessourceSeite 94

Ein fiktives Interview

Ich saß mitten in der Stadt vor einem Bäcker auf der Bank. Zeit für eine Tasse Kaffee. Da hörte ich neben mir Jemanden fragen: „Hast du auch einen Kaffee für mich?“

Ich drehte mich um. Neben mit stand ein Obdachloser. Er sah mich mit leuchtenden blauen Augen und einem Lächeln an. „Paul,“ sagte er nur kurz. Ich deutete ihm sich zu mir zu setzen. „Auch Hunger?“ fragte ich ihn. „Immer“, lächelte er. Ich bestellte ihm Kaffee und Brötchen. Als ich den Teller vor ihm hinstellte, wurde sein Blick misstrauisch. „Was willst du von mir?“ fragte er leise. Ich sah ihn an. „Mal abgesehen davon, dass du mich angesprochen hast – erzähl mir einfach von dir.“ „Warum sollte ich das tun?“ „Warum hast du mich sonst angesprochen?“

Stumm sah er mich an. Dann lächelte er wieder. „Hat mich mein Gefühl nicht getäuscht. Du interessierst dich für Menschen. Du beobachtest nicht nur.“ „Ich interessiere mich für Schicksale. Was ist deines?“

Lange sah er mich einfach nur an, und ich wartete geduldig. Ich sah seine blauen Augen, die soviel Wärme ausstrahlten. Ich sah seinen Blick, aus dem Erfahrung, Schmerz und Geduld sprach. Ich beobachtete ihn, senkte meinen Blick nicht. Und dann fing er an zu erzählen:

„Ich bin – nein, ich war Ingenieur in einem gut gehenden Ingenieursbüro. Ich fand die große Liebe. Wir heirateten und bauten uns ein schönes luxuriöses Haus. Wir bekamen zwei Kinder. Ich hatte alles, was man sich so wünscht: Einen gutbezahlten Job, eine liebevolle Frau, zwei gut erzogene Kinder, ein großes Haus mit Garten und ein schnelles Auto. Jedes Jahr zweimal Urlaub, wer kann sich das sonst schon leisten. Aber eines habe ich übersehen – Auch wenn ich alles hatte, eines hatte ich nicht: ZEIT. Ich sah meine Kinder nicht aufwachsen, habe nicht bemerkt, dass meine Frau sich immer mehr von mir entfernte. Dann sollte ich berufsmäßig für eine paar Wochen ins Ausland. Mein Anwalt riet mir, aus Sicherheitsgründen meine Haushälfte auf die Kinder zu überschreiben. So wären sie abgesichert, wenn mir etwas passieren würde. Und ich tat es. Das Wohl meiner kleinen Familie ging mir über alles.

Als ich aus dem Ausland zurückkam, standen im Flur zwei Koffer. Meine Frau warf mich aus dem Haus. Und die Scheidung hatte sie auch schon eingereicht. Da die Kinder noch klein waren, blieb sie im Haus wohnen. Im Scheidungsverfahren zog ihr Anwalt mich ganz schön über den Tisch, und mein eigener Anwalt, ein guter Freund von mir, ließ alles zu. Ich zahlte weit über die Hälfte meines Einkommens als Unterhalt. Und das Haus, naja, Dummheit muss bestraft werden. Die Kinder blieben bei meiner Frau, ich hatte ja sowieso kaum Zeit für sie. Mittlerweile war ich in eine kleine 2-Zimmer-Wohnung gezogen. Das reichte mir, habe dort ja nur geschlafen. Alle 14 Tage durfte ich meine Kinder sehen. Sie haben sich bei mir immer beklagt, dass ihre Mutter sie mit Taschengeld so knapp hielt, also habe ich ihnen immer irgendwas gegeben. Mein Sohn wünschte sich ein komplettes Schlagzeug, meine Tochter ein Pferd, aber Mama hat gesagt: „Wir haben kein Geld. Fragt Papa.“ Und Papa hat gekauft.

Aber dann musste das Ingenieursbüro schließen, und ich wurde arbeitslos. Vom Arbeitsamt kam keine Hilfe. Doch es kam nur kurz darauf noch dicker: Der Vermieter kündigte mir die Wohnung. Und egal, wo ich hinkam, immer hieß es: „Sie haben keinen Job? Dann haben wir für sie auch keine Wohnung. Es war zum Verzweifeln. Meine Frau überzog mich mit Klagen auf mehr Unterhalt. Und mein Anwalt? Er stimmte allem zu. Ich habe erst später erfahren, dass er eigentlich der Grund für die Scheidung war. Meine Frau – meine Exfrau – war schon seit fast zwei Jahren mit ihm zusammen. Sie hatte sich das alles ausgedacht, und ich Schaf habe nichts gemerkt und alles mit mir machen lassen.“

Einen kurzen Moment saß er einfach nur versonnen da. Er schien weit weg zu sein, und ich wartete.

„Ich konnte die Kosten für das Pferd meiner Tochter nicht mehr bezahlen“, erzählte er dann weiter. „Meine Frau und ihr Neuer hätten es gekonnt, aber es war ja ihr Plan mich auflaufen zu lassen. Das Pferd wurde verkauft. Bring das mal deinem Kind bei. Eines Abends ging ich in eine Kneipe, wollte mich einfach nur betrinken. Da traf ich Hans. Er war damals schon einige Jahre auf der Straße. Wir kamen ins Gespräch. Dann sagte er: „Du kannst erst mal für ein paar Tage in einer Obdachlosenunterkunft schlafen. Oder du machst es wie ich: Pack das Wichtigste zusammen, das du hast und komm mit mir mit. Wir gehen in eine andere Stadt. Soll deine Familie doch sehen, wie sie ohne dich klar kommt.“ Ich habe nicht lange nachgedacht. Ich packte mir eine Tasche mit ein paar Klamotten und dem Wertvollsten, dass ich hatte. Am nächsten Tag sind Hans und ich in eine andere Stadt gezogen. Seitdem lebe ich auf der Straße. Von Hans habe ich das Überleben gelernt. Jetzt habe ich Nichts mehr, aber dafür eine Menge ZEIT. Verrückt, oder?“

Er lächelte mich wieder an. „Was war das Wertvollste, das du hattest?“ fragte ich ihn. Er bückte sich zu seiner Tasche hinab und zog ein dickes Paket heraus. Vorsichtig holte er daraus eine Schneekugel hervor. „Die hat mir meine Tochter geschenkt, als sie gerade in die Schule kam“, erzählte Paul. „Was machen deine Kinder jetzt?“ Nachdenklich blickte Paul auf, dann sagte er leise: „Meine Tochter macht noch ihr Arztstudium, mein Sohn ist ausgebildeter Lehrer in Festanstellung. Aus ihnen ist was geworden.“

In seinem Gesicht sah ich Stolz, aber auch großen Schmerz. In diesem Moment setzt sich ein junger Mann zu uns. Er stellte sich nur kurz als „Harit“ vor, und wandte sich dann an Paul. „Hast du noch Kontakt zu ihnen?“. Paul sah ihn an, dann schüttelte er traurig den Kopf. „Das Letzte, was ich von ihnen hörte waren die Worte: ‚Alter, hau ab, Sowas wie dich sollte man wegsperren.‘ Alles vergessen, was ich für sie getan habe. Als hätte ich nie existiert.“

Harit sah ihn mitleidig an. „Da geht es mir noch richtig gut“, meinte er dann nur. „Ich bin jetzt 30 Jahre, wohne seit 26 Jahren hier in diesem Land. Ich war hier im Kindergarten, bin hier zur Schule gegangen, habe meine Ausbildung gemacht und einen guten Job. Doch meine Eltern waren nur geduldet. Jetzt ist endlich Frieden in der Heimat meiner Eltern. Doch nun heißt es, dass wir abgeschoben werden. Du hast eine Ausbildung, heißt es. Tu was für dein Land. Helfe beim Aufbau. Zurück in ein Land, das ich nicht kenne. Und jeder Einspruch war vergebens. Wir – Nein, ich warte nur darauf, dass sie mich holen.“

Paul sah ihn nachdenklich an. „Warum kommst du nicht mit mir mit?“ fragte er. „Dann müssen sie dich erst finden.“ Harit zuckte mit den Schultern. „Wo ist der Unterschied? Ob ich jetzt weg muss, oder in drei Monaten.“

„Dann lieber gleich“, hörte ich Jemanden hinter mir laut ausrufen. „Sowas wie euch sollte man gar nicht auf die Straße lassen. Ihr seid einfach nur peinlich für unser Land.“

Ich wollte aufstehen und diesen jungen Mann zurechtweisen, da legte Paul seine Hand auf meinen Arm, sah mich an und schüttelte den Kopf. Als ich wieder zu dem jungen Mann sehen wollte, war der schon weitergegangen. „Warum hast du mich aufgehalten?“ fragte ich Paul. Der sah mir traurig in die Augen. „Du kannst diesen Jungen nicht ändern. Ich weiß das“, meinte er leise. „Wieso?“ fragte auch Harit. „Man sollte es doch wenigstens versuchen.“ Wieder schüttelte Paul den Kopf. „Das habe ich oft genug. Dieser junge Mann ist mein Sohn.“