Auftrag in Abrasudien - Alexander Zink - E-Book

Auftrag in Abrasudien E-Book

Alexander Zink

0,0

Beschreibung

Ein deutscher Ingenieur, Mr. A. übernimmt einen großen Bauauftrag in Abrasudien (Mittlerer Orient). Kurz nach seinen ersten Aufenthalt im Lande geriet er in die Menge aufgeregter Zuschauer einer Enthauptung. Der ursprünglich vom Partner verpflichtete Bauleiter "Mr. Grantler" entpuppt sich als Betrüger und wird in "Wild West Style" gefeuert. "KK", der von Mr. A angestellte Bauleiter wird aus der Fa. verdrängt jedoch von Mr. A. wieder für Abrasudien verpflichtet. Das örtliche Bauteam aus vielen Ländern entwickelt interessante Verhaltensweisen bis hin zu rivalisierenden Alkoholschmuggel Gangs sowie Einbruch und Raub. Die für Europäer unverständlichen Besonderheiten der dortigen Kultur werden durch Erlebnisse sowie Erzählungen und Situationen ins Leben gerufen. Verhaltensweisen von einfachen Leuten bis zu führende Persönlichkeiten bieten wertvolle und kuriose Daten für den Leser. Architekt Tahir heiratet ohne Genehmigung seiner Regierung eine "British Lady" und verliert die Abrasudische Staatsbürgerschaft, Büromanager Basim geriet in tiefen Depressionen da er seine 12 jährige Cousine heiraten muss die er nicht kennt, Mr. A. wird von einem Wien liebenden Ministeriumdirektor beschimpf weil "nur die Deutschen schuld sind". El Alif, Abrasudien Berater von Mr. A rettet diesen aus ungeahnten, bedrohlichen Situationen die beinahe durch Lynchen oder Verhaftung durch die Mullahs enden konnten. Die befremdende und antagonistische Art wie Europäer in Abrasudien gesehen und behandelt werden wird auch durch die Zahlungsmoral der Behörden bestätigt. Die hier aufgezeigte langjährige Erfahrung mit dem Bau eine Satellitenstadt in Abrasudien ist sowohl bemerkenswert als auch spannend.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 219

Veröffentlichungsjahr: 2016

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Alexander Zink

Auftrag in Abrasudien

Die andere Kultur

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Auftrag in Abrasudien

Disclaimer

Neugier

Der Auftrag

In Abrasudien

Die Nachrechnung

Impressum neobooks

Auftrag in Abrasudien

Auftrag in Abrasudien

Dragul A. Transylvan

Eine Teilübersetzung aus dem Englischen „I had a site in Abrasudia“

.

Disclaimer

Alle Charaktere dieser Erzählung sind erfunden. Vorstellbare Ähnlichkeiten zu realen Personen noch im Leben oder bereits verstorben sowie zu jeglichen Situationen, Institutionen, Organisationen oder Länder sind nur als zufällig zu betrachten. Etwaige Ansprüche, basierend auf Situationen in dieser Erzählung als in irgendeiner Form benachteiligend, tendenziös oder sogar schädigend, werden a priori als grundlos und erfunden abgelehnt.

Neugier

Nach einigen Wochen im Lande kannte ich schon die Strecke von der Baustelle zum Bazar, hier Suk genannt, sodass ich an einem schönen Freitagmorgen alleine und erwartungsvoll dahin fuhr. Ich beabsichtigte diese Welt der orientalischen Farben mit deren typischen exotischen Düften in dieser archaischen Atmosphäre zu genießen und mich einige Hundertjahre in der Geschichte zurück gebeamt zu fühlen.

Die verschwenderische Art und Menge der überall und vor den Läden herumliegenden Orientteppichen für Jedermann zum Bewundern oder nur darüber zu laufen, faszinierte mich. Alle waren handgeknüpft von sehr wertvoller Qualität und für vergleichbar lächerliche Preise angeboten. Die Juwelierläden sahen aus als mit 24 Karat Gold tapeziert. Riesige Kolliers und Halsketten hangen überall über die Wände und Schaufenster wie Vorhänge aus purem Gold. Hier konnte man die weltweit beste Qualität Schmuck zu unglaublich günstigen, nur Bruchteile der europäischen Preise ergattern.

Die Vielzahl an orientalischen Gewürze, ausgestellt in kunstvoller Art in verschiedenen Gruppierungen nach Farben und Größe in Körben, Schachteln oder offenen Säcken, waren ein Vergnügen fürs Auge und verbreiteten eine herrliche Mischung von Düften die einen umwarben. Die alten Kardamom oder weißen Kaffee Kannen in verschiedenen Größen und Farben, die antiken Gewähre und Jataganen sowie Kamel Sattel und eine überwältige Zahl von Reliquien einer längst vergangener Zeit, waren einfach faszinierend und luden den Besucher ein, weiter ziellos durch die Suk-Gässchen zu spazieren und sich geistig im Mittelalter zu versetzen. Ich schlenderte Ziellos von einem Bazar-Bereich zum anderen weiter in Gedanken verloren, als ich an einen Ausgang auf einem größeren Platz gelangte. Aber bevor ich umkehren wollte um die Kühle der mit Planen abgeschirmten engen Durchgänge des Bazars wieder zu suchen, bemerkte ich eine Ansammlung von Leuten auf der Plaza.

Diese unruhige Menge drängte sich entlang eines mit Seilen abgesperrten Bereiches in der Nähe eines unscheinbaren Gebäudes. Ich ging auf sie zu, immer näher, um zu prüfen was sich da abspielte. Da nichts Besonderes zu erkennen war, nahm ich an es könnte eine Ansammlung für Bekanntmachungen oder irgendeiner Feier sein, auf jeden Fall, etwas wofür ich kein Interesse hatte. Ich machte Kehrt und verschwand erneut in den Bazar. Nach etwa einer Stunde stand ich gerade zufällig wieder vor einem Ausgang zur Plaza, diesmal an einer Stelle die näher bei der Menschenmenge war. Und ich war überrascht, dass jetzt eine wesentlich größere Anzahl von Leuten da stand. Alle drängten zum abgesperrten Bereich. Ich sah Pickup Wagen und Kleinbusse auf Abstand als Kleinbühnen geparkt. Eine Anzahl von Europäer zwang sich auf ihre Kleinbusse, auf die SUVs oder auf die Plattformen derer Pritschenwagen. Jedermann versuchte eine Position mit dem besten Blick auf die abgesperrte Fläche zu ergattern. O.K. dachte ich, es sieht danach aus, als da in Kürze ein ziemlich interessantes Ereignis stattfinden wird.

Die Neugierde packte mich. Ich begann meinen Weg durch die Menge auf das Absperrseil zu erkämpfen; Falls es hier tatsächlich eine interessante Aufführung gebe, wollte ich diese auf keinen Fall verpassen.

Langsam aber stetig konnte ich mich in Richtung des abgesperrten Bereichs durch die dichte Menschenmenge vorarbeiten, bis ich das Sperrseil erreichte. Mit einer Hand auf dem Seil und einen freien Blick auf diese Sperrfläche war ich plötzlich enttäuscht dass meine harte Arbeit sinnlos war. Da war nichts Bemerkenswertes zu sehen! Einige Soldaten standen nur herum, die mörderische Sonne im Schatten des Gebäudes meidend. Ich fragte mich was ich überhaupt da tue… aber dann erfasste mich plötzlich die Spannung, Aufregung und die ansteckende Ergriffenheit der mich umgebender Masse! In allen möglichen Sprachen dieser Welt von Arabisch über Urdu zu Koreanisch und von Englisch über Französisch zu Deutsch und Italienisch.

Ich wurde wie in Transe an das Seil klebend, gepresst.

Nichts geschah, jedoch nach einigem Warten und sich wundern, ob da bleiben oder gehen, erschien aus dem Nichts von rechts entlang des Gebäudes ein kleiner Transporter Bus. Er fuhr zügig zu den Soldaten neben dem Gebäude, innerhalb des abgesperrten Bereiches und stoppte mit quietschenden Reifen. Die Söldner fingen an sich hektisch zu betätigen. Einige gingen zu der Hecktür des Wagens. Sie rissen diese auf und zogen einen kleinen, typisch Jemenite in grün gemustertem Wickelrock und rotem Kopftuch bekleideten Mann, dessen Arme auf den Rücken gebunden waren brutal herunter. Sie schoben ihn in grober Weise an den Wagen vorbei nach vorne, zu den hier wartenden Uniformierten.

Über einige Minuten geschah nichts, alles stand still, keiner bewegte sich. Das Auto verschwand. Dann sah ich einen mit vielen Orden behangenen Armeeoffizier der sich aus der Militärgruppe trennte und auf den kleinen Mann zuging. Er hielt seine linke Hand an seiner Hüfte auf einen längeren Gegenstand mit daran hängenden Strängen. Aha, dachte ich, es wird eine Auspeitschung geben! Aber als der Offizier näher an die Wachen des Jemenite kam wurde der Gefangene von einer Wache rüde in die Knie gedrückt. Hastig wurde ihm ein weißer, länglicher Gegenstand auf die Augen gepresst so dass es pappte.

Dies geschah so schnell dass ich aufgeschreckt wurde...“warum bedeckten sie ihm die Augen?“ blitzte mir durch den Kopf. Der hohe Offizier machte noch ein paar Schritte. Er stand jetzt neben der knienden Gestalt. Eine Wache drückte den Kopf des Gefangenen tiefer so dass dieser weiter nach unten kam, nur einige Zentimeter vom Boden. Der Dekorierte reichte mit der rechten Hand über nach links, griff nach dem langen Gegenstand und streckte den Arm nach oben. Jetzt konnte ich sehen dass das längliche Zeug an der linken Hüfte noch hing, während die rechte Hand ein in der spät morgendlichen Sonne glänzendes und glitzerndes gekurvtes Schwert in die Höhe streckte... Ich schloss blitzartig die Augen und drehte mich voller Panik überhastet um. Nun fing ich an hart, entgegen der Tendenz der Menschen, contra den Druck, nach hinten und durch die aufgeregten Massen kämpfend, meinen Weg so schnell wie möglich von diesem Platz nach außen zu erzwingen... Zu spät! Meine Fantasie wurde durch die Reaktion der Massen angeregt, animiert; Das in der nächsten Sekunde herunterschlagende Schwert konnte ich bereits in meinem Geiste verfolgen. Während ich mit aller Kraft meinen Weg gegen die aufgebrachten Zuschauer die noch mehr sehen wollten erkämpfte, konnte ich den von den Schultern getrennten, auf den Boden fallenden Kopf und das ausströmende Blut von dem umfallenden Körper praktisch verfolgen; Aber auch nur diese virtuellen Geistesbilder machten mich diesig, fast krank, ich wurde sogar leicht schwindlig...

Die Reaktion dieser Mitglieder des 20. Jahrhunderts war genau dass was mich konsternierte, ja, perplex machte. Dieser barbarischer, antiker Brauch des Kopfabschlagens wurde hier mit dem Enthusiasmus und die Begeisterung eines „Super Bowl 2004“ Tor des Sieges von den Bewohner unserer 20. Jahrhunderts Zivilisation begrüßt! Jetzt wurden die Menschen noch aufgeregter, wollten Mehrwert daraus gewinnen, kommentierten wahrscheinlich die Perfektion des Schlages! Die Diskussionen, Kommentare sowie Gestik wurden lauter und hektischer... Ich eilte davon und zog mich in die friedliche Umgebung des Bazars zurück um meine Gemütsruhe wieder zu finden.

Nach mehr als einer Stunde ziellosem Wandern durch die Suk-Gassen und noch immer von den virtuellen Bildern verfolgt, beschloss ich nach Hause zu fahren. Der Weg zu den geparkten Wagen führte unglaublicher Weise, wieder über diesen „Platz der Justiz“. Die Hälfte der Menge war noch da, obwohl mindestens eineinhalb Stunden seit der Exekution vergangen waren. Die Fläche hinter dem Seil war noch abgesperrt. Ich schenkte dem Geschehen keine weitere Aufmerksamkeit und verfolgte meinen Weg am anderen Ende der Plaza als ich plötzlich Polizeisirenen beim Verlassen des Platzes wahrnahm: Schlagartig war dieses Getöse der aufgeregten Massen wieder da. Ich blieb stehen und blickte zurück, um das mir unbegreifliche Geschehen wahrzunehmen; jetzt, nach Freigabe der Sperrfläche durch Beseitigung des Seiles, hasteten all die noch hier wartenden Zuschauer in Richtung des kleinen Flecken wo der enthauptete Mann gelegen hatte. Unfassbar, ja, unbegreiflich. Von drei Seiten eilten diese Schaugierigen auf die Mitte dieser Fläche und hielten an nur als die schnellsten Individuen sich genau auf den Spot der Enthauptung trafen, wo der Boden noch voller Blut des armen Jemenite verschmiert war. Die schnellsten, versessenen Erdenbürger standen jetzt buchstäblich in einer Blutlache um die Realität des Ereignisses intensiver mit deren Sandalen oder barfüßig, ergötzen zu können. Sie waren begeistert die Chance gehabt zu haben so einem großartigen Ereignis beizuwohnen und wollten offensichtlich diesen kostbaren Genuss tiefer in deren archaischen Seelen verankern… Ich konnte die Gespräche nicht hören oder verstehen aber die exaltierten Äußerungen waren vom hektischen Gestikulieren begleitet, laut und energiegeladen. Ich wurde wieder an das Verhalten und die Kommentare einer begeisterten Menge von Fußball Enthusiasten nach einem wichtigen Ligaspiel, oder einer fanatischen Menge nach großen Politik motivierten Veranstaltungen, erinnert.

Und, unwillkürlich musste ich an die Gesetze der Quorum Empfindsamkeit denken, wenn die Elemente einer vielzähligen Gruppe das Verhalten als Einheiten, zu Gunsten des Quorums aufgeben und ein Bestandelement des Gesamtverhaltens werden. Wie Sardinenschwärme, Elchherden, afrikanische Streifengnus und auch Menschenmassen oder die Salmonella Bakterien die ihren Gift erst nach Erreichen der kritischen Sterbemenge für den Träger freigeben. Es scheint mir dass dieses Gesetz für jede Ansammlung von Lebewesen, egal ob im Besitz von dem was wir „Humane Intelligenz“ nennen oder nicht, Gültigkeit hat. Oder wollen wir wagen anzunehmen, dass unsere Fähigkeit die wir „humane Intelligenz“ nennen, nur einer limitierten Anzahl von Mitgliedern unserer Spezies eigen ist? Wer kennt die Antwort?

Später erfuhr ich dass der kleine Jemenite aus Gründen von Familien Vendetta einen seiner Landsleute, der auch in diesem Königsland Arbeit fand, umgebracht hatte.

Jedoch, diese schockierende Erfahrung mit den Zuschauern einer Enthauptung wie im Mittelalter brachte mich auf den Gedanken, dass die meisten Mitglieder unserer modernen Zivilisation sich spirituell von dem Geisteszustand unserer Vorfahren vor 4000 Jahren oder auch länger zurück, nicht verändert oder weiterentwickelt haben. Ich führte mehrere Gespräche mit Freunden oder Geschäftspartner über ähnliche Situationen und auch darüber, dass Horrorfilme und Krimis mit den grausamsten Szenen sich überall auf dieser Welt am besten verkaufen. Jetzt war ich bereit, eins zu eintausend gegen jedermann zu wetten:

Falls irgendwo auf dieser Welt ein Diktator wie Ceausescu, Saddam, Idi Amin oder ein neuer absoluter Herrscher eines Landes, reale Gladiatorenkämpfe wie die der alten Römer veranstalten würde, so wären „seine Spiele“ in allen Arenen seines Landes immer ausverkauft. Zu jeden Preis, zu jeder Stunde. Ja, ich meine jetzt, im 21. Jahrhundert. Und die Begeisterung in diesen Arenen würde sogar exorbitanter als im alten Rom sein. Dieser Diktator müsste nur eine Bedingung erfüllen um sich den ununterbrochenen Strom von Besuchern und Touristen aus der ganzen „freien und zivilisierten“ Welt für seine Spiele sicherzustellen: Kein Einreisevisum verlangen und kein Stempel im Pass beim Eintritt oder Verlassen seines Reiches. Solch ein „Großer Herrscher“ könnte auch mit Sicherheit davon ausgehen, dass sein Volk –egal welcher ethnischer Gruppierung oder welcher Ecke dieser Welt gehörend- seine Führung für eine lange Zeit von Spielen und durch Tourismus erbrachtem Reichtum unterstützen würde. Hypokrisie ist wahrscheinlich die einzige Eigenschaft die einen riesigen Fortschritt während der Entwicklung unseres Geistes über die letzten 4000 Jahren machte. Die neulich erfundene Formel der Medien “Viewers Discretion Advized” soll in dezenter Weise die Ausstrahlung von Brutalität, Gewalttätigkeit und Blutvergießen in Filmen und Bücher „verbraucherfreundlich“ promovieren.

Der Auftrag

Kurz nachdem ich in die Bauindustrie wechselte, machte ich die bittere Erfahrung den Unterschied kennen zu lernen, zwischen der Tätigkeit für einen berühmten Bayerischen Automobilhersteller und der Arbeit bei einer der vielen Deutschen Bauunternehmen: Bei der ersten wird man von Entwicklungs- und Lieferantenfirmen respektiert und geschätzt, bei der zweiten muss man immer auf der Hut sein, um nicht übers Ohr gehauen zu werden.

Während ich über die ganze Dauer meiner Auswirkungen in der Entwicklung und Serienbetreuung dieser noblen Automobilmarke nur ein einziges, kleines Problem mit einem der Mitentwickler hatte -er wollte über die „Missverständnis“ Methode eine leicht geänderte Lösung durchsetzen- lernte ich jetzt, dass das Führen von Aktennotizen und gegebenenfalls die Unterzeichnung dieser durch die Gegenpartei von wichtiger Bedeutung seien.

Es war ein selbstständiger Statiker dem ich dafür danken sollte. Wir arbeiteten an die Pläne eines Fertighauses welches in der Türkei hergestellt, in Deutschland sowie im Mittleren Osten in größeren Zahlen aufgestellt werden sollte. Ich bestellte die Statik der Träger mit einem klaren Zeitplan und die Lieferung der Berechnungen eine Woche vor meinem geplanten Flug nach Ankara. Auf meine zeitliche Anfrage über den Stand der Berechnungen sagte der Statiker ich soll mir keine Sorgen machen, diese werden noch zeitlich bei uns geliefert werden. Sicherlich schenkte ich ihm Glauben und nahm mir nicht die Mühe ihm die Aktennotiz zu seinen Versprechungen für den bestätigten Termin zur Unterzeichnung zu geben. Einen Tag vor meinen Abflug hatte ich noch immer keine Berechnungen. Ich rief den Statiker an und sagte sein Auftrag ist storniert da nicht eingehalten und er soll mir ja keine Kalkulationen zu schicken wagen, da diese nicht mehr erforderlich sind. Selbstverständlich würde auch eine Rechnung abwegig sein.

Die ausgebrochene, galoppierende Inflation in der Türkei machte jedoch unser Projekt praktisch über Nacht obsolete. Wir stornierten das Projekt. Ich hatte den Vorgang schon längst vergessen als nach mehr als drei Monaten eine Rechnung für Statische Kalkulationen zum „Türkisch Haus“ einschneite. Ich prüfte mit unseren Ingenieuren und dem Sekretariat ob nach meiner Stornierung des Auftrages irgendwelche Kalkulationen eingegangen wären. Nein, wir hatten nichts erhalten. Ich rief den Statiker an und er war sogar frech: „Ich wusste ihr braucht diese Berechnungen nicht mehr und darum habe ich sie nicht weitergeschickt, aber für meine getane Arbeit müsst ihr bezahlen“. Sicherlich sagte ich, er kann die Angelegenheit vergessen, für nicht gelieferte Ware gibt es auch keine Bezahlung. Ich hörte nur noch „ich werde euch für mein Geld anklagen“ dann legte er auf. Und er klagte vor Gericht. Aber die Größte Überraschung war die richterliche Entscheidung: Er soll seine Berechnungen liefern und wir sollen dafür bezahlen. Dieser Ingenieur hat über eineinhalb Monate gebraucht bis er im Stande war, seine Kalkulationen auszuliefern. Aber er erhielt sein Geld und ich vernichtete seine wertlose Arbeit.

Unsere Firma brauchte dringend einen Bauleiter für das Projekt in Libyen. Wir hatten den Tiefbau und Gebäudeteil einer Entsalzungsanlage innerhalb einer Partnerschaft von mehreren Deutschen Unternehmungen übernommen. Es wurden viele Bewerber interviewet aber aufgrund der intensiven Bauaktivitäten in den arabischen Öllieferanten Länder, waren nicht genug gut ausgebildete Kandidaten zu finden, die auch bereit waren das raue Leben in diesen Gebieten auf sich zu nehmen. Auch nicht für die sehr großzügigen, sogar steuerfreien Gehälter die wir in der Lage waren anzubieten. Unter all die Bewerber war ein Herr der meine Aufmerksamkeit gewann. Der Bewerber hatte einen griechischen Namen, ein Deutsches Diplom, die deutsche Staatsbürgerschaft und er kam gerade zurück nach Übergabe eines großen Projektes der Aluminium Industrie in Indonesien. Aber was mich verblüffte war seine Handschrift: Sehr genau, gleichmäßig und mit runden Buchstaben. Eigentlich sah es fast wie die Schrift eines fleißigen Schülers aus. Ich wusste nicht wie dies zu interpretieren war, aber ich war geneigt es als für Genauigkeit und Ehrlichkeit aussprechend zu sehen.

Mein Bruder und Partner war verreist als wir Herrn Konstantin K. interviewet haben. Unsere rechte Hand und guter Freund des Bruders, quasi der dritte Mann in der Firma, Herr Dietmar C. und ich waren sehr begeistert über die Kenntnisse, der Erfahrung und die freundliche Ausstrahlung des Kandidaten. Wir verhandelten Gehalt und weitere Bedingungen sowie angebotene Vergünstigungen und Konditionen. Aber obwohl er zufrieden schien, wollte Herr Konstantin erst alles mit seiner Bayerischen Ehegattin telefonisch besprechen um die endgültige Antwort geben zu können. Ein korrekter Familienmensch der wichtige Entscheidungen mit seiner Ehefrau bespricht, meinten wir und nahmen diese Tatsache als positiv gerne an. Ich war von Ihm begeistert. Als er dann telefonisch das JA seiner Frau erhielt und strahlend dies meldete, stellten wir ihn sofort ein.

Nach einigen Tagen kam Herr Konstantin ins Büro um die Projektunterlagen zu studieren, unsere Mannschaft kennenzulernen sowie sich auf die Gegebenheiten der Baustelle, an der Mittelmeerküste nicht weit entfernt von Homs, vorzubereiten. Wir gaben Ihm ein Büro neben meines so dass er ungestört in der Lage zu Arbeiten war und eventuelle Fragen gleich weiter melden zu können. Aber am ersten Tag schon, kurz vor Mittag, stürmte mein gerade zurückgekommener Bruder in mein Büro und tobte:

„Wer ist dieser „Jumping Jack“ im Nebenzimmer? Was macht er mit den Homs Unterlagen?“

„Was, du nennst unseren neuen Homes Bauleiter einen Jumping Jack? Wie kommst du dazu?“

„Hast du diesen Mann angestellt ohne mich zu fragen? Ich mag ihn nicht! Er ist gefeuert, sag ihm er soll heimgehen!“ Inzwischen beruhigt, wartete ich auf die nächste Bemerkung meines Bruders die auch im gleichen Atemzug kam:

„Ich betrat gerade das Zimmer und dieser Typ springt auf von seinem Schreibtisch wie ein Soldat und begrüßt mich mit Namen obwohl wir uns doch gar nicht kennen! Ich brauche diesen Mann nicht. Er ist kein Leader!“

„Hey, warte doch, wir haben ihn gründlich überprüft und ausgehorcht. Er hat hervorragende Kenntnisse und Auslandserfahrung. Wir brauchen einen guten Bauleiter ab sofort. Dieser hier ist ein guter. Vergiss deinen komischen ersten Eindruck, und denk daran, wir zwei haben doch noch eine gewisse Ähnlichkeit; Herr Konstantin wusste dass du heute zurück kommst, also war es keine große Kunst dich zu erkennen. Und er hat sich nicht geirrt.“

„Ist mir egal und ich will diesen Mann nicht, lass ihn verschwinden!“ Kam wie aus der Pistole geschossen.

„Dies geht leider nicht. Der Vertrag wurde von beiden Seiten unterzeichnet und ist bindend. Herr Konstantin wird einen ausgezeichneten Oberbauleiter geben und den brauchen wir ab sofort wie dir ja wohl auch bekannt ist.“

Herr Konstantin K. bekam den Job und flog auch gleich nach einigen Tagen nach Libyen. Es vergingen nur wenig Zeit bis die besten Wochenberichte aus Homs kamen, die wir je von einer Baustelle erhalten hatten. Ich blieb nur noch am Rande mit diesem Projekt beschäftigt und fuhr einige Male zur Baustelle als ich auch die Ruinen von Leptis Magna in der Nähe der Baustelle besuchen konnte die beeindruckend waren. Obwohl über Jahrhunderte als Steinbruch benützt, waren diese Ruinen die am besten erhaltenen einer Römischen Stadt die ich je gesehen hatte: Myriaden von Säulen, Steinbögen, Portale und Mauer Fragmente die aufrecht standen, zeigten saubere, noch fast Erosion freie Steinornamente und fein gemeißelte Dekorelemente der Römischen Künstler.

Nach nur ein paar Monaten mit uns erfuhr ich dass Herr Konstantin beschlossen hatte den Job aufzugeben. „Die lange, tägliche hin und her Fahrt von Homes wo die Familie wohnen sollte, zur Baustelle ist ihm auf den schlechten, gefährlichen Straßen unzumutbar“ war die offizielle Begründung. Es rumorte jedoch, dass er mit meinem Bruder der in diesem Projekt sehr stark involviert war, nicht zu Recht kam.

Etwa um diese Zeit bemühte sich mein Bruder einen neuen, riesigen Auftrag für unser Firmenkonsortium an Land zu ziehen. Es ging um die Bauüberwachung eines Projektes von über 1200 Wohneinheiten als Villen und Wohnungen in Hochhäuser, einschließlich Tiefbau mit Straßen und Brücken, Wasserturm, Parkanlagen, Schulen etc. in Abrasudien. Und es sah danach aus, dass mein Bruder mit seinem Angebot erfolgreich war und dass es in Kürze zur Unterzeichnung des Vertrages kommen wird.

Als ich das erste Mal auf dem Gebiet der zukünftigen Baustelle mit meinem Bruder kam die ca. 24 Km von der Hauptstadt entfernt war, mitten in der unberührten Sandwüste, fanden wir nur einige Baracken die mehrere hundert Koreanische Arbeiter beherbergten. Wir trafen hier die Führung der von uns zu überwachenden Baufirma. Ein Herr Choister wurde uns vorgestellt als der Bevollmächtigter Obermanager dieses Unternehmens für alle Baustellen im Lande. Die meisten Leute dieser Firma die wir sahen trugen Armeeuniformen oder nur Epauletten an den Hemden. Wir waren beeindruckt, aber gleichzeitig auch verunsichert; in der technischen Überwachung einer militärisch organisierten Unternehmung für die Durchführung und den Abschluss eines so riesigen Projektes konnten uns bedeutende Schwierigkeiten begegnen.

User Auftraggeber, ein Abrasudisches Ministerium, hatte es eilig da die Vergabeentscheidung schon zu lange gedauert hatte. Es war uns jedoch noch zeitig gelungen einen US Amerikanischen Oberbauleiter für diesen Auftrag zu verpflichten. Mr. Grantler wurde von meinem Bruder zusammen mit unseren aus New York kommenden Mitarbeiter Rene A. überprüft und angestellt. Er übernahm zügig seine Position auf der Baustelle, aber ziemlich kurz darauf begannen wir seine Art die Bauleitung zu führen irgendwie als unbehaglich zu empfinden. Obwohl noch nicht genau definierbar war, was uns gewissermaßen gegen den Strich lief, hatten sowohl Rene der jetzt regelmäßig zum Al Krajh Projekt fuhr, als auch mein Bruder das Gefühl, etwas würde schief mit unserem Abrasudien Projekt laufen: Wir bekamen keine gründlichen Berichte, die telefonischen Mitteilungen waren meistens nebulös, meistens hektisch angeblich wegen Zeitmangel, unvollständig und daher von uns als nicht befriedigend und unprofessionell gesehen.

Foundations all over

Als wir wieder anfingen all die möglichen Informationen betreffend Mr. Grantler zu überprüfen um ihn genauer einordnen zu können und gegebenen Falls mit dem Gedanke spielten ihn zu ersetzen, beschloss ich Herrn Konstantin K. der gerade Homs verlassen hatte, doch noch einmal zu sprechen. Herr Konstantin kam in unser Büro, damals noch in Stuttgart, nur um seine Akten zu holen. Ich begegnete ihn im Sekretariat und, da die Zeit gerade günstig war, lud ihn gleich zum Mittagessen ein. Ich wusste, er war schon ursprünglich an eine Tätigkeit in Abrasudien interessiert und jetzt hatte ich eine günstige Gelegenheit seine Lage zu ertasten sowie die Möglichkeiten zu eruieren, wie wir ihn wieder gewinnen könnten und als Ersatz für Mr. Grantler zu verpflichten. Nach wie vor war ich der Meinung dass dieser Ingenieur sehr wertvoll für uns wäre um ihn einfach gehen zu lassen, nur weil es in Homs nicht günstig gelaufen ist. Ich hatte auch schon einen Plan geschmiedet, den ich mit Herrn Konstantin besprechen wollte. Er hatte früher einmal von seinem „Traumgehalt“ auf einer großen Baustelle im Ausland, eventuell sogar Abrasudien als Anliegen geredet, so dass ich also seine Ziele schon kannte. Dies kam meinen Überlegungen zugunsten, ich konnte diese dementsprechend attraktiv gestalten. Also erzählte ich Herrn Konstantin, wir hätten große Bedenken bezüglich Mr. Grantlers Loyalität unserer Firma gegenüber und bezweifeln sogar, dessen Fähigkeiten so eine komplexe Aufgabe bestens durchführen zu können. Ich schlug Herrn Konstantin vor die Position eines Assistenten des Oberbauleiters anzunehmen. Wir wollen dann genauestens all die Aktionen und Beschlüsse seines Vorgesetzten heimlich beobachten um festzustellen, ob da „etwas faules in Dänemark“ vorliegt. Sollte er uns helfen können unseren Verdacht zu dokumentieren und das falsche Spiel des Amerikaners zu entlarven, so wollen wir diesen feuern und Ihn zum Oberbauleiter mit seinem Traumgehalt befördern. Und, ich versprach die Baustelle von Seiten der Firmenführung persönlich zu übernehmen. Er wird vom Anfang an ausschließlich mir berichten und nur mit mir zusammenarbeiten und Beschlüsse koordinieren. Mein Bruder sollte sich auch vom direkt in dieses Projekt Involviert sein auf alle Fälle zurückziehen.

Nach einem längeren Gespräch beschlossen wir gemeinsam diesem Gedanken mehr Zeit zum Reifen zu geben. Wir wollten auch noch die Antwort eines konkurrierenden Unternehmens aus Stuttgart abwarten bei dem Herr Konstantin seine Bewerbung für eine Position ebenfalls in Abrasudien eingereicht hatte. Und ich wollte auch mehr Zeit gewinnen um tiefer in das Projekt zu steigen und mehr über Mr. Grantlers Aktivitäten und Fähigkeiten in Erfahrung zu bringen.

Kurz darauf beschlossen wir uns als Auftragnehmer aus Libyen, wegen Finanzreformen und wesentlichen politischen Veränderungen in diesem Lande, zurückzuziehen. Ich begann mich zusammen mit Rene, der viel Erfahrung im Management von übergroßen Bauaufträgen hatte, auf das Al Krajh Projekt zu konzentrieren.

Während die anderen Partner unseres Konsortiums damit begannen, Kurzreisen nach Arhdia, die Hauptstadt, zu machen um diese ungewöhnliche Ecke der Welt zu besichtigen sowie auf der Baustelle den „big Boss“ zu spielen und das örtliche Management verunsichern, war Rene immer mehr davon überzeugt, fast unlösbare Probleme bauten sich ständig in Abrasudien auf und bedrohten unseren Firmenstand dort sehr ernsthaft. Rene war zur Überzeugung gekommen, dass wir die Leitung des Auftrages ab sofort zu 100% in unsere Hände nehmen müssen sowie Mr. Grantler ganz streng unter die Lupe halten und kontrollieren sollten. Wir waren als „Consulting Company“ von dem Ministry of Public and Housing Affairs beauftragt, den Bau dieser Satellitenstadt zu überwachen, sowie technisch die Übereinstimmung zu den ausgearbeiteten Spezifikationen sicherzustellen. Die ausführende Firma war ein Südkoreanisches Bauunternehmen, Kenag Nuam & Co Ltd. Derer Manager Mr. Choister schien ein sehr gutes Verhältnis zu unseren Mr. Grantler zu haben und wir waren in der Tat nicht sicher ob Mr. Choister eigentlich Koreaner, oder Amerikanischer Staatsbürger war.

Für meine Reisen nach Arhdia habe ich von Anfang an immer dafür gesorgt, dass unser Mitarbeiter Mr. el Alifa der ursprünglich aus dem Mittleren Orient war und Leiter der Personalabteilung bei uns, sich immer zur gleichen Zeit in Abrasudien zu meiner Verfügung halten soll. Praktisch machte ich Ihn zu meinen Abrasudien Assistenten und Berater. El Alifa ist am Königshof von Irak aufgewachsen. Er kam nach Deutschland ins Exil und sprach ein hervorragendes Deutsch sowie Oxford English. Ich war sicher, sein Arabisch war vom kultivierten Niveau ebenfalls.

In dieser ganzen anfänglichen Zeit in Abrasudien habe ich dort immer den el Alifa zu meiner Seite gehabt. Wir sind immer nur zusammen zu all den Meetings in den verschiedenen Ministerien, den Banken für Verhandlungen oder Geldabholen, zu den Sponsoren etc., erschienen. Ich habe eine ganze Menge von Ihm über Kultur und Mentalität des Volkes hier gelernt. Egal wohin ich ging, jeder hatte sich schon daran gewöhnt dass ich mit el Alifa an meiner Seite erscheine.

Irgendwann, später im Auftrag als ich alleine das Büro meines Sponsors betrat, schaute mich der Büromanager Mr. Basim ein witzvoller Kerl, an und schaute mich wieder an, dann lief er zur Tür, öffnete diese und guckte hinaus, drehte sich dann um und sagte: “Sie haben el Alifa verloren, er ist nicht hier, wo haben sie ihn vergessen?“

Beide, el Alifa und Mr. Grantler waren begnadete Erzähler. Ganz besonders während der Anfangszeiten als wir noch im Hotel Zahrat Alshark wohnten, bevor unser Camp fertig wurde, konnte ich viele angenehme Abende mit el Alifa und Mr. Grantler verbringen. Alleine das Zuhören Ihrer Erzählungen über Filmklassiker oder interessante persönliche Erfahrungen sowie Besuchten Gegenden war sehr unterhaltsam und sogar willkommener Unterricht der englischen Sprache für mich.