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EIN UNGLEICHGEWICHT DER MACHT … Auf den fernen Heimatwelten der Clans ist Nicholas Kerenskys Vision im Goldenen Jahrhundert zu einer blühenden, vielfältigen Kultur gediehen, in der Krieger im höchsten Maße verehrt werden … und MechKrieger mit ihren gepanzerten Kampfmaschinen an der Spitze der Clan-Hierarchie stehen. Dabei herrschte unter den achtzehn Clans relativer Gleichstand, was ihre Technologie anbetraf … bis Clan Coyote einen radikal neuen Mech zum Einsatz bringt, der das Schlachtfeld dominiert – den OmniMech. Dank seiner modularen Bauweise von unvergleichlicher Anpassungsfähigkeit droht der OmniMech das empfindliche Gleichgewicht der Kräfte innerhalb der Clans auf den Kopf zu stellen … und seine Geheimnisse werden zu einem heißumkämpften Preis. Für den alljährlich stattfindenden Besitztest um die OmniMech-Technologie haben die Jadefalken das Recht für sich gewonnen, die Coyoten als erste herausfordern zu dürfen. Doch im Schatten des anstehenden Mechkampfes steht eine ominöse Macht bereit, alles nur Erdenkliche zu tun, um dafür zu sorgen, dass die Falken gewinnen – selbst wenn zu diesem Zweck hochgeschätzte Ideale geopfert werden müssen …
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Seitenzahl: 102
Veröffentlichungsjahr: 2022
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Titel
Blaine Lee Pardoe
Der Blender
Proliferationszyklus VII
Impressum
Yellow King Productions
Titelbild: Catalyst Game LabsRedaktion: Mario WeißÜbersetzer: Hartwig Nieder-GasselKorrektorat und Lektorat: Mario Weiß, Michael Sellmeier, Christopher Denis, Thomas Doblinger Layout: Michael Mingers
©2026 The Topps Company, Inc. All rights reserved. Classic BattleTech, BattleTech, BattleMech and ’Mech are registered trademarks and/or trademarks of The Topps Company Inc. in the United States and/or other countries. Catalyst Game Labs and the Catalyst Game Labs logo are trademarks of InMediaRes Productions, LLC.
Deutsche Ausgabe Yellow King Productions, Neuöd - Gewerbepark 12a, D-92278 Illschwang unter Lizenz von INMEDIARES PRODUCTIONS, LLC., also doing business as CATALYST GAME LABS.
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Produkt-Nr.: YKBT028E-Book-ISBN: 978-3-98732-091-0
1
BARGHAUSEN
GRANT’S STATION
CLAN-HEIMATWELTEN
10. DEZEMBER 2854
Barghausen war eine kleine, von Clan Coyote errichtete Ansiedlung auf Grant’s Station. Den Ort übersäten kleine, stabile Bauten, die mit Zweckmäßigkeit im Sinn errichtet worden waren. An einem Ende befanden sich Bunker für die Munition, Reparatur und Einlagerung von BattleMechs, die für den Fall eines Unglücks noch einmal extra gedämmt worden waren. In ihren frühen Jahren war es eine aufstrebende Kommune gewesen. Clan Coyotes Händlerkaste hatte ein paar erfolgreiche Geschäfte in dem Städtchen betrieben, zu denen auch eine Chipmanufaktur gehörte. Es hatte Gerüchte um weiteres Wachstum und größere Ausdehnung gegeben … dass aus Barghausen eines schönen Tages viel mehr werden würde als das, was es im Moment noch war … eine richtig große Metropole.
Das alles hatte sich vor fünf Jahren geändert, als Clan Jadefalke die Stadt einnahm. Sterncommander Corrigan war zu jener Zeit gerade erst zum Krieger geworden, erinnerte sich aber noch gut daran, wie die Jadefalken gekommen waren und einen Besitztest um die Siedlung gefordert hatten. Das war als ein Zeichen purer Arroganz seitens der Jadefalken gewertet worden. Zu der Zeit hatten sie überhaupt kein Interesse an Grant’s Station gehabt und ihre Besitzansprüche auch nicht weiter ausgedehnt, nachdem sie diese erstritten hatten. Allem Anschein nach hatten sie Barghausen einfach nur ausgewählt, weil es ein Symbol des Wachstums und Erfolgs von Clan Coyote war.
Corrigan erinnerte sich noch an das Gefühl der Schande, das mit der Niederlage seines Volkes und dem Verlust der Stadt einhergegangen war. Die Jadefalken hatten sie in Feuerbasis Barghausen verwandelt. Die Pläne für ihr Wachstum und eine weitere Expansion hatte man fallen gelassen. Unter ihrer Herrschaft hatten zahlreiche Geschäfte aufgegeben und ein Großteil der niederen Kasten hatte die Stadt verlassen, um sich eine Arbeit anderswo auf Grant’s Station zu suchen. Trotzdem blieb der Ort ein Symbol, ein greller Klecks in Türkisgrün auf der Karte des Planeten, ein Zeichen der Verachtung für Clan Coyote. Es war die Art der Jadefalken, zu sagen: »Wir können euch jederzeit wegnehmen, was ihr habt.«
Diese Art von Arroganz wird heute ihr Ende finden …
Er näherte sich dem Tor in seinem neuen OmniMech – dem Coyotl. Mit seinen 40 Tonnen wurde er der mittelschweren Klasse zugeordnet – doch der Anschein trog. Er stellte etwas anderes dar, etwas Neuartiges. Corrigan war sich bewusst, dass diese neue Technologie, die Omnis, alles verändern würde. Seit Jahrzehnten haben wir immerzu mit der gleichen Tech gekämpft. Wir haben Waffen und Reichweiten verbessert, aber der Basis-Typ, mit dem wir unsere Kriege ausgefochten haben, blieb unverändert. Nun liegen die Dinge anders. Das hier ist der neue Standard – und allein mein Volk verfügt darüber.
Ein einzelner Krieger in makelloser grüner Dienstuniform kam strotzend vor Selbstbewusstsein heran und nahm vor dem Coyotl Aufstellung. Corrigan öffnete die Kanzel und setzte seinen Neurohelm ab, dann kletterte er hinunter, um seinem Gegner Auge in Auge gegenüberzutreten … wie es unter Kriegern Brauch sein sollte.
»Ich bin Sterncommander Corrigan vom Geblüt Clearwater des Clans Coyote, gesegnet und erleuchtet unter den Kindern Kerenskys. Ich gehöre dem 38. Sturm-Sternhaufen der Alpha-Galaxie an, dessen Blutlinie sich bis zur Sternenliga zurückverfolgen lässt. Wen habe ich vor mir?«
Der Jadefalken-Krieger verschränkte die Arme, als er sprach. »Ich bin Sterncolonel Remagen Pryde, von den 1. Falken-Jägern der Delta-Galaxie und Befehlshaber der Feuerbasis Barghausen. Ich spreche für sämtliche Falken unter den Sternen, den Clan, der eines Tages auf Terra stehen wird. Welches Ansinnen hat der Clan Coyote an diesem Ort?«
Corrigan funkelte sein Gegenüber an. »Ich bin gekommen, um einen Batchall für Barghausen auszusprechen. Es wurde von Clan Coyote geplant und errichtet, und nun wird es unter unsere Herrschaft zurückkehren. Mit welchen Kräften werdet Ihr diesen Ort verteidigen?«
Remagen Pryde zeigte sich unbeeindruckt. »Als Jadefalke weiß ich sehr wohl, dass Gerissenheit beim Bieten von ebenso großem Wert ist wie Geschick auf dem Schlachtfeld.« Er hielt inne, was wohl irgendwie bedrohlich erscheinen sollte. »Diese kleine Stadt hier ist es nicht wert, nennenswerte Mengen an kostbarem Jadefalken-Blut dafür zu vergießen. Und wenn ich mir die Größe Ihres Mechs so ansehe …«, er lehnte sich zur Seite, um einen Blick auf den Coyotl zu werfen, »… werde ich diesen Ort wohl mit zwei mittelschweren BattleMechs verteidigen, wobei dann auch noch ein befreundeter Jadefalken-Krieger zu mir stoßen wird … was Ihren Fähigkeiten und dem neuen BattleMech mehr als ebenbürtig sein dürfte.«
Corrigan nickte. »Auch unser Volk hasst Verschwendung jeglicher Art. Mit welchen BattleMechs werdet Ihr Euch verteidigen?«
Diese Frage gehörte nicht zu der üblichen Prozedur und erwischte Remagen momentan auf dem falschen Fuß – so viel konnte Corrigan aus seinem Gesichtsausdruck herauslesen. »Mit welchen BattleMechs? Spielt das denn eine Rolle?«
»Das tut es in der Tat und ist zudem angemessen. Würdet Ihr diese Stadt ungerüstet verteidigen wollen, so würde ich die Handwaffe erfragen, mit der Ihr dies zu tun gedenkt, um ein passendes Gegengebot abgeben zu können. In diesem Fall ist es nicht anders.«
Noch immer aus dem Gleichgewicht gebracht, gab Pryde seine Antwort. »Ich steuere einen Sentinel. Ich werde Kynell von meinem Geblüt anweisen, gemeinsam mit mir die Ehre unseres Clans zu verteidigen, und er steuert einen Wyvern. Zusammen werden wir allem, was Sie aufzubieten haben, mehr als gewachsen sein.«
»Nun denn, ich werde meinen Omni hier bieten und noch einen weiteren dazu«, antwortete Corrigan, wobei er sich voller Stolz zu seinem neuen Mech umsah. »Als Verteidiger obliegt es Euch, den Kampfplatz zu bestimmen.«
Remagen Pryde ließ seinen Blick über die offene Prärie schweifen, die sich jenseits der Schutzwälle erstreckte, die den Munitionsbunker am Rande der Stadt umschlossen. »Das Gras hier könnte ein bisschen Dünger vertragen; Ihr Blut wäre dafür durchaus geeignet. Wir werden direkt hier kämpfen, morgen, bei Sonnenaufgang.«
Corrigan nickte. »Ihr habt gut verhandelt, Remagen Pryde. Doch das einzige Blut, das morgen vergossen werden wird, ist das Eurige.«
BARGHAUSEN
GRANT’S STATION
CLAN-HEIMATWELTEN
11. DEZEMBER 2854
Am nächsten Morgen stand Remagen Pryde vor Kynell, während der ihm unterstellte Krieger seine Kühlweste anlegte. »Dieser neue BattleMech – welche Bewaffnung wies der doch gleich noch auf?«
»Ich erkannte Sprungdüsenauslässe, einen schweren Impulslaser, einen leichten Impulslaser und eine Viererlafette für Kurzstreckenraketen. Wir sollten davon ausgehen, dass es sich dabei um eine Blitz-Ausführung handelt.«
Kynell ließ den letzten Verschluss zuschnappen. »Also nur eine Distanzwaffe. Exzellent. Angesichts seines Gewichtes dürfen wir davon ausgehen, dass er langsam ist. Um den Sieg davonzutragen, müssen wir nichts weiter tun, als sie auf Entfernung zu halten und mit LSR- und Autokanonenbeschuss einzudecken.« Es schüttelte ungläubig seinen Kopf. »Coyote – welch ein starrsinniges Volk.«
»Aff, das sind sie in der Tat«, erwiderte Remagen. Und für diese Starrsinnigkeit werden sie heute bezahlen.
DREISSIG MINUTEN SPÄTER
Remagens BattleMech kippte fast hintenüber, als ein weiterer Treffer aus einer Extremreichweiten-PPK in die Brust seines Sentinel einschlug, wo er Panzerung wegbrannte und die Umhüllung des Fusionsreaktors arg versengte. Hitze fuhr durch sein Cockpit, während er strauchelte und sich wieder aufrichtete.
Wie ist so etwas möglich? Er war getäuscht worden. Das war die einzig mögliche Erklärung.
»Mein Ziel bewegt sich schnell entlang unserer Flanke«, rief Kynell, wobei man im Hintergrund der Übertragung das Wummern seiner Autokanone hören konnte. »Wo sind diese Kurzstreckenraketen hin, von denen Ihr gesprochen habt? Ich werde hier mit PPK-Schüssen und Langstreckenraketen beharkt!« Das Kommunikationssystem stotterte und knisterte wegen des Treffers einer Partikelprojektorkanone.
Drei Langstreckenraketen explodierten an Remagens rechter Seite und rissen dort wertvolle Panzerplatten weg. Während er in einen Lauf verfiel, gelang es ihm, seine Autokanone aus der Hüfte heraus auf Commander Corrigans Coyotl abzufeuern, traf ihn auch mit ein paar Granaten, was jedoch nicht einmal annähernd ausreichte. Warum kann er noch schießen? Wo hat er all diese Feuerkraft her?
Als er den langen Hügelrücken entlanglief, bekam er noch einen Treffer aus einer Extremreichweiten-PPK ab, der seinen rechten Arm abschmolz und sich tief in den Mech hineinbrannte. Der Gyro bekam einen heftigen Schlag ab und er kämpfte gegen ein plötzliches Schlingern zur Seite an. Remagens Sentinel geriet ins Stolpern und schlug hart auf, wobei die Panzerung protestierend ächzte. Er versuchte, wieder auf die Beine zu kommen, doch eine weitere Salve Langstreckenraketen stieg im hohen Bogen empor und fuhr auf ihn nieder. Der Reaktor wurde dabei dermaßen in Mitleidenschaft gezogen, dass er in den Automatikmodus wechselte und sich abschaltete.
»Es hat mich erwischt«, funkte er und suchte auf der taktischen Anzeige nach Kynell, konnte ihn jedoch nirgendwo entdecken.
»Mich ebenso«, antwortete eine angestrengt klingende Stimme. »Es kann sein, dass ich Unterstützung beim Verlassen meines Cockpits benötige.«
Betrug, Ehrlosigkeit … Nur sie kamen als Ursachen für seine Niederlage infrage. »Nun denn. Ich werde die Coyoten davon in Kenntnis setzen, dass sie uns besiegt haben … und ich möchte mich mit ihnen treffen, um ihrer Schändlichkeit auf den Grund zu gehen.«
ZWANZIG MINUTEN SPÄTER
Das identische Paar BattleMechs des Clans Coyote wies ein paar Beschädigungen auf, aber nicht annähernd in dem Ausmaß, das Sterncolonel Remagen erlitten hatte. Im ersten Augenblick hatte er gedacht, dass es sich um gänzlich andere BattleMechs handeln musste. Torso und Arme sahen komplett verwandelt aus, mit den tödlichen Raketen und ER-PPK ausgestattet, denen er zum Opfer gefallen war. Die Schäden, die sie erlitten hatten, waren minimal … und dann auch noch diese Geschwindigkeit.
»Ihr habt gut gekämpft, Sterncolonel«, sagte Sterncommander Corrigan, als er von seinem Coyotl aus auf ihn zuging.
»Und Sie haben ohne Ehre gekämpft«, erwiderte Remagen.
»Nichts in der Art habe ich getan.«
»Dies ist nicht derselbe BattleMech, mit dem ich Sie gestern gesehen habe.« Er deutete auf den Coyotl, als würde es sich um einen personifizierten Schandfleck auf seiner Ehre handeln.
»Ich versichere Euch, es ist derselbe Mech.«
»Wo sind dann Ihre KSR, Ihr schwerer Impulslaser, oder Ihre Sprungdüsen? Kein technischer Trupp könnte Hardware dieser Art in solch kurzer Zeit austauschen. Und falls er es doch bewerkstelligt hätte, würden Sie es bei der Zielerfassung mit Balanceproblemen zu tun bekommen. Diesen Sieg haben Sie allein einer Täuschung zu verdanken, und somit ist das Ergebnis auch null und nichtig.«
Seine Worte bewirkten, dass sich Corrigans Gesichtsausdruck verhärtete. »Achtet auf das, was Ihr sagt, Sterncolonel. Ihr zwingt mich dazu, Eure Anschuldigungen als die Worte eines ignoranten Kriegers aufzufassen. Dies ist derselbe BattleMech. Schaut euch das Farbschema an, die Kennzahl am Torso, es ist alles vollkommen identisch, bis auf eure belanglosen Raketenschäden.«
Remagen schaute sich den Mech tatsächlich genau an, war aber sichtlich verwirrt, was Corrigans Vergnügen nur noch vergrößerte. »Wie ist so etwas möglich?«
»Wie wir unsere Waffen austauschen und unsere Omnis rekonfigurieren, bleibt unser Geheimnis.«
Remagen schüttelte den Kopf. »Eine solche Technologie existiert nicht. BattleMechs sind seit Jahrhunderten unverändert geblieben. Wir haben Waffen verbessert, aff, jedoch nicht die Mechs selbst. Ein Schnellaustausch von dermaßen viel Hardware kann nicht bewerkstelligt werden.«
»Bis jetzt«, sagte Corrigan mit einem breiter werdenden Grinsen. »Die Umstände haben sich geändert. Ebenso wie Euer Besitzrecht an Barghausen. Wie es Nicholas Kerensky bereits vorhersah, erzeugen wir nicht nur die besseren Krieger, nein, Clan Coyote hat jetzt auch eine bessere Kriegsmaschine hervorgebracht.«
Er hielt inne, um dabei zuzusehen, wie seinem geschlagenen Gegner die Wahrheit dämmerte. Das war noch besser, als einen Sieg vom Cockpit aus zu erleben, weil er nun von Angesicht zu Angesicht die Scham und die Niederlage im Gesicht des Sterncolonels mit ansehen konnte.
»Wir beanspruchen Eure beiden obsoleten BattleMechs als Isorla. Ihr habt sechsundzwanzig Stunden Zeit, um die Stadt zu verlassen. Da keine weiteren Jadefalken-Siedlungen auf Grant’s Station existieren, schlage ich vor, dass Ihr Euch zu dem Raumhafen begebt und Euren Abflug von dieser Welt in die Wege leitet.«
