Beneath Cursed Stars 2: Between Broken Hearts - Lexi Ryan - E-Book

Beneath Cursed Stars 2: Between Broken Hearts E-Book

Lexi Ryan

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Beschreibung

Zwei Reiche am Abgrund, zwei Frauen im Kampf um ihr Schicksal Jasalyn erwacht in einem Albtraum. Immer wieder scheint sie die Kontrolle über ihren eigenen Körper zu verlieren, und ihre Angst wächst, dass der totgeglaubte Schattenkönig Mordeus bereits Besitz von ihr ergriffen hat. Kendrick, ihr Fels in der Brandung, hat sie belogen. Einst vertraute sie ihm ihr Leben an – jetzt kann sie nicht sicher sein, ob er wirklich auf ihrer Seite steht, und die Zeit läuft ihr davon. Während Jasalyn mit zunehmender Verzweiflung gegen Mordeus' Einfluss ankämpft, droht Gestaltwandlerin Felicity in den Machtspielen von Elora zu versinken. Dabei kommt sie ihrer leiblichen Familie gefährlich nahe – der Familie, die seit Jahren Jagd auf sie macht. Und nachdem Misha ihre Täuschung aufgedeckt hat, kann sie nicht auf seine Hilfe hoffen … - Gefährliche Liebe, schicksalhafte Entscheidungen: Jasalyn und Kendrick, Felicity und Misha – zwischen Verrat, Vertrauen und unerwarteten Gefühlen. - Magie, Intrigen und ein tödlicher Feind: Ein Kampf um Freiheit, Identität und die Zukunft der Reiche. Das Spin-Off ist auch unabhängig von der Court of Sun-Reihe lesbar!

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Veröffentlichungsjahr: 2026

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Lexi Ryan: Between Broken Hearts

Zwei Reiche am Abgrund, zwei Frauen im Kampf um ihr Schicksal

Jasalyn erwacht in einem Albtraum. Immer wieder scheint sie die Kontrolle über ihren eigenen Körper zu verlieren, und ihre Angst wächst, dass der totgeglaubte Schattenkönig Mordeus bereits Besitz von ihr ergriffen hat. Kendrick, ihr Fels in der Brandung, hat sie belogen. Einst vertraute sie ihm ihr Leben an – jetzt kann sie nicht sicher sein, ob er wirklich auf ihrer Seite steht, und die Zeit läuft ihr davon.

Während Jasalyn mit zunehmender Verzweiflung gegen Mordeus’ Einfluss ankämpft, droht Gestaltwandlerin Felicity in den Machtspielen von Elora zu versinken. Dabei kommt sie ihrer leiblichen Familie gefährlich nahe – der Familie, die seit Jahren Jagd auf sie macht. Und nachdem Misha ihre Täuschung aufgedeckt hat, kann sie nicht auf seine Hilfe hoffen …

Gefährliche Liebe, schicksalhafte Entscheidungen: Jasalyn und Kendrick, Felicity und Misha – zwischen Verrat, Vertrauen und unerwarteten Gefühlen. Das epische Finale!

Wohin soll es gehen?

  Buch lesen

  Danksagung

  Viten

Für alle, die sich in ihrer finstersten Nacht gefangen fühlen. Ich sehe euch. Nehmt meine Hand. Wir wollen gemeinsam auf die Sonne warten.

Prolog

Abriella

Ein weiterer Tag der Suche nach meiner Schwester. Ein weiterer Tag auf der Jagd nach einem Geist.

Die Wut ist meine ständige Begleiterin. Ich habe es aufgegeben, die brodelnden Schatten im Zaum zu halten, die um meine Füße und Fingerspitzen wabern. Es kümmert mich nicht mehr, ob Abriella, Königin der Schatten-Fae, sanftmütig oder brutal erscheint, gütig oder bedrohlich. Meine Schwester ist verschwunden. Mein Reich zerfällt. Und wenn sich das Blatt nicht bald wendet, wird alles verloren sein.

»Uns bleibt keine Zeit mehr«, sage ich und wende den Blick von der untergehenden Sonne ab, um meinen Besucher mit einem finsteren Blick zu bedenken.

»Meinst du, ich wüsste das nicht?« Hale Kendrick funkelt mich aus seinen eisblauen Augen an, wütend wie die stürmisch aufgewühlte See. »Glaubst du, dass es mich nicht jeden einzelnen Tag heimsucht, den ich sie nicht finde? Jeden Tag, den ich sie beide im Stich lasse?«

Sein Seitenhieb auf meine Selbstsucht macht den Schmerz in meiner Brust nur noch schlimmer. Ich bin nicht die Einzige, deren Schwester verschwunden ist. Kendrick hat die Frau verloren, die er liebt, und dazu noch seine Schwester Felicity – am selben Tag. Seither hat er nicht mehr geruht, und die dunklen Ringe unter seinen Augen verraten eine Erschöpfung, die seine Haltung niemals preisgeben würde.

Monate. So geht es schon seit Monaten und wir haben rein gar nichts für unsere Mühen vorzuweisen.

Ich dachte, dieses Mal wäre es anders, aber allmählich begreife ich, dass meine Verzweiflung mich Dinge sehen lässt, die niemals dort waren. Die Gerüchte um Sichtungen von Jasalyn schaden der Stabilität meines Reiches ebenso, wie sie mich schmerzen. Manche behaupten, sie sei zurück ins Reich der Menschen geflohen. Andere sagen, sie verstecke sich am Hof der Seelie. Zu wenige glauben, sie verbringe die Zeit bis zu ihrem achtzehnten Geburtstag in Sicherheit hier bei mir im Mitternachtspalast.

Jedes Gerücht, jede einzelne Spekulation macht mich rasend. Und ich kann meine Schwester nicht einmal verteidigen, indem ich die Wahrheit verbreitete, weil Seher im ganzen Land insgeheim Prophezeiungen über die Schattenprinzessin flüstern. Schon eine einzige Andeutung auf die wahre Natur des Rings und Jas’ Blutmagie-Verbindung zu Mordeus würde für mich das Ende bedeuten. Das Ende all des Guten, das ich meinen Untertanen eigentlich wieder zukommen lassen wollte.

Wer die Prinzessin kontrolliert, kontrolliert das Reich.

»Du sagtest, du hättest eine Spur. Jemand habe sie gesehen. Waren das Lügen?«, frage ich. Immerhin sind sie deshalb hier – um mir von ihren jüngsten Anstrengungen bei der Suche nach Jasalyn zu berichten.

Kendricks Freund Natan schiebt seine Brille hoch und tritt näher. »Es ist immer dasselbe«, erklärt er. »Jemand kennt jemanden, der sie gesehen hat – aber wenn man den Gerüchten auf den Grund geht, findet man nichts.«

Natürlich. Wir können einfach niemanden auftreiben, der sie mit eigenen Augen gesehen hat. Und ich selbst kann nicht nach ihr suchen, weil ich im Palast bleiben und so tun muss, als wäre sie überhaupt nicht verschwunden. Wir haben sogar einen vertrauenswürdigen Gestaltwandler ein paarmal als Jasalyn auf Balkonen des Palastes auftreten lassen, aber ohne Felicitys besondere Fähigkeiten können wir niemanden wirklich nahe an die vermeintliche Prinzessin heranlassen, ohne zu riskieren, dass der Schwindel auffliegt.

Ich kann es nicht fassen, dass mich auch nach Monaten immer noch dieselben Fragen quälen. »Wenn wir sie wegen der Magie ihres Rings nicht finden können, warum gibt es dann überhaupt Erinnerungen unter der Bevölkerung, sie sei irgendwo aufgetaucht?«

Natan schüttelt den Kopf. »Dieser Ring ist mit der mächtigsten und kompliziertesten Magie verbunden, die mir je begegnet ist. Und vielleicht verändert sich diese Magie. Oder wir können keine Augenzeugen aufspüren, weil diese Gerüchte tatsächlich nur Gerüchte sind.«

Mir krampft sich vor Hoffnungslosigkeit der Magen zusammen, aber ich behalte mein Kinn oben und lasse mir nichts anmerken. Noch haben wir nicht verloren. Noch haben wir sie nicht verloren.

»Bei allem Respekt«, sagt Kendrick und verschränkt die Arme, »aber ohne diesen mythischen Stein, von dem dein Seher behauptet, er könne die Magie des Ringes aufheben, könnte unsere Suche ohnehin von vornherein vergeblich sein.«

Meine Wut flammt auf und mit ihr wallen meine Schatten empor. Denn er hat recht. Die Vorstellung, dass wir Jasalyn womöglich bereits gefunden haben, uns aber einfach nicht daran erinnern, ist kaum zu ertragen. Und selbst wenn es nicht bereits so geschehen ist: Wenn wir den Stein der Entzauberung nicht ausfindig machen können, müssen wir auf genau dieses Problem gefasst sein.

Finn, mein König, mein Geliebter, mein mir verbundener Partner, legt mir eine Hand ins Kreuz und ich atme zum ersten Mal, seit Eloras auserwählter König mit weiteren schlechten Nachrichten zurückgekehrt ist, wieder tief durch.

»Misha geht wegen Felicity einer Spur nach«, sagt Finn zu Kendrick und steuert das Gespräch damit geschickt weg von meiner vergeblichen Suche nach dem Stein. Ich bin froh, dass er einen kühlen Kopf bewahrt und von dieser jüngsten Entwicklung berichtet. Wenn jemand etwas Hoffnungsvolles über meine Schwester zu berichten hätte, würde ich es auch hören wollen.

Finn blickt mich an und ich schüttele fast unmerklich den Kopf. Mehr Hoffnung werden wir diesem Fae nicht machen – nicht bevor Misha uns Kendricks Schwester unversehrt zurückbringt.

»Mishas Leute glauben immer noch, dass sie am Leben ist«, sage ich zu Kendrick. Auch er muss sich an diesen winzigen Hoffnungsschimmern festhalten, und obwohl sie unsere blanke Furcht und Trauer der vergangenen Monate kaum lindern können, müssen wir dennoch weitermachen.

Kendrick presst für einen Moment die Augen zusammen. »Ich bin entschlossen, dasselbe zu glauben. Und das betrifft alle beide.«

»Die Zeit wird knapp«, sage ich. »An ihrem achtzehnten Geburtstag wird Jasalyn auf immer für uns verloren sein, und damit auch die Zukunft des gesamten Schattenhofs.«

Kapitel 1

Jasalyn

Sie fürchten mich nicht in diesem Körper. Gehorsam geht mit Zögern einher. Mit Zweifeln. Also lehre ich sie den Preis ihrer Unsicherheit, brenne ihre Felder und Häuser nieder mit Flammen, die unter meinem Befehl stehen sollten, verbrenne alles zu Asche und tauche den Horizont in das Rot und Orange meiner Wut.

Sie verschließt ihre Macht vor mir, selbst jetzt noch. Selbst schwach, wie sie ist. Aber ich werde darüber verfügen, wenn die rechte Zeit gekommen ist. Die Seher haben es prophezeit. Noch glauben manche, sie könnten mein Schicksal stehlen. Sie könnten mir das Leben vorenthalten, das mir zusteht, meinen Hof, meinen Thron.

Ich werde mir all das zurückholen – oder alles niederbrennen.

***

»Prinzessin. Hübsche, hübsche Prinzessin. Wacht auf, Ihr törichtes Mädchen.«

Die Worte sind zu weit entfernt. Ein Ruf aus einem fernen Land. Ein Ruf von der Küste her zu meinem versunkenen Körper.

Der Schlaf hat mich fest im Griff. Um meine Knochen windet sich Schwäche, bohrt sich in meine Muskeln und lässt nicht einmal zu, dass ich die Augen öffne.

Der Ring. Ich weiß, es ist der magische Ring an meiner Hand, der mich so hinfällig macht. Mich dem Tod immer näher bringt. Ich taumele am Rand einer Klippe, blicke in den Abgrund und sehne mich nach Linderung dieser meinen ganzen Körper peinigenden Qual.

»Los jetzt. Schluss damit.«

Eine Tasse wird an meine Lippen gepresst – die kühle Keramik drückt sie auseinander und dann schmecke ich etwas auf meiner Zunge. Dickflüssig, warm und süß.

Zuckend öffnen sich meine Augen und ich sehe eine Gestalt, die sich über mich beugt. »Ich muss nach Feegus Keep kommen«, sage ich zu ihr. Sage ich mir selbst. Eigentlich sollte ich gar nicht daran erinnert werden müssen. Mordeus benutzt mich – um Hunderte zu töten und sich selbst ins Leben zurückzuholen –, aber ich werde nicht der Grund dafür sein, dass er endgültig zurückkehrt. Kendrick hielt es für möglich, dass in Feegus Keep das Feuerschwert aufbewahrt wird, von dem er behauptet, es könne ein Portal an jeden erdenklichen Ort öffnen, den man sich nur wünscht, ein Schwert, das jeden töten könne. Ich muss das Schwert finden und Mordeus ein Ende machen. Meine Fehler werden dadurch zwar nicht ungeschehen gemacht, aber das zumindest kann ich schaffen.

Ich sehe mich im Zimmer um. Das Licht reicht gerade, um den Umriss der kleinen, stämmigen weiblichen Person an meinem Bett auszumachen, aber es ist doch so dunkel, dass ich diesen Ort nie zum Ausruhen aufgesucht hätte, wäre ich nicht von der Magie des Rings geschwächt worden.

Ich hangele mich durch das Spinnennetz meiner Erinnerungen und versuche, mich darauf zu besinnen, wie ich hierhergekommen bin. Ich war zusammen mit Kendrick und seinen Freunden in Ironmoore, einer Siedlung der Eloraner, als diese von einer Wyvern angegriffen wurde. In jener Nacht träumte ich etwas Entsetzliches – dass Kendrick jemand anderes sei, als er vorgibt, und mit Mordeus zusammenarbeite.

Dann fand ich heraus, dass jede einzelne Folterepisode, die ich unter Mordeus’ Händen im Kerker ertragen musste, der Blutmagie diente und er dadurch und mithilfe dieses Rings jetzt Kontrolle über mein Bewusstsein erlangen kann. Er hat mich dazu gebracht, schreckliche Dinge zu tun. Durch den Kuss des Todes macht mich dieser Ring zu einer Mörderin, und einige der Opfer habe ich selbst ausgewählt. Die Leute, die für Mordeus gearbeitet und mich in jenem Kerker gequält haben? Ich wollte sie sterben sehen.

Niemals hätte ich gedacht, dass ich Mordeus mit jedem Leben, das ich nahm, eigenhändig wiederauferstehen ließ.

Die Fae schnipst mit den Fingern vor meinem Gesicht. »Es wird nicht mehr geschlafen. Das reicht jetzt.«

»Wer bist du?«, frage ich, und meine lange nicht benutzte Stimme klingt dabei ganz rau. »Wo bin ich?«

Mit einer Handbewegung lässt sie die Laterne auf dem Nachttisch aufflammen. »Jetzt raus aus dem Bett«, kommandiert sie und reißt die Decken zur Seite. Ihr schütteres graues Haar ist auf dem Kopf zu einem Dutt zusammengedreht und ihre blasse Haut hat einen gelblichen Schimmer. Dann kneift sie mich mit Daumen und Zeigefinger in den Arm.

»Autsch!« Ich reibe mir die Stelle, bin jetzt aber tatsächlich ein bisschen wacher. Ist das hier ihr Haus?

Als ich endlich begriff, dass meine entsetzlichen Träume in Wahrheit Mordeus’ Erinnerungen waren, verließ ich Kendrick. Ich stieg in einen Bauernwagen und war schon weit von Ironmoore entfernt, als mir mein Koboldarmband wieder einfiel und ich Gommid bat, mich an einen Ort mitzunehmen, an dem ich schlafen konnte. An dem ich in Sicherheit war. Wo hat er mich nur hingebracht?

»Jetzt sofort!«

Mein Verstand ist zu benebelt, um alles zusammenzusetzen, und ich bin zu müde, um zu widersprechen. Also setze ich mich auf und schwinge die Beine über die Bettkante.

Ich entsinne mich vage, dass Gommid über meine Dummheit gemurrt und mich vor dem Ring gewarnt hat. Als Letztes weiß ich nur noch, dass ich sein Gezeter ignoriert habe und in ein weiches Bett gekrochen bin. Dieses weiche Bett? Schon möglich, aber ich bin zu erschöpft und krank gewesen, um mich weiter um meine Umgebung zu kümmern.

Wie lang habe ich geschlafen? Jedenfalls geht es mir jetzt besser als beim Herbeirufen meines Kobolds, aber ganz ist die Schwäche noch nicht aus meinen Knochen gewichen. Vielleicht brauche ich ja nur etwas zu essen. Es ist lange her, dass ich etwas zu mir genommen habe.

Du brauchst das Feuerschwert. Du musst Mordeus finden und das, was du angerichtet hast, wieder in Ordnung bringen.

Kaffee. Essen. Wenn ich nur etwas in den Magen bekomme, wird es mir wieder besser gehen. Dann werde ich den Weg nach Feegus Keep finden und das Schwert ausfindig machen, das der Legende nach jeden töten kann.

Essen. Schwert. Mordeus.

Noch habe ich den Ring. Ich kann es schaffen. Ich sehe der älteren Person in die Augen und säusele in dem hypnotischen Tonfall der Bezaubernden Lady: »Ich will keine Umstände machen, aber könnte ich etwas zu essen bekommen?«

Sie drückt mir den dampfenden Becher in die kalten Hände, ohne meine Bitte zu beachten. »Beeilt Euch. Und trinkt noch mehr davon.«

Begierig nach der Süße, mit der sie mich geweckt hat, führe ich den Becher zum Mund. »Danke.« Ich nippe daran und bin inzwischen so wach, dass ich die Geschmacksnoten erkenne, die auf meiner Zunge tanzen. Heiße Schokolade gewürzt mit Zimt und Nelken.

Das Getränk lindert augenblicklich den Aufruhr in meinem Magen.

Sie mustert mich. »Ihr habt wohl gut geschlafen.«

»Ich –« Ich schüttele den Kopf. Wer ist diese Frau? Sie hat mich Prinzessin genannt. Woher weiß sie, wer ich bin? »Ja, danke. Könntest du mir bitte etwas zu essen machen?«

Missbilligend blickt sie mich an. »Ihr bleibt besser erst einmal bei Eurem Trank. Etwas zu essen wäre noch zu früh.«

Ich sehe verwundert auf meinen Ring. Eigentlich sorgt er dafür, dass alle meine Wünsche erfüllen. Bisher waren nur Abriella und Kendrick gegen seine Macht immun. Aber jetzt auch diese Person hier. »Willst du mir denn nichts zu essen machen? Obwohl ich das wünsche?«

Sie stemmt die Hände in die Hüften. »Ihr solltet Euch glücklich schätzen, dass ich Euch nicht aus meinem Haus werfe. Undankbares Kind.«

Ihr Haus. Ob Gommid sie kennt? Wusste er, dass er mich in ihr Haus bringt? »Entschuldige. Ich dachte –«

»Ihr glaubt wohl, ich müsse wegen dieses lächerlichen Rings vor Euch katzbuckeln. Schon klar.«

Instinktiv kontrolliere ich meine mentalen Schutzschilde – Misha hat mir beigebracht, sie immer aufrechtzuerhalten –, bis mir klar wird, dass sie hier keine Rolle spielen sollten. Solange ich meinen Ring trage, brauche ich sie eigentlich nicht.

»Falls Ihr es noch nicht bemerkt habt: Kobolde sind gegen diesen Zauber immun.« Sie streckt mir die Hand hin. »Fherna. Schön, Euch kennenzulernen.«

Ich blinzele kurz, bevor ich ihre Hand ergreife. Eine Koboldin. Natürlich. Ich hätte es früher merken müssen. »Ich habe noch nie einen weiblichen Kobold getroffen.«

»Doch, wahrscheinlich schon. Aber wahrscheinlich habt Ihr nicht darauf geachtet. Nur weil unsere Mannsbilder ihre Zeit damit verschwenden, undankbaren Leuten Geleit zu geben, heißt das ja nicht, dass es bei uns keine Frauen gibt. Hat Euch Eure Mutter das mit den Bienchen und den Blümchen denn nicht erklärt, Mädchen? Und wo Babys herkommen?«

Ich beiße mir auf die Lippe, um nicht zu lachen, als mir plötzlich klar wird: Mir ist nach Lachen zumute. Die beklemmende Übelkeit, die mein Ring bei Tage hervorruft, ist verflogen.

»Das macht der Trank«, erklärt Fherna. »Er dämpft den Zwang der Magie.«

Bedrückt setze ich den Becher ab. »Aber ich brauche meine Magie. Ich muss –«

»Seid nicht töricht«, erwidert sie und schiebt mir den Becher wieder hin. »Euer Zauber ist immer noch wirksam. Der Trank mindert nur den Zugriff der Magie auf Eure Lebenskraft.«

Ich blicke auf den Becher und sehe dann wieder zu ihr auf. Ich weiß rein gar nichts über diese Kreatur und bin mir daher nicht sicher, ob ich ihr einfach so vertrauen sollte, aber nun ist es schon so weit gekommen – ich habe in ihrem Bett geschlafen und trinke, was sie mir angeboten hat. Dann kann ich auch noch hören, was sie zu sagen hat. »Kannst du mir das erklären?«

»Magie ist Leben, mein Liebes. Leben ist Magie. Ein so mächtiger Ring konnte nur erschaffen werden, weil Ihr so viel von Eurem Leben hingegeben habt, um ihn zu besitzen, aber die Magie übernimmt gewisse Eigenschaften von ihrem Schöpfer. Und eine solche Magie ist hungrig. Sie zehrt von Euch und nimmt immer mehr. Und sie wird von Euch zehren, bis nichts mehr übrig ist.«

Ich schüttele den Kopf. »Mir bleibt noch Zeit bis zu meinem achtzehnten Geburtstag. Ich habe –«

»Ihr dürft mich nicht missverstehen«, sagt sie. »Dieser Ring wird Euch nicht umbringen. Sein Schöpfer hat zu viel darangesetzt, um das alles geschehen zu lassen. Aber er will, dass Ihr an der Schwelle zum Tode bleibt, bis der Handel vollzogen ist.«

Ich stelle den Becher auf dem Nachttisch ab und ordne meine Gedanken. Allmählich fällt mir das wieder leichter. Was immer sie in den Trank gegeben hat, lässt mich zum ersten Mal, seit ich Kendrick und die anderen verlassen habe, wieder klar denken. »Warum hilfst du mir?«

Sie macht ein ernstes Gesicht. »Wenn ich es nicht tue, wird sich alles verändern.« Sie nickt zum Becher. »Falls Ihr vorhabt, eine Möglichkeit zu finden, wie Mordeus zu besiegen ist, dann solltet Ihr das hier austrinken.«

Mir stockt der Atem. »Woher weißt du das alles?« Genau das ist der Grund, weshalb Kendrick auf die Dienste von Kobolden nach Möglichkeit verzichten wollte. Sie wissen zu viel, sagt er. Genau so scheint es zu sein.

Sie kneift die Augen zusammen. »Offenbar hattet Ihr als Kind wenig Kontakt mit Kobolden, aber jetzt lebt Ihr schon fast vier Jahre in diesem Reich. Warum also wisst Ihr so wenig über die Kreaturen um Euch herum?«

Ich weiß, dass Kobolde stets Informationen sammeln. Ich weiß, dass sie die Geschichte des Reiches bewahren. »Dann sage mir doch: Werde ich in Feegus Keep finden, was ich suche – eine Möglichkeit, ihn zu besiegen?«

Sie stößt ein bellendes Lachen aus. »Wir kennen Fakten. Und wir kennen die Geschichte. Aber wir sind keine Seher.«

»Eben hast du mir doch gesagt, dass sich alles verändern wird, wenn du mir nicht hilfst.«

»Das hat nichts mit Wahrsagerei zu tun. Nur mit Logik.«

Unsinn. Warum klingt alles, was Kobolde sagen, wie Unsinn? Ich trinke noch einen Schluck von der heißen Schokolade und stelle meine Frage anders: »Ist das Feuerschwert in Feegus Keep?«

»Einst war es dort, wenn die Gerüchte stimmen. Es heißt, Mordeus habe große Magie angewendet, um das Schwert vor allen außer ihm selbst abzuschirmen.«

»Aber ich kann es benutzen, um ihn zu vernichten?«

»Jede Menge Fragen, aber keine Gegenleistung.«

Ich drehe die Handflächen nach oben. »Was möchtest du haben? Mein Haar? Abgeschnittene Fingernägel?«

Sie rümpft die spitze Nase. »Mit schäbigem Unrat kann man mich nicht kaufen.«

»Was sonst?«

»Ich will, dass Ihr aufwacht«, blafft sie. »Und kämpft.«

»Das versuche ich ja. Ich habe gerade erst erfahren, dass Mordeus mich für seine Rückkehr benutzt. Ich bin nur hier, um mich auszuruhen, bevor ich losziehe, um das Schwert zu holen.« Ich verschränke meine Arme vor der Brust. »Wenn ich kämpfen soll, dann sag mir, wie. Sag mir, dass mein Plan funktionieren wird.«

Sie schürzt die Lippen. »Das Feuerschwert von Elora kann alles und jeden vernichten, wenn diejenige, die es führt, als seiner wert erachtet wird.«

»Von wem als seiner wert erachtet?«

»Vom Schwert natürlich.«

»Wenn ich also als seiner wert erachtet werde, könnte das Schwert Mordeus töten? Und es würde mich zu ihm führen?«

»Wenn Ihr als seiner wert erachtet werdet, könnte es jeden töten und Euch überall hinführen.« Sie schüttelt den Kopf. »Aber Ihr stellt die falschen Fragen.«

Ich habe jetzt keine Zeit, mit ihr zu streiten. Sie versteht es nicht. Ich zwinge mich, den Becher abzustellen. So köstlich der Trank auch sein mag, habe ich jetzt Wichtigeres zu tun, als mich mit Genüssen aufzuhalten. Ich schiebe mich aus dem Bett. »Ich muss los.«

»Gern geschehen übrigens«, knurrt sie.

Ich fahre mir mit der Hand übers Gesicht und schüttele den Kopf. »Es tut mir leid. Danke, dass ich hier schlafen durfte.«

»Und der Trank?«

Ich nicke und ringe mir ein Lächeln ab. Ich habe als ungebetener Gast im Haus dieser Koboldin übernachtet. Da sollte ich wenigstens etwas Dankbarkeit zeigen. »Ja, vielen Dank auch für die heiße Schokolade. Sie war wirklich köstlich.«

Sie verdreht die Augen. »Köstlich? Sonst ist Euch nichts aufgefallen?« Als ich nicht gleich reagiere, stößt sie einen tiefen Seufzer aus. »Habt Ihr denn bemerkt, dass Ihr jetzt die Kraft zum Stehen habt, wo Ihr vorher nicht einmal die Augen öffnen konntet?«

Ich blicke verwundert auf den Becher und dann zu dem dunklen Fenster hinüber. »Und das liegt an diesem Trank? Ich dachte, es läge an der anbrechenden Nacht, dass meine Kräfte zurückkehren.«

Sie neigt den Kopf zur Seite. »Ihr habt wohl keine Ahnung, wie heimtückisch dieser Ring ist, was? Ihr habt Tag und Nacht geschlafen und wart zu schwach, um zu bemerken, wie die Zeit vergangen ist.«

Ich ziehe am Ring, natürlich vergeblich. Er rührt sich kein Stück. Ich hatte gehofft, dass meine Schwäche während der nächtlichen Stunden nachlässt, aber wenn es stimmt, was sie sagt – »Hast du denn noch mehr davon? Falls ich mein Ziel heute Nacht noch nicht erreiche?«

»Ich halte so etwas normalerweise nicht bereit, nein.«

»Und hast du ein Rezept dafür? Wo kann ich die Zutaten bekommen?«

»Mit dem Rezept muss man es nicht so genau nehmen. Schokolade und Gewürze habe ich nur hinzugefügt, damit Euch der Trank besser schmeckt.« Sie zuckt mit den Schultern. »Das, was man dafür braucht, findet sich am einfachsten im Wald. Wenn man nicht zu zimperlich ist.«

»Zu zimperlich wozu?«

Ihre Augen leuchten auf, und als sie lächelt, entblößt sie ihre mit dem schokoladigen Trank verschmierten Zähne. »Um das schlagende Herz eines unschuldigen magischen Wesens ausbluten zu lassen.«

Übelkeit schnürt mir die Kehle zu, und dieses Mal hat das nichts mit dem Ring zu tun. In meinem Becher ist immer noch ein Rest des Gebräus. »Blut? Du hast mir Blut zu trinken gegeben, ohne es mir zu sagen?« Eben noch war ich kurz davor, den Becher auszulecken. Jetzt würde ich seinen Inhalt am liebsten wieder hochwürgen und auf den Boden speien.

»Aber es geht Euch besser, oder etwa nicht?«

»Ich …« Ich schließe die Augen und konzentriere mich auf meinen Atem, bis sich die Übelkeit legt. »Ich wusste nicht, dass ich Blut trinke.«

»Aber Ihr esst doch auch Fleisch. Ich sehe da keinen Unterschied.«

»Der Unterschied ist, dass das hier widerlich ist.«

»Bis vor wenigen Sekunden schient Ihr noch nicht so zu denken.« Sie wedelt mit der Hand. »Aber das spielt keine Rolle. Wenn die Zeit gekommen ist, werdet Ihr tun, was zu tun ist.«

»Und ich dachte, du wärst keine Seherin.«

»Bin ich auch nicht. Aber eine Optimistin.«

Ich lasse den Kopf sinken und atme tief durch. Sie hat recht, wenn ich verhindern könnte, dass Mordeus mich benutzt, um den Hof meiner Schwester zu vernichten, würde ich Schlimmeres tun, als Blut zu trinken. »Was für ein magisches Wesen?«

Ihr Grinsen wirkt fast animalisch. »Habt Ihr schon einmal vom Wolpertinger gehört?« Sie macht eine Geste mit der Hand und in der Luft zwischen uns erscheint ein Bild. Die Kreatur sieht ein bisschen aus wie ein großes Kaninchen mit weichem Fell und Schlappohren, aber auf dem Kopf trägt es ein winziges Geweih und hinter seinen Vorderbeinen ragen zarte Flügel hervor.

Ich schüttele den Kopf. »Der ist ja so gut wie wehrlos.« Mir läuft es eiskalt über den Rücken bei dem Gedanken, aus dem Herzen dieses winzigen Wesens Blut zu trinken. »Ich glaube nicht, dass ich das könnte.«

»Ihr habt allein aus Rache Dutzende von Mordeus’ Getreuen umgebracht.«

Ich strecke den Rücken durch. »Die waren nicht unschuldig.«

»Ihr habt einen Grund gefunden, ihre Tode zu rechtfertigen, und Ihr werdet auch dies rechtfertigen. Natürlich nur wenn Ihr überleben wollt. Aber vergesst nicht, Ihr braucht nicht nur sein Blut, sondern auch sein Leben – Ihr müsst so viel Blut nehmen, dass das Herz zu schlagen aufhört. Und die Wirkung hält am längsten an, wenn Ihr das Blut möglichst frisch trinkt. Je länger es von seiner Quelle getrennt ist, desto schneller verblasst seine Magie.«

Ich starre auf den Ring und muss an Skylars Vorschlag von dem Abend denken, bevor ich Ironmoore verließ – dass man meinen Finger abschneiden müsste, um den Ring loszuwerden, falls alles andere misslingt. Dann wäre ich frei von seiner Magie und bräuchte ich mir keine Sorgen mehr zu machen, dass ich tagelang schlafe.

Was wäre schon ein fehlender Finger bei all den anderen Narben, die ich bereits trage – und angesichts der kurzen Zeit, die mir noch bleibt?

Aber ich brauche den Ring. Ich brauche ihn, um nach Feegus Keep hineinzukommen, und auch, um das Schwert zu finden. Mordeus würde solch einen mächtigen Gegenstand bestimmt nicht ungeschützt lassen. Freikämpfen kann ich mir den Weg in die Festung sicherlich nicht. Ich muss es als die Bezaubernde Lady versuchen, und das kann ich nicht ohne diesen verfluchten Ring.

Die Ironie dabei ist mir natürlich bewusst. Alles habe ich für diesen Ring geopfert – nicht nur das heiligste magische Buch meiner Schwester, sondern auch jeden Tag meines Lebens nach meinem achtzehnten Geburtstag. Der Ring ist genau das nötige Werkzeug, um das Schwert zu finden, das mich zu Mordeus bringt und ihn ein für alle Mal vernichtet; gleichzeitig macht mich dieses Ding so krank, dass ich zu kaum etwas anderem als Schlafen imstande bin.

Aber heute Nacht werde ich bekommen, was ich brauche. Wenn alles gut geht, werde ich das Feuerschwert finden und Mordeus entgegentreten, noch bevor die Sonne aufgeht. Wenn das erledigt ist, kann ich mir überlegen, wie es weitergeht.

Jetzt darf ich nicht darüber nachdenken. Alles habe ich für meine Rache hingegeben, und meine Gedanken dürfen jetzt nicht abschweifen zu dem, was geschieht, wenn es nichts mehr zu rächen gibt.

»Feegus Keep«, sage ich. »Ist das hier in der Nähe?«

»Ihr stellt immer noch die falschen Fragen.«

»Bitte.«

Sie reckt ihr Kinn vor. »Jagt den Mond durch den Wald und dann weiter hinter dem See. Ihr könnt es nicht verfehlen.«

»Danke«, flüstere ich. Sie nickt und wendet sich zum Gehen.

Ich sehe an mir herunter. Die Hose und Stiefel, die ich bei meiner Flucht vor Kendrick und seinen Freunden trug, sind abgewetzt und voller Ruß, als wäre ich durch einen abgebrannten Wald gekrochen. »Wie lange habe ich denn geschlafen?«, rufe ich ihr hinterher.

Sie blickt über die Schulter zurück und zieht die feinen grauen Augenbrauen hoch. »Mehr als acht Monate.«

Alles in mir bäumt sich dagegen auf, das zu glauben. »Das hieße ja, mein Geburtstag ist in –«

»Elf Tagen.«

Kapitel 2

Felicity

»Solltest du nicht längst im Bett sein?«

Die Worte treffen mich unvorbereitet und holen mich zurück in meinen Körper, als wäre ich in Gedanken ganz woanders gewesen. Ich richte meine Aufmerksamkeit auf die Stimme und entdecke meinen Bruder, der schmunzelnd im mondbeschienenen Garten des Palastes hinter mir steht. Konners blassblaue Augen und weißblonde Haare sind identisch zu meinen, aber die meiste Zeit trägt er die grimmige Miene eines Kriegers zur Schau. Nicht heute Abend allerdings, und sein Lächeln lässt mir warm ums Herz werden.

»Du bist zurück!« Ich hüpfe von dem Steinsims herunter und renne zu ihm.

Konner zieht mich fest an seine Brust. »Es waren doch nur zwei Wochen. Ich hatte versprochen, nicht lange fortzubleiben.«

Verwundert mache ich mich von ihm los. Natürlich hat er recht. Er war wirklich nicht lange fort, aber irgendwie ist mir, als hätte ich das ganze Leben mit einem Loch in meiner Brust verbracht, das dort klaffte, wo mein Zwillingsbruder hätte sein sollen. Ich schiebe den Gedanken beiseite und drücke seine Hände. »Und ich bin froh darüber. Ich war ein bisschen verloren ohne dich.«

Er fasst mein Kinn und grinst. »Wirklich? Waren deine letzten Worte vor meiner Abreise nicht, ich solle endlich den Kopf aus meinem Arsch ziehen, bevor mir die Chance durch die Lappen geht, das schönste Mädchen von ganz Elora zu heiraten?«

»Es war ganz offensichtlich aus reiner Liebe und Bewunderung, dass du diesen Rat bekommen hast.«

»Keine Frage.« Er nickt in Richtung Palast und wie selbstverständlich mache ich mich an seiner Seite auf den Weg.

Die Sterne funkeln so hell, als hätten sich alle Wolken mit der Ankunft des Mondes zerstreut.

»Erzählst du mir, was dich hinaus in den Garten treibt, während der Mond so hoch am Himmel steht?«

»Albträume«, räume ich ein. »Ich wollte den Kopf frei bekommen, damit ich wieder einschlafen kann.«

Er wirft mir einen ernsten Blick zu. »Möchtest du darüber reden?«

Ich beiße mir auf die Lippe. Ich verweile in Gedanken nicht gern in der Einsamkeit und dem Leid, das meine Träume heimsucht, aber das hier ist Konner. Ich kann ihm alles erzählen und normalerweise geht es mir danach besser. »Ich habe immer wieder diese Träume, dass ich …«

Er wartet einen Moment ab und runzelt dann die Stirn. »Sprich weiter.«

Ich verziehe das Gesicht. Wie bekomme ich es bloß hin, dass ich dabei nicht lächerlich klinge – und mich auch so fühle? »Dass ich mutterseelenallein auf der Welt bin.«

»Felicity«, murmelt er. »Du weißt doch – das bist du nicht.«

Ich schüttele den Kopf. »Vielleicht liegt es daran, dass du fort warst und Aster seit Ewigkeiten nicht mehr aus Elora zu Besuch gekommen ist. Ich weiß nicht. Aber die Träume fühlen sich so echt an. Ich lebe in Faerie. Ich bin auf der Flucht und muss mich verstecken. Ich habe keine Familie, keine Freunde und kann nicht einmal meine wahre Gestalt annehmen, weil das zu gefährlich ist.« Ich werfe ihm verstohlen einen Blick zu, um zu sehen, ob er mich für verrückt hält, aber er blickt zu denselben Sternen hinauf, die auch mich diese Nacht getröstet haben, und nickt.

»Das ergibt Sinn.«

Mir schnürt es die Brust zusammen. Mir war nicht klar, wie viel mir daran liegt, dass er meine dummen Träume ernst nimmt. »Wirklich?«

»Doch, natürlich. Es gibt nur eines, das dir noch wichtiger ist als Elora, als deine Heimat, und das ist deine Familie. Deine Liebe ist, was dich antreibt – ob du dich nun darauf vorbereitest, bei den Sieben einzutreten oder deine Freunde anzuleiten. Der schlimmste Albtraum wäre für dich, wenn dir das alles genommen würde.« Seine Augen, die meinen so sehr ähneln, sind voller Zärtlichkeit, als er mich betrachtet. »Welchen Sinn hätte all dies, wenn du deine Familie nicht hättest?«

Die Faust, die mein Herz gepackt hält, löst sich ein wenig. »Ich fühle mich so schutzlos. In diesen Träumen. Schutzlos und verängstigt, dass ich dort leben muss anstatt hier.« Ich muss schlucken. »Aber sie fühlen sich so echt an. Was, glaubst du, hat das zu bedeuten?«

»Vielleicht fühlst du dich einfach machtlos gegen diese unbekannten Feinde, die versucht haben, in unseren Palast zu gelangen.« Sein Mund kräuselt sich zu einem erzwungenen Lächeln, aber ich erkenne das Mitleid in seinen Augen. »Oder es bedeutet einfach, dass du den besten Zwillingsbruder aller Reiche hast.«

Ich muss laut lachen und versetze ihm mit dem Handrücken einen Klaps auf den Arm. »Oh. Genau das muss es sein.«

Er legt den Kopf zur Seite. »Aber es tut mir wirklich leid, dass du Albträume hast. Wenn’s nach mir ginge, gäbe es keine bösen Leute und wir müssten diesen Palast nie verlassen.«

»Ich begreife gar nicht, warum sie uns so sehr hassen«, sage ich mit einer Handbewegung in Richtung Palast. »Das geschieht doch alles zum Besten des Reiches. Um diejenigen zu beschützen, die schwächer sind als wir. Warum sollte irgendjemand dagegen sein?«

Sein Blick wandert wieder hinauf zu den Sternen und er seufzt. »Manchmal glaube ich, dass wir dir keinen Gefallen getan haben, indem wir dich hierbehalten. Wir haben dich so wirkungsvoll vor allem Bösen der Welt abgeschirmt, dass du seine Existenz gar nicht begreifen kannst.«

»Ganz so naiv bin ich auch nicht.«

Er schüttelt den Kopf. »Nein, nein. Aber voller Hoffnung und Zuversicht. Und genau das braucht Elora jetzt.« Er stupst meine Nase an und hakt sich dann bei mir unter. »Du sollst dich nicht verändern, Schwesterherz – aber das Reich.«

Er führt mich durch die schwere Tür beim Dienstboteneingang in die Stille der nächtlichen Korridore des Palastes. An den Wänden hängen, im flackernden Licht zahlloser Fackeln, Gemälde der berühmtesten Künstler von Elora.

Vor der Tür meines Zimmers bleibt er stehen. »Wie wär’s, wenn ich dir verrate, dass mir jemand vor meinem Aufbruch in Faerie etwas für dich mitgegeben hat?«

In meinem Magen kribbelt es. »Hat er das?«

Konner zieht einen blassgrünen Samtbeutel aus der Tasche und drückt ihn mir in die Hand.

Ich löse die Kordel und lasse den Inhalt in meine Handfläche gleiten. Mit stockendem Atem starre ich auf das schönste Paar Ohrringe, das ich je gesehen habe – blutrote Rubine, gefasst in feine Goldranken, mit winzigen Smaragden als Blätter. »Warum in aller Welt sendet er mir so ein wunderschönes Geschenk?«

»Ich denke doch, als Beweis seiner Zuneigung. Nicht dass irgendjemand daran zweifeln würde.«

Wieder mustere ich die Ohrringe. »Hat er dir auch eine Nachricht mitgegeben?«

»Eine Nachricht?« Er schüttelt den Kopf und mir wird das Herz schwer.

Ich sollte nicht so viel erwarten. Er ist sehr beschäftigt und hat wahrscheinlich mehr zu tun, als ich überhaupt erfassen kann. Ich sollte das Geschenk einfach annehmen und dankbar dafür sein.

Konners Mundwinkel zucken und er nickt in Richtung der Tür hinter mir. »Ich bin mir ziemlich sicher, dass er dir das, was er zu sagen hat, lieber persönlich überbringen würde.« Bevor ich seine Worte vollständig verarbeiten kann, fasst er mich an den Schultern, dreht mich herum und bugsiert mich in meine Gemächer. Mit einem leisen Klicken fällt die Tür hinter mir ins Schloss.

Auf der anderen Seite wartet der atemberaubend gut aussehende König der Wilden Fae, den Zeigefinger auf die Lippen gepresst, und kann damit doch kaum verhindern, dass ich laut loskreische.

Sein Lächeln wird immer breiter, während er mich betrachtet. »Felicity.« Mein Name klingt wie ein Seufzer. Eine Entdeckung. Eine Befreiung. Seine dunklen Locken sind zerzaust, als hätte er seine Hände während des Wartens nicht unter Kontrolle gehabt. Seine Haut schimmert in einem dunkleren Goldton als bei unserer letzten Begegnung – Beleg für viele Stunden, die er während unserer Trennung unter der freien Sonne verbracht hat, aber die rostbraunen Augen, die ich so sehr liebe, sind immer noch dieselben.

»Ich habe dich vermisst«, flüstere ich, während der dumpfe Schmerz in meiner Brust langsam verebbt.

Er wirft einen raschen Blick zur Tür, dann bin ich auch schon in seinen Armen und werde herumgewirbelt, bis ich mit dem Rücken an der Wand stehe, mein Gesicht in seiner großen Hand geborgen. »Nicht so sehr, wie ich dich vermisst habe.«

Ich ziehe meine Unterlippe zwischen meine Zähne.

»Du hättest das nicht tun müssen. Ich brauche keine Geschenke.«

Seine rauen Fingerkuppen kitzeln auf meiner Handfläche, als er einen Ohrring hochhebt; dann hält er ihn mir ans Ohr. »Wie bedauerlich, wo ich dir doch alles schenken möchte.« Er befestigt das Schmuckstück und wiederholt die Bewegung auf der anderen Seite. Als seine Fingerspitzen über meine Ohrmuschel streichen, erschaure ich.

»Hast du schon weiter nachgedacht über das, was wir besprochen haben?«

Mein Bauch kribbelt bei der Erinnerung an unser letztes Gespräch. »Ich dachte, das wäre vielleicht dem Fae-Wein geschuldet … Falls mein Bruder dich gedrängt haben sollte, das so zu sehen, und du das in Wahrheit nicht willst –«

Er legt mir seinen Zeigefinger auf den Mund. »Ich bin in dich verliebt, Felicity. Schon seit ich dich zum ersten Mal gesehen habe.«

Mir schießt die Röte in die Wangen und ich senke den Blick. »Ich weiß gar nicht, warum.«

»Weil du schön bist. Und gütig. Und treu. Du bist mehr, als ich mir je von einer Partnerin erträumt habe, und ich werde alles tun, was deine Mutter verlangt, um dich zur Frau zu bekommen. Aber natürlich nur wenn du das willst.«

Er senkt den Kopf und streicht mit den Lippen über die meinen. Sie sind so weich und der Kuss ist so sanft … Ich biege meinen Rücken durch, gehe auf die Zehenspitzen und öffne meinen Mund. Ich will mehr. Unsere gemeinsame Zeit bestand bis jetzt nur aus gestohlenen Momenten und flüchtigen Küssen – und nie genügend Zeit nur für uns zwei.

Felicity, du musst aufwachen.

Die Worte ziehen mich von ihm fort und ich blicke mich um. »Hast du etwas gesagt?«

Er runzelt belustigt die Stirn. »Während ich dich küsse?«

»Ich meine, in meinen Gedanken?«

Mir ist, als würde ich noch einmal meinen Namen hören, aber diesmal ist es wie ein fernes Echo in meinem Kopf. Eher eine Erinnerung als ein Geräusch.

Misha legt den Kopf schief. »Ist alles in Ordnung?«

Ich konzentriere mich, höre aber nichts mehr. Fühle nichts als die Gegenwart des Fae, der vor mir steht. Ich schüttele den Kopf. »Alles gut. Vielleicht bin ich einfach ein bisschen müde.«

»Du schläfst nicht genug«, sagt er. »Mehr Albträume?«

Ich zucke beiläufig mit den Achseln. »Kannst du bleiben? Die Mägde halten das Gastzimmer stets bereit.« Natürlich wäre es mir lieber, er bliebe in meinem Zimmer, aber Mutter würde das niemals zulassen.

Sein Adamsapfel hüpft und in seinen Augen schimmert das Bedauern. »In Faerie hat sich einiges ereignet und es gibt Drohungen gegen meinen Hof. Ich war schon zu lange fort, und das schwächt die Magie des Throns.«

Etwas windet sich in meiner Brust, hart und unnachgiebig. »Natürlich wirst du zu Hause gebraucht. Aber ich könnte dich ja mal besuchen kommen.«

Er schüttelt bedächtig den Kopf. »Erst wenn es sicher ist. Ich will dich nicht in Gefahr bringen.«

»Mir wird nichts geschehen.«

Er tritt zurück. »Felicity …«

Ich sehe die Entschlossenheit in seinen Augen und es bricht mir fast das Herz. »Ich bin doch kein zerbrechliches Wesen, das du beschützen musst. Ich liebe dich. Ich will dich nicht verlieren.«

»Dann warte auf mich.« Sein Gesichtsausdruck ist voller Geduld, obwohl ich um etwas bitte, worauf ich kein Recht habe. Ich wusste, wer Misha ist, als wir unsere Beziehung begannen – schon bevor die Gerüchte über die Übernahme des Hofs bekannt wurden. Ich wusste um seine Pflichten und auch um seine Prioritäten.

»Die Leute, die deinen Hof stehlen wollen, während er geschwächt ist – sie werden alles tun, um ihre Lügen in deinem ganzen Königreich zu verbreiten und dich vom Thron zu stoßen. Das Gute ist gegenüber dem Bösen im Nachteil, weil wir moralisch handeln. Wir haben Grenzen, die wir nicht übertreten. Im Gegensatz zu ihnen.«

»Aber das hier haben sie nicht«, sagt er und streicht mir mit dem Daumen über die Wange. »Eine Liebe wie diese werden sie niemals erleben, und deshalb werden sie niemals so viel haben, für das es sich zu kämpfen lohnt, wie ich.«

Tränen laufen mir über die Wangen, heiß und nass, während er den Mund auf meinen senkt. Und zum ersten Mal ist sein Kuss nicht flüchtig. Er neigt den Kopf zur Seite, öffnet die Lippen und zieht mich an sich. Es ist ein tiefer Kuss, erfüllt von all der Liebe, all den Versprechen, die ich mir nur wünschen kann. Ein Kuss, der sagt: Ich werde dich holen kommen. Ein Kuss, der sagt: Ich werde durch diese Liebe siegen. Ein Kuss der reinen Hingabe.

Ich lasse mich ganz in seine Arme sinken und versuche, alles andere aus meinen Gedanken zu verbannen, doch als ich mich später schlafen lege, bin ich immer noch nicht ganz bei mir. Noch immer höre ich die Worte, als würde mich jemand an den Schultern packen und schütteln.

Felicity, du musst aufwachen.

***

Das Heulen der Sirene reißt mich auf dem Schlaf und augenblicklich sitze ich kerzengerade im Bett.

Eine Sirene.

Die Luft entflieht meinen Lungen.

Sie sind hier. Sie sind durch die Palastmauern gebrochen.

Noch bevor ich die Füße auf den Boden setze, fliegt die Tür auf und meine Zofe stürzt herein.

»Mylady, wir müssen einen gesicherten Raum aufsuchen.«

Ich schiebe die Füße in meine Slipper und greife nach meinem Morgenmantel. »Wo ist Konner?«

Die Zofe blickt über die Schulter zur offenen Tür und dann wieder zu mir. »Wir müssen uns beeilen. Wir wissen noch nicht, wo die Eindringlinge sind oder wer ihr Ziel ist.«

Ich werfe den Morgenmantel zurück aufs Bett und streife die Slipper wieder ab.

»Was tut Ihr? Wir müssen los.«

»Ich kleide mich an. Wir müssen meine Mutter finden. Sie sind wegen der Sieben hier und keiner von uns wird den Morgen erleben, wenn sie Erfolg haben.« Ich versuche, entschlossen und selbstsicher zu klingen, aber bei den letzten Worten bricht meine Stimme. Meine Augen brennen. Ein schwaches kleines Mädchen kann sich nicht seinen größten Feinden stellen und überleben. Und heute muss ich mehr tun, als nur zu überleben. Ich muss die Menschen beschützen, die ich liebe. Meine Mutter. Die Sieben. Und mit ihnen das ganze Reich.

»Bitte«, fleht meine Zofe hinter mir. »Bitte kommt mit mir und wir begeben uns in Sicherheit. Eure Mutter wird von unseren besten Wachleuten geschützt.«

Ich schüttele heftig den Kopf. »Das muss ich selbst tun. Ich kann sie schützen. Das Orakel hat es mir gezeigt.« Viele Jahre ist es inzwischen her. Damals war ich noch nicht einmal zehn Jahre alt und hatte Albträume von einem Fae, der meiner Mutter etwas antun wollte – dem Fae, den ich, wie mir das Orakel gezeigt hat, besiegen werde.

Mir ist selbst nicht klar, woher ich weiß, dass heute der Tag gekommen ist, oder warum ich mir so sicher bin, dass er bei diesem Angriff auf den Palast dabei sein wird, aber ich zweifle nicht an meinem Bauchgefühl, während ich das Nachthemd ausziehe und mit den Armen in ein frisches Hemd schlüpfe.

Als ich die lederne Kampfhose anhabe und nach meinen Stiefeln greife, sehe ich, wie meine Zofe mit zitternder Unterlippe die Hände ringt. »Bitte!«, haucht sie.

»Geh in den Keller hinunter und dann bis hinter die Waffenkammer. Das ist der sicherste Ort im ganzen Palast.«

Sie blickt zur Tür und ich weiß, dass sie fliehen möchte, aber sie schüttelt den Kopf. »Nicht ohne Euch.«

»Ich habe hier das Kommando«, sage ich, und als ich dieses Mal Entschlossenheit in meine Stimme lege, bleibt sie fest. »Und ich befehle dir, ohne mich hinunterzugehen.«

»Das kann ich nicht. Ich würde es mir nie verzeihen, wenn Euch etwas geschieht. Und Eure Mutter würde mir niemals vergeben.«

»Und ich würde mir niemals vergeben, wenn ihr etwas passiert.« Ich beschwöre sie mit einem langen Blick, meinen Standpunkt zu verstehen.

»Wenn Euch etwas geschieht –«

Ich darf jetzt keine Zeit mehr mit dem Versuch verschwenden, sie zu überzeugen, deshalb setze ich sie kraft meiner Magie mit einer Handgeste in Bewegung. Ihr Körper erschlafft für einen Moment, dann geht sie mit hängenden Armen aus dem Zimmer. Wahrscheinlich hasst sie mich dafür, aber später wird sie mir vergeben.

Allerdings nur wenn du selbst nicht getötet wirst.

Ich schlüpfe in meine Stiefel und schnüre sie rasch zu. Dann ziehe ich die Nachttischschublade auf und schließe meine Finger um den besonderen Dolch, den ich dort aufbewahre.

Ich atme tief durch und laufe los. Überall im Schloss erschallen Rufe. Leute rennen umher, andere werden in Sicherheit gebracht. In allen Richtungen herrscht das reine Chaos, aber ich laufe zur Empfangshalle, denn ich weiß, dass die Sieben dort das Podium bewachen, von wo wir uns – aus der Sicherheit des Palastes – an das Volk von Elora wenden können.

Ich jage durch die Gänge und schlängele mich zwischen jenen hindurch, die in die andere Richtung laufen – in die Schutzräume. Erst als ich in einen abgelegenen Korridor im Privatbereich biege, lichtet sich die Menge. Ich beschleunige meine Schritte noch einmal zum Sprint.

Du musst aufwachen.

Die Stimme lässt mich abrupt innehalten.

Ich kann dir nur helfen, wenn du aufwachst.

Ich wirbele herum und suche nach dem Ursprung der Worte, sehe aber nichts. Niemanden.

Wie Schlaglichter erscheinen Bilder in meinem Kopf – als befände ich mich an zwei Orten zugleich. Bilder eines kleinen Jungen mit blauen Augen, der mich einen Baum hinaufjagt, während ich entzückt kichere. Bilder von Getreidefeldern vor dem Küchenfenster und von dem lachenden Gesicht meiner Mutter.

Nein. Das ist nicht meine Mutter. Ich kenne diese Frau mit dem braunen Haar und den grünen Augen nicht. Und doch bereitet mir ihr Anblick einen Schmerz, den ich nicht erklären kann. Erfüllt mich mit einer Sorge, die keinen Sinn ergibt.

Ich bohre die Fingernägel in meine Handflächen und hoffe, dass ich dadurch wieder zu mir komme. Das ist ein Trugbild. Lass dich von ihrer manipulativen Magie nicht von deiner Mission abbringen.

Ich spüre die Gegenwart meiner Mutter, bevor ich sie sehe.

»Felicity!«, ruft sie.

Aber noch während sie ihre Aufmerksamkeit auf mich richtet, stürzt sich ein Fremder auf sie. Ich greife an und nutze meine Klinge auf eine Weise, die mir vom Training her sofort vertraut ist, zugleich aber vollkommen fremd, weil ich das Gefühl nicht kenne, wenn sie in Fleisch eindringt.

»Felicity«, haucht der Fae, bevor er vor meinen Füßen niedersinkt.

Ich sehe ihm in die blauen Augen und mir stockt der Atem. Hale.

Woher kenne ich seinen Namen? Warum möchte ich die Götter anflehen, mein Leben gegen seines einzutauschen?

Dein Bruder braucht dich.

Ich wirbele herum auf der Suche nach dieser Stimme.

Konner kommt in den Raum gestürmt und zieht mich in seine Arme.

Und ich erstarre. Ich erstarre, weil ich mich auf einmal nicht mehr daran erinnern kann, was mir das Orakel gezeigt hat, das mich heute Abend hierhergeführt hat. Und ich kann mich nicht erinnern, warum ich den Fae am Boden getötet habe.

Wach. Auf.

Das ist nicht richtig. Nichts von alldem ist richtig. Ich sollte nicht einmal hier sein.

Und ich weiß so sicher wie meinen eigenen Namen, dass der Fae, der mich an seine Brust drückt, zwar mein leiblicher Bruder sein mag, aber er ist nicht der Fae, mit dem ich aufgewachsen bin, und dass ich mein ganzes Leben auf der Flucht vor ihm verbracht habe.

Kapitel 3

Jasalyn

Kein Mantra, keine Atemtechnik und kein Ring der Welt würde es mir ermöglichen, Feegus Keep ohne dieses entsetzliche Gefühl der Angst tief in meinem Bauch zu erkunden. Ich bin jetzt schon seit Stunden hier, aber es ist kein bisschen besser geworden, seit ich von der Koboldin fortgegangen bin und mich den Wachen am Haupttor mit dem Lächeln der Bezaubernden Lady präsentiert habe.

Die Säle, die ich durchstreift habe, verraten nichts von den abscheulichen Dingen, die in diesen Mauern verbrochen werden. Irgendwo tief unter den verschlungenen Gängen mit ihren Räumlichkeiten für Besprechungen und Schlafsälen mit Stockbetten liegt der Kerker, in dem Mordeus mich gefangen gehalten hat und wo ich die schlimmsten Wochen meines Lebens verbracht habe.

Dank des Rings sahen die Wachleute nur die Bezaubernde Lady. Sie hatten keine Ahnung, wie heftig ich innerlich zitterte. Aber alle Kühnheit, die dieser Erfolg – diese Festung zu betreten und sie unbehelligt zu erkunden – in mir hat aufkeimen lassen, wird gedämpft von dem Gefühl, dass ich verfolgt werde.

Wieder blicke ich über meine Schulter und sehe doch nur Leute, die hierherzugehören scheinen. Ich spähe zu den Fenstern am Ende des steinernen Saals hinüber, um abzuschätzen, wie viel Zeit mir wohl bis Sonnenaufgang bleibt. Noch steht der Mond hoch am Himmel, aber ich könnte die ganze Nacht hindurch nach dem Schwert suchen und wäre immer noch nicht in allen Räumen hier gewesen. Die Anlage ist schier endlos – schon allein die vielen Wendeltreppen sind mir eigentlich zu viel, ganz zu schweigen von den unterirdischen Stockwerken, die ich bislang gemieden habe.

Du hast acht Monate lang geschlafen. Du kannst es dir nicht leisten, dich jetzt von deiner Angst bremsen zu lassen.

Vom anderen Ende des Flurs kommt jemand pfeifend auf mich zu. Sie hat ihren Bademantel eng um die Taille gebunden und ein Handtuch über die Schulter geworfen, als käme sie gerade aus der Dusche.

»Entschuldige bitte!«, rufe ich und trabe ihr entgegen. Sie bleibt stehen und bedenkt mich mit einem strahlenden Lächeln. »Ich suche nach dem Feuerschwert.«

Dieses Schwert soll über eine besondere Art der Magie verfügen, die einen an jeden gewünschten Ort bringen und selbst den stärksten Unsterblichen töten kann. Kendrick hatte gehofft, wir könnten das mythische Schwert in Feegus Keep finden. Er wollte es in seinen Besitz bringen, damit ich Erith finden und töten kann, den niederträchtigen Anführer, der so vielen Eloranern Schaden zugefügt hat. Ich will es finden, um Mordeus aufzuspüren und zu töten.

»Ihr seid so gütig«, erwidert sie und tritt wie magnetisch angezogen näher heran. »Ich möchte Euch helfen. Was immer Ihr wünscht.«

Ich bin kurz davor, die Geduld zu verlieren. Ich brauche den Ring, damit diese Leute mir zu Willen sind, aber das unvermeidliche Geschmeichel der Angesprochenen wird mir allmählich lästig. »Sage mir, wo ich das Feuerschwert finden kann.«

Sie schüttelt den Kopf. »Ich weiß nicht, was das ist, aber ich werde Euch bei der Suche helfen.«

Mühsam unterdrücke ich einen frustrierten Seufzer. Bislang wusste keiner, den ich angesprochen habe, etwas von dem Schwert. Mir ist natürlich klar, dass Mordeus nicht jedem, der in der Festung stationiert ist, erzählt hat, welche Wertgegenstände hier gehütet werden, aber irgendjemand muss doch etwas wissen.

Ich versuche es noch einmal. »Wo bewahrt Mordeus seine wertvollsten Besitztümer auf?«

»Er ist klug, wenn auch vielleicht nicht so klug wie Ihr. Er bewahrt sie verstreut im ganzen Reich auf und manches auch im Palast von Elora.«

»Und was ist mit den heiligen Gegenständen, die hier gelagert werden?«

»Das weiß ich nicht.« Sie schüttelt bekümmert den Kopf. »Es tut mir wirklich leid. Soll ich Euch nicht beim Suchen helfen?«

»Kannst du mir sagen, wo ich jemanden finden kann, der etwas darüber wissen könnte?«

»Kommandantin Rieckus kennt alle Geheimnisse dieser Festung.«

»Und wo kann ich diese Kommandantin finden?«

»Sie hält sich im unterirdischen Teil auf, hinter dem Kerker, wo sie die Gefangenen im Auge behalten kann. Sie kann aber sehr grausam sein und ich möchte nicht, dass Euch etwas zustößt.«

Im Kerker. Obwohl mir das Entsetzen die Kehle zuschnürt, schenke ich ihr ein Lächeln. »Das wird nicht geschehen, versprochen. Jetzt geh zu Bett und ruh dich aus.«

Sie nickt eifrig. »Gerne. Wenn es das ist, was Ihr wünscht.«

Ich würde alles tun, um nicht hinunter in den Kerker gehen zu müssen. Die Versuchung ist so groß. Möglicherweise ist das, was ich suche, nicht einmal hier, aber ich will nicht wieder gehen, ohne die Kommandantin gefragt zu haben. Sie könnte mir zumindest einen Anhaltspunkt geben, wo ich als Nächstes suchen könnte.

Hinter mir wird ein Schwert mit singendem Klang aus der Scheide gezogen.

Ich ziehe meinen Dolch, drehe mich hastig herum und sehe mich einem Fae mit weit aufgerissenen Augen gegenüber. »Mylady, ich dachte nur, ich könnte Euch vielleicht mein Schwert anbieten?«

Mein Herz pocht wie wild. Du bist die Bezaubernde Lady. Niemand wird dich verletzen, solange du den Ring trägst. Du kannst wieder atmen.

»Es ist zwar nicht aus Feuer, aber es stammt von meinem Großvater und hat mich im Laufe der Jahre immer gut beschützt.«

Ich schüttele den Kopf und wende mich zur Treppe in die Untergeschosse, die ich bis jetzt gemieden habe. »Behalte dein Schwert. Das ist nicht, was ich suche.«

Ich könnte jetzt gehen und später zurückkommen. Ich könnte Kendrick und die anderen suchen gehen. Dann müsste ich mich diesem Ort nicht allein stellen.

Aber der Traum verfolgt mich noch immer. Kein Traum – Mordeus’ Erinnerung an den Handel, den er mit Kendrick eingegangen war. Kendrick sollte verhindern, dass ich meinem Leben ein Ende setze, während ich in jener Zelle verrottete, und genau das hat er auch getan. Dazu gab er sich als Mensch aus, weil er wusste, dass ich einem Fae nicht trauen würde. Und diese Fassade hielt er auch dann noch aufrecht, als wir uns wieder trafen. Das war eine Lüge.

Ich kann nicht riskieren, Kendrick noch einmal zu vertrauen. Nicht wenn auch nur der Hauch einer Möglichkeit besteht, dass er mit Mordeus zusammenarbeitet. Er hat gelogen, als er sagte, er wolle mir bei der Flucht aus dem Kerker helfen. Und er hat darüber gelogen, wer er ist. Ich kann ihm nicht vertrauen. Also muss ich das hier allein schaffen.

Die in den Gängen des Kerkers aufgereihten Wachsoldaten stellen für mich keine Gefahr dar, wie ich mir noch einmal einschärfe. Sie werden nur die Bezaubernde Lady wahrnehmen und ihren Willen erfüllen.

Ich mache einen ersten Schritt, dann einen zweiten. Die Magie des Rings sollte mein Herz beruhigen und meine Ängste dämpfen. Aber Ängste und Taubheit kehrten schon zurück, noch bevor ich Kendrick verließ, und diese Angst kreischt viel zu schrill, um gänzlich zum Schweigen gebracht zu werden.

Aber das hier wird meinen Einsatz wert sein. Wenn ich das Schwert in diesen düsteren Gewölben finde, wird das Entsetzen, das mein Herz gepackt hält, keine Rolle mehr spielen.

Mit jedem Schritt, der mich weiter in die Tiefe führt, fühle ich mich weniger wie die Bezaubernde Lady mit dem Herzen aus Eis und immer mehr wie die Vierzehnjährige, die Mordeus gebrochen hat. Ich sehe über meine Schulter – einmal, ein zweites Mal –, weil ich das Gefühl nicht loswerde, dass mir jemand in einigen Schritten Entfernung folgt. Trotzdem gehe ich weiter. Weil mir nicht mehr viel Zeit bleibt. Ich habe nur noch elf Tage.

Den Gedanken daran habe ich nicht mehr zugelassen, seit ich das Haus der Koboldin verlassen habe. Elf Tage bis zu meinem Tod. Elf Tage, bis ich alles verliere.

Ich möchte weit weglaufen von diesem Ort mit seinen Erinnerungen an Schmerz und Schrecken, aber ich habe keine Zeit zu vergeuden und ich werde ihn nicht gewinnen lassen.

Acht Monate ist es jetzt her. Woher willst du wissen, dass Mordeus sich immer noch im Palast von Elora aufhält? Und woher willst du wissen, dass du nicht jeden Augenblick das Bewusstsein verlierst, wenn er dich wieder benutzt, um noch stärker zu werden?

Ich schiebe diese Gedanken beiseite, trete auf die letzte Stufe und strecke eine zitternde Hand nach der Tür aus.

Ich weiß, was mich auf der anderen Seite erwartet. Schmerz und Schrecken, Dunkelheit und Verzweiflung.

»Jasalyn, stopp!«

Ich wirbele herum und sehe, wie Kendrick auf der Treppe hinter mir Gestalt annimmt. »Du bist mir gefolgt?«

Durch die Tür dringt ein seltsames Dröhnen. Der Lärm der schreienden Gefangenen? Eine Art von Vibration?

»Ich musste mich vergewissern, dass du in Sicherheit bist«, sagt er und kommt noch einen Schritt näher. »Du musst dort nicht reingehen. Du bist hier in Gefahr.«

Als ob ich nach all seinen Lügen irgendetwas von dem glauben könnte, was er mir sagt! Warum ist er überhaupt hier, wenn er nicht für Mordeus arbeitet?

»Wie lange bist du schon hier? Arbeitest du für sie?«

Sein Kehlkopf bebt. »Ich dachte mir schon, dass du herkommen würdest, und habe für diesen Fall einen magischen Alarm platziert. Als ich hier ankam, wollte ich nicht, dass du wegläufst und ich wieder vergesse, dass ich dich gefunden hatte. Aber ich konnte dich hier nicht allein lassen.« Er blickt über die Schulter, als wären Probleme im Anmarsch. »Ich konnte es nicht riskieren, dass du bei diesen Leuten hier bist, ohne dass dich jemand beschützt.«

»Mich beschützt? Und ich soll dir glauben, dass es dir wirklich darum geht? Nach allem, was ich inzwischen erfahren habe?«

»Sag mir, was geschehen ist. Sag mir, warum du weggelaufen bist.«

Ich presse meine Lippen zusammen. Ich will jetzt nicht diskutieren. Ich will nicht Gefahr laufen, schwach zu werden – will nicht Gefahr laufen, mich von meinen Ängsten und meiner Einsamkeit wieder in seine Arme treiben zu lassen.

Wenn ich erst durch diese Tür gegangen bin, wird die Magie des Rings dafür sorgen, dass er unser Zusammentreffen wieder vergisst.

Ich greife nach der Klinke und wappne mich innerlich gegen den unerträglichen Lärm und den Gestank aus meinen Erinnerungen, aber als ich den Griff loslasse und die Tür aufschiebe, schlägt mir nur dieses tiefe Dröhnen entgegen, lauter als zuvor.

Bevor sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnen können, jagen rot glühende Lichtschlitze auf mich zu.

Kein Dröhnen. Knurren.

Ich pralle gegen die Wand des Treppenhauses, als Kendrick sich schützend vor mich wirft.

Ein Lichtblitz springt aus seiner Hand und pulsiert um uns herum. Die Kreaturen stoppen abrupt – dunkelhaarige Bestien, wie übergroße Hunde mit riesigen Zähnen und einem wütenden Fauchen.

Im nächsten Augenblick schnellen sie wieder los. Diesmal richtet Kendrick seine Magie auf mich und ich ducke mich nicht einmal weg. Noch bevor ich es spüre, weiß ich, dass er mich damit schützt.

Ein Schild aus Luft schließt sich um mich und wehrt den blutigen Schlund der Bestie ab, die sich auf mein Gesicht stürzt.

Kendrick zieht sein Schwert, schlitzt der Kreatur die Kehle auf und stößt es einer anderen ins Auge. Immer mehr drängen heran, schnappen mit ihren Reißzähnen nach seinem Gesicht und zielen mit ihren Klauen auf sein Fleisch.

Ich sehe den Vorstoß vor ihm kommen. Er schneidet einem Untier gerade den Bauch auf, als ihn das letzte Monster von hinten anfällt. Ich hechte nach vorn und zücke meine Klinge, aber ich bin gefangen, stecke in dem Schutzschild fest, der mich umgibt, und kann nur hilflos zusehen, wie die Kreatur Kendrick mit messerscharfen Klauen den Hals aufreißt und dann die Zähne in seine Seite schlägt.

Kendricks Schmerzensschrei hallt von den Wänden zurück und zerreißt mir fast die Brust. Während ich hilflos gegen den unsichtbaren Schutzschild trommele, stößt er der letzten fauchenden Bestie seinen Dolch in die Kehle. Mit einem ohrenbetäubenden Kreischen fällt sie zu Boden; dann sinkt auch Kendrick auf Hände und Knie nieder.

Er atmet in rauen Stößen. Als er endgültig auf den Steinen zusammenbricht, fällt auch mein Schutzschild in sich zusammen.

Ich eile zu ihm und gehe auf die Knie. Aus seinen Wunden strömt Blut auf die Steinfliesen, wo es sich mit dem der Hunde vermischt. In dem flackernden Licht der Laternen im Treppenaufgang wird seine Haut immer bleicher.

Er packt meine Hand, aber sein Griff ist schwach. »Jasalyn.« Seine Augenlider flattern und fallen zu.

Alles in mir schreit, dass ich ihn retten muss, aber kann ich ihm überhaupt trauen?

Er streckt auch die andere Hand nach mir aus, doch sein Körper bebt vor Schmerz. »Es tut mir leid. Es tut mir leid, dass ich dich nicht vor Mordeus beschützen konnte. Es tut mir leid, dass ich nicht –«

»Nein.« Ich schüttele den Kopf, als könnte ich ihn durch reine, trotzige Willenskraft bei mir behalten. »Du wirst heute nicht Lebewohl sagen.«

»Warum hast du mich verlassen?« Die Frage ertönt so leise, die Worte so schwach, dass mir die Tränen kommen.

»Du bist ein Fae«, flüstere ich und ringe hilflos die Hände. »Warum heilst du nicht?«

Ich reiße mir ein Stück Futterstoff aus der Jacke und presse es auf seine Seite, dort, wo die schlimmste Wunde ist.

»Das Gift des Barghest. Es verzögert die Heilung.«

»Du wirst schon wieder. Ich werde dich zum Palast bringen.« Ich reiße einen Faden aus meinem Koboldarmband und schlucke die nächste Welle andrängender Tränen hinunter. »Die Heiler meiner Schwester können …«

Kendrick schlägt die Augen auf und rollt mühsam den Kopf von einer Seite auf die andere; meine Hoffnung erstirbt, als ich begreife, was er mir in Erinnerung rufen will.

Mein Kobold wird nicht kommen. Kendrick ist zu schwer verletzt. Seine Wunden zu tief. Kobolde dürfen nicht eingreifen, wenn es um Leben und Tod geht.

Seine Augen schließen sich wieder.

»Bleib bei mir«, flehe ich. »Mach die Augen auf, Kendrick. Du musst bei mir bleiben.«

Aber seine Augen bleiben geschlossen und er atmet nur noch flach. Zu flach.

»Hilfe!«, rufe ich die Treppe hinauf. »So hilf mir doch jemand! Schnell!«

Um uns verstreut liegen die blutigen Kadaver der Bestien, die in diesem Keller eingeschlossen waren. Bestien, die mich in Stücke gerissen hätten, wenn Kendrick nicht erschienen wäre. Warum war er hier? War er wirklich auf der Suche nach mir oder arbeitet er mit diesen Leuten zusammen? Wollte er Mordeus helfen?

Ich hole tief Luft und rufe diesmal, so laut ich kann: »Schnell, helft mir!«

Ich spüre, wie mir das Blut aus seiner Seite durch die Finger rinnt, und sehe, dass sein Atem immer langsamer geht.

Gerade als ich schon glaube, dass niemand kommt und ich ihn zurücklassen muss, um Hilfe zu holen, höre ich Schritte auf der Treppe.

»Mylady?« Der Fae sieht mit großen Augen auf mich herab, als er das Gemetzel sieht. »Seid Ihr verletzt? Lasst mich Euch helfen.«

»Mein Freund ist verletzt«, sage ich und stelle sicher, dass ich seine volle Aufmerksamkeit habe – dass er die Bezaubernde Lady sprechen hört. »Ich brauche einen Heiler, und zwar schnell.«

Er nickt ruckartig, macht kehrt und will die Stufen schon wieder hinaufeilen, als mir einfällt – der Ring. So wie er dafür sorgt, dass mir dieser Fae zu Willen ist, sorgt der Ring auch dafür, dass er mich in dem Augenblick vergessen wird, den er außer Sicht ist. Er wird mich vergessen und damit auch, dass er einen Heiler holen soll.

»Warte!« Mein Puls rast und rauscht so heftig in meinen Ohren, dass ich kaum klar denken kann. Da ist so viel Blut. »Bitte verlass mich nicht. Ich …«