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Einfach mal weg - am Besten so weit weg wie möglich. Zwar hat es einige Anläufe gebraucht, bis sich der Protagonist dazu entscheidet, ein Auslandssemester in Australien zu verbringen. Wie sich jedoch herausstellt, war dies eine der besten Entscheidungen seines Lebens! Beginnend mit den Planungen und Vorbereitungen beschreibt der Ich-Erzähler die Sorgen und Gedanken, die vor einem solch großen Schritt im Kopf herumschwirren. Erste Aufgaben, die auf der Reise oder in den ersten Tagen in Australien anstehen, werden - nicht ohne es mit einer Portion Humor zu nehmen - bewältigt und das Semester kann beginnen. Die Erfahrungen, die die Hauptfigur macht, sind umfangreich. Sie beschreiben das Zusammenleben mit Menschen aus vielen unterschiedlichen Ecken der Welt, das Organisationstalent der Universität und vor allem auch die Eigenheiten der Australier. Stets mit einem Hang zur Übertreibung werden Geschehnisse und Personen beschrieben, ohne dabei die Wahrheit aus den Augen zu verlieren. In der zweiten Hälfte des Buches macht sich der Erzähler auf eine vierwöchige Reise quer durch den gesamten Kontinent. Auch hier erfährt er weitere Eigenheiten des Landes, seiner Einwohner aber auch seiner Touristen. Trips durchs Outback und Nationalparks bringen (un)interessante Dinge zum Vorschein, Freundschaften entstehen auf langen, beschwerlichen Busfahrten und immer wieder sorgen Mitreisende für ein Schmunzeln.
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Seitenzahl: 181
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Daniel Beckers, 1986 in Mönchengladbach geboren, lebt seit 2008 in Aachen, wo er das Studium des Rohstoffingenieurwesens absolvierte. Während eines Auslandssemesters in Australien im Jahr 2012 informierte er Familie und Freunde in einem Blog über seine Zeit in Down Under. Die positive Resonanz seiner Leser veranlasste ihn dazu, über seine Erlebnisse am anderen Ende der Welt ein Buch zu schreiben.
Einleitung
Stopover-Programm Singapur
Unterkunft in Australien
Wetter an der Sunshine Coast
Das Leben in Down under
Tierisch groß
Ausflüge
Der Australier an sich
Studentenleben
Ich habe mich verliebt
Unileben
Das Verabschieden
Die Tour steht bevor
Die Tour (Teil1) Mit dem Zug durch Nirgendwo
Besuch an der Westküste
Backpacker, Hostels und Co
Die Tour (Teil 2) Von Ayers Rock bis Kakadu
Die Tour (Teil 3) Mitten im Regenwald
Ein letztes Mal zur Sunshine Coast
„Was machst du denn hier?“
Wieder zu Hause
September 2012
Für ein Auslandssemester entscheidet man sich nicht mal eben. Ich zumindest hatte mich nicht spontan dazu entschieden. Es gibt Dinge im Leben, für die man sich etwas mehr Zeit nimmt und für die man den ein oder anderen Arschtritt mehr braucht, um sich dafür oder dagegen zu entscheiden. Ich bin jetzt sechsundzwanzig Jahre alt und hatte früher immer das Bedürfnis wenn möglich in der Nähe von zu Hause zu bleiben. In der elften Klasse, als viele ein Jahr oder wenigstens ein halbes in Übersee waren, wollte ich nicht einmal über so etwas nachdenken. Ich konnte doch nicht sechs Monate oder mehr ohne Mamas Essen überleben. Der Studienplatz, nein, ich muss sagen, der Studiengang, wurde unter anderem ausgesucht, weil er mit dem Zug innerhalb einer Stunde zu erreichen war (laut Fahrplan; schönen Gruß an die deutsche Bahn) und das Auslandssemester wurde schließlich in den letzten Jahren von mir immer damit abgetan, dass ich es niemandem beweisen müsse. Ich war mir sicher, kein Problem damit zu haben, mehrere Monate allein zu Recht zu kommen.
DANN TU´S DOCH!!!
Es ist keineswegs so, dass ich schlussendlich dazu überredet wurde oder dass man ewig auf mich einreden musste, ich habe mich letzten Endes aus eigenen Stücken dazu entschlossen. Trotzdem würde ich behaupten, dass ich fünfundzwanzig Jahre lang Tritte in den Hintern brauchte, um zu sagen: „Ja, ich gehe ein Semester weg.“ Raus aus meiner gewohnten Umwelt und dem warmen Nest und weg von der Gewissheit, wenn was weh tut nach Hause fahren zu können. Der letzte Arschtritt war dann die Tatsache, dass ich mich nicht alleine nach einem Auslandssemester erkundigen wollte und erst ging als ein Kumpel dabei war. Ich erkundigte mich bei „INAC industry and academy“, einem jungen Unternehmen, welches als Spin-off an der RWTH Aachen entstand und fühlte mich gleich gut aufgehoben. Von nun an kam eines zum anderen.
Wann ist der erstmögliche Termin für ein Auslandssemester? – nächstes Frühjahr… welche Uni soll´s sein? – University of the Sunshine Coast… welche Fächer sollen belegt werden? – eher fachfremde, um den Horizont zu erweitern…
Englischtest – BESTANDEN… Bewerbung an die Uni – ANGENOMMEN… Visum beantragt – BEKOMMEN!!
Ab dem Moment, an dem der Termin für das Auslandssemester feststand, hatte man kein anderes als eben jenes Datum mehr im Kopf. Die Tage wurden runter gezählt – noch einhundertzwanzig. Da hatte man noch ewig Zeit.
„Denkste!!“
Die Flüge wurden gebucht, die dank des schwächelnden Euros immer teurer werdende Semestergebühr überwiesen, es wurde sich via Internet ein Stundenplan zusammengestellt, zu Hause an der Heimatuni die letzten Prüfungen abgelegt und schon waren die einhundertzwanzig Tage rum.
Noch nicht ganz. An den letzten Tagen wurde sich noch von der Familie und von Freunden verabschiedet. Eine kleine Aufmerksamkeit hier, unterstützende Worte da und vor allem die Gewissheit, dass sich auch eine ganze Menge Leute auf meine Rückkehr freuen würde. Besonders Mama würde sich auf die Rückkehr freuen, war ihre größte Sorge doch, ich könnte mich in Australien verlieben – Mütter halt!
Die Tage wurden also wieder gezählt. Einhunderteinundsechzig sollten es dieses Mal sein. Ein Satz blieb mir von diversen Abschieden in den Ohren.
„Lass mal was von dir hören!“
Für all diese Leute und viele andere mehr schrieb ich einen Blog, der letztlich die Initialzündung sein sollte, für die Idee oder zu Anfang besser gesagt das Hirngespinnst dieses Buch zu schreiben.
Knapp fünfeinhalb Monate standen vor mir, an denen ich am anderen Ende der Welt sein würde. Einhunderteinundsechzig Tage, in denen ich auf mich allein gestellt sein würde. In gewisser Weise standen dreitausendachthundertvierundsechzig Stunden Abenteuer vor mir, von denen ich die ersten siebzehn auf Flughäfen und in Flugzeugen verbringen sollte. Die reine Flugzeit betrug circa dreizehn Stunden, gute sechs bis Dubai und dann knapp sieben bis Singapur. Was soll ich groß sagen, die Zeit verging wie… ok, den Witz verkneif ich mir!
Ich hatte millionen Dinge im Kopf, die in den nächsten Tagen, spätestens aber mit Ankunft in Australien vier Tage später, auf mich zukommen sollten.
Die nächsten Aufgaben waren erst mal keine Klausuren mehr, wohl aber vom Gefühl her damit zu vergleichen. Das Leben stellte einem jetzt die Herausforderungen. Finde dich am Flughafen Dubai zurecht und erreiche pünktlich den nächsten Flieger. Sammle dein Gepäck am Flughafen Singapur ein, fahre mit der örtlichen Bahn, der MRT, in die Innenstadt und finde das Hotel. Fliege drei Tage später weiter nach Australien und finde innerhalb der ersten sieben Tage eine feste Unterkunft – du hast nur eine Woche lang ein Bett im Hostel. Begib dich direkt dorthin, gehe dabei nicht über „LOS“ und ziehe nicht 4.000 ein… hmm, schade.
Es standen also einige Hürden vor mir, mit denen ich aber durchaus fertig werden sollte. Außerdem nahm mir eine gute Portion Vorfreude die ein oder andere kleine Sorge, ob denn auch alles gut gehen sollte. Ich war ja nicht aus der Welt. Alles was ich zum Leben brauchte, gab es auch am anderen Ende selbiger.
Was den Flug ebenfalls angenehmer machte, war die Tatsache, dass ich einen Platz am Notausgang hatte und somit mehr als genug Beinfreiheit genoss. Nicht nur das. Direkt vor mir nahm beim Start eine durchaus kompetente Stewardess Platz und kam schnell mit … meinem Sitznachbarn ins Gespräch. Der Grund dafür war, dass sich beide zuvor schon einmal auf einem anderen Flug begegnet waren – was bei tausenden Flugbegleiterinnen und Flugbegleitern von Emirates schon ein Zufall ist – sich beide nun vage daran erinnerten und nun zusammen in ihren Erinnerungen kramten.
Er, alleinstehend, war sich sicher, dass das ein Zeichen ist und es das Schicksal gut mit ihm meinen sollte. Sie, welchen Beziehungsstatus sie auch immer inne hatte, machte eher den Eindruck, als ob es sich um schicksalhafte, wenn nicht sogar unglückliche, Fügung handelte und sie froh war als sie endlich den Saft vor sich her schubsen durfte. Nach einer Weile sollte auch ich mit … meinem Sitznachbarn ins Gespräch kommen. Für mich letztlich glückliche Fügung, da mir am Flughafen Dubai in der Lounge ein Bier spendiert wurde. Immerhin dieses Blonde war mir gegönnt.
Wenig später startete dann sein Anschlussflug nach Sri Lanka und ich ging ein bisschen im dubai… dubaischen… durch den Flughafen von Dubai, bevor nach zweieinhalb Stunden Aufenthalt auch mein Flug nach Singapur abhob.
Dort kam ich ohne besondere Zwischenfälle an und machte mich gleich, nachdem ich gefühlte zwanzig Sekunden auf meinen Koffer warten musste, auf den Weg die MRT zu suchen.
MRT gefunden… auch ein Ticket zu ziehen sollte nun doch kein Problem sein… oder doch? Kaum in Singapur angekommen wurde mir auch schon die erste Ereigniskarte untergejubelt. Da ich mich mit dem Automaten nicht abgeben wollte, ging ich zum Kassenhäuschen. Pustekuchen, ich MUSSTE mich mit dem Automaten abgeben. Einzeltickets gab es nur dort. Umgedreht, zum Automaten, kurz geguckt was die anderen so machen und ab dafür… nicht ganz. Der Automat nahm nur Fünf-Dollar-Scheine und Münzgeld an, was ich beides noch nicht im Portmonee hatte. Also wieder um hundertachtzig Grad gedreht, zu einem zweiten Kassenhäuschen getingelt, Geld gewechselt, wieder zurück zum Automaten, Karte gezogen und die erste und fast einzige Hürde in Singapur war genommen.
Ich saß im Zug, der mich direkt in die Innenstadt bringen sollte und konnte ein erstes Mal kurz verschnaufen. Ich stellte mein Handy an und fiel direkt auf. Jedoch keineswegs aus dem Grund, dass ich ein Mobiltelefon bei mir hatte. Zehn Jahre zuvor wäre das womöglich noch der Grund gewesen. Heute aber fiel ich auf, da mein Handy zehn Jahre alt war. Jung und Alt, Klein und Groß, Männer wie Frauen, alle liefen sie mit ihren Smartphones herum. Während der Zugfahrt spielten sie, telefonierten, hörten Musik und guckten Filme. Manche auf kleinen Handys und andere auf Tablet-PC´s. Jeder aber war irgendwie beschäftigt. Ich wollte lediglich Mesud anrufen. Mein Ansprechpartner von INAC, der sich zum Stopover-Programm ebenfalls in Singapur aufhielt. Zu meiner Überraschung hatte ich bereits eine SMS von Mesud bekommen. Er würde mich am Flughafen abholen… Schade Mesud! Da war die MRT wohl schneller. Ich fand den Weg ins Hotel allein, traf dort kurz darauf einen Teil der anderen Studenten und das Programm in Singapur begann.
Der erste Tag, der Sonntag, war noch sehr ruhig. Firmentermine waren erst für die beiden kommenden Tage vorgesehen, sodass Mesud uns Studenten zunächst einmal durch Singapur führte und uns wichtige öffentliche Einrichtungen zeigte. Er brachte uns zur Stadtbibliothek, in der für uns ein Lernen zunächst mal völlig unmöglich gewesen wäre. Eine riesige Fensterfront mit der entsprechenden Aussicht dahinter hätte uns jegliche Konzentration genommen, die wir gebraucht hätten, um uns auf Bücher zu konzentrieren. Von der Aussicht noch immer beeindruckt ging es weiter zum „Marina Bay District“ und schließlich in die Stadt unter der Stadt.
Man stelle sich ein großes Einkaufszentrum vor, was inzwischen in vielen deutschen Regionen zu finden ist, dann stelle man sich zusätzlich noch ein großes Einkaufszentrum vor UND dann noch ein großes Einkaufszentrum. Mir sind die Daten nicht genau bekannt, aber ungefähr dann hat man eine Vorstellung was da im Untergrund Singapurs abgeht. Auf mehreren Etagen konnte man die komplette Stadt auch unter der Erde erkunden. Alle bekannten Marken waren vertreten und überall gab es „Foodcourts“, wo man frisch zubereitetes Essen bekam.
Der Einstieg in das Vorhaben Auslandssemester war gelungen. Man war in einem fremden Land, weit weg von zu Hause, war mit Leuten zusammen, die man vorher noch nie gesehen hatte, aber man fühlte sich von Anfang an wohl.
In erster Linie waren wir in Singapur um Firmen und Universitäten zu besuchen. Auf dem Programm standen in den nächsten beiden Tagen Contact Singapore, Bosch, die SUTD (The Singapore University of Technology and Design) und die NUS (National University of Singapore). Contact Singapore, eine Art Unterorganisation der singapurischen Agentur für Arbeit, gab uns zum einen in einer kleinen Präsentation einen Überblick über alle wichtigen Daten und Fakten des Landes, während uns ein Ausblick, den „normale“ Touristen nicht bekommen würden, von der Präsentation ablenkte. Die Ansicht von Marina Bay und Teile der Formel-1-Strecke nahm uns die Aussicht auf Insiderinformationen. Firmen und Universitäten wurden von Wolkenkratzern in den Schatten gestellt und so rückte „in erster Linie“ in die zweite Reihe. Nicht dass es uninteressant war Einblicke in die Wirtschaft Singapurs zu bekommen. Genauso wenig war es uninteressant zu sehen, was an Universitäten möglich ist wenn viel, viel Geld investiert werden kann. Dennoch waren Klassenräume mit zig Beamern, Smarttouch-schnick-schnack-was-weiß-ich-was-alles-Geräten und allerhand innovativen Dingen weniger reizvoll als die Freizeit, die dann doch noch etwas mehr für sich hatte.
Wir klapperten weite Teile Singapurs mit der MRT ab, fuhren bis Marina Bay, shoppten auf der Orchard Road, fuhren rüber zu Sentosa Island und machten Little India ein wenig unsicher – Ok, vielleicht machte Little India mit seiner ganz eigenen Welt den einen oder anderen von uns etwas unsicher. An keinem einzigen Bahnsteig mussten wir länger als fünf Minuten warten. Egal wo, egal wann, war einem der Zug gerade vor der Nase weggefahren kam kurz darauf der nächste. Dank unserer „Locals“ vom INAC-Team hatten wir auch keine weiteren Schwierigkeiten am Fahrkartenautomaten. Sonst nur Einheimischen vorbehalten hatten nun auch wir Fahrkarten, die wir aufladen konnten und brauchten so keine Einzeltickets zu ziehen, was damit verbunden gewesen wäre, vor jeder Fahrt die alte Karte in den Automaten zu schieben, dafür Pfand zurückzubekommen, das neue Fahrtziel auszuwählen, Geld einzuschmeißen (Achtung, nur Kleingeld) und die neue Karte (wo wieder Pfand drauf war) aus dem Automaten zu nehmen… und das mit sieben Leuten… und dreimal umsteigen. In der Zeit wären neun Züge vor unserer Nase weggefahren.
Zwischendurch stärkten wir uns erneut in den örtlichen Foodcourts und mir wurde immer klarer, dass mein anfängliches Problem mit dem Fahrkartenautomaten nicht meine einzige Hürde bleiben sollte. Obwohl die Amtssprache in Singapur Englisch ist, waren viele Leute schwer zu verstehen. Bestellte man in den Foodcourts etwas zu essen wurde man gleich gefragt:
„Teekaaa?!“
Wie bitte? Was wollte man mir sagen? Oder war es eine Frage?
„Pardon?“
In der Hoffnung der Gegenüber würde es beim zweiten Mal etwas deutlicher aussprechen, kam mir ein weiteres Mal entgegen:
„Teeek aaaa?“
Immerhin glaubte ich jetzt tatsächlich eine Frage herauszuhören. Was man allerdings von mir wissen wollte, war mir weiterhin unklar. Ich versuchte es ein letztes Mal:
„Sorry?“
„Teeek aaaa?“
„yes“, antwortete ich selbstbewusst und wartete was passierte. Man packte mir meine eben bestellten gebratenen Nudeln in einen Styroporteller, diesen in eine Plastiktüte und mir wurde bewusst, dass „teeek aaaa?“ die Frage danach war, ob ich es zum Mitnehmen haben wollte, also „take away“.
Auch diese Hürde war genommen und die Tage in Singapur gingen schnell zu Ende. Nach drei Tagen war es schließlich soweit. Ich machte mich ein letztes Mal mit der MRT auf den Weg. Am Changi Airport, wo ich bereits beim Einchecken auf deutsche Studenten traf, machte ich mich auf zu meiner vorerst letzten Etappe.
Auf ging es nach Australien!
Um ein Uhr zehn war es soweit. Ich betrat australischen Boden.
Ein kleiner Schritt für die Menschheit, ein großer Schritt für mich. Wobei, so groß waren die ersten Schritte nicht. Da der erste Shuttlebus erst um sechs Uhr Richtung Sunshine Coast aufbrechen sollte, musste ich gezwungenermaßen noch gute vier Stunden am Flughafen von Brisbane verbringen.
Aber der Reihe nach:
Man ließ mich ohne Probleme ins Land rein…
“Any food in your baggage?“
„NO“
“Sure? No German sausages?“
„NO…I´m sure!“
… und ich war drin.
Anschließend brach ich den erst in Singapur aufgestellten Rekord im Koffer holen um Längen. Ich konnte geradewegs auf mein Gepäckstück zugehen und es vom Band runternehmen, sah aber dann, dass ich den schnellen Koffertransport von Flugzeug zum Kofferband teuer bezahlen musste. Der neue Hartschalenkoffer hatte einen etwa sieben Zentimeter langen Riss. Was tun mitten in der Nacht?! Nachdem ich mich mit den deutschen Studenten, die ich zuvor beim Check-in in Singapur kennengelernt und mit denen ich mir dann auf dem Flug das ein oder andere Gläschen gegönnt hatte, in die Ankunftshalle begab, ließ ich mir am Informationsschalter eine E-Mail-Adresse der Fluggesellschaft geben und das war es erst einmal.
Ich hatte zunächst andere Gedanken im Kopf, als einen Riss in einem Koffer, den ich erst in fünf Monaten wieder brauchen würde, zu reklamieren. Ich musste in der folgenden Woche eine Unterkunft suchen. Meine Unterkunft für diese erste Nacht sollte wie erwähnt der Flughafen sein. Die anderen wurden abgeholt, ich schaute ihnen noch neidisch hinterher und schlug dann die Zeit tot. Ich ging mir die Zähne putzen, kaufte mir etwas zu trinken, staunte dabei zum ersten Mal über die australischen Preise und hatte immerhin schon mal dreizehn Minuten hinter mich gebracht. Der letzte Rest des Lap-top-Akkus ging für Windows-Spielchen drauf, ich spazierte ein bisschen hin und her und legte mich dann schließlich doch noch für eine gute Stunde hin, um ein wenig Schlaf abzubekommen. Selbstverständlich nachdem ich den Koffer geradezu an mich festgekettet hatte. Wie gut hatte ich noch Mamas Worte in den Ohren:
„Und pass immer auf dein Gepäck auf; lass es nicht aus den Augen!“
Als es draußen begann hell zu werden, hatte ich allerdings nicht wirklich geschlafen. Müde war ich aber auch nicht. Ich hatte noch immer eine gehörige Portion Vorfreude in mir und war dementsprechend aufgeregt, ob denn in den nächsten Tagen auch alles so verlaufen sollte, wie ich mir das wünschte. Der Bus kam an, sammelte mich ein und ich war auf dem Weg zur Sunshine Coast, mein zu Hause für die kommenden vier Monate.
Um sieben Uhr kam ich schließlich am Mooloolaba Backpackers an. Dort bekam ich zunächst ein umfangreiches Frühstück (Toast, Marmelade, Erdnussbutter, Milch), musste mich dann aber noch bis halb eins gedulden, da ich erst gegen Mittag in mein Zimmer konnte. Aber auch die Zeit ging vorbei und ich bekam zu Gesicht wo ich für die nächsten sieben Tage „wohnen“ würde! Ein Zimmer, zwei Etagenbetten und drei andere Mitbewohner, die teilweise schon seit Monaten da waren – RESPEKT! Ich musste mich erst einmal daran gewöhnen.
Aber hey… “easy going“.
Es ging ja nur darum für die ersten Tage ein Dach über dem Kopf zu haben. Irgendwie sollte ich die erste Woche in Australien schon rumkriegen. Ok, die ersten beiden Tage waren jetzt nicht sooo prickelnd. Es war mega warm im Zimmer, der Ventilator direkt neben meinem Kopfende lief vierundzwanzig Stunden am Tag und einer der Zimmerkollegen lebte irgendwie in seiner eigenen Welt, was mir ehrlich gesagt etwas suspekt war. Er tigerte nachts im Zimmer auf und ab, schmiss währenddessen Sachen auf den Boden, schlief eine Nacht sogar auf dem Klo (immerhin war er in der Nacht nicht im Zimmer) und war am dritten Tag verschwunden. Ab da waren die Nächte wesentlich angenehmer und ich konnte zumindest ein wenig Kraft für die ersten Unitage und vor allem für die Wohnungssuche schöpfen.
Vom Hostel aus musste ich zur Uni rund fünfzehn Minuten mit dem Bus fahren. Hört sich im ersten Moment nicht so schlimm an, nur konnte von Regelmäßigkeit im Fahrplan überhaupt keine Rede sein. Halb acht, zehn vor zehn, dann zwei innerhalb von zehn Minuten und dann wieder zwei Stunden keiner. Was hatte ich mich nach der MRT gesehnt. Aber nix MRT, die Gegenwart hieß Translink und kostete für die angesprochene Strecke fünf Dollar zwanzig (eine Strecke). Wie gut, dass man als Student Ermäßigungen bekam.
An dieser Stelle richte ich einen Gruß an den Ansprechpartner der Uni für internationale Studenten, Brett Franklin:
„For a haircut…you get concession, visiting Movie Park, you get concession, renting this and that, you get concession… and NO, you get no concession at McDonald´s.”
Ich bekam aber nicht nur Ermäßigung, ich bekam von der Uni sogar eine Translink-Go-Card mit fünfundsechzig Dollar Guthaben – die Studiengebühren schienen sich ja doch zu lohnen – die ich dann am zweiten Tag beim Aussteigen fast im Gulli versenkt hätte… FAST, „no worries!“
Wenn ich nicht in der Uni war, war ich auf der Suche nach einer Wohnung. Bei dieser Suche beschränkte ich mich allerdings auf die direkte Umgebung der Uni, um zu Fuß dorthin kommen zu können, was die ganze Sache nicht einfacher machte.
Wo ich laut Internet freie Zimmer vermutete, klingelte ich einfach mal an der Tür, ich rief hier und da an und hatte im Hinterkopf immer Plan B, doch noch in die teure Studentenunterkunft zu ziehen. Es war nicht so, dass ich keine andere Unterkunft gefunden hätte, aber so hundertprozentig entsprachen die Möglichkeiten nicht denen, die ich mir vorgestellt hatte. Bei einer Familie mit kleinem Kind oder einer alleinstehenden Frau war die Chance nicht allzu groß, dass ich schnell viele andere junge Leute kennenlernen würde. Ich wollte wenn möglich schon von anderen Studenten umgeben sein und griff dann eben doch auf jenen Plan B zurück.
Eine Woche nach Ankunft in Australien zog ich ins Varsity ein. Ganz zu schweigen von hunderten Studenten in unmittelbarer Nachbarschaft waren ein Australier und zwei Schwedinnen mit mir im Appartment und das australische Studentenleben konnte beginnen.
Ich kam Mitte Februar in Australien an der Sunshine Coast an. Davon dass um diese Zeit auf der südlichen Halbkugel Sommer herrschte, war nichts zu merken. Zudem war es etwas leichtsinnig zu glauben, dass es an der Sunshine Coast meist sonnig ist. Für die ersten Wochen hieß es jedenfalls, sich zunächst einmal daran zu gewöhnen, dass es regnete. Immerhin an den zwei Tagen, an denen ich viel unterwegs gewesen war, um mir meine Unterkunft zu suchen, war es sonnig. Was das hieß, wurde mir dann auch direkt bewusst. Wenn denn dann die Sonne mal draußen war, war es auch direkt extrem heiß. In dieser Hitze war ich dann den Mittag über durch die Straßen gelaufen und hatte mir Wohnungen angeschaut. Bei einer angekommen, guckte mich der Vermieter völlig verdutzt an:
„Du bist zu Fuß hier hingekommen?! Aber so Temperaturen ist man in Deutschland doch überhaupt nicht gewohnt?! Ich fahr dich gleich zurück zur Uni!“
Dass ich dieses Angebot zunächst ablehnte, hatte wohl damit zu tun, dass meine Schweißdrüsen, gerade im klimatisierten Haus angekommen, kurzzeitig nicht ganz auf Betriebstemperatur waren. Das Angebot gerade noch mit:
„Ach was, ist doch kein Problem, ich bin gut zu Fuß!“, abgelehnt, stand ich im nächsten Moment Schweiß gebadet da und willigte ein, als er mir ein zweites Mal den Vorschlag machte, mich an der Uni abzusetzen.
Dass mir aber diese Hitze lieber war als Regen wurde mir spätestens in den darauffolgenden Tagen bewusst. Drei Tage lang regnete es nur. Und wenn ich NUR sage, meine ich auch, dass es NUR GESCHÜTTET hat. Eines der ersten Dinge, die ich in Australien erwarb, war, und jetzt gut festhalten, ein Regenschirm. ABER, ich bin in kurzen Hosen und mit Flipflops durch den Regen gelaufen. Die Laune sollte man sich doch durch ein paar Regentropfen nicht vermiesen lassen. Auch der erste Poolbesuch fiel deswegen im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser.
