Befund: Krebs - Udo Brocke - E-Book

Befund: Krebs E-Book

Udo Brocke

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Beschreibung

Diese Aufzeichnungen sollen an die Zeit des ständigen Hoffens und Abschiednehmens von meiner Frau Petra erinnern. Der gesamte Krankheitsverlauf zeigt wie erbarmungslos Krebs ist und wie er einen Menschen in seinem Wesen verändern kann. Das ist so schmerzhaft. Gemeinsam mit meiner Tochter Nadin habe ich Petra ein dreiviertel Jahr auf ihrem schweren Weg begleitet. Als Familie boten wir der Krankheit die Stirn und waren trotzdem so machtlos. Jeder Tag war für Petra geprägt durch den festen Willen wieder gesund zu werden. Petra hatte immer eine positive Einstellung zum Leben und hat gern gelacht. Sie war eine starke und ganz besondere Frau. Trotzdem hat sie den Kampf gegen den Krebs verloren. Wir vermissen sie sehr und werden sie nie vergessen.

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Seitenzahl: 323

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Danksagung

An dieser Stelle möchte ich allen Menschen Danke sagen, die mir und meiner Tochter während des Krankheitsverlaufes und besonders in der Zeit des Abschiednehmens von meiner Frau Petra zur Seite standen und auch noch stehen.

Mein besonderer Dank geht an meine Kollegin Frau Susann Jaksch, die mir geholfen hat dieses Projekt umzusetzen. Ich konnte mir mit dem Buch alles von der Seele schreiben und sie hat meinen Aufzeichnungen einen ordentlichen Rahmen gegeben.

Das war für mich eine unbeschreibliche Hilfe.

Danke

Inhaltsverzeichnis

Ein erster Rückblick

5. August 2020 – Mittwoch

6. August 2020 – Donnerstag

7. August 2020 – Freitag

8. August 2020 – Sonnabend

11. August 2020 – Dienstag

18. August 202 – Dienstag

19. August 2020 – Mittwoch

20. August 2020 – Donnerstag

26. August 2020 - Mittwoch

27. August 2020 – Donnerstag

28. August 2020 – Freitag

1. September 2020 - Dienstag

4. September 2020 – Freitag

16. September 2020 - Mittwoch

18. September 2020 – Freitag

19. September 2020 - Sonnabend

20. September 2020 - Sonntag

22. September 2020 – Dienstag

23. September 2020 – Mittwoch

25. September 2020 – Freitag

27. September 2020 – Sonntag

5. Oktober 2020 – Montag

6. Oktober 2020 - Dienstag

7. Oktober 2020 – Mittwoch

8. Oktober 2020 – Donnerstag

9. Oktober 20220 – Freitag

10. Oktober 2020 – Sonnabend

11. Oktober 2020 - Sonntag

28. Oktober 2020 – Mittwoch

30. Oktober 2020 – Donnerstag

2. November 2020 – Montag

19. November 2021 – Donnerstag

22. November 2020 – Sonntag

23. November 2020 - Montag

27. November 2020 – Freitag

29. November 2020 – Sonntag

3. Dezember 2020 – Donnerstag

5. Dezember 2020 – Sonnabend

7. Dezember 202 - Montag

10. Dezember 2020 – Mittwoch

12. Dezember 2020 – Freitag

15. Dezember 2020 – Dienstag

16. Dezember 2020 - Mittwoch

24. Dezember 2020 – Donnerstag

4. Januar 2021 – Montag

5. Januar 2021 – Dienstag

Januar 2021 - Mittwoch

15. Januar 2021 - Freitag

16. Januar 2021 – Sonnabend

18. Januar 2021

21. Januar 2021 – Donnerstag

25. Januar 2021 - Montag

26. Januar 2021 – Dienstag

28. Januar 2021 – Donnerstag

29. Januar 2021 – Freitag

30. Januar 2021 – Sonnabend

4. Februar 2021 – Donnerstag

7. Februar 2021 - Sonntag

12. Februar 2021 - Freitag

14. Februar 2021

16. Februar 202 - Dienstag

18. Februar 2021 – Donnerstag

24. Februar 2021 – Mittwoch

3. März 2021 – Mittwoch

4. März 2021 - Donnerstag

9. März 2021 – Dienstag

17. März 2021 - Mittwoch

20. März 2021

25. März 2021

26. März 2021 – Freitag

31. März 2021 - Mittwoch

2. April 2021 – Freitag

4. April 2021 – Sonntag

7. April 2021 – Mittwoch

April 2021 – Donnerstag

10. April 2021 – Sonnabend

14. April 2021 - Mittwoch

21. April 2021 - Mittwoch

22. April 2021 – Donnerstag

27. April 2021 – Dienstag

3. Mai 2021 – Montag

5. Mai 2021 – Mittwoch

7. Mai 2021 – Freitag

8. Mai 2021 - Sonnabend

9. Mai 2021 - Sonntag

10. Mai 2021 – Montag

11. Mai 2021 – Dienstag

13. Mai 2021 – Donnerstag

15. Mai 2021 – Sonnabend

16. Mai 2021 – Sonntag

17. Mai 2021 – Montag

18. Mai 2021 – Dienstag

20. Mai 2021 - Donnerstag

21. Mai 2021 – Freitag

22. Mai 2021 – Sonnabend

23. Mai 2021 – Sonntag

24. Mai 2021 – Montag

25. Mail 2021 – Dienstag

26. Mai 2021 – Mittwoch

27. Mai 2021 - Donnerstag

28. Mai 2021 – Freitag

29. Mai 2021 – Sonnabend

30. Mai 2021 – Sonntag

31. Mai 2021 – Montag

1. Juni 2021 – Dienstag

5. Juni 2021 - Sonnabend

12. Juni 2021 - Sonnabend

14. Juni 2021 - Montag

15. Juni 2021 – Dienstag

20. Juli 2021 – Dienstag

Ein erster Rückblick

So vergehen die Jahre.

Ich widme diese Aufzeichnungen meiner Frau Petra mit welcher ich viele Jahre glücklich verheiratet war und die nach den vielen Schmerzen und Strapazen durch diese heimtückische Krankheit „Krebs“ für immer eingeschlafen ist. Sie hat endlich ihren inneren Frieden gefunden und ich bin mit meiner Tochter Nadin beruhigt, dass sie nicht mehr so leiden muss.

Wir haben beide ihren gesamten Krankheitsverlauf oder besser gesagt Leidensweg miterlebt. Jeden Tag, Woche für Woche und das Ganze ein dreiviertel Jahr.

Es war jeder Tag geprägt von der großen Hoffnung das es ihr besser gehen und sie gesund wird. Wie haben wir uns das gewünscht für sie und auch für uns. Wir wollten einfach nur wieder glücklich sein. Dieser Lungenkrebs bei Petra hat das ganze Dasein unserer kleinen Familie verändert. Es ist alles nicht mehr so, wie es vor dem 18. August 2020 war.

Ich hatte in der Vergangenheit keinen Bezugspunkt zu der Krankheit und habe mich nie damit beschäftigt musste aber im Laufe der Zeit erfahren, dass der Lungenkrebs zu den bösartigsten Krebsformen gehört und hierzulande nach wie vor eine der häufigsten Todesursachen ist. Über den Lungenkrebs gibt es viele Abhandlungen, Gutachten, Einschätzungen und Studien. Ich will das alles nicht wiedergeben. Man kann die Details auch im Internet nachlesen.

Viele wissen nicht, dass der Lungenkrebs am häufigsten in den Bronchien entsteht. Man spricht deshalb auch vom Bronchialkarzinom. Auch das habe ich erfahren. Laut Krebsregister des Robert-Koch-Instituts erkranken jedes Jahr in Deutschland etwa 50.000 Menschen an Lungenkrebs. Er ist bei Männern die zweithäufigste Krebserkrankung nach dem Prostatakrebs und bei Frauen die Dritthäufigste. Lungenkrebs tritt überwiegend nach dem 40sten Lebensjahr auf und die Häufigkeit steigt mit zunehmendem Alter weiter an. Im Durchschnitt sind Betroffene etwa 70 Jahre alt. Seit Ende der achtziger Jahre geht die Zahl der Neuerkrankungen bei den Männern kontinuierlich zurück, gleichzeitig steigt sie bei den Frauen jedoch immer schneller an. Zu den eigentlichen Ursachen kann man noch nichts sagen, aber ein wesentlicher Faktor ist das Rauchen.

Lungenkrebs verursacht praktisch keine Frühsymptome und wird dadurch oft sehr spät entdeckt. Erste Anzeichen können ein über mehrere Wochen anhaltender Husten, Kurzatmigkeit oder Brustschmerzen sein, doch diese Symptome treten auch bei vielen anderen Krankheiten auf. Insofern denkt dabei verständlicherweise kaum jemand als erstes an eine Krebserkrankung. Um diese ganze Thematik zu begreifen, muss man sich mit dieser verhassten Krankheit auseinandersetzen. Einfach zur Erklärung, unter dem Begriff Lungenkrebs, auch Bronchialkarzinom versteht man im Allgemeinen eine Krebserkrankung des Lungengewebes. Das bedeutet, dass sich defekte Lungenzellen unkontrolliert vermehren und so Tumore entstehen.

Von diesen können sich wiederum einzelne Zellen ablösen und durch die Blutbahn in andere Organe gelangen. Dort bilden die Tumorzellen neue Tochtergeschwülste, die sogenannten Metastasen. Kleinzellige Lungenkarzinome unterscheiden sich von nichtkleinzelligen Lungenkarzinomen nicht nur in ihrer feingeweblichen Struktur, sondern auch im Wachstums- und Ausbreitungsverhalten.

Das kleinzellige Lungenkarzinom wächst sehr schnell und breitet sich rasch über den Blutweg und die Lymphbahnen in Lymphknoten, Lunge, Skelett, Knochenmark, Leber und Gehirn aus. Die nicht-kleinzelligen Lungenkarzinome wachsen und metastasieren deutlich langsamer. Vor allem bei spät entdeckten Lungentumoren kann es nach der Krebsbehandlung im Laufe der folgenden Jahre zu einem Rückfall kommen. Der Tumor tritt dann erneut in der Lunge oder auch in anderen Körperregionen auf. Fünf Jahre nach der Diagnose Lungenkrebs leben noch 15 Prozent der männlichen Patienten und 21 Prozent der weiblichen.

Das ist eigentlich erschreckend, wenn man das alles liest. Diese Krankheit ist ein täglicher Kampf ums Überleben. Heute kann ich sagen das wir als kleine Familie jedes Stadium der Krebserkrankung bei Petra mitgemacht haben. Wir haben uns mit ihr gefreut, wenn sie das Gefühl hatte kleine Fortschritte gemacht zu haben und wir haben mit ihr gelitten, wenn es ihr schlechter ging als am Vortag.

Diese ganzen Höhen und Tiefen, aber im Grunde genommen ging es seit der Diagnose eigentlich nur abwärts. Man konnte täglich feststellen das sich der Gesundheitszustand verschlechterte. Das Schlimme daran war, dass man ihr nicht helfen konnte und eigentlich zusehen musste, wie sich der Krebs in ihrem Körper weiter ausbreitet, bis er schließlich zum Tod führte. Ich stelle mir immer wieder die Frage: „Was hätten wir anderes machen sollen oder können?“

Alles, was jetzt auf dem Papier kommt ist ein Spiegelbild meiner Wahrnehmungen, Feststellungen und persönlichen Veränderungen im Verlauf von rund neun Monaten, also von August 2020 bis Mai 2021. Es ist auch ein tiefer Einblick in die Privatsphäre unseres Familienlebens. Das ist der Tatsache geschuldet, dass man durch die Aufzeichnungen nicht nur die Auswirkungen der Krankheit besser versteht, sondern auch die Menschen, welche sich im unmittelbaren Umfeld bewegen. Denn sie stehen unter einem ständigen Druck alles zu tun damit es der Mutter und Ehefrau besser geht und die Schmerzen gelindert werden und sie auf der anderen Seite oft nicht selbst Wissen wie es weitergehen soll. Ein tägliches und ständiges Wechselbad der Gefühle. Man kommt stellenweise mit sich selbst nicht mehr klar.

Ich habe die Zeit der Krankheit sehr intensiv und bewusst gelebt und auch über viele Situationen aus unserem gemeinsamen Leben nachgedacht. Die Herausforderung für mich bestand darin, mich in jeder neuen, auch noch so kleinen Situation schnell und entsprechend anzupassen und auch umzustellen. Das kannte ich nicht.

Auf der einen Seite hatte ich meine Frau mit ihrer Krankheit und auf der anderen Seite bin ich tagtäglich meinem Job nachgegangen, der meinen vollen Einsatz erforderte. Meine Kunden forderten von mir jeden Tag eine positive Einstellung und volle Einsatzbereitschaft. Das alles unter einen Hut zu bringen war nicht immer einfach und brachte mich teilweise oft an meine Leistungsgrenze was aber keiner mitbekommen sollte, um nicht das ganze Arbeitsklima zu stören. Was auch schlimm war, dass unsere gemeinsame Tochter Nadin, die seit vielen Jahren in Spanien lebt nicht durchgängig in Deutschland sein konnte. Durch die staatlichen Festlegungen im Zusammenhang mit der Corona-Krise konnte sie nicht so ohne weiteres nach Deutschland kommen und dann wieder zurückfliegen.

Ich glaube sie hat am meisten darunter gelitten, dass sie nicht während dieser schweren Zeit bei ihrer Mutti sein und ihre Wärme spüren konnte. Denn ein liebevolles Tochter-Mutter-Verhältnis ist das schönste was es gibt. Wie oft haben wir abends telefoniert, sie hat sich nach dem Zustand der Mutti erkundigt und meistens hat sie nur noch geweint, wenn ich ihr berichtete, wie es der Mutti geht.

An jeder kleinen positiven Veränderung hat sie sich festgehalten wie an einem Strohhalm, auch wenn ihr bewusst war, dass es nur eine Momentaufnahme ist und sich insgesamt zum positiven wahrscheinlich nichts ändern wird. Sie ahnte, dass es nur der Anfang ist und alles noch schlimmer werden wird.

Das tat mir so weh, dass mir oft die Tränen gekommen sind. Diese Hilflosigkeit, in jeder Beziehung. Ich konnte nichts machen. Vielleicht stellt sich auch jemand die Frage, warum ich das alles aufschreibe. Für mich ist es eine Möglichkeit alles und vor allem den Verlust meiner Frau zu verarbeiten. In der Vergangenheit hat es immer wieder Freunde und uns nahestehende Menschen gegeben, die sich anboten mit mir zu reden, wenn ich jemanden brauche oder mir danach ist. Das war lieb und teilweise auch herzzerreißend, diese Fürsorge.

Ich gehe aber diesen Weg des Aufschreibens, um das Geschehene transparent und auch nachvollziehbar zu machen. Denn eins ist klar: Es kann heutzutage jeden erwischen. Auch wenn keiner daran denkt. Diese heimtückische Krankheit Krebs kann zu jeder Zeit und überall bei jedem im Körper auftreten.

Ich will mit meinen Aufzeichnungen keine Ratschläge geben. Das ist nicht mein Anliegen. Ich will mir alles mehr oder weniger von der Seele reden bzw. schreiben. Deswegen kann es beim Lesen möglicherweise doch den einen oder anderen Moment geben, in dem sich was wiederholt oder der nicht umfassend dargestellt wird. Das ist einfach der Tatsache geschuldet, dass die Eindrücke zu umfangreich waren und die ganze Entwicklung im Krankheitsverlauf zu schnell ging. Ich schreibe wie ich das Geschehene gefühlt und erlebt habe, ohne dass alles in eine Form oder Raster zu bringen. Deswegen möchte man mir nachsehen, wenn der eine oder andere grammatische und auch ausdruckstechnische Fehler auftritt. Das ist so nicht gewollt, ist aber auch nicht der Schwerpunkt meiner Bemühungen gewesen.

Der ganze Krankheitsverlauf von Petra ist aus Notizen und Erinnerungen zusammengefügt, um die einzelnen Etappen und Entwicklungsstufen nachzuvollziehen. Aus diesem Grund springt auch die Darstellung meiner Erlebnisse manchmal aus der Vergangenheit in die Gegenwart oder umgekehrt. Dafür bitte ich um Entschuldigung. Es sind mir viele Gedanken gekommen, wie ich mein zukünftiges Leben gestalten werde. Fakt ist eins: Ich habe durch die Krankheit von Petra eine vollkommen andere Sichtweise und auch Einstellung zu verschieden Dinge bekommen. Mit so einer Krankheit verändern sich von heute auf morgen die Schwerpunkte im Leben. Was gestern noch wichtig war wird heute vollkommen nebensächlich. Es gibt nur noch ein Wort um was sich alles im Leben dreht und das ist das Wort „Gesundheit“. Das wurde mir immer bewusster. Für Petra war es der größte Wunsch. Immer wieder sagte sie mir, dass sie sich so sehr wünscht wieder gesund zu werden. Sie wird auch alles dafür tun, bloß zu diesem Zeitpunkt war ihr sicher noch nicht bewusst, dass es eigentlich kein zurück, in die alten Zeiten geben wird.

Jeder Tag war bei ihr erfüllt mit einer großen Hoffnung, dass sich alles zum Guten wenden wird. Sie glaubte fest daran. Sie tat mir immer wieder unendlich leid und manchmal hatte ich schon morgens bei ihrem Anblick Tränen in den Augen, weil langsam sichtbar wurde, dass sie diesen Kampf schon verloren hatte. Sie träumte oft von unseren gemeinsamen Plänen.

Wir wollten im Juni 2021 nach Mallorca zu Nadin fliegen und zwei Wochen Urlaub machen. Das war ihr großer Traum. Sie freute sich so auf die Zeit nach den ganzen Strapazen mit der Krankheit und was sie alles durchgemacht hatte. Zwei Wochen Sonne und die gemeinsame Zeit mit der Familie und dem Mops „Lotti“ von der Tochter.

Zu dem kleinen Mops hatte sie über die Jahre ein ganz besonderes Verhältnis aufgebaut, weil sie in ihrem Wesen sehr tierlieb war. Geplant hatten wir im September eine Flussschiffsreise von Passau bis Budapest. Anfang 2022 wollten wir dann eine Schiffsreise mit der AIDA in die Karibik machen. Und zum 1. Juni 2022 wollten wir auf Mallorca meinen Rentenbeginn ganz groß feiern. Dann sollten die neuen Pläne für die weitere Rentenzeit geschmiedet werden. Wir hatten viel vor und wollten unseren neuen Lebensabschnitt gemeinsam in vollen Zügen genießen. Schade, daraus ist nun leider nichts geworden.

Geblieben ist von diesen Plänen nichts und es herrscht im Moment nur Traurigkeit und eine große Leere.

Da fällt mir immer wieder der Song von Peter Maffay ein: „Ein Bild kann nicht lachen so wie du…“. Dieses Lied berührt mich unwahrscheinlich und spiegelt meine Stimmungslage wider. Geblieben sind viele Bilder und unzählige Erinnerungen. Die gesamte Krankheit von Petra hat mich auch verändert. Ich achte jetzt mehr auf die kleinen schönen Dinge. Man wird auch irgendwie bescheidener und genügsamer. Warum muss alles groß, umfassender und teuer sein. Auch kleine Dinge machen das Leben schön und lösen Zufriedenheit aus.

Das sind solche Momente, in denen man zurückschaut und sich sagt, dass man für sich selbst auch andere Prioritäten setzen muss.

Im September 2021 hätten wir unseren 41sten Hochzeitstag. Es war uns leider nicht vergönnt diesen Tag gemeinsam zu erleben und zu feiern. Immerhin waren wir ein Leben lang zusammen.

Rückblickend kann ich sagen: “Es waren 40 schöne Jahre!”.

Wir sind gemeinsam durch dick und dünn gegangen. Wir hatten eine sehr schöne und innige Beziehung. Das spiegelt sich auch in dem Verhältnis zu unserer Tochter Nadin wider. Es war immer der Schwerpunkt bei uns beiden, dass Nadin ordentlich erzogen wird und ihren eigenen Weg im Leben findet. Das haben wir geschafft.

Sie lebt seit 19 Jahren in Spanien. Sie hat ihr Leben selbst gestaltet und lebt jetzt schon wie ein echter Spanier, gekennzeichnet durch Ruhe, Sorglosigkeit, dem unendlichen Drang nach Sonne und Freude im Umgang mit anderen Menschen. Sie hat einen Job als Rezeptionistin in einem großen Hotel und das alles macht ihr unwahrscheinlichen Spaß.

Petra und ich, wir sind als Eltern beide stolz, dass sie so eine gute Entwicklung genommen hat und auf eigenen Beinen steht.

In den 40 Jahren unserer gemeinsamen Ehe haben wir beide vieles durchgemacht. Noch zu Ostzeiten geheiratet, nicht viel Geld gehabt, haben wir unsere kleine Familie aufgebaut und jeden Tag alles für ein glückliches Familienleben getan. Humor, Spaß und Lachen stand bei uns dreien immer an erster Stelle. Was haben wir nicht alles für einen Blödsinn gemacht. Alles in allem eine Lebensphilosophie des positiven Denkens. Und war der Ärger und das Problem noch so groß wir haben immer positiv gedacht und über jede Scheiße gelacht. Ich kann mich da an eine Begebenheit erinnern, die in unserer Familie eingeschlagen hat wie eine Bombe. Wir kamen alle drei vom Einkaufen nach Hause und da war eine Werbung mit einer Ausschreibung im Briefkasten. Irgendeine Frage sollten wir beantworten und konnten 5.000 Mark gewinnen. Es ging um das Chemnitz Center in Chemnitz. Wahrscheinlich hatte jemand keine Lust diese Flyer weiter zu verteilen und legte einfach einen Stapel vor die Haustür.

Nadin und ich sahen die Flyer und waren spontan der Meinung das wir uns die 5.000 Mark holen. Wir haben rund 100 Flyer ausgefüllt und in den Briefkasten der Post geschmissen. Die Aktion hat uns einfach als kleine Teamleistung Spaß gemacht und wir waren fest davon überzeugt, dass wir das Geld gewinnen. Wie hat Petra über unsere Naivität gelacht.

Sie konnte sich tagelang gar nicht mehr einholen und glaubte nicht an das Sprichwort “Wer zuletzt lacht der lacht am besten”. Wir haben die ganze Aktion dann aus den Augen verloren.

Nach vier Wochen hat uns die Centerleitung angerufen und mitgeteilt, dass wir den ersten Preis, also die 5.000 Mark gewonnen haben. Petra ist förmlich das Gesicht eingeschlafen und wir haben nur gesagt, dass wir uns sicher waren den Gewinn zu holen.

Das war eine geile Sache, die Übergabe des Gewinns. Mensch waren wir stolz über so einen Haufen Kohle. Das erste was wir uns da gleich im Media Markt im Chemnitz Center gekauft haben, war ein großer Fernseher. Immerhin war das kurz nach der Wende und dann so einen Haufen Westgeld. Wir freuten uns über so viel Glück.

Über solche Sachen hat Petra gestaunt und war eigentlich immer nur überrascht was wir uns haben so einfallen lassen. In solchen Sachen war sie eher zurückhaltend. Das war aber dann schon in den neunziger Jahren. Vorher hatten wir eigentlich ein gut behütetes Leben in der DDR.

Uns ging es insgesamt nicht schlecht. Wir waren normale Durchschnittsbürger. Hatten eine kleine schnuckelige Wohnung, die wir mir sehr viel Liebe und dem Geldbeutel entsprechend, eingerichtet haben. Man hatte damals schon ein Haufen Probleme eine Rolle Raufasertapete zu besorgen. Aber wir haben das alles hingekriegt. Auch Nadin brachte ihre Wünsche mit ein.

Für die Einrichtung unserer ersten Wohnung nahmen wir einen Kredit von 15.000 Mark auf. Die Antragstellung bei der Bank dauerte länger als die Ausgabe. Nach einem IKEA Besuch hatten wir von dem Darlehen keinen Louisdor mehr. Das hat genau einen Nachmittag gedauert. Das aber mal nur nebenbei.

Als erster Höhepunkt in den Jahren unserer Ehe kam der Mauerfall. Wir haben das mehr oder weniger, irgendwie anfänglich nur am Rande mitgekriegt. Ein Freund rief mich morgens an und meinte ganz euphorisch, dass gestern Abend die Mauer gefallen ist. Wir haben das zur Kenntnis genommen und glaubten es nicht so richtig. Den ganzen Tag haben wir in die Röhre geguckt, um uns eine entsprechende Bestätigung zu holen. Das ganze Ausmaß und die geschichtliche Tragweite, wurde uns erst später so richtig bewusst. Dann ging die Zeiten los als man in den Westen fuhr, um die 100 Mark, die jeder bekam, zu holen.

Ich glaube wir waren zwei oder dreimal im Westen aber immer mit dem Gefühl, dass wir irgendwie Menschen zweiter Klasse sind. Bei einem unserer ersten Besuche im Westen kauften wird Nadin ihre ersten Turnschuhe, die sie sich so gewünscht hatte.

Ich glaube Petra ist damals eigentlich nur in den Westen gefahren, um das Geld zu holen und Nadin die Turnschuhe zu kaufen. Das wollte Petra unbedingt. Da hätte sie auf alles andere verzichtet. Als Mutter war sie einsame Spitze. Ihre Tochter stand immer an vorderster Stelle.

So viel Liebe und Fürsorge, welche sie Nadin zukommen ließ, kann man sich nicht vorstellen. Sie hatten beide immer ein herzliches und inniges Verhältnis. Später war die Mutti für Nadin die beste Freundin. Das setzte sich auch fort als Nadin nach Spanien ging. Die konnten jeden Abend stundenlang über irgendwelche Sachen am Telefon reden. Das war teilweise der helle Wahnsinn.

Für einen Mann vollkommen unverständlich über was man alles und so lange reden kann.

Nachdem wir den Mauerfall so halbwegs gut überstanden hatten, mussten wir uns beruflich neu orientieren. Vor dieser beruflichen Neuorientierung gab es noch ein Ereignis, welches uns viele Jahre begleitete. Nadin kam eines Tages aus der Schule und berichtete, dass das Tierheim „Wiesengrund“ in Ostrau mit Katzen überbelegt ist und wir uns doch eine anschaffen wollen. Man suche händeringend Pflegeeltern.

Petra lehnte das strikt ab und meinte nur, dass ihr so ein Vieh nicht in die Wohnung kommt. Sie drohte, uns alle drei (Nadin, mir und der möglichen Katze), aus der Wohnung zu schmeißen. Nadin und ich sind dann ins Tierheim nach Ostrau gefahren, um überhaupt erst mal die Lage zu eruieren. Zurück sind wir gekommen mit einer kleinen pechschwarzen Katze.

Es hat genau zwei Minuten gedauert. Petra hatte die Katze kurz im Arm und die Beiden waren ein Herz und eine Seele. Auch wenn Petra oft über die Katze geschimpft hat, so hat sie sich doch rührend um das Tier gekümmert. Für „Susi“ so hieß die Katze war Petra immer die Bezugsperson.

Den Stellenwert der Katze in der Familie konnte man bei den Wochenendeinkäufen im Supermarkt genau feststellen. Durch Petra wurde immer gefragt was Nadin will und was wir noch für Susi brauchen. War das geklärt konnten wir gehen. Ich stellte dann zaghaft fest, dass ich noch da bin und auch was zu essen haben möchte. Ich war kein Thema.

So lebte Susi wohlbehütet 18 Jahre bei uns in der Familie. Nadin hat die Katze dann in ihrem Teenageralter nicht mehr interessiert und der Pflegevertrag für das Tier ging dann automatisch an Petra über. Im Jahr 1994 gründete Petra mit ihrer besten Freundin Marion, ausgehend von ihrer gemeinsamen Geschäftsidee, eine Parfümerie. Die Döbelner Stadtparfümerie.

Das Geschäft war ihr ganzer Stolz und in dieser Arbeit blühte sie förmlich auf. Das war nach Nadin ihr zweites Baby.

Die blühenden Landschaften ließen auf sich warten und da war es anfänglich auch mit dem prognostizierten Umsatz nicht so dolle. Aber sie gab unser ganzes Geld mit in das Geschäft, um das zu stabilisieren und um bei der Bank weiter eine Existenzberechtigung zu haben. Im Zuge dieser Geschäftsgründung besuchte sie einen Visagisten Lehrgang von Lancôme.

Ich weiß noch, dass sie drei Wochen zu diesem Lehrgang war. Das erste Mal so richtig lange weg von zuhause und der Familie und dann noch als Lehrgang. Sie hatte seit dem Lehrabschluss nie wieder an einem Lehrgang teilgenommen. Was hatte sie für eine Prüfungsangst. Sie hat alle dort verrückt gemacht. Zum Schluss hat sie die Prüfung mit Bravour bestanden und war stolz wie Bolle.

So bot sie dann mit ihrer Freundin Marion in einer, eigens dafür eingerichteten Kabine, kosmetische Behandlungen an.

Mit der Zeit hatte sie unter den Frauen in Döbeln und auch beim Wettbewerb einen guten Ruf wegen ihrer ordentlichen Arbeit. Sie arbeitete nicht nur ihre Behandlungstermine ab, sie arbeitete mit Leidenschaft und verdammt viel Herzblut. Geld war bei ihr nicht das Thema, auch wenn das dazu gehört. Ihr ging es mehr um zufriedene Kunden. Sie konnte sich zu jeder Zeit in die Wünsche und Vorstellungen ihrer Kunden zu kosmetischen Fragen reinversetzen und hatte nebenbei für alle Probleme ihrer Kundinnen immer ein offenes Ohr.

Als diese Sache so langsam Fahrt aufgenommen hatte kam 2002 die Jahrhundertflut. Über Nacht wurde der ganze Laden zerstört.

Die Wasserstandsmessung im Geschäft betrug 1,98 Meter. Da war nichts mehr zu retten. Schon ging der erneute Kampf gegen oder besser gesagt mit der Bank los. Schließlich bewilligte diese die notwendigen Kredite und es kam zu einem Neuanfang.

Auch an diese ganze Sache ging sie mit sehr viel Optimismus und Leidenschaft. Viele Freunde und Bekannte in Döbeln halfen beim Wiederaufbau. Sie hatte sich auch zwischenzeitlich einen großen Kundenkreis aufgebaut, der schon in ein vertrauliches Verhältnis überging. Was da manchmal im Geschäft los war. Da kamen Kundinnen, die kauften was und anschließend hat man sich stundenlang über persönliche Probleme unterhalten. Da ging es nicht selten um Stunden, in denen man sich austauschte. Da wurde über die privatesten Sachen gesprochen.

Manchmal hatte ich das Gefühl, dass die Stadtparfümerie der Kummerkasten für Frauen aus Döbeln und Umgebung war. Aber es zeugte immer von dem guten Vertrauensverhältnis, was sie zu ihren Kunden hatte. Oft kam sie abends nach Hause und hatte einen Blumenstrauß, Schokolade oder eine Flasche Wein in der Tasche. Das alles hatte sie geschenkt bekommen.

Viele Kunden haben ihr während des gesamten Geschäftslebens die Treue gehalten. Sie hatte sich mit der Zeit einen guten Namen bei Kunden und auch in der Geschäftswelt von Döbeln aufgebaut.

Langsam erholten sie sich betriebswirtschaftlich und blickten optimistisch in die Zukunft. Da kam 2013 die nächste Flut. Auch da rappelten sie sich die Beiden wieder auf und führten mit Leidenschaft ihr Geschäft.

Petra hat die ganze Sache mit der Flut nicht weiter gestört. Sie hat ein wenig „gekotzt“, aber es ging weiter. Schimpfen konnte sie, wenn ihr was nicht gefallen hat. Da konnte sie nicht zurückhalten und es war besser ihr in solchen Momenten aus dem Weg zu gehen.

Es gibt Leute, die haben diesbezüglich mit ihr, bittere Erfahrungen gemacht. Ich denke da nur an die Vermieterin vom Geschäft. Diese Frau geht ihr heute aus dem Weg, denn öfters geführte Wortgefechte und Auseinandersetzungen mit Petra hatte sie immer wieder verloren.

Oder wenn ich da an 2010 zurückdenke an den schweren bewaffneten Raubüberfall in der Parfümerie. Sie war nachmittags gemeinsam mit Nadin im Geschäft. Nadin war auf Urlaub zuhause in Deutschland. Beide machten sich im Laden einen schönen Tag und tauschten sich über Neuigkeiten der Pflege und Düfte aus als zwei Ukrainer in das Geschäft stürmten.

Es war in einem Moment als keine Kunden im Laden waren. Einer hielt Petra eine Pistole an die Schläfe und der andere räumte mehrerer Regale leer und warf alle Flakons in eine große Reisetasche. Sie hatten es auf preisintensive Düfte abgesehen.

Das war zu viel für Petra. Ungeachtet der Gefahr, in welcher sie sich befand, fing sie an laut zu werden, dass sie sich nicht von diesen Arschlöchern beklauen lässt und machte ihrem Herzen lautstark Luft. Als man ihr auch noch die Handtasche mit allen persönlichen Sachen wegnahm war das Maß voll.

Trotz der Pistole, die man ihr immer noch an die Schläfe hielt, fing sie an sich zu wehren. Die ganze Sache wäre beinahe noch eskaliert, weil der Mann mit der Waffe über diese Reaktionen vollkommen verunsichert wurde und nicht mehr wusste was er machen soll. Nur durch das Zureden von Nadin entspannte sich die Situation, weil sie der Mutti sagte, sie soll sich nicht weiter zur Wehr setzen, weil der Idiot dann möglicherweise die Waffe abdrückt. Immerhin waren beide in einer Todesgefahr.

Petra ließ dann ab und diese beiden Verbrecher verließen mit der Beute den Laden. Kaum waren die weg regte sie sich maßlos auf und rief die Polizei an. Sowas hat sie weggesteckt. Obwohl man ihr nach dem Überfall zu einem möglichen Trauma psychologische Hilfe anbot, ist sie am nächsten Tag wieder ganz normal in ihr Geschäft gegangen. Sowas hat sie ohne Probleme weggesteckt.

Petra war ein Mensch, der immer gesund war, aber gern geraucht hat und die Zeit für ein (manchmal auch zwei) Glas Prosecco bot sich immer an. Wichtig war nur das der Prosecco „brut“ also „herb“ war. Unter Freunden hatte sie aufgrund dieser Vorliebe den Spitznamen „Prosecco-Petra“.

Sie hielt sich gern in geselligen Runden auf, ohne dort der Wortführer zu sein. Aber wie gesagt ich kann mich nicht entsinnen, dass sie mal ernsthaft krank war. Eine kleine Grippe hat sie nicht umgehauen. Sie ist trotzdem jeden Tag auf Arbeit und später in ihr Geschäft gegangen.

Sie hatte was gegen Leute, die wegen jeder Kleinigkeit zum Arzt rennen. Da war Durchhalten angesagt und ein paar Hausrezepte reichten, um sich von einer Infektion auszukurieren.

Das war generell bei uns in der Familie so.

Ich würde sie als kerngesunden Menschen einschätzen. Sie hatte auch eine gewisse Abneigung gegen Ärzte. Vertrat sie doch die Meinung, wenn du einmal als gesunder Mensch zum Arzt gehst und hast eine Frage dann gehst du aus der Arztpraxis als kranker Mensch wieder raus. Wenn die dich einmal medizinisch in ihren Fängen halten, kommst du nicht wieder los.

Insgesamt beschränkten sich ihre Arztbesuche auf das Notwendigste wie Frauenarzt oder Zahnarzt.

So gesehen gab es bei uns auch durch die Corona-Pandemie im Zusammenleben, im Arbeitsbereich und der Gesellschaft insgesamt umfangreiche Veränderungen. Das Geschäft von Petra und Marion war zum Teil geschlossen, weil die Inzidenzwerte gestiegen waren, Mund- und Nasenmasken standen nicht ausreichend zur Verfügung und die Menschen wurden durch die Politik für eine Impfung gegen Corona die zum Ende des Jahres angeboten werden soll sensibilisiert. Die Reisetätigkeit ins Ausland war vollkommen eingeschränkt.

Bei den Menschen machte sich nur noch Misstrauen breit unter dem Motto, hat mein Nachbar oder Arbeitskollege Corona. Ständig hörte man die unterschiedlichsten Meldungen in den Medien. Der eine Virologe sagte, dass es keinen Sinn macht Mundund Nasenmasken zu tragen, der andere vertrat die Position, dass man sie doch tragen sollte. Das ganze Krisenmanagement der Regierung stolperte, weil keiner wusste, was richtig ist. Alles wurde runtergefahren und das immer mit dem Hinweis, wir müssen durchhalten und das ist nochmal eine gefährliche Welle, die da kommt, aber dann haben wir alles überstanden.

Die Menschen wurden von Tag zu Tag unsicherer. Ich frage mich noch heute wo diese ganzen Virologen und Epidemiologen waren als die ersten Anzeichen zum Virus aus Wuhan/China kamen. Das hat keinen interessiert. Warum sind diese Leute da nicht schon gekommen und haben gesagt, dass da möglicherweise eine Gefahr auf uns zukommen wird. Als wir mittendrin waren hast du jeden Tag ein anderes Gesicht im Fernsehen mit irgendwelchen Ratschlägen und Empfehlungen gesehen.

Da wurden ganze Existenzen im privatwirtschaftlichen Bereich zerstört durch das Gequatsche. Wie leichtfertig diese Menschen empfohlen und beschlossen haben Gaststätten und andere Einrichtungen zu schließen. Sie selbst haben kein Kurzarbeitergeld beantragt. Für sie bestand auch keine Ausgangssperre.

Sie sind persönlich gut gelaunt und mit erhobenem Zeigefinger von Talkshow zu Talkshow gefahren, haben gute Ratschläge gegeben und waren dann wieder weg. Eine konkrete Verantwortung hatten sie nicht. Ein feines Leben. Wasser predigen und Wein saufen. Dafür haben sie dann auch noch Geld bekommen.

Die krummen Geschäfte und Schmiergeldaffären einiger dieser Zeitgenossen sind erst später bekannt geworden.

Ich bin jeden Tag weiter auf Arbeit gegangen bzw. nach Leipzig gefahren. Aufgrund meiner Tätigkeit war ein Homeoffice nicht möglich. Täglich verabschiedete mich Petra mit dem Hinweis, dass ich auf mich achten soll wegen der Corona Pandemie. Ich soll den Leuten aus dem Weg gehen und immer die Hände waschen und desinfizieren.

Darauf hat sie großen Wert gelegt. Die Familie sollte unbedingt gesund bleiben. Das war zu dieser Zeit ihr sehnlichster Wunsch.

Wir haben dann auch im Badezimmer eine Flasche Desinfektionsmittel hingestellt. Die steht heute noch dort. Auch habe ich in meinem Dienstwagen eine Flasche, um zu jeder Zeit meine Hände zu desinfizieren.

In dieser ganzen Zeit war Petra zuhause und hat sich um die Wohnung gekümmert, ab und zu mal was Schönes fürs gemeinsame Abendessen gekocht oder stundenlang mit Marion telefoniert. Man musste sich täglich über die Neuigkeiten in Döbeln austauschen. Da gab es immer was zu bereden.

Alle hofften nur, dass langsam mit der Pandemie Schluss ist und der Laden wieder aufgemacht werden kann.

Petra mit ein paar Worten zu charakterisieren geht nicht. Diese Frau hatte schon was.

Ich kann auf Anhieb sagen, dass sie ein herzensguter Mensch war. Die Familie stand bei ihr immer im Vordergrund getragen von einer grenzenlosen Bindung an ihre Tochter Nadin.

Ich glaube die Bindung kann man so beschreiben, es war früher die über alles liebende und fürsorgende Mutter und später die allerbeste Freundin, mit der man sich über alles austauschen konnte.

In der Familie sollte immer alles harmonisch zugehen. Hatten wir uns mal gestritten dann drängte sie darauf, dass wir das Abend noch ausdiskutieren damit wir beruhigt und ohne Streit ins Bett gehen konnten. Wir sollten den nächsten Morgen in Harmonie und entspannt aufstehen.

Sie hatte auch ihre Eigenarten. Manchmal war sie mit ihrer Meinung wie ein kleiner Ochse. Es war schwer sie von der einmal gefassten Meinung abzubringen.

Da konntest du reden, es ging nichts mehr. Wir haben die ganzen Jahre immer in Liebe verbracht. Einer vertraute dem anderen. Man konnte sich in jeder Situation aufeinander verlassen.

Auch habe ich immer ihre Geradlinigkeit bestaunt. Hat ihr mal was nicht gefallen dann hatte sie auch kein Problem damit, das offen und ehrlich zu sagen.

Diesen Schneid hat heutzutage nicht jeder.

Sie war in ihrem Wesen sehr eitel, modebewusst und in der Öffentlichkeit immer auf ihr Aussehen bedacht. Ungeschminkt ging sie nie aus dem Haus. Mode interessierte sie sehr und gern kaufte sie sich auch mal was. Sie genoss das Leben in vollen Zügen und war kurz gesagt ein lebenslustiger, herzensguter und auch ehrlicher Mensch. Lachen war ihr Lebensmotto und sie hat gern einen Spaß gemacht.

Mit diesen Aufzeichnungen möchte ich, dass der Leidensweg den Petra durchgemacht hat, nicht in Vergessenheit gerät. Die Erinnerung muss bleiben und die bekommt mit diesem Buch eine gewisse Wertigkeit. Die Erinnerung an Petra soll was ganz Besonderes sein.

Nach dem Lesen stellt man sicher fest das eine ganze Reihe von Fragen offenbleiben.

Solche Fragen, ob auch wirklich alles getan wurde, um Petra am Leben zu erhalten. Wo liegt da meine eigene Verantwortung? Ich denke ständig darüber nach. Immer wieder lässt man die letzten Monate im Kopf Revue passieren.

Eine Antwort habe ich noch nicht.

5. August 2020 – Mittwoch

So hat alles angefangen.

Es war eigentlich ein ganz normaler Tag.

Ein Mittwoch, die Hälfte der Woche war geschafft und eine leichte Vorfreude auf das Wochenende kam bei uns beiden auf.

Wir planten beim morgendlichen gemeinsamen Kaffee am Sonnabend nach Leipzig zum Shoppen zu fahren. Auch standen noch Ideen offen was wir am Sonntag zu essen machen wollen. Da war wieder Einfallsreichtum gefordert. Jeder musste einen Vorschlag machen und der Beste wurde angenommen und umgesetzt.

Ich war den ganzen Tag im Büro in Leipzig und Petra war bis gegen 18.00 Uhr im Geschäft.

Als ich nach Hause kam haben wir beide ganz entspannt zusammen Abendbrot gegessen und uns allgemein über die Eindrücke des Tages unterhalten. Ganz nebenbei sagte sie das sie in den letzten Tagen immer so ein Stechen im Rücken hat. Sie weiß nicht was das ist. Anfänglich dachte sie, dass sie sich nachts Zug geholt hat, weil wir immer bei offenem Fenster schlafen. Möglicherweise waren das die ersten Anzeichen einer sich anbahnenden Erkältung. So richtig glaubte sie aber nicht daran, weil es schon ein paar Tage so ist und nicht weggeht.

Ich nahm das nur zur Kenntnis, weil ich keinen richtigen Ratschlag dazu hatte hoffte aber insgeheim, dass es nichts mit Corona zu tun hat. Es war zu diesem Zeitpunkt in aller Munde und das Thema Nummer eins bei Krankheiten bzw. auch schon Symptomen. Jeder von uns beiden hatte so seine Themen und wenn man älter wird dann zwickt es schon mal im Körper, auch wenn man sich gesund fühlt und das eigentliche Alter nicht wahrhaben will. Wir einigten uns nur, dass wir die Sache weiter beobachten und dann sehen wir weiter. Damit war das auch irgendwie erledigt, wie so oft bei derartigen Feststellungen.

Den Abend haben wir gemeinsam Fernsehen geschaut, noch ausführlich mit Nadin telefoniert und uns über die Neuigkeiten im Corona Krisenmanagement in Deutschland und Spanien ausgetauscht. Wir hofften alle drei, dass der ganze Spuk mit Corona bald vorbei ist und wir wieder ohne Einschränkungen reisen können.

6. August 2020 – Donnerstag

Ich werde nachts gegen 2 Uhr wach und Petra ist nicht da. Anfangs dachte ich sie ist auf der Toilette, aber das dauerte mir zu lange. Vielleicht war ihr schlecht geworden waren so meine ersten Gedanken.

Ich ging ins Wohnzimmer und sah, dass sie auf dem Sofa schlief mit einer Decke zugedeckt. Was war das? Was ist passiert? Auf meine Frage was los ist sagte sie nur, dass sie ganze starke Schmerzen im Rücken hatte und nicht mehr schlafen konnte. Aus diesem Grund ist sie zum Schlafen ins Wohnzimmer gegangen.

Auf meine Frage, warum sie nichts gesagt hat, meinte sie nur, dass sie mich nicht stören wollte. Immerhin bräuchte ich meinen Schlaf.

Das kam mir sehr komisch vor, weil sie sowas noch nie gemacht hatte. Ich fing an mir die ersten Sorgen zu machen, weil sie kleinere Beschwerden sonst nach ein bis zwei Tagen wegsteckte. Hier war was anderes. Sie machte auf mich einen abgekämpften und niedergeschlagenen Eindruck. Das kannte ich von Petra nicht.

Sie ist kein Mensch, der bei jeder Kleinigkeit gleich jammert. Mitbekommen hatte ich nur das sie in den letzten Tagen öfters hustete. Da ich morgens zeitig los musste nahm ich mir vor, unbedingt am Abend noch mal wegen den Schmerzen nachzufragen. Als ich aus dem Büro nach Hause kam fragte ich sie wie es ihr geht. Sie gab mir nur zur Antwort, dass sie eine Schmerztablette genommen habe und im Moment keine Schmerzen hat. Zu diesen Zeitpunkt war ich immer noch der Meinung, dass sich die ganze Sache in Luft auflösen wird. Vielleicht werden Frauen im entsprechenden Alter auch ein wenig wehleidig, waren so meine Gedanken.

Sie trank noch ein Glas Wasser, nahm noch eine Schmerztablette und wir gingen ins Bett. Sie schlief bis zum nächsten Morgen durch. Für mich war die Sache eigentlich erledigt. Da ich morgens wieder sehr zeitig losmusste, hatte ich keine Möglichkeit mit Petra über die Geschehnisse in der vorletzten Nacht zu sprechen. Ich nahm mir aber vor dies mit ihr noch auszudiskutieren.

7. August 2020 – Freitag

Wir trafen uns abends mit ihrer Geschäftspartnerin Marion und ihren Mann Hartmut, der Allgemeinmediziner und gleichzeitig auch unser Hausarzt ist, auf ein Glas Wein bei uns in der Wohnung. Wir wollten noch ein paar Sachen besprechen, weil sie am Wochenende für vierzehn Tage in den Urlaub an die Ostsee fahren und wir die Blumen und das Gemüse in ihrem Haus und Garten gießen sollten.