Aus meiner Umwelt - Friedrich Brückner - E-Book

Aus meiner Umwelt E-Book

Friedrich Brückner

0,0

Beschreibung

Anekdotische Naturbetrachtungen mit eingewobenen Lebensweisheiten zu schreiben, ist die Stärke des aus dem Harz stammenden Friedrich Brückner. Auch als Förster in Berlin-Buch im nordöstlichsten Ortsteil des Bezirks Pankow hat er viel Zeit in der Natur verbracht. Seine Eindrücke der Begebenheiten und persönlichen Ansichten hat er in kurzen Texten eingefangen. Nun an seinem Lebensabend in Ostfriesland angelangt, hat er diese gesammelt, teilweise überarbeitet, ergänzt und für die Öffentlichkeit zusammengestellt. - Aus meiner Umwelt - enthält etwa 100 Kurztexte.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 125

Veröffentlichungsjahr: 2017

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhalt

Vermutung

Sonnenheide

Hallo!

Meine neue Umwelt

Hinterlassenschaft

Frühling

Juni

Altweibersommersonnentage

Erster Schnee

Eisvogel

Osterwasser

Regenstille

Verlorene Würde

Anpassung

Tierliebe

Schuldenlast

Wildwechsel

Hoffnungen

Vogelträume

1.Mai

Ein Stern

Schlafstörung

Erwachen

Trotzdem

Nebeltag

Gemeinsamkeit

Gleichgewichtsstörung

Vogelhochzeit

Gefühlskräfte

Einmalig

Vertretbar (?)

Naturverbunden

Nothilfe

Warnung

Ansprüche

Werkspionage

Macht der Worte

Fortschritt

Wiesenweg

Kiefernstangenholz

Zeitspuren

Sperlinge

Albtraum

Waldesstille

Nah und fern

Neulinge

Triebkräfte

Abstand

Vorurteile

Offene Fragen

Die Waschküchenrauchschwalben

Angsthase

Der Feldhamster

Gesetzmäßig

Freundlichkeit

Ein Wunder?

Das Erbe der Zeit

Ausgleich

Erfahrungswerte

Zum Lachen

Hunde

Babsy

Der Todverbeller

Schuldfrage

Friedhofskrähen

Pantoffelkeiler

Die Zeit kommt

Fehlmeldung

Hoffnung

Gewusst wie!

Die Menge macht’s

Töten

Einöde

Unwissenheit (oder die Macht des Wissens?)

Der Alte

Hundeleben

Von Alters her

Verlust

Zuneigung

Umweltfreunde

Für alle Fälle

Gartenschnirkelschnecken

Ich kann es nicht

Der Bahnwärter

Hotelkrähen

Randwerte

Ungewissheit

Kleinigkeiten

Neurose

Relationen

Ziele

Getreidehalmbruchkrankheit

Bummelpirsch

Rabenrätsel?

Modewelt

Zeitwert

Blödelei

Zurück ins Paradies?

Zufallsfund

Trittbrettfahrer(-in)

Burnout

Dämmerstunde

Mein Alter über 80 Jahre

Alterswelt

Das Alter

Anfangsgedanken

Vermutung

Es werden sicher nur wenige, mir gleichgesinnte Mitmenschen sein, die lesen, oder hören wollen, was ich in jüngerer Lebenszeit, und heute, in meinen Altersjahren zu der mich prägenden Umwelt aufgeschrieben habe. Aber eben für sie, und vor allem für mich selber, habe ich es getan.

Sonnenheide

Nur die Leute im Dorf wissen, wohin der sandige Weg über den Heidehügel führt.

Doch sie gehen ihn selten.

Arbeit weist Ihnen andere Wege, und Fremde wissen kein Ziel, ihm zu folgen. Ich vertraue dem Weg.

Er führt mich in Stille und Weite ärmlicher Heide. Trockenrasig und sonnenwarm dehnt sich das Land, ein wenig hügelig, bis hinüber zum Wald, der blaßblau in der Ferne verschwimmt.

Es ist, als hätte die Natur auf ihrem Weg durch das Land an diesem Orte ausgeruht, um Atem zu holen, und vergessen, ihre reichen Gaben zu verstreuen. Eine Kiefer drüben am Hang ist geblieben, knorrig geduckt. Eine Birke im Grund, schräg gewachsen gegen den Wind. Staubig steht vor mir ein Wildrosenstrauch, durchwebt von wirrem Ginstergezweig.

Schweigen liegt über dem Land.

Das wenige Leben ringsum braucht Ruhe und Kraft, sich selbst zu er halten auf magerem Sand. Trotzig erkämpft sich die krüppelastige Kiefer jede Fingerlänge ihrer Größe.

Und auch der lichten Birke sieht man an, wie sie geduldig Jahr für Jahr aus trockenem Grund neuen Wuchs gefiltert hat.

Und wer sich dieser großen Stille fügt, der findet wieder zu sich selbst.

Im Anblick dieser einen Kiefer erfüllt mich überströmend neue Kraft. Und angesichts der schlanken Birke erspüre ich das eigene Ich.

Im Alleinsein mit der stillen Weite löst sich in mir Enge und Kleinlichkeit.

Scheint auch das Land um mich herum in Ärmlichkeit erschaffen, ich sehe Schönes überall.

Ein üppig blumenbuntes Wiesental mag schön in unseren Augen sein. Doch rührt es mich niemals so an, wie blütengelbe Immortellen, die kümmerlich zu meinen Füßen stehen.

Und wenn die ersten Heideblüten mit zarten Farben über diese Hügel ziehn, dann wage ich die Stengel kaum zu brechen, denn diese Schlichtheit will behütet sein.

Ich finde nirgendwo so tief und innig Schönes dargeboten aus der Hand Natur.

Und über allem höre ich Gesang.

Es ist nicht das in aller Fülle sich überschlagende Konzert im Frühlingswald.

Es ist ein schlichter, ziehender Gesang einförmig hoher Töne, der über diesem Lande schwebt, wie silberzarte Spinnenfäden, die herbstlich mit dem Winde ziehn. Das Singen stört die Stille nicht.

Es fügt sich ein, in Ruhe und Bescheidenheit.

Und lange muß ich hörend suchen, bis ich die Sänger finde im Versteck. Es ist die Lerche, hoch im mittagsblassen Himmel, und im Gestrüpp die Ammer, die sich im Gesange reckt. Und ganz verborgen finde ich im Gras die Grille, die unermüdlich sirrend ihre Töne reibt.

Drei Sänger nur, und doch füllt ihr Gesang die Weite aus. Voll Wehmut und zugleich mit Jubel.

Und nirgendwo verspüre ich es stärker: Dies Land ist eine Liebe wert.

(September 1986)

Hallo!

Und einen guten Tag.

Auch Leselust? Ich freue mich.

Gerade etwa fünf Minuten Ihrer Lebenszeit sind sie eben lesewillig meiner Schreibfreude gefolgt. Dabei sind sie dort angekommen, wohin ich am liebsten gegangen bin, wenn ich es konnte.

Sollten Sie ebenfalls solche Wege gehen mögen, dann könnten Sie weiterlesen, denn ich glaube, sie werden Gedankengänge finden, die auch sie berühren.

Schließlich bin ich all die Jahre nicht allein diese Wege durch eine Umwelt gegangen, die mir mein Leben zugewiesen hat. Andere Menschen sind wie ich, oder auf ähnliche Art geprägt worden; und könnten nachvollziehen, was ich empfinde mit dem, was ich hier und da aufgestöbert, und aufgeschrieben habe.

Immer wieder, im Verlauf meines Lebens, sind mir "draußen " in meiner Umwelt Menschen begegnet, mit denen ich nach einiger Wortklauberei, über Dinge reden konnte, über die sie in ihrer sonstigen Umwelt mit Anderen kein Wort verlieren würden.

Eigenartig?

Denke ich darüber nach, muß ich bekennen, ich gehöre auch zu ihnen!

Alles, was ich von Hand in den 80 er Jahren geschrieben habe, hat meine Frau in Schreibmaschine gebracht, aber gesprochen haben wir darüber nie.

Höchstens über Tippfehler.

Wo immer man hindenkt im menschlichen Wirken, es gibt noch reichlich offene Türen.

In den Jahren zwischen 1980 und 1990 habe ich erschrieben, was ich bis dahin in meiner Umwelt aufgenommen hatte.

Erinnerungen, Begebenheiten, Ansichten, Betrachtungen, Erkenntnisse.

Es stammt aus Deutschlands Hitler Zeit, und aus kleindeutschlands sozialismusgläubiger Zeit der DDR.

Geographisch würde ich diese Umwelt dem Gebiet zwischen Harz und Ostsee zuordnen.

Nach 1990 ließ ich alles, was ich erfasst hatte, ruhen, und wollte es vergessen.

Der Grund dafür war, die negativen Kritiken, die Einbildung, nur wenige Menschen zu erreichen, das Ende der DDR, mit vielen Ungewissheiten, und die familiäre Umsiedlung nach Ostfriesland.

Eine Neuorientierung und Rückbesinnung erfolgte im Jahre 2016. Wieder gab es Gründe. Ich schrieb meiner Familie und Freunden auf, was aus meinem Leben kaum bekannt war.

Dabei berührte ich vieles aus meiner Umweltbeziehung. Und mir fiel ein kleiner Handzettel wieder zu, von einem Literaturprofessor, der einige Texte von mir gelesen, veröffentlicht und beurteilt hatte. Das ermutigte mich. Er hinterließ mir nur ein paar Worte. Mir aber waren sie wie eine Offenbarung.

Alle die von mir damals geschriebenen Texte will ich ohne Kommentar wiedergeben.

Der Zeitabstand von 20-30 Jahren, mit dem gewachsenen menschlichen Einfluss, und dem immer deutlicher werdenden Klimawandel, soll für sich sprechen. Texte, die ich aus meiner heutigen Sichtweise, des Jahres 2016 hinzufüge, werde ich jeweils kennzeichnen.

Meine neue Umwelt Endstation?

Nach Ende und Wende der DDR zur Einheit der Deutschen, die Rente, und unseren Umzugsplänen, taten sich um 1990 viele Ungewissheiten auf.

Auch die neuen Vorstellungen unserer drei Kinder kamen noch hinzu.

Also, was nun? Bleibt es bei Berlin? Nein!

Eines der Kinder machte den Anfang.

Nach Ostfriesland.

Ostfriesland?

Ach, herrje! Wo denn da?

Ostrhauderfehn.

Keine Ahnung. Nochmal, wo?

Ost-rhau-der-fehn!!

Nie gehört. Mal hingucken. Ach, du Sch….ande!

Das ist alles? Neue Sportart: 10.000 Meter Weitgucken.

Ach komm, was soll´s, wir machen es!

Das sind nun 20 Jahre her. Die Kinder sind alle hier und mehren sich. Ihre Mami hat uns verlassen, ich mach´s noch weiter. 20 Jahre. Früher waren 10 Jahre schon eine Ewigkeit. Heute sind sie ein Zeitenklacks. Und ich schulde den Ostfriesenjahren eine Rückschau, denn ich konnte nicht ahnen, wieviel Vielfalt diese Landschaft zu bieten hat. Das Land in seiner Offenheit zeigt mir mehr an Natur, als ich erwartet habe; und ich vermisse unsere „Berliner Zeit“ auf keinen Fall.

Jede Zeit hier, in meiner neuen Umwelt erfreut mich, gefällt mir und ist ein Gewinn. Ich genieße Ostfriesland, soweit es Alter und Gesundheit erlauben.

Ich kann mit Land und Leuten leben. (Auch mit Ausnahmen).

Nur - Ostfriese - kann ich nicht!

(April 2017)

Hinterlassenschaft

Wie haben meine Eltern mich meiner Umwelt hinterlassen? Darüber finde ich etwas aus meiner Schreibzeit der 1980er Jahre.

Träume zur Mutter

Von der Mutter träume ich selten. Und wenn, dann drängt es mich nicht, sie zu deuten. Sie sind wie belanglos. Und doch, seit ihrem Tod ist sie mir mehr als zu Lebzeiten gegenwärtig. Ich ertappe mich oft, daß sie auf den Wegen, die ich gehe, bei mir ist. Ich rede mit ihr, ich zeige, und erkläre ihr Dinge, die mein Leben ausmachen und bestimmen. Sie hat ihren Anteil an meinem Dasein behalten. Und ich denke, alles, was ich wachend träume, kommt von ihr. Alles, was mich zu Tränen rührt, quillt aus ihr. Und alles, was undeutbar Seele genannt wird, hat sie in mich hineingeboren. Ich glaube - ich bin von meiner Mutter her.

Das sind mir bleibende Worte.

Träume vom Vater

Noch lange, als ich selbst schon Kinder hatte, ließ mich die Kinderangst vor dem Vater nicht los. Immer blieb die Härte seiner körperlichen Strafen als Abgrenzung zwischen uns. Wir hatten kein Verhältnis zueinander, weder ein gutes, noch ein schlechtes. Was wir uns sagten, waren nur Sätze.

Mit den Jahren wurde aus der Kinderangst ein wiederkehrender Angsttraum. In ihm brachte ich brutal auf alle mögliche Art meinen Vater um. Aber immer, wenn ich glaubte, er wäre nicht mehr, stand er wieder drohend vor mir und ich erwachte, schweißnaß erschreckt.

Im hohen Alter seines Lebens fing er eines Tages an, mit mir zu reden über das, was in ihm war. Ein kleiner Funke sprang von ihm zu mir, und siehe da, der Traum kam nicht mehr wieder. Die Zeit reichte nicht hin, um aus dem Funken Wärme zu zeugen. - Sein Tod zertrat die kleine Hoffnung. Zu früh für ihn - zu spät für mich.

Ja, - aber! Ich muß mehr zu meinem Vater sagen, aus meiner Sicht der Jahre, 2016.

Als das Leben uns von seiner Vaterrolle trennte, war ich etwa 18 Jahre. Und - er hat mich bis dahin „lebenstauglich“ gemacht. Gebrauchsfähig könnte ich auch sagen. Er hat mir vorgelebt, was er mir vermitteln wollte. Ich habe es mir abgeschaut, wann immer ich konnte, und es brauchte gar nicht viel Worte.

Ich konnte jetzt einen Kaninchenstall alleine bauen, und darin die Tiere aufwachsen lassen. Ich konnte sie schlachten und ihnen das Fell abziehen.

Ich konnte sie ausnehmen, und küchenfertig meiner Mutter übergeben.

Ich konnte aus einem Stück Land einen Garten herrichten, und aus ihm Tomaten und Gurken ernten.

Und ich konnte eine abgesprungene Fahrradkette wieder aufziehen, und einen kaputten Schlauch wieder flicken.

Und ich konnte in meinem Lehrbetrieb, beim Schmied zeigen, daß ich einen Vorschlaghammer richtig halten konnte.

Das-war Vaters Hinterlassenschaft.

Seine Schläge waren mir keine Strafe. Sie hatten mit Erziehung nichts zu tun.

Sie waren eine Erblast, die er tragen mußte - den Jähzorn.

Aus irgend einem Winkel unserer Sippe kriecht er zu einem, der ihn dann sinnlos mißbraucht. Weitertragen muß ich diese Gene. Ich habe sie manches Mal im Leben verflucht, und ich wäre mir am liebsten selber aus dem Weg gegangen. Und ich hoffe, daß sie bei dem, dem sie nach mir zufallen, wieder etwas weniger geworden sind.

Vier Jahreszeiten

Frühling

Wie viele Menschen wünschen sich - es müsste immer Frühling sein. Der Frühling sei die schönste Jahreszeit. In erste warme Sonnenstrahlen blinzeln, andächtig lauschen auf den ersten Amselsang und freundlich grüßen in das erste zarte Grün.

Was wäre aber - bliebe ewig Monat Mai?

Ein Wald - gefüllt mit lauten Tönen, die unser Ohr kaum unterscheiden kann. Ein Wald - gefüllt mit dichtem Wuchs und Farbe, in dem der Mensch das eine Veilchen nicht mehr sieht.

Der Mensch will weiter - will in die Fülle eines neuen Jahres gehen. Er hört gerade noch den ersten Kuckuck rufen, dann hat er sich an alles schon gewöhnt. Er hört nicht mehr die erste Amsel rufen, und sieht nicht mehr das erste Veilchen blühen.

Er hat schon längst vergessen, wie der Frühling wurde; und deshalb muss ein neuer Winter werden, damit der Mensch sich nach dem ersten Veilchen wieder sehnt.

Juni

Ein Monat ist im Jahreslauf wie ein Jahrzehnt in einem Menschenleben.

Wer sich den Namen eines Monats denkt, verknüpft damit die Bilder einer Jahreszeit.

Der März ist voller Lerchensang und erstem grünen Schleier.

August ist ährenschwer und staubverschluckt - ein müder Vogelruf.

Oktober - bunt und voller Kraft, die Erntelast zu tragen.

Dezember ist in sich gekehrt und blinzelt hoffend auf ein neues Auferblüh'n.

Ein halbes Leben zieht vorbei, bis man des Monats und der Jahre Botschaft schätzt.

Wieviele Zeit verrinnt dabei - wie blind und taub - vergessen.

Der Jahre und des Lebens Bilder erinnern uns an das, was blieb, und regen in uns Hoffnung wach, das Verbleibende, was auf uns kommt, mit beiden Händen festzuhalten.

An vielen Dingen ging ich achtlos lange Zeit vorüber. Doch irgendwann und irgendwo brachen sie dann erkennbar auf.

So habe ich auf diese Weise den Monat Juni viele Jahre nie bemerkt.

Es prägte sich mit seinem Namen in mir niemals ein Jahresbild.

Vom Frühling ging ich in den Sommer wie achtlos über ihn hinweg.

Ein stiller Sonnentag eröffnete mir dann, was Monat Juni ist.

Ich saß am weiten See des Waldes. Das Licht des Tages fiel dem Abend zu.

Ein leichter Wind durchraschelte das Rohr und aus den hohen Bäumen tönte leis der Amsel Lied.

Die Stille rührte mein Gedankenspiel - der Juni gab sich zu erkennen.

Ich sah:

Des jungen Frühlings Drängen war vorüber.

Die Vielfalt neuen Wachsens zeigte sich vollendet, und alle Lieder hatten wieder ihren Klang und Reim.

Das Jahr im Juni ist gleich einem Menschen, der seiner Jugendzeit entwachsen und dessen Ecken rund geworden sind und weich.

Aus Laut und Farbe wurde warme Harmonie.

Das Land im Juni steht vor sommerlicher Reife - der Juni bietet uns das Jahr zur Nutzung an.

Altweibersommersonnentage

Sie sind vom Sommer Wochen schon entfernt.

Der Herbst hat erste Muster aufgelegt, und zeigt,

was er mit seinen Farben zaubern kann.

Es sind des Jahres Wendetage.

Sie stehen still, in dunstig blasser Sonnenmilde.

Das Jahr hat seine Sommerkraft veratmet und gönnt sich Ruhe,

vor des hohen Herbstes Sturmeszeit,

Man merkt im Wandern nicht den Tag verrinnen.

Das Frühkonzert der Vögel ist nicht mehr.

Die Mittagssonne treibt uns nicht mehr in den Schweiß.

Erst in des Abends Schatten spüren fröstelnd wir den Tag vergeh'n.

Da keimt der Wunsch, die Tage mögen bleiben

in ihrer stillen, milden Freundlichkeit.

In ihnen liegen Ruhe und Zufriedensein.

Des Lebens Sommer hat uns aufgebraucht.

Wir wollen - selbst gereift - in vollen Zügen seine Früchte noch genießen.

Wir wissen um des späten Herbstes Kühle.

Der leise Blätterfall von heute mahnt daran. -

Die jungen Leute mögen uns vergeben,

wenn wir ein wenig bummeln diese Zeit.

Wir möchten doch nur eine Weile mit uns

selber sein und uns besinnen,

was die Jahre uns gebracht.