Barbara kämpft um den Brandner Hof - Friederike von Buchner - E-Book

Barbara kämpft um den Brandner Hof E-Book

Friederike von Buchner

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Beschreibung

Diese Bergroman-Serie stillt die Sehnsucht des modernen Stadtbewohners nach einer Welt voller Liebe und Gefühle, nach Heimat und natürlichem Leben in einer verzaubernden Gebirgswelt. "Toni, der Hüttenwirt" aus den Bergen verliebt sich in Anna, die Bankerin aus Hamburg. Anna zieht hoch hinauf in seine wunderschöne Hütte – und eine der zärtlichsten Romanzen nimmt ihren Anfang. Hemdsärmeligkeit, sprachliche Virtuosität, großartig geschilderter Gebirgszauber – Friederike von Buchner trifft in ihren bereits über 400 Romanen den Puls ihrer faszinierten Leser. Pfarrer Zandler und Fritz Fellbacher suchten vergeblich in den Kirchenbüchern und den Tagebüchern von Zandlers Vorgängern. Nirgends fanden sie Angaben über einen Hans Thomas Altmann, der möglicherweise als Jack Tom Newman in den USA ein berühmter Künstler geworden war. »Leider«, seufzte Heiner Zandler. »Ich bin auch neugierig, das gebe ich zu. Die Anwälte aus Amerika haben sich die Angaben doch nicht aus den Fingern gezogen, dass der Bursche in Waldkogel geboren wurde, Fritz?« Fritz Fellbacher schaute seinen Jugendfreund an und zuckte mit den Schultern. Sie waren im Leben verschiedene Wege gegangen. Fritz hatte sich der Politik verschrieben und war Bürgermeister in Waldkogel. Heiner Zandler war der göttlichen Berufung gefolgt und Pfarrer in seinem Heimatort geworden. Zandler rieb sich das Kinn. »Heiner, da kommt mir gerade eine Idee, wer vielleicht etwas wissen könnte, da die Vermutung naheliegt, Jack Tom Newman könnte Hans Thomas Altmann sein. Frage mal die alte Ella Waldner! Sie stand vielen Müttern bei der Entbindung bei, als sie noch jünger war. Damals gab es in Kirchwalden noch kein Krankenhaus. Und Waldkogel hatte weder eine Hebamme, noch eine Gemeindehelferin. Es gab immer einen Doktor. Aber die Frauen vertrauten sich lieber einer anderen Frau an. Der Doktor wurde nur gerufen, wenn es Komplikationen gab.« »Du hast recht.

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Seitenzahl: 125

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Toni der Hüttenwirt – 239 –Barbara kämpft um den Brandner Hof

Es geht um alles – oder nichts!

Friederike von Buchner

Pfarrer Zandler und Fritz Fellbacher suchten vergeblich in den Kirchenbüchern und den Tagebüchern von Zandlers Vorgängern. Nirgends fanden sie Angaben über einen Hans Thomas Altmann, der möglicherweise als Jack Tom Newman in den USA ein berühmter Künstler geworden war.

»Leider«, seufzte Heiner Zandler. »Ich bin auch neugierig, das gebe ich zu. Die Anwälte aus Amerika haben sich die Angaben doch nicht aus den Fingern gezogen, dass der Bursche in Waldkogel geboren wurde, Fritz?«

Fritz Fellbacher schaute seinen Jugendfreund an und zuckte mit den Schultern. Sie waren im Leben verschiedene Wege gegangen. Fritz hatte sich der Politik verschrieben und war Bürgermeister in Waldkogel. Heiner Zandler war der göttlichen Berufung gefolgt und Pfarrer in seinem Heimatort geworden.

Zandler rieb sich das Kinn.

»Heiner, da kommt mir gerade eine Idee, wer vielleicht etwas wissen könnte, da die Vermutung naheliegt, Jack Tom Newman könnte Hans Thomas Altmann sein. Frage mal die alte Ella Waldner! Sie stand vielen Müttern bei der Entbindung bei, als sie noch jünger war. Damals gab es in Kirchwalden noch kein Krankenhaus. Und Waldkogel hatte weder eine Hebamme, noch eine Gemeindehelferin. Es gab immer einen Doktor. Aber die Frauen vertrauten sich lieber einer anderen Frau an. Der Doktor wurde nur gerufen, wenn es Komplikationen gab.«

»Du hast recht. Unsere Ella, die hat ein gutes Gedächtnis.«

Zandler und Fellbacher tranken noch ein Bier. Dann verließ Fellbacher das Pfarrhaus und ging heim.

Am nächsten Morgen machte sich der Bürgermeister früh auf, Ella Waldner in ihrer Kate im Wald zu besuchen. Er fuhr mit dem Auto bis zu der Stelle, an der sich der Weg zu einem sehr schmalen Pfad verengte. Während er am Ufer des kleinen Bachs entlangging und tiefer in den Wald eindrang, dachte er darüber nach, wie schön es war, sein Leben in Waldkogel zu verbringen.

Kürzlich hatten seine Parteifreunde aus der Landeshauptstadt ihn gefragt, ob er auf der Liste für das Landesparlament kandidieren wollte. Da hatte Fellbacher nicht nachdenken müssen. Waldkogel war seine Heimat. Hier war er geboren und aufgewachsen. Er kannte alle. Er fand es schön, sich als Bürgermeister um jeden zu kümmern. Das Gemeinschaftswohl und das gute Miteinander hatten für ihn einen hohen Stellenwert. Nichts konnte ihn verführen, seine Waldkogler zu verlassen.

Die alte Ella Waldner war im Garten, in dessen Mitte die kleine Kate stand. Sie goss die Blumenbeete vor dem Haus.

»Oh, grüß Gott, Fellbacher!«, rief sie.

Fellbacher trat durch das Gartentürchen ein.

»Grüß Gott! Komm, gib mir die Gießkanne, ich helfe dir!«

»Nix da, mit den Blumenbeeten bin ich bald fertig. Wenn du mir helfen willst, dann gehe hinter das Haus. Der Gemüsegarten muss noch gegossen werden.«

Fritz Fellbacher zog seinen Janker aus und legte ihn auf die Bank neben der Haustür. Er verschwand nach hinten in den Gemüsegarten.

Bis er damit fertig war, deckte Ella Waldner den Tisch vor ihrem kleinen Haus.

»Komm, hock dich her, Fellbacher!«, sagte sie.

»Nur, wenn du mich wieder Fritz nennst! Mei, Ella, auch wenn ich jetzt schon lange Bürgermeister bin, als Bub hast du mir die Nase geputzt.«

Die alte Ella Waldner lachte. »Net nur des, Fritz. Ich war dabei, als du auf die Welt gekommen bist.«

»Des stimmt. Und darüber, dass du vielen Müttern beigestanden bist bei ihrer Niederkunft, darüber wollte ich mit dir reden.«

»Net so schnell! Hast du schon gefrühstückt? Es ist noch sehr früh.«

Es war kurz nach halb sieben.

»Ich hatte daheim nur eine Tasse Kaffee.«

Fritz Fellbacher nahm sich selbstgebackenes Brot, Butter und gab Marmelade darauf, eine Waldbeerenmischung, die Ella selbst gekocht hatte. Ella schenkte ihm Malzkaffee ein. Fellbacher aß mit Genuss das Marmeladenbrot.

Sie aßen, ohne ein Wort zu wechseln. Fritz kannte Ella gut. Beim Essen sollte man sich auf das Essen konzentrieren, das war man ihm schuldig. Sie war in einer Zeit groß geworden, als es noch Sitte war, bei Tisch nicht zu sprechen.

Als sie fertig war, schaute sie Fellbacher an.

»Das erste Essen am Tag, des muss man in Ruhe zu sich nehmen. Hektik bekommt dem Magen net. Des ist überhaupt mit allen Dingen so. Ich sage immer, ein Ding nach dem anderen. Ach, heutzutage meinen die Leute immer viele Sachen gleichzeitig machen zu müssen. Sie reden und essen und dabei klingelt auch noch das Handy oder sie tippen auf dem Computer herum. Das sehe ich oft, wenn ich beim Café Jakob vorbeigehe. Kein Wunder, wenn sie krank werden, bei dem Stress.«

Fritz Fellbacher lächelte. Diese Predigt hatte er schon oft von ihr gehört.

»Also«, sagte Ella, »dann sag mir mal, warum du mich so früh am Morgen besuchst? Du musst doch einen triftigen Grund haben, warum du in aller Herrgottsfrühe den Weg zu mir auf dich genommen hast.«

»Sagt dir der Name Hans Thomas Altmann etwas?«

»Oh ja, des war ein lieber Bub. Der hat mich oft besucht. Aber des ist schon Jahrzehnte her.«

»So? Mei, des ist wunderbar. Erzähle! Was kannst du mir über ihn erzählen?«

Ella Waldner schaute Fritz Fellbacher streng an. »Warum willst du des wissen?«

»Der Herrgott hat den Hans zu sich in den Himmel geholt. Wenn der Hans der Jack ist, den ich suche.«

Fritz Fellbacher erzählte, was er herausgefunden hatte.

»Des kann gut möglich sein. Der Hans hat immer von Amerika geschwärmt, wenn er bei mir war. Er wollte ein großer Maler werden. Gehe mal rein! In meinem Schlafzimmer hängt ein kleines Gemälde, des hat er mir geschenkt.«

Fellbacher ging ins Haus und kam mit einem Bild zurück, das nicht größer war als eine Postkarte. Es zeigte einen Blumenstrauß aus Wiesenblumen und Wildkräutern.

»Ella, des Bild kann Tausende Wert sein.«

Sie lachte.

»Des mag sein, aber für mich hat es einen Wert, der net mit Geld aufzuwiegen ist. Und dass ich das Bild habe, des hängst du net an die große Glocke, Fritz Fellbacher! Des geht niemand etwas an.«

Sie sah ihn streng an.

Fellbacher versprach es und reichte ihr das Gemälde über den Tisch.

Ella Waldner strich liebevoll mit der Hand darüber.

»Also, wenn der Hans dieser Jack ist, der verunglückt ist, dann tut mir des leid. Aber vielleicht hat der Herrgott im Himmel einen Maler gebraucht. Ich gehe heute ohnehin ins Dorf. Da werde ich eine Kerze für ihn anzünden.«

Fellbacher trank einen Schluck Kaffee.

»Er war ein besonders liebes Kindl«, sagte Ella. »Er wurde hier bei mir in der Kate geboren.«

»Wirklich? Deine Kate ist das Geburtshaus von Jack Tom Newman?«

»Jedenfalls des Geburtshaus von Hans! Ob er der Jack ist, weiß ich net«, sagte Ella. »Wenn er es ist, ja, dann hat er hier das Licht der Welt erblickt.«

»Wie kam es, dass er hier geboren wurde?«

»Seine Mutter arbeitete damals als Hilfskraft auf dem Hornbacher Hof. Wo das Madl herkam, weiß ich nimmer so genau, von irgendwo außerhalb von München war sie her. Eines Tages suchte sie mich auf, weil sie schwanger war. Ihr Bursche hat sie sitzen lassen. Ihr ging es gar nicht gut. Es war ihr immer übel, und sie weinte viel. Sie wollte Kräuter von mir haben. Ich nahm sie bei mir auf, denn in Folge ihrer Schwäche hatte sie auf dem Horbacher Hof ihre Stelle verloren. Sie blieb hier bis kurz nach der Geburt. Ins Dorf ging sie nicht, deshalb nehme ich an, sie hat den Buben wohl auch nicht hier angemeldet. Du musst rund um München suchen, Fritz. Des Madl hieß Erna Altmann. Sie hat mich einige Male mit dem Buben besucht. Später ist der Hans allein gekommen. Der Himmel hatte ein Einsehen, und die Erna fand einen lieben Witwer mit Kindern, der sie heiratete. Damals war der Hans schon zehn Jahre alt. Wie die Erna dann geheißen hat, des weiß ich nimmer.«

Fritz Fellbacher hörte gespannt zu.

»Hans fühlte sich net so glücklich, mit seinem Stiefvater und seinen Stiefgeschwistern. Er konnte zwar nix Schlimmes über sie sagen. Ich denke, es lag auch daran, dass sie mitten in München lebten. Der Hans liebte das Land, die Wiesen und die Berge. Er studierte. Was er gelernt hat, das habe ich vergessen. Jedenfalls kam er jeden Sommer nach Waldkogel, in den Semesterferien. Er arbeitete meistens gegen Kost und Unterkunft, mal hier und mal dort. Er malte. Der Malerei galt seine ganze Liebe, neben den Bergen.«

Fritz Fellbacher zog den Ausdruck des Gemäldes vom ›Höllentor‹ aus der Jacke und gab ihn Ella.

Sie lächelte.

»Des hat der Bub hier im Garten gemalt. Hinten zwischen den Gemüsebeeten, da hat er viele Tage gesessen und gemalt. Der Gemüsegarten hatte es ihm angetan. Der Hans wäre ein guter Bauer geworden, wenn die Umstände anders gewesen wären. Ich erinnere mich noch an das zweite Bild.«

Fritz Fellbacher wurde ganz aufgeregt.

»Weißt du, wo es ist?«, stieß er hervor.

Ella Waldner wich seinem Blick aus. Fellbacher kam es vor, als wollte sie ihm etwas verschweigen.

»Soviel ich weiß, hat er es verkauft. Er hat eine gute Summe dafür bekommen. Das reichte für einen guten Start in Amerika. Na ja, der Hans war nie auf Luxus aus. Er wollte mit einem Schiff über den Atlantik fahren und auf dem Schiff arbeiten, um Geld zu verdienen. Ob sein Plan aufging, das weiß ich nicht, Fritz. Er wollte damals alles hinter sich lassen. Kann schon sein, dass er seinen Namen geändert hat. Durchaus möglich, dass aus Hans Thomas Altmann, Jack Tom Newman wurde. Gott hab ihn selig!«

Ella Waldner seufzte.

»Gott hab in selig«, sagte sie noch einmal leise. »Ich hoffe, er hatte kein schweres Leben in dem großen Amerika.« Sie lächelte. »Es ist schön, dass er Waldkogel nicht vergessen hatte, Fritz.«

»Ja, das ist schön. Du hast doch nix dagegen, wenn die Gemeinde Waldkogel eine Tafel mit seinem Namen an deiner Kate anbringt?«

Ella Waldner dachte einen Augenblick nach. Sie schenkte Kaffee nach, aus der Emailkanne, die unter einer dicken Warmhaltehaube stand.

»Ich denke, der Hans würde sich freuen, wenn das Erinnerungsschild hinten am Haus wäre. Dort saß er oft auf der Bank und betrachtete den Gemüsegarten. Aber zuerst musst du herausfinden, ob er wirklich der Richtige ist, Fellbacher.«

»Das werde ich, Ella. Du hast mir sehr geholfen.«

Ella Waldner nickte. Wieder beschlich Fritz Fellbacher ein Gefühl, dass sie ihm nicht alles gesagt hatte. Doch seine Höflichkeit und Achtung gegenüber Ella gestattete es ihm nicht, sie zu drängen, ihm mehr zu erzählen. Sie war eine Art Geheimnisträgerin in Waldkogel. Da sie bei Geburten und Sterbefällen den Familien beistand, wusste sie manches, was sonst niemand wusste.

Fritz Fellbacher sah auf die Uhr.

»Ella, vielen Dank! Du hast mir und der Gemeinde Waldkogel weitergeholfen. Danke für das Frühstück! Deine Marmelade ist köstlich. Jetzt muss ich gehen. Gina wird schon auf mich warten. Sie kann gleich Nachforschungen nach Erna Altmann aufnehmen.«

Sie standen auf.

Ella Waldner schenkte Fritz Fellbacher noch ein großes Glas Marmelade. Dann machte er sich auf den Rückweg. Seine Gedanken kreisten um das, was Ella erzählt hatte und noch mehr darum, was sie verschwiegen hatte. Er hatte es ihr deutlich angesehen. Aber alles Grübeln half nicht. So war Bürgermeister Fellbacher gespannt, was Gina herausfinden würde.

*

Es war mitten in der Woche. Toni und Anna hatten die Arbeit nach dem Frühstück erledigt und machten eine Pause. Sie saßen mit dem alten Alois auf der Terrasse der Berghütte und tranken Kaffee.

Barbara Brandner kam über das Geröllfeld.

Toni und Anna begrüßten sie herzlich. Die dunklen Augen des zierlichen Madls behielten einen recht ernsten Ausdruck, während der Begrüßung.

Toni lud sie zu einem Becher Kaffee ein.

Barbara hängte ihre große Umhängetasche mit der Wasserflasche über die Stuhllehne und setzte sich.

Toni reichte ihr den Kaffeebecher. Sie nickte ihm dankbar zu und trank einen Schluck.

»Du siehst net gerade fröhlich aus, Madl«, sagte der alte Alois.

Barbara bekam feuchte Augen. Schnell setzte sie ihre Sonnenbrille auf. Doch sie konnte nicht verhindern, dass Tränen darunter hervorliefen. Sie wischte sie mit der Hand ab.

Toni schaute sie an. »Magst du reden? Du weißt, du bist unter Freunden. Was bedrückt dich? Hast du Liebeskummer?«

Barbara schüttelte den Kopf. Sie sammelte sich. Als sie wieder ruhiger war, nahm sie die Sonnenbrille ab.

»Liebeskummer ist es nicht direkt. Das heißt, es hat nichts mit einem Burschen zu tun. Wenn eine Liebesbeziehung zerbricht, dann hat man den Trost, dass man irgendwann einer neuen Liebe begegnet. Es gibt aber auch eine andere Art von Liebeskummer.«

»Wie meinst du des jetzt?«, fragte der alte Alois. »Liebeskummer gibt es doch nur zwischen einem Madl und einem Burschen oder?«

Barbara trank einen Schluck Kaffee, bevor sie mit leiser Stimme antwortete: »Es gibt Heimatliebe. Wenn man vertrieben wird, dann schmerzt das sehr. Ich denke, es schmerzt mehr, als Liebeskummer, wegen einer zerbrochenen Liebe.«

Toni, Anna und der alte Alois warfen sich Blicke zu.

Barbara spielte auf dem Tisch mit ihrer Sonnenbrille. Sie schob sie mit dem Finger hin und her.

»Ich werde Waldkogel sehr vermissen. Es ist, als würde mir das Herz aus dem Leib gerissen«, seufzte sie, aus tiefstem Herzen.

»Was willst du damit sagen?«, fragte Toni. »Wirst du dich beruflich verändern? Hast du hier in der Umgebung keine Stelle gefunden? Du willst doch bald im Schuldienst anfangen. Das hat mir neulich meine Mutter erzählt.«

Barbara schüttelte den Kopf. Sie hatte einen Kloß im Hals. Schnell nippte sie erneut am Kaffee.

»Meine Eltern, Großeltern und ich haben gestern Abend lange geredet. Sie haben beschlossen, fortzuziehen. Mama hat eine Schwester in Franken. Dort ziehen wir hin, zu ihr auf den Hof. Tante Petra und Onkel Egon sind sehr nett. Ich mag sie gut leiden. Sie haben einen großen Hof und freuen sich sehr auf uns. Aber es ist nicht die Heimat. Sie haben keine Kinder. Eines Tages soll ich alles erben. Damit will man mich ködern. So ein Schmarrn! Ich würde meine Seele verkaufen, wenn ich dafür in Waldkogel bleiben könnte.«

»Jetzt übertreibst du aber, Barbara«, sagte Toni.

»Versündige dich nicht!«, stieß der alte Alois hervor.

»Es ist, als reiße man mir das Herz aus der Brust. Der Möbelwagen ist schon bestellt. Die Eltern und Großeltern sind am Packen.« Die dunkelhaarige junge Frau seufzte wieder. Sie senkte den Blick. »Das Erbbaurecht für den Hof läuft aus. Vater wollte es verlängern. Wir waren davon ausgegangen, dass wir ihn kaufen können oder zumindest für weitere Jahrzehnte ein weiteres Erbbaurecht erwerben können. Aber weit gefehlt. Wir müssen räumen, das ist endgültig.«

Der alte Alois schüttelte entsetzt den Kopf. »Was hat der alte Heiner damit vor? Ich kenne ihn.«

»An Heiner Schulz erinnere ich mich nur dunkel«, sagte Barbara. »Ich war noch nicht in der Schule, als er gelegentlich zu Besuch kam. Er ist inzwischen verstorben. Sein Sohn Gerold hat geerbt. Dessen Frau Margot hat ein großes Vermögen mit in die Ehe gebracht, hauptsächlich Immobilien, überall im ganzen Land. Doch an sie kommen wir nicht heran. Wir versuchten, direkt mit ihnen zu verhandeln. Die Immobilien werden von einer Hausverwaltung betreut. Die lassen sich nicht erweichen«, erklärte Barbara. Sie holte tief Luft. »Jetzt heißt es also Abschied nehmen.«

Alle waren erschüttert.

»Das sind keine guten Nachrichten«, sagte Toni.