BattleTech - Steter Tropfen höhlt den Stein - Randal N. Bills - E-Book

BattleTech - Steter Tropfen höhlt den Stein E-Book

Randal N. Bills

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Beschreibung

DAS STREBEN NACH BATTLEMECHS VERLANGT ALLEN, DIE IHM NACHGEHEN, EINEN PREIS AB … Der BattleMech. König des Schlachtfelds. Bewundert, gefürchtet, begehrt. Aus der Angst heraus, bei dem Rüstungswettlauf mit den anderen Großen Häusern den Anschluss zu verlieren, ist das Draconis-Kombinat zu allem – wirklich allem – bereit, um diese furchteinflößende Technologie zu erlangen. Selbst dazu, seine treuesten Anhänger mit den Jahrzehnte währenden Bemühungen in nutzlose Hüllen zu verwandeln, um die Informationen zu ergattern, die der Drache so verzweifelt braucht. Zwei Brüder. Der eine Geheimdienstanalyst und Undercover-Agent, der andere Anführer einer Kommandoeinheit des Kombinats. Beide mit demselben Ziel – der Beschaffung der BattleMech-Pläne – doch mit sehr unterschiedlichen Vorstellungen davon, wie dieses Ziel zu erreichen ist. Jedoch wird nur einer überleben und den Sieg davontragen – oder werden die Machenschaften des Drachen sie beide zerstören?

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Seitenzahl: 86

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Titel

Randall N. Bills

Steter Tropfen höhlt den Stein

Proliferationszyklus IV

Impressum

Yellow King Productions

Titelbild: Catalyst Game LabsRedaktion: Mario WeißÜbersetzer: Hartwig Nieder-GasselKorrektorat und Lektorat: Mario Weiß, Michael Sellmeier, Christopher Denis, Thomas Doblinger Layout: Michael Mingers

©2026 The Topps Company, Inc. All rights reserved. Classic BattleTech, BattleTech, BattleMech and ’Mech are registered trademarks and/or trademarks of The Topps Company Inc. in the United States and/or other countries. Catalyst Game Labs and the Catalyst Game Labs logo are trademarks of InMediaRes Productions, LLC.

Deutsche Ausgabe Yellow King Productions, Neuöd - Gewerbepark 12a, D-92278 Illschwang unter Lizenz von INMEDIARES PRODUCTIONS, LLC., also doing business as CATALYST GAME LABS.

Alle Rechte vorbehalten. Der Nachdruck, auch auszugsweise, die Verarbeitung und die Verbreitung des Werkes in jedweder Form, insbesondere zu Zwecken der Vervielfältigung auf fotomechanischem, digitalem oder sonstigem Weg sowie die Nutzung im Internet dürfen nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlags erfolgen.

Produkt-Nr.: YKBT025E-Book-ISBN: 978-3-96331-864-1

1

ROLIN FIELDS, PROVINZ TANADA

OSHIKA, PRÄFEKTUR OSHIKA

MILITÄRDISTRIKT GALEDON

DRACONIS-KOMBINAT

17. DEZEMBER 2415

»Aber warum? Warum musst du fort, Ito?«, versuchte es Takeda. Er versuchte es wirklich. Aber klang dabei immer wie Iza, und das wusste er auch; kleine Schwestern waren noch viel nerviger als große Brüder.

Ich bin kein Kind mehr!

Er stampfte mehrere Male auf, versuchte, warm zu werden. Versuchte, eine passende Erwiderung zu finden, während sie bei totaler Dunkelheit unterwegs zu den Goji-Ställen waren. Nur der Schein der Taschenlampe seines Bruders, der mitten in der Nacht von dem dicht fallenden Schnee beinahe erstickt wurde, leuchtete ihnen den Weg.

Normalerweise waren die weit offenen, nahezu baumlosen, rollenden Hügel Takedas einziger Quell der Freude. Eine leere Leinwand für die rauen Pinselstriche einer verzweifelnden Fantasie. Ob während der Hundstage im Sommer bei brutaler Hitze oder in der Eiseskälte des Winters: Die Lande wurden zu einer Vielzahl fremder Planeten. Unmengen von Soldaten der Vereinigten Sonnen, die über die Grenze geschwärmt kamen. Takeda war bereit und willens, die Heimat mit einem Lasergewehr in der Hand zu verteidigen. Jetzt allerdings war sie in Schnee und Dunkelheit gehüllt und vermittelte ihm den Eindruck, auf einer Insel zu stehen, auf der nichts anderes existierte. Er zitterte. Gab der Kälte die Schuld daran.

»Weil ich muss, kleiner Bruder.«

Takeda schüttelte seinen Kopf, als bei den Worten des Bruders Ärger in ihm aufstieg. »Ich bin nicht klein.«

»Du bist gerade mal zwölf.«

»Fast dreizehn!«

»Richtig, fast dreizehn.«

Takeda hielt inne und knurrte wegen des Tonfalls, den sein Bruder angeschlagen hatte, machte sich zu einem Kampf bereit. Doch Ito dachte gar nicht daran, ihm diesen Gefallen zu tun, sondern ging einfach weiter. Takeda stampfte stärker im Schnee auf, schlug die dicken, abgetragenen Wollhandschuhe gegeneinander; er hatte schon wieder vergessen, seiner Mutter zu sagen, dass sie gestopft werden mussten. Es schien so, als wäre das Wenige an Wärme, mit dem er zu dem kurzen Gang vom Haus aus aufgebrochen war, zusammen mit dem Licht verschwunden.

Als er sich umsah, verdichtete sich die Dunkelheit mit der sich entfernenden Taschenlampe und das Gefühl des Nichts erstickte ihn unvermittelt. Er begann zu keuchen. Takeda lief weiter, schloss zu Ito auf, gerade, als sie bei der kleinen Scheune, in der sich auch der Stall befand, ankamen. Seine Zähne begannen zu klappern.

»Willst du mich hier zum Erfrieren im Schnee zurücklassen? Genauso wie du vom Hof abhaust?«

Ito gab keine Antwort, klemmte sich aber die Taschenlampe unter den Arm. Er lehnte sich schwer gegen das Tor, um es ein wenig aus dem Loch im Boden zu heben. Als er dann seitlich voran in die Scheune hineinglitt, sah er wie ein Rauch in die Nachtluft blasender Gnom aus, der gekommen war, um ein oder zwei Gojis zu stehlen. Das zumindest hatte ihm Ito immer erzählt. Aber er wusste, dass es eine Lüge war.

Es war alles eine Lüge.

»Bruder«, erwiderte Ito schließlich, ohne sich umzudrehen. »Ich habe dich dort zurückgelassen, weil du langsam warst. Du weißt ganz genau, dass wir jetzt nach dem Stromausfall den Generator anstellen müssen, sonst sterben die Gojis.«

»Schon gut, ich bin ja nicht blöd.« Takeda trampelte durch den schmalen Einlass und blieb dann

stehen, die Arme vor seinem sorgfältig geflickten Mantel verschränkt, während Ito das Tor zuschob. Die Scheune erschien ihm jetzt noch dunkler, wenn das überhaupt möglich war. Die zirpenden Geräusche der kniehohen Insektoiden bescherten ihm jedes Mal eine Gänsehaut, aber er würde der Angst niemals nachgeben. Niemals.

Sie gingen durch die sich rasch abkühlende Luft zur hinteren Kammer, bahnten sich dabei einen Weg durch die fremdartigen Gojis. Es spielte keine Rolle, dass nur arme Leute diese Art von Fleisch aßen. Es war ganz einfach das, was ihre Familie Jahr für Jahr gezüchtet hatte.

Die Worte seines Vaters kamen ihm in den Sinn: »Wenn die Aufzucht von Gojis für Großvater gut genug gewesen ist, dann ist es das auch für mich. Und für dich.«

Zum Teufel mit dir, Vater. Und mit dir auch, Ito. Ich will nicht mehr arm sein. Und ich hasse Gojis. Und ihr lasst mich hier verrotten und seit Vaters Sturz alle Arbeit allein machen.

Ito betrat den Raum als Erster und steckte die Taschenlampe in ein Astloch der Bretterwand, welche den Hauptstall vom Generatorraum trennte. Er trat vor den uralten Schrotthaufen und begann, die Maschine von Hand vorzuglühen.

Takeda stapfte in den Raum, wobei er den Goji-Dung an seinen Stiefeln ignorierte. Ebenfalls ignorierte er auch den entsetzlichen Gestank, der einen Hund auf hundert Meter Entfernung umbringen konnte, presste seinen Rücken an die Wand, als ob er die gesamte Scheune abstützen wollte. Mach du nur die ganze Arbeit allein. Bescheuerter Ito. Bescheuerte Scheune. Bescheuerter Bauernhof!

Lange Minuten verstrichen. Die sanften Geräusche der Ansaugvorrichtung konnten das Klicken unzähliger Beine an Außenskeletten nicht übertönen. Takeda hätte sich am liebsten die Ohren abgerissen.

Ito hielt schließlich inne und schaute auf, das Gesicht fast gänzlich von langen Schatten verhüllt. »Bruder? Was ist mit dir?«

»Gar nichts.«

»Schon klar, deshalb schmollst du ja auch in der Ecke.«

»Ich schmolle nicht.«

»Doch, das tust du sehr wohl.«

Er dachte daran zu fluchen und an hundert andere Dinge. Aber das würde nichts ändern. Sein großer Bruder gewann immer. Jedes Mal. Und jetzt würde er schon wieder gewinnen. »Du beantwortest einfach nicht meine Frage«, sagte er und spuckte auf den Boden. Da.

Itos Schultern sackten herab, als ob sich plötzlich eine zusätzliche Last auf seinen Rücken gelegt hätte. »Takeda. Das habe ich sehr wohl, aber du hörst nicht zu. Du willst mir nicht glauben. Ich muss fortgehen. Dieser Winter ist so schlimm wie noch nie. Mama sagt, es wird nur noch schlimmer werden, und nicht besser. Sie kann es fühlen. Und ich bin einfach nur ein zusätzlicher Mund, der gefüttert werden muss. Ich muss gehen, Taki.«

»Nenn mich nicht so. Taki ist ein Name für Kinder.«

Ito richtete sich auf, sodass sein Gesicht vollständig im Schatten verschwand, bevor er langsam auf ihn zukam und in die Hocke ging, bis sie auf gleicher Höhe miteinander waren. Obwohl sein Kopf von hinten beschienen wurde, konnte Takeda das Gesicht seines Bruders ausmachen: das kurz geschnittene schwarze Haar, kleiner Mund und kleine Nase, aber leicht auseinanderstehende braune Augen. So ernst, wie Itos Miene immerzu war, brachte sie Takedas Augen zum Brennen, was ihn nur noch zorniger machte. Ich werde nicht weinen. Du wirst mich nicht dazu bringen. Ich bin kein kleines Kind mehr!

»Hier würde ich nichts tun können, als uns allen beim Verhungern zuzusehen. Aber ich kann etwas anderes machen. Eines Tages wirst du das verstehen, Taki … Takeda.« Er schloss mit einem Nicken ab, als würde er endlich akzeptieren, dass Takeda am Ende doch dabei war, erwachsen zu werden. »Du kannst dich ärgern, so viel du willst. Aber nicht über Mama und Papa. Sie haben keine Schuld. Überhaupt niemand hat Schuld. Wir müssen einfach mit dem zurechtkommen, was wir haben.«

Ich werde nicht weinen! Aber das Brennen wollte einfach nicht verschwinden und Takeda blinzelte wiederholt. Sein Bruder wandte sich ein wenig ab. War das eine Träne? War das eine -

»Takeda, versprich mir etwas.«

Er wollte seinem Bruder überhaupt gar nichts versprechen. Aber auf diesem stinkenden Bauernhof, in diesem Drecksloch von Scheune – eine Scheune, um die er sich jetzt jahrelang kümmern würde – behandelte ihn sein Bruder endlich nicht mehr nur wie den kleinen Taki. Deshalb antwortete er. »Was?«

»Was auch immer geschieht, vergiss die Familie nicht.«

Als Ito sich ihm wieder zuwandte, blickte er seinem Bruder in die Augen. Einen Moment lang meinte er, trotz der Dunkelheit eine abgrundtiefe Traurigkeit in ihnen zu erkennen. »Vergiss mich nicht«, schienen sie zu sagen. Takeda atmete tief durch, nahm den Gestank, die Kälte und den Zorn darüber, verlassen zu werden, in sich auf und nickte schließlich.

Ito nickte zurück und fuhr dann damit fort, gegen das Stromaggregat zu hämmern und es zu drangsalieren.

Ich werde nicht vergessen.

Doch trotz dessen, was sie gerade miteinander geteilt hatten, konnte er nicht sagen, was er nicht vergessen würde: die Freundschaft, die sie für einen Augenblick miteinander verbunden hatte, oder das Gefühl eines langen, sehr langen, kalten Weges, der sich vor ihm erstreckte. Ein Weg, den er alleine gehen würde. Aber nicht für immer, Ito. Ich werde etwas aus mir machen. Ich werde auch fortgehen. Warts nur ab.

Beim heiseren Aufbrüllen der Maschine, die nun zum Leben erwacht war, zuckte er zusammen.

FORST D

NEW SAMARKAND, PRÄFEKTUR NEW SAMARKAND

MILITÄRDISTRIKT GALEDON

DRACONIS-KOMBINAT

2. JULI 2426

Das Grauen preschte durch den dunklen Wald, schnell und unbändig: ein tiefes Grollen, das in den Ohren vibrierte, bis man einfach … und gegen den eigenen Willen … aufschreien musste. Rasiermesserscharfe Zähne, die wie weiße Knochensplitter in schwarzem Lehm aufblitzten; eine sich windende, rosafarbene Zunge, gleich einem Blutegel, der blind nach frischem Blut tastete. Purpurrot glühende Augen, nahezu hypnotisch in ihrer übernatürlichen Wildheit; ein fast unsichtbares, dunkles Fell, lediglich eine Andeutung der gewaltigen Muskeln, die in ihrem drängenden, instinktiven Verlangen ein Knochengerüst bis zum Bersten vorantrieben …

Ito Tesuo kämpfte darum, sein laut pochendes Herz zu beruhigen, zu groß war die Gefahr durch die Ablenkung, eine Kleinigkeit zu übersehen, welche vielleicht vermochte, sein Leben zu retten. Doch der urwüchsige Schrecken vor Bestien in der Dunkelheit schlug über seinem Kopf zusammen wie die Schwingen von Geiern, die einen unausweichlichen und grauenvollen, gewaltsamen Tod bereits schmecken konnten.

Er hob den Kopf. Nie hätte er gedacht, dass der Tod in einem solch primitiven Gewand daherkommen könnte.