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Ein junger Polizist und eine junge Frau treffen sich im Jahr 1968 im Hauptbahnhof in Chemnitz. Sie haben beide ihren letzten Zug nach Hause verpasst. Sie verbringen ein paar Stunden in Chemnitz, aber am Morgen fahren sie beide in unterschiedliche Richtungen in ihre Heimat.
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Seitenzahl: 43
Veröffentlichungsjahr: 2013
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Siegfried Sommerfeld
Begegnung in einer Winternacht
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Begegnung in einer Winternacht
Impressum neobooks
Irgendwo in Deutschland, geht eine ältere, aber nochsehr attraktive Frau zu ihrem Hausarzt. Sie hat sich eine Erkältung eingefangen. Kein Wunder, bei diesem nassen Septemberwetter, denkt sie. Der Warteraum ist voll. „ Sie müssen leider eine Stunde Wartezeit in Kauf nehmen,“ sagt ihr die Schwester. Nun ja, sie wird’s
überstehen es gibt ja genug Zeitschriften hier. Sie blättert ein bisschen gelangweilt in einer (Bild der Frau)
Sie liest ohne eigentlich richtig zu verstehen. Die Kurzgeschichte „Begegnung in der Nacht“ interessiert sie eigentlich nur am Rande, sie beginnt zu lesen.
Plötzlich ist sie hellwach, das ist ja ihre Geschichte und sie spielte vor 34 Jahren im Hauptbahnhof in Chemnitz. Sie blättert um und liest den Namen des Verfassers.
Dachte ich es mir doch, es gibt ihn also noch. Als sie seinen Namen liest, sieht sie ihn wieder vor sich stehen. So wie damals, vor 34Jahren, als sie noch ein junges Mädchen war. Diesen
großen schlanken Jungen in Polizeiuniform.
Er war ihr auf den ersten Blick überaus sympathisch.
„Wie war das denn damals Anfang 1968? Ach ja, jetzt erinnert sie sich wieder daran.
Sie hatte den letzten Zug nach Hause verpasst, weil der Anschlusszug zwanzig Minuten Verspätung hatte. Bei dem Gedanken die ganze Nacht auf dem Bahnhof verbringen zu müssen, fror sie. Doch dann sah sie ihn.
Er lief genauso Ziel und planlos in der Bahnhofshalle herum wie sie selbst. Und wie zufällig treffen sich ihre Blicke. Sein Lächeln wirkt etwas schüchtern. Er scheint nicht so ein Aufreissertyp zu sein, denkt sie sich. Auf alle Fälle ist er ihr sehr sympathisch. Zuerst hat sie eigentlich nur die Absicht, dass er sie beschützen soll. Denn ein junges Mädchen ganz allein in der Nacht auf diesem Bahnhof, man weiß nie, wer sich nachts hier herumtreibt. Doch dann setzt sie sich einfach auf die Bank neben ihm und wartet, dass er sie anspricht. Sie lässt einfach ihr Taschentuch fallen. Doch bevor es den Boden berührt hält er es schon in seiner Hand. Er ist aber schnell, denkt sie sich. Dann sagt er, „ den Trick mit dem Taschentuch kannte ich schon.“ Zuerst ist sie verblüfft, doch dann lachen sie beide und der Bann ist gebrochen. Er war sehr charmant und wir haben viel gelacht. Dann gingen wir in die Nacht hinaus und da haben wir uns das erste Mal geküsst, erinnert sie sich. Sie gingen engumschlungen durch das nächtliche Chemnitz. Oh, wie oft sind sie stehengeblieben und haben sich geküsst. Sie hatte damals das Gefühl, als würden sie sich schon eine Ewigkeit kennen. Es sah richtig putzig aus, wenn er seine Pelzmütze tief in die Stirn zog, sie muß noch heute lachen, wenn sie daran denkt. Dann hat er ihr, seine Pelzmütze aufgesetzt. Na, sie sah erst komisch aus. Obwohl es sehr kalt war, machte ihr die Kälte, in seiner Nähe überhaupt nichts aus. Er streichelte ihr Gesicht. „ Du bist schön Ilka,“ sagte er zu ihr. Sie lehnte ihren Kopf an seine Schulter. Ein Gefühl von Geborgenheit durchströmte sie.
Sie bereute nicht eine Minute mit ihm. Heute versteht sie sich selbst nicht mehr, warum sie ihm damals nicht ihre Adresse gegeben hat. Sie erinnert sich noch, dass sie weinte, als sie ihn am Morgen zu seinem Zug brachte. Sie lief dann noch schnell zurück, sie wollte ihm dann doch ihre Adresse geben. Doch es war zu spät, sein Zug war schon abgefahren. Traurig ging sie zurück, ihr war klar, dass sie ihn sehr mochte, aber ihn wahrscheinlich nie wiedersehen würde. Nach seiner Adresse, hatte sie ihn ja auch nicht gefragt. Dann fuhr sie mit dem Zug in ihre Heimatstadt. Oft musste sie damals noch durch Chemnitz, doch ihn sah sie nie mehr. So vergingen die Jahre. Und heute beim Arztbesuch liest sie, durch Zufall, in der Zeitschrift ihre gemeinsame Geschichte. „Also hat er mich auch nicht vergessen,“ freut sie sich. „Ob ich bei der Redaktion der Zeitschrift anrufe?“ die geben mir sicher seine Adresse. Und wenn ich in der Redaktion erzähle, daß ich diese Ilka bin, geben sie mir bestimmt seine Adresse und seine Telefonnummer. Ich habe ja nichts zu verlieren, denkt sie, ich bin seit zwei Jahren geschieden und lebe allein mit zwei Kindern.
Aber was ist mit Ihm, ist er allein, hat er Familie?“ Zwei Stimmen streiten sich in ihrer Brust. Die eine sagt, „Also auf wartest du? ruf an.“ Die Andere, „Das kannst Du nicht machen, wer weiß was er denkt, wenn Du anrufst.“ 34 Jahre sind eine lange Zeit und ich weiß nicht wie ich reagieren würde, denkt sie. Sie liest weiter und sieht, er hat ihr auch ein Gedicht gewidmet. Ich wusste gar nicht, dass er auch dichten kann, denkt sie.
Die Nacht mit Ilka
Sie lag in meinen Armen,
wir träumten vor uns hin.
Ich ward von ihr gefangen,
Sie war die Königin.
Wir waren fest zusammen,
doch nur für eine Nacht.
Es dämmerte der Morgen,
der Abschied kam ganz sacht.
Die Nacht die war vorüber
und mit ihr unser Glück.
Dann ist sie fortgegangen,
