Bahía Salvador - Valentin Moritz - E-Book

Bahía Salvador E-Book

Valentin Moritz

0,0
1,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

In meinem Kopf ist alles Urwald und Geschrei. Da breche ich durchs Unterholz auf eine Lichtung, dann nachts zusammengerollt in einer Lehmkuhle, Blut und Kotze, und die Angst hinter den Ohren. Ein Rascheln im Gestrüpp, und wie ich auffahre und schreie und weitertaumle -

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 30

Veröffentlichungsjahr: 2019

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Valentin Moritz

Bahía Salvador

SUKULTUR

Valentin Moritz

Bahía Salvador

SUKULTUR2018

Schöner Lesen wurde 1996 gegründet. Seit der Nummer 148 wird die Reihe von Sofie Lichtenstein und Moritz Müller-Schwefe herausgegeben.

Schöner Lesen Nummer 171

ein SUKULTUR-Produkt

1. Auflage Dezember 2018

Alle Rechte vorbehalten

Text: Valentin Moritz

Cover: Jan Franke

eBook-Herstellung und Auslieferung: readbox publishing, Dortmundwww.readbox.net

SUKULTUR, Wachsmuthstr. 9, 13467 Berlin

[email protected] · www.sukultur.de

@sukultur sukultur

ISBN 978-3-95566-089-5

 

„Zum Wohle“, sagt die Alte, rammt die Flasche in den Tresen, doch da krabbelt es noch immer – die Kakerlake war zu flink. Ich stürze das Bier in mich hinein, die Alte grunzt, spuckt aus und wischt sich mit einem Lappen den Schweiß aus der Stirn. Ich verschlucke mich, weil ich zu schnell trinke. Aber das Bier tut gut.

„Tschuldigung“, murmle ich und hebe die Schultern: „Ich hab keine Kohle mehr.“

Die Alte verzieht keine Miene. Schaut mich nur an. Und schiebt die nächste Flasche rüber. Als ich danach greife, nickt sie mir zu und wedelt mit der Hand Richtung Terrasse. Ich blicke mich um. Keine anderen Gäste zu sehen. Nur das übliche Abendrot, das Rauschen der Palmen im Wind. Das Meer. Sogar hier oben ist es noch zu hören.

Kraftlos stoße ich mich vom Tresen ab. Schlurfe zu dem klapprigen Tisch in der Ecke. Ein Lampion funzelt an. Ich lasse mich in einen Korbsessel fallen. Zwischen den schmierigen weißen Plastikstühlen wirkt er wie ein Thron. Und hinter der Bar, da glubscht die Alte. Beobachtet mich. Das sehe ich doch aus den Augenwinkeln. Die ist doch scharf auf mich, ganz klar. Ich frage mich, wie es wohl wär mit so einer. Mit so einem schweißtreibenden, tonnenförmigen Körper. Ist auch noch gar nicht so richtig steinalt, würde ich sagen, gut dick nur und gnadenlos verlebt. Und freut sich eben, dass Nathalie heute nicht dabei ist. Kein Wunder. Bis dahin war ja noch alles in Ordnung gewesen – aber Nathalie musste sich natürlich beschweren: zu gammlig, zu fettig, nix Vegetarisches auf der Karte. Aber das war Ablenkung. Hatte das Essen nix mit zu tun. Sie war halt mal wieder pissig. Meinetwegen. So selbstgerecht in ihrem heiligen Zorn gegen mich. Die Kartoffel. Sonnenbrand im Nacken. Vielleicht hätte ich mich einfach breitschlagen lassen sollen. Ja, vielleicht hätte ich denen mal zeigen sollen, was ein richtiger Kerl ist! Einer, der respektvoll mit Frauen umgeht nämlich, und einer mit maßvoller Selbstironie – ohne dass er ständig seinen Schlagring rausholen oder seinen dikken Schwengel auf die Schulter von einem legen muss, um sein Revier zu markieren … Ich bin eben keiner von der Sorte. Und hab keinen Bock auf so einen Gockelstall immer, nur damit Nathalie sich begehrt fühlen kann. Soll sie doch gehen, wenn sie auf das Begrabsche und Geschnalze steht an jeder Ecke und darauf, dass noch der letzte Taxifahrer der Stadt sie bloß als irgend so eine Fickpuppe betrachtet und meint, er sei der Held, nur weil er einen behaarten Arm aus dem Autofenster baumeln lassen kann. Und dann sein ätzendes „Amigo!“ die ganze Zeit. „Amigo! Hooola, amigo!“

„Nathalie, was fehlt dir denn bei mir?“, hab ich sie gefragt.

Und sie: „Ich will einfach nur tanzen“, und lächelte.

Ich nehme einen Schluck aus meiner Flasche. Grinse. Wie bescheuert das alles im Grunde war. Erst fünf Tage ist es her, fünf Tage in der Hölle, und doch sitze ich jetzt wieder hier, und unter mir liegt dieses Dorf – schmuckes, schmuckes Fischerdorf, und der Pazifik: Gebändigt zur ewigen Schönheit. Und wie sie tanzen! Wie sie immerzu tanzen, diese Eingeborenen, und auch die ganze Flora und Fauna!