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Nachts über einen Gebirgsgrat klettern in den Dolomiten, um einen Sonnenaufgang zu beobachten, ist nichts für ängstliche Naturen. In einer weiteren Erzählung kommt es zum Streit um einen Bergaufstieg. Doch wo gelangt einer der Protagonisten an? Es ist nicht das vorgesehene Kloster, das als Etappenziel gilt. Bei einer Reise zum Ozean in der Obhut Indigener müssen Katarakte, Regenwald und Höhenzüge bezwungen werden. Zugleich erfährt man viel über die Gebräuche und Verhaltensmuster des Häuptlings und seines Stammes. Erlebnisse aus Afrika tauchen auf, aber auch ganz alltägliche Aspekte werden thematisiert. Es gibt überdies Beiträge, in denen fantastische Elemente sich entfalten. In allen Erzählungen und Gedichten wird man auf Freundschaften oder ungewöhnliche Begegnungen stoßen.
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Seitenzahl: 515
Veröffentlichungsjahr: 2023
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Daniela Caixeta Menezes
Enrosadira
Frank Geißler
Das Kloster der verlorenen Worte
Tilmann Krämer
Der Fremde ist nur fremd in der Fremde
Ingrid Peter
Eine Scheidung
Heiners Geschichte
Die Hauptschullehrerin
Die Kärntner Hausdame
Die Krebspatientinnen
Plauderei mit einer Fremden
Nur eine Geste, aber was für ein Geschenk!
Günther Weber
Begegnung
In Afrika
Flamingo
Frank Geißler
Ansteigende Flut
Fatime Páll
Der Liebesbrief, der mein Leben veränderte
Kerstin Vögele
In deinem Camper
Elfi Pauli
Herzschmerz
Paul Busch
Reisemärchen aus dem Niemandsland
Übersetzerin
Erinnerungen-Maskenball
Obliviosa
Marko Ferst
Festliches Band
Haiku
Ich darf nicht denken
Piaski
Herbstlichter
Wege hinüber
Östliches Schicksal
Schaukelpferd
Helle Mondnacht: 60. Breitengrad
Dennis Mattern
Wir Zwei
Wahre Freundschaft
Zurück in die Natur
Christina Lingenhöl
Unendliche Freundschaft
Norbert Gölz
Freundschaft
Nora Fiegenbaum
Der Fremde
Benjamin Möbus
Eine Freundschaft in der Provinz
Friedrich Kieteubl
Mémoire du Château de Hof en Autriche La rencontre dans le jardin baroque
Rosenduft
Der kleine Bär JJ1
Die Auenfee und der Fluss
Charlotte Kunstmann
Du bist mein Wind
Elfi Pauli
Die Begegnung
Peter Schuhmann
Grundton
Begegnung
Initial
Lesley Wieland
Kodak Gold
Friedchen
Gisela Letzel
Unsterbliche Liebe
Carmen Gauger
Hallo, Marie!
Getroffen
Eva
Charlotte Kunstmann
Torre del Mar
Im gläsernen Wartesaal
Raupen im Kopf
Luisa Johannson
Ein wunderbares Schicksal
Heinrich Dörflinger
Marias Fürsorge
Elsbeth
Sonnige Tage, stürmische Tage
Samantha Seyerlein
Die Festung
Nicolette Bohn
Johannes
Werner Hetzschold
Immer kleiner wird die Welt
Deborah Rosen
Es muss nicht immer Hoffnung sein!
Merle Sternwender
So tanzt man heute Walzer in Berlin!
Norbert Gölz
Samopa oder die Kurzgeschichte eines Mannes, der es versuchte
Alexander Henning Smolian
Fast eine Prosaskizze
Cleo A. Wiertz
Irrlicht
Andrea Hallmann
Der Schmetterling
Lesley Wieland
Die Leihgabe
Angela Hilde Timm
Es stand
An meine liebe Familie
Bunter, bunter Fresienstrauß
Seelen-Blick
Verantwortung ist der wahren Freundschaft Kind
JESUS, ich danke dir
Antje Dreist
Plattenbau in Mecklenburg
Mein Viertel in Neubrandenburg
Begegnungen auf dem Berg in einer Stadt im Norden
Eh, du
Mein Kind
Mix
Freundschaft
Alesha-Céline Heldt
Nun sitz ich hier
Melina Ihle
Höhen und Tiefen
Peter Hort
Der Gefangene
Max Stirner (Liebe)
Der einsame Sophist
Kino
Max und Moritz
Telemach bei Mentor
Beate Loraine Bauer
Freundschaftsatemfelder
Freundschaftswelten
Liebe bewegt
Love me forever
Deinem Atem lauschen
Freundschaftsecht
Freundschaftsblüten
Freundschaftsgezeitenufer
Freundschaftszeitfenster
Freundschaftsdank
Ingrid Münsch
Im Allgäu zeigt Frau Männer nicht an.
Eine Familiengeschichte
Peter Hort
Der Anfänger
Maxie Grabo
Sozialismus oder Tod! Eine Satire
Joshua Poschinski
Lern die Zukunft nicht auswendig oder Tamim M. E.
Alesha-Céline Heldt
Es tut weh
Autorinnen und Autoren stellen vor
„Menschen zu finden, die mit uns fühlen und empfinden, ist wohl das schönste Glück auf Erden.“
Carl Spitteler
Ihre Beine zitterten so stark, dass Lissi Sorge hatte, sie könnte jeden Moment umkippen. Sie fühlte sich wie ein frisch geborenes Lämmchen, das unbeholfen über die ihm noch unbekannte Wiese stakste, unfähig, auch nur dem Hauch eines Windstoßes standhalten zu können. Überall am Körper lief ihr der Schweiß herunter, während es sie gleichzeitig so fröstelte, dass sie ein unbändiges Verlangen verspürte, eine weitere Lage überzuziehen.
Lissi versuchte, sich selbst zu beruhigen, indem sie sich gut zuredete. Jetzt bloß nicht die Nerven verlieren, ermahnte sie sich, es wird schon alles gut gehen. Aber was sie auch tat: Ihre Angst vor dem immer schmaler werdenden Pfad, der sich direkt vor ihr in einen veritablen Grat verwandelte, übermannte, ja lähmte sie.
Außer dem schwachen Schein ihrer Stirnlampe umgab sie nichts als Dunkelheit. Dadurch wurde Lissi schmerzhaft an den Wetterbericht erinnert, der zwar einen herrlichen Tag, aber eine ungewöhnlich schwarze, mond- und sternenlose Nacht vorhergesagt hatte. Panik stieg in ihr auf. War sie vielleicht irgendwo falsch abgebogen? Weit und breit war keine Menschenseele zu sehen.
In ihre Angst mischte sich jetzt auch ein Gefühl von Ärger, sie ärgerte sich über die Beschaffenheit des Weges und über die Frau vom Tourismusbüro, die nicht vehementer auf einen lokalen Bergführer insistiert hatte. Nicht, dass Lissi sich dem Grat nicht gewappnet fühlte, zumindest nicht in der Theorie. Schließlich wusste sie, dass sie eine exzellente Wanderin war und schon ganz andere Dinge gemeistert hatte. Aber die ersten Kilometer waren deutlich anstrengender gewesen als gedacht, da Lissi immer nur ein paar Meter hatte vorausschauen können, von Dämmerung weit und breit keine Spur. Unter diesen Umständen fühlte sie sich zweifelsohne berechtigt, sich nicht ganz wohl mit der ganzen Sache fühlen zu dürfen. Die Kamera mit dem großen Teleobjektiv hing ihr wie Blei um den Hals, aber sie brachte es auch nicht über sich, die Ausrüstung in ihrem Rucksack zu verstauen; um keinen Preis wollte sie den magischen Moment verpassen, in dem sich das erste Tageslicht ankündigen und langsam hinter den Bergen hervorlugen würde.
Lissi atmete mehrere Male tief ein und wieder aus, und die Luft schien auf einmal weniger erfrischend, sondern hatte im Gegenteil etwas Rauchiges an sich.
“Mammamia, jetzt spielt dir also deine Wahrnehmung auch noch einen Streich”, sagte sie zu sich selbst und nahm einen Schluck aus ihrer Wasserflasche, in der Hoffnung, den unangenehmen Geruch damit wegspülen zu können.
Das kühle Nass in ihrer Kehle gab ihr neuen Auftrieb und ließ sie wieder deutlicher das Rauschen des Windes in den Blättern vernehmen. Während sie das Zittern in ihren Beinen zu ignorieren versuchte und tapfer weiterlief, ertastete sie an der Felswand links neben sich ein Seil, an dem sie sich jetzt festhielt.
“Pole pole”, sprach Lissi sich selbst leise flüsternd Mut zu und musste an die Doku aus dem Kilimanjaro-Gebiet denken, die sie kürzlich gesehen hatte. Immer langsam, Schritt für Schritt, das waren die Lieblingsworte des tansanischen Bergführers gewesen.
“Wie gut, dass ich gerade nur in den Alpen und nicht auf einem 6000er bin, im Vergleich dazu ist das hier ein Klacks”, murmelte Lissi – und ihre Autosuggestion funktionierte: Die nächsten Meter flog sie nahezu über den Grat, bis sie im Licht ihrer Stirnlampe bereits sein Ende erspähen konnte.
Dort angekommen, setzte Lissi ihren Rucksack ab und lehnte sich an einen markanten, großen Felsen.
“Was hat die Tourismusfrau am Telefon nochmal gesagt, wie lange ist die Wanderung? Eine Kirche soll dort oben sein, genau wie eine alte urige Almhütte, in der ich frühstücken könne, um mich für den Abstieg zu stärken. Oder ist die Hütte tiefer im Tal und nur das Ziel der Wanderung?”
Lissis Erinnerungen an das Gespräch verschwammen und sie ärgerte sich erneut über sich selbst, dass sie – vollkommen begeistert von der Idee, die Sonne hoch oben in den Bergen aufgehen zu sehen – nicht genauer zugehört hatte.
Nicht mal ein trockenes Brötchen hatte sie eingesteckt, dabei knurrte ihr Magen bereits, als würde sich ein ganzes Orchester darin tummeln. Wasser hatte sie, ja, und in ihrer taschenreichen Hose konnte sie auch einen Müsliriegel ertasten. Weit würde sie damit jedoch nicht kommen.
“Wo bin ich hier überhaupt? Bestimmt habe ich mich längst meilenweit von der Zivilisation entfernt, das scheint mir nach der langen und beschwerlichen Autofahrt gar nicht so abwegig zu sein, und nun bin ich hier alleine an einem Grat ohne Zeichen anderer menschlicher Lebewesen. Noch dazu ohne Handy, denn das habe ich ja, vernebelt von der romantischen Vorstellung, während des Sonnenaufgangs ganz bei mir zu sein, natürlich im Tal gelassen”, rief Lissi in die dunkle Nacht hinein. Es beruhigte sie, mit sich selbst zu sprechen und sich damit von der Lage, in der sie sich befand, abzulenken.
“Und die Wanderkarte liegt genauso nutzlos auf dem Beifahrersitz. Herzlichen Glückwunsch, ich bin also mutterseelenallein und von der Außenwelt abgeschnitten. Das Einzige, was ich tun kann, ist, darauf zu warten, dass diese vermaledeite Sonne endlich aufgeht!”
Lissi spürte, wie ihre Augen wässrig wurden. Erschöpft stieß sie einen lauten Schluchzer aus. Was für eine verrückte Idee, mitten in der Nacht aufzustehen, nur um sich dann alleine an einem schmalen Grat wiederzufinden!
Die Minuten verstrichen, ohne dass Lissi sich regte. Angestrengt versuchte sie, einen klaren Gedanken zu fassen, aber alles, was sie wahrnehmen konnte, waren ihre schlaffen Gliedmaßen.
Da vernahm sie plötzlich ein leises Flüstern ganz ihrer Nähe: “Na na, wer wird denn da verzagen.”
Lissi erschrak.
“Was ist bloß mit mir los? Jetzt höre ich auch noch Stimmen!”, schrie sie jetzt beinahe und sprang auf.
Augenblicklich war ihre Müdigkeit wie verflogen, sie spürte Panik in sich aufwallen. Mit ihrer Stirnlampe strahlte sie die Baumkronen um sich herum an, die sanft im Wind wogten, unbeeindruckt von Lissi oder irgendeinem anderen Lebewesen. Der Anblick stimmte Lissi halbwegs milde.
“Immerhin ist es eine freundliche innere Stimme …”, konstatierte Lissi nach einer Weile und setzte sich wieder. “Recht hat sie: Schluss mit diesem apokalyptischen Trübsalblasen!”
Lissi streckte beide Arme aus und rollte dabei ihren Kopf kreisförmig. Die Bewegung tat ihrem Körper gut.
Dann hörte sie es ein zweites Mal, jetzt etwas lauter, näher.
“Na na, wer wird denn da verzagen.”
Verdutzt hielt Lissi den Atem an und ließ die Arme wieder neben den Körper fallen. Sie regte sich nicht und blieb mucksmäuschenstill. Ihr Herz klopfte jetzt wild in ihrer Brust. Hätte jemand in diesem Moment ihren Puls gemessen, so wäre das Erstaunen darüber groß gewesen. Ein Pulsschlag wie nach einem Marathon und das im Ruhezustand. Aber Lissi war viel zu angespannt, um etwas anderes als dieses pochende Klopfen wahrzunehmen. Tatam-tatam-tatam.
Nachdem etwa eine halbe Minute verstrichen war, sprach die Stimme erneut zu ihr, dreimal, viermal, glasklar, so als würde sie nicht hinter ihrer Stirn herumspuken, sondern stände direkt neben ihr. Das brachte Lissi vollends aus dem Konzept. In ihrem Kopf schwirrte es. Sie schloss die Augen und als sie sie wieder öffnete, war die Stimme wieder da und dann ging alles ganz schnell.
Im Lichtkegel direkt vor Lissis Augen tanzten kleinste Staubkörner, die vom Wind aufgewirbelt worden waren, aber dahinter hatte noch etwas anderes Lissis Aufmerksamkeit erregt. Etwas, das sich langsam bewegte, zunächst nur schemenhaft, bis die Konturen schärfer wurden. Es konnte jetzt bloß noch fünf, sechs Meter von ihr entfernt sein, aber Lissi saß einfach nur da, die Kinnlade drohte, ihr auf die Füße zu fallen, was sie aber gar nicht registrierte, weil sie nur Augen und Ohren und ein laut pochendes Herz für dieses Wesen hatte. Die Sekunden verstrichen, oder waren bereits Minuten vergangen? Sie hatte jedes Zeitgefühl verloren, ebenso die Fähigkeit, klar zu denken oder zumindest Fluchtinstinkte wahrzunehmen. Stattdessen kauerte sie an den großen Fels gelehnt, spürte seine Kälte, die durch ihre Klamotten drang und sich auf ihre Haut legte wie ein klammes Tuch. Lissi hielt den Kopf still, um mit der Stirnlampe weiterhin dieselbe Stelle auszuleuchten, und tatsächlich: die Konturen fügten sich zusammen, wie bei einem Mosaik, nachdem die letzten Steinchen eingesetzt wurden, zum Vorschein kamen wie aus dem Nichts eine große dunkle Kapuze mit einer langen mantelähnlichen Jacke und einem dicken Wollschal, der in mehreren Schlaufen um den Hals geschlungen worden war, denn es handelte sich um einen menschlichen Hals, der da in ihrem Lichtkegel stand, zweifellos, und im nächsten Moment ließen sich auch erste Gesichtszüge erkennen. Zu diesem Zeitpunkt trennten Lissi nur noch etwa vier, fünf Meter von ihrem Gegenüber und ihre Halogenlampe warf ein starkes gleißendes Licht, das lediglich an den Rändern an Intensität abnahm und ausfranste. Ebendieses starke Licht war es dann auch, was die Stimme erneut ertönen ließ: “Na na, mit dieser Lampe schrecken Sie noch den ganzen Wald auf.”
Es war eine Frau, so viel stand fest, und sie klang sehr freudig, so als könnte sie jederzeit loslachen. Sofort fiel die Anspannung von Lissi ab, obwohl die Unbekannte jetzt einen Schritt zur Seite machte und damit wieder in der Dunkelheit verschwand, in der sie rational betrachtet ja durchaus eine potenzielle Gefahr darstellte. Eilig schaltete Lissi ihre Stirnlampe aus.
“Aber w-w-was machen Sie denn hier, allein im Dunkeln?”, wollte Lissi wissen und fand, dass sie ganz anders klang als gewöhnlich. Mit der rechten Hand nestelte sie an ihrer Lampe herum und suchte nach dem kleinen Rädchen, mit dem sie die Scheinwerferform justieren konnte. Die Frau stieß einen kurzen, aber herzlichen Lacher aus. Sie schien also in der Tat ein freudiger Mensch zu sein, befand Lissi und freute sich ihrerseits, sich offenbar wenigstens auf diesen Teil ihrer Wahrnehmungsrezeptoren noch verlassen zu können.
“Das muss ich wohl eher Sie fragen, denn Sie sind ganz offensichtlich nicht von hier.”
Erst jetzt fiel Lissi auf, dass die Frau im traditionellen Dialekt der Region sprach, wohlklingend und melodisch. Sie stellte sich vor, wie sie zusammen in der gemütlichen Stube sitzen, eingehüllt in weiche Decken, vor sich warmen Bergkräutertee. Augenblicklich erfasste Lissi eine große Sehnsucht nach der unbekannten Hütte, in der sie bald eigentlich zum Frühstücken hätte einkehren sollen. Mit einem Mal fühlten sich ihre Beine schwer und aufgedunsen an. Sie würde es nie zu dieser Hütte schaffen, dachte sie resigniert. Die Frauenstimme neben ihr räusperte sich. Offenbar war Lissi so sehr in ihren Gedanken abgedriftet, dass bereits etliche Minuten vergangen sein mussten.
“Schauen Sie, die Berge, die haben ihr ganz eigenes Wesen. Ein zutiefst unergründliches, selbst wenn die Menschen immer häufiger meinen, alles über sie zu wissen”, fuhr die Frau fort. Lissi konnte schlecht das Alter ihrer Nachtbekanntschaft schätzen, dafür hatte sie ihr Gesicht nicht richtig erkennen können, und die Stimme allein gab ihr nicht genügend Anhaltspunkte. Es dauerte noch länger, bis das Gesagte zu ihr durchdrang, Wörter in Zeitlupe, die Lissi behutsam in ihrem Kopf balancierte, ohne etwas Sinnvolles entgegnen zu können. Die Frau hingegen schien gar keine Antwort zu erwarten. Ruhig und abermals in größter Fröhlichkeit sprach sie weiter: “Zu jeder frühen Morgenstund schaue ich empor zu den steinernen Riesen im Reiche Laurins, wie sie im roten Glanz erstrahlen, und dabei mir wird warm ums Herz. Was für ein wunderbarer Fluch, der so etwas Herrliches entstehen lässt, nicht wahr?!”
Den letzten Halbsatz kicherte sie mehr, als ihn zu sprechen. Sie klang wie ein junges Mädchen, das seine Großeltern beim Menschärgeredichnicht schlägt und es selbst kaum glauben kann.
Lissi verschlug es augenblicklich die Sprache.
“Was haben Sie da eben gesagt?”, stammelte sie, als sie sich wieder etwas sortiert hatte.
“Ich habe gesagt, wie sehr ich die Enrosadira liebe”, trällerte die Frau nun munter.
“Aber das ist doch unmöglich! Wie können Sie denn wissen, weshalb ich hier bin?”, schaffte Lissi nach kurzer Pause zu entgegnen und biss sich nervös auf die Unterlippe. Sie bemühte sich krampfhaft, sich auf das Gespräch mit dieser fremden Frau einzulassen, aber es herrschte nichts als Leere in ihrem Kopf. Sie fühlte sich außerstande, eine Konversation am Laufen zu halten.
“Na na, glauben Sie, Sie sind die Erste, die sich voller Kühnheit in die Berge hier begibt und verläuft?”, lachte die Frau und klang dabei noch immer freundlich.
Lissi fühlte sich ertappt. Auch sie hatte sich von der erhofften Enrosadira blenden lassen und konnte womöglich froh sein, nicht an dem hinter ihr liegenden Grat abgestürzt zu sein. Im nächsten Moment aber schienen ihre Sinne zurückzukehren und mit ihnen auch die Erinnerung daran, was Lissi eigentlich hergeführt hatte. Sie war beileibe keine beliebige Touristin, selbst wenn sie sich zugegebenermaßen wie eine Amateuerwanderin angestellt hatte an diesem Morgen; aber ihre Expertise für die Region und ihre Mythen konnte ihr niemand streitig machen.
“Aber ich habe einen guten Grund, hier zu sein”, protestierte Lissi deshalb, wobei sie die Nase rümpfte, was aber natürlich in der Dunkelheit seine Wirkung verfehlte.
“Hier am Grat meinen Sie?”, konterte die Stimme schlagfertig, wieder kichernd.
Lissi stellte sich vor, bei der fremden Frau und deren Großeltern mit am Tisch zu sitzen und Partie um Partie zu verlieren. Plötzlich kam sie sich äußerst kindisch vor, wie sie im Dunkeln am Fels kauerte und immer noch die Nase rümpfte. Im Grunde zerbarst Lissi beinahe vor Neugierde, wie es dazu kommen konnte, dass diese kautzige Frau aus dem Nichts von König Laurin zu erzählen begonnen hatte, ausgerechnet! Sie beschloss, ihr Schmollen zu unterbrechen und stattdessen konstruktiv vorzugehen: “Ich meine hier im Rosengarten, zu dieser besonderen Uhrzeit. Ich bin nämlich Wissenschaftlerin, müssen Sie wissen. Ich erforsche Mythen aus den Alpen, und dazu zählt eben auch die von König Laurin und seiner Enrosadira.” Ihrer kleinen Selbstbeweihräucherungsrede haftete noch immer viel Hochnäsigkeit an. Fehlt nur noch, dass ich dieser dunklen Gestalt meinen Uniausweis vor die Nase halte, dachte Lissi entnervt von sich selbst.
“Und deshalb”, setzte Lissi mit demonstrativ versöhnlicher Stimme fort – wohl auch, um in der Gunst der Einheimischen wieder zu steigen und das schlechte Image der törichten Touristin abzuschütteln – “frage ich mich, wie es sein kann, dass Sie aufs Geratewohl auf Laurin und meinen Rosengarten-Mythos zu sprechen kommen!”
“Ihr Rosengarten-Mythos, so so”, neckte die Stimme sie. “Na dann erzählen Sie doch mal, was Sie alles erforscht haben.”
Erstaunt schaute Lissi in die Dunkelheit neben sich, wo sie die Frau vermutete. War es plötzlich wieder dunkler geworden? Eben hatte sie doch zumindest noch die Umrisse des langen Mantels erkennen können, dachte sie, wurde aber in ihren Gedanken unterbrochen, als die Frau fortfuhr: “Ich wette nämlich, dass Sie die alles entscheidende Erkenntnis noch nicht erlangt haben!”.
Das konnte Lissi nicht auf sich sitzen lassen:
“Was wollen Sie damit sagen? Wie können Sie es wagen, meine Arbeit derart zu diffamieren, ohne sie überhaupt zu kennen!”
Die Frau forderte ohne Frage Lissis Kampfgeist heraus. Auf ihre Forscherinnenehre würde sie nichts kommen lassen, beschloss Lissi. Gleichzeitig begann es in ihrem Kopf zu rattern. Worauf wollte die Frau hinaus, was hatte Lissi übersehen?
“Na na, wer wird denn hier gleich so zornig werden. Nun sagen Sie doch, was Sie wissen und vielleicht habe ich dem ja noch etwas hinzuzufügen”, entgegnete die Stimme aus dem Dunkeln gelassen.
Lissi dachte angestrengt nach. Führte die Frau sie an der Nase herum? Und überhaupt, das Ganze schien Lissi plötzlich überaus absurd. Sie, eine erwachsene Frau, die sich während einer Sonnenaufgangswanderung verirrt und dann im Stockfinsteren auf eine wundersame Person trifft, die sie auffordert, über ihre wissenschaftliche Arbeit zu sprechen. Lissi schüttelte ungläubig den Kopf.
Der Frau schien Lissis Hadern nicht entgangen zu sein, denn sie begann unvermittelt zu lachen: “Na na, warum denn so argwöhnisch? Ich möchte wirklich gern wissen, was Sie alles herausgefunden haben!”, ermunterte sie Lissi.
“Okay, gut, wie Sie meinen!”, rief Lissi etwas zu laut und theatralisch. Lissi fühlte sich wie die Protagonistin in einem Film, der ihr auf den Leib geschneidert schien und in dem jede einzelne Sequenz minutiös choreografiert worden war. Nur kannte sie ihre genaue Rolle dabei nicht, wusste nicht, was als nächstes von ihr erwartet wurde.
“Lange vor unserer Zeit gab es hier einen König, König Laurin”, begann sie und musste den Impuls unterdrücken, nicht über sich selbst zu lachen. Obwohl sie die Frau nicht sehen konnte, wusste Lissi, dass sie lächelte. Also fuhr sie fort und hoffte, möglichst unbekümmert zu wirken dabei: “Laurins ganzer Stolz galt seinem schönen Rosengarten. Aber er war nicht zufrieden, denn was ihm fehlte, war eine Gemahlin.”
“So ist es”, pflichtete die unbekannte Frau ihr bei, was Lissi noch mehr das Gefühl gab, auf einer Bühne zu stehen. Aber es würde Lissi nicht aus dem Konzept bringen, sie kannte den Mythos aus dem Effeff. Und sie konnte nicht verhehlen, wie sehr sie ihn doch mochte.
“Als der König eines anderen Landes einen Ehemann für seine Tochter suchte und einen Ritterwettkampf zu ihren Ehren veranstaltete, wollte Laurin daran teilnehmen. Aber er erhielt keine Einladung, was ihn erboste. Er beschloss, trotzdem hinzugehen – als unsichtbarer Gast, mithilfe einer Tarnkappe.”
Hier hielt sie kurz inne, eine absichtliche Kunstpause. Lissi fragte sich, ob die Unbekannte sie für eine gute Erzählerin hielt. Seit sie denken konnte, hatte sie es geliebt, Geschichten zum Besten zu geben, echte oder erfundene, auf Familienfesten wie in der Schule. Es beflügelte sie, tief in die Narration einzutauchen und Charaktere zum Leben zu erwecken. Vermutlich hatte sie sich dann auch deshalb für ihre Doktorarbeit entschieden; es war förmlich zu ihr gekommen, hatte sie gefunden und in den ersten Jahren an den Schreibtisch gefesselt, so sehr war Lissi eins geworden mit den Mythen, die sie erforschte. Bis sie irgendwann an einen Punkt gelangt war, an dem sie nicht weiter gewusst hatte und ihre Leidenschaft von einem auf den anderen Tag verschwunden schien. Aber jetzt spürte sie sie plötzlich wieder, die Begeisterung für Laurins Rosengarten und all die anderen fabelhaften Bergsagen.
“Und was ist dann passiert?”, durchkreuzte die Stimme Lissis gedankliches Abdriften, das unbeabsichtigt auf die Kunstpause gefolgt war.
“Aber Sie wissen es doch genauso gut wie ich”, rief Lissi in die Nacht, besann sich dann aber wieder auf die getroffene Vereinbarung und setzte ihre Erzählung fort: “Als Laurin die Königstochter sah, war es um ihn geschehen. Er verliebte sich sofort in sie und entführte sie kurzerhand. Natürlich schickte ihr Vater unverzüglich ein Ritterheer los, um seine Tochter zurückzuholen. Als sie im Rosengarten eintrafen, setzte Laurin abermals seine Tarnkappe auf. Mit den Rittern konnte er es unmöglich aufnehmen. Doch an den Bewegungen der Rosen, die Laurin mit seinem Umherrennen auslöste, erkannten die Ritter, wo Laurin sich befand. So gelang es ihnen schließlich, ihn gefangenzunehmen.”
Lissi war in Stimmung gekommen, ihre Nacherzählung hatte deutlich an Fahrt aufgenommen. Unweigerlich fühlte sie sich wieder in die Zeit ihrer Kindheit versetzt, sah ihre Eltern vor sich, wie sie anerkennend mit der Zunge schnalzten, ihre Klassenkameraden, die bei jeder Pointe laut klatschten.
“Laurin fühlte sich von seinem Rosengarten verraten und verfluchte ihn schließlich: Kein Mensch sollte ihn je wieder zu Gesicht bekommen, weder bei Tag noch bei Nacht.”
Lissi hörte die Frau wieder kichern und nahm das als weiteres Zeichen der Ermutigung, genauso lebhaft weiter zu erzählen: “Allerdings hatte Laurin eine Sache in seinem Fluch vergessen: die Dämmerung! Deshalb kann König Laurins Rosengarten bei Sonnenaufgang und -untergang immer wieder neu erblühen – in Gestalt des Alpenglühens.”
“Enrosadira!”, entfuhr es der Frau. Nun war Lissi diejenige, die lachte. Aller Unmut war mit einem Mal verflogen. Sogleich überkam sie große Lust, die unbekannte Frau unterzuhaken und diesen mystischen Rosengarten zu durchwandern. Aber das konnte sie keinesfalls zugeben, denn das hieße ja gewissermaßen, dass sie dieser kauzigen Frau und ihrem Treiben einen Persilschein ausstellen würde. Nein, sie würde sie nicht noch ermutigen, entschied Lissi. Nicht bevor sich das Ganze nicht aufgeklärt hatte.
“Was aber wollen Sie noch hören? Ich kann Ihnen ja schlecht drei Jahre Forschung runterrasseln hier! Was also ist es, was Sie glauben, was ich noch nicht weiß?”, erkundigte sich Lissi, versucht, dabei betont sachlich zu wirken.
“Na na, da haben Sie wohl recht, das geht natürlich nicht”, pflichtete die Frau Lissi bei. “Aber verraten Sie mir nur eins: Was ist mit Similde, denken Sie manchmal an sie?”
Lissi verstand die Frage nicht.
“Die Prinzessin, meinen Sie? Die, die Laurin entführt?”
“Genau die, denken Sie an sie?”
“Wie meinen Sie das: an sie denken?”
“Na wenn Sie da so forschen, spukt Similde Ihnen dabei im Kopf herum?”
Lissi fühlte sich überrumpelt. Etwas ungehalten antwortete sie: “Also so würde ich das nicht bezeichnen, mir spukt da niemand im Kopf rum, sondern ich beschäftige mich wissenschaftlich mit dem Mythos, zu dem auch Similde gehört, ja.” Sie hielt kurz inne, bis ihr einfiel, womit sie ihr Gegenüber womöglich entwaffnen könnte:
“Similde, aus dem Mittelhochdeutschen abgeleitet von sige und milte: Sieg und Liebe bzw. Gnade. Die, die in Gnade siegt, manchmal auch Denn das Gute siegt immer, je nach Interpretationskontext”, dozierte sie.
Entgegen Lissis Erwartungen fing die Frau laut an zu lachen. Sie wirkte keineswegs entwaffnet.
“Wie ich sehe, haben Sie Ihre Hausaufgaben gemacht”, sagte sie schließlich anerkennend.
“Ich freue mich, dass Sie Similde nicht vergessen haben, auch wenn Sie nicht verneinen können, dass Laurin derjenige ist, der all die Lorbeeren erhält. Dabei gäbe es ohne Similde unsere Enrosadira gar nicht.”
Lissi dachte einen Moment nach und musste zugeben, dass die Frau recht hatte: In keiner ihr bekannten Version der Sage wurde Similde eine größere Aufmerksamkeit zuteil. Stets war sie lediglich die Tochter des Widersachers, gegen ihren Willen aus seinen Händen gerissen. Ein zutiefst passiver Charakter, ein Objekt nahezu.
Als könnte sie Lissis Gedanken erraten, fügte die Unbekannte hinzu: “Similde ist eine starke und mutige Frau, aber leider sehen zu wenige das in ihr. Immer ist sie nur die gütige Similde, nur weil sie diesen ihren Namen trägt.”
“Das ist ein interessanter Gesichtspunkt”, sagte Lissi und ihre Stimme nahm wieder den Ton aus dem Hörsaal an.
“Aber das ist eben Teil des überlieferten Mythos. Laurin, der König an der Etsch und die Prinzessin Similde: Das sind nun mal die Protagonisten in dieser Sagenerzählung!”, ereiferte sich Lissi. Die Antwort der Frau ließ nicht lange auf sich warten: “Aber aber, nun tun Sie dem König und seiner Tochter aber großes Unrecht.”
“Wieso denn, was meinen Sie damit? Nun hören Sie schon auf, in Rätseln zu reden!”
Aber die fremde Frau ignorierte Lissis barschen Kommentar und ließ sich nicht beirren. Freundlich und besonnen sprach sie weiter: “Erinnern Sie sich, was ich ganz zu Anfang gesagt habe? Dass die Menschen glauben, alles über die Berge zu wissen?” Lissi weigerte sich, der Frau auf diese offensichtlich rhetorische Frage eine Antwort zu geben. Also schwieg sie, bis die Frau weitersprach: “Sie können sie vermessen, so viel sie wollen, können Wegweiser aufstellen und Hütten bauen, in denen Wanderer und Skifahrer nächtigen können; sie können untersuchen, wie das Wetter und ihr eigenes Verhalten den Bergen zusetzt. Aber manches lässt sich eben nicht berechnen, da kommen Sie mit Ihrer Forschung nicht weiter.”
“Zum Beispiel?”, rief Lissi aufmüpfig. Aber sie gab der Frau keine Gelegenheit, zu antworten, Lissis Geduld war am Ende: “Verzeihen Sie, ich möchte nicht unhöflich wirken, aber diese Begegnung hier kommt mir doch überaus merkwürdig, ja beinahe surreal vor! Wissen Sie, ich habe mich an meinem vorletzten Urlaubstag mitten in der Nacht aus dem Bett gekämpft und mich dann die niemals enden wollende Bergstraße hoch geschlängelt, wobei ich das Lenkrad fest umklammert und meinen Sitz ganz nach vorn geschoben habe, sodass mein linkes Knie bereits das Armaturenbrett berührt hat. Trotz Schmerzen in den Fingern und im Bein habe ich mich nämlich auch nicht getraut, etwas an meiner Position zu verändern, um bloß nicht die Kontrolle über mein viel zu kleines Auto zu verlieren, das sich als absolut ungeeignet für diese abenteuerliche Serpentinenfahrt auf lauter Schotter- und Forstwegen hier hinauf erwiesen hat. Und wofür das alles?”
Lissi war zur Höchstform aufgelaufen und redete sich immer mehr in Rage, die in erster Linie ihr selbst galt.
“Ja, wofür nur? Ich verrate es Ihnen: Um endlich die Enrosadira vom Nahen zu sehen, deren Entstehungsmythos ich nun schon seit Monaten studiere; um mittendrin zu sein, wenn die Natur im Rosengarten erwacht, wie sie es sonst nirgends tut; um demütig unterhalb der erhabenen Dolomiten-Gipfel zu stehen und den Blick in die unendliche Ferne schweifen zu lassen. Dann wollte ich ein Foto machen, nur eins, ein gutes, bevor ich diese elendig schwere Kamera wieder einpacken und stattdessen meine Augen als Linse und meinen Kopf als Speichermedium benutzen wollte.”
Lissi schloss die Augen und spürte, dass sie wehmütig wurde.
“Die Farben, die Geräusche und Gerüche: Ich habe mir ausgemalt, wie sich alles in mein Gedächtnis einbrennen würde – und mir für diese vermaledeite Abschlussarbeit und alles, was danach kommen sollte, neuen Schwung verleihen sollte. Denn so sehr ich mich anfangs auch für die Kulturgeschichte europäischer Sagen begeistert habe und die Wahl aufgrund meiner Liebe zu allem Gebirgigen schnell auf mythische Geschichten aus der Alpenregion gefallen ist: Die Aneignung der theoretischen Grundlagen hat viel Zeit und Mühe gekostet. Und mittlerweile bin ich mir nicht mehr sicher, was mich eigentlich an dem Thema je so fasziniert hat. Im Grunde will ich einfach nur noch fertig werden! Nur was kommt danach? Ich kann doch nicht einfach das Handtuch schmeißen, jetzt, wo ich doch so viel Zeit und Energie da reingesteckt habe!”
Lissi stockte und schüttelte ungläubig den Kopf. Die Frau neben ihr rührte sich nicht, zumindest nicht soweit Lissi das beurteilen konnte.
“Bestimmt halten Sie mich jetzt für vollkommen verrückt!”, fuhr sie fort. “Wie ich hier sitze und Ihnen mein Leid klage. Dabei wissen Sie ja noch gar nicht, was das Allerverrückteste an der ganzen Sache ist! Ha, aber auch diesen Teil werde ich Ihnen auf dem Goldtablett servieren, wo ich schon mal dabei bin, hier vor einer mir vollkommen fremden Person blank zu ziehen. Und ich wette, dieser zweite Akt wird Ihnen besonders gefallen, denn er handelt von der menschlichen Hybris. Vielleicht steckt im Grunde ja doch mehr von Laurin in mir, als mir lieb ist. Laurin, der sich selbst überschätzt und schließlich alles verliert, während andere diese wunderschöne Morgenröte dazu gewinnen. Das könnte im Prinzip auch die Überschrift zu meinem Leben sein”, sagte Lissi lakonisch.
Noch immer war es vollkommen still neben ihr. Kein Atmen, keine Bewegungen, selbst der Wald schien wie gebannt zuzuhören. Die Wörter purzelten förmlich aus Lissis Mund, ohne dass sie sich selbst hätte stoppen können. Ihr war, als würde eine innere Kraft sie treiben, der sie hilflos ausgeliefert war.
“Als ich von der Sonnenaufgangstour erfahren habe, die mich just an den Ort meiner Forschung führen würde, bin ich förmlich ekstatisch gewesen, verstehen Sie? Mein ganzer Körper hat wohlig gekribbelt und es sind keine zehn Minuten verstrichen, bis ich die nötigen Informationen zusammen gehabt habe. Aber anstatt mich für die geführte Tour anzumelden, beschloss ich kurzerhand, auf eigene Faust loszuziehen. Schließlich sei das sozusagen eine wissenschaftliche Unternehmung, die höchste Konzentration erfordere, wie ich der freundlichen Mitarbeiterin der Tourismusstelle verkündet habe. Und nun schauen Sie mich an, wie weit ich mit dieser Attitüde gekommen bin?! Ich wäre in der schwärzesten Nacht des Jahres beinahe an einem Grat abgestürzt und unterhalte mich mit einer Person, die ich noch nicht mal sehen kann! Wenn das keine Hybris ist, dann weiß ich’s auch nicht.”
Die Stille, die sie umgab, nachdem sie zu reden aufgehört hatte, ließ Lissis Ärger weiter anschwellen.
“Wer sind Sie denn bloß? Nun zeigen Sie sich doch mal!”, echauffierte sie sich.
Am liebsten hätte Lissi der Unbekannten direkt ins Gesicht geleuchtet, besann sich dann aber eines Besseren und ließ ihre Stirnlampe ausgeschaltet. Hatte sie nicht verkündet, nicht unhöflich sein zu wollen?
Sollte die Frau Lissis kurzes Zaudern bemerkt haben, so ließ sie sich nichts anmerken. Da war es wieder, das fröhliche Kichern.
“Wissen Sie”, setzte sie schließlich an, und Lissi freute sich regelrecht, ihre Stimme zu hören. Schlagartig war ihr Ärger passé und machte Platz für ein Gefühl der Erleichterung darüber, dass ihr Monolog endlich ein Ende hatte.
“Die Frage ist nicht, ob Laurin in uns steckt. Denn das tut er ganz bestimmt, in Ihnen, in mir, in uns allen. Viel wichtiger aber ist, was wir mit dieser Erkenntnis tun. Und davon verstehen Sie als Wissenschaftlerin doch was, von Erkenntnisgewinn, nicht wahr?”
Ohne Luft zu holen, geschweige denn Lissi Zeit für eine Replik zu geben, sprach die Frau in ihrer ruhigen Stimme weiter: “Bald wird die Sonne aufgehen, wenn Sie ganz genau hinschauen, können Sie dahinten am Horizont bereits ihre ersten zaghaften Versuche, sich über das Tal und die Berge zu erheben, erkennen. Folgen Sie diesem Weg bis zu einer Gabelung, die Sie nicht verpassen können, halten Sie sich rechts. Bald darauf windet sich der Weg um einen markanten Felsen herum, hinter dem dann die kleine Kapelle sichtbar wird, die majestätisch über allem thront”, sagte die Frau, ohne auf Lissis Frage einzugehen. “Würden Sie in der Kapelle ein Lichtlein für mich entzünden, wären Sie so lieb?”
“Das mache ich sehr gern”, antwortete Lissi und bemühte sich, wieder freundlich zu klingen. Jetzt ärgerte sie sich, dass sie die arme Frau so angefahren hatte. “Aber dafür muss ich doch Ihren Namen kennen”, fügte sie noch schnell hinterher und hoffte, damit weitere Hinweise zu erhalten, mit denen sie im Nachgang vielleicht das Rätsel dieser ominösen Bergbekanntschaft würde lösen können.
Wieder ertönte das jugendliche Kichern und veranlasste Lissi zu dem Gedanken, dass es sich vielleicht um zwei Menschen handeln könnte, die da in ihrer Nähe ausharrten. Eine Großmutter und ihre Enkelin? Eine mittelalte Frau und ein Junge im Stimmbruch?
“Similde, zünde die Kerzen für Similde an”, entgegnete jetzt wieder die Stimme, die Lissi bereits kannte, wenn auch nicht zuzuordnen wusste.
“Was für eine gute Idee, ich werde unsere Prinzessin in Ehren halten”, versprach Lissi. “Aber ich habe nach Ihrem Namen gefragt!”
Sie musste die Unbekannte endgültig enttarnen und sich zurück am Auto direkt umhören, was es mit dieser Frau auf sich hatte, die sich in aller Früh einen Spaß daraus machte, einsamen Wanderinnen aufzulauern!
Aber ihre Gesprächspartnerin machte keine Anstalten, ihre Identität preiszugeben. Stattdessen hörte Lissi, wie es neben ihr laut raschelte. Offenbar hatte die Frau sich erhoben (hatte sie die ganze Zeit gesessen?) und klopfte nun den Staub von den Kleidern, zumindest klang das in Lissis Ohren so. Sollte sie alle Höflichkeitsformen über Bord werfen und sie ins Taschenlampenvisier nehmen? Jetzt oder nie, dachte Lissi und gerade, als sie sich dazu durchgerungen hatte, Nägel mit Köpfen zu machen und die Frau zur Not am Ärmel zu packen, um genug Zeit zu haben, ihr Gesicht im Schein der Lampe zu studieren und ihn erst wieder loszulassen, sobald sie ihren vollständigen Namen erfahren hatte, gerade in diesem Augenblick ertönte ein letztes Mal diese beruhigende Stimme, die so gut erzählen konnte. Sie verabschiedete sich und wünschte Lissi, deren Namen sie natürlich nicht kannte, noch eine schöne Wanderung und lief schnellen Schrittes davon. Lissi sprang auf, riss ihre Stirnlampe vom Kopf und drückte energisch auf den Einschaltknopf, aber nichts geschah. Sie drückte ihn wieder und wieder, aber die Lampe wollte nicht angehen. Hastig entfernte sie alle Batterien, schüttelte jede einzelne für wenige Millisekunden und setzte sie dann wieder ein, und dieser Trick hatte seinen Dienst getan, denn augenblicklich erschien ein breiter Lichtstrahl und tauchte alles um Lissi herum in ein warmes Gelb, den Felsen, den schmalen Weg, die nächsten Meter. Die Fremde hätte sich auf diese Weise niemals verstecken können, ärgerte Lissi sich und stolperte in die Richtung, in die sie verschwunden sein musste. Oder war sie doch in die andere Richtung gegangen?
Es war ausweglos.
Wie in Trance ging Lissi die paar Schritte zurück zu ihrem Rucksack, zog ihre Schnürsenkel enger, trank einen Schluck Wasser und machte sich auf den Weg in Richtung Kapelle, denn sicher wäre es zurück zum Auto deutlich länger gewesen. Und außerdem besann Lissi sich erneut, warum sie eigentlich hier war, das würde sie sich jetzt so kurz vor dem Ziel nicht nehmen lassen.
Zudem sollte sie ja eine Kerze für Similde entzünden. Similde und die Enrosadira. Noch immer konnte sie sich keinen Reim auf die ganze Sache machen. Später würde sie alles wieder und wieder Revue passieren lassen, würde in sämtlichen Dörfern rundherum auf Spurensuche gehen, aber die spärlichen Anhaltspunkte, über die Lissi verfügte, reichten nicht aus, um die Fremde zu finden. Und mit jedem Mal, das Lissi versuchte, jemandem von der Begegnung zu erzählen, vergaß sie bestimmte Bruchstücke oder dichtete versehentlich andere hinzu, bis sie selber nicht mehr wusste, was eigentlich an diesem Tag kurz vor dem Morgengrauen geschehen war.
Nachdem Lissi sich wenige hundert Meter von der Stelle des Aufeinandertreffens entfernt hatte, bemerkte sie, wie sich links und rechts außerhalb des Lichtkegels schemenhaft mehr von der Landschaft auftat. Fast so, als handelte es sich um eine Theaterbühne, auf der hinter einem dunklen Vorhang allmählich die Silhouetten der Schauspieler und des Bühnenbildes erkennbar werden. Fünf Minuten später brach der Himmel vor ihr regelrecht auf, in ihr Sichtfeld schoben sich Bäume, Wiesen und Berge, zig davon, in vielen verschiedenen Formen, alles noch grau und farblos, was dem Ganzen eine gewisse Kargheit gab. Lissi lief auf den nächstbesten zu, strich mit der Hand über die raue Oberfläche, rannte dann zur noch dunkel schimmernden Wiese, die sich scheinbar kilometerweit den Hang entlangstreckte, vergrub ihre Finger im hohen, nassen Gras, kniete sich hin und berührte mit ihrem Gesicht den Boden, bis ihr das Blut in den Kopf schoss und sie, den saftigen Geruch noch immer in der Nase, wieder aufstand. Die Welt um sie herum erwachte und wie zum Gruß flatterten zwei Zitronenfalter um sie herum, ihre feinen Flügel bewegten sich schnell und Lissi konnte die filigranen Adern erkennen. Lissi nahm tiefe Atemzüge und erfreute sich an der frischen Bergluft, auf den Blättern der Büsche und Bäume waren noch kleine Wassertropfen zu sehen, die schon bald verdampfen würden.
Als sie um den markantesten Felsen herumgelaufen war, wie die Fremde es ihr erklärt hatte, erspähte sie die kleine Kapelle, und zweifelsohne war es ein majestätischer Anblick. Mit ihrer anthrazitfarbenen Turmspitze und dem roten Dach hob sie sich von dem sie umgebenden Bergmassiv ab, beschützt wie ein zartes Wesen stand sie auf einer kleinen steinigen Hochebene zwischen den imposanten Gipfeln. Lissi war erleichtert, die kleine Kapelle nun endlich erreicht zu haben. Endgültig fiel alle Anspannung, die der schmale Grat und die bizarre Begegnung mit der unbekannten Frau in ihr ausgelöst hatte, ab. Sie spürte, wie die Lebensgeister zurückkehrten, ihre Arme und Beine fühlten sich wieder kräftig an, bereit, sie den letzten Anstieg hinaufzutragen.
Und dann nahm sie wahr, wie sich die Farbe des Himmels langsam veränderte. Schon bald wäre es soweit, Enrosadira. Sie musste sich beeilen.
Epilog
Die ersten Semesterwochen waren Lissi am liebsten. Die Energie, mit der ihre Studierenden in den Hörsaal strömten und mit der sie sich in die ersten Vorlesungen stürzten, spornte sie an. Lissi hatte eine ganz genaue Vorstellung davon, wie sie die kommenden Monate gestalten und welche Schwerpunkte sie setzen würde. Den Höhepunkt würde natürlich die Forschungsreise zu Originalschauplätzen ausgewählter Mythen markieren, für die ihr kürzlich eine beachtliche Summe zugesagt worden war. Als sie der kleinen Studiengruppe die einzelnen Mythen und die dazugehörigen Orte präsentierte, meldete sich ein Student zu Wort, den Lissi bereits aus dem vorherigen Semester kannte: “Entschuldigen Sie, aber haben Sie sich da nicht vertan? Muss es nicht ‘König Laurin und die Enrosadira’ heißen? Das ist doch die Sage mit dem Rosengarten, oder?”
Lissi spürte förmlich, wie sie zu strahlen begann.
“Similde und die Enrosadira, wir werden über Similde und die Morgenröte im Rosengarten sprechen, aber Sie haben recht: König Laurin kommt darin ebenfalls vor.”
1 Legenden der Dolomiten: Der Rosengarten von König Laurin.
Es geht uns nicht gut. Schon nach der Landung und Kathmandu hatte ich die Leere in deinen Augen gesehen und erwartet, dass du fragst: Was soll ich hier? Dabei hatte ich mir von der gemeinsamen Wanderung im Himalaya die Rettung unserer Beziehung erhofft. Ein Abenteuer schmiedet zusammen, so war mein Hintergedanke. Aber ich ahnte, dass wir wieder einmal, gut begründet und nachvollziehbar, alles falsch machen würden. Es wäre klug gewesen, die Tourplanung einer Agentur anzuvertrauen. Mit einem Guide, der die Strecke kennt und die Landessprache beherrscht, ist man auf der sicheren Seite. Es ging nicht ums Sparen, denn unsere Reisekasse war recht üppig. Nachts im Hotel jedoch fingst du an, über Träger zu diskutieren: Kann man sich beim Wandern wohlfühlen, wenn einem jemand das Gepäck schleppt? War das nicht ein Rückfall in kolonialistische Gewohnheiten? Ich wandte zaghaft ein, dass die Sherpas im Gegensatz zu uns höhentauglich seien, schwere Lasten gewohnt und nicht zuletzt auf den Verdienst angewiesen. Dass ich fürchtete, alles könnte dir zu viel werden, sagte ich nicht. Natürlich hast du dich durchgesetzt in deiner idealistischen, rigorosen Art und wir beschlossen, uns um alle Formalitäten selber zu kümmern, schmissen alles Entbehrliche aus den Rucksäcken und deponierten es im Hotel.
Nun sind wir unterwegs. Was soll schon passieren? Der Weg zum Everest Base Camp führt mäßig ansteigend von Dorf zu Dorf, wo man leicht Quartier und Verpflegung finden kann. Er ist von Touristen und Einheimischen frequentiert und gilt als nicht gefährlich, wenn es auch schon Raubüberfälle gab und man bei Einbruch der Dunkelheit ein sicheres Quartier erreicht haben sollte. Über Felswände und Gletscher und sonstige absturzgefährdete Stellen geht es nie. Wir wandern im Sonnenlicht durch eine andere Welt, einen Fluss entlang und dann einen Berghang hinauf zum Sherpa-Hauptort Namche Bazar. Ich erinnere mich an frühere Alpenwanderungen mit dir, die ein Tanz gegen die Schwerkraft waren, um so euphorischer, je höher wir kamen. Das Gefühl der Gemeinschaft wiederholt sich nicht und frage mich beklommen, was los ist. Manchmal weist du auf eine Szenerie, ein Gebäude, ein Tier oder einen Baum. Aber der Aufschwung ist kurz, unser Gespräch kommt mir vor wie ein stotternder Motor. Ich gebe es auf und folge dir, traurig und manchmal dem Weinen nahe. Übertrieben gerade gehst du und ich merke, wie ich kleiner werde und mich krümme unter einer wachsenden Verlustangst. Beides, deine Härte und meine Wehleidigkeit, empfinde ich als einen Mangel an Liebe, der sonderbar ist, da wir beide Liebe ersehnen. In Namche Bazar bleiben wir zwei Nächte in einer Lodge, die mit Fellen und Bergsteigerfotos an den Wänden gemütlich ausgestattet ist. Doch an den langen Abenden frieren wir erbärmlich, denn das Holzhaus wird nur durch einen großen eisernen Ofen geheizt und wahrscheinlich macht sich schon der Sauerstoffmangel im Blut bemerkbar. In der zweiten Nacht bekommst du vierzig Fieber und nie habe ich solche Ängste durchgestanden. Am Morgen ist das Fieber weg, aber es kommt mir vor wie eine Warnung und ich fordere: „Lass uns zurückgehen!“
Du schüttelst den Kopf. Die Tour ist meine Idee, aber es ist nicht deine Sache aufzugeben, wenn du dich einmal entschlossen hast. Vernünftigerweise bleiben wir aber zwei weitere Nächte in Namche. In der letzten Nacht träume ich, dass wir uns mit unseren schweren Rucksäcken durch ein düsteres Tal schleppen. Eisiger Wind bläst uns entgegen und neben dem Pfad geht es steil hinunter zu einem reißenden Fluss. Durchfroren erreichten wir ein Plateau und sind plötzlich in Sonnenlicht gebadet und du sagst mir: Jetzt weiß ich, dass alles gut wird.
Trotzdem ist mir Bange vor der anstehenden Etappe zum Kloster Tengboche, die lang und anstrengend sein soll. Erst nach zehn Uhr, als die meisten anderen Trekker längst aufgebrochen sind, schaffen wir es aus dem Haus. Ich will Tempo machen, aber du verurteilst mich als rücksichtslos. Natürlich haben wir zur Mittagspause erst einen Bruchteil der Strecke geschafft, viel zu wenig, um das Ziel vor Dunkelheit zu erreichen. Auf einer niedrigen Steinmauer sitzend, brüte ich über der Karte. Dummerweise empfiehlt der Reiseführer, sich in Tengboche rechtszeit um ein Quartier zu kümmern, da der Ort ein Nadelöhr ist. Ich will über meine Befürchtungen sprechen, aber du hast im Sitzen die Augen geschlossen und bist innerlich gar nicht mehr hier. Wieder überlegte ich, was ich falsch gemacht habe, woran ich schuld bin. Aber ich finde keine Anwort.
Nach der Pause gehst du noch langsamer und bleibst ab und zu stehen. Nicht um dir die schneebedeckten, atemberaubenden Berge anzusehen. Du hast keinen Blick für sie und wenn du einen Blick für mich hast, spüre ich darin pure Feindschaft. Soll ich auf Umkehr bestehen? Inzwischen wäre es keine Enttäuschung mehr für mich, sondern Erleichterung. Wir haben gute Lampen und werden schon irgendwann in der Nacht wieder heil nach Namche kommen. Aber damit wäre unsere gemeinsame Zeit beendet. Vielleicht gehst du aus demselben Grund noch weiter, aus dem ich zögere, die Umkehr zu erzwingen. Vielleicht hoffst auch du noch, dass wir in Zukunft über die Wanderung sagen werden: Erst haben wir uns sehr elend gefühlt, aber dann ging es uns besser und es wurde ein großartige Tour.
Der Gedanke beschwingt mich und ich beschleunige meine Schritte. Als ich mich nach einer Wegbiegung umdrehe, bist du nicht hinter mir und ich warte, durchgeschwitzt und frierend, auf einem Felsblock, immer noch in der sturen Hoffnung, dass du jeden Augenblick auftauchen wirst. Wie betäubt gehe ich irgendwann doch zurück und finde dich auf einen Stein sitzend. Ohne Vorwarnung gibst du mir eine Ohrfeige, die mich überrascht. Schmerz fühle ich gar keinen, auch keine Kränkung. Ich höre dein Schniefen und will dich trösten. Da bricht es aus dir heraus: Wie dumm du gewesen bist, dich auf diese Scheißtour einzulassen. Ob ich denn kein Gefühl habe für dich. Ob ich dich denn gar nicht mehr wahrnehme. Will ich dich umbringen? Hast du Jahre mit einem kaltherzigen Sadisten verbracht, ohne es zu merken?
So geht es weiter. Was kann ich sagen? Wie kann ich anreden gegen diese Aufgebrachtheit? Ich kann nur verfolgen, wie du die Brücken hinter dir abreißt. So muss es sein, wenn man jemanden sterben sieht.
„Komm mir nicht mehr unter die Augen! Ich finde allein zurück und du gehst gefälligst weiter. Werde doch allein glücklich da oben!“
Vielleicht sollte ich dir mit Abstand folgen, bis du dich beruhigt hast. Aber ich bin fix und fertig und muss mich hinsetzen. Als ich wieder auftauche aus Angst, Verzweiflung und Selbstvorwürfen, sind die Schatten schon lang. Weiterzugehen macht keinen Sinn ohne dich, aber zurück wäre noch schlimmer, da ich Furcht habe, dir in deinem Zustand zu begegnen. Also will ich die kommende Nacht doch in Tengboche verbringen und dann irgendwie nach Hause kommen, als gäbe es noch ein Zuhause. Der Karte nach habe ich heute noch zwei, drei Stunden Fußmarsch vor mir und es ist bei Tageslicht nicht mehr zu schaffen. Ich sollte Tempo machen, aber ich beeile mich nicht wirklich. Die dünne Luft, das lange anstrengende Gehen, die Verzweiflung über den Streit, das Gefühl des unwiederbringlichen Verlustes versetzen mich in einen Zustand der Betäubung und Gedankenlosigkeit. Die Sonne steht jetzt hinter den Bergen und im Tal verdichten sich die Schatten. Ich sehe keine Markierungen und Schilder mehr und atme auf: Der Zeit nach sollte ich am Ende der Tagesetappe sein. Jeden Moment muss das erste Haus auftauchen. Das Gefühl, es gleich geschafft zu haben, hebt meine Stimmung und ich lege einen Zahn zu. Doch wird der Weg zu meiner Enttäuschung immer schmaler und geht in eine Treppe über, von der nirgends geschrieben steht. Mein ganzes Leben lang habe ich bei langen Treppen die Stufen gezählt. Bald bin ich schon bei tausend. Schmal ist die Treppe und schwindelerregend ausgesetzt. In Serpentinen führt sie einen Steilhang hinauf und geht dann in einen glatten Felssaum entlang einer Steilwand über. Danach tauchen wieder Stufen auf, neue Felswände. Widerwillig zolle ich dem Zustand dieser Anlage Respekt. Nirgends sind die Stufen ausgetreten. Nirgends liegt herabgefallenes Gestein, nicht einmal Kiesel. Als ich mich umdrehe, sehe ich hinter mir Felsaufschwung auf Felsaufschwung und realisiere erst jetzt die ungeheure Höhe. Ich will da nicht wieder runter. Die Höhenangst würde mich in Panik versetzen und ich könnte keinen Schritt machen. Warum ist diese Treppe nicht auf der Karte verzeichnet? Warum wird nicht im Reiseführer vor ihr gewarnt?
Die Gipfel vor mir heben sich kaum noch von Himmel ab. Immaterielles Schwarz quillt mir in zähen Massen entgegen. Außer Atem nehme ich den Rucksack ab und suche mit zitternder Hand nach der Taschenlampe, die aber nicht da ist. Wahrscheinlich sind beide Lampen in ihrem Rucksack. Als ich meine eigenen Füße fast nicht mehr sehe, entdecke ich mit unendlicher Erleichterung schräg oben einen Lichtschein, eine einsame Laterne, die Mauern erhellt. Fünf Minuten später erreiche ich ein Tor und erahne einen Gebäudekomplex, der ein Kloster sein könnte. Aber nicht Tengboche! Das Kloster Tengboche befindet sich auf einem sanft geschwungenen Bergrücken und ist von anderen Gebäuden umgeben. Dieses Kloster hier ist spektakulär in die Felswand gebaut, kommt aber im Reiseführer gar nicht vor. Hat das vielleicht damit zu tun, dass Besucher unerwünscht sind?
Neben mir steht plötzlich ein nepalesischer Junge und grüßt mich höflich. Er muss hinter mir aufgestiegen sein und hat mich nun eingeholt, anders als ich kein bisschen erschöpft. Kein Wunder, wenn man erst zwölf oder dreizehn Jahre alt ist. Er trägt eine gelbe Mönchsrobe. Sein Gesicht ist flach, seine Augen schwarz wie Knöpfe. Erst wirkt er leicht verwundert, was meine Theorie bestätigt, dass hier nicht viele Fremde herkommen. Dann grinst er spitzbübisch und tritt mit seinem rechten Fuß gegen das Tor. Quietschend schwingt es auf und wir treten in einen feuchten, gepflasterten Hof mit einem vergoldeten, eckigen Tempel im Hintergrund, wo aus einer Türöffnung ein Lichtschein fällt. Ohne sich aufzuhalten, tritt der Junge ein und sieht sich noch einmal nach mir um. Ich nehme das als Aufforderung, folge ihm und tauche in ein psychodelisches Farbenmeer aus Gold und Rot. Vom eigentlichen Gebäude sieht man innen nur ein paar schwärzliche Säulen und Mauerstücke. Sonst ist alles mit überbordendem Detailreichtum vertäfelt, bemalt und bestickt. Der Raum ist eine Galaxie tausender auf Holz oder Stoff aufgebrachter Mandalas, zwischen denen sich Blumenmuster und bunte Ornamente ausbreiten. Im schwachen Licht einiger Fackeln und Öllampen kann ich kaum Details unterscheiden. Auf dem Boden stehen Holzkästen mit Kissen, die vermutlich als Sitze gedacht sind. Hinten lächelt ein drei Meter großer, vergoldeter Buddha auf vielleicht zwanzig Mönche verschiedenen Alters hinab, die verteilt auf dem Boden sitzen. Sie scheinen mich nicht zu bemerken, sind sie doch mit einer Zeremonie beschäftigt, die mir genauso überladen und chaotisch wie der ganze Raum vorkommt. Texte werden gelesen oder auswendig aufgesagt, zwei junge Mönche machen sich zwischendurch an einem Altar zu schaffen, wo Gemüse und Früchte wohl als Opfergaben abgelegt sind. Ich setze mich abseits auf einen der Holzkästen, schließe müde und nicht in der Lage, dem turbulenten Geschehen irgendeinen Sinn abzugewinnen, die Augen. Das alles kommt mir fröhlich vor, als ginge es mehr um Spaß als um ein würdevolles religiöses Ritual. Ein martialisches Dröhnen reißt mich aus dem beginnenden Schlaf. Einige Mönche blasen gerade in riesige Tempeltrompeten und das Ensemble steigert sich immer mehr wie eine Jazzband im letzten Stadium der Ekstase. Der Junge ist plötzlich wieder da und drückt mir eine Schale mit einer heißen Flüssigkeit in die Hand, die hoffentlich nicht dazu bestimmt ist, mir die Füße zu waschen. Ich trinke sie unter seinem zustimmenden Lächeln aus und sie schmeckt salzig und fettig. Augenblicklich breitet sich Wärme im Körper aus.
„Unser Abt“, sagt er auf deutsch und schaut zu einem alten Mönch hinüber, der kein einziges Mal zu mir hingesehen hat. „Er sieht dich.“
„Danke. Grüß ihn und sag ihm, dass ich dankbar bin, hier sein zu dürfen.“
„Willst du mit ihm sprechen?“, fragt er.
„Ja“, sage ich aus tiefster Seele. Vielleicht brauche ich jetzt wirklich einen Beichtvater, jemanden, der mir innerlich fern und doch verständnisvoll ist.
„Dann frage ich ihn.“
Eben war der Junge noch da und im nächsten Augenblick steht er neben dem Abt, der ihm im infernalischen Lärm freundlich sein rechtes Ohr zuneigt. Der Junge erklärt dem Abt etwas und der macht nur eine Geste mit der Hand, die abwehrend wirkt. Dann sagt er noch etwas zu dem Jungen und der flitzt aus dem Raum.
Die Trompeter machen eine Pause. Ganze Täler voll, Kubikkilometer Luft haben sie durch ihre Instrumente gepresst, so kommt es mir vor, aber auch ihr Zwerchfell braucht wohl Erholung. Dieser Singsang, bei dem sich die Mönche Sprüche und Worte wie Bälle gegenseitig zuwerfen, in dem sie Fragen formulieren und dann wieder Antworten, hebt wieder an. Jetzt schlafe ich wirklich ein, doch bleiben die Stimmen immer da wie eine Decke und etwas Beruhigendes, Schützendes geht von ihnen aus.
Als ich das nächste Mal aufwache, ist es nicht wegen Trompetenlärm. Der Singsang ist leiser geworden. Um mich hat sich der Raum verändert und das Licht. Wenn ich eines der Mandalas anschaue, rase ich darauf zu wie auf eine Galaxie. Die gemalten Gestalten scheinen lebendig zu werden und ich tauche in die Symboliken und Kreisläufe ein, die in ihnen dargestellt sind. Ich will das nicht. Es ist bedrohlich, als würde ich mich auflösen in den tausenden Darstellungen, als würden sie mich aufsaugen, und ich ziehe mich erschrocken zurück und versuche alles wegzuschieben, gewaltsam wieder zu vergessen, was mich eben überfallen hat wie eine Vision.
Und plötzlich merke ich, dass ich den Sprechgesang der Mönche verstehe. Dass ich die Worte kenne, die sie singen, dass ich sie von irgendwo anders her kenne als aus meinem Leben, denn diese Worte gibt es eigentlich nicht. Sie beschreiben etwas, das zu komplex für mein Verständnis ist, um es in ein Sprache zu fassen, wie wir sie im Alltag verwenden. Eben sind sie bei einem Wort, das aus mehreren A und einigen Konsonanten besteht und das heißt Getrenntwerden in der Verbundenheit, eine Art von Trennung, die im Schmerz darüber wiederum die Sehnsucht nach Nähe und das Bewusstsein allumfassender Einheit weckt. Und das nächste Wort bezeichnet eine Trennung, die ebenso ist, aber in Verbindung mit persönlicher Schwäche eine Gefahr für jemandes Weg bedeutet und zu Hass und Isolation führen kann. Und das nächste Wort ... Immer noch geht es um Trennung und ich ahne, dass sie noch lange nicht fertig sind mit diesem schmerzlichen Kapitel ihres Wortspiels, dass es noch hunderte weitere Worte für Trennung gibt und dass ich vielleicht nicht zufällig an diesem Tage, in dieser Stunde hierher gefunden habe.
„Nein“, sagt der Junge neben mir und ich kann nicht erraten, was er meint.
„Kein Gespräch“, ergänzt er auf meinen fragenden Blick hin und winkt mich ins Freie. Draußen drückt er mir einen zusammengeknüllten Zettel in die Hand, den ich erst für ein Stück Klopapier halte.
„Für dich, ein Wort.“
Verwirrt stecke ich den Zettel in die Hosentasche und er reagiert wütend.
„Nicht so. Tu ihn gut weg.“
Ich gehe zum Rucksack, der neben der Tür steht, hole meine wasserdichte Ausweistasche hervor und packe den Zettel, so dass der Junge es sehen kann, in eines der Fächer.
„Sage dem Abt lieben Dank“, trage ich ihm auf, trete in den Hof und schaue mich um. Wo werde ich hier schlafen können? Die anderen, zum Teil in den Fels hineingebauten Gebäude wirken düster, nass und nicht gerade einladend.
„Verlier ihn nicht und nimm ihn jeden Morgen in die Hand“, sagt der Junge quengelig.
„Warum in die Hand?“, frage ich irritiert. „Aber keine Sorge. Es ist jetzt deins“, sagt er beschwörend. „Nur du hast es jetzt noch.“
Er überreicht mir eine an einem Henkel befestigte Laterne. In einen Glaszylinder brennt ein schwaches Licht, funzliger als das einer altertümlichen Petroleumlampe. Aber zum Ausbreiten des Schlafsackes, wo auch immer das geschehen darf, wird es reichen.
Ich bin viel zu sehr mit mir selber beschäftigt, um zu merken, dass die Tür, die er jetzt öffnet, auf die Treppe hinausführt. Erst als ich draußen über der Felswand stehe, wird mir das klar. Aber da hat er schon ohne einen Abschiedsgruß das Tor hinter mir zugeknallt.
Die Laterne, die vorhin über dem Eingang brannte, ist nicht mehr an. Das Außenmauer des Klosters scheint mit der Felswand zu verschmelzen.
Ich wende mich dem Tal zu, hebe die Laterne und nehme eine Stufe und dann noch eine. Genau zwei Stufen unter mir leuchtet die Laterne. Weit genug, um sicher die Füße zu setzen, und nah genug, damit ich mich nicht vorm Abgrund fürchte.
Ihr habt mich hierher gerufen, weil meine Entscheidungen vieles ausgelöst haben, das uns allen nicht gut tut. Einige sind grau vor Angst, einige rot vor Wut, einige zerrissen wie ein altes Kleid, einige suchen nach Geistern, die in meinen Kopf gefahren sind. Es ist wahr. Mein Kopf ist voller Gedanken. Als ich hierherkam, wusste ich, dass mir eine fast zu große Aufgabe gegeben worden ist. Ich habe mich nicht um diese Aufgabe bemüht. Sie ist weder Ehre noch Schande. Ich glaube, dass sie für uns alle einfach notwendig ist. Jeder von uns spürt, dass dies eine Zeit des Wandels ist. Immer mehr Fremde dringen in unser Land ein. Immer mehr Gegenstände bestimmen unser Leben, die wir nicht selber hergestellt haben oder die uns nicht der Wald schenkte. Neues Tun zerstört Sicherheiten. Neues Tun stürzt in unbekannte Welten. Es gibt niemanden, der das gerne tut, weil er in die Situation gerät, in der ich jetzt bin. Ja. Ich habe Fremde zu uns geholt. Ja. Ich habe sie mitten in unsere Dörfer geführt. Ja. Sie haben über einen Mondgang hinaus in unser Leben geschaut und bis zuletzt wissen wir nicht, was sie jetzt wissen und denken. Erst recht nicht wissen wir, ob das Folgen hat, ob danach Andere kommen und ob wir daran gewinnen oder verlieren werden. Ich stehe hier, um meinen Geist zu öffnen und euch alles das sehen, hören und spüren zu lassen, was mich zu dieser Entscheidung geführt hat. Ich bin einer eurer Häuptlinge und weiß um meine Verantwortung. Hier stehe ich und bitte euch darum, das was ich jetzt gesagt habe, in tiefem Schweigen nachklingen zu lassen. Spürt dabei, welche Gedanken euch zu meinen Worten begegnen. Was ist euch neu? Was fügt ihr mit eurem Herzen hinzu? - Selbst die Gestalten, die euch ganz tief innen gerade begegnen, haben ihre Fragen. Bewahrt Sie auf, bis ich meine Geschichte erzählt habe. So war es und nicht anders.
An jenem Abend im Dunkel kamen wir endlich an. Es ist wie immer, das dann nicht gesprochen wird. Natürlich ist die Aufregung groß. Die ersten unserer Männer, die am Fluss ankamen, sind auf Abstand stehen geblieben, als sie sahen, wer da noch im Boot sitzt. Selbst die Vögel waren anders in dieser Nacht. Nicht richtig schlafen konnte auch ich nicht. Meine Träume waren blau und verschleiert. Ich weiß, dass ich nicht weiß, was ich tue, aber eine Stimme hat mir gesagt: Jetzt! Tu das!, und an diesem Morgen kommt das Schwerste. Der Fluss dampft wie immer. Die Affen begrüßen den Tag mit Geschrei. Eine Termitenstraße nähert sich dem höchsten Haus am Hang. Dann muss man was tun. Aber heute morgen schaut keiner hin. Ich bin dran. Ich muss das Ritual vollziehen. Noch nie fiel mir das so schwer wie heute. Der ganze Stamm wartet, dass es geschieht. Hundertmal habe ich in der Nacht überlegt, wie ich es sagen soll. Jetzt brauche ich alle Zeit, um mich zu konzentrieren und mich auf das, was kommt, vorzubereiten. Schon gestern Abend habe ich das Zeug, was ich im schwarzen Land trage, abgelegt. Irgendwann war ich die dämlichen oder eben auch aggressiven Bemerkungen leid. Einer der Händler, mit dem ich am besten klar komme, riet mir, als ich ihm erzählte, was sie hinter meinem Rücken oder ins Gesicht sagen, dass ich das Übliche tragen sollte, wenn ich im Dorf beim Verhandeln nicht extrem über den Tisch gezogen werden wollte. Er gab mir eine rote Shorts, ein Tshirt mit einem Wort darauf, das er selbst nicht kannte, und diesen Stoffhut hier mit gemalten Palmen und Wasser habe ich mir selbst ausgesucht. Tatsächlich meinte einer von den besonders üblen Typen, dass ich jetzt ja schon ein bisschen zivilisiert sei. Ich habe mir von jemand anders dieses Wort erklären lassen und war entsetzt. Wenn Zivilisation etwas mit gutem Benehmen in der Gemeinschaft zu tun haben soll und Menschen sich respektieren sollen und darauf achten, dass sie den anderen nicht behindern, nicht verletzen, nicht untergehen lassen, dann habe ich außerhalb unseres Stammes noch nie Zivilisation gesehen. Dieses ungehemmte Geschrei auf der Straße, diese Prügeleien auch unter Verwandten in der Öffentlichkeit, dieses Verstecken von Besitz und gleichzeitig Stehlen des Besitzes von anderen hat mich immer befremdet. Wie oft sind wir betrogen und erpresst worden, wenn wir dringend Macheten oder Öl und Salz zum Überleben brauchten und keine Ahnung hatten, was es bei ihnen wert war. Einbäume, für die wir mit unseren einfachen Werkzeugen Wochen an Arbeit brauchten, wurden uns vom Ufer weg gestohlen, bevor wir sie verkaufen konnten.
Aber Schluß mit diesen Gedanken. Ich muss ganz bei dem sein, was vor mir liegt. Ich lege sorgfältig den rituellen Penisschutz, das braune Lendentuch und die vierfache Kette aus blauen Perlen an, die nur ein Häuptling tragen darf. Jetzt kommt noch das Stirnband aus Perlen für das Ritual heute Morgen. Die Trommeln werden über dem Feuer leicht gespannt und der Sitz mit dem Zeichen unseres Clans steht schon auf der Plattform. Von den anderen Hütten schauen alle in meine Richtung, um sofort zu sehen, wenn ich das Zeichen gebe. Die Fremden haben gefragt,
