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„Sebastian wer?“ – Meine Mutter „Ein Buch wie ein Autounfall. Und mit Autounfall meine ich Hubschrauberunfall.“ – Autor und Moderator Sebastian, 23, über Sebastian, 23. „Du hast ein Buch geschrieben? Oh, aber nein.“ – Slam-Poetin und Teampartnerin Lucia. „Die Selena Gomez der Poetry-Slam-Szene. Keiner nimmt ihn Ernst, nahezu niemand kennt irgendeins seiner Werke, bestimmt verprügelt er Flüchtlingskinder und ich glaube, Justin Bieber hat ein Tattoo von ihm auf dem Unterarm.“ – David Friedrich, Moderator, Taylor Swift der Poetry-Slam-Szene und großes Vorbild, in allem außer Poetry Slam. „Du bist so ein Lauch, wenn du dich ins Profil stellst, sieht man dich nicht mal.“ – Meine Freundin. „Ne, jetzt mal ehrlich, wer?“ – Immer noch Mama. „Ein performativer Offenbarungseid, der im Crescendo die akustischen wie visuellen Nervenenden bis in die Glücksseligkeit ruhepolisiert.“ – Ballett-Gazette, bezieht sich auf etwas vollkommen anderes.
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Seitenzahl: 151
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Ich widme dieses Buch jedem, der sich darin namentlich sowie inhaltlich wiederfindet und ganz besonders mir selber.
Sebastian Stille
Der Hamburger Stadtmeister im Poetry Slam 2017 schreibt Texte und Geschichten, die sich zwischen autobiographischen Fehlschlägen und unnützen Ratschlägen an die Zuhörerschaft bewegen. Der Slam Poet ignoriert mit Bühnenauftritten seit nunmehr drei Jahren erfolgreich sein Studium und schreibt meist das, was ihm als Erstes einfällt. Das Ergebnis ist zumeist komplette Verwirrung und stets ein Hauch von Mitgefühl. Und außerdem hat er seinen Pressetext selber geschrieben, was zeigt, dass er wenige Freunde hat, schade für mich.
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Ich bin jetzt in dem Alter, wo Single-Dasein nicht mehr gesellschaftlich akzeptiert wird. Alle sagen, du musst dringend einen Partner finden, um genauso rasch eine Doppelhaushälfte zu zeugen. Und dazu werden dir hunderte Hilfsmittel zur Verfügung gestellt:
Tinder! Lovoo! Elitepartner! Parship! Und für die ganz verrückten: Sprich jemanden an! Oder bestell dir was bei ZahlfüreinenManndo.de. Hauptsache, du findest endlich einen Partner, das kann ja so nicht weitergehen. Und dann siehst du irgendeinen scheißereichen 12 Jährigen Youtuber, der seinen Lebensalltag damit verdient Reden von Obama so aneinander zu schneiden, dass es klingt als würde er ein Katy-Perry-Song singen, aber er singt ihn eigentlich nicht – Atomlol!
Und dazwischen dudeln noch irgendwelche Kack-Rapper durch die Walachei. Ich bin der festen Überzeugung, die Pandas sterben absichtlich aus, weil sie Angst haben, mit Cro verwechselt zu werden.
Immer wenn du dir sagst, du hast ja noch Zeit, gibt es dieses eine Pärchen im Freundeskreis, das schon seit sie 16 waren zusammen ist. Und dir das auch noch richtig in deinem Singledasein unter die Nase reiben. An Betreffende: Fickt euch!
Und im Stress wischt du dir die Finger auf Tinder wund, hast für deine Freunde kein’ Migrations- sondern einen Singlehintergrund,
spürst die Blicke und das allgemeine Mitleid der Vergebenen ringsherum,
„Ich versteh das nicht er ist ne 5 von 10 und auch eigentlich ansonsten recht gesund“,
generell läuft’s bei dir eckig und eher minder rund, und ab Mitte 20 hast du auf jeden Fall einen unterdrückten Kinderwunsch.
Alles will dich verkuppeln und es scheint immer irgendeiner deiner Freunde einen Partner zu haben, dessen Freundin auch hoffnungslos Single ist. Was automatisch heißt, dass ihr GANZ. TOLL. ZUSAMMENPASST! Und dann versichern sie dir, dass Glück das einzige auf der Welt ist, was sich verdoppelt, wenn man es teilt. Haha, Ja. Und Aids.
Alle, die behaupten, Alkohol sei keine Lösung, haben das Problem nicht verstanden. Und du merkst selber immer mehr, Verlieben ist nur die kribbelige Aufregung über die Frage: Na, wie verkacke ich das diesmal?
Und immer kommt irgendjemand um die Ecke, der im heillosen Optimismus erzählt, dass Frauen eigentlich ja nur mit Arschlöchern zusammen sein wollen. Das ist gelogen!
Manche von ihnen wollen einfach mit gar keinem zusammen sein! Weil sie ja vor zwei Jahren mal eine dreimonatige Beziehung hatten, in der er zuuuu sehr geklammert und jetzt einfach ein bisschen Unabhängigkeit brauchen. Leck mich! Wenn ein Brot verschimmelt ist, dann werf ich’s weg und kaufe mir ein neues. Aber ich sitz nicht monatelang trauernd neben dem Mülleimer! Nein, neues Brot, fett Nutella drauf. Und zwar ohne Butter, damit die Nutella richtig trieft und es heißt DIE Nutella und wer jetzt ankommt mit aber es ist auch das Nuss-Nougat, JA DAS IST EIN ANDERES WORT, DU GEISTIGES BAUGERÜST! Es heißt auch der G-Punkt und deswegen nicht automatisch der Vagina!
Und dann mag man mal wen, dann passt das aber nicht, weil dies und das und alles ergibt kein’ Sinn, und man denkt sich: Warum? Und dann kommt Julia Engelmann um die Ecke und sagt: „Weil Lieeebe keinen Sinn ergibt, sondern einfach da ist“ Ok, schön. Halt dein Maul. Läuft bei mir. In Tränen. Und dann hängt man wieder 24/7 sinnfrei am Handy und hibbelt sich einen ab: Schreiben, Löschen, Schreiben, Löschen und am Ende schreibt man nur:
„Hahaha Zwinkersmiley“
Hier sind mindestens 3 Leute im Raum, die eine Stiefmutter haben, die auch ihre kleinere Schwester sein könnte. Und ihr denkt „Ohhh, aber nur wegen des Geldes und ihr liegt richtig, aber DAS ist wahre Liebe. DAS ist Liebe, die sich wenigstens lohnt. Aber bei mir Ottonormalotto bleibt am Ende nur ein 12-Euro-Gutschein von RyanAir, weil ich den Flug nach Sizilien wieder stornieren musste. Und ich weiß immer noch nicht, ob die Scheiße jetzt Italien oder Frankreich ist. Ich hoffe Italien, denn ich hasse die Franzosen, „Oaaah schaut uns an, unserer Präsident sieht so gut aus, da ist es scheißegal dass wir zu 40% Nazis sind und alle kein Englisch können und wir àben so schöne Strände Peugeot Parfait Excusemoi!“
Ja, ich weiß, dass ihr schöne Strände habt, mein Großvater hat mir davon erzählt!
Gut, hier ist erfahrungsgemäß so eine Grenze erreicht, wenden wir uns lieber wieder der Liebe zu.
Andauernd kriegt man von Julias und Julians wieder die perfekte Beziehung vorgelebt; diese Paare, die nicht mal den Anstand haben, unterschiedlich zu heißen!
Oh, du bist immer noch Single, das tut mir aber Leid,
Findest schon noch die richtige, aber zum Berufseinstieg wird’s dann langsam mal Zeit.
Bist ja eigentlich schon ein ganz Netter, also ich würde mit dir ausgehen bei Gelegenheit,
Achso, jetzt wo du fragst, war das eher so theoretisch gemeint.
Und dann fragst du Julia, warum sie so heißt, wie ihr Freund,
Woraufhin sie dich verbessert,
Ihr Name ende ja auf a und das ist weiblich, so wie übrigens in Nutella.
Man erwartet von dir, dass du deine Ansprüche runtereichst,
du bist die unästhetische Single-Randlücke im Freundeskreis.
Du tust es gar nicht, aber alle denken, du würdest generell den Sinn von Paaren hinterfragen.
Du hast dich nie so gefühlt, aber alle denken, du seist ihr drittes Rad am Wagen.
„Ach, da hat sich jemand einfach noch nicht richtig ausgetobt.“
Nein, wie auch, dafür braucht man Sex! Und ich bin doch gar nicht mal uncool, mein Mitbewohner kriegt mit 23 jede Woche von seiner Mutter die schmutzige Wäsche abgeholt.
Was für ein Kind. Ich bringe die selber bei Mama vorbei!
Dann spielt man weiter mit dir Real-Life-Tinder, juhu.
„Guck mal, die wär doch was für dich,
Oh, die hat Augen, na die dann eher nicht.“
Die Frau von der Kasse am Supermarkt,
eine Cousine im hundertsten Grad
dieses Mädchen, das nur Julia gern mag,
mit der hast du nichts gemeinsam, aber ihr wärt zumindest ein Paar.
... Und du bist sicher nicht schwul?
Single sein muss man dir austreiben, immer mehr auf und hinter deinem Rücken,
aber zu deinem Glück, kann man den Kinderwunsch ja unterdrücken.
Der Weltraum. Unendliche Weiten. Ein schweigender Tenor und sehr wenig Menschen.
Die Erde. Unendliche Scheiße. Hier leben ebenjene, die alle Teilnehmer des Bachelors von RTL kenn’.
Backpacking zwischen Jakarta, krassem Jazz und Partnerschaftenstress,
Die Würfel sind gefallen, alea verkackta est.
Möchtest du was Festes oder eher so was Leichtes, außer Würfeln will ich eigentlich nichts fallen lassen, ich kam, sah und verneinte.
Wir können eine Avocado schneiden und nennen uns deshalb michelinprämierter Starkoch,
du nennst dich Influencer, ich nenn’s nervtötendes Arschloch.
Wir sind so weit rumgekommen, haben schlauste Szenarien für die Zukunft zusammengemausert,
Aber es ist keine Weltanschauung, wenn man die Welt nur aus Australien und Bochum angeschaut hat.
Dinge steigen uns zu Kopf oder liegen direkt zu Füßen, und weil wir uns im Mittelmaß treffen, sagen wir, wir würden das Leben mit offenen Armen begrüßen.
Euer Glas ist immer halb voll! Ja! Aber halb. Ich sag doch auch nicht voller Stolz, dass ich meiner Freundin einen halben Orgasmus beschert habe.
In Wahrheit fürchten wir uns vor der Zukunft, ein lebenslanges Gefängnis alias Bausparvertrag, leben nach dem Motto – Kinder si nd wie Lego: Fertig steht’s im Weg, aber das Bauen macht Spaß.
Und trotz unserer selbsternannten Weisheit, schalten wir wie Kinder panisch vor Fremdscham den Fernseher ab, weil sich zwei Menschen küssen und anfangen, ihre Hände an Orte zu tun, dass jedem Priester vor Schreck das Kerzenwachs vom Messdiener fällt! Und auch heute kann ich nicht mit anschauen, wie Marvin aus Mitten im Leben ankündigt mit seiner Frau Jetzt mal die Konfronffaffion zu suchen!
Und dann gucke ich ´ne Hitlerdoku, weil Hitler mir weniger peinlich ist als Marvin.
Kennt ihr das, wenn es einen Moment unangenehm wird, weil jemand etwas sagt, worüber man nicht witzeln sollte? „Das war nicht die Schuld von Max und Moritz, sondern die von Witwe Bolte!“
Doch gleichzeitig sind wir die, die sich freiwillig in den Lebenslauf schreiben, dass wir für Bento gearbeitet haben. Bento, die menschgewordene Buchstabenverschwendung. „Heeey, wenn du deinen Adblocker nicht ausschaltest, muss dieses niedliche Kätzchen dran glauben!“
Von mir aus ballert das Vieh über den Haufen, ihr Avocado-Begatter!
Könnt ja einen Artikel mit 42 Gründen darüber schreiben, wie Waffen die Sexualität von Teenies beeinflussen.
Uns ist eben doch nicht alles peinlich, wir sind ja auch die, die Ängste ernstnehmen sollen, die Ängste derer, die sagen dass Zigeuner mit ihren Smartphones den Rentnern die Arbeitsplätze wegnehmen. Genau! Opa wollte nämlich eigentlich „Hit the Road Jack“ in der S-Bahn spielen. Schade! Wenn das Ängste sind, sollten wir den Alliierten sehr dankbar sein, dass sie die Ängste der Nazis sechs Jahre lang ernstgenommen haben.
Wir verschließen uns durch gelebte Weltoffenheit und der Ungerechtigkeiten lautestes Betrauern, Aber wenn ich behaupte, Ich sei kritikfähig ist das mein Niemand hat die Absicht eine Mauer zu erbauen.
Das Leben lässt keinen Raum für Bildung, Wie XY heute an seiner Garderobe zeigt, führt man als Künstler nicht mal ein Leben, das finanziell Raum für Geschmack lässt.
Doch in dubio pro Reo, ich bin stolz, auf das was ich hab, Ich hätte dieses Semester fast eine Klausur geschrieben, beeindruckend, dass ich in meinem BUSY LIFE (Netflix) für die Abmeldung immerhin noch die Zeit fand.
Fakten sind postpraktisch; Für die richtige Perspektive reicht schließlich manchmal der Blick auf eine Leinwand.
Unsere Quellen sind Postillon und, hier hab ich mal gehört, hier das sagen die auf der Demo.
Die erhobene Faut verzichtet für die Umwelt auf alles Künstliche, aber wenn ich mal so rieche; in dubio pro Deo.
Wir schreiben
Nachdenkliche Sprüche bei Instagram,
machen Witze über Beziehungen, denn die sind ja irgendwie Kinderkram,
„Ich bin ja so unabhängig!“
Quinoa aus Chile, aber zur Uni ausschließlich mit dem Rad hinfahr’n,
zitieren Game Of Thrones, aber ignorieren wie mit uns auch im echten Leben der Winter kam,
haben Angst vor Schüttelfrost mit Ebola und Rinderwahn, doch nehm’ die erstbeste E im Bunker von Wildfremden an, Nachts um 2:00 Currywurst für einen Euro, aber im Gehirn vegan,
unsere Weisheit hängt direkt der Leere unserer Stirnhöhlen an,
haben immer Recht, von Obrigkeit bis Hinterland,
denn keiner rebelliert dem Widerstand!
Trinken uns mit aus Schwäche gebrautem Lager Craft Beer zum Hirntod,
Bist du Atheist heiligt keiner deinem Zweck die Mittel, Arche, naht dir die Sinnflut.
Wir können uns leichter vergessen, als wir uns an gestern Nacht erinnern können. Wer morgens noch Visionen hat, sollte mal wieder zum Arzt gehen.
Andere sind das Volk, doch wir glauben längst nicht mehr an Danton’s Tod.
Wir starten laut vermutend bevor wir leise denken, auf die Plätze, cogito, ergo, los.
Aber vielleicht ist es nicht immer peinlich, manchmal vor Ignoranz zu strah’ln und an anderer Hand den Teufel an die Wand zu mal’n.
Denn wenn ein Glas halb voll ist und das andere halb leer, haben wir uns beide um eine Seite bemüht, dann treffen wir uns in der Mitte, denn physikalisch gesehen ist das Glas eh nicht halb voll oder leer, sondern halb gefüllt.
Manchmal fahre ich mit der S-Bahn bis zur Endstation, nur um zu sehen, welche Art Menschen ernsthaft an einer Endstation wohn'. Wenn ich mir Leute anschaue, die in Pinneberg aussteigen, dann wundere ich mich, wie viele unterschiedlich heruntergekommene Gestalten an einem Ort leben können. Doch eigentlich sehen sie alle gleich aus, eigentlich sehen sie alle aus wie Deutschlehrer.
Deutschlehrer können machen was sie wollen, sie sehen immer aus wie Deutschlehrer. Sie haben immer den Blick eines Professors, der sie nie sein werden und erinnern an einen kleinen Bruder, der nicht mit den Spielsachen des großen Bruders spielen darf, aber wenn der Große mal weg ist, mit dessen Spielsachen vor den Freunden angibt.
Ich werde nie verstehen, warum Leute Lehrer werden - nach der Schule kommt die große weite Welt und nur, wenn man mit der großen weiten Welt nix anfangen kann, bleibt man halt in der Schule. Und dann erklärt man Kindern eine ganze Oberstufe lang, dass rhetorische Stilmittel der Oberbumm sind, aber irgendwann merken auch die, dass man ein Bewerbungsgespräch nicht rockt, weil man sagen kann:
„Ohhhhooo, da ist ein Oxymoron!“
Also fahre ich weiter den ganzen Tag über S-Bahn, hier muss man nicht mit Leuten reden, außer dass man gelegentlich von älteren Leuten angesprochen wird, dass mein
Computer so komisch leuchtet, und mit Computer meinen sie Handy - und mit Handy meine ich Iphone, denn Iphonebesitzer fühlen sich auch im Jahre 2018 noch besonders, auch wenn das Ding inzwischen so groß ist wie ein Brotschneidebrett. Das nächste Iphone heißt dann auch konsequenterweise Iphone DIN A 4.
Aber ich bin immer freundlich zu den Omas in der Hoffnung, dass mich eine mal einer ihrer Enkelinnen vorstellen will, ich habe festgestellt, dass Frauen in der Bahn leider nicht gerne angesprochen werden, was auch daran liegen könnte, dass ich sie anspreche, wie ich Frauen halt anspreche... Nicht. Sondern sie erstmal 2 Stunden verwegen anglotze, da ich aber grundsätzlich alles an ihr einmal anschaue, schau ich dabei leider auch meist 20% der Zeit auf ihre Brüste - was zumeist genau die Momente sind, in denen die Mädchen zurückschauen.
Ich weiß nicht wie, aber ich glaub, manche Frauen haben ein eingebautes Radar, das ihnen sagt, wenn ihnen so’n Typ wie ich auf die Brüste schaut. Manche haben ja auch ein Radar, das ihnen sagt, „Oh, er ist immer nett zu mir und bemüht sich um mich. Ich glaube er ist einfach ein toller Kumpel, ich lass’ lieber den Typen ran, der mir so romantisch aus seinem getunten Golf hinterhergehupt hat.“
Und ich sitze genau deswegen alleine in der Bahn und schnacke alte Omas an, weil ich der Typ bin, der halt ein toller Kumpel ist, aber tja. Würden heute immer noch die Eltern die Männer ihrer Töchter aussuchen, wäre das genau mein Zeitalter, aber solange sie selber eine Wahl haben, komme ich meist nicht an sie ran.
Mit meiner Ex Freundin war es dasselbe, und sie meinte irgendwann nur so „Du... Wir müssen reden.“ Und ich so: „Nö.“
Dabei dachte ich, es wäre mehr als eine Liebelei,
bei der wir zu zweit,
in Liebe vereint,
im verliebten Fieber schrei’n,
tollen am Strand entlang,
im Sonnenuntergang,
vor Liebestrunkenheit,
im lilagepunkteten Sommerkleid – und sie hätte ja auch eins tragen können, die sind schön luftig.
Also fahre ich heute alleine Bahn, schaue aus dem Fenster und sehe an bunt geschmückten teuren Balustraden,
geschmiegt an rundverzierten Häuserstuckfassaden,
verschieden bedruckte Fahnen,
mit den wesensgleichen Phrasen,
die mich im Wesentlichen plagen,
bin ich auf den Wegen zwischen Barockprunktstück und Schrebergarten,
hin und zurück, an all den zähen Tagen,
umgeben von hundert verschied’nen Lebensfragen,
die mich in allen Redensarten,
nach meinen Problemen fragen,
aber nirgends eine Antwort für mich stehen haben.
Also sitz ich weiter alleine in der Bahn und schaue mir die komischen Menschen in Pinneberg an. Und jetzt mal ohne Flachs, die sehen teilweise echt nicht mehr ganz gesund aus.
Und dann sind da immer die, die in der Bahn essen. „Och. Ich such ich mir heut mal ein geschlossenen Raum mit möglichst vielen Leuten, um meinen Döner mit extra viel Zwiebel und Tzatziki zu essen - das scheint mir eine gute Idee.“ Und dann stinken sie alles mit ihrem Döner voll oder ihrem Falafel oder einfach ihrem Gestank und letztens packt da einer seinen Flammkuchen aus. Nicht nur, dass Flammkuchen sowas wie die FDP-Wähler unter den Pizzas sind, aber warum isst man das, weil’s kalorienärmer ist? Wenn ich was mit Käse überbacke, dann bitte auch richtig.
Ich sehe mich um und stelle fest, dass wir in einer Zeit leben, in denen Menschen Hosen kaufen, die extra vorher kaputt gemacht wurden, damit es cooler aussieht. Einer Zeit in der Männer einen Smart fahren, bei denen das Aussteigen aussieht wie ein qualvoller Geburtsvorgang. Einer Zeit, in der man Menschen erklären muss, dass fiktiv ausgedachte Vorgänge bezeichnet und nicht die Aufforderung zu tiefergehender sexueller Penetration. Und eine Zeit, in der Jugendliche freiwillig Schöfferhöfer-Grapefruit trinken. Da ist so wenig Alkohol drin, in Russland zählt das nichtmal als Flüssigkeit.
