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Das Leben ist ein Abenteuer. Zumindest, wenn man es mit Katzen teilt. Dann geht man nicht einfach eine Treppe hinunter, sondern besteigt die Eiger-Nordwand. Betten beziehen wird zu einer echten Herausforderung. Und Briefe an den Versicherungsagenten schreiben sich wie von selbst - wenn auch nicht mit dem Text, den man sich wünscht.
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Seitenzahl: 135
Veröffentlichungsjahr: 2021
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– Gewidmet den wunderbarsten Gefährten, die man haben kann –
DIE PROTAGONISTEN
Freya: Sie ist eine feingliedrige, verspielte, freundliche und furchtbar neugierige schwarze Felide, die eine Zusatzausbildung als Sanitätskatze hat
Dörle: Eine Schildpatt, die ihrer Farbe alle Ehre macht. Nicht einfach zu handhaben, oft etwas launisch, aber mit einem Herzen aus Gold
Aragorn, Arathorns Sohn, König von Gondor, genannt »Streicher«: Der Name ist länger, als der Kater je war. Ein Maine-Coon-Mix, der immer für eine Kasperei gut war. Ein tapferer Kämpfer wie sein literarisches Namensvorbild und bester Freund von Freya. Leider mittlerweile verstorben
Störtebeker: Ein freundlicher roter Riese und Nachfolger Aragorns als Wingleader des Katzenkampfgeschwaders.
DER SCHLAF DES GERECHTEN
ICH BIN VERLOREN
VON SEESCHLACHTEN UND STEUERUNTERLAGEN
WELCOME HOME
POST AN DEN VERSICHERUNGSAGENTEN
DER FILM
LEBE WOHL, ARAGORN
WEIHNACHTEN
MAN MUSS SICH ARRANGIEREN
DER NEUE WINGLEADER 1
DER NEUE WINGLEADER 2
DER NEUE WINGLEADER 3
GORDISCHE KNOTEN
WIR WERDEN UNS NIEMALS ERGEBEN
DÖRLE IST FRUSTRIERT
THE ANSWER, MY FRIEND, IS BLOWING IN THE WIND
STRESSFREI
ES WÄCHST ZUSAMMEN….
…WAS ZUSAMMENGEHÖRT
WIND OF CHANGE
ICH BIN EIN TECHI
FISCH UND FREMDE LEBENSFORMEN
STÖRTIE SABBELT
ROUTINEN
WHODUNIT?
MAGENSCHONEND
ABENTEUERLAND
A HOME WITHOUT A CAT…
DER FLUCH
STÖRTIE MACHT URLAUB
STÖRTIE IS NOT AMUSED!
DIE NACHT IST NICHT ALLEIN ZUM SCHLAFEN DA
DREAM A LITTLE DREAM
Es ist Nacht. Der Wecker zeigt etwa 4.30 Uhr. Ich schlafe den Schlaf der Gerechten – oder so. Immerhin sorge ich dafür, dass unsere Katzen Futter haben. Das ist doch schon mal was. A propos Katze und Futter: Freya hat beschlossen, dass sie genug geschlafen hat. Außerdem hat sie mal gehört, dass Katzen dämmerungsaktiv sind und Nacht ist ja irgendwie auch Dämmerung. Also springt sie mit Anlauf und einem frohen »MAU!« erstmal auf mich drauf und beginnt, auf mir herumzuspazieren.
Ich bin schlagartig wach und der Gedanke »immerhin hat sie sich abgewöhnt, mir in die Weichteile zu springen« formt sich in meinen vom Adrenalinstoß von null auf 150% Leistung getrimmten Gehirnwindungen. Nach einem Blick auf den Wecker – die Katze turnt immer noch irgendwo rum und schnurrt mit dem dezenten Geräusch eines defekten Presslufthammers – lege ich mich seufzend wieder hin und versuche, noch eine Runde zu schlafen. Kaum habe ich Adrenalin, Puls und Blutdruck halbwegs so unter Kontrolle, dass ich wieder ein wenig müde werde, fängt Freya an, mir ihre Liebe dadurch kundzutun, dass sie hingebungsvoll in meinem Gesicht herumschlabbert. Während ich versuche, ihr klarzumachen, dass man Zweibeiner auch ohne Austausch von Körperflüssigkeiten liebhaben kann, meldet mein Riechepithel, dass es gestern wohl Thunfisch für die Katzen gab. Mein leerer Magen legt daraufhin Protest ein und kündigt an, dass er das Frühstück verweigern wird. Dass die Felide mittlerweile entdeckt hat, dass man in meinem Gesicht hervorragend sitzen kann, macht es nicht besser.
Nachdem ich leicht würgend (immerhin hat die Katze keine Blähungen) erreicht habe, dass sie sich erstmal trollt, möchte ich mich umdrehen, um eine gute Schlafposition zu finden. Allerdings erweist sich das als schwierig, weil Freya mittlerweile wie ein Betonklotz munter schnurrend zwischen meinen Beinen liegt und irgendwie etwa 4/5 meiner Decke vereinnahmt, so dass ich mich weder bewegen kann noch wirklich zugedeckt bin. Ich verdränge den Gedanken an Einzelzellen im Tierheim und versuche mich mit dem pelzigen, schnurrenden Betonklotz zwischen meinen Beinen zu arrangieren… Irgendwie schlafe ich mit kaltem Hintern und dem Gedanken ein, dass irgendein Idiot in einer Studie nachgewiesen hat, dass Katzen entspannend und gut für den Blutdruck sind.
….muss eine andere Katze gewesen sein….
Der Abend senkt sich über das Dorf. Gerade habe ich noch das ein oder andere am Computer erledigt, als mich ein Hungergefühl beschleicht. Stimmt: Gelegentliche Nahrungsaufnahme macht sicher Sinn. Zumindest die Katzen fressen, wenn sie nicht gerade schlafen. Kann so verkehrt also nicht sein. Folgerichtig fahre ich den Rechner runter, stehe auf und möchte gerade mein Arbeitszimmer verlassen, als Freya mit Warp fünf direkt vor mir den Gang entlangdonnert und im gegenüberliegenden Zimmer verschwindet. Erschrocken weiche ich ruckartig zurück und vergesse, dass unser Altbau teilweise mit niedrigen Türen ausgestattet ist. Macht nichts. Ein harter Aufschlag, gefolgt von einem stechenden Schmerz in meinem Kopf erinnert mich daran. Immerhin sehe ich passend zur Vorweihnachtszeit auch ein paar Sterne. Trotzdem will bei mir keine rechte adventliche Stimmung aufkommen, als ich mich daran erinnere, dass die Tür zu meinem Arbeitszimmer sinnigerweise die niedrigste im ganzen Haus ist. Währenddessen stürmt Freya wieder mit Höchstgeschwindigkeit an mir vorbei, wobei sie in etwa so dezent wie die siebte Kavallerie beim Angriff vorgeht. Tschirpend verschwindet sie im Schlafzimmer. Immerhin habe ich diesmal rechtzeitig an die niedrige Tür gedacht und einen erneuten Kontakt der Zarge mit meinem Kopf vermieden. Trotzdem wabert noch ein stechender Schmerz durch meinen Schädel, als ich mich – noch etwas durcheinander und folgerichtig unvorsichtigerweise – im Halbdunkeln in Richtung Treppe bewege.
Kaum habe ich zwei Schritte in Richtung Erdgeschoss gemacht, spüre ich plötzlich nicht mehr die vertraute Härte einer Treppenstufe unter meinem Fuß, sondern etwas weiches, pelziges, das abrupt mit einem empörten Schrei die Flucht ergreift. Während ich bemüht bin, mein Gleichgewicht zu halten, sehe ich aus dem Augenwinkel einen fülligen Schatten die Treppe hinauf fliehen. Gleichzeitig erreicht mich eine dringende Depesche meines Gehirns: »WARNUNG! Nie, nie, nie, wirklich niemals bei mangelnder Beleuchtung die Treppe hinuntergehen. Dörle liegt seit neuestem gerne auf der zweiten Stufe von oben! Herzliche Grüße, Gehirn, Abteilung Unfallverhütung und schmerzhafte Erfahrungen.« Während ich mit immer noch pochendem Kopf und vollgepumpt mit Adrenalin im Halbdunkeln auf der Treppe stehe und darüber nachdenke, wie ich heil zu einem Lichtschalter komme, rauscht Freya wie der ICE München-Hamburg die Treppe herunter an mir vorbei. Ich fühle mich ein wenig wie in einem dieser alten Bergsteigerfilme: Allein im Schneesturm in der Eiger Nordwand hängend, auf Rettung hoffend. Die Kälte kriecht in meine Glieder. Wenn nicht bald Hilfe naht, werde ich wahlweise erfrieren oder – das fällt mir gerade wieder ein – verhungern. Oder ich stürze in die Tiefe, wo meine Bergkameraden mich dann irgendwann zerschmettert finden werden.
Während ich beginne, a) mich mit meinem schrecklichen Schicksal abzufinden und b) mir selbst furchtbar leid zu tun, geht unten das Licht an und ich höre die Stimme meiner Frau: »Alles okay? Was ist denn mit der Katze?« So sehr ich innerlich auch aufatme, aus meiner prekären Lage befreit zu werden, so wenig bin ich bereit zuzugeben, dass ich bereits kurz davor war, ins Licht zu gehen. Entsprechend bemüht bin ich, möglichst gelangweilt zu klingen: »Ja, äh, neee, alles in Ordnung. Die Katze hat nur ihre fünf Minuten.« »Dann ist es ja gut….« *Klick* »NEIN!! NICHT DAS LICHT AUSMACHEN!!!!«
An mir vorbei rauscht eine Katze mit der Geschwindigkeit eines Kampfjets die Treppe wieder hinauf. Ich bin verloren…
Ich schlage das Ruder hart Steuerbord ein und bewege mich langsam in Schussposition. Der Gegner hat gerade alle seine Geschütze abgefeuert und ist wehrlos. Meine Torpedos sind feuerbereit, das Ziel wandert langsam ins Fadenkreuz ein… *KRACHRUMPELBATSCH*
Auf dem Computermonitor zuckt mein Zerstörer ruckartig seitlich weg, während meine Torpedos – ausgelöst durch einen reflexartigen Druck auf die Maustaste – ins Nirwana abziehen und dort ein verbündetes Schiff versenken, was mir eine Strafe für zwei Spiele und einen wenig charmanten Kommentar meines Mitspielers im Chat einbringt. Ich sprinte ins Nebenzimmer, wo ich die ordentlich sortierten Akten für die Steuererklärung nicht mehr fein säuberlich aufgestapelt auf dem Schreibtisch, sondern wild verteilt auf dem Boden vorfinde. Mittendrin sitzt ungerührt Aragorn und schaut mich aus großen Augen unschuldig an. Seine heraushängende Zunge signalisiert entweder völlige Entspannung oder etwas anderes. Ehe ich mich mit der Frage noch intensiver auseinandersetzen kann, erscheint Freya auf der Bildfläche. Sie ist nicht nur neugierig wie die sprichwörtliche Katze, sondern auch überaus hilfsbereit, wie ich feststellen kann, als ich versuche, die auf dem Boden verstreuten Papiere wieder aufzusammeln. Sobald ein Blatt sich bewegt und versucht zu fliehen, springt Freya los und versucht es zu fangen, damit es ja nicht entkommt. Dass die Akten keineswegs die Intention haben, zu fliehen, sondern einfach nur von mir aufgehoben werden wollen, spielt dabei keine Rolle. Ähnlich uninteressant ist – zumindest aus Sicht der Katze – dass es den Blättern nicht besonders guttut, wenn auf der einen Seite ein Zweibeiner zieht, während auf der anderen Seite ein Vierbeiner seine Krallen hineinschlägt und versucht, sie festzuhalten. Während ich versuche, die einzelnen Seiten trotz intensiver Unterstützung der Felide halbwegs unbeschädigt wieder aufzusammeln, sitzt der Kater ungerührt wie ein Denkmal da und sieht interessiert zu. Dass er auf einigen Rechnungen thront, tangiert ihn nicht wirklich und ich bin erstaunt, wie schwer die drei Kilo sein können, die Aragorn offiziell wiegt. Vermutlich gibt es eine Art geheimen Katzenmagnetismus, der eingesetzt werden kann, um sich an Gegenständen festzusaugen. Nach etwas Geruckel geben einige der Blätter unter dem Kater mit einem reißenden Geräusch nach und befinden sich zumindest zur Hälfte in meiner Hand. Auf der anderen Hälfte sitzt nach wie vor Aragorn, der sich völlig unbeteiligt im Zimmer umsieht.
Irgendwann bin ich von den Hilfsversuchen Freyas dermaßen entnervt, dass ich sie unter der Brust hochnehme und neben den zunehmend chaotischen Papierhaufen setze. Die Fellnase nimmt diese Aktion dankbar auf und ist offenbar beglückt, dass ich endlich die dröge Einsammelei aufgebe und mit ihr spiele: Mit einem erfreuten »brrp?« hüpft sie mitten in den Aktenstapel und schaut erst mich, dann den Kater auffordernd und schwanzschlagend an. Leider realisiere ich den Ernst der Situation zu spät. Ehe ich mich versehe, schaltet auch Aragorn in den Spielmodus und von einer Sekunde auf die andere wälzt sich ein knurrendes und quietschendes Fellbündel aus zwei raufenden Feliden quer durch den sich zunehmend auflösenden Haufen aus Steuerunterlagen.
Während meine Gedanken sich noch in einer hilflosen Endlosschleife bewegen, um herauszufinden, wie ich die Situation bzw. die Akten noch retten kann, springen die beiden flauschigen Raufbolde vor mir auf und jagen davon. Dass sie dabei auf den aufeinanderliegenden Papierseiten keine ausreichende Bodenhaftung zum Start haben, beeindruckt sie wenig. Sie nutzen ihren Vierbeinantrieb, indem sie mit maximaler Schrittfrequenz und optimalem Einsatz der Krallen die letzten Reste meiner Steuerunterlagen hinter sich herausschleudern und dabei effizient schreddern.
Als die Katzen polternd die Treppe heruntertollen, bleibt mein Blick an den traurigen Resten der einstmals so stolzen, sauberen und wohl geordneten Unterlagen hängen, die jetzt zerknittert, zerrissen und völlig durcheinander im halben Zimmer verteilt sind. Während ich beginne, sie aufzusammeln und darüber nachsinne, ob man Katzen nicht vielleicht doch als außergewöhnliche Belastung von der Steuer absetzen kann, verglüht auf dem Monitor im Nebenzimmer mein Zerstörer, tödlich getroffen durch eine Breitseite des ursprünglich anvisierten Gegners, in einem Feuerball.
Das Wochenende neigt sich dem Ende zu. Ich bin einmal längs durch die Republik gefahren, um meine Schwiegereltern zu besuchen. Ruhig gelegen auf dem Land und eine Schwiegermutter mit dem schön-dass-Du-da-bist-setz-Dich-und-iss-was-denn-Liebe-geht-durch-den-Magen-Blick. Kein Wunder, dass ich etwas… hm… plüschig bin. Ein weiterer Vorteil: Meine Schwiegereltern haben keine Katzen. Also: Durchschlafen, ein Bett und eine Decke ganz (!) für mich allein und gefahrloses Benutzen von Treppen im Halbdunkeln. Etwaige Entzugserscheinungen vom schnurrenden Flausch lassen sich leicht mit einem Teddybären, unter dem ein eingeschalteter Rasierapparat liegt, in den Griff bekommen.
Doch alles Schöne hat ein Ende und irgendwo hat man ja dann doch nach einer Zeit Sehnsucht nach den vierpfötigen Pelzterroristen. Sich der Illusion hingebend, dass die Freude des Wiedersehens beidseitig sein wird, begebe ich mich auf die Autobahn und fahre nach Hause. Dort angekommen entlade ich das Fahrzeug so weit wie möglich. Das Wetter ist ungemütlich und ich möchte nicht häufiger als unbedingt nötig gehen. Außerdem muss ich die Katzen beschmusen. Schwer beladen öffne ich die Haustür, darauf bedacht, dass nicht einer der vierbeinigen Bewohner im Rausch des Glücks, mich wiederzusehen, auf die falsche Seite der Tür gerät.
Als erstes stolpere ich über Freya, die sich neugierig strategisch günstig so hinter der Tür positioniert hat, dass man sie erst im Fallen sieht. Gerade noch so halte ich das Gleichgewicht, während die Tüte mit der Porzellanvase, die mir meine Schwiegermutter für meine Frau mitgegeben hat, ruckartig vom Arm rutscht. Blitzartig reagiere ich, denn mir ist bewusst, dass meine Frau im Fall einer beschädigten Vase im nächsten Atemzug mich beschädigen wird. Alles ist besser als das. Während Freya sich – halb aus Neugierde, halb aus taktischer Überlegung – neu in Position bringt, verhindere ich durch eine gewagte Körperdrehung erfolgreich den Absturz der Vase. Allerdings bringt mich diese Bewegung aus dem Gleichgewicht, so dass ich versuche, mich mit einem Ausfallschritt zu retten, was mir zur Hälfte auch gelingt. Ich bleibe mit dem Fuß in der Katze hängen, die empört maunzend einen Satz zur Seite macht, um nicht von der Tasche mit meinem Laptop getroffen wird, die krachend auf dem Boden aufschlägt. Hoffend, dass die Polsterung der Laptoptasche schlimmeres verhütet haben mag, gewinne ich wieder einen sicheren Stand. Freya hat offenbar das Interesse verloren und trollt sich gelangweilt in Richtung Wohnzimmer. Dörle hat sich in der Zwischenzeit in der Küchentür positioniert und mustert mich mit ihrem »Futter?«-Blick. Als sie realisiert, dass von mir in kalorischer Hinsicht nichts zu erwarten ist, dreht sie sich ohne einen Laut um und verschwindet in der Küche. Die Wellen der tiefsten Empörung, die sie dabei aussendet, treffen mich mit der Wucht eines Dampfhammers. In mir spüre ich den ersten Anflug eines schlechten Gewissens.
Aber es gibt ja noch Aragorn. Der wird sich sicher freuen, dass ich wieder da bin. Das ist so ein geheimes Männerding, eine Bromance, etwas, das Frauen wie Freya und Dörle nie verstehen werden. Echte Kumpels eben, die sich freuen, nach langer Zeit auf einem rauchenden Schlachtfeld wieder aufeinander zu treffen, sich kernig zu umarmen und zu wissen, dass sie zusammengehören – komme da was wolle. Und tatsächlich: Wie auf‘s Stichwort erscheint der Kater auf der Treppe und wuselt mir mit schwankendem Flauschschwanz entgegen. Gerade hole ich Luft, um ihn so lautstark zu begrüßen, dass die undankbaren Katzen es auch sicher mitbekommen, als der Kater vor mir stehen bleibt, einmal kläglich miaut und mir dann einen prachtvollen Haarballen vor die Füße kotzt. Nach vollbrachtem Werk schenkt er mir noch einen Blick der so etwas wie »räum das mal weg, Sklave« bedeutet und begibt sich dann in die Küche, um nach etwas fressbarem zu suchen, das die Lücke füllen kann, die der Haarballen in seinem Magen hinterlassen hat.
Während ich mein Gepäck abstelle und mit halb abrasiertem Bart, in dem noch ein paar Teddyflusen hängen, die Residuen des Haarballens vom Teppich kratze, denke ich mir: »Ja – schön wieder zu Hause zu sein…«
Es war einer jener Tage, an denen man sich fragt, warum man eigentlich aufgestanden ist und weshalb die ganzen Irren da draußen keinen anderen Dompteur haben. Um meine ohnehin schon am absoluten Nullpunkt befindliche Laune noch zu steigern, setzt pünktlich zum Feierabend starkes Schneegestöber ein. Als ich endlich auf den heimatlichen Hof rutsche, stehe ich kurz vor einem Herzinfarkt.
Immerhin begrüßt mich wenigstens meine Frau mit einem traditionellen Essen aus ihrer Heimat. Und sogar die Katzen freuen sich, dass ich endlich daheim bin. Home sweet home. Mein Blutdruck normalisiert sich wieder halbwegs. Nach dem Essen gehe ich in mein Arbeitszimmer, um noch ein paar Dinge am Computer zu erledigen. Kaum habe ich begonnen, eine wichtige Mail zu schreiben, spüre ich – gepaart mit einem zärtlichen »brrrwau?« – ein sanftes Zerren an meiner Hose. Freya hat beschlossen, dass sie Zuneigung benötigt. Jetzt! Ich streiche ihr sanft über den Kopf und schmeichle ihr mit butterweicher Stimme, dass sie eine feine Katze ist, ich aber im Moment leider keine Zeit für sie habe und später gerne ausgiebig mit ihr schmuse. Dass es auf Außenstehende vermutlich ziemlich grenzdebil wirken muss, wie ich einer Katze freundlich und dezidiert meine Abendplanung erläutere, kommt mir nicht wirklich in den Sinn. Macht auch nichts, weil die Katze mich sowieso versteht. Prompt stößt sie sich mit ihren Vorderpfoten von mir ab, dreht sich in einem eleganten Bogen um und tappst von dannen.
