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"Mein Herzensmadel bist du! Auf dich hab ich mein Leben lang gewartet!"
Wie ein Traum erscheint es der hübschen Lissi, als der junge Brandner-Flori ihr sein Herz zu Füßen legt. Denn im ersten Augenblick hat sich das Bauernmadel in den feschen Florian verliebt, der ins Tal von Sellern gekommen ist, um eine Erbschaft anzutreten. Nur zu gern will sie ihm glauben, dass er in seiner Heimat alle Brücken hinter sich abbrechen und hier in den Bergen neu beginnen will. Mit Lissi als seiner Bäuerin, wie er ihr unter tausend heißen Küssen beinahe jede Nacht versichert ...
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Seitenzahl: 111
Veröffentlichungsjahr: 2017
Cover
Impressum
Als ihr ein Fremder Liebe schwor
Vorschau
BASTEI ENTERTAINMENT
Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe
Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG
© 2017 by Bastei Lübbe AG, Köln
Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller
Verantwortlich für den Inhalt
Titelbild: Michael Wolf
eBook-Produktion: César Satz & Grafik GmbH, Köln
ISBN 978-3-7325-5079-1
www.bastei-entertainment.de
www.lesejury.de
www.bastei.de
Als ihr ein Fremder Liebe schwor
Roman um Glück und Leid der schönen Hoftochter
Von Bärbel Eichner
„Mein Herzensmadel bist du! Auf dich hab ich mein Leben lang gewartet!“
Wie ein Traum erscheint es der hübschen Lissi, als der junge Brandner-Flori ihr sein Herz zu Füßen legt. Denn im ersten Augenblick hat sich das Bauernmadel in den feschen Florian verliebt, der ins Tal von Sellern gekommen ist, um eine Erbschaft anzutreten. Nur zu gern will sie ihm glauben, dass er in seiner Heimat alle Brücken hinter sich abbrechen und hier in den Bergen neu beginnen will. Mit Lissi als seiner Bäuerin, wie er ihr unter tausend heißen Küssen beinahe jede Nacht versichert …
Als an jenem Sonntag der Mittagsbus am Marktplatz in Sellern hielt und neben anderen ein junger Bursch ausstieg, der sich einen Moment neugierig und orientierend umsah, bemerkte ihn kaum jemand. Die meisten Dorfbewohner waren nach der Messe in eines der Gasthäuser rund um den Marktplatz eingekehrt, tranken ihr Bier und unterhielten sich.
Der junge Bursch verschwand in Richtung eines etwas zurückgelegenen Hauses am Platz. Nachdem er geläutet hatte, wurde ihm geöffnet, und er verschwand im Inneren des Hauses.
Dort wurde er überaus herzlich von Ludwig Anzinger und seiner Frau begrüßt. Ludwig Anzinger war Lehrer gewesen, lebte seit Jahren im Ruhestand, und die Mutter des jungen Burschen hatte bei Lehrer Anzinger die Schulbank gedrückt.
Der Fremde war Florian Brandner, Sohn von Vroni Brandner. Sein Vater war Toni Pichler gewesen, und jahrelang hatte es so ausgesehen, als würden Florians Mutter und er endgültig ein Paar, bis Toni dem Drängen seines Vaters nachgegeben hatte und Kathi Buchinger geheiratet hatte. Diese Ehe blieb kinderlos, und als der Toni vor wenigen Monaten verstorben war, wurden Vroni und Florian Brandner gesucht, weil beide im Testament von Toni Pichler bedacht worden waren.
Florian hatte sich schließlich auf den Weg zur Testamentseröffnung gemacht. Seine Mutter hatte ihm gesagt, er solle zu ihrem ehemaligen Lehrer Ludwig Anzinger Verbindung aufnehmen, ihm und seiner Frau könne er blind vertrauen, sonst solle er bitte auf der Hut sein.
Florian hatte kaum Erinnerung an seine Zeit in Sellern. Er wusste, dass es in der Nähe von Oberstdorf lag und dass er mit seiner Mutter eine Zeit lang dort gelebt hatte. Dass sein Vater in seiner Ehe mit Kathi Buchinger nicht glücklich gewesen war, wusste Florian ebenso wenig, wie er nicht ahnte, dass der Toni sehr oft an ihn und seine Mutter gedacht hatte. Er hatte sogar mal versucht, sie zu finden, aber es bald wieder aufgegeben, weil die Kathi ihm, als sie dahintergekommen war, eine der üblichen Szenen gemacht hatte.
Worauf Kathi keinen Einfluss genommen hatte, war Tonis Testament, denn das hatte er allein und ohne ihre Beeinflussung bei einem Notar niedergelegt. Als er damals Kathi geheiratet hatte, hatten sie auf ihren Wunsch und auf ihres Vaters Drängen Gütertrennung vereinbart, denn auch sie hatte ein nicht unbeträchtliches Vermögen mit in die Ehe gebracht, über das sie alleine schalten und walten wollte – vor allem, da sie wusste, dass der Toni einen Sohn hatte. Sie befürchtete, dass auch ihr Vermögen mal bei Tonis und Vronis Sohn landen könne.
„Wann ist denn Testamentseröffnung?“ Ludwig Anzinger sah Florian fragend an.
„Am Donnerstag“, antwortete er.
„Hier wird wild spekuliert“, verkündete der ehemalige Lehrer. „Man vermutet, dass es ein Millionenvermögen ist, das der Toni zu vererben hat.“
„Wo soll das denn herkommen?“, wollte Florian wissen. „Die Mutti hat gemeint, dass der Pichlerhof und ein paar Almen sowie der Wald das Hauptvermögen sind. Sicher nicht unerheblich, aber doch kein Millionenvermögen.“
Da schüttelte Lehrer Anzinger den Kopf.
„Das stimmt net ganz. Dem Toni gehörte der gesamte Mitterberg.“
„Was ist das denn?“
Maria Anzinger stand am Fenster, winkte Florian zu sich und zeigte mit einer Kopfbewegung in südliche Richtung.
„Das da“, erklärte sie, „das ist der Mitterberg. Wunderbar gelegen, und es gibt inzwischen Ideen, den gesamten Mitterberg zu einem Wintersportzentrum zu entwickeln.“
„Hotels für die ganz Betuchten sollen gebaut werden. Die Gemeinde erwartet einen erheblichen Gewinn, vor allem durch Fremdenverkehr“, fügte ihr Mann hinzu.
„Und der Berg hat meinem Vater gehört?“ Florian sah Ludwig neugierig an.
Der nickte. „Dem alten Hias, der ihm vor Jahren sein Vermögen vermacht hat, gehörten große Teile des Mitterbergs. Dort droben“, Anzinger zeigte zur halben Höhe des Mitterbergs, „dort hat der Hias einen kleinen Hof bewirtschaftet, und da hat er gewohnt und ein sehr ruhiges Leben geführt. Den Einzigen, den er überhaupt zu sich gelassen hat, war dein Vater Toni. Die beiden waren befreundet, und als es mit dem Hias zu Ende ging, hat der Toni ihn zu sich auf den Pichlerhof genommen und sich rührend um ihn gekümmert. Als man den Hias in ein Pflegeheim geben wollte, hat der Toni sich energisch dagegen gewehrt. Hias hat es ihm gedankt und sein ganzes G’werkl ihm vermacht. Die anderen Grundstücke am Mitterberg haben dem Toni eh gehört, oder er hat sie nach und nach dazugekauft. Keiner hat darauf geachtet, aber plötzlich hat ihm der ganze Berg gehört.“
„Vielleicht kriegst du ihn ja.“ Maria Anzinger lächelte Florian lieb an.
Der lachte zurück. „Was soll ich mit einem Berg? Ich kann damit doch gar nix anfangen. Außerdem wird’s andere geben, denen mein Vater verpflichtet war. Ich hab niemals was von ihm gehört, nie was von ihm bekommen, net mal eine Ansichtskarte.“
„Mal net so hastig, junger Mann“, erwiderte der ehemalige Lehrer. „Der Berg ist womöglich ein Vermögen wert. Wenn dort wirklich ein Wintersportzentrum gebaut werden soll, dann hast für dein Leben ausgesorgt, wenn er zu deinem Erbe gehört.“
„Ich will net ausgesorgt haben“, entgegnete Florian. „Ich denk, dass das Leben viel zu interessant ist, als sich nur hinzuhocken und vorhandenes Geld auszugeben. Ich will für mein Leben selbst verantwortlich sein und arbeiten, nicht wie eine Drohne nur warten, was passiert.“
„Das wird sich alles zeigen, Bub“, meinte Maria Anzinger daraufhin. „Vielleicht kriegst du ja grad mal nur ein paar Euro, die so eben reichen, die Fahrkarte zurück zu deiner Mutter zu zahlen, und nix ist mit großer Erbschaft.“
„Das wär für mich auch keine Enttäuschung“, antwortete Florian. „Ich bin ohne jede Erwartung gekommen, und wenn die Mutti nicht so darauf gedrängt hätt, dann wär ich erst gar net hergekommen.“
„Wie geht’s deiner Mutter eigentlich?“, wollte Ludwig Anzinger wissen.
„Wenn ich sie danach frag, dann sagt sie immer, es gehe ihr gut, aber ich weiß es besser. Sie mag körperlich noch einigermaßen in Ordnung sein. Aber als damals der Toni meine Mutter mit mir hat sitzen lassen, da ist was in ihr zerbrochen. Diese Enttäuschung war zu groß, als dass sie sie hätt verschmerzen können. Mitkommen hat sie nicht können, weil sie momentan an einer Magen-Darm-Grippe leidet.“
Als Florian gehen wollte, um sich irgendwo einzuquartieren, schüttelten beide Anzingers den Kopf.
„Wo willst du denn hin?“, wollte Maria wissen. „Du bleibst da, in ein Hotel gehst du jedenfalls net. Das ist viel zu teuer.“
„Wart doch erst mal die Testamentseröffnung ab, Bub, dann kannst du immer noch entscheiden, was du willst“, fügte Lehrer Anzinger hinzu. „Jedenfalls bleibst du jetzt erst mal hier bei uns. Ich würd mich mein restliches Leben schämen, wenn wir den Sohn der Brandner-Vroni in ein Hotel hätten gehen lassen.“
***
„Ich weiß net, wie du darauf kommst, dass ich was von dir will.“ Die Augen des jungen Mädchens blitzten zornig, wobei sie wunderschön aussah. „Lass mir meine Ruh. Ein für alle Mal, Berti Keiner. Ich will jetzt nix von dir!“
Lissi Kemper wirkte wunderschön in ihrem Zorn. Sie drehte sich abrupt um, ging davon und ließ den Burschen einfach stehen. Sie war Berti in Oberstdorf begegnet, und der hatte sie sofort angequatscht. Das tat er bei jeder Gelegenheit. Sie hatte ihm schon beim ersten Mal sehr deutlich zu verstehen gegeben, dass er sich nicht weiter bemühen müsse, sie mochte den schwerfälligen Kerl einfach nicht. Außerdem war sie gerade Anfang zwanzig und der Berti fast vierzig. Was bildete der sich eigentlich ein?
Nach einer Weile drehte sie sich um, sie rechnete fest damit, dass er ihr heimlich folgte. Das schien diesmal nicht der Fall zu sein, und sie wurde wieder ruhiger.
Sie bog die nächste Gasse in Richtung Innenstadt ein und kam an einem Straßencafé vorbei, dessen Tische bis auf die Straße standen. Das Café war um diese Zeit nicht sonderlich besucht. Kurz entschlossen nahm sie Platz und bestellte sich einen Espresso.
Sie nahm eine Illustrierte vom im Café liegenden Zeitungsstapel und begann darin zu blättern. Es war der erste warme Tag nach einem langen und schneereichen Winter, die Sonne wärmte so ungemein, dass sie nach einer Weile ihre Strickjacke ablegte, die Illustrierte beiseitelegte und mit geschlossenen Augen die Sonne genoss.
Nach wenigen Augenblicken meinte sie, jemand habe sich zu ihr an den Tisch gesetzt, und sie öffnete die Augen wieder. Tatsächlich saß ein junger Mann ihr gegenüber und lächelte sie freundlich an.
„Entschuldigen Sie“, sagte er, „dass ich mich so einfach zu Ihnen an den Tisch gesetzt habe. Ich hoffe, es ist Ihnen nicht unangenehm. Aber ich wollte Sie bei Ihrem Sonnenbad nicht stören. Ich hole die Frage also nach: Haben Sie was dagegen, wenn ich mich zu Ihnen an den Tisch setze, obwohl noch andere Plätze frei sind?“
„Bleiben Sie ruhig sitzen“, hörte Lissi sich sagen, „wenn Sie schon mal da hocken, wär der Aufwand zu groß, als dass Sie sich noch mal umsetzen würden. Wenn Sie mich nur vor einer Unterhaltung verschonen würden.“
„Schade.“ Der junge Bursche war Florian Brandner. Er zuckte mit den Schultern und murmelte: „Da kannst halt nix machen.“
Nach einer knappen halben Stunde begann Lissi ihre Sachen zusammenzupacken, zahlte und wollte aufstehen, als Florian sie noch mal ansprach.
„Denken Sie bitte nicht, es wär eine dumme Anmache, aber ich seh grad, dass Sie Aufkleber aus Sellern auf Ihren Sachen haben. Sind Sie von dort und mit dem Wagen da? Dann könnten Sie mich nämlich mitnehmen.“
„Sie kommen auch aus Sellern? Das kann nicht sein, dann würden wir uns kennen.“ Lissi lächelte. „Ich würd sagen, Sie sind ertappt, da müssen Sie sich schon was Besseres ausdenken, gar so plump muss es nicht sein. Außerdem nehme ich grundsätzlich keine fremden Männer mit.“
Dann stand sie auf, zuckte, wie es schien, bedauernd mit den Schultern und war im gleichen Augenblick verschwunden.
„Dann eben nicht“, murmelte Florian, sah auf seine Uhr, winkte der Bedienung, zahlte und war gleich darauf unterwegs zur Bushaltestelle, wo er wenige Minuten später in den Bus stieg, der ihn zurück nach Sellern brachte. Er stieg am Marktplatz aus und wollte zum Haus der Anzingers gehen, als neben ihm ein Kleinwagen hielt.
Drinnen saß Lissi und sah Florian mit erstauntem Blick an.
„Dann wollten Sie ja doch nach Sellern“, stellte sie fest. „Ich hab noch wen besucht, deshalb komm ich nach dem Bus. Warum haben Sie denn nichts gesagt?“
„Dazu bin ich nimmer gekommen“, antwortete Florian, „so rasch waren Sie weg.“
„Und was wollen Sie da in Sellern? Wo wohnen Sie?“
„Ich wüsst zwar net, was Sie das angeht, ich sag’s Ihnen trotzdem.“ Dann zeigte er zum Haus der Anzingers und meinte: „Ich besuch den Lehrer und seine Frau.“
„Aha“, murmelte Lissi. Dann winkte sie in Richtung des Hauses, denn dort war eben Maria Anzinger aus der Haustür getreten und hatte ihr zugewunken. Gleich darauf lächelte das Madel noch mal freundlich, dann fuhr sie davon.
Vor dem Haus wartete Maria Anzinger auf Florian und wollte wissen, wie und wo er Lissi Kempers Bekanntschaft gemacht habe.
Florian erzählte, was passiert war, dann zuckte er mit den Schultern und meinte: „Ich hab sie offensichtlich falsch eingeschätzt. Zuerst machte sie einen sehr netten Eindruck, doch dann wirkte sie ausgesprochen hochnäsig. Na ja, so sind heut junge Madeln schon mal, vor allem, wenn sie bildhübsch sind.“
Maria Anzinger lachte. „Also, die Lissi ist ein ganz und gar nettes Madel. Irgendwie hat sie wohl gemeint, du wolltest sie anmachen, wie man heute sagt. Da hat sie dann so reagiert. Sie wird sehr oft von jungen Burschen angesprochen, aber sie hat bisher noch jeden von sich ferngehalten.“
„Wo wohnt sie?“
„Sie ist die Hoftochter auf dem Almhof im Sellertal. Das ist dort drüben, der Hof ist der höchstgelegene dort.“
„Vielleicht begegne ich ihr ja noch mal, dann können wir zumindest das Missverständnis ausräumen. Möglicherweise geht sie ja mal mit mir aus.“
Maria wiegelte den Kopf. „Wie gesagt, da hat sie sich bisher eher schwergetan.“
Dann gingen beide ins Haus, wo es gleich darauf Mittagessen gab.
Nach dem Mittagessen zündete Ludwig Anzinger sich eine Zigarre an und eröffnete das Gespräch.
„Ich hab dich mit der Kemper-Lissi gesehen“, sagte er. „Wenn du dir bei ihr was ausrechnest, musst du zuerst mit ihrem Großvater klarkommen. Er ist der Tugendwächter auf dem Almhof, und keiner wird mit der Lissi auch nur mal ausgehen können, den er net auf Herz und Nieren geprüft hat. Wenn er seinen Segen net gibt, gibt’s keine Lissi, so einfach ist das. Das nur als Information.“
