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Als Jochen Räsner, der Inhaber der Detektei Phönix, in große Schwierigkeiten gerät, zögert Charlotte `Lotta´ von Laurenbach nicht ihrem Chef zu helfen. Ihr Mann Alexander ist davon alles andere als begeistert, da sie sich zusammen mit ihrer Kollegin Viola Strasser auf eine abenteuerliche Reise nach Südafrika begibt. Dort müssen sie die Person finden, die Jochen aus seiner Lage befreien kann. Doch ihre Gegenspieler, die Handlanger eines großen münsterschen Immobilienclans, sind ihnen auf den Fersen.
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Seitenzahl: 141
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Nicole Kordek, geboren in Rheine, lebt und arbeitet im Münsterland. Sie studierte an den Universitäten Greifswald und Düsseldorf, arbeitete während ihres Praktischen Jahres in Göttingen und Peterborough/England und ist als promovierte Pharmazeutin seit vielen Jahren in der Industrie tätig.
In Kindertagen hat sie mit der Schreibmaschine ihrer Mutter kurze Geschichten geschrieben. Diese Begeisterung fürs Schreiben hat sie nie losgelassen. Nach „Hoferbe“ und „Tortenzauber“ ist „Betongold“ ihr dritter Roman mit der Detektivin Charlotte „Lotta“ von Laurenbach.
Mit ihrer Familie lebt die Autorin in der Nähe von Münster/ Westfalen.
Für Daniela
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Auf ein ungeduldiges Klingeln hin öffnete er die Tür und blickte in die Gesichter dreier Männer. Er ahnte, worum es ging. Als er damals der Vereinbarung zugestimmt hatte, war ihm klar, dass sie eines Tages kommen würden. Daran hatte er nie gezweifelt.
Der größte von ihnen überragte ihn um eine halbe Kopflänge. Er stieß ihn zurück in seine Wohnung, die anderen beiden folgten. Worte waren nicht nötig. Der letzte schloss die Tür und schaltete die Lampen aus. Nur die Abenddämmerung spendete etwas Helligkeit.
Im Wohnzimmer stellten sich die drei ihm gegenüber auf. Eine Möglichkeit zur Flucht gab es nicht. Der Hüne trat einen Schritt vor. Im schummrigen Licht der untergehenden Sonne leuchtete eine auffällige goldene Kette mit rundem Anhänger, auf dem drei Ziffern zu sehen waren, an seinem Hals. Wie eine Trophäe trug er sie im Ausschnitt seines weit geöffneten Hemdes.
Verdammt, schoss es ihm durch den Kopf. Wie war der Typ an diese Kette gekommen?
Doch viel Zeit zum Überlegen blieb ihm nicht. Der erste Schlag traf ihn hart ins Gesicht. Er taumelte kurz und spürte, wie Blut an seiner Wange herunterlief. Zum Glück trainierte er regelmäßig im Boxclub. Das hielt ihn fit und sorgte für einen klaren Kopf. Er schlug mit aller Wucht zurück und schaffte es geschickt bei dieser ersten Rangelei dem Riesen die Kette vom Hals zu reißen. Blitzschnell schloss er seine Faust um sie. Der Schläger schien nichts bemerkt zu haben. Er packte ihn am Kragen und zog ihn ganz nah vor sein Gesicht.
„Wo sind deine Zahlen? Wo ist das Versteck?“, zischte er. Sein Atem roch nach Burger und Pommes.
„Ich sage euch kein Wort“, raunte er zurück, wohlwissend, dass es schlimm für ihn enden würde. Gegen drei Männer dieses Kalibers würde er niemals eine Chance haben, erst recht nicht mit dem ständigen Gedanken an das, was er in seiner Hand versteckte.
„Du hast es so gewollt.“ Das Kraftpaket lächelte ihn schief an und schubste ihn so stark, dass er unkontrolliert nach hinten stolperte, gegen einen Stuhl stieß und mit ihm krachend zu Boden fiel.
Er durfte die Kette nicht loslassen – niemals.
Seine angespannten Muskeln zitterten, als er sich langsam erhob. Die beiden anderen Männer rissen ihn in die Mitte des Raums und hielten ihn an den Armen fest. Der Große stopfte ihm ein Tuch in den Mund. Er konnte sich nicht dagegen wehren.
Das Einzige, was er machen konnte, war möglichst heftig auf den Boden zu stampfen. Sophia, die in der Wohnung unter ihm lebte, war äußerst geräuschempfindlich, wie er schon mehrfach hatte feststellen dürfen. Er konnte nur hoffen, dass sie ihn hörte.
Sie ließen ihm nur wenige Sekunden. Die Fäuste prasselten auf ihn ein. Er spürte, wie einige seiner Rippen brachen. Nach einem heftigen Schlag in den Magen musste er sich fast übergeben. Hätten sie ihm das Tuch nicht aus dem Mund genommen, wäre er erstickt. Das war die erste kurze Pause, in der sie ihn interviewten, wie der Riese es nannte. „Deine Zahlen? Das Versteck?“
„Vergiss´ es“, spuckte er ihn an.
Mit dem Tuch im Mund folgte die nächste Tirade an Schlägen. Dieses Mal war sein Kopf das Ziel.
Wieder dieselben Fragen.
Keine Antwort. Niemals.
Der Riese stellte sich vor einen großen Bücherschrank und räumte die Regale mit einem Arm aus, um seinen Frust loszuwerden. Kurz danach war er wieder bei ihm. Die Tortur ging weiter.
Er wusste nicht, wie spät es war und wie lange er schon von diesem Kerl verprügelt wurde. Es war mittlerweile dunkel geworden, sodass er die Männer nur noch schemenhaft durch das dumpfe Licht der Straßenlaternen, das in sein Wohnzimmer fiel, wahrnahm. Aber er konnte eh nur noch wenig sehen, da seine Augen zugeschwollen waren.
Schläge, Fragen, Schläge, Fragen.
Seine Faust hielt er fest verschlossen. Irgendwann hörte er seine Nase brechen. Der Hieb war so stark, dass er kurz ohnmächtig wurde. Wieder bei Bewusstsein krampfte er panisch seine Hand zusammen. Er spürte die Kette. Gut, sie war immer noch da. Langsam versuchte er sich wieder aufzurichten.
Sein Folterknecht zerstörte in den kurzen Pausen Stück für Stück seine Wohnungseinrichtung. Er trat weitere Stühle ein, durchsuchte seinen Schreibtisch und kippte ihn anschließend um – fand aber nichts und schlug umso stärker frustriert wieder zu.
Plötzlich hörte er ihn ans Fenster treten, aus dem Augenwinkel erkannte er ganz schwach ein blaues Licht. Er musste sich irren.
„Duckt euch und kommt ans Fenster.“
Wie ein nasser Sack ließen die zwei Männer ihn auf die Erde fallen. Er hätte am liebsten vor Schmerz laut aufgeschrien, aber er hatte das blutdurchtränkte Tuch immer noch im Mund.
„Wie viele seht ihr?“
„Zwei Autos, vier Polizisten.“
„Habe ich auch gezählt. Lasst uns verschwinden.“
Sie zogen sich zurück. Die zwei gingen geduckt zur Wohnungstür. Leise schlich der Riese zu ihm und riss seinen Kopf an den Haaren hoch.
„Wir sehen uns wieder.“ Dann verschwand auch er.
Es fehlte ihm jegliches Zeitgefühl. Ob es fünf oder 30 Minuten gedauert hatte, bis jemand laut an seine Wohnungstür klopfte, konnte er nicht sagen. Da sie offenstand, hörte er wenig später Schritte.
„Hallo.“ Plötzlich vernahm er eine Männerstimme direkt neben ihm.
„Oh verflucht. Markus, ruf´ einen Rettungswagen.“
Gleichzeitig nahm der Mann vorsichtig den Knebel aus seinem Mund.
„Können sie mich hören?“
Er nahm alle Kraft zusammen und wisperte.
„Ja, ich höre sie.“
Mit diesen Worten musste er husten, was die gebrochenen Knochen in seinem Körper ihm mehr als übelnahmen. Sich krümmend vor Schmerzen führte er auf der Seite liegend beide Hände zusammen.
Erleichterung breitete sich in ihm aus, als er die Kette ertastete.
„Ok, sie sind bei Bewusstsein.“
Der Mann trat ein paar Schritte von ihm weg und sprach leise mit einem Kollegen. Dann kam er zurück und kniete sich wieder neben ihn.
„Wir sind von der Polizei Münster. Mein Name ist Kai Buchhauser. Die Eigentümerin der Wohnung unter ihnen hat uns angerufen. Sie hatte ungewöhnlich laute Geräusche über ihr gehört und uns gebeten nachzusehen. Aber“, er machte eine kurze Pause, „wir wären eh heute noch zu ihnen gekommen.“
Trotz geschwollener Augen versuchte er seinen Kopf in Richtung des Polizisten zu drehen.
„Wieso?“
Der Polizist atmete tief aus.
„Tja.“
Erneut Stille.
„Weil ich sie wegen des dringenden Tatverdachts Rainer Mellenkamp vorgestern in seinem Haus ermordet zu haben verhaften muss.“
Die Nachricht traf ihn wie ein Blitzschlag. Sie haben Rainer umgebracht! Sie haben ihn getötet! Mensch, Rainer.
„Sie werden uns in ihrem Zustand natürlich nicht mit aufs Revier folgen. Der Rettungswagen wird sie ins Krankenhaus bringen, wo sie unter Bewachung stehen und ihre Verletzungen erstmal versorgt werden.“
Er versuchte zu nicken.
„Können sie mir sagen, wer sie so zugerichtet hat und was der oder die von ihnen wollten?“
Also hatten die drei Schlägertypen eine Möglichkeit gefunden vor der Polizei zu flüchten. Darin waren sie geübt, davon war er überzeugt.
„Nein, das weiß ich nicht.“
„Darüber werden wir uns sicherlich später noch intensiv unterhalten“, sagte der Polizist mit fester Stimme und stand auf.
Plötzlich war der Raum erfüllt von Stimmen und metallischem Klappern. Der Rettungswagen war offenbar eingetroffen. Die Trage wurde neben ihn gestellt und ein Sanitäter sprach ihn an. Er stöhnte und schrie kurz auf, als sie ihn vorsichtig anhoben.
Als sie ihn, fixiert auf der Trage, aus seiner Wohnung schieben wollten, fiel ihm die Kette in seiner Hand wieder ein, die er weiterhin krampfhaft festhielt.
„Hallo! Hallo!“, versuchte er zu rufen.
„Bitte bleiben sie ruhig“.
Sein Kopf wurde sanft auf die Unterlage gedrückt.
„Hallo!“
Er ließ nicht locker. Gleich würden die Beruhigungs- und Schmerzmittel wirken, die durch den Zugang auf seinem Handrücken flossen.
„Warten sie.“
Das war die Stimme des Polizisten, der mit ihm gesprochen hatte.
„Was haben sie?“
Alle Kräfte zusammennehmend sagte er so laut wie möglich: „Ich habe eine dringende Bitte. Könnten sie meine Assistentin kontaktieren und ihr mitteilen, was passiert ist und dass sie meinen Urlaub stornieren soll. Und bitte geben sie ihr diese Kette. Sie soll eine Überraschung für meine Freundin sein. Ich hatte sie heute gekauft. Meine Mitarbeiterin wird sie verwahren.“
Er öffnete seine Faust. Der Versuch eines Lächelns war kläglich.
„Dort am umgekippten Schreibtisch müssten irgendwo Visitenkarten meiner Firma liegen.“
Er versuchte den Arm zu heben, um in die Richtung zu zeigen, in der der ehemals elegante, jetzt demolierte Schreibtisch lag.
„Rufen sie einfach die Nummer an. Sie werden sie jederzeit erreichen.“
Der Polizist nahm die Kette, hielt sie hoch und betrachtete sie neugierig.
„Mmmh, interessante Kette für eine Frau.“
„Bitte versprechen sie mir, dass sie das für mich machen.
Es ist mir sehr wichtig.“
Seine schwache Stimme überschlug sich vor Verzweiflung.
„Dass sie in diesem Zustand noch an ihre Freundin und Urlaub denken können.“
Der Polizist schüttelte den Kopf.
„Ich flehe sie an“, sagte er matt. „Bitte.“
„Ok, versprochen. Informationen und Kette gehen an ihre Assistentin.“
Gut. Der Polizist würde sich kümmern. Seine Muskeln entspannten sich und er fiel in einen schmerzfreien Schlummerzustand. Die Stimmen um ihn herum klangen weit entfernt.
„Hey Markus, liegen da beim Schreibtisch Visitenkarten?“
hörte er wie durch Watte den Polizisten fragen. Die Antwort drang nicht mehr zu ihm durch. Er fiel in einen traumlosen Dämmerschlaf.
Einer der Sanitäter, der an einer Seite die Griffe der Trage in den Händen hielt, rief dem Ermittler von der Wohnungstür aus zu: „Wie lautet eigentlich der Name des Patienten?“
„Räsner. Jochen Räsner.“ Der Polizist blickte nachdenklich auf die Kette in seinen Händen.
Die hohen Fenster waren mit Sandstein umrahmt. Im Sonnenlicht schien dieser förmlich hell zu glühen. Ein hübscher Beigeton. Der Backstein, mit dem das Haus verklinkert war, bildete dazu einen guten Kontrast. Er strahlte in einem warmen Rot.
Die Treppe mit ihren beidseitigen Aufgängen und dem eleganten Geländer fügte sich perfekt ins Bild.
Die Tür, zu der die Stufen führten, stand offen und lud zu einem Museumsbesuch ein.
Schaute man etwas am Gebäude hinauf, zeichnete sich auf der Fassade der Schatten der modernen Dachkonstruktion aus Stahl und Glas ab.
Lotta war vollkommen in den Anblick versunken und schlürfte glücklich ihren Milchkaffee.
Wie wunderbar, dass man den Druffelschen Hof so gut hatte erhalten können, dachte sie.
Die Kombination mit den modernen Münster Arkaden erzeugte eine angenehme Atmosphäre, die immer wieder neue Perspektiven bot. Bislang hatte sie sich meist einen Tisch am Rand der Cafébestuhlung ausgesucht. Dieses Mal saß sie direkt in der Mitte.
Den Trubel um sie herum, die Kellnerinnen und Kellner, die die Gäste bedienten, die Familien, bepackt mit Taschen, die mit Einkäufen prall gefüllt waren, die vollen Rolltreppen, die ins Ober- und Untergeschoss führten – all das nahm sie gar nicht wahr. Sie genoss diesen Moment sehr.
„Lotta!“
„Charlotte von Laurenbach!“ Die Stimme ihrer Mutter drang langsam zu ihr.
Kurz zuckte sie zusammen, stellte den Milchkaffee ab, reckte die Arme in die Höhe und streckte sich. Sie lächelte ihre Mutter und ihre Schwester Emma zufrieden an. Wie schön, dass sie sich mal wieder verabredet hatten und so etwas Zeit gemeinsam verbringen konnten.
Emma hatte – noch ganz verliebt in ihren Miguel, den sie während des Praktikums in Spanien kennengelernt hatte – einen ausführlichen Monolog über diesen Supermann gehalten.
Für eine kurze Weile hatte Lotta zugehört, bevor sie sich gedanklich ausklinkte und ihre Umgebung betrachtete.
Die Liebe auf Distanz schien bei Emma und Miguel soweit zu funktionieren - soviel hatte sie mitbekommen. Die zwei wollten sich auf jeden Fall bald wiedersehen.
„Beim nächsten Treffen musst du uns unbedingt mehr Fotos von euren Flitterwochen in Island zeigen. Die Bilder, die ihr uns während eurer Tour geschickt habt, waren fantastisch aber einfach zu wenige“, sagte ihre Mutter mit einem Zwinkern zu Lotta.
Sie verstand den Hinweis. Offensichtlich war Michaela Kemburg des Lieblingsthemas ihrer jüngsten Tochter etwas überdrüssig. Miguel hier, Miguel da.
„Klar doch, das machen wir. Alexander und ich wollten eh noch einen kleinen Island-Foto-Abend mit unseren Familien veranstalten, sind aber in den letzten Monaten einfach nicht dazu gekommen.“
Sie schob sich eine Strähne ihres mittellangen, blonden Haares hinter das Ohr. Das war eine kleine Notlüge und Lotta war sich dessen bewusst. Zwischen ihr und der Familie ihres Mannes herrschte seit Alexanders Verkündigung auf ihrer Hochzeit über ihren Job Eiszeit – was ja irgendwie zu Island passen würde. Sie legte im Augenblick einfach keinen großen Wert darauf, den von Laurenbachs zu begegnen. Ihre Mutter schien das zu spüren und hakte nach.
„Das wäre ja prima. Wie geht es Alexanders Familie eigentlich? Wir haben seit eurer Hochzeit nichts mehr voneinander gehört.“
Eigentlich war das nichts, was sie gerade jetzt diskutieren wollte. Sie begann mit einem tiefen Seufzer.
„Alexanders Eltern geht es gut. Sie sind viel unterwegs.
Seine Geschwister sehe ich nur selten. Sebastian ist ab und an abends bei uns, um noch Dinge für die Kanzlei mit Alexander zu besprechen. Henrike ist gerade im Auslandssemester. Wann sie wieder kommt, weiß ich gar nicht.“
Mehr wollte sie, wenn möglich, nicht dazu sagen, aber ihre Mutter ließ nicht locker.
„Wie gehen die von Laurenbachs denn so mit Alexanders Offenbarung über deine beruflichen Pläne um?“
„Touché“, antwortete sie kurz.
Ihre Mutter schaute sie besorgt an.
Emma bekam von dem Gespräch nicht viel mit, weil sie, mit dem Handy in der Hand, sich offenbar mit Miguel austauschte - so verträumt und selig, wie sie es anstarrte.
„Um ehrlich zu sein, redet mein Schwiegervater gar nicht mehr mit mir, wenn wir uns denn mal begegnen, was er offensichtlich auch noch zu vermeiden versucht. Er hält meine Tätigkeit als Ermittlerin der Detektei Phönix für ein Hirngespinst und für absolut inakzeptabel. Elfriede, ganz die fürsorgliche Ehefrau, versucht, wo es nur geht, zwischen uns zu vermitteln. Aber ich lasse mir das doch nicht ausreden!“
„Ich hätte von meiner Tochter auch nichts anderes erwartet“, entgegnete Michaela Kemburg schmunzelnd.
„Und was ist mit Sebastian? Wenn er bei euch ist, müsst ihr doch irgendwie miteinander sprechen?“
„Das halten wir beide alles recht oberflächlich. Ab und an versucht er, das Thema Job anzuschneiden. Aber ehrlich gesagt, ist es meist Alexander, der das Gespräch schnell wieder in eine andere Richtung lenkt. Er ist da absolut auf meiner Seite.“
„Sprecht ihr denn häufig über deine Arbeit?“
„Ja, schon. Wir diskutieren des Öfteren meine Fälle. Mir hilft der Austausch mit ihm ungemein.“
Lotta sackte ein wenig in sich zusammen.
“Und mir ist bewusst, dass der Druck, den er in der Kanzlei von seinem Vater und Bruder - was meinen Einstieg ins Familienbusiness betrifft - bekommt, enorm groß ist. Das tut mir unglaublich leid. Aber die Arbeit macht mir so viel Freude, ist so abwechslungsreich und auch ein bisschen spannend, dass ich sie nicht missen möchte. Noch nicht.
Wer weiß, was die Zukunft bringt.“
Ihre Mutter nickte verständnisvoll.
„So lange zwischen Alexander und dir alles im Reinen ist, musst du dir keine Gedanken machen – und ich mir auch nicht. Ihr zwei seid ein gutes Team.“
„Der Mann meiner Träume. Das `glücklich bis ans Lebensende´ gibt es nun mal nicht geschenkt.“
Jetzt musste sogar Lotta lächeln.
„Hey Lotta, irgendwie klingelt es in deiner Handtasche“, schaltete Emma sich ein und war gleich darauf wieder mit Miguel beschäftigt.
„Oh ja, Danke!“
Lotta kramte ihr Handy hervor.
Eine unbekannte Nummer. Sie nickte ihrer Mutter kurz zu und nahm das Gespräch an.
„Hallo“, sagte sie.
„Hallo Frau von Laurenbach. Hier ist Viola Strasser.“ Lotta hörte die sympathische Stimme der Assistentin ihres Chefs.
Offenbar rief sie nicht aus der Detektei an. Die Nummer hatte Lotta nämlich in ihrem Handy gespeichert.
„Hallo Frau Strasser. Was gibt es? Haben sie einen neuen Fall für mich?“
„Wie meinen sie das?“
Was für eine komische Frage, dachte Lotta. Sie konnte darauf nichts erwidern, da Frau Strasser direkt weitersprach.
„Hätten sie Lust auf einen kleinen Spaziergang? Vielleicht einmal um den Aasee? Ich wollte mich mit ihnen über ihren Urlaub unterhalten.“
Urlaub!!! Bei Lotta schrillten die Alarmglocken.
Urlaub war in der Detektei das Kennwort für große Probleme. Darauf hatte sie ihr Chef, Jochen Räsner, gleich zu Beginn ihrer Tätigkeit eingeschworen. Sollte dieser Begriff von einem Mitglied der Detektei benutzt werden, wussten alle Personen Bescheid, dass etwas Übles im Gange war. In solchen Situationen war es tunlichst zu vermeiden, über Handy und Festnetz weitere Details auszutauschen.
