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Ein Autor Eine psychisch Kranke Ein Psychologe Verbunden durch eine Anstalt Der Tod von Hermann Schweiger wurde nie aufgeklärt, seine Tochter jedoch wurde in eine Nervenheilanstalt eingewiesen. Sie scheint mehr zu wissen, als sie sich zu erzählen traut, doch nach einem psychotischen Anfall, neben der Leiche ihres Vaters, nimmt das 18-jährige Mädchen sowieso Niemand mehr ernst. Ihr behandelnder Arzt ist der Erste, der nach diesem schrecklichen Vorfall wieder zu ihr durchdringt und nimmt ihre Behandlungen auf Tonband auf, um einen - während des Gesprächs - zufällig fallenden Beweis sofort an die Polizei übermitteln zu können. In der Klinik spielt sich jedoch mehr ab, als der junge Arzt vermuten würde und schnell verstrickt er sich im Geflecht von Geheimnissen und einer verbotenen Zuneigung zu seiner Patientin. Was weiß sie und wen versucht sie zu beschützen? Sich selbst? Eben diese Frage stellt sich auch der Bestseller-Autor, der 60 Jahre später den Fall von neuem aufrollt. Kann er das Geheimnis um Susanna und Hermann Schweiger lüften? Und in welchem Verhältnis steht er zu diesem mysteriösen Fall? Aufzeichnungen 13/246 besticht durch den Wechsel aus reinem Dialog und Fließtext.
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Seitenzahl: 99
Veröffentlichungsjahr: 2016
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C. J. Roth
Aufzeichnungen 13/246
Impressum
Texte: © Copyright by Siegmund CarinaUmschlag:© Copyright by Siegmund CarinaVerlag:Siegmund Carina
Lupinenstraße 786179 [email protected]
Druck:epubli ein Service der
neopubli GmbH, Berlin
ISBN 9783741859717
Printed in Germany
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
Inhaltsangabe
Prolog
Sitzung 1
Sitzung 2
Sitzung 3
Sitzung 4
Notizen Dr. J. B. Kohler
Autor 1
Sitzung 5
Sitzung 6
Sitzung 7
Sitzung 8
Sitzung 9
Autor 2
Sitzung 10
Sitzung 11
Susannas Tagebuch
Sitzung 12
Sitzung 13
Autor 3
Sitzung 14
Sitzung 15
Sitzung 16
Sitzung 17
Sitzung 18
Sitzung 19
Sitzung 20
Das Geständnis 1
Das Geständnis 2
Sitzung 21
Nachtrag Autor
Danksagung
Prolog
Mit meinen 62 Jahren hatte ich schon einiges gesehen. Hass, Liebe, Wut, Vergebung und die Grauzonen Zwischendurch. Seit 44 Jahren schreibe ich Thriller und Krimis, und erfreue mich einer überdurchschnittlichen Beliebtheit und der daraus resultierenden Bekanntheit. Die Jahre des Hungerns für die Kunst sind vorbei und nun kann ich mich einem Werk widmen, dass mir schon seit frühester Kindheit den Schlaf raubt. Alles was es dazu brauchte war eine Genehmigung, die ich dank meines populären Künstlernamens erhalten hatte.
Ein Zugang zu einer Psychiatrie, die 1930 die ersten Patienten aufnahm, sich einen Namen machte, während der NS-Zeit einige fragwürdige Methoden anwandte, mit Ende des Krieges nur noch inoffiziell betrieben wurde und dann, 1989, im Zuge des Mauerfalls, offiziell für geschlossen erklärt wurde.
Ich war hier um mir diese Einrichtung genauer anzusehen und zu prüfen, ob sie einen guten Schauplatz für mein nächstes Werk bot, das hatte ich zumindest angegeben, um an die Genehmigung zu kommen.
In wenigen Wochen wollten sie die Anlage abreißen, um ein neues Wohngebiet hochziehen zu können und es war die letzte Chance, etwas über die Vergangenheit herauszufinden. Mit dem Schreiben des Amtes trat ich an den Pförtner, oder Wächter – es war eine Auslegungssache, denn normalerweise ließ dieser Mann niemanden passieren und versuchte alles, um die Leute vom Gelände zu halten – heran, und wurde nach einem kritischen Blick durchgewinkt.
Ich hatte nur einen Schreibblock und einen Stift zur Hand, jegliche Taschen und auch meinen Mantel, den ich mir wegen des regnerischen Herbstwetters übergezogen hatte, musste ich im Auto zurücklassen. Aus der Anstalt durfte ich keinerlei Material mitnehmen, keine Kopien, kein Bild- oder Tonmaterial – hier war man mir, trotz meines hohen Ansehens, unnachgiebig geblieben.
Vor ein paar Tagen hatte man mir einen Lageplan der Anlage zugesendet, sodass ich keine Probleme hatte, die Räumlichkeiten zu bestimmen, und diesen nutzte ich nun, um ins Archiv zu gelangen. Dunkle, bröcklige Treppen führten mich ins feuchtkalte Kellergewölbe. In dem Moment schrumpfte meine Hoffnung, die nötigen Unterlagen in gutem Zustand vorzufinden, da sie mit der Zeit und unter diesen Begebenheiten sicher verrottet waren.
Trotzdem stieg ich tiefer, die Gummisohlen meiner Schuhe quietschten bei jedem Schritt, den ich tat. Ich kam am Ende des Gangs und somit am Archiv an und sah mich genauer um. Meterhohe Aktenschränke, eine flackernde Deckenleuchte und ein Holztisch mit Stuhl. Das würde für die nächsten Tage oder Wochen mein Posten werden. Weiter hinten entdeckte ich einige Regalreihen, in denen wohl noch andere Dinge aufbewahrt wurden, doch für den Anfang würde ich mich durch die Schränke wühlen.
Die Fronten der Schubladen waren mit den Buchstaben des Alphabets beschriftet, was mir meine Suche erleichtern würde. „SCH...SCH...SCH...", nuschelte ich gedankenverloren vor mich hin und suchte weiter. Vier Reihen weiter wurde ich fündig und konnte nun genauer nach dem Namen suchen.
SCHWEIGER, Susanna
Ich kramte die Unterlagen hervor und sah einen Vermerk auf der ersten Seite.
Tonbandaufnahmen und persönliche Gegenstände 13/246
Ohne groß darüber nachzudenken ging ich auf die Regale im hinteren Teil des Raumes zu. Die erste Nummer gab das Regal und die zweite Zahl das Fach an. Ich ging die Reihen ab und hatte nach zwei Minuten alles nötige gefunden.
Im angegebenen Fach befand sich ein Karton, den ich anhob und zum Tisch am Anfang des Raumes trug. Dort hob ich den Deckel und fand Tonbänder. Alle waren mit ihrem Namen beschriftet, dem behandelnden Arzt und den Daten der Sitzungen. Es waren zwei große Stapel und noch einige andere Unterlagen enthalten, jedoch kein Abspielgerät. Verwirrt sah ich mich um, und durchsuchte dann wieder ein paar Schränke an der Seitenwand.
Wenige Minuten später hielt ich ein Abspielgerät in den Händen und zog den schweren Tisch zu einer Steckdose, um mir dort mein Lager aufzubauen. Grob sortierte ich dort die Aufnahmen nach ihrem Datum und griff nach dem ersten Band, um es mir anzuhören.
Der Block lag auf dem Tisch, der Stift war gezückt und ich war bereit die Vergangenheit zur Gegenwart zu machen...
Sitzung 1
So Susanna, ich habe nun das Aufnahmegerät eingeschalten. Ich werde dir jetzt noch einmal erklären, warum ich das getan habe und bitte dich dann, klar und deutlich zu bestätigen, dass es für dich ebenfalls in Ordnung ist, dass ich unsere Gespräche aufzeichne. Hast du das verstanden?
Ja.
In Ordnung.Susanna, wir werden über den Vorfall mit deinem Vater reden und uns insgesamt mit deinem Leben beschäftigen. Ich möchte dich verstehen können, um dir anschließend die richtige Behandlung zukommen lassen zu können. Das Tonband zeichnet unser Gespräch auf, um mir meine Nacharbeit zu erleichtern, da ich nicht sofort mitschreiben muss was du mir erzählst, aber auch, um eventuell angesprochene Beweise im Fall deines Vaters weiterleiten zu können. Hast du das verstanden?
Ja.
Hervorragend. Ist es für dich in Ordnung, dass ich unsere Therapiesitzungen aufzeichne und, sollte es der Sache dienen, die Bänder einer dritten Person zukommen lassen?
...
Susanna, hast du mich gehört?
Ja.
Soll ich die Frage noch einmal wiederholen?
Ich...also es wäre schon in Ordnung, denke ich.
Ich brauche eine klar formulierte Antwort von dir, Susanna.
Aber sie würden es nur der Polizei geben und keinem der Ärzte oder Pfleger hier, oder?
Ich verspreche, dass ich es nur an zuverlässige Personen weitergeben würde und auch nur in dem Fall, dass ich dir damit keinen weiteren Schaden zufüge.
Aber keinem Arzt oder Pfleger dieser Einrichtung, oder?
Wenn dir das wichtig ist, dann werde ich auch dies explizit erwähnen und unterlassen. Würde dir das helfen?
Ja.
Dann formuliere ich meine Frage neu.Ist es für dich in Ordnung, dass ich unsere Therapiesitzungen aufzeichne und, sollte es der Sache dienen, die Bänder einer dritten Person zukommen lasse, die in keinem Angestellten Verhältnis zu der Einrichtung steht, in der du dich momentan befindest?
Ja, das wäre in Ordnung.
Sehr schön. Vielen Dank für deine Mithilfe, Susanna.
...
Wie du weißt, steht eine Lobotomie in Aussicht, sollte diese Art der Therapie nicht anschlagen. Weißt du was eine frontale Lobotomie beinhaltet?
Ein Chirurg wird durch mein Auge in meinen Kopf gelangen und dort die Verbindungen verschiedener, miteinander kommunizierender Gehirnbereiche durchtrennen.
Das hast du wirklich fantastisch wiedergegeben, aber verstehst du auch, was genau das bedeutet?
Ja, man wird durch mein Auge eindringen, mit einem metallischen Instrument das einem Pickel gleicht, wird zu meinem Gehirn fahren, um mir Nerven durchzutrennen und hofft, dass dadurch meine Psychosen vermindert oder ganz geheilt werden. Aber die Chance, dass ich den Eingriff überlebe ist gering und ich werde anschließend eventuell für immer geistig oder körperlich eingeschränkt sein.
Das stimmt. Und aus diesem Grund möchte ich alles daran setzten, dass diese Therapie anschlägt. Ich werde dir helfen, über Dinge reden zu können, die du tief in dein Unterbewusstsein verdrängt hast, damit sie dich im täglichen Leben nicht aus der Bahn werfen. Ich verspreche dir alles daran zu setzten, dass es dir besser gehen wird. Um das beste Ergebnis zu erhalten ist es wichtig, dass du dich fallen lassen und mir vertrauen kannst. Aber ich muss mir dein Vertrauen erst verdienen, das weiß ich. Ich werde mich darum bemühen, dich nicht zu enttäuschen.
Sitzung 2
Erzähl mir doch ein bisschen was von dir, Susanna.
Was möchten Sie denn hören?
Was du gerade auf dem Herzen hast, oder etwas anderes, das du mir vielleicht erzählen möchtest.
Ich hasse diese Einrichtung hier.
Wieso?
Mein Zimmer ist so leer und dunkel. Zuhause hatte ich ein paar Bilder an der Wand hängen. Ich mochte meine Daunendecke. Hier friert es mich oft.
Möchtest du eine dickere Decke? Ich könnte das veranlassen.
Das wäre schön. Und ein Buch, zum Lesen!
Momentan möchten wir dich von den Meinungen, Gedanken und Weltanschauungen anderer Personen fernhalten, daher wird das mit dem Lesen noch etwas warten müssen. Ich könnte dir einen Zeichenblock und Farbe bringen lassen, damit du die Zeit schneller herumbekommst.
Keine Bücher?
Keine Bücher, leider.
Tut es Ihnen wirklich leid, oder müssen sie das sagen, um sich meine Sympathie zu erarbeiten?Warum lachen Sie?
Weil du ein unheimlich intelligentes Mädchen bist.
Mädchen. Sie wissen schon, dass Sie gar nicht so viel älter sind als ich, oder?
Natürlich, ich kann es deiner Akte entnehmen. Du bist gerade einmal vier Jahre jünger, als ich. Hast du ein Problem mit dem Wort Mädchen, oder das ich dich damit jünger einstufen könnte, als du tatsächlich bist?
Nun, mit achtzehn gelte ich wohl noch nicht ganz als Erwachsene, aber ein Mädchen bin ich nun wirklich nicht mehr. Aber seit dieser Sache...da...behandeln mich alle wie ein kleines Kind.
Wie sollten sie dich denn stattdessen behandeln?
Wie eine ebenbürtige. Ich bin auch ein Mensch, habe Gefühle und ich verstehe es, wenn man mich wie eine geistig Zurückgebliebene behandelt. Ich bin traurig und wütend, aber nicht dumm.
Mit dieser Einschätzung liegst du vollkommen richtig. Ich werde es anmerken.
...
...
Und?
Was, und?
Sagen Sie nur so, dass es Ihnen Leid tut, oder tut es das wirklich?
Ich finde es tatsächlich sehr schade, dass du dich hier langweilen musst. Für deine Therapie jedoch ist es von Belang, daher ist es wohl nur eine Floskel, um dir ein besseres Gefühl zu geben.
Und, was meinen Sie? Habe ich jetzt ein besseres Gefühl, jetzt wo ich Sie durchschaut habe?
Ich glaube du bist sehr wütend, aber erzähl mir doch einfach, was du empfindest. Das ist wichtig für unsere Therapie.
Für unsere Therapie? Ich werde therapiert. Nicht einmal das gestehen Sie mir zu. Es ist meine Therapie.
Natürlich. Es ist wichtig für deine Therapie.
Ich bin stinkwütend.
Warum?
Weil ich hier festsitze, wie eine Idiotin behandelt werde, meine Mutter mich noch kein einziges Mal besuchen gekommen ist, man mir Tabletten gibt, die mich, sobald ich hier raus bin, lethargisch durch den Tag leben lassen. Hier...hier in diesem Raum darf ich wach und gereizt sein.
Wärst du denn gerne öfter gereizt?
Was? Nein, darum geht es doch gar nicht. Nur ich und meine Gefühle werden in dieser Anstalt in Watte gepackt und...ich...
Was, Susanna?
Ich kann es nicht in Worte fassen, aber es macht mich wütend.
Ich kann dich verstehen.
Ach ja?
Warum so sarkastisch? Natürlich kann ich das verstehen. Nur weil ich nicht hier wohne, heißt es nicht, dass ich deine Gefühle nicht nachvollziehen kann, oder sie nicht selbst schon durchlebt hätte.
Hier wohne, dass ich nicht lache. Das nennen Sie wohnen? Dann will ich niemals Ihre Wohnung sehen.
So ein junges Fräulein, wie du, sollte meine Wohnung gar nicht erst erwähnen.
Da brauchen Sie gar nicht so zu Grinsen.
Du nimmst mich ja sehr wörtlich. Tust du das immer, oder nur im gereizten Zustand?
Vergessen Sie's.
Nein, nun komm schon, Susanna. Warum willst du mich missverstehen? Fühlt sich das besser an, wenn du dich missverstanden fühlst?
Etwas.
Fühlst du dich besser, wenn ich dir sage, dass ich dich nicht verstehen kann, weil es dir so schlecht hier geht?
Ja, etwas.
Soll ich dich bemitleiden? Dich beweinen? Dir sagen, dass du das schlimmste Leben führst, von dem ich je gehört habe?
...
Soll ich übersehen wie intelligent du bist, und dich wie ein Kind behandeln?
