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Auf der Suche nach den Steinen der Einheit, hat Cíllian die Gemeinschaft in unterschiedliche Richtungen entsandt. Während sich die einen auf den Weg in die Heimat der Halblinge begeben, sehen sich die anderen gezwungen die tiefen Stollen des Dunkelgebirges zu erkunden. Allen voran muss sich der Bauer Hodd dabei nicht nur mit einem neuen Verbündeten anfreunden, sondern auch den düsteren Geheimnissen eines längst vergessenen Volkes stellen, die über Jahrhunderte hinweg aufgebaut wurden. Indes gelingt es dem Feind, einen entscheidenden Schritt nach vorne zu machen. Das Schicksal von Edros liegt auf Messers Schneide ...
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Seitenzahl: 549
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Inhaltsangabe:
Auf der Suche nach den Steinen der Einheit, hat Cíllian die Gemeinschaft in unterschiedliche Richtungen entsandt. Während sich die einen auf den Weg in die Heimat der Halblinge begeben, sehen sich die anderen gezwungen die tiefen Stollen des Dunkelgebirges zu erkunden. Allen voran muss sich der Bauer Hodd dabei nicht nur mit einem neuen Verbündeten anfreunden, sondern auch den düsteren Geheimnissen eines längst vergessenen Volkes stellen, die über Jahrhunderte hinweg aufgebaut wurden. Indes gelingt es dem Feind, einen entscheidenden Schritt nach vorne zu machen. Das Schicksal von Edros liegt auf Messers Schneide ...
Autoreninformation:
Michael Heinl, von vielen nur Mike genannt, wurde 1987 geboren. Im Jahr 2006 schloss er die Ausbildung zum Kaufmann für Bürokommunikation ab und arbeitete anschließend als kaufmännischer Angestellter. Die Büroarbeit erfüllte ihn jedoch nie. So kehrte er dem Beruf den Rücken zu und orientierte sich um, woraufhin es ihn nach einigen Umwegen in eine Kindertagesstätte verschlug, wo er als Hauswirtschaftshilfe tätig war. Diese Erfahrung zeigte ihm, dass er die Arbeit mit Kindern liebte. Er beschloss, eine zweite Ausbildung zu starten, und konnte sich, nach dem Abschluss im Jahr 2016, als staatlich anerkannter Kinderpfleger bezeichnen. Ein Beruf, in dem er aufgeht.
Privat war er schon immer kreativ. Bereits als Kind zeichnete er gerne und mit den Jahren kam das Schreiben dazu. Seine Anfänge machte er mit sogenannten FanFictions, ging später auf Online-Foren über, in welchen man mit anderen Usern gemeinsam eigene Geschichten verfasste. Dieser Leidenschaft führte zu seinem ersten Buch. Zu seinen Hobbys zählen bis heute Zeichnen und Malen, Computerspiele spielen, TV Serien und Filme gucken und das Kochen und Backen.
Dieses Buch widme ich meiner geliebten
Amberg Oma.
Du bist mir immer ein Vorbild.
Bücher von Mike Heinl aus der Avanya-Reihe:
Avanyas Legenden: Die Schatten der Vergangenheit
Avanyas Legenden: Das Geheimnis der Vergessenen
Erfahre mehr über die Welt von Avanya im offiziellen Fandom-Wikia
https://avanyas-legenden.fandom.com/de/wiki/Avanyas_Legenden_Wiki
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Prolog: Ein steiniger Weg
Kapitel 1: Keine Gnade für Vatermord
Kapitel 2: Es Lauert in den Tiefen
Kapitel 3: Eine unerwartete Entdeckung
Kapitel 4: Neue Verbündete
Kapitel 5: Ungeahnte Bedrohungen
Kapitel 6: Abstieg in die Schatten
Kapitel 7: Ein Feuer entfacht
Kapitel 8: Ein Feuer erlischt
Kapitel 9: Treue und Willensstärke
Kapitel 10: Das Entstehen einer Armee
Kapitel 11: Zeit des Wandels
Kapitel 12: Verrat in den eigenen Reihen
Epilog: Dunkle Vorahnungen
Der Aufstieg war kräftezehrender und schweißtreibender als er es hätte sein müssen. Obwohl der Spätsommer in ganz Edros herrschte, machten Regen und Kälte den Berg schwer passierbar. Der Boden war matschig, bei manchen Tritten sank man knöcheltief in den Untergrund ein, was mit Schlamm gefüllte Stiefel bedeutete. Steine zeigten sich so glitschig, als wären sie von einer unsichtbaren Schicht aus Morast bedeckt. Achtete man nicht darauf, drohte man schmerzhaft zu stürzen. Die Kleidung wurde klamm und klebte am gesamten Körper. Da halfen selbst die vier Röcke nicht, die die Alte an ihrem Leib trug, während sie einem kaum sichtbaren Pfad folgte. Zudem bereute sie es, dass sie ihren Gehstock mitgenommen hatte. Sie schulterte ihn mehr oder packte ihn sich unter den Arm, als dass er ihren Gang unterstützte. Hunderte Male erwischte sie sich bei dem Gedanken, ihn einfach zurückzulassen, überlegte es sich letztlich aber doch stets anders. Nicht, weil sie aus irgendwelchen sentimentalen Gründen an dem Stück Holz hing, sondern weil er ihr recht häufig gute Dienste erwiesen hat. Daher hielt sie, trotz viel Geschimpfe und Gezeter, an ihm fest.
Nur noch wenige Meilen trennten die Alte von der Bergspitze. Wäre dies ihr Ziel gewesen, wäre sie, ohne einen Zwischenstopp, weitermarschiert, doch sie blieb stehen und sah sich zu allen Seiten um. Die Spitze des Bergs war ihr reichlich egal. Ihre kleinen Augen kullerten in den tiefen Augenhöhlen hin und her, während sie angestrengt nachdachte. Konzentriert sog sie die magieaufgeladene Luft in ihren buckligen Körper ein und lächelte anschließend zufrieden. Sie schlug die Route nach links ein, mitten durch ein überschaubares Wäldchen, in dem man die Vögel zwar zwitschern hören, aber nicht sehen konnte. Die gefiederten Tiere suchten wohl Schutz vor dem Wetter. Um die Ruhe zu vertreiben, stimmte sie selbst ein Liedchen an und pfiff mit ihren spröden Lippen eine Melodie. Einen fröhlichen Eindruck machend, setzte sie einen Fuß vor den anderen.
Der Weg durch den Wald war noch lang, jedoch nicht so beschwerlich wie der Weg auf den Berg hinauf. Sie überquerte einen schmalen Fluss, stieg über umgefallene Bäume und wich herumstehenden Baumstümpfen aus. Die überwiegenden Bergkiefern strömten einen intensiven, aber durchweg angenehmen Duft aus. Gepaart mit der frischen Luft so hoch oben ergab es eine gesunde Mischung, für die so manche Mediziner und Heiler wohl einiges geben würden. Einziges Manko, das die Alte hier erkannte, war das Moos. Nahezu jeder Baum und das gesamte Erdreich waren davon befallen. Stellenweise hing es sogar von kahlen Ästen hinab und wirkte dabei wie eine übergeworfene, grünbraune Decke.
Nach einer guten halben Stunde erreichte sie das Ende des kleinen Wäldchens und hatte wieder freien Himmel über sich. Obwohl das, was sich vor ihr abzeichnete, ein gänzlich anderes Bild als das im Wald war, war sie nicht schockiert. Einzelne abgestorbene Bäume standen herum, das Gras war vertrocknet und zeigte an ein paar Stellen den Ansatz von Schimmel. Am gegenüberliegenden Ende dieses trostlosen Fleckchens Land ragte eine Felsformation aus dem Boden, die von Mauerpfeffer und Felsen-Kugelschötchen überwuchert war. Inmitten der Formation befand sich der Eingang zu einer dunklen Höhle, der mit schweren Eisenstäben blockiert und auf magische Weise versiegelt worden war. Rings um die Öffnung hatte man schimmernde Runen in den Felsen gemeißelt. Hier herrschte kein Leben mehr, niemand wollte sich hier niederlassen, niemand durfte sich hier niederlassen. Dies war der richtige Ort.
Sie spürte einen alten, mächtigen Zauber, mit dem sie aber zurechtkommen sollte. Ihren Gehstock zur Seite legend, dehnte sich die alte Frau und spürte sämtliche Knochen. Dieser Körper war gebrechlich, doch sie mochte ihn, daher wählte sie auch keine andere Gestalt aus. Das geschah erst dann wieder, wenn es wirklich von Nöten wäre.
»Endlich ist es soweit«, sagte sie krächzend lachend. Sie streckte ihre schrumpeligen Hände aus, formte mit ihren Fingern eine Kugel und schloss die Augen. Sie rezitierte einen Spruch in einer vergessenen Sprache, während Energiefunken das Gebilde ihrer Hände durchzuckten. Ihre Stimme hallte in sich selbst wider, als sie lauter und lauter wurde. Die Luft begann spürbar zu knistern. Ihr Zauber war in etwa so alt wie der, der über den Höhleneingang verhängt worden war.
Noch bevor sie ihre Magie vollenden konnte, wurde sie jäh unterbrochen. Der Boden unter ihren Füßen bebte und brachte sie aus dem Konzept. Fremde Kräfte waren am Werk, das wusste sie und daher suchte sie nach der Quelle der Macht. Der Blick der Alten fiel auf eine Gestalt, die in ein schwarzgraues Gewand gehüllt war. Das Überkleid reichte bis zum Boden, nur die Spitzen der Stiefel blitzten darunter hervor. Ein Tagelmust verdeckte das Gesicht, bis auf die jung wirkenden, gelbbraunen Augen und die graue Haut darum. Der Mann – sie ging davon aus, dass es sich um einen Mann handelte – senkte die Hände, blieb regungslos stehen und starrte sie an.
»Ein Wächter?« Sie zog spöttisch einen Mundwinkel nach oben. »Hätte ich mir denken können.«
Der Fremde bewegte sich noch immer nicht.
»Jungchen, verschwinde und du behältst dein Leben. Das verspreche ich dir.«
»Es ist Euch verboten, den Berg der grauen Wanderer zu betreten.« Seine Stimme verriet, dass er männlich und nicht allzu alt war, doch gleichermaßen wohnte ihr etwas Mystisches und Kühles inne. »Außerdem ist es Euch untersagt in die Nähe dieses Grabs zu gehen. Ich gewähre Euch die Möglichkeit, noch einen Ausweg zu nehmen. Kehrt daher um und geht wieder Eures Weges.«
Sie kicherte und klang dabei, als ob jemand mit Fingernägeln über einen Stein fuhr. »Ich mag nicht hier hergehören, doch das, was Ihr vor so langer Zeit begraben habt, tut das ebenso wenig.«
Als er sie musterte, nahmen die Augen des Verhüllten die Form von schmalen Schlitzen an. »Ich weiß, wer Ihr seid, Drachenreiterin. Ich erkenne es in Eurer verdorbenen, korrumpierten Seele.«
»Mir war nie daran gelegen mein wahres Ich zu verbergen.«
»Und doch tut Ihr es, durch die Gestalt einer alten Frau.«
Sie schwiegen sich an und rührten sich nicht. Die Luft zwischen ihnen war zum Schneiden dick und man hätte ohne Probleme eine Nadel fallen hören können, so ruhig war es.
»Dies ist ein heiliger Ort, geschützt von unzähligen Zaubern, die seit Jahrhunderten Bestand haben. Auch jemand wie Ihr es seid, ist nicht dazu in der Lage, sie zu durchbrechen«, nahm der Fremde das Gespräch wieder auf und ließ die Hände an den Seiten baumeln. Unter den langen Trompetenärmeln erkannte man nur die gräulichen Fingerspitzen und die beinahe schwarzen Fingernägel.
»Sein Hass brodelt in ihm und staut sich immer weiter auf. Beinahe dreitausend Jahre fristete er hier sein Dasein und nun ist es an der Zeit den Umbruch der Welt einzuläuten.«
»Das kann ich nicht zulassen, Dazenetha, und das wisst Ihr.«
Sie zuckte gleichgültig mit den knochigen Schultern. »Und Ihr wisst, dass mir das egal ist. Die Gefangenschaft machte ein rasendes Monster aus ihm. Gleiches gilt für seine Brüder und Schwestern. Ihr, die grauen Wanderer, habt einen entscheidenden Fehler gemacht.« Es sah so aus, als ob Dazenetha auf eine Antwort des Wanderers wartete, doch er gab ihr keine. »Ihr habt die Drachenfürsten nicht getötet, sondern nur eingesperrt. Nun, mit all der hasszerfressenen Wut in sich, werden sie den Untergang Avanyas, wie wir es kennen, herbeiführen und den Weg für denjenigen ebnen, der rechtmäßig auf dem Thron sitzen und herrschen sollte.«
»Dafür müssten sie alle ihre Zellen verlassen. Etwas, das ihnen nicht möglich ist und auch nie sein wird.«
Sie ging ein paar Schritte auf den Wächter zu und sah ihn dabei unablässig an. »Glaubt Ihr wirklich, Eure Magie kann Euch beschützen? Denkt Ihr, Eure Zauber halten mich davon ab, einen der Fürsten aus seinen Fesseln zu befreien?«
»Wir sind die grauen Wanderer«, entgegnete der jung wirkende Mann. »Magie entstammt unserem Blut. Wir verfügen über Kräfte, die sich jenseits dessen befinden, was Ihr Macht nennt. Wir ...«
»Ach, spart Euch das Geschwätz«, unterbrach Dazenetha den Grabwächter und machte eine abfällige Handbewegung. »Mag sein, dass Euer Geschlecht der Anfang war, doch meine Magie basiert nicht auf der Euren. Ich bin kein einfacher Magus.«
»Nein, das seid Ihr gewiss nicht. Dennoch ...« Der Wanderer beklagte sich weiterhin, redete auf sie ein, doch sie hörte ihm nicht mehr zu und wendete sich ab. Mit hastigen und überraschend schnellen Schritten stellte sich die Alte abermals vor das Tor und begann ihr Ritual von vorne. Es dauerte nur wenige Sekunden, bis sich der verhüllte Mann erneut einmischte und seine Magie präsentierte. Sie spürte das magische Wirken in der Luft und roch es, als er sich auflöste. Binnen eines Wimpernschlags stand er vor ihr und stieß sie mit erhobener Hand einige Meter weit nach hinten, ohne die Mühe sie berühren zu müssen.
Sie landete unsanft auf der harten Erde und fühlte ein kurzes Stechen in der Brust. Dort, wo es schmerzte, hatte sie die Magie getroffen und von den Füßen geworfen.
Während sich Dazenetha aufrichtete, platzierte er sich breitschultrig vor ihr. »Wenn Ihr wollt, dass dies Euer letzter Tag ist, erfülle ich Euch den Wunsch. Eine weitere Warnung wird es nicht geben. Verschwindet von hier und lasst die Kreatur weiterhin in Ketten gefangen schlafen.«
»Wenn ich ein Wort an Euch richten darf, Wanderer: Versteht, dass dies der Anfang des Endes ist. Ihr seid mächtig, keine Frage ...« Sie sprach nicht weiter, sondern attackierte den Grauen ohne Vorwarnung und zeigte sich dabei flinker denn je.
Das Überraschungsmoment lag auf der Seite der Alten, weswegen der Verhüllte die Augen überrascht weitete und hart an die steinerne Felswand prallte, nachdem sie ihn mit nur einem Blick durch die Luft segeln ließ. Noch ehe er auf dem Boden aufschlug, löste er sich in Schall und Rauch auf, nur um wenige Meter hinter Dazenetha aufzutauchen. Mit einer geschickten Umdrehung und einem Handschlag wehrte sie einen Angriff des Wanderers ab und ließ einen einzelnen, nahestehenden Baumstamm bersten, sodass er ihn beinahe erschlagen hätte. Er sprang aus dem Weg und rollte sich auf dem Untergrund ab. Ohne weitere Worte zu verlieren, versuchte er erneut gegen Dazenetha anzukommen, aber sie konterte jede Attacke ohne Mühe. Und dann, gerade als er sich aufs Neue auflöste und sich hinter ihrem Rücken materialisierte, fuhr sie herum und packte den Verhüllten mit festem Griff am Hals. Die Hand, mit der sie ihn festhielt, hob ihn an und ließ ihn in der Luft baumeln. Verzweifelt streckte er die Zehen nach unten, um die Erde zu berühren, doch es gelang ihm nicht. Er zappelte, wie ein Fisch am Haken und jeder Versuch sich mit Magie zu befreien, wurde von der Alten blockiert.
»Denkt daran, Wanderer ...« Sie sah ihn mit siegreichem Lächeln an und hob ihre freie Hand an, um die sich, wie aus Geisterhand, ein metallischer, reich verzierter Handschuh mit spitzen Klauen legte. »... Ich bin eine der Verkommenen.«
Fast so, als hätte er den Urdämon höchstpersönlich gesehen, wurde er panisch, als er den Handschuh registrierte. Wie Dazenetha empfand, unterstrich sein röchelndes Gurgeln und das wilde Zappeln die ängstlichen Augen perfekt.
Mit einem Ruck zerfetzte sie das Tuch, welches sein Gesicht bedeckte, legte dadurch die gräuliche Haut des Wanderers frei und berührte sie beinahe zärtlich für einen kurzen Moment und augenblicklich färbte sich die betroffene Stelle schwarz. In dem Gesicht des Sterbenden erkannte Dazenetha, wie ihm bewusst wurde, dass es um ihn geschehen war. Für zwei lange Atemzüge rührte er sich nicht, doch als sich der Fleck über seinen Körper ausbreitete, entglitt dem Wanderer ein schriller Schmerzensschrei, der jedem durch Mark und Bein gefahren wäre, hätte er ihn vernommen. Binnen einer Minute war der Wächter gänzlich von der todbringenden Berührung eingenommen und als das Leben aus ihm wich, löste er sich in Asche auf, wurde vom Wind davongetragen und verschwamm zu einer Erinnerung, die mit der Zeit verblassen würde.
Nun war ihr Weg frei. Der Handschuh verschwand genauso schnell wieder in der Vergessenheit, wie er gekommen war und sie sah ihm dabei zu. Ein befreiendes Gefühl durchzog dabei ihre Gliedmaßen.
Ohne einen grauen Wanderer, der ihr im Weg stand, konnte sie sich erneut auf die Höhle, ihr eigentliches Ziel, konzentrieren. Dazenetha trat darauf zu und setzte zum dritten Mal zu ihrem Ritual an. Es kostete sie viel Konzentration und Durchhaltevermögen, doch es gelang ihr letzten Endes die Zauber, die das Gefängnis versperrten, zu durchbrechen. Als die Magie ihren Dienst versagte und sich auflöste, gab es eine Druckwelle, die nicht nur die Bäume erzittern ließ, sondern auch den gesamten Berg zum Beben brachte. Jedes noch so kleine Insekt in der Nähe würde die Veränderung in der Luft gespürt haben. Die übriggebliebenen, gealterten Eisengitter bildeten eine kaum nennenswerte Hürde, denn mittels der Macht ihrer Gedanken und eines flüchtigen Blicks verbog Dazenetha sie, hob sie anschließend aus den Angeln und ließ sie achtlos auf den Boden fallen.
»Endlich.« Sie war mit ihrem Werk zufrieden. »Ich komme, Mylanioth. Dein Martyrium ist Vergangenheit.«
Ohne zu zögern griff Dazenetha nach ihrem Gehstock und plötzlich schien sie wieder die alte Frau zu sein, die noch vorhin den Berg erklommen hatte. Mit teils wackeligen Schritten tauchte sie in die Dunkelheit des Bergs ab und ließ sich von ihr umhüllen.
Alles, was noch zu hören war, war ein unheilbringendes, hallendes Brüllen, das aus der Tiefe nach oben stieg und seinen Weg in die Herzen jener suchte, die es einst vergraben hatten.
Lauwarme Spätsommerbrisen wehten über die hügeligen Ebenen von Odrar. Sie kamen vom See der tausend Tränen und fuhren durch hohe Grashalme und dichte Baumkronen. Je näher man dem Gewässer kam, desto kühler wurde es. Da auch die Sonne nicht mehr jene Kraft besaß, die sie noch vor wenigen Tagen hatte, konnte man es als die ersten Vorboten des nahenden Herbstes ansehen. Für viele Bauern in ganz Edros war das ein gutes Zeichen. Die Ernten waren dazu bereit eingeholt zu werden, Tiere bekamen wieder genug Wasser zum Saufen und die elendige Dürrezeit fand ihr Ende. Etlichen Menschen, Elvhen und Halblingen wurde das Leben somit erleichtert und die Gemüter besänftigt. Auch wenn in nahezu jeder Seele des Landes das drohende Unheil zu spüren war, freute man sich auf die positiven Umstände der kommenden Monate, ehe der kalte und zum Teil trostlose Winter Einzug halten würde. Es war die Zeit in der sich Festtage und Feiern die Klinke in die Hand gaben. Man traf unlängst die Vorbereitungen für das Sultuine-Fest, bei dem man traditionell eine große, geflochtene Weidenfrau entzündete und dadurch den Allwissenden um ausreichend Nahrung und Vorräte für die Wintermonate bat. Manche Kinder machten sich während dieser Zeit einen Spaß daraus, Äpfel mit ihren Mündern aus breiten Bottichen, gefüllt mit Wasser, zu fischen und Rennen auf Steckenpferden abzuhalten. Man würde tanzen, frohlocken und die ausgelassene Zeit genießen.
Ein Halbling, ein Elvh und ein Víkingr sollten von all den Festivitäten aber nichts mitbekommen. Sie saßen auf den Rücken ihrer Pferde und durchstreiften ein recht unebenes Fleckchen Land an der Grenze zwischen den Regionen Odrar und Vélantin, das für die Tiere zwar keine Schwierigkeit darstellte, die Reisenden aber Zeit kostete. Thalanil Talendren ritt an der Spitze dessen, was von der Gemeinschaft Cíllians übrig geblieben war. Tenny Falkenschlag folgte dem schwarzhaarigen Langohr mit ihrem Pony und Gobán Ragnvaldson bildete das Schlusslicht. Die Ereignisse der kürzeren Vergangenheit lagen ihnen noch immer tief in den Knochen. Da war der Tod von Erlathan, Thalanils Sohn, der den Elvh wohl oder übel bis an sein Lebensende verfolgen würde und ebenso die Trennung ihrer Gruppe, mit einem Blick in das Ungewisse. Die Sorge, ob es ihnen gelang die Steine der Einheit zu finden, ehe der Unheilige seine alte Macht zurückerlangen konnte, begleitete sie dabei wie ein Schatten. Wer war im Stande, es ihnen daher zu verdenken, dass ihre Stimmung reichlich getrübt war? Ihr Ziel, die Stadt Gurma, die sich am See der tausend Tränen befand, behielten sie aber trotz alledem vor Augen.
Gut zweitausend Seelen wohnten, lebten und arbeiteten in der Fischerstadt. Ihre Verbindung zum See verurteilte Gurmas Bewohnern dazu, sich hauptsächlich von schmackhaftem Fisch zu ernähren, den man irgendwann aber nicht mehr sehen oder riechen konnte. Jeden Tag fuhren Fischerboote hinaus und kamen am Abend mit prall gefüllten Netzen zurück.
Gurma war recht überschaubar. Es gab ein paar Windmühlen, die Kathedrale der Kyria stand am Marktplatz, auf dem sich ein Brunnen finden ließ, auf dessen Spitze eine steinerne, nackte Jungfrau mit wallendem Haar auf einem übergroßen Hecht ritt. Direkt daneben fand man das Rathaus, welches, wie die meisten Gebäude, aus Lehm, Holz, Stein und Stroh gebaut wurde. Es war ein bescheidenes Städtchen.
Als Thalanil, Tenny und Gobán ankamen, fielen sie auf wie bunte Hunde. Elvhen gab es hier nur sehr wenige, Halblinge so gut wie gar keine und über Víkingr musste man wohl kaum etwas sagen. Hier unentdeckt zu bleiben war unmöglich aber sie gingen auch kaum davon aus, dass sie es mussten. Gurma sollte nur als Zwischenlager dienen und am darauffolgenden Morgen wollten sie schon wieder aufbrechen.
Die drei Reiter erreichten kurz nach Sonnenuntergang das hölzerne Tor der Stadt, das allerdings verschlossen war. Thalanil stieg von seinem Pferd ab und klopfte mit fester Faust dreimal gegen das Tor, dessen Holz glücklichere Zeiten gesehen hatte und einem Angriff wohl kaum standhalten würde. Währenddessen zog Gobán die Kapuze seines graugrünen Mantels ein klein wenig tiefer ins Gesicht, und versuchte somit, seine Herkunft zu verbergen. Es dauerte einen Augenblick, bevor ein schmales Fenster, welches in das Tor eingebettet war, auf Augenhöhe Thalanils geöffnet wurde. Zu sehen war ein Torwächter mittleren Alters und mit einem solch rundlichen Kopf, dass er wohl nie durch das Fensterchen gepasst hätte. Seine schmutzig blonden Haare waren an den Seiten lang, oben im Gegensatz dazu weitestgehend ausgefallen. Die Augen, die viel zu klein für den Schädel zu sein schienen, standen weit auseinander. So manch einer fragte sich vermutlich, ob er wohl gerade wegen jener Erscheinung die Aufgabe, das Tor zu hüten, übertragen bekommen hatte und sonst nirgendwo anders die Nachtwache halten durfte.
»Was wollt Ihr zu so später Stunde hier?«, maulte der Torwächter mit tiefer Stimme, der wohl nur spärlich Vergnügen an der Arbeit fand.
»Wir sind auf der Suche nach Schutz vor der Nacht. Die Straßen sind gefährlich dieser Tage«, brachte Thalanil ihr Anliegen vor und log nicht. Während ihrer Reise nach Gurma waren ihnen zwei Stoßtrupps an Orucs begegnet, jedoch hatten sie sich versteckt halten können.
Der Wächter rümpfte die Nase und sah sich die Gefolgschaft genauestens an. Seine Augenbrauen verengten sich im Zuge dessen so sehr, dass sie sich schon fast über der Nase trafen. »Ein Halbling, ein Elvh und ein Mensch. Ein ungewöhnliches Dreiergespann«, stellte er fest.
»Ein ungewöhnlicher Anblick mögen wir sein, doch sind wir nicht weniger alltäglich als andere Vertreter unserer Völker«, erwiderte Thalanil und verzog dabei keine Miene.
Erneut pausierte der Mann hinter dem Tor und sah sich die drei noch einmal genau an. »Ihr stammt nicht von hier. Ihr kommt aus dem Süden, Herr Elvh. Stimmts?« Die kleinen Augen des Torwächters schrumpften weiter vor sich hin.
Thalanil nickte. »Ja, Ihr habt recht. Euer Gehör lässt Euch nicht im Stich. Bitte gewährt uns Einlass. Orucs und Banditen ziehen durch das Land. Wir wünschen uns nichts sehnlicher als ein weiches Bett und eine warme Mahlzeit.«
Der Wächter grunzte vor Lachen und schlug das Fenster zu. Hatte Thalanil es geschafft? Hatte er den Mann überzeugen können sie in die Stadt zu lassen oder hatte er sie ausgelacht und würde ihnen den Weg versperren? Gobán war schon kurz davor nach seiner Axt zu greifen um sich Zugang zu verschaffen, als eine Tür, die sich neben der schmalen Luke in dem großen Tor befand, geöffnet wurde.
»Tretet ein. Gurma wird Euch und Euren Freunden Eure Wünsche erfüllen, so gut es uns in Zeiten wie diesen gelingen mag«, versprach der Torwächter, der nun sein volles Ausmaß präsentierte und noch dicker erschien, als man sich ihn zuvor vorgestellt hatte. Die schwarze Kleidung verdeckte dies so gut wie gar nicht.
»Vielen Dank, werter Herr.« Thalanil zog ein paar Münzen hervor und drückte sie dem Mann in die Hand. »Bitte verratet uns noch wie wir zum Gasthaus der Stadt kommen, damit wir nicht herumirren müssen.«
Freudestrahlend nahm der Torwächter die Silberlinge entgegen, schob sie sogleich in eine der engen Taschen und zeigte mit einem stark behaarten Handrücken die Hauptstraße entlang. »Folgt der Straße, bis Ihr einen Barbier seht. Biegt rechts ein und schon gut zweihundert Meter weiter findet Ihr unser Gasthaus.«
Im Namen der Gruppe bedankte sich Thalanil bei dem Mann und sie überließ ihn wieder seiner Arbeit.
Sie folgten der Wegbeschreibung und versuchten den Blicken der Einwohner aus dem Weg zu gehen. Nicht selten starrten sie daher auf den schlecht gepflasterten Weg. Ein Vorhaben, das eher dürftig gelang. Der eine oder andere musterte sie skeptisch. Die Männer und Frauen Gurmas erkannten offenbar sofort, wenn jemand fremd in ihrer Stadt war. Das folgende Getuschel untermauerte diese Vermutung. In den Dreien kam aufgrund dessen das Verlangen auf, schneller zu laufen, doch sie hielten sich zurück. Es würde sie nur verdächtiger machen. Zu ihrem Glück dauerte es nicht mehr lange, bis sie schließlich das Gasthaus Zum zappelnden Schwertfisch erreichten.
Lautes Gelächter, Gesang und Geschrei drang aus der Schänke des Hauses bis auf die Straßen hinaus und verriet eine gut angetrunkene Gesellschaft. Somit sollte es Thalanil, Tenny und Gobán leichter fallen, in der Menge der Gäste unterzutauchen. Ihre Rösser banden sie in einem Stall fest, der direkt neben der Taverne zu finden war und bereits ein paar Pferden als Unterschlupf diente. Anschließend betraten sie den kleinen Gastraum und augenblicklich stieg ihnen ein durch Fisch dominierter Geruch in die Nase. Gepaart war dieser mit schalem Bier, schlechtem Wein und Menschenschweiß. Frischluft hätte dem Schankraum nicht geschadet, aber es galt sich nun kurzzeitig damit anzufreunden.
Sie drängten sich durch und fanden nahe des Kamins einen Tisch mit vier abgenutzten Stühlen, den sie sich sofort ergatterten. Die Tischplatte klebte hie und da, vermutlich durch verschüttete Getränke anderer Gäste und Thalanil verzog angewidert das Gesicht, während es Gobán und Tenny scheinbar nichts ausmachte. Zuerst würden sie bei einer Bedienung um ein Zimmer zur Miete bitten und dann noch etwas zu Abend essen, bevor sie sich zurückzogen. So war der Plan und klang recht einfach. Nachdem sie einige Minuten warten mussten, kam ein junger Bursche mit verschwitzten Haaren und einem ärmellosen Hemd zu ihnen an den Platz. Sein Stirnband, das die Haare zurückhielt, war dreckig und durchnässt.
»‘Tschuldigung, dass es so lange gedauert hat«, platzte es direkt aus ihm heraus, als er sich den Unterarm an seiner Schürze abwischte. »Was darf‘s sein?«
Für einen kurzen Moment musterte Thalanil den Knaben, ehe er das Wort an ihn richtete. »Wir hätten gerne ein Zimmer für die Nacht und ...«
»Für drei?« Unsicher zog die Bedienung eine Augenbraue nach oben, während er den Elvhen unhöflich unterbrach.
»Ja, für drei. Und dann würden wir noch Abendessen bestellen, sofern Eure Küche noch irgendetwas übrig hat.« Er ignorierte die Art seines Gegenübers gekonnt.
»Wir haben zwei Gerichte. Gebratener Aal mit Zwiebeln und Kartoffeln oder Fischsuppe mit Gerstenbrot«, ratterte er die Speisen runter.
»Wir nehmen dreimal die Suppe und noch eine Karaffe Wein.«
Für den Moment rümpfte der Junge die Nase, sah sich seine Gäste noch einmal genauer an und verschwand ohne weitere Worte wieder unter den anderen Anwesenden in Richtung Tresen.
»Welch freundlicher Zeitgenosse«, scherzte Tenny und verdrehte die Augen. »Soll sich nicht wundern, wenn er irgendwann ein Messer in der Kehle stecken hat.«
»Auf der Klippeninsel wäre er sogar als zu höflich beschrieben worden.« Gobán sah irritiert drein und legte die Arme auf dem klebrigen Tisch ab.
Sie sah Gobán intensiv an und schien zu überlegen, was sie erwidern wollte, beließ es aber bei einem »Schon gut.«
»Wie geht es nun weiter, Thalanil? Wie sieht unser Weg aus?«
Der Elvh grübelte. »Lange, so viel kann ich dir verraten. Es wird noch einige Tage dauern, bis wir die Osthöhenberge erreichen. Dazwischen gibt es keine größere Stadt mehr. Vermutlich werden wir oft unter freiem Himmel schlafen müssen.«
»Solange die Kälte nicht einsetzt«, mischte sich Tenny ein, »sollte das ja das kleinste Problem sein.«
»Falls wir Glück haben, ist in den vélantischen Dörfern noch ein Platz zum Nächtigen frei. Jedenfalls sind wir gezwungen rasch voranzukommen.«
»Auch wenn er dabei ist seine alte Macht zurückzuerhalten, wird das nicht so schnell geschehen, oder doch?« Der Víkingr wirkte verdutzt, doch Thalanil schüttelte den Kopf.
»So meinte ich das nicht. Wenn Cíllian recht behält und der Stein der Halblinge irgendwo im Borkwald versteckt liegt, steht uns viel Arbeit bevor. In einer der Halblingsstädte wäre es nicht so schwer gewesen, ihn ausfindig zu machen.«
»Wenn es nur wirklich das wäre«, seufzte Tenny und rieb sich die Stirn, als bekäme sie in wenigen Sekunden Kopfschmerzen.
»Was meinst du?«, wollte der blonde Hüne wissen.
»Mein Volk ist ... gewöhnungsbedürftig«, erklärte sie sich und Gobán lachte.
»Du warst nie auf den Kli ...«
Auf einmal berührte Thalanil den Víkingr unsanft an der Schulter und bedeutete ihm, still zu sein. Gobán war drauf und dran etwas zu erwidern, doch Thalanil unterbrach ihn direkt. Er belauschte ein Gespräch und wie sich herausstellen sollte, ein sehr wichtiges obendrein.
Zwei reichlich angetrunkene Männer älteren Kalibers saßen einen Tisch weiter und unterhielten sich angeregt über Neuankömmlinge in der Stadt. Zuerst glaubte der Elvh, die Männer sprächen von ihnen, doch so schnell konnte sich ihre Ankunft nicht herumgesprochen haben. Diese Annahme stellte sich, wie zu erwarten war, als falsch heraus, denn die Fremden, über die sie sich unterhielten, machten seit einigen Tagen Probleme.
Fetzen der Unterhaltung waren das einzige, was an seine Ohren drang und doch genügten sie, damit sich Thalanil ein Bild von dem machen konnte, was in Gurma geschah.
»Was ist los?«, hinterfragte Tenny neugierig und lehnte sich dafür ein wenig über den Tisch.
»Eine gute Frage.« Die Augen des Elvhen präsentierten sich angespannt. »Allem Anschein nach gibt es Ärger in der Stadt.«
»In welcher Form?«, interessierte es den Blonden, als jedoch im selbigen Moment die Bedienung zurückkam und wortlos die Karaffe Wein vor ihre Nasen stellte. Es folgten drei Kelche aus Holz.
»Das Zimmer ist für Euch reserviert. Den Schlüssel gibt’s beim Wirt. Er wird Euch den Weg zum Zimmer beschreiben. Könnte zwar für Euren Blondschopf schwer werden, in die Betten zu passen, aber für vier Silberlinge pro Kopf kann man nicht zu viel verlangen.« Es war eine direkte Anspielung, dass er das Geld verlangte.
So wütend Gobáns Blick in der Sekunde wurde, in der man ihn als Blondschopf bezeichnete, so schnell mischte sich Thalanil ein, zog einen Geldbeutel hervor und fischte nach den Münzen für das Gästezimmer. Den Wein und das Essen würden sie später bezahlen. Doch neben den zwölf Geldstücken aus Silber legte er noch vier weitere hin, die er jedoch mit den Fingern festhielt. »Könnt Ihr mir Auskünfte geben, wenn ich Euch darum bitte?«
Der Bursche blickte auf die Silberlinge und anschließend in Thalanils Gesicht. »Kommt drauf an. Was wollt Ihr wissen?«
»Was geht in Gurma vor sich? Ich habe von fremden Unruhestiftern gehört.«
Ein resignierendes Lächeln bedeckte die Lippen der Bedienung. »Da habt Ihr richtig gehört. Gebt mir das Geld und Ihr bekommt Informationen.«
Thalanil schob sie dem jungen Mann zu, welcher sie direkt in einer Tasche seiner Schürze verschwinden ließ, wohlbedacht darauf, dass ihn niemand beobachtete.
»Vor ein paar Tagen legte ein Schiff im See der tausend Tränen an. Es kam über den Valandil. Zu Anfang dachte sich keine Seele etwas dabei, obwohl ihre Kleidung sehr eigenwillig erschien. Diese Mistkerle sind Wildlinge.« Er stoppte kurz und verschränkte die schmalen Arme vor der Brust. »Sie bedrohen die Einwohner, plündern die Vorratskammern und haben zwei Häuser niedergebrannt. Barbaren sind das, das sage ich Euch.«
Die drei Reisenden waren bereits vorher hellhörig gewesen, doch nun rutschten sie nahezu zeitgleich unruhig auf ihren Stühlen herum. Allen voran Thalanil, der näher an die Kante heranrutschte, um der Bedienung flüsternd noch weitere Informationen zu entlocken. »Was wisst Ihr über die Wildmenschen, die in Gurma eingefallen sind?«
»Nicht viel. Hab sie selbst erst einmal kurz gesehen. Bin mittlerweile nur noch hier oder in meinem Haus. Was sie hier wollen kann ich nicht sagen, doch sie scheinen nicht gerade glücklich zu sein. Wenn Ihr mich fragt, dann müssen diese Ratten bald das Weite suchen, sonst war’s das mit unserer Stadt.«
Dem Elvhen gingen einige Gedanken durch den Kopf und ganz offensichtlich war es bei seinen Begleitern nicht anders. Sie hegten die gleiche Vermutung – aber wäre das nicht ein zu großer Zufall? »Danke sehr.«
»Das Essen kommt bald«, verabschiedete sich der Bursche und zog sich abermals zurück.
Thalanil sah zu Gobán, der angespannter denn je wirkte.
»Víkingr«, flüsterte der Hüne beinahe verachtend. »Es können nur sie sein.«
»Ist das überhaupt möglich? Wieso sollten sie hier landen?«, wollte Tenny wissen.
Der Heiler dachte nach. »Selbst wenn es sich um deine Verfolger handelt, wäre es unklug Gurma heute Nacht zu verlassen. Uns bleibt wohl nichts übrig, als bis zum Anbruch der Morgendämmerung zu warten.
Gobán schloss die Augen und rieb sich ratlos die rechte Schläfe. Sie blieben noch ein wenig sitzen, aßen ihr Abendmahl und unterhielten sich dabei über die vermeintlichen Víkingr und die Gefahren, die von ihnen ausgehen konnten. Als sie direkt nach dem Essen ihr Zimmer aufsuchten, hatte niemand bemerkt wie eine junge Frau, die nur einen Tisch neben ihnen gesessen war, jedes Wort ihrer Unterhaltung wie ein Schwamm aufgesaugt hatte. Gleich nachdem die Gefährten dem Schankraum den Rücken gekehrt hatten, stürmte sie aus dem Zappelnden Schwertfisch hinaus in die Dunkelheit der Nacht.
Die Nacht verlief ohne irgendwelche Zwischenfälle, doch Gobán hatte kein Auge zumachen können. Der Hüne lag die ganze Zeit über wach im Bett und hatte mal an die Decke gestarrt, mal aus dem Fenster, doch seine Gedanken kreisten stets um die Víkingr, die sich scheinbar in Gurma befanden. Was war das für ein übler Scherz, fragte er sich. Wieso mussten sie ausgerechnet dann in dieser sonst eher friedlichen Stadt landen, wenn auch er hier war? So schnell hatte er nicht damit gerechnet, von der Vergangenheit eingeholt zu werden. Was ihn aber ebenso beschäftigte war die Frage, wer es wohl sein würde. Es gab viele aus seinem Stamm, die sich hierher bemühen würden, nur um ihm das Messer in die Kehle zu jagen und im Anschluss noch in die Brust oder gar zwischen die Beine. Immerhin waren sexuelle Akte unter Männern in der rauen Gesellschaft der Víkingr verpönt und sogar verboten. Dass Gobán auch seinen Vater getötet hatte, nachdem dieser seinen Geliebten ermordete, trieb für seinesgleichen die Verachtung an die Spitze. Nicht selten musste er in jener Nacht an Ove denken. An sein Haar, an seinen Körper, die wilden Berührungen, die sie ausgetauscht hatten und die Leidenschaft, die in ihren Lenden gebrannt hatte. Ob es wahrlich Liebe gewesen war vermochte Gobán nicht zu sagen, aber sie hatten ihren Spaß und es beide zu jenem Zeitpunkt bitter nötig gehabt. Nun war Ove tot und aller Vermutung nach nicht beerdigt worden. Für die Schande, die er über die Víkingr gebracht hat, hatte man seine Leiche mutmaßlich in der Dorfmitte nackt zur Schau gestellt, damit jeder sie bespucken und beschmutzen konnte.
Diese Gedanken brannten sich in Gobáns Kopf und er bekam sie nicht wieder weg. Es schmerzte ihn im Tiefsten des Herzens. Das hatte er nie gewollt. Auch wenn der Blonde ein harter Kerl war und nur selten Gefühle zeigte – man brachte es den Männern der Víkingrn so bei – vergoss er in der Nacht eine einzelne Träne, die sein rauer Bart stoppte. Eigentlich hatte Ove mehr Trauer verdient, doch es sollte ihm nie vergönnt sein.
In weiter Entfernung fing plötzlich ein Hahn an zu krähen, wodurch Thalanil und Tenny zögerlich ihre Augen öffneten. Gobán nutzte die Gunst des Moments und fuhr sich mit der Hand über das Gesicht, als ob es die Traurigkeit in seinem Gesicht vertrieb. Seinen Begleitern konnte kaum etwas auffallen, außer den großen Augenringen.
Die ersten Sonnenstrahlen stahlen sich durch das geöffnete Fenster, der laue Wind trug den Geruch des Fischs mit sich in den Raum. Es roch weniger penetrant als noch am Vortag. Hatten sie sich vielleicht an den Gestank gewöhnt?
Gobán wünschte seinen Freunden einen guten Morgen und sah ihnen dabei zu, wie sie langsam wach wurden und sich aus den Betten quälten. Zeit hatten sie keine, denn direkt nach dem Frühstück mussten sie Gurma hinter sich lassen und weiterziehen. Daher war es nicht verwunderlich, dass der Elvh und die Halblingsdame sich sputeten. Sie wuschen sich kurz das Gesicht, schlüpften alle in ihre Kleidung, packten ihre Rucksäcke und verstauten die Waffen so unauffällig wie nur irgend möglich.
Nachdem sie das Zimmer verlassen hatten, fiel ihnen sofort die verdächtige Stille auf. Sie hing wie ein feingewobener Schleier in der Luft und wirkte beinahe gespenstisch. Von der lauten Stimmung am Vorabend war nichts geblieben außer dem Gestank von abgestandenem Bier. Zögerlich setzten die drei Gefährten einen Fuß vor den anderen, darauf bedacht die Holzdielen nicht zu laut quietschen zu lassen. Niemand sollte durch sie geweckt und dadurch auf sie aufmerksam werden. Einmal um die Ecke Richtung Treppe gebogen, fanden sie einen leise schnarchenden Mann mit schütterem Haar, auf dem Boden liegend. Auf ihm lag eine jüngere, zierliche Frau mit fahler Haut und entblößten Brüsten. Für diese beiden war das Glas am Abend zuvor wohl zu voll gewesen. Behutsam schlichen sie weiter, vorbei an den Schlafenden und zur Treppe hin, die sie Stufe für Stufe hinabstiegen.
In der Schänke angekommen, löste sich vor allem in Gobán ein gewisses Gefühl der Anspannung. »Nun lasst uns von hier verschwinden solange wir ...«
»Beim Dreizack des alten Dyrafjoror!«, unterbrach ihn eine männliche Stimme. »Wenn das nicht tatsächlich Gobán Ragnvaldson ist, möge mich Allvika sofort holen und in ihr Totenreich schleifen.« Der Fremde saß gerade noch auf einem Stuhl, hatte die Füße auf den Tisch gelegt und übereinandergeschlagen, stand nun aber auf und ging mit ausgebreiteten Armen auf Gobán zu.
»Haben sie also dich geschickt um die Drecksarbeit zu erledigen, Eldgrímr?«, wollte Gobán mit grimmigem Blick und ernstem Tonfall wissen, die Geste des anderen nicht erwidernd.
Der Mann, der sich als Eldgrímr herausstellte, blieb abrupt stehen und starrte entrüstet drein. »Was? So begrüßt du einen alten Freund?« Er war fast doppelt so alt wie Gobán und ein paar Zentimeter größer, von muskulöser Statur und hatte dunkelblondes, langes Haar, das zu einem Zopf geflochten war. Seine Haut wies Flecken auf, die wohl durch zu viel Sonne entstanden waren. Wie die meisten Víkingr trug auch Eldgrímr gefütterte Kleidung aus Leder. Eine Besonderheit hatte er jedoch an sich, die nicht jeder besaß. Es war eine Kette, an der die Zähne der Haifische baumelten, die er bereits eigenhändig erlegt hatte.
Gobán rollte die Augen, als er die Worte des anderen hörte. Tenny wollte sich schon vor ihren Kumpanen stellen, doch dieser hielt sie mit einer Handbewegung davon ab. »Freunde nennst du es also? Du weißt, was ich getan habe, sonst wärst du kaum hier.«
»Ja, das weiß ich, Gobán. Jeder auf der Klippeninsel weiß von dem Vorfall, bei dem dein Vater und der gute Ove ihre Leben verloren haben und in die Tiefen des Meeres getaucht sind.«
»Dann ist dir ja bekannt, dass ich nicht mehr willkommen bin und hingerichtet werden würde, sollte ich je wieder einen Fuß auf die Insel setzen. Spar dir daher jegliche Scheinheiligkeit und sei der Mann, der meinen Tod herbeiführen soll!« Mit zusammengebissenen Zähnen spuckte Gobán die Worte demjenigen entgegen, den er einst wirklich als Kamerad ansah.
Eldgrímr lachte erneut, doch es klang anders, finsterer. »Ich soll dich töten? Diese Ehre gebührt nicht mir. Dein päderastischer Frevel und der Vatermord haben den Göttervater erzürnt und um ihn zu besänftigen gibt es nur einen unter uns, der die Tat vollbringen darf.«
Gobán schlug das Herz bis zum Hals. »Wer wird es sein?« Er verlangte Namen. Nicht mehr und nicht weniger. »Wer soll mir das Messer ins Herz jagen?«
»Oh, die Antwort wird dir gefallen. Da bin ich mir sicher«, pfiff er vor Freude, ohne zu viel zu verraten. »Sind das deine neuen Freunde?« Eldgrímr wendete den Blick erst jetzt auf Thalanil und Tenny, die jede Bewegung des Fremden musterten. »Ein Halbling und ein Elvh? Zu normalen Wesen reicht es wohl nicht? Wundert mich nicht.«
»Denk daran, was wir versprochen haben«, erinnerte Tenny den Großgewachsenen. »Wir verteidigen dich mit unseren Leben.«
Ein Gefühl der Zuversicht breitete sich in Gobán aus. Nicht, dass er den Kampf scheute, doch gegen eine Überzahl an Vertretern seines Volks würde er kaum bestehen können und so heldenhaft ein Tod im Kampf auch war, wollte er heute noch nicht sterben.
Mit einem Mal wurde die Tür zum Zappelnden Schwertfisch aufgestoßen und hereinstolperte eine junge Frau, die der Kleidung nach zu urteilen aus Gurma stammen musste. Sie war jung und zitterte am ganzen Leib, als sie unsanft auf dem Boden landete. Alle Augen richteten sich schlagartig auf sie, wie sie bitterliche Tränen weinte. »Es tut mir so leid«, schluchzte sie und versuchte wieder aufzustehen, doch ihre Beine versagten es ihr.
»Wer ist das?« Gobán nickte in die Richtung der Fremden.
Als Antwort zuckte Eldgrímr beinahe teilnahmslos mit den Schultern, als ob er sie nicht kannte.
Thalanil aber erkannte sie, auch wenn er einen Moment dafür brauchte. »Sie saß gestern auch hier und aß etwas zu Abend.«
»Möge der Allwissende mir verzeihen.« Die Frau bekam einen Stuhl zu fassen und zog sich ängstlich an ihm hoch. »Mir wurden mehrere Goldmünzen versprochen. Damit hätte ich meinen kranken Vater und meinen kleinen Bruder durchbringen können. Ich wollte nicht Euren Tod, Fremder.« Mit roten, verquollenen Augen sah sie Gobán an, senkte jedoch aus lauter Scham ihr Haupt.
An dieser Stelle konnte sich Tenny nicht mehr zurückhalten. »Wofür betet Ihr zum Allwissenden? Was habt Ihr verflucht noch eins getan?« Ihr Temperament gewann die Oberhand, was vor allem daran lag, dass die Situation schlimmer zu werden schien.
Ein Pfeil, der durch die offenstehende Tür geflogen kam, durchtrennte die Luft und gleichermaßen den Hals des Mädchens. Sowohl das eine als auch das andere Ende waren zu erkennen, als sie mit aufgerissenen Augen und blutspritzend leblos zu Boden fiel.
Ein zweiter Víkingr, bewaffnet mit Pfeil und Bogen, betrat die Schänke. Er war etwas dicklicher. Sein Bart war buschig und auf dem Gesicht prangte eine große, schwarze Tätowierung. Nun war es so weit, dass Gobán, Tenny und Thalanil ihre Waffen zückten.
»Hjǫr?« Gobán musste schlucken. »Wieso hast du sie getötet?« Eine dumme Frage, wie ihm in den Sinn kam, kaum da er die Wörter ausgesprochen hatte. Die Festländler nannten seinesgleichen nicht umsonst Wildlinge und Barbaren.
Hjǫr antwortete nicht, spannte stattdessen einen neuen Pfeil in die Sehne des Bogens und trat zur Seite. Ihm folgten fünf weitere Víkingr durch die Tür. Drei Männer und zwei Frauen. Gobán kannte sie alle, wenn vier von ihnen auch nur flüchtig. Wie sie hießen, wusste er nicht. Eine der beiden Frauen war ihm aber durchaus bekannt. Es handelte sich dabei um Oves Tante Hildr, die sich immer liebevoll um ihren Neffen gekümmert hatte. Ihre Statur war, selbst für eine Frau der Víkingr, kräftig. Ihr wildes, hellbraunes Haar war kaum zu bändigen. Auch sie zog es vor zu schweigen und trat zur Seite, um die Tür frei zu machen.
»Die Göre war unnütz, deswegen musste sie sterben. Als ob wir ihr Gold für Informationen geben würden.« Eldgrímr spuckte auf den Leichnam des traurigen Mädchens.
»Du bist eine elendige Abscheulichkeit!« Der blonde Hüne presste die Zähne vor Wut fest aufeinander, sodass sie knirschten.
»Er ist keine Abscheulichkeit.« Gobán kannte die Stimme, die diese Worte aussprachen. Eine Stimmfarbe, die ihm nur allzu vertraut war. Als er noch ein kleines Kind gewesen ist, war sie es, die ihm Schlaflieder vorsang und Sorgen stets mit Geschichten über das weite Meer vertrieb. »Manche behaupten dies jedoch von dir, mein Sohn.«
Durch die Tür trat Gylla, Gobáns eigene Mutter. Sie hatte hellblonde, lange Haare zu einem losen Fischgrätenzopf geflochten. Ihre Kleidung wirkte kriegerisch, ein Kettenhemd trug sie über dem sonst üblichen Leder. An ihrem rechten Arm befand sich ein goldener Armreif mit aufwendigen Verzierungen und einem weißen Edelstein darin. Wie ihr Sohn hatte Gylla grünbraune Augen und auch sonst war er ihr wie aus dem Gesicht geschnitten.
Nie im Leben hätte Gobán mit dem Auftauchen seiner Mutter gerechnet. Auf der anderen Seite hätte er es sich denken können. Sie wollte sich sowohl für den Tod ihres Gatten rächen als auch für die Schande, die ihr Sohn über die Familie brachte. Anders konnte er es sich nicht erklären. »Du bist es also, Mutter«, sprach er sie mit der Mundart der Víkingr an, die der Elvh und der Halbling kaum verstanden. Sie klang härter, aggressiver als reines Isteelin. »Wie hast du mich gefunden? Was hat es mit dem toten Mädchen auf sich?«
Gylla schritt zwischen den Tischen entlang, fuhr mit ihren lederbedeckten Fingern über das Holz der Schänkenmöbel und kam kurz vor ihrem Spross zum Stehen. Sie sahen sich in die Augen. »Nenne es Schicksal, nenne es Zufall. Mir ist es gleich.« Ihre Aussprache wirkte ungerührt. »Vor ein paar Tagen legten wir in diesem Ort an. Die Überfahrt war lang und kostet uns viele Nerven. Das Mädchen aber«, Gylla zeigte auf die Tote, »war die Erste, die wir hier fanden. Sie hieß uns willkommen und so baten wir sie um Hilfe. Sie sollte uns helfen dich zu finden.«
»Edros ist groß. Ich hätte überall und nirgendwo sein können«, gab Gobán als Antwort. »Selbst Vallaise oder Garciliaso wären eine Möglichkeit. Wieso also ausgerechnet in diese Fischerstadt?«
Seine Mutter lächelte dubios. »Denk scharf nach, mein Sohn. Woher könnten wir gewusst haben, dass du hier früher oder später ankommst?«
Wie vom Blitz getroffen weitete der Víkingr seine Augen. Ihm wurde es bewusst. »Natürlich. Gróa, die Knochenseherin.«
Gylla nickte bestätigend und selbstzufrieden.
Tenny, die sich bemühte, alles zu verstehen, was die beiden untereinander sagten, sah irritiert drein. »Was ist eine Knochenseherin?«
»Sie sieht mit Hilfe der Knochen Verstorbener in die Zukunft. Um Ereignisse einer bestimmten Person zu sehen, braucht sie die Gebeine eines nahestehenden Menschen.«
»Deinem Vater?«
Den Halbling ignorierend fuhr Gylla fort. »Der Mord an Ragnvald hat einige Unseresgleichen sehr verärgert. Du weißt, er war ein angesehener Mann. Und dann auch noch diese heimlichen Treffen mit dem Händlersjungen.« Ihre Worte sprühten vor Abscheu und Missbilligung. »Als ob das nicht widerwärtig genug wäre, warst du jemandem versprochen. Du hast mehr als nur Schande über unsere Familie gebracht, Gobán.«
»Spar dir dein Geschwafel,« entgegnete der Blonde. Er kannte seine Mutter. Sie würde bald angreifen und nicht aufgeben, ehe einer von ihnen dahinschied. »Du weißt, dass mir viel an Fjǫrleif lag und ich ihr gerne mein Herz geschenkt hätte, doch Ove war derjenige, dem es gehörte.«
Gylla seufzte. »Komme mit uns zurück. Stelle dich deinem Volk, stehe zu dem Mord, den du begangen hast und akzeptiere dein Urteil.«
»Ob ich nun hier sterbe oder auf der Klippeninsel, ist dies nicht einerlei?«
»Das ist es nicht!«, schrie sie auf einmal und wurde dadurch innerhalb eines Wimpernschlags zu einer rasenden Frau. »Du hast dafür gesorgt, dass deiner Familie alles genommen wurde. Unser Name, unser Ansehen. Nur dein Kopf wird uns das wiederbringen. Nur, wenn wir eine Abartigkeit wie dich der Göttin der Toten übergeben und nach Eskifjoror übersenden, wird deiner Sippe vergeben!«
Die Luft im Gastraum war zu schneiden dick. Selbst Thalanil, der ein besonnener Elvh war, spürte, wie sich jeder Muskel im eigenen Körper anspannte.
»Tötet ihn endlich, Gylla, dann können wir mit seinem erbärmlichen Kopf nach Hause«, brüllte Hjǫr, welcher über eine ungeheuerlich tiefe Stimme verfügte.
»Schweig, Hjǫr!«, befahl Gylla und funkelte ihren Begleiter für einen kurzen Augenblick finster an, ehe sie sich erneut ihrem Sohn zuwendete. »Eine letzte Chance, Gobán.« Ihre leicht gelblichen Zähne zeigten sich, als sie aus einer Schlaufe an ihrem straff sitzenden Gürtel eine Axt aus Hartstahl, beschriftet mit alten Víkingrrunen, hervorzog. Dies war der Moment, in dem Tenny ihre zwei Dolche zückte, Thalanil Pfeil und Bogen spannte und die restlichen Wildlinge es ihrer Anführerin gleich machten. Gobán war der Einzige, der die Waffe noch zurückhielt.
»Töte mich hier und jetzt oder lass mich gehen. Ich werde nicht noch einmal einen Fuß auf die verfluchte Insel setzen«, erklärte Gobán und sprach wieder gewohntes Isteelin.
Gylla senkte den Kopf und wirkte sichtlich enttäuscht. »Es tut mir leid, dies zu hören.« Sie atmete durch und schien zu überlegen, wie sie mit der Situation umgehen könne.
Es war eine List und Gobán wusste das. Er kannte seine Mutter, die bereits auf mehreren Schlachtfeldern gekämpft hatte, zu gut. Noch bevor sie mit erhobenem Beil einen Kriegsschrei verlauten ließ, zog er die eigene Axt hervor und war fest entschlossen sich zur Wehr zu setzen.
Als sie nach vorne preschte, sahen die anderen Víkingr dies als Einladung an, es ihrer Anführerin gleich zu tun. Sie stürzten sich in den Kampf. Hjǫr schoss einen Pfeil ab, zielte dabei auf Gobán, doch Thalanil bewies eine schnelle Reaktion und ein geübtes Auge, denn er feuerte ebenfalls ein Geschoss ab, welches das von Hjǫr traf und aus der Luft beförderte. Gleichzeitig drehte er sich um sich selbst und ließ einen weiteren Pfeil durch die Luft gleiten, denn Hildr, bewaffnet mit einem Sax, einem kleinen aber massiven Messer, rannte auf ihn zu. Der Pfeil traf sie direkt in der Schulter, was die Frau ins Straucheln brachte.
Just in dem Moment wich Tenny verschiedenen Schlägen aus, duckte sich hier weg, sprang dort hin und schaffte es somit die einschneidigen Schwerter von Eldgrímr und die Waffen zweier anderer Víkingr zu umgehen. Es war knapp und einmal wurden ihre rötlichen kurzen Haare noch ein Stück gekürzt. Sie eilte über Tische und Stühle, teilte ein paar Stiche mit ihren Klingen aus und hatte ein siegessicherfreches Grinsen auf ihren Lippen. »Was für ein Spaß!«, genoss sie, als sie einem Wildling, welcher mit einer Keule ausgestattet war, eine tiefe Wunde in der Wade verpasst hatte.
Gobán hingegen kämpfte gegen seine Mutter. Sie waren ebenbürtige Gegner. Die Äxte trafen aufeinander und schienen den Kriegslärm zu überschatten. Ihre Gesichter liefen bereits vor Anstrengung rot an. Manch einer hätte ihr Duell vermutlich als eine Art Tanz bezeichnet, was vor allem daran lag, dass Gylla und ihr verstorbener Gatte ihrem Sohn das Kämpfen einst beibrachten. Daher ähnelten ihre Kampfkünste einander sehr.
»Du bist ein Nichts, Gobán!«, rief Gylla ihrem Sohn mit einer hasszerfressenen Fratze zu, als sie dicht beieinanderstanden und ihre Äxte gegeneinander pressten.
Es war Gobán, der seine Mutter zurückstieß und sich neu positionierte. »Lieber bin ich ein Nichts, als an ein Volk gebunden zu sein, in dem man sich an jahrhundertealte Gesetze halten muss und für seine Neigungen verurteilt wird!«
Die Víkingranführerin startete eine erneute Attacke auf ihren Sohn, doch er wich gekonnt zur Seite und beförderte sie mit einem festen Tritt in die Kniekehle zu Boden. Im Gegenzug fegte sie herum und holte mit ihrer Waffe dabei aus. Gobán sprang zurück und entging nur knapp einer größeren Verletzung.
Verachtung zeichnete das Gesicht der Frau, als sie sich wieder aufrichtete und die Axt in ihren Händen wog. »Wenn ich könnte, würde ich mein eigenes Becken herausreißen, da es eine Missgeburt wie dich hervorgebracht hat!«
Sie griff abermals an, klirrendes Metall durchflutete den Raum, als sie sich quer zwischen den Tischen und Stühlen entlang kämpften. Innerlich zerriss es Gobáns Herz. Seine Mutter war eine tollkühne Frau, die sich von keinem Mann etwas hatte befehlen lassen. Sie war diejenige, die andere Víkingrfrauen beflügelte sich auch in Schlachten zu stürzen. Dafür hatte er sie stets geliebt und bewundert. Umso schwerer fiel es ihm nun, auf Gedeih und Verderb gegen sie anzutreten. Sie hasste ihn für das, was er war und auch, wenn er versuchte sich das vor Augen zu halten, blieb sie die Frau, die ihn auf die Welt gebracht hatte.
Mit einem festen Stoß knallte Gobán gegen einen Tisch und landete rittlings darauf. Gylla hatte ihn hart in den Bauch getreten. Er schmerzte, doch der blonde Hüne biss die Zähne zusammen. Das musste er auch, denn im nächsten Moment stand seine Mutter vor ihm und jagte das Beil mitten auf seinen Kopf zu. Gerade noch rechtzeitig bekam er ihren Arm mit beiden Händen zu packen und stoppte ihre Aktion. Mit aller Kraft stemmte er sich dagegen und drückte sie Millimeter für Millimeter weg von seinem Gesicht.
Mit einem lauten Schrei gelang es ihm schlussendlich, sich wieder etwas Raum zu verschaffen und seine Gegnerin aus dem Gleichgewicht zu bringen. Während Gylla zwei Schritte nach hinten taumelte, sprang Gobán vom Tisch herunter, griff nach seiner zu Boden gefallenen Axt und startete einen wildentschlossenen Gegenangriff.
Thalanil, welcher inzwischen auf der Theke der Schänke stand, hatte nur noch wenige Pfeile zur Verfügung, doch diese nutze er weise und geschickt. Die Frau, die ebenfalls mit einem Bogen hantierte, lag längst tot auf dem Fußboden, nahe der jungen Frau, die nur ihrer Familie hatte helfen wollen. Ein tödlicher Pfeil ragte aus ihrem Kopf. Ein paar weitere Pfeile flogen durch die Luft, sowohl von Thalanil als auch von Hjǫr, doch im Gegensatz zu dem Elvhen trug der Víkingr Wunden davon. Beweis hierfür war der Pfeil, der in seinem Oberschenkel steckte und die Haltung des Kontrahenten ins Wanken brachte. Gerade als Thalanil erneut zum Zielen ansetzte, kam einer der Keulen-Víkingr an und wollte nach dem Mediziner schlagen. Dessen Reflexe sorgten allerdings dafür, dass er schnell nach hinten ausweichen konnte. Mit einer unglaublich grazilen, aber dennoch kräftigen Bewegung gab Thalanil dem Keulenschwinger einen Tritt in das Gesicht, wodurch er zu Boden segelte und zwei Stühle mit sich riss.
Tenny hätte sich wohl die Fähigkeiten ihres Freundes gewünscht, denn sie bekam Eldgrímrs Langsax zu spüren. Es streifte die Halblingsdame nur leicht, doch Blut floss über ihre linke Wange direkt über das Kinn und tropfte nach unten. Von dieser Wunde würde sie für den Rest ihres Lebens eine Narbe davon tragen. Die Diebin fuhr mit ihren Fingern über das Rinnsal aus Blut und sah sich die rote Flüssigkeit auf den Fingerspitzen ihrer Handschuhe genauer an. Der zuvor noch erfreute Blick des Halblings war verschwunden und zurück blieb nur ein herausfordernder und wütender Gesichtsausdruck. »Das war ein schwerer Fehler, Wildling!« Mit einem Satz befand sich Tenny vor Eldgrímr und die Klingen der beiden kreuzten sich immer und immer wieder. Es ging so rasch, dass es schon fast zu schnell für das Auge war. Je häufiger sich Tennys Dolche und Eldgrímr Schwert trafen, desto mehr war letzterer dazu gezwungen die Angriffe zu parieren. Als Tenny ihre Messer wie wild herumwirbeln ließ und damit zu einem Mühlenschlag ausholte, sollte es um Eldgrímr geschehen sein. Einer der Dolche bohrte sich direkt in seinen Magen. Der Halbling rammte die Klinge noch etwas tiefer, woraufhin er japste. »Nicht mehr so ‘ne große Klappe, oder?« Mit einem Sprung war sie auf einem Stuhl, um den Hals des Hünen zu erreichen, den sie mit ihrem zweiten Dolch aufschlitzte. Blut spritzte hervor und Eldgrímr, der den verzweifelten Versuch startete, die Blutung des Halses mit den Händen zu stoppen, sank zu Boden und blieb regungslos liegen.
Ähnliches geschah mit Hildr. Thalanil, dem die Pfeile ausgegangen waren, war zu der toten Wildlingsfrau gehechtet, hatte sich einen ihrer Pfeile gegriffen und ihn Hildr mit bloßer Hand durch das Auge gejagt und sie dadurch zu ihrem Schöpfer befördert. Tenny tötete den Víkingr mit der Keule, indem sie ihm die eigene Waffe über den Schädel zog und übrig blieben Gylla, Hjǫr und der Wildling mit der Langsax. Ihnen gegenüber befanden sich Gobán, Tenny und Thalanil, die nun wieder Seite an Seite standen.
Schweißperlen liefen den Freunden über die Gesichter. Viel Blut wurde vergossen, Leichen zierten den Boden der Schänke, die eigentlich ein Ort des Spaßes und des Vergnügens sein sollte. Der Kampf hatte sein Ende gefunden, wenn auch nicht für alle so wie erhofft.
Gylla war wütend, ja, schon fast von anerkennendem Zorn zerfressen. »Du bist ein gleichwertig Gegner geworden, doch das hier ist nicht das Ende, Gobán!«, donnerte sie.
Dieser kam nicht umher und lächelte mit einer schmerzenden Wange, denn seine Mutter hatte ihm einen Hieb mit dem Knauf ihrer Axt verpasst. »Doch, das ist es. Es ist vorbei. Eldgrímr, Hildr und zwei andere deiner Kämpfer sind tot. Kehrt zurück auf die Klippeninsel und überlasst mich meinem Schicksal.«
Hjǫr schnellte mit geballter Faust ein paar Schritte bedrohlich nach vorne. »Wir dürfen ihn nicht hier lassen, Gylla! Der Stammesälteste wird dich und uns zum Abschaum der Víkingr ernennen. Wir werden nichts mehr haben und nie in die Tiefen des Meeres eintauchen können.« Sein gespannter Bogen war auf Thalanil gerichtet, doch er hielt den Pfeil fest im Griff.
Gylla überlegte was sie antworten sollte. Sie wusste um das, was geschehen würde, doch sie ahnte auch, dass sie hier sterben konnten. Sie hatte davor keine Angst, das hatte kein Víkingr, doch sie musste ihren Ruf wieder herstellen, sonst galt sie auf ewig als die Gebärerin einer Monstrosität. »Wir ziehen ab!«
»Aber Gylla ...«
Sie riss eine Faust hoch und zeigte Hjǫr damit, dass er still zu sein hatte. Er verstummte und kam dem Befehl nach. »Wir verschwinden, doch dies ist nicht das letzte Mal, dass wir uns gesehen haben, mein Sohn.«
Erleichterung machte sich in dem Jüngeren breit, als er das vernahm, doch er hielt die ernste Fassade aufrecht, die sein Gesicht förmlich versteinerte. »Du wirst mich nicht mehr finden.«
»Oh, das werden wir noch sehen. Eine Mutter findet ihre Brut immer … egal wie verdorben sie auch sein mag.« Sie zwinkerte Gobán zu und ließ ihren Finger kreisen, was das Zeichen für ihre Mitstreiter war aufzubrechen. »Macht die Knorr bereit. Wir brechen so schnell auf, wie wir können.«
Wie sie gekommen waren, verschwanden Hjǫr und die zwei übrigen Männer wieder aus der Schänke. Gylla, die als letzte das Gasthaus verlassen sollte, drehte sich an der Tür noch einmal zu ihrem Sohn um. »Schlaf ab dem heutigen Tage stets mit einem Messer unter deinem Kissen. Du wirst nicht mehr sicher sein.« Ohne Gobán die Möglichkeit geben, darauf zu reagieren, stürmte sie aus der Tür hinaus, den anderen Víkingrn hinterher. Dies war das Letzte, was Gobán von Gylla für eine sehr lange Zeit hörte.
»Nun«, sagte Tenny und wischte sich den Schweiß von der Stirn, »das war interessant.«
Kurz nach dem Ende des Kampfes begannen Gobán, Thalanil und Tenny die Leichname der Wildmenschen nach hilfreichen Vorräten und Waffen zu durchsuchen. Der Elvh zog die Pfeile aus den leblosen Körpern und steckte die Brauchbaren zurück in seinen Köcher. Tenny nahm ein paar Schmuckstücke, wie Ringe und Ketten, an sich, die sie mit Leichtigkeit zu Geld machen konnte und Gobán kümmerte sich um intakte Ausrüstung.
Als der Gastwirt, der von starken Kopfschmerzen geplagt wurde, da er am Abend zuvor wohl etwas zu tief in das Weinglas geschaut hatte, in sein Gasthaus kam, traute er seinen Augen kaum. Auch wenn er die junge Frau aus Gurma, die für die Wildlinge gearbeitete hatte, flüchtig kannte, war er doch mehr als glücklich zu hören dass die eine Hälfte tot und die andere vertrieben worden war. Freudig und dankbar hatte er die drei Gefährten stürmisch umarmt und wollte sie noch nicht ihres Weges ziehen lassen.
Und so blieben Thalanil, Tenny und Gobán noch ein wenig länger in der Stadt, die noch immer nach Fisch stank.
Es verging ein weiterer Tag, ehe sie erneut aufbrechen sollten. Der Bürgermeister von Gurma, Nobelmann Melvyn Brehon, ein korpulenter aber dennoch stattlicher alter Mann, der kaum durch die Augen sehen konnte, hatte sie in sein Anwesen einquartiert, nachdem der Wirt des Gasthauses von den Geschehnissen berichtete. Dort hatten sie leckere Köstlichkeiten dargeboten bekommen – es gab gebratenen Fisch, geräucherten Fisch, gedörrten Fisch und ja, sogar Fischpudding. Natürlich gab es Beilagen wie goldgelbe Bratkartoffeln und verschiedenes Gemüse, doch der Fisch dominerte und Fleisch war keines zu finden.
Auf Tennys Frage hin, wieso die Wachen von Gurma nicht längst etwas gegen die Eindringlinge unternommen habe, erklärte Melvyn Brehon, dass Gurma nicht über solch fähige Leute verfüge. Er wolle jedoch zeitnah mit Beratern und dem Count von Vélantin in ein Gespräch gehen, um über die Gründung einer entsprechenden Stadtwache zu verhandeln. Immerhin bedurfte es einer langwierigen Ausbildung, bis man eine Stadt verteidigen könne.
Abgesehen von diesem Zwischenfall war es schlicht und ergreifend nicht notwendig gewesen, da Gurma meist, bis auf ein paar Vorfälle mit Straßendieben oder Betrügern, von Kriminalität oder dem Bösen verschont geblieben war.
Für den Vormittag hatte der Bürgermeister die feierliche Verbrennung der Leichen angesetzt. Noch bevor die Scheiterhaufen entzündet wurden, versammelte sich beinahe die gesamte Kleinstadt und hörte sich die Ansprache Brehons an – eine Rede, während welcher er Thalanil, Gobán und Tenny den Titel Helden von Gurma verlieh. Als die aufgebahrten Holzstöße letzten Endes in Flammen standen, jubelten die Bewohner aus voller Kehle. Ungeheuerliche Erleichterung hatte sich unter ihnen breitgemacht. Die Gefährten, die diese Veranstaltung für unsinnig erachteten, ließen sie aber über sich ergehen. Gobán wäre dabei allerdings dreimal um ein Haar der Kragen geplatzt, als man ihn fragte, woher er denn stamme und ihn im gleichen Atemzug für sein markantes Kinn lobte. Kurz vor Anbeginn der Nachmittagsstunden brachen die drei Reisenden endlich wieder auf.
Man hatte sie reich mit Vorräten beschenkt, ihnen die Kleidung gereinigt, ihre Pferde gestriegelt und gebürstet und versprochen, dass man sie auf Lebzeiten nicht vergessen würde. Sie waren bei den Toren der Stadt angekommen, als man sie abermals aufhielt. Es war ein Junge, gerade einmal acht oder neun Jahre alt, der mit strahlenden Augen zu den Reitern aufblickte. In den Händen hielt er ein Schwert aus Holz, auf dem Kopf trug er einen Hut, der viel zu groß war und ihm weit über die Ohren rutschte.
»Vielen Dank, dass Ihr unsere Stadt beschützt habt«, quietschte er munter hervor. »Wenn ich alt genug bin, möchte ich Gurma auch verteidigen können. Wie Ihr.«
Zugegeben, damit hatte keiner der drei gerechnet und auf eine Art und Weise erwärmte es das Herz der Kumpanen. Selbst Gobán, der sonst nur selten lächelte, konnte es dieses Mal kaum unterdrücken. Gurma war ein seltsames kleines Städtchen, das wurde allzu deutlich.
