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Das Beste aus „Schnauze Wessi“, „Gib Wessis eine Chance“ und „Heul doch, Wessi!“ noch einmal in zwei Bänden
AUS 3 MACH 2: Die Originalausgaben der drei „Schnauze Wessi“-Bücher sind leider vergriffen. In diesem und einem weiteren Band („Schnauze Wessi 1“) sind die besten Texte noch einmal neu gemischt – als Trost für alle Fremden im eigenen Land und natürlich als Geschenk für westdeutsche Vermieter und Verwandte, Chefs und Kolonialbeamte vor Ort.
„Ost und West und überhaupt der Fundus an Missverständnissen – Witzel bringt sie auf den wunden Punkt.“ Deutschlandfunk
„Unsachlich bis zur Kenntlichkeit!“ Leipziger Volkszeitung
„Der Wessi-Hasser – ein Riesen-Lacher!“ Berliner Kurier
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Veröffentlichungsjahr: 2025
Wortzähler: 45620
Holger Witzel
Inhaltsverzeichnis
0
Sind Ostdeutsche bessere Menschen?1
Die Usedom-Krise4
Reklame7
Goethes Erben9
Bitte wieder mehr Westpakete!13
Striptease bei Kaiser’s17
Szenen einer Ehe21
Fälscher, Blender, Schwindel-Westler25
Zum Beispiel Dortmund29
Schiebung im Eisenbahnkeller32
„Mit kameradschaftlichem Kriegsgeheul!“35
Wer nicht wählt, wählt mich39
Das Dirndl ist die Burka des Westens42
Lassalle für alle45
Ein Volk. Ein Deich. Ein Sandsack.49
Besetzen, abwickeln, fertig52
Todeszone Ostsee55
„Spalter! Hetzer! Zonenlümmel!“58
Stimmvieh macht auch Mist62
Barbaren in Barbour-Jacken65
Im Zug der Deutschen Einheit69
Betroffenes Jaulen72
Bluffen für Fortgeschrittene75
Flächendeckendes Mindestglück78
Verwöhnte Boxenluder81
Mandate für die Heilsarmee84
Mach’s noch einmal, Fred!87
Schweigen ist Schwarz-Rot-Gold90
Porno-Doping gegen Putin93
G8, G9 – geh heulen!96
Wenn Christen heimlich Eier haben99
Hallo Margot, alte Hexe...102
Wehret den Anfängen: CDU-Verbot jetzt!104
„Die Neger der Nation“108
Micha, komm heeme!112
Für Kohl, `n Appel und ’n Ei119
Die Mauer am Kiosk122
Studieren in Fernost? Bloß nicht!125
Meine DDR war besser als deine128
Kochen mit „Freunden“131
Hooligans im Bummelstreik135
140
Impressum141
Impressum141
„Der Charakter eines Menschen lässt sich aus nichts so sicher erkennen, als aus einem Scherz, den er übelnimmt.“ Georg Christoph Lichtenberg
Gute Vorsätze können laut und leise scheitern. Nur etwas anders zu sein, macht aber oft auch schon einen guten Eindruck – und Westdeutsche sauer. Ein Streit
Mit meiner liebsten West-Kollegin streite ich mich bei einer Suppe nach Feierabend regelmäßig über die gleiche Frage: Zwischen den Zeilen, so behauptet sie, würde ich immer behaupten, Ostdeutsche wären per se - gewissermaßen von Natur aus - bessere Menschen. Sie ist da – vermutlich ebenfalls naturgemäß – anderer Meinung, und ich sollte das doch endlich mal belegen oder nach fast 25 Jahren ohne Mauer lassen. Also gut.
Davon abgesehen, dass ich das so absolut nie behaupten würde, werde ich es im kommenden Jubiläumsjahr noch differenzierter tun. Sie hat ja Recht: Schließlich steht es 2014 schon 40 Jahre 1:0 für Jürgen Sparwasser. Nackt erkennt man Westler zwar oft noch an der fehlenden Pockenimpfung am Oberarm, generell an vorlautem Geschrei und in meiner Leipziger Straße trotz L-Kennzeichen daran, wer mit dem Auspuff zum Fußweg parkt. Für die subtileren Unterschiede aber fehlen mir auch manchmal Worte.
Zunächst – noch im versöhnlichen Weihnachtsdusel oder als Vorschuss meiner Vorsätze – will ich es mal so sagen: Es gibt hier wie da solche und solche, hier vielleicht ein paar weniger solche und da ein paar mehr. Und wenn allein dieser Eindruck schon wieder dazu führt, dass die Suppe der Kollegin vor Ärger kalt wird, muss ja irgendwas dran sein, oder?
Anders als ich mit meinen drei Vorurteilen schleppen Westdeutsche bei diesem Thema offenbar viele Komplexe mit sich rum. Grund genug haben die meisten. Vielleicht hat meine Kollegin aber auch einfach nur Pech mit ihren Ost-Verwandten, denn über deren Ansprüche beschwert sie sich gern: Wie könnten die nach 40 Jahren Misswirtschaft erwarten, es müsse ihnen schon 24 Jahre später so gut gehen wie den fleißigen Landsleuten im Westen?! Was dort als durchschnittlicher Wohlstand gilt, ist in ihren Augen im Osten immer noch eine Unverschämtheit. Und natürlich kann sie aus dem Stegreif vorrechnen, was dafür allein von ihren Steuern verschwendet und an Stasi-Renten versoffen wird.
Das mit den Stasi-Renten finde ich auch nicht schön, aber was soll der Geiz? Diese ständige Sorge, der Abstand zu angeblich fauleren und überhaupt unverdient lebenden Mitmenschen könnte schmelzen, ist zum Beispiel auch so ein Charakterzug, der nach meiner objektiven Wahrnehmung im Osten weniger verbreitet ist. Zugegeben, ein paar Idioten glauben hier auch, die in ihrer Gegend kaum vorhandenem Ausländer nehmen ihnen die in ihrer Gegend kaum vorhandenen Arbeitsplätze weg. Sonst aber hat die Erziehung zur „sozialistischen Persönlichkeit“ neben allerlei Schaden am Selbstwertgefühl vor allem eine Spur hinterlassen: Du bist nichts Besseres, egal ob Anwalt oder Altpapiersammler - außer vielleicht die Genossen der Partei- und Staatsführung. Oder Handwerker. Oder Tante Uschi aus Köln. Für 2013 hatte ich mir sogar vorgenommen, Westdeutschen noch eine Chance zu geben - aber ich bin auch nur ein Mensch.
Das Leben ist kein Wettbewerb. Wer das in Schule, Kollektiv oder im kollektivem Schlendrian über Jahrzehnte verinnerlicht hat, dem fallen Kinder der Marktwirtschaft eben öfter unangenehm auf. Nicht von Anfang an auf Status, Geld und Geltung konditioniert, drängelt man sich nicht vor, sondern stellt sich hinten an. Rangelt im Job nicht um lächerliche Abteilungsleiterposten. Lässt sich lieber fehlenden Ehrgeiz nachsagen, als vor Kollegen als rücksichtloser Streber dazustehen. Besser überqualifiziert und untermotiviert als umgekehrt - und plötzlich Verteidigungsministerin.
Weil heute überall das Gegenteil zählt, stehen auch viele Westler mit dem Rücken zur Wand. Ihnen fehlt die Kraft, sich dort gemütlich anzulehnen und dem Strampeln der anderen amüsiert zu zusehen - etwa dem symbolischen Kampf um die symbolische Nummer Eins im deutschen Fußballtor.
Die beiden alten Nationalpfosten Kahn und Lehmann waren zu ihrer Zeit selten um eine Antwort verlegen, was für jeden selbst auf diesem Posten sprach. Klappern und der sogenannte Wille zum Erfolg galten in der Welt, aus der sie kamen, als Tugend. Bei ihren auch sonst viel sympathischeren Nachfolgern Enke und Adler konnten Journalisten dagegen nichts Vergleichbares rauskitzeln. „Darüber würde ich nie öffentlich reden“, antwortete Robert Enke einmal auf die Frage, was ihn gegenüber Adler auszeichne. Nach der Verbalprotzerei ihrer Vorgänger fand er es „wichtig, dass man mit Konkurrenzsituationen vernünftig umgeht.“
Oder nehmen wir zwei beliebige SPD-Ministerinnen für Arbeit und Soziales: Eine kündigte 1999 an, mit „Arschlöchern“ nicht zu koalieren, und stand als Ministerin einer Großen Koalition tatsächlich nicht mehr zur Verfügung. Die Andere posaunte noch vor einem halben Jahr in die „Welt“, also in der Zeitung: „Wer SPD wählt, entscheidet sich gegen Frau Merkel und nicht für sie.“ Heute dient sie ihr als Arbeitsministerin. Ob sich Kinder mit drei Monaten auf das Cambridge Certificate vorbereiten müssen oder ihren Eltern der spätere Marktwert noch egal ist. Ob sie sich ehrlichen Herzens über die Beförderung von Kollegen freuen können oder hektische Flecken bekommen. Man könnte die Beispiele ewig fortsetzen - und obwohl ich sie gerade nicht nach Herkunft sortiert habe, haben Sie es beim Lesen doch getan - oder?
Meine Kollegin entgegnet dann gern, auf solche albernen Befindlichkeiten käme es nicht an. Entscheidend sei, wer am Ende im Tor steht. Und über „Schnauze Wessi“ sagte sie anfangs mal: „Na, ob Du Dir damit einen Gefallen tust?!“ Der Satz waberte ein paar Sekunden hin und her. Typisch Westen war mein erster Ostgedanke: Immer muss alles einen Zweck haben, Vorsatz und Karriere. Trotzdem verunsicherte mich ihre fürsorgliche Ehrlichkeit kurz. Ein Rest Ost-Prägung steckt nämlich auch noch in ihr, seit sie von ihren Eltern als Kind in den Westen verschleppt wurde. Womöglich ist es bei ihr aber auch nur wie bei Ex-Rauchern, die ihre eigene Vergangenheit und alle, die immer noch daran hängen, besonders tief verachten.
Deshalb rauchen wir nach dem deutsch-deutschen Eintopf meist noch eine Friedenszigarette und langweilen uns gegenseitig mit guten Vorsätzen, die sie selbstredend viel lauter und vorsätzlicher vor sich herträgt. Noch komischer, als mit schlechtem Gewissen zu rauchen, finde ich es allerdings, dafür in den Raucherbereich zu wechseln, statt schon beim Essen dort zu sitzen. Immer wollen sie alles! Aber das ist auch schon wieder schwer vermittelbar: Meine Kollegin versteht gar nicht, was daran asozial sein soll - an guter Luft zwischen zwei Zigaretten? Außerdem störe es ja keinen.
Die letzten Einheimischen, falls es die in Restaurants von Berlin-Mitte überhaupt noch gibt, sagen tatsächlich nichts. Sie ahnen wohl, dass ihnen – wie mir – im Zweifel sofort Diktaturverhalten unterstellt wird: Entweder gehöre man zu denen oder jenen, alles dazwischen würde von uns Gleichmachern nicht akzeptiert, Freiheit, Individualität und so weiter ...
An diesem Punkt gebe ich dann auch meistens nach. Immerhin haben wir schon in der Schule gelernt, dass DDR-Bürger im besseren Deutschland lebten. Diese überhebliche Leisetreterei mag zwar auch nicht besser sein als ihre vorlaute Besserwisserei. Aber wir wären es gerne. Wenigstens das!
Wann greift Putin in Ostdeutschland ein? Solange Henri Maske brav US-Bouletten brät, wird sich der Westen auch dann für seine Gasheizung entscheiden. Ein Hilferuf
Weil es für kleine weltpolitische Korrekturen offenbar nie zu spät ist, möchte ich Euch, товарищ Putin, heute um Beistand für ein weiteres ehemaliges Bruderland bitten. Die russischsprachige Minderheit in Deutschland leidet seit fast 25 Jahren unter ethnischer Diskriminierung. Sie löffelt heimlich eine dünne Soljanka, die sie sich angeblich selbst eingebrockt hat. Ihr verkümmertes Schulrussisch reicht gerade noch für die Höflichkeitsform in der zweiten Person Plural. Es ist eine Schande.
Wie Ihr aus eurer damaligen Tätigkeit beim KGB in Dresden sicher noch wisst, gab es hier 1989 auch einen „verfassungswidrigen Putsch“. Der Kreml ließ sich seinerzeit allerdings von den Scorpions einlullen, bis Gorbatschow der Wind of Change selbst um die Ohren pfiff: Erst verlor er die Ukraine, dann die ganze Sowjetmacht. Am Ende blieb nur ein läppischer Friedensnobelpreis – also: Obacht, großer Bruder! Внимание!
Leider – Критика и самокритик - stand ich damals auch auf der falschen Seite. Verblendet wie die Rowdys in der Leipziger Partnerstadt Kiew hielten wir für Freiheit, was der Westen dafür vorgaukelte. Manche dachten sogar, Lobbyismus sie etwas anderes als Korruption - und Kabelfernsehen das Gleiche wie Meinungsfreiheit. Der Westen jubelte und unterstützte uns, bis eine scheinbar homogene Opposition scheinbar nur noch eins wollte: Deutschland einig Vaterland.
Tatsächlich geht bis heute ein Riss durchs Land. Auch hier drehten Nazis jahrelang frei. Wir haben unsere schöne friedliche Konterrevolution für Westgeld verkauft und wollten das, ehrlich gesagt, auch nicht gleich wieder mit Rumänen oder Ukrainern teilen. Woher sollten wir auch wissen, dass der Westen immer nur neue Arbeitskräfte braucht, die ihm den überflüssigen Mist auch noch abkaufen, den sie für lächerliche Löhne produzieren? Dass es nie um Menschen, deren Rechte oder irgendeine lupenreine Demokratie geht, sondern um Absatzmärkte und Profit.
Möglicherweise werden sie Euch, Wladimir Wladimirowitsch, drohen, dass Ihr nicht mehr mit Großmächten wie Japan, Italien und Deutschland bei G8 mitspielen dürft. ЛОЛ! Ihre Kinder schaffen bei G8 nicht mal Abitur! Sie reden überheblich vom „russischen Staatsfernsehen“ und finanzieren diese Propaganda mit Fernsehsteuern. Die Achsenmächte der Guten rümpfen die Nase über „Oligarchen“, dabei werden ihre Konzerne auch nur von wenigen Familien kontrolliert. Zum Schein und aus Not kollaboriere ich zwar auch noch mit ihnen, aber dafür kann ich Euch verraten, dass sie alle nur bellen. Sie haben keine Ahnung, aber wissen bei jedem Krimskrams, „was Putin wirklich will“. Was gut für die Ukraine ist. Für Libyen. Die Welt.
Als die Bundeswehr Belgrad bombardierte oder ostdeutsche Kasernen übernahm, regte sich kein Außenminister über einen „Akt der Aggression“ auf. Immerhin sah der Westen nicht tatenlos zu, als 17 Millionen Menschen ihr Volkseigentum verloren, sondern nahm selbst, was er tragen oder abschreiben konnte. Völkerrecht? Souveränität? Nichteinmischung? Vielleicht muss man den Brüdern und Schwestern in der Ukraine auch noch mal warnen, wem ihre Häuser, Felder und Fabriken gehören, wenn die Aufbauhilfen und Kredite zurückfließen.
Das mit Pussy Riot – nehmt mir diesen belehrenden Westler-Ton bitte nicht übel - war zumindest RP-mäßig ein Fehler. Wenn er nicht viel riskiert, setzt sich der Westen immer gern für Schwächere ein, egal ob für Homosexuelle oder den Kosovo, ein paar Amerikaner auf Grenada oder die Punkrock-Frauenquote. Der Form halber wird es sicher auch Proteste geben, sobald Ihr die Scorpions in einen Gulag verbannt und Euch die DDR einverleibt. Aber in diesen beiden Fällen werdet Ihr auch auf viel Verständnis stoßen – jedenfalls nicht auf offenen Widerstand. Eine bezahlbare Gasheizung ist dem Westen allemal lieber als Frankfurt/Oder.
Falls sich Krenz oder Schabowski auch schon gemeldet haben – gebt nichts darauf! Diese Versager können nicht mal eine Pressekonferenz inszenieren, ohne aus Versehen die Welt auf den Kopf zu stellen. Auf Leute wie Merkel und Gauck ist dagegen nach wie vor jedem Umsturz Verlass. Deshalb halten sie sich auch jetzt noch mehr zurück als ich: Man weiß ja nie, wie’s kommt. Wegen unserer ehemaligen Armeeboxer Axel Schulz und Henri Maske müsst Ihr Euch auch keine Sorgen machen: Der eine ist zufrieden, dass er für McDonalds eine Art Kaliningrader Klopse braten darf. Der andere wirbt für die westdeutschen Grillzangen dazu und hat selbst noch eine Rechnung mit den Klitschkos offen.
Bitte stationiert doch zunächst ein paar Elitetruppen auf Usedom, notfalls auch ohne Hoheitszeichen - oder ich gebe mich mit ein paar anderen Reservisten der Nationalen Volksarmee als „Selbstschutzkräfte“ aus. Uniformteile für eine Invasion gibt es am Brandenburger Tor genug. Die Polen - Nato hin oder her - werden auch kaum Theater machen. Sie wissen seit 1939, was westliche Beistandsgarantien wert sind. Danach könnt Ihr immer noch verhandeln. Für Schalke oder den Rückzug Eurer Touristen von Mallorca wird der Westen gern auf die Gebiete bis zur Elbe verzichten. Ihre Angst vor Russen ist immer noch so groß, dass diesmal bestimmt auch ganz Berlin drin ist. Muss aber nicht sein, gibt sowieso nur noch Schwule und Schwaben da - und nicht mal einen brauchbaren Flughafen. Thüringen und Sachsen wären mir persönlich wichtiger.
Für meine wiederentdeckte Loyalität würde ich mich außerdem über die Ölraffinerie in Leuna freuen – und vielleicht noch einen Fußballklub. Ich dachte an Dynamo Kiew, zur Not auch Dresden - vorausgesetzt Genosse Schröder meldet keine älteren Rechte an. Der könnte aber auch erst mal seinen Wichtigtuer Steinmeier zurückpfeifen und dafür später - nach der Sylt-Krise - VW und Hannover 96 bekommen. Что вы думаете?
Apropos Pfeifen und Hannover: Wusstet Ihr eigentlich, wie eng Schröder und Steinmeier mit diesen Scorpions sind? Und wer dieser Band 2009 einen Preis für ihr „Lebenswerk“ überreicht hat? Wladimir Klitschko.
Bevor ich mich um Kopf und Kragen denunziere, weil Ihr die Scorpions oder Klitschkos eigentlich auch mögt, singe ich es vorsichtshalber noch mal mit: „Take me...“ Nichts anderes hat sich offenbar die Krim von Euch gewünscht, und der grauenhafte Ohrwurm wird auch hier noch ein paar Leser durch den Tag begleiten. Da sind echte Opfer, Zeichen der Solidarität - so geht Indoktrinierung. Falls Ihr, Väterchen Putin, die Zeit für einen Einmarsch in Angela Merkels Wahlkreis trotzdem noch nicht für reif haltet, erkläre ich diese Zeilen mit Eurem Einverständnis für eine gefälschte russische Cyberattacke. Sollen die Angsthasen ruhig glauben, es wäre alles nur Spott über ihre Großmäuligkeit, wenn ich sage: Schnauze Wessi!
„Wer jemals ein Führungskräfte-Meeting
westdeutscher Chefchen erlebt hat,
der weiß, dass die Welt im Grunde ein
umgekehrter Swingerclub ist:
Alles muss, nichts kann.“
Ulrike Gastmann
Die Kolumne im Stern und auf stern.de gibt es seit 2014 nicht mehr. Alle drei „Best-of“-Bücher „Schnauze Wessi“ (2011), „Gib Wessis eine Chance“ (2013) und „Heul doch, Wessi“ (2014) sind inzwischen vergriffen.
Mit „Schnauze Wessi“ uns „Besser Ossi“ liegen alle Texte nun auch noch einmal gedruckt als Taschenbuch vor. Als Trost für alle Fremden im eigenen Land und natürlich immer als geeigntes GESCHENK für Vermieter, Chefs und Kolonialbeamte.
Holger Witzel /Schnauze Wessi – Pöbeleien aus einem besetzten Land / ISBN 9783757926700
Holger Witzel / Besser Ossi – Neue Beiträge
zur Völkverständigung ISBN 9783757962371
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Unter Wessis 🍊🍊🍊🧅🍊
Dass Westdeutsche aus Karrieregründen im Osten landen, ist kein neues Phänomen. Die Hohenzollern haben es vorgemacht, die Honeckers und Merkels sind nur Nachahmer. Ein Rückblick.
Jemand hat mir ein kleines Gedicht geschickt und das geht so: „Gehst du in den Osten, kriegst du einen Posten. Gehst du wieder heim, wird niemand traurig sein.“ Nicht gerade die Lyrik-Liga von U-Boot-Grass oder Unterrock-Goethe, aber immerhin reimt es sich fast. Leider verpufft die ohnehin magere Pointe in einem Wunschtraum: Die meisten bleiben nämlich. Sie wissen – und wir inzwischen auch: Da, wo sie herkamen, war im Zweifel niemand traurig. Jede Lusche bekommt im Osten eine Chance. Das hat Tradition.
Vermutlich könnte man noch weiter zurückgehen, aber damit es nicht ausufert, fangen wir mal bei Karl, dem sogenannten Großen an. 772 begann er, unser Volk in den Sachsenkriegen zu unterwerfen. Seinerzeit – das wird auch gern unterschlagen – gehörten dazu noch große Teile des heutigen Westdeutschlands. Man nannte die Privatisierung noch „Christianisierung“. Und wenn es auch ähnlich brutal zuging wie 1990, brauchte Karl – anders als Helmut der Große – mindestens 30 Jahre, um die Sachsen in sein Reich einzugliedern. Offenbar war Stolz im 8. Jahrhundert noch etwas mehr wert als 100 Mark Begrüßungsgeld. Die Parallelen sind dennoch verblüffend: So berichten Chronisten von einer Entvölkerung der unterworfenen Gegend, von läppischen Zugeständnissen an Überläufer und Massen-Deportationen billiger Arbeitskräfte in den Westen des Reiches. Zynischerweise ließ sich Karl dafür auch noch als Friedensstifter zum Kaiser krönen. Kohl hätte den Friedensnobelpreis – stellvertretend für ein paar mutige Ostler – sicher auch gern genommen, aber nach Lena in Oslo und seiner eigenen Euro-Vision kann er sich das nun wohl endgültig abschminken.
In den Jahrhunderten zwischen Karl und Helmut spielten sich andere Geschlechter aus dem heutigen Niedersachsen (Liudolfinger/Ottonen), aus Nordrhein-Westfalen (Salier) oder Schwaben (Staufer) als sächsische Könige und deutsche Kaiser auf, bis sich die Hohenzollern – ursprünglich ebenfalls aus dem Südwesten – in Brandenburg breitmachten. Erst als Markgrafen und Kurfürsten, dann als preußische Könige, schließlich als Kaiser: „Gehst du in den Osten …“ – so einfach kann man deutsche Geschichte erzählen, mit allen bekannten Folgen. Dass Hitler zufällig in Österreich geboren wurde, ändert nichts daran, wo er die „Hauptstadt seiner Bewegung“ fand. Oder nehmen wir Westler wie Göring, Himmler, Goebbels, die ganz Bande – aber Schwamm drüber, es gibt genug andere Beispiele.
Letztlich landeten auch der Schwabe Schiller und der Hesse Goethe nur aus Karrieregründen im Osten. Der schwer verschuldete Bettnässer aus Marbach am Neckar musste mehrfach aus seiner Heimat fliehen, bis er Mitleid in Leipzig und ein Haus in Weimarer Bestlage fand. Von seinem Protegé Goethe – so vornehm umschrieb man Westseilschaften damals noch – ist überliefert, wie schwer er sich mit dem mondänen Leben in der schon damals viel weltoffeneren Stadt Leipzig tat, als er von Frankfurt zum Studium rüberkam. Er schlief und reimte sich nach oben, bis er die Geschicke ganzer Herzogtümer in Thüringen mitbestimmte. Millionen Schüler hassen ihn seitdem für seine schwülstigen Verse, aber zu Lebzeiten fühlte er sich wichtig und geliebt – die typische Mischung aus Selbstbetrug und Hochstapelei.
Was uns allein die Westler Marx und Engels eingebrockt haben – oder dieser Honecker aus dem Saarland! Der Sachse Walter Ulbricht hat zwar auch Unheil angerichtet, aber wenigstens nur bei sich zu Hause. Bert Brecht, ursprünglich Bayer, entschied sich nach Krieg und Exil erst für Ost-Berlin, nachdem ihn andere Länder wie die Schweiz nicht wollten. Und wenn sich heute ewig gestrige CDU-Patinnen wie Frau Professor Höhler vor Angela Merkels „autoritärem Sozialismus“ gruseln, so ist das zwar ganz lustig – aber wer hat denn versagt, als die kleine Hamburgerin in die DDR eingeschleust wurde, sich nach Kräften anpasste und heute Banken rettet, ohne bei jedem Quatsch das Parlament zu fragen: der alte Westberliner Erich Mielke.
Selten wurde das Problem so einprägsam erklärt wie in einem Stern-Artikel aus dem Jahre 2004 über die Kamtschatka-Krabbe in Norwegen, der – leider nicht von mir – folgendermaßen beginnt: „Kaninchen in Australien oder Wessis in Weimar – immer wieder zeigt sich: Werden Wesen willkürlich in eine wehrlose Umwelt verpflanzt, breiten sie sich ungehemmt aus ...“ Zwar dient die Anspielung auf Rolf Hochhuths Treuhand-Drama nur dem Einstieg in eine Reportage. Aber kommt der Vergleich – wieder Weimar, zudem von einer westdeutschen Kollegin – wirklich von ungefähr?
Wie zu Goethes Zeiten wollen hessische Gewerkschaftssekretäre Ministerpräsidenten in Thüringen werden. Noch immer strömen massenhaft westdeutsche Studienanfänger in den Osten; nach Angaben der Initiative Studieren in Fernost in Sachsen 29 Prozent der Erstsemester, in Sachsen-Anhalt 38 und in Mecklenburg-Vorpommern über 42 Prozent. Sicher nicht, um dort alten Omis über die Straße zu helfen.
Stattdessen sind Geschichtsfälscher am Werk, um die Ursachen der Plage zu verschleiern. Mir fiel das erst vor ein paar Monaten auf, als ich die wahre Herkunft Erich Mielkes aufdecken wollte und in der englischen Wikipedia über den Stasichef las: „After West German annexation of the GDR Mielke was arrested and charged ...“ ) Nun heißt es dort auf einmal: „After the GDR joined West Germany ...“. Leider bin ich kein Wikipedia-Autor, aber könnte das – bei Gelegenheit – vielleicht mal wieder jemand richtig stellen?
Schlimm genug, dass sich Obstweindichter wie dieser Goethe auch noch über die Wiedervereinigung lustig machen, während sie sich selbstgefällig auf dem West-östlichen Diwan räkeln: „Der Harte wird umgangen / Der Gimpel wird gefangen / Beherrsche diese Lüge / Betrogener, betrüge!“
Besser hätte das sein hessischer Landsmann Jürgen Schneider auch nicht sagen können. Nur ging der nach seinem Ausflug nach Leipzig in den Knast und dann wieder zurück. Goethe dagegen wäre in diesen Tagen 263 Jahre alt geworden und vermutlich immer noch Weimarer Röcken hinterher. Ist er aber nicht, sondern – von wegen unsterblich – tot. Das ist die Strafe für anbiedernde Gedichte, die den Orient verbrämen, aber nur die ostdeutsche Karriere-Wahlheimat meinen: „Soll ich von Smaragden reden, die dein Finger niedlich zeigt? Manchmal ist ein Wort von nöten, oft ist's besser, daß man schweigt.“ Ganz genau, Goethe: Schnauze Wessi!
August 2012
„Wenn ich mit den Gerichtspräsidenten, den Sparkassenchefs, mit Befehlshabern der Bundeswehr oder Führungskräften der Polizei zusammenkomme – kaum ein Ostdeutscher. Selbst in den Ministeriumsspitzen ist das so: Ab Referatsleiterebene wird ganz viel über den Kölner Karneval geredet.“
Matthias Platzeck, Brandenburger Ministerpräsident, 2012
Was machen einsame Kolonialbeamte nach Feierabend? Sie hängen im Internet rum, gehen zum Psychiater und – wenn der Leidensdruck reicht – auch wieder nach Hause. Eine Hilfsaktion.
Bei der letzten ethnischen Säuberung meiner Facebook-Kontakte fiel mir auf, dass ich acht „Freunde“ mit dem westdeutschen Bürgermeister meiner Heimatstadt teile. Auf mein Ultimatum „er oder ich“ reagierten die meisten gar nicht. Immerhin zwei haben sich dann doch entschieden, wenn auch falsch. Vermutlich haben es diese Renegaten auch noch gut gemeint!
Es ist ein verbreiteter Irrtum, man könne einsamen Westdeutschen im Osten helfen, indem man ihnen Mitleid oder soziale Netzwerke vorgaukelt. Weil sie nichts anderes kennen, halten sie auch digitale Unverbindlichkeiten sofort für etwas Ernstes. Schlimmstenfalls stehlen sie allzu barmherzigen Einheimischen nach Würde und Kindergartenplätzen auch noch deren kostbare Online-Zeit, verschicken Witzbildchen, was die Flachrate hergibt, und „liken“ wahllos Kolumnen wie diese. Ist das noch Anbiederei oder schon Appeasement?
Not und Heimweh müssen groß sein. Vor ein paar Monaten räumte sogar unser ehemaliges Königspaar in Sachsen still und leise ihre Dresdner Wohnung und zog zurück an den Chiemsee. Erst hat es gar niemand gemerkt, dann flossen doch ein paar falsche Tränen in der BILD-Zeitung. Dabei haben die Biedenköpfe bis zu ihrer Ikea-Abdankung wirklich genug für Sachsen und befreundete Investoren getan. Mit über 80 müssen sie nicht auch noch dazu beitragen, dass die ostdeutsche Bevölkerung statistisch immer „älter, kränker und einsamer“ wird, wie dramatische Erhebungen unter hiesigen Bevölkerungs-Statisten zeigen.
