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Angelika Knöpker

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Beschreibung

16. Mai 2004 Im Alter von 53 Jahren lernte ich bei einer Oldtimer-Rallye Andreas kennen. Es war für beide Liebe auf den ersten Blick. Wir waren ein wunderbares Paar, hatten die gleichen Interessen und nahmen das Leben mit Humor. Es folgten viele glückliche Jahre, in denen ich glaubte, es würde immer so weitergehen. 21. September 2013 Mit dem Satz "Ich liebe Dich nicht mehr" stürzte er mich ohne Vorwarnung aus dem Himmel in die Hölle. Eine qualvolle Zeit begann, in der ich alle Phasen des Leidens durchlebte. Ich begann, "Tagebuch nach einer Trennung" zu schreiben und die Frage nach dem WARUM zu beleuchten. Das Buch soll keine Abrechnung mit meinem Ex-Partner sein, sondern zeigen, dass sich aus einer Krise auch Positives entwickeln kann. Ich möchte mit diesen Aufzeichnungen Frauen und Männern in Trennungssituationen Mut machen, trotz vieler Hindernisse neue Wege zu gehen und nach einer Zeit der Starre, Trauer und Wut zu Neuem aufzubrechen und ein sinnerfülltes Leben zu führen.

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Seitenzahl: 133

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Angelika Knöpker

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Tagebuch

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©2015 Angelika Knöpker

Vorwort: Detlef P. Jotzeit, Stellvertretender Redaktionsleiter und Kollege

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN 978-3-7323-3843-6 (Paperback)

ISBN 978-3-7323-3845-0 (e-Book)

ISBN 978-3-7323-3844-3 (Hardcover)

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de

Mein herzlicher Dank gilt meiner Freundin Gisela, meinen Kindern Danny und Mark, meinen Geschwistern und allen, die mich in der schweren Zeit unterstützt haben.

Vorwort

Liebe Angelika,

selten hat mich etwas so bewegt wie Dein Tagebuch. Gerade erst aus Portugal zurückgekommen und noch die letzten Urlaubstage genießend, habe ich Deine E-Mail mit der zunächst recht irritierenden Betreffzeile „Warum?“ gelesen. Du glaubst gar nicht, was mir da sofort alles durch den Kopf gegangen ist: lebensbedrohliche Krankheit, Sterbefall in Deiner Familie, usw.

Ich wollte schon in der Redaktion anrufen, um Genaueres zu erfahren, bevor ich auf dem i-phone - halt ein wenig versteckt - den Anhang gesehen und gelesen habe. Bemerkenswert wie Du Deine Gefühle, Deinen Schmerz, Deine Enttäuschung, die vielen Höhen und Tiefen, aber auch Deine Hoffnung und Zuversicht schilderst - so authentisch, emotional, wortgewandt und nachvollziehbar (zumal etwas Vergleichbares sicherlich schon jeder von uns irgendwann einmal erlebt hat – wenn auch nicht unbedingt mit diesem krassen Verlauf).

Bei jeder Zeile habe ich mit gelitten (insbesondere bei der Stelle mit der Badewanne und dem Föhn) und gehofft, dass Du die Situation meisterst und Dir ein Neuanfang gelingt. Ich konnte gar nicht aufhören zu lesen. Am Ende steht für mich fest: das „Tagebuch nach einer Trennung“ musst Du veröffentlichen! Deine Zeilen werden anderen Menschen eine große Hilfe sein, ähnliche Situationen zu bewältigen. Da bin ich mir sicher.

Ich selbst bedauere, dass ich von Deiner schlimmen Lage vor meinem Urlaub nichts bemerkt habe. Entweder lag es daran, dass Du bei Besuchen in der Redaktion das Ganze zu gut überspielt hast oder mir angesichts von Stress und Arbeit die notwendige Feinfühligkeit gefehlt hat. Normalerweise habe ich sonst ja immer eine Antenne für die kleinen und größeren Sorgen meiner Mitmenschen. Sorry.

Ich wünsche Dir von Herzen, dass Du weiterhin so konsequent und unbeirrt Deinen Weg in eine neue Zukunft ohne Andreas gehst wie bisher. Ich drücke Dir die Daumen. Und wenn Du mal jemanden zum Reden brauchst, habe ich immer ein offenes Ohr für Dich.

LG det

Detlef Peter Jotzeit

Stellvertretender Redaktionsleiter und Kollege

22. September 2013

„Pass gut auf Dich auf!“ sage ich, als er mich in den Arm nimmt. „Ja, Du auch auf Dich! Bis später“. Das sind seine letzten Worte, bevor die Tür hinter ihm ins Schloss fällt. Sonntagmorgen 8 Uhr:

Am Donnerstag hat er mir nach einer Flasche Rotwein die Trennung vorgeschlagen. Neuneinhalb schöne Jahre, vorbei, vergessen. Ich bin wie vor den Kopf geschlagen. Eine Welt ist zusammen gebrochen. Andreas und ich - das Traumpaar schlechthin - zwei getrennte Wohnungen aber immer füreinander da. Zwei Freundes- und Bekanntenkreise, die zusammen gewachsen sind. Mein erster Gedanke: ich will und kann nicht mehr, Föhn ins Badewasser tut nicht weh…. An Schlaf ist nicht zu denken.

Der Freitag zieht sich unendlich hin, ich absolviere meine Termine wie im Trance. Erst am Abend bekomme ich eine SMS: „Hallo Maus, sitze in der Badewanne, lass uns morgen früh reden.“

Ich bin erleichtert, fühle mich sprach-, wehr- und hilflos. Gisela unterstützt mich wo sie kann. Meine beste Freundin kennt mich zu gut, als dass sie in der jetzigen Situation aufdringlich wird. „Melde Dich, wenn Dir danach ist…..“ Diese Unterstützung im Hintergrund tut einfach gut. Schön, dass wir einen Kurzurlaub im Sauerland gebucht haben. Die eine Woche bis dahin überstehe ich auch noch. Ausgerechnet für den morgigen Samstag habe ich zu einer Fete eingeladen. Ich wollte mich bei Andreas Freunden für die zahllosen Einladungen revanchieren, ihnen mein Zuhause vorstellen. Aus Platzgründen haben wir oft bei Andreas gefeiert.

Samstagmorgen eine SMS: „Lade Dich zum Frühstück ein, Du kannst wählen, bei Dir, bei mir, in Hamm oder im CD in Ahlen.“ Ich entscheide mich für seine Wohnung, muss ja nicht ganz Ahlen mitbekommen, wie schlecht es mir geht.

Er hat sich große Mühe gegeben, den Tisch aufwändig gedeckt, die Auswahl an Aufschnitt und Käse reicht für eine ganze Fußballmannschaft. Ich bekomme keinen Bissen runter, schneide mir von einem halben Brötchen ein fünf mal fünf Zentimeter großes Stück ab, etwas Marmelade drauf - mehr geht nicht, die Hälfte lasse ich liegen. Meine Kehle ist wie zugeschnürt. Andreas beginnt mit Lob. Dass ich ihm jede Freiheit lasse zum Beispiel. Aber auch, dass er sich nicht mehr auf unsere Treffen abends freut. Ja wie auch, wenn ich wie er oft am Tag 500 Kilometer durch das Ruhrgebiet rauschen müsste, wäre ich auch erledigt…. Ich gehe zum Angriff über. Ich denke an die letzte Trennung vor drei Jahren, als er im Malaga-Urlaub das „Aus“ unserer Beziehung erklärt hatte. Die Firma war damals in Schieflage, das Ferienhaus in Spanien und weitere Immobilien mussten verkauft werden. „Ich wollte Dich nicht damit belasten“, hat er mir sechs Monate später erzählt, als wir wieder ein Paar waren. Ich vermute wieder, dass es solche Gründe sind: „Du hast einfach zu viele Baustellen“, mache ich ihm klar und zähle seine Probleme auf. Keine Antwort ist auch eine Antwort. Ich sehe, dass ich so nicht weiter komme, er in seinem Kopf schon das „Aus“ besiegelt hat. „Ich möchte nicht, dass ich wieder 20 Jahre so weiter lebe und es bereue.“ - Wie bitte? Kann er unsere schöne Zeit mit 20 Jahren Ehe mit seiner Frau vergleichen, in der es keine Gemeinsamkeiten gab? Ich bin enttäuscht. Die Backpfeife hat gesessen. Ich werde persönlicher: „Was muss ich tun, was muss sich ändern?“ Keine Antwort, nicht einmal das. Ist auch besser so, denn später ärgere ich mich über diese Aussage. Warum mache ich mich so klein? Ich erwarte doch, dass er mich mit meinen Stärken und Schwächen genauso akzeptiert wie ich ihn. Schlage ihm eine Auszeit vor. „Hätte ich dir auch vorgeschlagen“, willigt er ein. Erleichterung, dass er trotzdem abends an der Fete teilnehmen wird.

Fahre mit Gisela nach Beckum. Bei einem Cappuccino drehen sich die Gedanken. Eine Erklärung finde ich nicht. Die Fete wird trotz und alledem sehr schön. Er sitzt draußen auf dem Balkon mit Freunden, ich mit dem Rest im Wohnzimmer. Andreas betrinkt sich mit Rotwein und Schnaps, kann schließlich nicht mehr auf den Beinen stehen. Ralf hält ihn fest und will ihn nach Hause bringen. „Habe mich von Angelika getrennt“, lallt er, aber niemand versteht ihn. Er merkt aber auch, dass er keinen Fuß mehr voreinander setzen kann. Ich bringe ihn ins Schlafzimmer, nachdem die Gäste gegangen sind. Auf der Bettkante wirft er mich ins Kissen, nicht böse gemeint. Ich wehre mich, ich kann nicht….nicht in dieser Situation. Nehme mein Bettzeug und verbringe die Nacht auf der Couch.

Nach dem Aufräumen Termin für die Redaktion, dann fahre ich mit Gisela nach Bad Iburg. Ich muss raus, raus, raus, weglaufen und ablenken.

23. - 29. September

Ich stürze mich in die Arbeit. Für Montagabend hatte ich als Geschenk für Andreas Karten für ein Konzert in Osnabrück - schicke der Agentur eine E-Mail mit Absage. Jetzt arbeite ich nur noch auf den Urlaub hin, nehme alle Termine an. Kann nachts nicht schlafen: 2.30 Uhr bis 5 Uhr grübeln, grübeln, grübeln, warum, warum, warum?

Nachricht von Maria, meiner Redaktionsleiterin: ich soll bei der Übergabe des Wirtschaftspreises die Moderation übernehmen, ich sage zu. Zwei Kilo sind schon gepurzelt, ich werde eine gute Figur machen und überhaupt: „Keiner aus der Redaktion will es machen, Du bist doch nicht auf den Mund gefallen“, das macht mir Mut. Ich schaffe das, klar schaffe ich das….

Am 25. Treffen bei Wibbelt mit Ingrid, Hans und Elisabeth, Mitglieder unseres aufgelösten Literaturkreises. Gott sei Dank fällt der Name Andreas nicht, erst beim Abschied, als Hans uns im November zum Kaminabend einladen will. „Aber Andreas muss mitkommen.“ Ich sage nichts.

Stürze mich in die Arbeit. Kollektive für den Stadtanzeiger, Termine für das Ahlener Tageblatt. Und zwischendurch immer wieder Gisela, die mich auffängt. Endlich ist der Sonntag gekommen. Ich mache noch einen Kreistermin, packe in Windeseile meinen Koffer und hole Gisela ab. Zu ihrer Überraschung möchte ich selber fahren, bis zum Ziel, das kennt sie von mir nicht.

29. September - 2. Oktober

Die Sonne strahlt, und das bleibt so bis zur Abreise. Das Hotel lässt keine Wünsche offen, wir haben wieder einmal Mega-Glück. Stadtbummel, Glasbläserei, Don Camillo, Curiosum, Korbach, Diemel-Talsperre, Ettelsberg mit Bierchen auf Siggis Hütte, Brilon, aber auch Sauna und Wellness im Hotel - eine bunte Mischung aus allem. Auf der Rückfahrt Stopp am Hennesee im Welcome Hotel, Bootstour, Bummel in Soest, bevor wir gegen 19 Uhr wieder in Ahlen sind. Ertappe mich bei dem Gedanken an Weihnachten und Silvester, habe mir Arrangements im Welcome geben lassen, das wäre eine Alternative…

Mir graut vor den Feiertagen.

3. Oktober

CDU-Termin, treffe guten Freund von Andreas, hoffentlich spricht er mich nicht an. Weiß er schon was? Und Rudi? Ruth hatte mich am Montag angerufen: „Sonst alles in Ordnung bei Dir, außer deinem Fuß?“ „Ja, alles o.k.“, ich kann und will nicht reden.

Feiertag: ich rufe meinen Sohn Danny an und berichte. Er ist sehr einfühlsam, lädt mich nach Köln ein. „Brauchst kein Hotelzimmer und keinen Zug, wir haben Bett und Parkplatz.“ Mensch, tut das gut. Eine Welle der Zuneigung erfüllt mich. „Mama, Du bist doch eine tolle Frau“, muntert er mich auf, als wir nach einer halben Stunde das Gespräch beenden. Samstag kommt Mark, mein jüngster Sohn, dann erzähle ich es ihm auch. 14 Tage vorbei und nur zwei Personen wissen Bescheid.

4. Oktober

Autorenlesung im „Pängel Anton“ in Enniger. Hätte ich den Termin doch gar nicht angenommen!! Es sind gute Freunde, die Andreas und mich vor fast zehn Jahren im Rahmen einer Oldtimer-Veranstaltung zusammen gebracht haben. Ich fahre fünf Minuten vor Beginn der Lesung los. Keine Zeit mehr für ein persönliches Gespräch mit Ingrid und Familie. Gott sei Dank. Sitze danach noch mindestens eine halbe Stunde allein mit dem Autor zusammen. Will mich von Ingrid verabschieden, sehe niemanden und flüchte in mein Auto: geschafft!!! Ab nach Hause und bei einem Glas Wein die letzten 14 Tage Revue passieren lassen. Mein Selbstbewusstsein ist gestiegen. Habe ich es nötig, mich klein machen zu lassen? Die Stiche sitzen tief, mein Vertrauen ist bis in die Grundfeste erschüttert.

5. Oktober

Endlich mal wieder besser geschlafen, zumindest bis 5 Uhr. Mir kommt eine Idee: Tagebuch nach einer Trennung zu schreiben, dieses Mal nicht über meine Ehe mit Wolfgang und das Ende, sondern über die aktuelle Situation. Ich stehe auf, mache mir einen Kaffee und dann sprudelt es auch nur so. Kein Gefühl mehr für Zeit und Raum. Gestern Abend habe ich mir viel von der Seele geschrieben, das hat mir gut getan. Ich hole meinen Block und lese, was ich mir gestern notiert habe: Rückhalt in einer Beziehung ist gerade dann wichtig, wenn es schwierig wird im Job (Firma). Trennung hat Augen geöffnet, dass wir nicht mehr auf Augenhöhe waren. Einsam, zweisam, dreisam und am Ende doch allein, es hat doch auch was für sich, ganz für sich zu sein (hat schon Hermann van Veen gesagt). Statt verletzter Eitelkeit und Selbstmitleid den Blick positiv nach vorn richten.

Autorenlesung - eine Bereicherung, privat und beruflich!! Autor hat mir Mitarbeit beim Sender in Berlin als Regionalkorrespondentin in Aussicht gestellt, ich wachse an meinen Aufgaben. Könnte auch persönliche Referentin bei einem Bundestagsabgeordneten werden (Angebot letzte Woche), aber Politik ist nicht mein Ding, da kann ich mich nicht entwickeln. Aber es bewegt sich was, und das tut mir gut!!

Zweite Seite meiner Aufzeichnungen: Soll (kann) ich noch mit einem Mann zusammen leben, der so unberechenbar ist und mir den Boden unter den Füßen weg zieht? Was mich wirklich verletzt ist die Tatsache, dass Andreas mich in seinen Trennungsprozess nicht eingebunden hat. Seit Juli (so habe ich es gefühlt) hat er sich mit dem Gedanken getragen, mir aber danach immer wieder gezeigt, dass mein Bauchgefühl nicht richtig war. In Bad Neuenahr mit Freunden hat er mich vor fremden Leuten in den höchsten Tönen gelobt und beim Pöttkes- und Töttkenmarkt mit Jörg und Petra schon Urlaubsgedanken für Weihnachten/Neujahr angesprochen. Das tut unendlich weh - dieses „nicht über Probleme sprechen“ und ignorieren und dann verletzen, das kann ich nicht ertragen.

So, genug für heute. Jetzt neuen Kaffee, Zeitung holen, gleich acht Uhr, eine gute Zeit bis zu meinem Termin um 11 Uhr. Schönen Spruch gelesen: „Du lebst Dein Leben, ich lebe mein Leben und den Rest leben wir dann gemeinsam.“

6. Oktober

Ich krabble mich wieder hoch - jeder neue Tag ist eine neue Chance und ich genieße das Leben auf eine neue Art und Weise. Danny ruft jeden Tag an - einfach toll, diesen Rückhalt zu erfahren. Ich bin froh, Gisela an meiner Seite zu haben, sie ist - wie soll ich das beschreiben - immer in Lauerstellung, dass es mir gut geht und kein falsches Wort über Andreas über ihre Lippen kommt.

Innerlich brodelt es bei mir. So viel Vertrauen hat er zerstört. Die Grübelnächte werden kürzer. Antworten finde ich nicht. Fahre gleich mit Gisela und Mark zu meiner Ex-Schwiegermutter, liebevoll „Muma“ genannt. Sie hat Andreas sehr gemocht und wir haben sie oft und gern besucht. Mal gespannt, wie sie reagiert.

7. Oktober

Gestern Abend noch lange nachgedacht und viel geschrieben, so langsam komme ich innerlich zur Ruhe. Lesen hat wieder Priorität und mir einen anderen, aber sehr schönen Sonntagvormittag beschert. Am Nachmittag nach Warendorf gefahren. Mark hat die Nachricht wie beiläufig aufgenommen und erzählt, dass er Andreas in der „Zisterne“ getroffen und mit ihm ein Bier getrunken hat. „Muma“ wird mit ihren über 90 Jahren immer zerstreuter, hat sich aber sehr über die mitgebrachten, alten Fotoalben gefreut.

Gegen Abend schreibt Andreas eine SMS mit Angebot eines Treffens. „Hallo Geli, ich denke wir sollten uns Mitte der Woche treffen und sprechen. Habe gestern Abend Mark mit seiner Truppe getroffen, war lustig.“ Mein Bauchgefühl sagt „Nein“, schreibe ihm zurück: „Hallo Andreas, ich bin noch nicht bereit für ein Treffen, brauche noch Zeit.“ Seine Antwort kommt prompt: „Okay, kein Problem, wollte mich halt gemeldet haben.“

Nach nur 14 Tagen ist niemand in der Lage, eine weitreichende Entscheidung zu treffen, so nicht und so nicht, gleich wie es auch ausgehen wird. Gut dass ich auf mein Bauchgefühl gehört habe, zum jetzigen Zeitpunkt kann ich nicht mit ihm reden. Möchte kein Leben führen mit jemandem, der mich nicht mehr liebt, der sich nicht mehr freut, zu mir zu kommen. Besser eine gute Freundschaft als eine lieblose Liebesbeziehung. Ich merke, wie meine Liebe zu ihm immer mehr dem Verstand weicht. „Das habe ich nicht nötig, mit mir nicht!“ Kann und möchte mit ihm nicht reden. Fühle mich jetzt einfach nur wohl, während ich die Gemütlichkeit meiner kleinen Wohnung genieße und vor dem „Tatort“ meine Gedanken kreisen lasse.

Morgen Power-Tag. Interview mit Unternehmerfamilie will gut vorbereitet werden, freue mich auf die Aufgabe, das wird eine tolle Show. Tagebuch-Schreiben tut mir gut, mir wird so vieles klar, die Nebelwand lichtet sich, vieles wird deutlich und sichtbar: habe viel zu viel für ihn getan, viel zu viel Positives für ihn gewollt, viel zu viel geliebt - und mich ein Stück weit aufgegeben, für meine große Liebe, von der nur noch Bruchstücke geblieben sind. An all dem Richtigen war irgendwann irgendwas zuviel. Ich habe nur ein Leben, wie will ich es führen? Diese Frage beschäftigt mich am meisten. Ich bin noch nicht bereit für ein Gespräch, merke, dass ich gerade einen Prozess durchmache, der bestimmt ist von Aufbruch, von einem Weg zu einem neuen selbst bestimmten Leben. Ich verliere viel, wenn ich mich selbst verliere, das kann und darf nicht sein!!!