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Im Jahr 2028 begegnet Mona, Anfang Vierzig, beim Spaziergang mit ihrem Hund einem sprechenden menschlichen Herz. Aus Empathie bringt sie es zurück in seine Heimat, doch der Abschied fällt anders aus als gedacht. Vergessen funktioniert nicht, also macht sich Mona ein Jahr später auf die Suche nach dem verlorenen Herzensfreund. Im Großstadtdschungel findet sie eine profitgierige Klinik, die den Menschen gefühllose Kunstherzen implantiert, ein alternatives Wohnprojekt und neue Freunde. Doch wo ist das Herz? Monas kunterbunten inneren Reichtum schildert die Autorin mit viel Freude, Wärme und etwas Melancholie. Eine Sci-Fi Lovestory zum Verlieben.
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Seitenzahl: 138
Veröffentlichungsjahr: 2020
Zur Autorin:
Monika Steinbrück, geboren 1964, lebt mit Mann und Hund in einer Kreisstadt bei Stuttgart. Als Kauffrau, Yogini und Hundemama hat sie viel Kontakt zu anderen Menschen. Immer wieder stolpert sie dabei über die unterschiedlichsten Personen, deren Gemeinsamkeit es ist, dass ihr Herz ihnen im Weg zu stehen scheint.
Inspiriert von einem Song ist Basisherz ihr erstes Buch. In ihrem Blog Gedankenströme (www.monimonikab-log.wordpress.com) veröffentlicht sie außerdem Kurzgeschichten mit und ohne Hund.
Monika Steinbrück
Basisherz
Das unglaubliche Tagebuch derMona P.
© 2020 Monika Steinbrück
Urheberin Umschlaggestaltung,
Bilder: Monika Steinbrück
Verlag & Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44,22359 Hamburg
ISBN
Paperback:
978-3-347-08255-7
Hardcover:
978-3-347-08256-4
e-Book:
978-3-347-08257-1
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Für Tom
meinen Seelenhund
* 2000 in Australien
† 2014 in Deutschland
Winter 2027/2028
Kapitel 1 Anfang
Es war Winter, schon ein paar Monate lang, und ich ging mit dem Hund am Bach spazieren. Es schneite wie verrückt und der Wind wehte mir kalt um die Nase. Die Hände tief in die Taschen meines Mantels gesteckt, stapfte ich durch den Schnee. Durch den eisigen, an meiner Strickmütze zerrenden Wind, hörte ich plötzlich ein fernes Rufen: "Hallo – Hilfe.“ Besorgt folgte ich dem Rufen, doch ich sah niemanden. Die Stimme schien aus dem Wasser zu kommen. Ich sprang die Böschung hinunter auf das Kiesbett und sah zwischen den Steinen ein Herz liegen. Verwundert ging ich in die Hocke. Da lag tatsächlich ein Herz! Es sah aus wie von einem Menschen. So stellte ich es mir zumindest vor. Ich hatte ja noch nie eines in echt gesehen. Wie kam es hierher? Wer hatte es dort liegen lassen? Lebte es noch? Ich war völlig verwirrt, drehte mich um mich selbst, schaute nach links und rechts und wollte die Böschung wieder hinaufsteigen. Sicher hatte ich mich geirrt. Ein Herz kann nicht um Hilfe rufen! Aber da war es wieder, diesmal leiser: „Hilfe!“ Ich ging zurück und beugte mich hinab zu diesem Etwas, das aussah wie ein Herz und traute meinen Ohren nicht. Das Herz konnte sprechen! Seine Stimme war sanft und eindringlich zugleich.
Das Herz erzählte mir, dass es im frühen Winter in einer mondlosen Nacht todtraurig in die Spree gesprungen war. Es war kein Suizid, sondern einfach um schnell einen klaren Kopf zu bekommen, so eine Art Kaltduschen. Leider wurde es vom Schock des kalten Wassers kurz ohnmächtig und als es wieder zu sich kam, war nur noch das begradigte Flussbett der Stadt da. An den glatten Betonwänden hochzuklettern war ein Ding der Unmöglichkeit. Geschwächt fiel es in ein Koma. Ohne Zeitgefühl kam es zwar immer wieder zu sich, war jedoch ohne Kraft. Also ließ es sich einfach treiben im Glauben, dem Tod nahe zu sein. Das Herz wünschte sich zu sterben, denn zurück, nach Hause, kam es ja doch nie wieder. Aber das Leben war noch nicht vorbei. Wochenlang taumelte es durch Flüsse und Kanäle, bevor es jetzt hier am Bach angespült wurde. Es war ein
Wunder, dass es noch lebte. Das Herz bat mich, es mitzunehmen, ins Warme. Es tat mir leid wie es da so hilflos im kalten Wasser lag. Es kam mir sogar so vor, als ob ich einen feinen Tränenschleier auf ihm sah. Ich wusste nicht was tun und für den Tod eines Herzens wollte ich unter gar keinen Umständen verantwortlich sein. Der Hund schnupperte interessiert an ihm und bevor er es einfach in sein Maul nahm und darauf herum kaute, zog ich schnell meine Handschuhe aus und nahm es in meine Hände. Es war eiskalt. Gleichzeitig war es weich und glatt wie Seide, ich musste aufpassen, dass es mir nicht aus den Händen flutschte. Vorsichtig quetschte ich es so zusammen, dass es in meine Manteltasche passte und ging nachdenklich nach Hause. Ich hatte keinen blassen Schimmer wie ich für so ein Herz sorgen sollte. Sicher war es nicht so pflegeleicht wie ein Hund und womöglich würde es bei mir eingehen wie eine seltene Pflanze.
Daheim, aus meinem Mantel befreit, räkelte es sich zufrieden in meiner Hand und fing sofort wieder an zu sprechen: „Ich muss nach Hause! Du musst mich heimbringen!“ Sein Zuhause war die Hauptstadt im hohen Norden, Hunderte von Kilometer entfernt. Da fuhr man nicht einmal so kurz hin. Ich war noch nie in der Kapitale gewesen und hatte auch nicht vor, jemals dorthin zu fahren. Hier im Süden hörte man nichts Gutes von dort. Es war ein Moloch in dem Gangster und Gesindel aus aller Welt ihr Unwesen trieben. Dennoch musste ich eine Lösung für das Problem finden, jetzt da das Herz bei mir war. Ich bot ihm an, es zur Post zu bringen. Wir würden einen schnuckeligen gemütlichen Karton basteln und dann ab damit per Paketdienst. Das Herz kuschelte sich daraufhin noch tiefer in meine Hand, schaute ganz belämmert drein und erzählte etwas von Angst vor dem Alleinsein auf der weiten Reise. Ich war ratlos. Was hatte ich mir da eingefangen? Was sollte ich tun? Kurzfristig überlegte ich, ins nahe Krankenhaus zu fahren und es dort als Fund abzugeben. Aber was würden die Ärzte mit einem Herzen anfangen? Es war doch kein Spenderherz. Oder doch? Ich überlegte hin und her. Auf jeden Fall musste ich es wieder los werden. Ich konnte es nicht behalten. Es gehörte nicht zu mir. Nach langem hin und her versprach ich ihm dann doch, dass ich es heimbringen würde. Wir einigten uns darauf loszufahren, sobald es Frühjahr und der Schnee geschmolzen war. Insgeheim ärgerte ich mich aber über mich selbst, weil ich mir wieder etwas aufgehalst hatte, was ich eigentlich gar nicht wollte. Ich konnte einfach nicht „nein“ sagen. Nicht einmal gegenüber einem wehrlosen Herzen. Hätte ich es doch nur liegen gelassen am Bach…
Ich platzierte es nicht weit von meinem Bett auf einem großen bunten Kissen. Es war völlig erschöpft und schlief fast die ganze Zeit. Nachts wurde es manchmal wach und fing an zu reden. Geschichten von fernen Ländern und Abenteuern. Es interessierte mich nicht wirklich, ich ließ es reden, aber mein eigenes Herz war hin und weg und hörte gespannt zu. In manchen Nächten quatschten die beiden so lange, dass ich nicht einmal richtig schlafen konnte. Oft lag ich stundenlang wach und lauschte ihnen widerwillig. Genervt klatschte ich dann morgens mit der flachen Hand auf den piependen Wecker. Nicht nur einmal war ich nahe dran, diesen Eindringling, dieses süße Herz einfach ins Auto zu packen, zum Neckar zu fahren und es in hohem Bogen zu entsorgen. Warum nicht den Dingen ihren Lauf lassen? Der Neckar würde es in den Rhein spülen, vielleicht würde es ertrinken oder über den Golfstrom in Amerika angeschwemmt. Ich war nur für mein eigenes Herz verantwortlich! Und mein Herzchen verbrachte eindeutig zu viel Zeit mit diesem Etwas. Natürlich tat ich nichts dergleichen. Ich ließ es auf dem Kissen liegen. Ich konnte diesem Herzen einfach nichts zuleide tun. Es war zu viel Empathie in mir. Es war ein Lebewesen, Teil eines Menschen. Ja, es gehörte zu einem Menschen. Und dieser Mensch war offensichtlich tot. Ich fegte die Grübeleien beiseite, ging arbeiten und dachte mir im Stillen, dass ich wirklich froh war, wenn der Winter vorüber war. Wenn ich dieses Herz heimgebracht hatte. Wohin genau wollte ich gar nicht wissen. Einfach weg.
Anfangs war es mir sehr lästig, diesen Fremdling in der Wohnung zu haben. Ich dachte, ich muss mich um ihn kümmern, doch so war es nicht. Das Herz war einfach froh bei mir zu sein, Geborgenheit und Frieden zu erfahren. Es war genügsam.
Es dauert nicht lange und das fremde Herz fühlte sich wie zuhause bei mir und meinem Hund. Es saß oft auf dem Fenstersims und blickte hinaus in den Garten. Der Schnee war mindestens einen Meter hoch und wollte einfach nicht schmelzen. Es war sehr kalt in diesem Winter. In der Mitte des Gartens hatte ich ein Vogelhaus aus Birkenholz aufgestellt. Täglich füllte ich Futter nach und schaute nach dem Rechten. Oft wartete das fremde Herz dann an der offenen Terrassentür auf mich. Bald hatte ich das Gefühl, dass es sich drinnen vielleicht langweilte und ich begann es manchmal zum Hundespaziergang mitzunehmen. Dazu bastelte ich mir eine Konstruktion ähnlich wie manche Mütter ihre Babys transportieren. Ich konnte es ja nicht wie beim Fund am Bach in meine Manteltasche stopfen. Die Haut des Herzens kam mir empfindlich vor und ich wollte es nicht verletzen. Ich band mir also ein Tragetuch um den Oberkörper und platzierte das Herz vorsichtig darin. Es war nun in der Nähe meines Herzens und wurde gleichzeitig warmgehalten. Darüber zog ich dann meinen Mantel. Ich sah ein bisschen wie schwanger mit zwei Herzen aus. Ich musste grinsen, als mir dieser Gedanke kam. Immer öfter gingen wir zu viert los. Der Hund, mein Herzchen, das fremde Herz und ich.
Wieder zuhause, machten es sich die beiden meistens auf der Kommode gemütlich. Wie selbstverständlich schlüpfte mein eigenes Herz aus meinem Brustkorb und hüpfte auf das bunte flauschige Kissen. Dort kuschelten die zwei Herzen oft miteinander, träumten gemeinsam von fernen Reisen oder lauschten den Anekdoten des Anderen. Manchmal war das fremde Herz zu Späßen aufgelegt, mit erfrischendem Humor. Inzwischen hörte ich ihm gerne zu, wenn es von seinen vielen Erlebnissen erzählte. Es hatte schon einiges von der Welt gesehen, viel Trauriges erlebt und es konnte mir mit dem einen oder anderen Ratschlag beiseite stehen. Ja, irgendwie war es, als ob eine ganz besondere Person bei mir wohnen würde. Intelligent, belesen, witzig, ein Reisender zwischen den Welten. Ich überlegte, was sein Mensch wohl beruflich gemacht hatte. Kochen konnte er, der Mensch. Soviel stand fest. Das Herz bevorzugte die mediterrane Küche. Wir kochten viele leckerer Gerichte mit Tomaten, Auberginen, überhaupt mit sehr viel Gemüse und Fisch. Wenig Fleisch, viele Kräuter. Zum ersten Mal versuchte ich mich an Paella und ich war mächtig stolz, dass sie mir so gut gelang. Auch der Hund hatte sich mit dem fremden Herzen angefreundet und es nicht einfach gefressen. Manchmal schleckte er es sogar ab, kleine Liebkosungen. Wir waren mittlerweile schon in dem Stadium, dass der Hund morgens nach dem Aufwachen zur Kommode schlenderte, sich auf die Hinterbeine stellte, die Vorderpfoten links und rechts neben das bunte Kissen legte und mit der Schnauze das fremde Herz sachte anstupste. So eine Art Morgenritual: „Guten Morgen liebes Herz. Schau, ich bin schon wach.“ Aus dem vorher Außergewöhnlichen war in den letzten Wochen Alltag geworden. Ja, ich mochte es wirklich, es war mir sozusagen ans Herz gewachsen. Oh, das hörte sich gruselig an. Das wollte ich gar nicht. Ich war doch so zufrieden, allein lebend, unabhängig. Ich konnte tun und lassen was ich wollte und war niemandem Rechenschaft schuldig, außer meiner Chefin bei der Arbeit. Ich war hin - und hergerissen. Natürlich erzählte ich niemandem von meinem Fund. Wie sollte ich es auch erklären? „Ach, übrigens, ich habe da kürzlich ein Herz gefunden.“ Jeder würde mich für verrückt erklären und wahrscheinlich sofort die halbe Stadt inklusive Polizei bei mir einfallen und es mir wegnehmen. Nein, es war mein Fund, es gehörte mir und ich war dafür verantwortlich. Soweit so gut. Bis zu diesem Sonntag Ende Februar.
Wir waren gerade zurück vom Morgengassi und ich machte Frühstück für den Hund, das Herz und mich. Das Teewasser brodelte im Wasserkocher, das fremde Herz hatte es sich auf dem bunten Kissen gemütlich gemacht, das ich auf das Sofa gelegt hatte. Plötzlich klingelte es an der Tür. Es war noch früh am Tag, gerade neun Uhr vorbei. Verwundert drückte ich den Türöffner, das Kissen mit dem Herz hatte ich komplett vergessen. Nadine, meine beste Freundin schneite herein.
„Hey Süße, bist du gerade vom Gassi gehen heimgekommen? Ich war noch gar nicht zuhause. War die ganze Nacht unterwegs, tanzen. Ich habe jemanden kennengelernt. Ich muss dir unbedingt von ihm erzählen, sonst kann ich nicht einschlafen.“
Nadine war ein Wirbelwind. In jederlei Hinsicht. Sie hatte sich erst kürzlich von ihrem Mann getrennt und genoss nun das Leben in vollen Zügen. Bei den vielen neuen Männernamen kam ich manchmal ganz schön durcheinander. Dazu hatte sie noch zwei Jobs, ein Pferd, zwei Hasen, eine Katze, eine Schildkröte und zwei Kinder. Manchmal fragte ich mich, wie sie das alles schaffte. Sie verströmte eine unendliche Energie. Für mich war sie wie Pippi Langstrumpf. Nur der Affe fehlte noch. Aber vielleicht sah ich den nur nicht. Das Teewasser hatte gekocht und flugs hatte sie meinen Küchenschrank geöffnet, Kaffeepulver in eine Tasse gekippt und fast mein ganzes Wasser aufgebraucht. Mit der randvollen Tasse marschierte sie ins Wohnzimmer und stieß fast im gleichen Moment einen Schrei aus.
„Iiiiieehhhhh! Was ist denn das?! Mona, was liegt da Ekliges auf deinem Sofa? Mona?!?!! Mach es weg!“
„Oh, nein!“ dachte ich. „Finger weg“ rief ich. „Das ist ein Herz! Ich habe es beim Spazierengehen gefunden. Es spricht. Es lebt. Sag einfach nichts. Du hast nichts gesehen. Versprich es mir!“ bat ich sie.
Nadine tippte es mit den Fingernägeln an und prompt zog es sich zusammen wie eine Schnecke.
„Wie, es spricht? Spinnst du jetzt? Ich habe mich schon gewundert, warum du dich in letzter Zeit so zurückgezogen hast.“
„Ich kann dir das auch nicht erklären, es lag plötzlich am Bach und sprach mit mir. Komm' mit in die Küche. Es ist müde. Es muss schlafen.“
Mit diesen Worten zog ich sie aus dem Wohnzimmer und erzählte ihr, wie ich das Herz gefunden hatte. Ihr Blick sprach Bände. Sie hielt mich für total gaga.
„Mona, gib es ab. Du musst es ins Krankenhaus bringen, wenn es lebt. Du kannst nicht einfach ein Herz behalten! Es wird für jemanden reserviert sein. Sicher war es für eine Herztransplantation gedacht. Du wirst es vermasselt haben und derjenige ist deinetwegen gestorben.“
„Es war weit weg von irgendeinem Krankenhaus. Wenn es für jemanden reserviert war, dann für mich! Und bei mir ist es jetzt. Basta. Es lebt, es hat eine Seele und es ist mir schnurzpiepegal was andere darüber denken. Ich gebe es nicht her. Im Gegenteil, ich bringe es demnächst zurück, da wo es hingehört. Zu seinem Besitzer in die Hauptstadt!“ empörte ich mich.
„Ich sag ja immer, du verbringst zu viel Zeit mit deinen Büchern. Du glaubst auch an Wunder, die dir das Universum mit einem Regenbogen schenkt!“ lachte mich Nadine aus.
Das war ja großartig! Meine beste Freundin fiel mir in den Rücken. Ich wurde langsam sauer und wollte sie am liebsten rauswerfen. Nur meine gute Erziehung hielt mich davon ab.
„Weißt du Nadine, wer an Wunder glaubt, der erlebt sie auch. Das ist der Unterschied zwischen uns. Lass mich jetzt einfach. Ich liebe dich, aber lass mich hier mein Ding durchziehen. Ich bin auch nicht immer konform mit deinen Ansichten und schweige.“
„Okay, vielleicht hast du ja recht! Tut mir leid! Alles gut, die einen haben eine Katze und die anderen ein Herz oder einen Hund oder beides. Warum sollte es auch keine Herzen auf Sofas geben. Ich muss nochmals überlegen, welche Drogen ich mir letzte Nacht eingeworfen habe. Ich danke dir für den Kaffee. Keine Ahnung, was ich dir eigentlich so Wichtiges erzählen wollte. Es ist wie weggeblasen. Egal. Ich glaube, ich schlafe erst mal eine Runde. Wir telefonieren.“
Mit diesen Worten umarmte sie mich und weg war sie. Genauso schnell wie sie in meinen Sonntagmorgen hinein geplatzt war. Nach einer Woche Funkstille zwischen uns, rief sie mich am kommenden Samstag an und wir trafen uns zum Frühstück in einem nahen Café. Das Thema Herzen vermieden wir beide. Im Nachhinein fragte ich mich, ob sie vielleicht dachte, sie hätte es nur geträumt. Ich für meinen Teil wurde jedoch etwas vorsichtiger und trug das bunte Kissen samt Herz bei jedem Anzeichen eines Besuchs ins Schlafzimmer auf die Kommode hinter der Tür. Natürlich entging dem Herzen diese Vorsichtsmaßnahme nicht und es bemerkte ein paar Tage später ganz beiläufig:
„Da habe ich dich ganz schön in Verlegenheit gebracht, oder? Das tut mir leid!“
Was sollte ich darauf erwidern? Die ganze Situation war so abgefahren, dass ich es aufgegeben hatte, darüber nachzudenken. Ich nahm jeden Tag wie er kam und dachte immer öfter daran, dass das Frühjahr praktisch vor der Tür stand. Und damit die Trennung von dem fremden Herzen.
Frühling 2028
Kapitel 2 Hauptstadt I
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