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August Stramms neue überraschende Wortkunst wirkte beispielgebend auf viele Autoren. Dieser Band präsentiert alle Gedichte, die in seinen letzten Lebensjahren veröffentlicht wurden, sowie auch diejenigen, die erst postum publiziert worden sind.
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Seitenzahl: 24
Veröffentlichungsjahr: 2018
August Stramms neue überraschende Wortkunst ist von kaum zu überschätzender Bedeutung; sie wirkte beispielgebend auf Autoren wie Kurt Schwitters (1887-1948), Alfred Döblin (1878-1957), Kurt Heynicke (1891-1985), Otto Nebel (1892-1973), Franz Richard Behrens (1895-1977), Walter Mehring (1896-1981), Arno Schmidt (1914-1979), Ernst Jandl (1925-2000), Gerhard Rühm (* 12. Februar 1930). Paul Hindemith, Wolfgang Rihm u. a. vertonten seine Werke. Liebe und Erotik sowie Kriegserfahrungen sind die Themen seiner wegweisenden Lyrik, die den entscheidenden Schritt zur Abstraktion wagt. Angst, Begehren, Wollen, Abwehr, gleichzeitig widersprüchlich. Situative Beschreibungen von Liebeskampf, Verabredung, Erfüllung, Untreue; »romantische«, traditionelle Bilder von Mondblick, Mondschein, Abendgang. Erotische Vereinigung transzendiert zur visionären Alleinheit von Welt und Seele. Kosmischer Mystizismus. Schicksal zyklischen Werdens und Vergehens. Sinnlose Widersprüche. Verdorbenes Walten des Weltgeists in »Werttod« (siehe unten, S. →). Wirrnis und Zerrissenheit: »Es bäumt sich alles in mir dagegen und doch fühle ich mich hingezogen. Ich fliehe und stürze in einem Schlage! ... Eigenartig Tod und Leben ist eins.«
August Stramm, geboren am 29. Juli 1874 in Münster; gestorben am 1. September 1915 bei Horodec (östlich Kobryn, heute Weißrussland); während eines Sturmangriffs an der Ostfront gefallen (Kopfschuss). Postdirektor im Berliner Reichspostministerium. Lyriker und Dramatiker des Expressionismus (gesamteuropäische Kunstbewegung 1910-1924 gegen schlaffes, wohlanständiges Bürgertum, Genussästhetik und Jugendstil; Symbiose aller Künste, Gesamtkunstwerk aus Bild, Wort, Musik, Tanz; plakativ, erregt, exklamatorisch, aggressiv, deformierend, archaisch, wild, Erhabenes parodierend, Banales heroisierend, Simultaneität erzwingend). Von simpler Grammatik, Logik und Wirklichkeit freie Wortkunst. »Schrei-Dramen«, handlungsarm, ekstatisch, radikal verkürzt, Rhythmus, unmittelbar expressiv, das »einzige allessagende Wort«, Substantive, substantivierte Verben, Neologismen. [Detaillierter Lebenslauf siehe Joerg K. Sommermeyer, Biographischer Abriss August Stramms, unten S. → ff.]
Joerg K. Sommermeyer (JS), geb. 14.10.1947 in Brackenheim, Sohn des Physikers Prof. Dr. Kurt Hans Sommermeyer (1906-1969). Kindheit in Freiburg. Studierte Jura, Philosophie, Germanistik, Geschichte und Musikwissenschaft. Klassische Gitarre bei Viktor v. Hasselmann und Anton Stingl. Unterrichtete in den späten Sechzigern Gitarre am Kindergärtnerinnen-/Jugendleiterinnenseminar und in den Achtzigern Rechtsanwaltsgehilfinnen in spe an der Max-Weber-Schule in Freiburg. 1976 bis 2004 Rechtsanwalt in Freiburg. Setzte sich für eine Verstärkung des Rechtsschutzes bei Grundrechtseingriffen ein (Unterbringungsrecht, Untersuchungshaft, Durchsuchungsrecht). Zahlreiche Veröffentlichungen in juristischen Fachzeitschriften sowie Artikel in Musikblättern. Gründer und Vorsitzender der Internationalen Gitarristischen Vereinigung, Organisator und Künstlerischer Leiter der Freiburger Gitarren- und Lautentage, Herausgeber und Redakteur der Zeitschrift Nova Giulianiad: Saitenblätter für die Gitarre und Laute. Juror beim Schlesischen Gitarrenherbst in Tychy und Internationalen Gitarrenkongress Freiburg/Basel/ Straßburg. Songs, Liedtexte, Arrangements, Instrumentalmusik. 7 CDs, u. a.: Total Overdrive, Those Rocks & Lieders, Nel Cuore Romanzo Rock, Ergo, 7 Celebrities.
