Bergkristall - Folge 272 - Tanja Steinberg - E-Book

Bergkristall - Folge 272 E-Book

Tanja Steinberg

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Beschreibung

Lange sieht Christl auf das Bild nieder, das gerahmt auf dem Schreibtisch ihres neuen Brotherrn steht. Wunderschön ist die Frau auf dem Foto! Kein Wunder, dass der Klausner-Bauer nach Julias frühem Tod keine andere mehr betrachtet.

Auch für Christl, seine neue Magd, hat er keinen Blick. Dabei hat sie sich von der ersten Sekunde an in Robert Klausner verliebt - und auch seinen kleinen Buben ins Herz geschlossen. Am besten, sie tut ihre Arbeit und begräbt alle Träume, die sich doch nie erfüllen werden.

Aber dieser Entschluss gerät ins Wanken, als der Klausner-Hof von einem schweren Unglück getroffen wird - und Christl dabei eine erstaunliche Entdeckung macht ...

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Seitenzahl: 110

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Inhalt

Cover

Impressum

Ein Engel schenkt ihm Glück und Liebe

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2016 by Bastei Lübbe AG, Köln

Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Michael Wolf

eBook-Produktion: César Satz & Grafik GmbH, Köln

ISBN 978-3-7325-3912-3

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Ein Engel schenkt ihm Glück und Liebe

Bewegender Roman um eine Romanze in den Bergen

Von Tanja Steinberg

Lange sieht Christl auf das Bild nieder, das gerahmt auf dem Schreibtisch ihres neuen Brotherrn steht. Wunderschön ist die Frau auf dem Foto! Kein Wunder, dass der Klausner-Bauer nach Julias frühem Tod keine andere mehr betrachtet.

Auch für Christl, seine neue Magd, hat er keinen Blick. Dabei hat sie sich von der ersten Sekunde an in Robert Klausner verliebt – und auch seinen kleinen Buben ins Herz geschlossen. Am besten, sie tut ihre Arbeit und begräbt alle Träume, die sich doch nie erfüllen werden.

Aber dieser Entschluss gerät ins Wanken, als der Klausner-Hof von einem schweren Unglück getroffen wird – und Christl dabei eine erstaunliche Entdeckung macht …

„Nein, Bub, so geht das net, du hast ja deine Jacke schief zugeknöpft!“

Die alte Magd Wanda griff nach der hübschen Trachtenjacke aus Schafwolle, um den Fehler zu beseitigen.

Aber der fünfjährige Florian riss sich los.

„Nein, nein, selber machen. Ich bin schon groß“, protestierte er und versuchte zu entkommen.

Doch Wanda war mit ihren gut sechzig Jahren noch recht flink und erwischte ihn im letzten Moment am Jackenzipfel.

„Hiergeblieben und stillhalten!“, kommandierte sie. „Das wird nix, Flori, das schaffst du net allein.“

Halb acht war es an einem sonnigen Tag Mitte Mai. Auf dem Klausner-Hof in Tiroler Dorf Murnach hatten die vier Hausgenossen das Frühstück schon hinter sich. Der alte Knecht Pankraz war um sechs Uhr aufgestanden und hatte im Stall die Kühe gemolken, die er dann auf die Wiese hinter dem Obstgarten hinausgeführt hatte. Sie hatten sofort zu fressen begonnen, denn das frische, frühlingsgrüne Gras schmeckte ihnen köstlich.

Nun zündete sich der Pankraz eine Pfeife an und schaute zu, wie die Wanda den künftigen Hoferben ausgehfertig machte. Eine solche Pause nach der Morgenarbeit hatte sich der Sechsundsechzigjährige wohlverdient.

Der Bauer rangierte im Hof mit dem Kombi hin und her. Er hatte ihn rückwärts aus der Remise gefahren und stellte ihn jetzt mit der Schnauze zum Tor vor die Haustür. Dann kam er mit eiligen Schritten in die Küche.

Hochgewachsen und breitschultrig war Robert Klausner. Dunkelbraun sein Haar und von einem helleren Braun die Augen. Dichte, buschige Brauen bildeten darüber fast einen geraden Strich. Dies ließ sein Gesicht finster erscheinen, wenn er nicht gerade lachte. Aber zum Lachen war dem Dreißigjährigen selten zumute, denn dazu boten ihm die Umstände nicht viel Grund.

„Ist er fertig, der Bub?“, fragte er. „Können wir fahren? Es wird nämlich Zeit für den Kindergarten, sonst kommt er zu spät. Du weißt doch, Wanda, dass sie immer fünf Minuten nach acht mit dem Morgengebet beginnen.“

„Ja, das weiß ich“, erwiderte Wanda, die wahrhaftig keine Schönheit war. Ihr Gesicht wies viele Falten auf. Blau waren die Augen und das Haar farblos.

Aber aus ihrem Blick sprach die Güte ihres Herzens. Ihr Lächeln verriet mütterliche Fürsorge, als sie dem Florian die rote Pausenbrottasche an einem Riemen um den Hals hängte.

„Der Bub wär schon längst bereit“, erklärte sie dem Bauern, „wenn er sich net die Jacke schief geknöpft hätt. Wir mussten es noch einmal machen, und das kostete Zeit. Aber er ist ja so versessen darauf, alles selber zu tun.“

„So ist’s recht“, lobte der Bauer. „Er will halt möglichst schnell selbstständig werden. Für dich ist das doch nur gut, Wanda. Du hast sowieso viel zu viel Arbeit.“

„Aber ich hab noch mehr, wenn ich ihm die Schuhe zweimal binden muss, weil die Schleife net hält, und wenn ich dann vorher die Knoten aufmachen muss, die er hineingebracht hat.“

Mit einem liebevollen Klaps verabschiedete sie den Kleinen, der eine blaue Jeanslatzhose trug und darunter einen roten Pulli. Braune Schneckerln hatte er auf dem Kopf, und die Augen glänzten dunkel wie zwei reife Brombeeren.

Der Klausner-Robert nahm die Hand seines Sohnes und führte ihn hinaus. Er hob ihn im Wagen auf den Kindersitz, und blitzschnell sprang Dackel Waldi auch noch hinein und zwängte sich neben Florian.

Zu dritt traten sie die Fahrt zum Kindergarten an, die der Bauer jeden Tag zweimal machte, um halb acht, um den Buben hinzubringen, und um halb zwölf, um ihn abzuholen.

Der Klausner-Hof lag nämlich oberhalb des Dorfs am Waldrand, und die Entfernung war für Florians Beinchen zu groß. Außerdem hätte der Kleine die Hauptstraße kreuzen müssen, die die meisten Autofahrer als Durchgangsweg nutzten, und der Bauer war nicht sicher, ob der Bub schon so viel von den Gefahren des Straßenverkehrs begriffen hatte, dass er vorsichtig nach rechts und nach links schaute.

Die Wanda ging nach oben, um in sämtlichen Zimmern die Fenster zu öffnen und die Federbetten zum Auslüften auf die Fensterbänke zu legen. Dann kam sie wieder herunter und schaltete zum zweiten Mal an diesem Morgen die Kaffeemaschine ein. Es war üblich bei ihnen, dass sie sich nach der Rückkehr des Bauern noch einmal für eine Viertelstunde an den Tisch setzten und eine Tasse Kaffee tranken. Der Pankraz war dann mit seiner stinkenden Pfeife fertig, die die Wanda von Herzen verabscheute.

Der Pankraz und die Wanda hatten schon den Eltern von Robert Klausner gedient, und sie waren bei ihm geblieben, als er bereits mit zweiundzwanzig Jahren den Hof übernehmen musste, weil seine Eltern bei einer Autofahrt durch eine Lawine getötet worden waren.

Sie hatten sich gerade am Klusenberg auf der Landstraße befunden, als der Schnee auf einem breiten, abgeholzten Teil des Bergs ins Rutschen kam. Steine und Erdreich brachte er mit, und donnernd sausten die vielen Tonnen Gewicht auf den Wagen nieder, zerschmetterten die Fenster und drangen ins Innere. Sie schlossen das Auto von allen Seiten ein, und als die Männer von der Bergwacht und der Freiwilligen Feuerwehr es freilegten, fanden sie nur noch zwei Tote – Hermann Klausner und seine Frau Maria waren erstickt.

Jetzt ruhten sie auf dem Dorffriedhof von Murnach, genau wie Julia, Florians Mutter, die bei seiner Geburt gestorben war. Der Bauer hatte außer dem Kind nur noch die beiden alten Arbeitskräfte, die zu ihm gehörten. Entfernte Verwandte gab es nicht, und an eine neue Ehe hatte Robert bisher nicht gedacht. Es war nicht so einfach, eine Frau zu finden, die bereit war, auf einen abgelegenen Hof zu ziehen und einem fremden Kind eine liebevolle Mutter zu sein.

Der Kaffee war gerade durch den Filter gelaufen, als der Kombi wieder in den Hof fuhr.

Robert ließ den Wagen neben der Scheune stehen und kam in die Küche. Er schnupperte zufrieden.

„Hmh, der Kaffee ist fertig“, stellte er fest und ließ sich zusammen mit Wanda und dem Pankraz am Küchentisch nieder. „Sind die Pferde gefüttert?“, erkundigte er sich bei dem Knecht.

„Ja, ich hab jedem eine Portion Hafer gegeben und einen halben Eimer Wasser. Jetzt sind sie auf der Bachwiese bei den Kühen. Da können sie den ganzen Tag bleiben.“

Der Klausner-Hof verfügte über eine Weidefläche für dreißig Milchkühe, aber da sich die Milchwirtschaft kaum noch rentierte, hatte Robert bis auf zwei Kühe, die die Milch für den Eigenbedarf lieferten, alles Vieh verkauft und sich stattdessen Islandponys zugelegt – als Attraktion für die Touristen, die er anzulocken hoffte, und vor allem für deren Kinder.

Der nahegelegene Murnacher Badesee, der ausgedehnte Wald hinter dem Haus und Ausritte mit den Pferden würden schon für Interessenten sorgen. Im Alpenland erfreute sich der Urlaub auf dem Bauernhof immer größere Beliebtheit, und Pferde gehörten nun einmal dazu.

Deswegen hatte Robert vier von diesen kurzbeinigen, gedrungenen und außerordentlich robusten Isländern angeschafft, die so leicht nichts aus der Ruhe brachte. Drei Stuten waren es, genannt „Schecki“, „Bless“ und „Una“ und ein Wallach, der auf den Namen „Sandmann“ hörte. Im früheren Kuhstall waren sie einquartiert, wo Robert vier Holzboxen errichtet hatte.

Auch den Ausbau des Bauernhauses hatte er bereits in Angriff genommen und seine letzten Reserven zusammengekratzt, um die Kosten zu bestreiten. Mindestens vier Fremdenzimmer mit je zwei Betten wollte er einrichten. Bis zum Saisonbeginn Mitte Juni sollten sie fertig sein. Die Handwerker hatten ihm das fest versprochen.

Daraufhin hatte er in mehreren Zeitungen inseriert und Mietverträge mit Feriengästen abgeschlossen. Es gab zwar noch einige Lücken in der Belegung, aber im Großen und Ganzen folgte Familie auf Familie bis Mitte September, und somit schienen die Sommereinnahmen gesichert zu sein.

Wie es im Winter werden würde, war nicht vorherzusehen, denn das hing weitgehend vom Schnee ab. Der Rammelsberg und die Eisspitze boten gute Abfahrten, und vom Sessellift aus, der auf den Welzing hinaufführte, konnte man sie nach einer kurzen Skiwanderung erreichen.

Ja, die Opfer, die Robert gebracht hatte, um den Betrieb umzustellen, schienen sich auszuzahlen. Er hatte ja auch aufmerksam den Vorträgen gelauscht, die die Berater der landwirtschaftlichen Genossenschaft jeden Monat einmal im Gesellschaftszimmer vom „Murnacher Krug“ hielten.

Aber eines war sicher: Er brauchte angesichts der Zahl zu erwartender Feriengäste eine tüchtige, junge Wirtschafterin, die mit den Gästen umzugehen verstand und ihnen eine entsprechende Verpflegung vorsetzte. Die alte Wanda würde diesen Ansprüchen nicht mehr genügen.

So hatte Robert in einer überregionalen Tageszeitung eine Anzeige aufgegeben, auf die immerhin sechs Bewerbungen eingegangen waren.

Die Bewerberinnen hatten ihre Zeugnisse und ihren Lebenslauf geschickt, außerdem ein Foto, Referenzen und ein freundliches Anschreiben. Nach eingehender Beschäftigung damit hatte sich der junge Bauer für die sechsundzwanzigjährige Christl Schönherr aus Wien entschieden, die eine Hauswirtschaftsschule absolviert hatte. Zwei Jahre lang hatte sie es dort in ihrer ersten Anstellung ausgehalten, und jetzt träumte sie von einem Leben auf dem Land, das ihr in der Freizeit Gelegenheit bot, Berge und Wälder zu durchstreifen. Sie wollte nicht in der Stadt bleiben und die schlechte Luft atmen, die voll von Abgasen war. Nachts sollte sie der Wind in den Schlaf wiegen, und morgens, wenn sie aufstand und das Fenster öffnete, sollte ihr Blick auf die Berge fallen. Dann war nach ihrer Meinung auch die schwerste Arbeit leicht zu ertragen.

Diese Einstellung zum Landleben, die aus ihrem Bewerbungsschreiben sprach, hatte Robert Klausner angenehm berührt, denn bei den fünf anderen Bewerberinnen war von Sehnsucht nach einem Leben in der Natur keine Rede gewesen. Im Gegenteil: Sie hatten sich alle nur für die Höhe des Gehalts und eine vertraglich festgelegte Arbeitszeit interessiert.

Am besten aber hatte dem Bauern die Reaktion der jungen Frau Schönherr auf die telefonische Mitteilung gefallen, dass ein fünfjähriges Kind im Haus war.

„Dass man in einem solchen bäuerlichen Haushalt, in dem im Sommer wie im Winter Touristen betreut werden, net auf die Zeit schauen kann, ist mir klar“, hatte sie nämlich am Apparat gesagt.

„Das freut mich zu hören.“

„Machen Sie sich keine Sorgen, Herr Klausner! Ich werd Ihre Gäste so gut versorgen, dass sie gern wiederkommen. Und dass ich nebenbei noch ein fünfjähriges Büberl bei mir haben werd, macht mir grad richtig Spaß. Ich denk, dass wir gute Freunde werden, der Kleine und ich. Vielleicht kann ich ihm ein bisserl die Mutter ersetzen, die ihm doch ganz gewiss fehlt.“

Eine der anderen Bewerberinnen hatte vollkommen anders reagiert.

„Da müssen Sie aber zum Gehalt noch etwas dazulegen, Herr Klausner“, hatte sie ihm am Telefon mitgeteilt, „denn mit einer zusätzlichen Tätigkeit als Kindermädchen hatte ich nicht gerechnet.“

Nun saßen sie also zu dritt am Tisch in der Küche, und ihre Gedanken kreisten um Christl Schönherr, die heute hier ankommen wollte.

„Ich denke, dass ich zum Mittagessen bei Ihnen bin“, hatte sie geschrieben, „falls ich mich nicht verfahren sollte. Das ist nämlich gut möglich – trotz Ihrer genauen Wegbeschreibung. Ich muss gestehen, im Verfahren bin ich ganz groß.“

„Ich werd also den Tisch gleich für sie mitdecken“, beschloss die Wanda. „Wir essen pünktlich wie immer um halb eins, wenn der Bub wieder da ist. Sollte sie bis dahin noch net gekommen sein, muss ich ihr halt nachservieren.“

„Du wirst das schon richtigmachen, Wanda“, sagte der Bauer vertrauensvoll und hoffte, damit ihr angeschlagenes Selbstbewusstsein zu heben.

Die alte Magd machte sich nämlich Sorgen, von der Neuen, die ja jünger, hübscher und tüchtiger war als sie, an die Wand gedrückt zu werden.

„Im Übrigen hast du gar nix zu befürchten, Wanda“, setzte Robert noch hinzu. „Du bist vierzig Jahre auf dem Hof und kennst dich aus, und für dieses Madel aus Wien ist alles neu. Sie muss sich erst hineinfinden und wird dich ständig um Rat bitten. Du bist so etwas wie die Altbäuerin hier, und das muss sie respektieren. Ich werd dafür sorgen, Wanda, dass sie’s tut!“

Das waren Worte, die die alte Frau beruhigten, und als sie nach der Kaffeepause wieder an die Arbeit ging, trug sie den Kopf höher und sah der Ankunft der Neuen mit mehr Gelassenheit entgegen.

***

Christl Schönherr lenkte ihren dunkelgrünen Kleinwagen, der vier Jahre alt war, auf der Straße dahin, die nach Murnach führte. Entgegen ihren Befürchtungen hatte sie sich bis jetzt noch nicht verfahren. Robert Klausners Brief mit der Wegbeschreibung lag auf dem Beifahrersitz. Immer wieder hielt sie an und vergewisserte sich, dass sie nichts falsch gemacht hatte.