Augenmerk - Hans Jörg Rheinberger - E-Book

Augenmerk E-Book

Hans-Jörg Rheinberger

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Beschreibung

»Augenmerk« ist der bislang umfangreichste Gedichtband des Autors Hans Jörg Rheinberger. Die neuen Gedichte bilden eine große Gelehrtenschau, die der Autor vor den Augen der Literaturliebhaber vorbeidefilieren lässt. Er beschäftigt sich dabei mit den Großen der Literatur sowie bedeutenden Wissenschaftlern und Künstlern, als da wären: Balzac, Breughel, Cassirer, Cézanne, Darwin, M. C. Escher, Horaz, Lévi-Strauss, Kleist, Majakowski, Rembrandt, Rilke, Serres, van Gogh, Robert Walser u. a.

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Seitenzahl: 36

Veröffentlichungsjahr: 2022

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INHALTSVERZEICHNIS

I

Café Balzac

Palaver

Fischfrau

Knesebeck Elf

Kiepert

Savignyplatz

Flipper

Palme

Cour Carré

Amseln

Welthandel

Espresso-Meisterei

II

Schönheit

Wintergarten

Erinnerung I

Erinnerung II

Der Maler der Äpfel

Kopffüßer

Westerkerk

Rijksmuseum, Blumenstück

Mandelzweig

Atelier im Jordaan

Grachten

Tulipa hortensis

Aus dem Zugfenster

III

Baumstrünke

Tholen

Früher

Zeelands Welvaren

Middelburg

Jubel

Klematis

Dunst

Der Versuch

Rhododendron

Geläut

Schreiben

Römische Schnellwaagen

Jugendstil

Auf dieser Insel

Maurits Cornelis Escher

Zeichnende Hände

Der Text

IV

Das Nest

Abendfriede

Rudbeckia

Fledermaus

Glyzinie

Für Ernst Cassirer

Carillon

Rilke

Was sie geworden sind

Es kommt darauf an

Baumstrünke, encore

Giebel

Der Wurm

Meisterstücke

Symbiose

Die Fluren der Champagne

Bangen und Hoffen

Kochbuch

Wissenschaftsgeschichte

Rhythmanalyse

Hecken

Schicksal der Mücken

Später Blauregen

Der Physiker

V

Es wird Herbst in Salmeyers Garten

Küchenzeile: Xenobiologie

Donau

Überfluss

Verfertigung

Wochenmarkt

Von weitem

Lymantria

Nach dem Markt

Zurückblicken

Apfelmost

Wien, Brueghels Bäume

Skripturen, die nicht verweisen

Turm zu Babel

Flohmarkt

Nachtkerze

Elegie des Rauschens

Pensée sauvage

Horaz

Majakowski

Schachblumen

I

Café Balzac

Hier saß er

am Fenstertresen

Tag für Tag

die Schiebermütze

in die Stirn gedrückt

schrieb in sein Heft

mit Stiften

in allen Farben.

Es war ein großes Werk

das da entstand

eins von denen

die wohl nie

gelesen werden.

Und doch: Es war darin

ein ganzes Leben

aufgezeichnet.

In allen seinen Facetten.

Palaver

An kalten Tagen

versammeln sich

die Spatzen

im Eibengebüsch

am Renaissancetheater.

Das Palaver

das sie dort führen

hört man

von weitem.

In seiner Kakophonie

hat es Konturen

braust auf, schwillt ab

geht über

ins Solo-Zwitschern

verstummt, hebt wieder an

plätschert dahin

wird schrill.

Ja, sie versteht sich

auf alle Register

die Vogelschar.

Fischfrau

An der Ecke

zur Goethestraße

hatte die Fischfrau

ihren Laden.

Eine Portion Seelachs

gab es

für eine Mark zehn.

Der Kartoffelnachschlag

war umsonst.

Wartete man

lange genug

tat sie auch noch

etwas Fisch dazu.

Man aß im Stehen

im Dampf der Töpfe

hinter denen

sie ihre Gaben verteilte

die Studentenmutter

aus Charlottenburg.

Knesebeck Elf

Morgens um neun

war er auf dem Weg

zu seinem Geschäft.

Knesebeck Elf.

Philosophie und Literatur.

Die Auswahl an Büchern

war immer à jour.

Aber im großen Schaufenster

standen seit Jahren

die gleichen Adventskalender

gebleicht von der Sonne

das konnte auch

der große Parasol

ausgefahren

bei Tag und Nacht

nicht verhindern.

Dafür stapelten sich

die neuen Publikationen

meterhoch am Tresen.

Obenauf

Herrn Baumanns

Lieblingsstücke.

Schieflagen korrigierte er

mit seiner Krücke.

Kiepert

Kiepert war das Synonym

für die Buchhandlung

in der man

alles bekam.

Das Tor zur literarischen

und akademischen Welt

in Berlins Westen.

Die Glasfront

versprühte den Charme

der späten fünfziger Jahre.

Der Kontrast

zum Türmchen-Historismus

Theaters gegenüber

konnte nicht größer sein.

Über drei Etagen

erstreckten sich die Regale.

Auch Neustes aus Paris

aus London und Amerika

war da zu finden.

So manches Buch

fand seinen Weg hinaus

in der Westentasche.

Symbol zivilen Ungehorsams

einer aufmüpfigen Generation.

Doch mag bezweifelt werden

ob es Aktionen

wie diese waren

die den Laden schließlich

in die Insolvenz führten.

Er ist an seiner eigenen

Expansion gescheitert.

Was davon heute bleibt

ist nur noch die Fassade.

Savignyplatz

Im Winter die Haken schlagenden Hasen

im Frühjahr die Krokus-Rabatten

im Sommer die kühlen Platanen

im Herbst die bunten Lauben.

Der Savignyplatz

hat viele Gesichter.

Bewacht wird er

von zwei Ziegen hütenden Knaben.

Sieben Straßenzüge

führen auf ihn zu

Kunststück der Asymmetrie

bei so viel Gleichmaß

auf allen Seiten.

Der Platz erinnert

an den Kronsyndikus

Großkanzler und Rechtsgelehrten

Friedrich Karl von Savigny.

Er wird durchquert von der

nach Immanuel Kant

dem Zertrümmerer der Metaphysik

benannten Ausfallstraße.

Und leuchtet jetzt

bei niedriger stehender Sonne

im Blau des Rittersporns.

Flipper

Nach dem Kino

– Spiel mir das Lied vom Tod –

ging man

in den Zwiebelfisch

zum Flippern.

Dort standen

eine Jukebox und

die notorischen Automaten.

Steil schossen

die silbernen Kugeln hinauf

das Katapultieren

entschied.

Dann nahmen sie

ihren Lauf