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Heinz Strunk trifft auf den Blade Runner und Motoko Kusanagi verwandelt sich in Rainer Brandt. Cyberpunk Pen-&-Paper-Rollenspiel Satire zwischen vollautomatischem Salvenfeuer und schwarzer Serie. Hier betrügt jeder jeden, das aber garantiert! Black City 2066: Alabama, ein Waffen-geiles, herumballerndes Miststück und Bonecrusher, seines Zeichens diplomierter Troll-Oberfiesling, bilden zusammen Black City´s chaotischstes Ran'nāduo: Badass. Zwar nur zweite Liga, aber ambitioniert. Wie ne Banane als Dildo. Kein richtiger Kassenschlager, aber immer gut zur Hand. Von Yamamoto-san beauftragt, müssen sie ein Team zusammenstellen, bei dem man sich wünschen würde, man hätte es nicht zusammengestellt, und einen Forschungschip extrahieren, bei dem man sich wünschen würde, er würde gar nicht existieren. Na, ob das alles so einfach wird, wie es klingt? Ein Jobu ist schließlich niemals einfach nur ein Jobu. Und was leicht erscheint, ist niemals leicht. Und wenn man da nicht aufpasst, dann kann man ganz schnell die Radieschen von unten zählen und Petrus mal Hallo sagen. So läuft es doch immer. Ihr wisst das, und ich weiß das. Die Frage ist nur, ob´s trotzdem unterhaltsam wird.
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Seitenzahl: 454
Veröffentlichungsjahr: 2020
Falk Hummel
Badass
Eine Cyberpunk Hommage
Roman
© 2020 Falk Hummel
Verlag & Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359
Hamburg
ISBN
Paperback:
978-3-347-07029-5
Hardcover:
978-3-347-07030-1
e-Book:
978-3-347-07031-8
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Hinterhof macht Ran'nā doof
Black City, die Zone, Touristville, 22nd St & 166th Ave NE, Hinterhof, Mittwoch, 27. Oktober 2066, 19: 00Uhr Ortszeit
In weiter Ferne wummerten verwaschene Bassklänge und grelle Neonreklame schnitt hässliche Wunden in die schwüle Herbstnacht. Der saure Nieselregen vermischte sich mit dem seichten Film von Schweiß auf der Haut. Irgendwo wurde gefickt und irgendwo wurde einer kalt gemacht, irgendwo hatte jemand Hoffnung und irgendwo erlosch diese gerade in den letzten Zuckungen eines Chrystal-Entzuges. Diese Stadt war Dreck, Müll, Abschaum, der letzte Mist, aber doch das Beste, was die beiden kannten. Am Ende ist man tot, auch nur ein kaltes, durchgeficktes Stück Fleisch, also besser überleben und die anderen zahlen lassen für die gottverfickten Schmerzen.
Die beiden Gestalten standen in einem Hinterhof, der der Schönheit einer Darmkolik glich. Undefinierbarer Müll stapelte sich an den Rändern und transformierte im Verfall von Zeit und Regen zu einer bräunlich grauen Masse. Die langgezogene Fläche erinnerte an eine Bowlingbahn minus allem Schönen. Begrenzt wurde sie durch fünfstöckige Gebäude, die aus Backsteinen bestanden und schon in Manchester 1979 hässlich gewesen sein mussten. Aus einigen Fenstern, die langgezogen waren und einen runden Oberbogen besaßen (der Makler hätte sicherlich von Altbaucharme gesprochen, bevor er einen niedergeschossen und ausgeraubt hätte), drang schmutziges Fusellicht, aus anderen Teilen klaffte wiederum herausgebrochene Leere mit bröckeligen Steinen. Ein Anblick ähnlich dem Trümmergebiss Eurer Oma. Es imponierte eine gewisse Sanierungsbedürftigkeit. Die Hälfte der Gebäude war also bewohnt, die andere Hälfte nicht. Ob die erste Hälfte auch bewohnbar war, das habe ich übrigens nicht gesagt. Eine brennende Mülltonne erhellte die Szenerie stilecht und warf flackernde Schatten in die abendliche Dunkelheit. Eine alte Scheibe der Redneck-Kult-Formation „Negativ Nihilism Front“ hämmerte aus einem billigen Lautsprecher, der an einer knapp überdachten Hoftür stand. Diese hing auch nur noch halb in den Angeln, wie eigentlich alles hier. Schüsse klackerten durch die Nacht und erinnerten an eine außer Kontrolle geratene Nähmaschine. Garniert wurde das Ganze mit dem Röhren eines munitionsverspritzenden Dampflastzuges. „Waffencheck“ nannten die beiden das, doch eigentlich ging es nur darum, die gottverdammte Langeweile weg zu ballern. Gut, dass es hier in den Slums keinen Schwanz juckte, wenn eine Kalaschnikow und eine Vulcan Mini-Gun ein Konzert gaben.
Doch wer waren diese beiden Leute? Diese Ritter der Nacht, die ihre kleine Sinfonie spielten und die im Mittelpunkt unserer kleinen, schmierigen Geschichte stehen sollen? Manche nannten sie Abschaum, manche nannten sie Kriminelle und andere wiederum hielten sie für Ran'nā, was auch irgendwie stimmte, aber die verdammt geilsten Bastarde da draußen waren sie eben auch.
Yo, Fucker, die treten Dir in den Arsch und ziehen vorher Stiefel zwei Nummern zu groß an, so hart sind die. Also fick nicht mit den Fickern oder Du wirst gefickt, Du fickriger Fickficker!
Die Frau hieß Alabama, Rufname Al, besser bekannt als „the Bitch“ (Don´t make her mad!), ein waffengeiles, rumballerndes Miststück (oder menschliche Gangerbraut für Euch Langweiler ganz ohne Rollenspiel-Plan; Kämpfer-Klasse, sogenannte Muskeln). Der Typ an ihrer Seite hieß Boone, Rufname Bone, besser bekannt als „Bonecrusher“ (Don´t make him bad!), ein waffengeiler, diplomierter Oberfiesling (oder Trollmuskel für Euch begriffsstutzige Verstopfungsmuschis draußen an den 24k Multimedia-Bildschirmen). Beide zusammen als „Badass“ Ran'nā-Duo bekannt und berüchtigt. Bad für Bone und Ass für Alabama, verstehste, Mann? B und A, Badass. Du brauchst halt 'ne coole Show, wenn Du Dir in den Schatten einen Namen machen möchtest. In der ersten Bundesliga spielten die beiden zwar noch nicht, waren aber gerade von der Regionalliga in die zweite aufgestiegen, arbeiteten nicht mehr hauptberuflich als Straßenschläger für die Kürbisköpfe, sondern machten sich mit kleinen Jobu und Auftragsarbeiten in Blut und Zerstörung einen ersten lieblichen Kosenamen (und wie so ein Aufstieg endet, wissen wir ja alle. Mit Relegation gegen die HSV-Gang und schon ist die Chance futsch). Das ging mittlerweile sogar so weit, dass sich andere Knarrenronin einen Namen machen wollten, indem sie die beiden kalt oder zumindest platt machten oder zum gemeinsamen Sonntagsbrunch auf den Friedhof einluden (klicken sie hier zur Nebenmission: the Baddassest Badass Motherfuckers of all Times in „Fünfzehn Kugeln Ruhm“ oder gehen sie direkt zu Seite 122).
Die Zwei mögen Granaten, Baseballschläger mit Nägeln drin, Leute einschüchtern, Selfies mit ihren Opfern machen, Rülpsen an unpassender Stelle, rumballern, Kaugummi unter Tische kleben, Combatikebana, Brutal Football, mehr rumballern, viel rauchen, sich besaufen, Fast Food, noch mehr rumballern, noch mehr saufen, Redneck-Metal und einfache Lösungen.
Mögen nicht Konzerne, die Staatssicherheit, humorlose Chefredakteure und Abweichungen vom Plan (dazu später mehr).
„Ich glaub´ nicht, dass der Jobu was taugt“, nölte Alabama, ohne das ausgeprägte Kauen auf ihrem Kaugummi großartig zu unterbrechen. Der Mund stand immer offen, es schmatzte dämlich und auch einem Blinden wäre nun klargeworden, dass hier jemand schlecht gelaunt war. Das Sturmgewehr in ihren Händen, eine russische AK-67, stotterte eine Salve hustend zu Ende und unterstrich den grimmen Eindruck.
Der Troll rieb sich mit seiner mächtigen Pranke am eckigen Kinn. „Haben wir eine Wahl?“, sinnierte er und entsicherte das Gatling-Gewehr.
Wir wissen doch alle, wie das ist. Wenn Du denkst, Du hättest keine Wahl, dann hast Du sehr wohl eine. Tja, Pech gehabt, letztlich also selber schuld. Aber wenn Du denkst, Du hättest eine Wahl, dann hast Du eigentlich keine; sinnloses Anrennen gegen ein übles Schicksal, das längst feststeht. Auch wieder daneben. So oder so, Du verlierst, das aber garantiert.
„Bist Du jetzt so´n scheiß Demokrat oder was?“, maulte die Frau maulig aus dem Mundwinkel. Wahlen, Politik, was ein Quatsch. Die waren ja wohl auch abgekartet bis oben gegen. Rauch kräuselte sich am Mündungslauf der Automatikwaffe und verschwand in die Nacht wie all die Versprechen nach den Wahlen.
„Wenn Du weiter so viel fluchst“, sagte Bonecrusher trocken und schloss die Mündungskiste seines sechsläufigen Maschinengewehres. „Dann wirst Du noch blind.“
„Ich habe noch gar nicht angefangen“, raspelte es monoton aus schwarzem Lippenstift hervor und dem Troll wurde ein Blick geschenkt, der schwere Panzerung durchschlagen hätte.
„Na, zum Glück ist jeder Anfang auch ein Ende.“ Touché. Bone wie das Orakel von Delphi mit seinen Weisheiten. Sein Gesichtsausdruck eine Mischung aus sinnend und kindlich naiv, also ungefähr so, wie ein altkluger Troll eben.
„Ach, bist Du jetzt auch noch so ein Scheißphilosoph?“, ätze es freundlich weiter. Schwarz lackierte Fingernägel wechselten das sichelförmige Magazin und luden durch.
„Wenn Du weiter so viel fluchst“, sagte Bone regungslos und ließ die Vulcan anlaufen, deren Läufe sich drehten. „Dann werde ich noch taub.“ Die Mini-Gun schnurrte im elektrischen Summen der Rotationsbatterie wie ein Kätzchen der Zerstörung.
Philosophisch kann ich auch, dachte die düstere Gothicbraut und trug ihren Teil zum Diskurs der Zerstörung bei. „Ich sag´ Dir was“, nuschelte sie im Timbre übel gelaunt. „Die Grenzen meines Fluchens sind die Grenzen meines Denkens.“
Der Troll lachte kehlig auf. „Ja, Mann, ich weiß.“ Er schüttelte seinen Riesenkopf und grinste in sich hinein, als er all die vernommenen Schimpfwörter Revue passieren ließ. Im Schnelldurchlauf hätte er dafür nur einige Wochen gebraucht.
„Es ist halt einfach der Schmerz, den wir beide in uns tragen“, sagte er stoisch, das Vernichtungsgewehr rotierte nun untergriffig wie ein gewisser Ludwig Wittgenstein in seinem Grab, bereit zum Feuern. Vermutlich nur einer, aber wer weiß, was der alte Zausel da unten so alles trieb.
Natürlich war das nur Ironie bis Euthanasie, so dass beide debil lachten und sich vor Freude auf die Schenkel schlugen. Raue Typen mit rauem Humor. Und deswegen feuerten sie nun auch erst mal eine Menge Munition in die gegenüber liegende Mauer. Davor standen auch ein paar Flaschen, Dosen oder sonstiger Unrat, wobei man sagen muss, dass die improvisierten Ziele immer schon nach zwei Sekunden auseinanderstoben, so dass sie eigentlich nur zur allgemeinen Vermüllung beitrugen. Wenigstens war das gegenüber liegende Gebäude in diesem Abschnitt verlassen, was es ideal machte, um sich als Architekt zu verdingen.
„Was taugt eigentlich überhaupt was?“ fragte Alabama mit der Stimmlage Permafrost, während sie einzelne, schallgedämpfte Schüsse abgab. Ziele irgendwie unklar, aber unterstellen wir ihr mal, dass es die irgendwie schon gab.
„Was auch immer“, sagte Bone stoisch. Die Mündungsläufe glühten rot und kühlten ab, während er das Feuer unterbrach.
„Wir tun, was wir tun, weil wir tun, was wir tun“, sagten beide gleichzeitig flach und emotionslos als Ausdruck absoluter Wahrheit, wie andere behaupten würden, Zwei plus Zwei sei Vier (das stimmt übrigens nur a priori, Klugscheißeranmerkung).
„Und Kohle, das ist doch auch immer ein Grund“, fügte Bama trocken den Motivationsgründen für Charaktere in Rollenspiel-Romanen hinzu.
„Stimmt“, lieferte der Troll die reichlich hanebüchene Individualisierung. „Der neue „Guns! Guns! Guns!- Katalog“ kommt auch nächste Woche raus und da will Papa ordentlich bestellen.“ Er grinste wie ein drei Meter großes Kind am ersten Schultag.
„Außerdem könnten wir noch Rechnungen offen haben“, knurrte es aus dunkel geschminkten Augen, während vereinzelt weiter geschossen wurde.
„Rechnungen offen? Wegen dem Katalog?“ Bonecrusher guckte irritiert wie Kinder, die am zweiten Tag auch wieder zur Schule sollen.
„Nee, Mann“, nölte es weiter. „Persönliche Rechnungen, Feindschaften, Vendetten, Freundschaft und Betrug. Halt so ein Zeug als Motivation.“
Stimmt, da hatte sie recht, das gab es manchmal auch, wobei das selten weniger künstlich wirkte, meistens sogar noch viel mehr. Ich mein´, ist doch wie Verwandten zum Scheißgeburtstag zu gratulieren. Ist es nicht viel peinlicher, anzurufen und so zu tun als ob, statt am besten einfach die Nummer direkt zu löschen. Eben Mann, siehste und deswegen ist doch eigentlich auch klar, warum Ran'nā einen Auftrag annehmen und daran interessiert sind. Es sind eben Ran'nā. Und die tun so was. Und bezahlt wird mit Kohle, nicht mit Nächstenliebe. Ende, aus, fertig die Geschichte. Und wenn ein blöder Spielercharakter gar nicht will, dann soll er sich doch verpissen, auch wenn ich mich dann frage, warum er überhaupt mitspielen wollte.
Die restlichen Fragen des fragenden Verfassers dieser miesen Zeilen gingen in einem letzten, bleischweren Walkürenritt unter, als die Waffen weiter leer geballert oder getestet wurden, wer weiß das schon so genau und wer will es überhaupt wissen.
Die Vulcan schwieg, das Rotationssurren verstummte. Das verwaschene Bassdröhnen wummerte in der Ferne und von hinten schepperte es nihilistisch aus der Box.
„Langsam wird es Zeit“, sagte der Troll, während sein Körper im Feuerschein dämonisch erhellt wurde. „In ner knappen Stunde sollen wir unsere Auftraggeberin, Möse Yamamoto treffen. Zeit also, meine Hauer zu polieren.“
„Zeit, sich mal den Kajallidstrich nachzuziehen“, dachte sich seine Partnerin zustimmend.
Als sie den Hinterhof verlassen wollten, traten sie in den Lichtschein der brennenden Mülltonne. Das war sehr praktisch, denn endlich konnte die Kamera ganz nah heranfahren und ganz genau zeigen, wie unsere beiden Hauptcharaktere ganz genau aussahen. Ganz genau.
Burgertrips und Burnerkicks
Black City, die Zone, Touristville, 22nd St & 166th Ave NE, Hinterhof, Mittwoch, 27. Oktober 2066, 19: 30Uhr Ortszeit
Rock you like a hurricane. Die Kamera war ganz unten, tief, tiefer, noch tiefer und schwenkte langsam hoch. Ja, so mögt Ihr kleinen Spanner das doch. Ihr miesen Perverslinge, Ihr gierigen, geifernden Sabberleisten, Ihr schmierigen, fickrigen Wichsgriffel. Gleich fällt Euch das Kinn aus der Hose oder Papas Kopf, der da noch steckte. Also, was gab es zu gucken und zu spannen?
Schwarze Springerstiefel, gefolgt von leicht durchlöcherten, schwarzen Netzstrapsen, die am Oberschenkel abschlossen. Der Arsch steckte in tighten Lederhotpants, ebenfalls schwarz, denn hier mochte wohl jemand Schwarz. Ein Arschgeweih gab´s natürlich auch, umgedrehtes Kreuz mit Pentagramm und Satansfratze, richtig geschmackvoll. Ein Patronengurt schmiegte sich um die Hüfte und ersetzte den Gürtel um ein modisches Accessoire; Farbe, ach, nehmen wir jetzt mal Schwarz. Die schwarze Lederjacke mit ballistischer Panzerung, war rein zufälligerweise, äußerst knapp geschnitten. Zumachen konnte man die wahrscheinlich nicht, reichte auch nur bis zur Taille. Der linke Arm war mit Tattoos übersät. Die bunten Bilder, Nihonstyle, schlecht gestochen und in geschmacklosen Kombinationen, verdeckten gut die vielen Narben. Die Erinnerung an ihre Vergangenheit wollte sie gerne vergessen, was jedoch jede Nacht erfolgreich misslang. „No Fun, No Future, Fuck You All“ schimmerte in schwarzen Lettern zwischen den Bildern eingebettet. Nettes Lebensmotto, das muss man sagen. Kommt in einem Hochzeitskleid bestimmt gut und bricht das Eis schnell beim sonntäglichen Kennenlerndinner mit den Schwiegereltern. In zwei Tarnhalftern unter den Armen ließen sich zwei schwarze Maschinenpistolen Česká Škorpion mit Schalldämpfern erkennen. Die schwarz lackierten Fingernägel steckten in fingerlosen, schwarzen Lederhandschuhen (yes, das war schon in den Achtzigern cool). Ein schwarzes, viel zu kleines Black Metal-Shirt (Oldschool, einfach nur mit so weißen Corpsepaint-Krakelfratzen drauf, Bandname völlig unentzifferbar, vermutlich aber nicht die Pet Shop Boys) rundete den Yummie-Yummie-Trashburger saftig ab, gekonnter Schlampengothiclook halt. Logisch, Dicker, wenn schon, denn schon. Wenn Du bei Wendy´s bist, bestellst Du ja auch den Triple-Soyaburger mit extra Soya und nicht das Salatmenü. Knapp 1,60m groß, vielleicht auch eher klein. Die schwarzen Haare schimmerten tief dunkel, wie das wirklich so ist, wenn sie schwarz sind und nicht nur billig gefärbt. Die Haare waren zu Pigtails frisiert, links und rechts am Kopf standen sie als Haardutt ab und fielen dann als kleine Zöpfe im Bogen. Der Pony war zur Seite gekämmt, die Haare glatt und strähnig. Die Augen waren hellbraun (ab und an in der Vergangenheit aber auch schon blau geschlagen) und überraschenderweise sehr, sehr schwarz geschminkt. Kajallidstrich, Wimpern und so was, was man Smokey Eyes nennt. Also ziemlich zugeklatscht, so dass man ganz, ganz böse gucken konnte. Der Lippenstift war auch schwarz und die Lippen zeigten meist missmutig nach unten. Das Gesicht war Anfang Zwanzig, der Rest übrigens auch. Es war eher puppenhaft, mit großen Augen und kleiner Nase, dabei in der Form rund und etwas backfischartig bis provinziell. Der leichte Babyspeck polsterte die Wangen gut für so manche Backpfeife. Die gesamte Mimik bewegte sich im Bereich frostig, übel gelaunt und grimmig. Ach, fast vergessen, etwas Farbe gab es auch. Die Tattoos überwiegend (unter der Jacke natürlich nicht zu sehen) und ebenso die Haargummis (besonders wichtig und besonders gut zu sehen) schimmerten pink. Sie roch meist nach Leder, Bier und Zigaretten und einem sehr schweren Parfum, Geruch verbranntes Popcorn, Zuckerwatte und Kaugummieis, nicht unangenehm, falls man die Einzelingredienzien mochte. Als Farbe würde ich´s olfaktorisch beschreiben als tiefes, dunkles und irgendwie langsam zerfließendes Samtlila mit einem Schuss Manchesterblau. Macht das Sinn? Vermutlich nicht, aber gut, ich wollte wenigstens sieben Zeilen zum Geruch eines Charakters schreiben, denn das erscheint mir besonders relevant in so einer Personenbeschreibung.
Ihre Cyberware bestand aus Muskelfaserschmierung, sorgt für Beweglichkeit und Schnelligkeit, sowie dem Dopa-Booster als Herzstück für die Reaktion, lässt er doch die Welt wie in Zeitlupe erscheinen. Internes Comlink, Gunlink und Restlichverstärkung auf der Retina gab´s als Standard oben drauf.
Als Boni in der Charaktererschaffung besaß sie Beidhändigkeit (sonst machen zwei Maschinenpistolen auch gar keinen Sinn) und Schmerzunempfindlichkeit, als Mali Flashbacks, Schlaflosigkeit und bad fortune.
Falls sich jemand fragt, warum ich das hier alles schreibe, nun ja, das ist eine Rollenspielcharaktererschaffung und da es sich hier um einen Rollenspielroman handelt, wird das also noch einen Sinn haben. Falls sich das jemand nicht fragt, auch gut, der kommt dann vom Rollenspiel und weiß Bescheid. Mein Beileid übrigens.
„Ööööööööööörrrrrrgggg!“ Ein mächtiger Rülpser riss die Kamerafahrt unserer notgeilen Spannerfreunde auf Bone-to-the-B-Crusher, der mit seiner schwarzen Sonnenbrille und den markanten Kieferknochen an die Trollvariante von Arnold Schwarzenegger in Terminator erinnerte. Ähnlich viel konnte er einstecken, war aber deutlich redegewandter als die österreichische Schauspielmumu. Yo, Wichserkamera, ich bin auch noch da. Das Kinn eckig, die Wangenknochen ebenfalls, harte, stählerne Gesichtspartie, könnteste nen Stuhl dran zerschlagen. Die zwei Trollhauer ragten nur kurz über die Oberlippe. Seine Haare glänzten, wie mit Motoröl nach hinten gekämmt, schwarz, mit viel Pomade. Die zwei Hörner waren leicht rund, das linke ab der Hälfte abgebrochen. Er selbst war riesig, fast drei Meter (exakt 2,90 m, ist aber zu umständlich, jedes Mal zu schreiben). Seine Haut hatte einen metallischen Schimmer im Grünton, für den er manches Mal unter den Ultravioletburner musste. Klar, er hätte es auch beim örtlichen Schnetzeldoktor dauerhaft machen können, Schönheitschirurgie war so gängig mittlerweile, Bioaugmentationen gab´s von der Stange. Doch er mochte das Ritual, in den Laden kommen, die Mädels begrüßen, in seinem Viertel Präsenz zeigen. Und wenn es sich einrichten ließ und es ließ sich immer einrichten, vermöbelte er irgendein armes Schwein auf dem Weg zurück. Präsenz zeigen, seinen Ruf stärken. Ein Mann muss sich schließlich pflegen und in Form halten. In Form war er auch, denn er platzte gleich vor Muskeln. Er trug ne schwere, schwarze Bikerjacke, Leder, ballistische Panzerung, Terminatorstyle halt. Darunter spannte ein schwarzes Metalshirt mit so Fantasy, Feuer, Drachen und Schwertern drauf. Kannste nur tragen, wenn sich Deine Muskeln gleich durch das Shirt prügeln oder Du geschmackstechnisch sehr schmerzfrei unterwegs bist. Im Gürtel (eigentlich in nem Rückenhalfter, aber das macht mir hier die Beschreibung kaputt) steckte ein Dampfhammer von Schusswaffe, Bones mächtige Smith & Wesson Super 5000, Chrom, Double-Action-Revolver und ein Kaliber in Faustgröße, macht ganze Löcher in Wände und ist so laut wie ein vorbeifahrender Schnellzug. Unter dem Gürtel steckte Bones mächtiger zweiter Dampfhammer zwischen seinen Beinen (dachte er zumindest, aber da hatte er ja ohnehin immer Ladehemmungen. Mensch, wie ungerecht, die netten Jungs bleiben halt lange ungefickt). Die etwas zerwetzte Jeans in Grau (Blau sieht scheiße aus auf schwarzem Leder, hatte schon seine Mutter gesagt und die musste es wissen, die alte Rock-Schlampe) steckte in schweren Bikerboots und am linken Oberschenkel war ein mächtiges Bowiemesser umgebunden. Er blickte meist stoisch und hart, weil er stoisch und hart war. Manchmal schaute er auch naiv und kindlich. Vermutlich, weil er das auch irgendwie war.
Seine Cyberware bestand aus Muskelmaximierung, Trollhaut besaß er obendrauf. Fazit: sehr stark und sehr, sehr widerstandsfähig. Der Dopa-Booster musste natürlich auch sein, mit der Initiative fängt´s ja an, wenn Du ein Muskel bist. Die natürliche Trollsicht bestand schon aus Infrarot, internes Comlink und Gunlink gab´s dazu.
Als Boni besaß er obendrauf noch außergewöhnliche Stärke, als Mali dafür „sozialer Trottel anderes Geschlecht“, „sozialer Trottel Kinder“ (zum Glück stand er aber nicht auf die, sonst gäb´s doppelte Mali, relationship impossible).
Yeah, beide sahen badass aus und waren es auch. Apropos waren, da war doch was.
Richtig, eins war da noch oder genaugenommen zwei. Jeder hatte nämlich noch ein kleines Kürbiskopfpatch irgendwo an nicht allzu sichtbarer Stelle auf der Jacke angenäht. Was ein Zufall, da gingen sie gerade doch schon wieder in ihre Wohnung zurück. Also gehen wir am besten doch schnell mit.
Hol´schon mal den Duke
Black City, die Zone, Touristville, 22nd St & 166th Ave NE, Zentrum der Coolness, Mittwoch, 27. Oktober 2066, 19: 45Uhr Ortszeit
Leere Patronenhülsen pflasterten den Weg zurück durch ein schmieriges Treppenhaus aus überwiegend Kunststoffschmiere. Ihre Wohnung lag im vierter Stock. Der fünfte, Dachgeschoss, stand leer, ebenso die Drei. Da hausten nur Ratten und ne Menge Krankheiten. In der Eins und Zwei hausten auch Ratten, aber die waren menschlich. In der Eins ne Trümmerbraut, die ständig auf CyberMeth war. Wahrscheinlich erst Mitte Zwanzig, sah aber aus wie Sechzig. In der Zwei nen alter, hagerer Opa. Früher wahrscheinlich ein harter Hund, heute nur noch Burt Reynolds aus dem Grab. Wenigstens machten die keinen Ärger und redeten nicht viel, wenn man sich im Treppenhaus begegnete. In der WG unserer Lieblingshelden müssen wohl heimlich auch noch Umweltaktivisten gelebt haben, denn hier wimmelte es nur so von alten Bierdosen und Zigarettenkippen, die anscheinend gesammelt wurden, um der Natur draußen nichts anhaben zu können. Die Bude bestand aus Bruch und ein paar Zimmern. Die kurze Diele enthielt nur einen Kleiderständer, alt und rund wie bei Philipp Marlowe. Sie führte in das große Wohnzimmer und ab dem ersten Drittel mittels einer Treppenstufe nach unten. Die Böden bestanden gänzlich aus dunklem, morschem Holz. Warum es diesen Absatz gab, war eigentlich unklar, vielleicht waren drunter Leichen versteckt. Ist ja auch blöd, immer bis in den Keller zu latschen. Vom Absatz aus ging es rechts zunächst in das kleine Bad. Die Dusche (und alles andere) war so verdreckt, dass keiner hier gern duschen ging. Wenn sie das taten, dann mit Socken, um den Boden nicht zu berühren. Das warf natürlich langfristig ein anderes Problem auf und dies wuchs in einer vergammelten Ecke immer weiter vor sich hin. Aber unsere Schlaumeier dachten da etwas kurzfristig. Daneben lag Bonecrusher´s Zimmer. Auf der anderen Seite, links vom Wohnraum also, präsentierte sich ein Prinzessinnengemach, nur ohne Prinzessin und ein Gemach war´s auch nicht. Das weitläufige Wohnzimmer wurde durch einen großen, verdreckten und grünlichen Teppich nicht unbedingt aufgewertet. Eine Polstercouch in kackbraunem Cord und in sehr verschlissen stand mit dem Rücken zur Absatzstufe, davor ne langgezogene Holzkiste ähnlicher Couleur (sollte wohl der Couchtisch sein). Ein großes 24kMM-Gerät säumte dann die abschließende Wand. Die Decken waren alle ziemlich hoch und die Wände meist roher Backsteinputz, ähnlich wie von draußen auch. Zwei große Fenster (die mit den Rundbögen) rahmten den eigentlichen Wohnzimmerbereich zur Rechten ein. Die Jalousien waren halb heruntergelassen, eine auch halb abgerissen. Auf den großen Fensterbänken konnte man gut sitzen und rausschauen, wenn man vorher den ganzen Müll runter gewischt hätte. Auf dem Boden lag allerdings auch schon ne Menge. Halboffen links, abgetrennt durch ne Theke mit zwei Stühlen, rausgerissen aus nem Diner (echt war, hatte Bonecrusher gar nicht so viel Mühe gekostet, nur nen paar komische Blicke von Passanten), gab´s ne kleine Küchenecke. Kühlschrank, Soyamaschine, Mikrowelle, vollgemüllte Spüle. Kochen tat hier keiner.
Alabama fluchte unverständlich vor sich hin, was einem Truckfahrer die Schamesröte ins Gesicht getrieben hätte, aber was willst Du von einer Frau erwarten, die nach einem Südstaatenstaat benannt wurde. Hmm, ja, jetzt kommst Du ins Grübeln. Moment, warte, ja, fast, noch ein kleines Stück, jetzt hast Du es, Bingo Bongo, kleiner Intelligenzautist. Nichts, einfach gar nichts und das am besten noch in geschmacklos. Überall flog in ihrem Zimmer alte Wäsche rum und es dauerte eine Weile, bis sie die am wenigsten miefenden Klamotten gefunden hatte. Natürlich sah sie jetzt genauso aus wie vorher, sonst hätte ich mir die Beschreibung ja sparen können. Wobei, eigentlich geile Idee, wenn ich jetzt beschreiben würde, wie sie detailliert nen dreiteiligen Nadelstreifenanzug anzieht und im restlichen Buch nur noch in dem durch die Gegend rennt. Naja, lassen wir das.
Ihr Blick fiel auf eine Actionfigur zur neuesten Staffel Multimediamist, da war die also, unter den ganzen Höschen. Erotikfaktor Zehn, Sauberkeitsfaktor Null, ergibt in der Summe irgendwas pervers Gequirltes.
„Ultraassassin 5000 ist einfach der Geilste…richtig cool mit seinem ganzen Ninja-Scheiß“, flötete sie kopfschüttelnd mit rauchiger Stimme durch die ganze Bude.
Der Troll grunzte zustimmend und pfiff die Anfangsmelodie der Serie, während er das coole Ninjahandzeichen im Badspiegel zu sich selbst machte. Er rieb sich mit seiner Lieblingspomade erst die Hauer ein, dann die Haare. „Hmm, Schmierfett“, brummte er, das war für richtige Trolle. Der männliche Duft von Whiskey, Tabak und Motoröl kam ihm unwiderstehlich vor, ließ aber eigentlich die meisten Frauen spontan würgen.
„Hol schon mal den Duke!“, hatte er nach einiger Zeit gebellt, nachdem klar war, dass er Alabama lieber beschäftigt halten sollte. Wie stets war sie längst fertig und er noch nicht. Er wechselte mehrmals seine Shirts, schmierte die Schmiere nach und zupfte an sich herum, bis seine Muskelmaximierung auch so richtig unter der fettgeilen Lederjacke abgingen wie Schmidts Mutantenkatze. Ihre flutartigen Beschimpfungen war er ja schon gewöhnt, aber dass sie neuerdings ungeduldig anfing, in der Wohnung Schießübungen durchzuführen, das ging dann doch zu weit. Erstens muss ein Mann sich pflegen und zweitens gab es nie einen guten Zeitpunkt für ein Mitbewohnergespräch, also zu drittens: „Hol schon mal den Duke!“ Sie taperte also los, wie geheißen. Doch wer war eigentlich der Duke?
Der Duke war ein gepanzerter Kleinbus (GMC Vandura) getarnt als fahrende Müllhalde, in Braun- Gold mit Holzbeschlägen und dreckig gelber Plüschinneneinrichtung. Praktisch für Observationen, Transporte oder als mobiles Hauptquartier. Kühltruhe mit Bier verbaut. Vorne drei Sitze, Rückraum leer und zugemüllt. Bisschen Panzerung drauf, sonst nicht großartig aufgemotzt. V12-Motor (V8 ist für hülsenlose Stricher) mit freundlichen 26l Verbrauch. Natürlich Verbrennungsmotor. Welcher Irre nimmt Elektro in der Zone? Beleidigungen über diesen Wagen geben sie bitte am Eingang des nächsten Krankenhauses ab.
Neografie
Black City, die Zone, Touristville, 22nd St & 166th Ave NE, Mittwoch, 27. Oktober 2066, 20: 15Uhr Ortszeit
Kurze Zeit (aus der Sicht des Einen) oder eine halbe Ewigkeit (Perspektive der Anderen) später, röhrte der Duke durch die runtergekommenen Slums, die den stinkenden Unterleib von Black City bildeten (mit schöner Syphilis versteht sich, denn wer sich dem billigen Rudelbums hingab, der zahlte später mit geistigem Hirnverfall). Die Zone war ein Paradies für Psychopathen. Knapp eine Million verlorener Seelen und noch mehr Ganggewalt. Wer hier lebte, hatte entweder keine ODB (offizielle Daseinsberechtigung) oder keinen Verstand, war ein Gewalttäter oder verriegelte seine Türen gut. Die Bullen patrouillierten hier quasi nie und ging höchstens mal in Mannschaftsstärke rein, um einen Aufstand nieder zu schießen. Schnell rein, schnell raus, sonst fickt es sich Tripper. Badass Ecke war noch die schöne Altbauvariante, südlich des Zentrums von Touristville. Im Zentrum lag das District Courthouse und die District Hall. Der abgeranzte Charme der Häuserschluchten erinnerte hier an die Neonvariante sozialistischen Ostblockelends. Viel Elendbeton, mit Betonblockghettos, so trostlos, wie ne verrostete, einsame Gitterstange. Drogen wurden an jeder Ecke verkauft und schmierige Stände mit noch schmierigeren Händlern verkauften noch schmierigere Waren. Die Leute waren abefuckt und Gewalt gab es als Bonusmeilen. Ein Süßer Spielplatz für Ran'nā. Tja, das waren die kultivierten Gegenden hier. Wer zum Fleischmarkt in Glühwürmchentown wollte, der musste beispielsweise durch postapokalyptisches Gebiet Marke Tschernobyl. Verstrahlt waren die Leute da auch, aber nicht so, wie dämliche Hippies das sind. Andererseits gab´s dort massenhaft billigste Cyberware, quasi der Wallmart für nen Schnetzeljob. Ein Profiran'nā hätte natürlich nur High-End-Kliniken in Black Akihabara aufgesucht, unser Duo aber war hier Stammgast. Aber gut, so ist das halt, wenn Du in der Zone aufwächst. Um zum Ausverkauf zu kommen, durfte man sich durch ein paar Gangreviere beten, ballern oder bezahlen. Dafür war´s der größte Schwarzmarkt mit noch schwärzeren Geschäften. Eine Staude Noir und drei frische Äpfel Betrug direkt auf die Kralle.
Südlich ging die Zone hart, früher mal völlig abgeschottet, in Bellevue über. Das lag östlich zur Downtown, Black Cities Markenzeichen, die eigentliche Neoncity, dazwischen der Lake Washington. Bellevue war ein langweiliger Ort direkt aus der Trumanshow. Hier wohnten und schliefen die reichen Konzernfuzzis. Es war eine Mischung aus Kleinstadt und gediegener Metropole. Da Papa auch mal entspannen musste zwischen Karriereleiterklettern, Klunker kaufen für die Alte und Unsinn reden auf Nachbarschaftspartys, stand hier auch der Prängel Maximus Sexclub, das größte Eros-Center der ganzen Stadt. Und die Yakuza hatte hier ihre Finger und abgeschnittenen Stummel schon lange im Spiel. Aufgrund des Sitzes von Lockheed Kabumm Technologies hielt sogar der gute alte Brave Starr noch den Sicherheitsvertrag. Also quasi die brutal korrupte Copvariante, ähnlich der Highwaypatrol in den Südstaaten oder bei uns in Deutschland nem grimmen Bahnticketkontrolleur.
Badass fuhren also durch ihr Viertel und das war verdammt kein Kompliment. Über die Ecke 25th St, hoch bis zur 163rd Ave NE, am Banshee vorbei, dann kurz über die 520 State Route und letztlich weiter parallel zur Avondale Way. Wenn ihr´s sehen wollte, macht euch Google Earth an, ach nee, da gibt’s Black City 2066 ja noch gar nicht.
Aristotefurz
Black City, die Zone, Touristville, unterwegs in nordöstlicher Richtung, Mittwoch, 27. Oktober 2066, 20: 20Uhr Ortszeit
Der Troll saß am Steuer, eine brennende Kippe spiegelte sich in seiner Sonnenbrille. Gesichtsausdruck hart und unnachgiebig. Hier roch es nach Ärger und er hatte nicht vor, als Verlierer von den Polstern zu gehen.
Alabama saß daneben und schaute finster raus. Der Glimmstengel klebte im Lippenstift, während sie das Doofengummi kaute. Aufgeben kam in keinem Fall in Frage. Hier würde nur einer lebend raus kriechen und wer das war, das wusste sie.
„Fuck, nicht schlecht“, entfuhr es ihr dann doch. Frostig-psychopathisch okay, aber ein Mensch und eine Frau war sie dann eben auch. Der Troll produzierte einfach die schlimmeren Fürze, mit einer Würze, die den klirrendsten Black-Metal-Spirit wegschmolz.
Bonecrusher konnte sich eines gewinnenden Lächelns nicht erwehren. „Hähä, ganz schön übel, was?“ Eigenlob stinkt ja, heißt es auch.
„Richtig räudig“, raspelte das Trashchick und zog erstmal kräftig Fluppenqualm in die Lungen zur Filterung. Jetzt hatte sie sich auch noch zur Seite weggedreht und die Hand an die Stirn gelegt. Scheiße, sie verlor wieder und er saß nur unbeweglich da. Sie gab sich ja Mühe mitzuhalten, aber der Kampf war auch irgendwie unfair. Andererseits war das noch nie ein Argument, was in dieser Welt zählte und deswegen furzte sie kräftig zurück.
Arnold Schwarzentroll reagierte nicht mal drauf, als seine nächste Stinkbombe durch den Innenraum dröhnte und sie kurz vor´m Knockout stand. Alter, das ist doch nicht normal. Frisst der Typ tote Wiesel? Wie schaffte der das immer nur? War schon ein verdammt harter Furzer, der Kerl.
„Sag mal, Bone“, nuschelte sie grimmig rüber und öffnete leicht das Fenster. „Hast Du überhaupt noch gefurzt oder schon geschissen?“
Beide lachten debil.
„Du hast das Fenster geöffnet und damit offiziell verloren“, grinste Bonecrusher und schaute stolz rüber. Sein Kinn wirkte noch breiter und eckiger dadurch.
„So´n Quatsch“, zischte es eisig zurück. „Du hast Dir richtig in die Hosen geschissen, das darf man auch nicht.“ Sie schaute zickig rüber, schon wieder verlieren wollte sie nur sehr ungern.
„Hähä“, lachte Bone kehlig. „So riecht es, aber so ist es nicht.“ Mit dem vergnügten Gesichtsausdruck eines wissenden Gewinners im grünlichen Gesicht.
„Ist das jetzt wieder so ne Philosophieweisheit von Dir?“, ätzte es schön giftig weiter. Manno, was soll das denn? Das Fenster war doch nur ganz kurz auf. Der stellt sich immer an.
Crusher lächelte weiter versonnen geradeaus. Die Sonne feuerte ihm aus dem Arsch. Gewonnen, er wusste das, sie wusste das und dafür waren die Regeln ja da. Herrlich süßes Gefühl des Sieges.
„Hm“, machte sie und die Mundwinkel hingen tief nach unten, die Kippe noch viel mehr. Ein Schmollmund wäre ein U dagegen. „Dann hast Du halt gewonnen.“ Sie verschränkte die Arme und spannte wütend die Schultern. „Riecht mir trotzdem nach ner Scheißphilosophie.“
Beide lachten wieder kreuzdebil.
Die restliche Fahrt verlief recht unauffällig bis auf einige, weitere olfaktorische Pannen. Denn Rache ist ein Geruch, der am besten abwechselnd serviert wird. Abserviert wurde zum Schluss natürlich aber wieder nur eine. Langsam stank es ihr und sie hatte echt die Nase voll davon, im wahrsten Sinne des Wortes.
Terror in Double D
Black City, die Zone, Touristville, Avondale Way 2nd & NE 86th St, Double D Pub, Mittwoch, 27. Oktober 2066, 20: 45Uhr Ortszeit
Die Kamera schnitt hart und zeigte eine ranzige Pissschüssel von innen. Das Bild glitt durch den hochgeklappten Toilettensitz, denn nicht mal ein Geisteskranker würd´ sich hier zur gemütlichen Dampfsession hinsetzen. Die Tür flog auf und eine ungünstig erhellte Spelunke wurde sichtbar, die schmierigen Thaiflair mit indirektem Neonlicht und irischer Pubranzigkeit inzestuös paarte. Hier erschien jedes Backpfeifengesicht glänzend und durch zu große Poren gequält. Unsere beiden Favoritedreckheads saßen am gepanzerten Tresen ihrer Lieblingskneipe Double D. Die ungemütlichen Stühle mit der Minilehne waren mit dunkelgrünem Kunstleder hart gepolstert und zwangen jeden dazu, möglichst schnell und viel zu saufen, um die Sitzschmerzen zu verdünnen. Das fettschimmernde Vinyl in Dunkelgrün säumte auch die kleinen Sessel, die zu dritt oder viert um runde, schwarze Glastische standen, derer ungefähr vier. Der Pub war nicht sonderlich groß und bestand im Wesentlichen aus einem großen, rechteckigen Raum. Der gepanzerte Tresen schien aus künstlichem, dunklen Holz gezimmert und säumte dreiviertel der Rückwand; hinter ihr die obligatorische Bibliothek aus Spirituosen. Die Flaschensammlung reichte bis zur Decke und ließ kaum mehr eine Lücke. Die merkwürdigen Hula-Girls aus schwarzem und lilafarbenem Plastik, ca. eine Spanne lang, passten als Bardeko zunächst kaum, im Laufe der Zeit hatte man sie aber liebgewonnen, wie so´n ekeligen Pickel im Gesicht. Wenn man sie an der Hüfte anstieß, bewegten sie sich rhythmisch eine Zeit lang abgehackt. Ganz großes Schmierentheater. Links neben der langgezogenen Bar befanden sich Türen für den Sanitärbereich. An der linken Raumseite waren ebenfalls drei Sitzgelegenheiten, mehr oder weniger in die Wand eingelassen, da hier harte Sitzbänke aus dem obligatorischem Schmiervinyl in Grün die Folterinstrumente darstellten und direkt mit der Wand abschlossen. Zwischen Theke und Tür standen die kleinen Rundtische, etwas verloren wie nen guter Riesling hier. Die Front bestand aus Glas, halb verspiegelt, doppelt verdreckt. Goldfarbene Schriftzüge, vermutlich für Biersorten, zierten die Scheiben zusätzlich. Durchsehen konnte man nur sehr schemenhaft und was man dann erblickte, sah nicht sehr einladend aus.
Der im Hintergrund rumpelnde Oi-Sound, gespielt von Asiaten mit ganz komischer Aussprache und piepsigen Qietschstimmchen (sogenannte Oi-Idols), tat sein Übriges zum Kuriosenkabinett hinzu. Das Publikum bestand aus etwas mehr als einem Dutzend Gäste. Zwei Trenchcoats drüben in der Ecke, wohl hartgekochte Detektive, an nem Tisch mit ein paar Paramilitärs ne Frau mit rotgefärbten Haaren, die linke Seite des Schädels war komplett rasiert und wurde von einem Totenkopftattoo geziert, neben ihr nen riesiges Scharfschützengewehr (wahrscheinlich mussten sich alle bücken, wenn sie sich damit umdrehte). Weiter rechts zwei finstere Typen, die aussahen wie Auftragskiller und vermutlich genau das waren; er bleich mit langen Haaren und nem lila Samtdress, der an Graf Dracula erinnerte, sie mit Augenklappe, Lederweste und zwei Knarren vorne drauf. Ganz rechts standen noch drei Typen in Lederhosen und Lederjacken, schwarze Sonnenbrillen, Japaner, Tollen, Sixstringer und Bassgitarre auf dem Rücken.
Der Besitzer und ständige Barkeeper, Dick oder auch Dirty Dick (ob´s das besser macht?), war leicht reizbar, ein Ex- Ran'nā und der größte Schieber in der Gegend. Er kannte praktisch fast jeden, stellte Kontakte her oder vermittelte Waren, wie das halt bei dirty Dicks so ist. Mit seinen Koteletten und der roten Oifriese sah er aus, wie ein wildgewordener Orang-Utan oder irischer Seemannssäufer, was sich nicht großartig voneinander unterschied. Die Kapillaren seiner Nase waren sämtlich geplatzt, die Wangen gerötet, die Haare Orange. Söldner, Schattengestalten und sonstiges Gesocks bevölkerte seinen Laden, denn man musste hart im Nehmen sein, um es hier lange auszuhalten. Badass waren hart im Nehmen, außerdem im Schattenbusiness tätig und Dick war somit zwangsläufig ein langjähriger Kumpel. Seine Connections und Infos waren die Nyūdoru wert, sein irisches Gedeck knallte rein und ne Mosher-Schrotflinte unter´m Tresen hatte er auch, um jedem Möchtegernyūjin die Fresse zu perforieren. Und hey, Du musst Dich schließlich immer gut stellen mit dem Typen, der den meisten Fusel in der Gegend hat. Dick hatte auch dieses Mal das Treffen arrangiert und es würde hier in seinem Laden stattfinden. Natürlich kassierte er eine kleine Provision von beiden Seiten, von irgendwas muss man ja auch leben. Ansonsten hielt er sich aber raus. Er vermittelte oder stellte Kontakt her, mehr nicht.
"Ich beteilige mich nicht, ich mache nicht mit und ich bürge für gar nichts", grunzte er gereizt und stemmte seine behaarten Affenorkarme auf die klebrige Thekenfläche, sein orangener Kopf war aggressiv vorgereckt, die Kippe hing schief im Mundwinkel. Asche drohte in irgendwelche Getränke zu fallen. Eigentlich aschte der Typ nie richtig ab. Meistens kannte er die Yamamotosan, die namenlosen Auftraggeber auch gar nicht, also war´s nur folgerichtig und heute war es nicht Andreas.
Dick wischte Gläser mit einem Handtuch trocken, das mal vor einigen Jahren weiß gewesen sein musste. Bonecrusher saß am Tresen und verlangte dem Barhocker einiges ab, vor ihm ne Flasche Bier, die in seinen Pranken winzig wirkte, neben ihm ein mies gelauntes Lederoutfit, das die gute Laune einer Krebsdiagnose versprühte.
Zu ihrer Linken machte ein beschissen doofer Elfophiler eine eindeutige Geste mit Daumen und Mund und konnte sich im Anschluss das Kichern kaum verkneifen. Seine Haare waren toupiert, weiß, die Ohren spitz und die Gesichtszüge verändert, aber ein echter Elf, ein echter Mutamensch war er nicht. Konnte wahrscheinlich nicht mal auf Elfanisch Scheiße sagen. Noch nie hier gesehen den Typen und jetzt macht er direkt Bambule an der Theke. Immer das gleiche mit den Typen, die überhaupt nicht wissen, wie es läuft.
„Was ich bestellen will, Dick?“, wiederholte der Elfophile gekünstelt und zog das letzte Wort betont lang, weil er das wohl besonders lustig fand oder einfach nicht kannte, weil er selber keinen hatte. So´n hässlicher Orkbastard, den ließ er mal richtig schön auflaufen.
„Ja, was Du willst, will ich wissen", polterte Dick kurz angebunden mit seiner ihm angeborenen Geduld und Ausgeglichenheit zurück. "Oder hörst Du schlecht.“ Er stemmte wieder die Arme auf die Theke, nie ein gutes Zeichen. Allerdings tat er das meist bei jedem zweiten Satz. War aber trotzdem kein gutes Zeichen.
„Also, was ich bestellen will“, sagte der Elfophile völlig unbedarft und wie ein neckisches Schulkind und zog das nächste Wort noch länger als zuvor, damit es noch lustiger wurde als vorher, obwohl das ja eigentlich kaum noch möglich war. „Dick" Er liebte wohl den Namen (oder sonstige assoziierte Dinge), "Das ist ein Bier und….“ Er schaute mit groß aufgerissenen Augen zu der passenden Elfophilenschnalle an seiner Seite. Unklar, ob die Hupen oder Wagenknochen schärfer waren. Sie wartete gebannt, um an der passenden Stelle begeistert los kichern zu können.
„….und?.……“, knurrte es ungeduldig aus des Barkeepers Mund oder Fäusten (ersterer sah mittlerweile fast aus wie letztere).
„Und einen big black cock on the rocks ohne Soda!“, platzte es endlich voller eigener Witzigkeit aus dem abspritzenden Elfophilen heraus. Grandioser Scherz und grandioser Einfall. Da hatte er sicherlich nächtelang dran gefeilt.
Begeistertes Kichern und begackerndes Lachen, die beiden Hairqueens waren außer sich, euphorischer Beifall gegenseitig, aber das war nicht das einzige, was klatschte. Eine große Pranke schoss vor und der Elfenkopf knallte auf den Tresen und schnellte wieder zurück, fast zu schnell für das menschliche Auge. Bonecrushers Dopa-Booster machten es möglich und einen Kumpel beleidigt man nicht. Dabei ging es gar nicht um die Beleidigung an sich, aber wenn sie einmal anfingen auf Dir rumzuhacken, dann ging es immer weiter bergab. In einer Welt der Stärke hieß es Stärke zeigen. Immer und überall, vor allem, wenn der andere schwächer war (und wenn er stärker war, dann natürlich erst recht). Einfache Rechnung, die nie aufging.
Die gleichen Dopadinger sorgten auch dafür, dass Alabama kurz darüber nachdachte, ihr Whiskeyglas zwischen Kopf und Theke zu schieben. Andererseits wäre es schade um den Whiskey gewesen.
Der Kopf des Toupierten war ganz gerötet, vor Schmerz, Scham oder beidem. Die Schnalle an seiner Seite kriegte die Kauleiste kaum zusammen, beide waren wie erstarrt.
Dick zischte mit feuriger Freundlichkeit: „Dick ist mein richtiger Vorname, Du Muschi, und das ist eine richtige Faust und die schieb ich Dir gleich so tief ins richtige Arschloch, dass Du Dir richtig wünschst, Dein Vorname wäre richtiges Gleitgel, also hör auf zu grinsen, Du richtige Fotze und schieb ab!“ Irisch-orkische Gastfreundlichkeit ist direkt, dafür aber gewöhnungsbedürftig.
Perplex und ungeschickt verfangen zwischen Schock, Überraschung, gekränkter Ehre und den Blicken der Schnitte machte Meister Toupet einige taumelnde Schritte Richtung Ausgang. Sein verlassener Barhocker zitterte leicht rotierend wie sein zerbrechendes Selbstbewusstsein.
„Du….Du….Du….“, krächzte er wie eine hängengebliebene VR, die Augen ungläubig aufgerissen. Dieser dreckige Bastard. Was bildet der sich ein. Mit zitternder Hand fasste er unter seine Jacke mit Federbeschmückung.
Der Fightin´ Irish Ork legte den Lauf der Schrotflinte auf die Theke und lud den Schrotprügel demonstrativ durch.
„Dieses Geräusch geht runter wie Whiskey“, dachte Alabama versonnen und leerte ihr Glas in einem Zug.
„Gleich wird es lustig“, dachte Bone voller Vorfreude und stellte seine volle Flasche vorsichtig, ja beinahe zärtlich, in Deckung hinter den großen Messingzapfhahn. „Baby, Du sollst doch nicht verschüttet werden.“
"Na komm schon, Fotze, gib mir einen Grund", bellte der Barkeeper und blickte aggressiv drein. Kein Zweifel, er würd` den Typen wegballern und hätte kein Problem damit. I´ll make ya a bloody bastard! Er verzog sein Grinsen aggressiv und platzte gleich im Gesicht vor Wut.
Der Elfophile ließ unschlüssig die Hand wieder fallen, seine Knie wurden weich, Adrenalin durchflutete ihn. Der Typ war einfach verrückt.
„Das…..das…..das wirst Du noch bereuen, Du….Du…“, stotterte er, perplex vor Aufregung. Endlich hatte er die passenden Worte gefunden und spie sie obszön hervor. „Du dreckiger Schwanzlutscher!“ Er fixierte den Barkeeper giftig, ob dieser vielleicht ohnmächtig werden würde ob dieser gruselig, gemeinen Beleidigung.
Alabama lachte kurz auf. Das passierte ihr eigentlich selten. „Was? Das war´s? Das ist jetzt alles? Das soll Deine Drohung sein, Du Lümmeltüte?“ Sie schien wirklich überrascht ob der lahmen Worte des noch viel lahmeren Baumrindenschmusers.
„Der Typ ist ja völlig lächerlich“, stimmte Bone mit dem Unterton ehrlichen Erstaunens zu.
Beide lachten debil und drehten ihm den Rücken zu. So jemand verdient nicht mal ein Mindestmaß an Aufmerksamkeit. Der Troll angelte sich sein Bier, man stieß demonstrativ an und nahm den nächsten Schluck.
Die Elfenschnitte, blass wie des Typen Haar, zerrte hilflos zeternd an ihrem Macker rum. „Eddie, lass uns gehen!“, flennte sie im Panikmodus.
„Schnauze!“ Eddie (jetzt wissen wir ja, wie er heißt) riss sich von ihrer zittrigen Hand los, zitterte dabei aber selber wie ein Mädchen.
„Das werdet ihr noch bereuen, das war ein großer Fehler, ein großer Fehler, das zahl´ ich euch heim!“ Eddie the artist formely known as Elfophiler wuchs über sich hinaus und unterstrich seine Drohung mit einem Fingerzeig. Seine Finger waren dünn, filigran und gut geeignet, sie ihm zu brechen.
Alabama drehte sich auf dem Barhocker um und lehnte sich lässig gegen die Theke. "Oh Mann, Bone, was machen wir jetzt bloß? Pocahontas ist auf dem Kriegsfuß.“ Sie schaute ihren Partner mit großen Augen an, kräuselte die Nase und legte eine Hand vor den Mund. Darstellung nur geringfügig schlechter als mülldurchsuchende Erdbeerkäseschweine im Unterschichtenfernsehen.
„Mir schlottern fast die Knie", grunzte Bone zur Antwort und zog die Nase unappetitlich hoch. "Vielleicht sollten wir ihn einfach ausradieren, wie alle Pimmelrothäute.“ Hm, subtiler Einfall. Er drehte sich ebenfalls um und knackte mit dem Nacken, als er seinen Kopf hin und her bewegte und die Schultern spannte.
Dick hielt derweil die Sturmflinte der Liebe bedächtig auf den Elfophilen gerichtet, während die Kippe in seinem Mundwinkel langsam runter glühte und gekonnt Asche auf sein Feinrippunterhemd warf. An den berührten Stellen glommen neonfarbene Blitze auf (geiler Scheiß, diese synthetischen Modestoffe). Das hatte er wahrscheinlich lange geübt in zu vielen einsamen Nächten.
Er musste hier weg, hier raus, er verlor gleich den Boden unter den Füßen. Dieser hässliche Orkarsch, der ballert gleich noch rum hier. Wie so´n wütender, völlig Errigierter. Sein Name scheint wohl Programm und Spaß versteht der wohl nicht. Und was will dieses Trollmonster von ihm? Hässlich wie die Nacht, aber ihn dann schlagen. Gemeiner, böser, hässlicher Troll, jawohl. Klar, er hatte ja auch seine Poserschnitte, aber warum machte die einen auf Troll? Sah auf jeden Fall scheiße aus. Und ihre Sprüche waren unterirdisch. Da ist der Prinz von Bel-Air ja lustiger. Den fand er übrigens wirklich gut, aber das war wohl auch sein ganzes Problem.
„Vergiss es. Komm jetzt!“, presste der Elfophile angepisst hervor und packte die Schnitte am Arm als hätte sie dableiben wollen, dabei war es ja eigentlich umgekehrt. Er rauschte beleidigt ab, nicht ohne dabei seine Drohungen endlos zu wiederholen, Rache, und Rache, und fertigmachen, es ihnen zeigen, ganz bitter werde es und sie werden schon sehen, ja, sie werden schon sehen.
Der Troll trank sein Bier in einem Zug aus und hielt die Flasche vor sich. "Oh, schon leer", sagte er, während er sie leicht schüttelte, doch auch mit dieser Technik war keine weitere Flüssigkeit dem Glasboden zu entlocken. „Hat wohl Sorge, dass wir ihn vergessen“, sinnierte er und zeigte dem Barkeeper per Fingerzeig an, dass er Nachschub benötige. Nicht, dass er auch noch vergessen werden würde.
Ein wütender Dick knallte die neue Flasche auf den Tresen. „So ein Arschloch merk´ ich mir. Kommt hier rein und denkt, sich über mich lustig machen zu können.“ Er schien ganz schön wütend, wie immer eigentlich. Wenn er ein Oberhemd angehabt hätte, wäre jetzt der Zeitpunkt gewesen, sich die Ärmel hochzukrempeln.
"Der hat einen guten Blutdruck", dachte sich unsere tätowierte Armträgerin und hielt mit der Hand das Whiskeyglas bedeckt. Dick war ja ein Kumpel, aber echt immer ganz schön wütend. Irgendwann würd´ dem ne Ader platzen. „Ja, ja, der Winnetou hat wohl gar keine Ahnung, wie es hier läuft“, pflichtete sie lustlos bei. Vielleicht würde Dick ja jetzt gleich auch mal Ruhe geben. Irgendwie nervte sein Gelaber. Aber der fand ja immer was, über das er sich aufregen konnte.
„Das ist der verfickte Kumpel von diesem Sanders, Steve Sanders. So´n Schnösel ist jetzt bei den Stinking Schnösel." Sohn schien ihn wütend zu machen, Vater Sanders ebenfalls, Schnösel erst recht und die Stinking Schnösel lösten gleich einen Schlaganfall aus. Alles ein Gesocks, die verweichlicht sind, nichts draufhaben, wie Tunten rumrennen (Gangfarben Zitronenfalterblond und Sahneweiß, Alter, ich scheiß mich ein) und der Queen die Füße küssen.
„Ja, ja, echt ätzend“, nuschelte Al immer noch ohne jegliche Motivation. „Hättest ihm vielleicht doch ein zweites Arschloch verpassen sollen.“ Herrlich, jetzt würde Dick wieder explodieren. Half wenigstens für ne Sekunde gegen die Langeweile.
Bonecrusher hielt derweil an seinen eigenen Gedanken fest. Die Riesenklaue am Riesenschröterkinn, Kopf in trollischer Denkerpose: „Der Mann hat recht. Niemand will vergessen werden“, sagte er trocken im Brustton der Überzeugung. „Was sind wir denn, ohne unseren Namen. Nur Schall und Rauch.“ Er legte besonders viel tiefsinniges Schwingen in diese Worte.
Etwas weniger tiefsinnig, aber dafür mit Schwung aus Alabama: „Was zur Hölle quatschst Du da? Bist Du schon wieder unter die Scheißphilosophen gegangen, Du Scheißphilosoph?“ Sie schaute äußerst missmutig rüber.
„Hähähhäh.“ Der Troll lachte wie ein ganzer Kindergeburtstag im Stimmbruch. „Nein…hähähäh…..hab´ich aus ´nem Glückskeks.“
Alle lachten debil. Die eine etwas beruhigt, der andere sehr kindlich und den dritten zerriss es fast im sogenannten Wutlachen.
In den letzten humoresken Spastiken richtete sich der Koteletten-Schläger auf und nickte mit der orangenen Affenfresse Richtung Eingang. „Hey Leute, euer Yamamoto-san ist da.“
Sofort verstummte das Lachen, Al und Bone blickten ernst, setzten ihr Gameface auf und schauten ultrafinster hoch.
Mieser Yamamoto
Black City, die Zone, Touristville, Avondale Way 2nd & NE 86th St, Double D Pub, Mittwoch, 27. Oktober 2066, 21: 00Uhr Ortszeit
Eine silberhaarige Frau Ende Fünfzig in schwarzem Kostüm betrat die Bühne. Sie schritt selbstsicher, souverän und überlegen. So was lernte man bestimmt in vielen Managerseminaren. Dynamische Schulterreflexion (aber nicht wischi-waschi), Schrittweite mit Elan (aber nicht zu klein oder zu viel) und Zielstrebigkeit in der Kinnhöhe (weder luschimäßig hoch, noch blind ganz steil). Der Gang vermittelte in reiner Großkotzigkeit: "Ich bin das Alpha-Tier hier im Raum und wer daran zweifelt, wird von mir zertreten." Die Knöpfung des teuren Jacketts verlief diagonal und erinnerte an eine Kimonobindung, schön steif und festgezurrt. Frage mich immer, wie so teure Big-Boss-Klamotten wirken, wenn die auf´m Klo sitzen.
„Nihon-Chic, sicherlich maßgefertigt, so gut könnten der alten Schabracke Klamotten von der Stange doch gar nicht passen“, dachte Al mies gelaunt, was ein neidisches Miststück.
Yamamoto-san selber haftete etwas Verkniffenes und Lustfeindliches an. Falten runzelten sich um den Mund, bei ihrer Muschi sah es wahrscheinlich nicht anders aus.
„Möse Yamamoto“, flüsterte Bone und kam sich wie ein Scheiß-Houdini vor.
Al funkelte ihn böse an. „Wie kann der Typ sowas immer riechen?“ Bei der bildhaften Vorstellung verzog sie angewidert das Gesicht.
„Nehmen wir doch dort hinten Platz, da ist es ruhiger, nicht wahr?“, artikulierte die ehrgeizige Dame freundlich doch bestimmt, denn die Frage war gar keine Frage, ihr minderbemittelten Schlaumeier. In ihrem Atem lag ein Hauch von Mentholzigaretten. Die Haare waren knapp schulterlang und ordentlich nach hinten geföhnt mit so viel Volumen, dass nen Adlernest darin Platz hätte finden können. So machtdurchtrieben, wie die aussah, legte die so manchem wohl auch ein Kuckucksei wo rein.
„Wenn Sie´s sagen, Lady“, knurrte unsere Lieblingstrashschlampe betont cool und ließ ihr Kaugummi zu einer Blase platzen.
Bone grunzte tief und böse, blickte stoisch und knackte mit den Fingern. Wenn er diese verdammten Skinplantate doch schon hätte, dann hätte er jetzt Dampf absondern können.
„Geiler Effekt, rauchende Nüstern der Hölle, demnächst Kinder, noch ein bisschen Geduld, dann wird Papa Euch haben.“
In der hintersten Ecknische links tanzte ein Holoflamingo unaufhörlich auf der schwarzen Glastischfläche.
„Unglaublich geschmacklos“, dachte die Businesslady, ließ sich aber nichts anmerken.
„Sowas bräuchten wir eigentlich auch, irgendwie cool“, dachte Al, ließ sich aber nichts anmerken.
„Was sind eigentlich Flamingos?“, dachte Bonecrusher, aber auch er ließ sich nichts anmerken.
Ein White-Noise-Generator wurde eingeschaltet und auf dem Tisch platziert. Die Frau sprach einige Worte auf Japanisch in ihr integriertes Comlink, während man sich setzte. Bone registrierte zwei Typen vor einer schwarzen Limousine vor den Frontscheiben des Ladens (angeborene Infrarotsicht hilft bei so was). Anzug, Schlips, sicherlich ne Beretta unter´m Mantel. Konzern-Security, da musste man aufpassen. Waren oft gut trainierte Ex-Militärs und dazu absolute Langweiler mit Stock im Arsch; alles Homos ohne sapiens.
Al starrte die Auftraggeberin aus tiefliegenden Augen so finster und böse an, dass der Maximumregler beim Cagefighting-Staredown auf Elf gestanden hätte. Das konnte sie gut. Der Rest, naja, Cagefighting wird überbewertet und die Story wird erst ein paar Kapitel später erzählt.
„Meine Dame, mein Herr, also“, setzte die Silberlocke an und lehnte sich souverän zurück. Ihre Stimme hatte den warmen Klang von verchromten Glasschreibtischen. „Wir wollen, dass Sie für uns einen Jobu erledigen. Einen kleinen miesen Jobu, für kleine miese Leute wie Sie. Wir brauchen Sie, aber glauben Sie nicht, dass ich Sie auch nur im Geringsten ausstehen kann.“ Ihr Gesicht blieb regungslos und sie sagte das so, wie andere Leute mit "Mahlzeit" auf dem Weg zur Metzgerei grüßen.
„So viel Rückgrat hätte ich der Alten gar nicht zugetraut“, dachte Alabama erstaunt und starrte finster weiter. Nur beeindruckt zeigen wollte sie sich nicht. Sie knurrte frostig, vielleicht auch etwas dümmlich: „Yo Mutti, verstanden, wir räumen auch hinterher ganz brav unsere Malsachen weg.“
Mama Yamamoto reagierte Zwei Prozent von Null darauf. So´n unqualifiziertes Zeug radierte sie sofort weg. Und wieso Malsachen? Ihre Kinder haben zwischen Hochleistungsballett und Business-Japanisch gar keine Zeit für so einen sinnlosen Müßiggang. Kein Wunder, dass aus den beiden hier nichts geworden ist und sie jetzt die Scheißarbeit für andere, in dem Fall sie, machen mussten. Selber schuld, alles andere sind Ausreden. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Das absolute Versagen muss abgestellt werden. Wer nicht kann, der wollte nicht genug. Entweder waren ihre eigenen Kinder genauso drauf oder gingen bald zum Therapeuten. Unbeirrt fuhr der Businessdress fort, die Stimme kühl: „In einem Forschungskomplex von Tōsaku Internationals wird derzeit ein Protochip entwickelt. Wir wollen, dass Sie den Chip rausholen und uns übergeben. Wie Sie es machen, ist Ihr Ding. Wen Sie dafür anheuern, ist Ihr Ding. Wetwork, hm, wie es notwendig ist, wird aber nicht extra bezahlt.“ Bei Wetwork schien sie kurz zu überlegen, verwarf die Idee dann aber anscheinend. Ihr Tonfall war streng und klang nach den motivierend, herausfordernden Wochenzielen, die man nur mit vielen Überstunden erreichen konnte, um sich dann trotzdem anmeckern zu lassen.
"Stellen Sie ein Team zusammen, fünf Dummys haben wir kalkuliert, 6.000 Nyūdoru pro Kopf, die Hälfte jetzt, der Rest nach Erledigung des Jobu." Sie schaute Al und Bone mit der Liebenswürdigkeit einer Muräne an. Die schwiegen und blickten regungslos. Das Schlangengezücht fuhr fort: "Für Spesen, Material und Vorbereitung steht Ihnen dieses Bündel von 3.000 Nyūdoru zur Verfügung. Wie Sie genau vorgehen, bleibt Ihnen selbst überlassen. Hier ist ein Gebäudeplan und alle relevanten Informationen, die wir Ihnen geben (das können sparte sie sich) und die Sie benötigen."
Sie schob mit ihren harten, runzeligen, aber fein manikürten Stahlhänden einen Memostick in die Mitte des Tisches. "Sollte etwas schiefgehen, haben wir nie von Ihnen gehört. Sollte jemand festgenommen werden, haben wir nie von Ihnen gehört. Kontaktieren Sie uns für Übergabezeit und Ort über die hinterlegte Linknummer. Ist nen toter Briefkasten, einfach drauf sprechen. Codewort: Der Weihnachtsmann kommt." Hm, sie zuckte nicht mal, war für sie also wohl nicht lustig, sondern tot ernst gemeint. Weihnachten bei der würde wohl auch keinen Spaß machen. Violinensolo vor allen Verwandten und dann Gedichte aufsagen. Für jeden Fehler schön was mit dem Rohrstock hintendrauf. Liebe gegen Leistung zum Fest der Hiebe.
"Sollten Sie uns außerhalb des vorgesehenen Kontaktes kontaktieren, haben wir nie von Ihnen gehört. Wir brauchen die Ware spätestens bis zum Dienstag kommende Woche. Danach ist der Deal hinfällig und Sie werden uns sehr verärgert haben."
Ihr Blick wurde sehr hart, grausam und unangenehm, obwohl sie ihr Gesicht kaum verzog. "Und, glauben Sie mir, Sie wollen uns nicht verärgern."
„Machen Sie sich mal nicht ins Höschen, Lady“, flötete Alabama und ließ das Kaugummi erneut platzen. Solche Oberlehrertypen hatte sie ja gefressen. Gott, machte die Alte hier nen Aufriss. Echt ätzend. Eine pubertäre Trotzreaktion brach unkontrolliert durch. „In Ihrem Alter hat man die Blase ja nicht mehr so unter Kontrolle. Klingt doch so einfach, wie nem Baby den Lolli zu klauen.“ Sie grinste leicht und schaffte es dabei, finster zu gucken. Mundwinkel nach oben und unten gleichzeitig. Finstergrinsen, geile Sache das.
Bonecrusher schaute derweil unbewegt. Seine Hände ruhten ruhig auf der Tischplatte vor ihm. Wie bei so Cowboys im Duell, die gleich zur Waffe greifen würden. Fragen hatte er keine mehr, weil Yamamoto-san keine beantworten würde. Das wusste er und das wusste sie.
„Ihre Partnerin", sagte Yamamoto unbewegt und strich sich das Jacket zurecht. "Hat eine außerordentlich schlechte Kinderstube genossen. Vielleicht sollten Sie ihr mal Manieren beibringen.“ Sie erhob sich straff und ignorierte die in Ungnade gefallene Tochter (zweiter Platz beim örtlichen Tennisturnier bedeutete absolutes Versagen und absolutes Versagen muss abgestellt werden).
"Entschuldigung Frau Lehrerin, ich hätte da noch eine Frage", sagte Al mit großen Augen und zeigte mit dem Finger auf.
Der Lehrkörper ignorierte auch dies völlig und gab die letzten Arbeitsanweisungen an das grüne Riesenbaby: „Alle Informationen sind da drauf, hier die Nyūdoru für Spesen und Anzahlung." Die Sicherheitsfuzzis draußen machten sich bereit, Yamamoto murmelte was ins Comlink. Sie beugte sich leicht über den Tisch. "Und gib nicht alles auf einmal aus, Kleiner.“
Cooler Spruch, konnte wohl auch anders, aber dann war sie wieder sofort in ihrer Rolle und stackste stocksteif zur Tür hinaus.
Bonecrusher grinste süffisant, denn genau das würde er tun, und zwar bis zum letzten Nyūdoru. Irgendwie konnte er immer gut mit so strengen Granny-Typen. War vielleicht sein unsichtbarer Lausbubencharme.
"Äh, ich hatte doch noch eine Frage", sagte Alabama verwirrt ins Nichts, der Mund stand vor Enttäuschung weit offen, peinlich berührt nahm sie die Hand wieder runter und schaute sich vorsichtig um. Hoffentlich hatte das keiner gesehen hier. Ignoriert zu werden, als sei man gar nicht da, wie unangenehm.
Hatte sie das nicht vorhin mit so nem Spinner genauso gemacht? Leicht gekränkt fluchte sie: „Diese gottverdammten Konzerntussis. Alles Schlampen. Denkt wohl, sie sei was Besseres, nur, weil sie was Besseres sei. Vielleicht hätte ich ihr einfach ein schönes, zweites Arschloch in die blöde Fresse ballern sollen, behinderte Scheißkuh, dämliche Fotze, dumme Nutte.“ Manno, immer war sie die Doofe.
