Between Waves and Whispers - Melina Ray - E-Book

Between Waves and Whispers E-Book

Melina Ray

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Beschreibung

Manchmal muss man gegen die Wellen kämpfen, um die richtige Strömung zu finden – und manchmal ist es die Liebe, die dich über Wasser hält

Bliss hat alles, was sie braucht, um glücklich zu sein: ihren Van, die Freiheit der kalifornischen Küsten und das Rauschen der Wellen. Doch als der Camper in Laguna Beach den Geist aufgibt, findet sie sich unverhofft am elitären Surf-College, der Emerald Bay Academy, wieder. Zwischen Abendwellen und der Versuchung, an einem Surfcontest teilzunehmen, gerät Bliss ins Visier von Kieran – Coach der Academy, Weltklassesurfer und ein Mann, dessen eindringliche Blicke so spürbar sind, wie die Wunden seiner Vergangenheit.

Was als stürmisches Aufeinandertreffen beginnt, entwickelt sich zu einer brennenden Anziehung. Doch Kieran trägt seine eigenen Narben, und Bliss' Herz eine schmerzvolle Wahrheit, die sie verbirgt. Können sie den Strudel der Vergangenheit hinter sich lassen, oder ist ihr Happy End so unerreichbar wie der perfekte Ride?

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Seitenzahl: 598

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Zum Buch

Bliss hat alles, was sie braucht, um glücklich zu sein: ihren Van, die Freiheit der kalifornischen Küsten und das Rauschen der Wellen. Doch als der Camper in Laguna Beach den Geist aufgibt, findet sie sich unverhofft am elitären Surf-College, der Emerald Bay Academy, wieder. Zwischen Abendwellen und der Versuchung, an einem Surfcontest teilzunehmen, gerät Bliss ins Visier von Kieran – Coach der Academy, Weltklassesurfer und ein Mann, dessen eindringliche Blicke so spürbar sind, wie die Wunden seiner Vergangenheit.

Was als stürmisches Aufeinandertreffen beginnt, entwickelt sich zu einer brennenden Anziehung. Doch Kieran trägt seine eigenen Narben, und Bliss' Herz eine schmerzvolle Wahrheit, die sie verbirgt. Können sie den Strudel der Vergangenheit hinter sich lassen, oder ist ihr Happy End so unerreichbar wie der perfekte Ride?

Zur Autorin

Melina Ray schreibt New Adult Romance mit einer großen Portion Prickeln, vielen Emotionen und einem garantierten Happy End. Sie lebt mit zwei flauschigen Katern und ihrem Mann in Dortmund. Bereits im Jugendalter zog es die Autorin immer wieder in die USA, wo sie an einer Highschool und am College Erfahrungen sammeln durfte, die heute in ihre Bücher mit amerikanischen Settings einfließen. Wenn Melina nicht schreibt oder liest, gestaltet sie ihr Zuhause um, verbringt Zeit mit ihren Freunden und ihrem Mann, oder ist auf Reisen.

Instagram: @melinaray_author

TikTok: @melinaraybooks

Melina Ray

Between Waves and Whispers

Roman

reverie

Originalausgabe

© 2025 reverie in der

Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH

Valentinskamp 24 · 20354 Hamburg

[email protected]

Covergestaltung von Emily Bähr

Coverabbildung von Sotnikov Misha, Nasetkina Yulia / Shutterstock, R / Adobe Stock

E-Book-Produktion von GGP Media GmbH, Pößneck

ISBN 9783745705041

reverie-verlag.de

Jegliche nicht autorisierte Verwendung dieser Publikation zum Training generativer Technologien der künstlichen Intelligenz (KI) ist ausdrücklich verboten. Die Rechte der Urheberin und des Verlags bleiben davon unberührt.

Liebe Leserinnen und Leser,

dieses Buch enthält potenziell triggernde Inhalte.

Deshalb findet ihr am Romanende eine Themenübersicht, die demzufolge Spoiler enthalten kann.

Wir wünschen euch das bestmögliche Erlebnis beim Lesen dieser Geschichte.

Euer Team von reverie

Für alle, die das Gefühl kennen, vom richtigen Weg abgekommen zu sein.

Manchmal sind es die Umwege, die uns am Ende glücklich machen und die unvergesslicheren Geschichten schreiben.

Playlist

Wild Girl – Kito, Empress Of

Getaway Car – Taylor Swift

Sunset – Kid Ink

Cruel Summer – Taylor Swift

Sorry – Halsey

Glass House – mgk, Naomi Wild

In My Blood – Shawn Mendes

Sue Me – Sabrina Carpenter

illicit affairs – Taylor Swift

breathin – Ariana Grande

I Know Places – Taylor Swift

Chew On My Heart – James Bay

You and I – PVRIS

What You Need – The Weeknd

Falling Like The Stars – James Arthur

Give Me Everything – Pitbull, AFROJACK, Ne-Yo, Nayer

Got Me Started – Troye Sivan

Falling – Harry Styles

Risk – Gracie Abrams

Swim – Chase Atlantic

Neighbours Know My Name – Trey Songz

Without Me – Halsey

Shameless – The Weeknd

How Deep Is Your Love – Calvin Harris, Disciples

Remember – Liam Payne

King – Acoustic – Olly Alexander (Orig. Years & Years)

Reflections Laughing – The Weeknd, Travis Scott, Florence + The Machine

I’m Yours – Alessia Cara

Wild Love – James Bay

sun to me – mgk

Daylight – Taylor Swift

1: Bliss

1

Bliss

Einen so dramatischen Sonnenuntergang hatte ich noch nie gesehen. Beinahe wirkte es, als würde die Sonne am Horizont schmelzen und geradewegs pink ins Meer tropfen. Mit der letzten Kraft ihrer Strahlen färbte sie die wie Zuckerwatte aussehenden Wölkchen bunt. Das Wasser hingegen glitzerte, die Wellen unten am Strand spülten Gischt über ein paar der herausragenden Felsen.

Schon als Kind hatte ich das Meeresrauschen geliebt. Zum Einschlafen hatte meine Mom mir und meiner Schwester immer eine CD mit Ozeanklängen auflegen müssen, weil es uns entspannt hatte. Bis heute konnte ich mich kaum von dem Geräusch losreißen.

Noch bis die Sonne ganz im Meer verschwunden ist, sagte ich zu mir selbst im Bewusstsein darüber, dass ich die Zeit meiner Abreise immer weiter hinauszögerte. Schon seit dem Nachmittag sollte ich auf dem Highway in Richtung San Diego sein. Unter normalen Umständen wäre die Strecke von Laguna Beach aus in knapp einer Stunde zu schaffen, aber ich reiste unter erschwerten Bedingungen: Die Lampen meines Van-Cockpits blinkten schon so lange in den Farben des Sonnenuntergangs, dass ich gar nicht genauer darüber nachdenken mochte, was das zu bedeuten hatte. Seit einer Woche fuhr ich nur noch die allernötigsten Strecken, vor Sorge, irgendwann mitten auf einer Kreuzung stehen zu bleiben. Aber der kleine Charles, wie ich meinen selbst ausgebauten Van nannte, musste noch ein bisschen durchhalten. In San Diego hatte mein Dad einen Bekannten, den ich aufsuchen und um Hilfe oder eine Werkstattempfehlung bitten konnte. Bis dahin fuhr ich langsamer, füllte überfürsorglich alle Flüssigkeiten nach und kontrollierte Symbole und ihre Quellen, wenn ich sie zuordnen konnte. Das waren zwar nicht so viele, aber ich hatte mir ein paar handwerkliche Fähigkeiten angeeignet und eine zuverlässige Internetverbindung. Ich hatte bereits einige Abende meiner Reise auf YouTube und in Camper-Foren verbracht. Trotzdem war ich langsam am Ende meiner Möglichkeiten angelangt. Ein Profi musste her.

Während ich mir diese Tatsache eingestand, traf mich auch die Erkenntnis, dass die Sonne untergegangen war.

Laguna Beach war für knapp eine Woche mein Zuhause gewesen. Die Stadt am Meer hatte etwas Magisches. Mit Buchten, spektakulärer als die Strände in L.A., das Zentrum klein und persönlich. Die Wellen waren optimal, um auf ihnen zu surfen, weshalb ich schnell Anschluss zu anderen Hobbysurferinnen und -surfern gefunden hatte. Es war nett, unterwegs ein paar Gleichgesinnte zu treffen, mit denen man die Abende verbringen konnte. Dennoch konnte ich den Zustand meines Vans nicht weiter ausreizen.

Mit einem Seufzen drückte ich mich vom Treppengeländer ab.

»Bye, Laguna«, murmelte ich und ging zum Cliff Drive, wo ich geparkt hatte.

Ein Vorteil von Charles: Er war nur ein Stückchen länger als ein normales Auto, sodass ich fast überall eine freie Parklücke fand. Zu Beginn meiner Reise, vor etwas über zwei Monaten, hatte ich mich daran gewöhnen müssen, ihn durch enge Stadtbezirke zu lenken, ohne den Überblick zu verlieren. Ganz ohne Co-Pilot hatte es die ein oder andere brenzlige Situation gegeben, aber Charles und ich waren inzwischen ein eingespieltes Team. Er ließ mich nicht hängen, und bis auf einen fremden Seitenspiegel (einer ist keiner) hatten wir noch nichts kaputt gefahren. Ich fand, das war ein guter Schnitt, und zum Glück hatten sich die Kosten dafür im Rahmen gehalten.

Bitte mach, dass das auch für die Partybeleuchtung im Cockpit gilt.

Mit einem Seufzen ließ ich mich auf den Fahrersitz fallen und überprüfte wie immer, ob die wenigen Wertsachen, die ich besaß, noch an Ort und Stelle waren: Laptop unter dem Sitz im Geheimfach – check. Zweites Portemonnaie für den beschissenen Fall, dass ich ausgeraubt werden sollte, im Fach neben dem Lenkrad – check. Direkt neben dem Pfefferspray. Man konnte nie wissen. Eine allzu ängstliche Einstellung hatte ich mir verboten, als ich vor fast fünfhundert Meilen aus meiner Heimatstadt an der Küste vor San Francisco losgefahren war, um ganz Kalifornien zu erkunden. Den Golden State. Meine Heimat, die ich viel zu lange viel zu schlecht gekannt hatte.

Ich drehte den Schlüssel nach einem fairen Vorsprung für Charles – Vorglühen war das A und O –, damit er ansprang.

Und da war es: das Schnurren seines Motors, das mir sagte »Ich pack’s noch einen Moment, aber fahr endlich in die nächste Werkstatt«. Eine Sekunde später ging das mir mittlerweile allzu bekannte Geblinke los.

»Ja, ja, hab’s verstanden!«, rief ich gegen meine Musik, die aus den Boxen drang an.

Der Song Wild Girl von Kito & Empress Of war mein Lied für den Aufbruch und hielt mich auch auf längeren Strecken wach.

Als ich Charles auf die Straße lenkte und am Rockpile Beach vorbeifuhr, winkte ich den Wellen ein letztes Mal. Am Ende der Straße hielt ich an einer roten Ampel, kurz bevor es einen Hügel hinauf zur Hauptstraße ging. Die Ampel wechselte von Rot auf Grün, und ich drückte mein Gaspedal durch. Nichts passierte, außer, dass ein besorgniserregendes Keuchen ertönte, woraufhin der Motor erstarb. Und ich wusste: Das war nicht gut. Sofort drehte ich meine Musik leiser, versuchte Charles erneut zu starten, aber es war vergebens.

»Ach komm schon, bitte!«, rief ich und drehte den Schlüssel noch mal um.

Nichts.

Was sollte ich tun?

Ich konnte schlecht googeln Motor klang nach krankem Hund – Was tun?

Ungeduldiges Hupen ertönte hinter mir, und ich schaltete den Warnblinker an, woraufhin ein paar Arschlöcher schimpfend an mir vorbeibrausten.

»Ne, macht mir total Spaß! Ich stehe freiwillig hier«, schimpfte ich beim nächsten Gehupe und zeigte jemandem den Mittelfinger. Wenn ich in Laguna wäre, um die Vernünftige zu sein, säße ich auf einer Collegebank statt in einem Van, dessen Fehlerquellen ich immer noch suchte.

»Weißt du, Charles, manche haben einen Plan für ihr Leben. Ich habe nicht mal einen für dich.«

Nein, dieses Wild Girl hatte keinen Plan für ihr Leben.

Und ein Wild Girl ohne laufenden Motor unter sich war auch eher ein … »liegengebliebenes Girl«, überlegte ich laut. »Ein abgesoffenes Girl.«

Ich schüttelte verzweifelt den Kopf und gab dem Sprinter noch eine letzte Chance. Diesmal bettelte ich. Flehte ihn an, noch eine Stunde durchzuhalten. Aber er erhörte mich nicht.

In Filmen öffneten die Leute immer ihre Motorhauben, wenn sie eine Panne hatten. Also stieg ich aus und starrte kurz darauf in meinen Motorraum. Dabei war ich genauso schlau wie vorher, nur, dass ich jetzt auch noch Rauch aufsteigen sah.

»Qualm ist nicht gut«, murmelte ich und wedelte mit der Hand, um etwas sehen zu können und die Quelle zu finden.

»Stimmt, der sollte da nicht sein.« Eine männliche Stimme ertönte so plötzlich, dass ich zusammenzuckte.

»Gott, hab ich mich erschreckt.« Ich warf einen prüfenden Blick auf den Typen neben mir. Ich schätzte ihn auf Mitte zwanzig. Er sah ungefährlich aus, trug eine dunkelgrüne Cap, unter der haselnussbraune Haare hervorschauten, und ein Tanktop.

»Tut mir leid, war keine Absicht«, entschuldigte er sich lächelnd und zeigte auf die Motorhaube. »Darf ich?«

»Klar, tu dir keinen Zwang an. Ich erkenne da leider nichts.« Er nickte und schob sich an mir vorbei.

»Ich bin übrigens David«, hörte ich seine gedämpfte Stimme, da sein Kopf unter der Motorhaube steckte. »Und das hier sieht nicht gut aus.«

»Bliss. Und ich hätte gern was anderes von dir gehört«, seufzte ich und lehnte mich frustriert gegen Charles.

David veränderte noch mal seine Position und hantierte an etwas herum. »Ich bin kein Profi, aber wir könnten es noch mit Starthilfe versuchen.«

Dankbar, dass er uns noch nicht aufgab, stimmte ich zu. Kurz darauf holte er das nötige Equipment aus seinem Wagen und erklärte mir die nächsten Schritte, falls ich noch mal in eine solche Situation geraten sollte. Ich sog seine Worte auf wie ein Schwamm.

Als er sich anschließend auf den Fahrersitz setzte, um den Van zu starten, passierte allerdings nichts. Davids gequältes Gesicht sprach Bände.

»Was auch immer es ist, ich fürchte, die Lichtmaschine oder die Batterie fallen raus.«

Ich seufzte und zeigte auf das Cockpit. »Du siehst die Symbole, oder?«

Er nickte wissend. »Du brauchst eine Werkstatt.«

Ich fluchte, und David konnte sich ein Lachen nicht verkneifen.

»Mein Onkel ist KFZ-Mechatroniker, er wird dich lieben.«

Ich zog fragend die Augenbrauen hoch, und er lachte, während er sein Handy aus der Hosentasche zog.

»Ich kann ihn anrufen und fragen, ob er den Van abschleppen kommt. Oder hast du jemanden hier in der Gegend, den du anrufen könntest?«

Ich schüttelte den Kopf. Auf den nächsten 80 Meilen war niemand, der mir helfen konnte.

»Gib mir einen Moment, okay?« Sein Lächeln war warm, er musste sehen, dass mich die Situation überforderte, als er sich ein paar Meter entfernte und mich mit dem kaputten Charles zurückließ.

Was für ein Mist.

Mit jedem misslungenen Startversuch hatte ich das ungesunde Keuchen des Motors heftiger in meiner Magengegend gespürt. Es tat verdammt weh, dass der Van nicht ansprang, und machte mir Angst, weil ich nicht wusste, welche Kosten auf mich zukommen würden. Und wann ich weiterfahren konnte. Würde die Werkstatt mich im Van schlafen lassen? Ein Hotel konnte ich mir nicht auch noch leisten …

All die Fragen sorgten dafür, dass mir Tränen in die Augen stiegen und ich darüber nachdachte, dass ich wahrscheinlich selbst schuld an dem Schlamassel war, weil ich nicht schnell genug gehandelt hatte. Das machte es nicht besser.

»So«, hörte ich David hinter mir sagen und drehte mich zu ihm um. »Er ist auf dem Weg, mach dir keine Sorgen.«

Knapp eine Stunde später kamen wir auf dem Hof von Mike, Davids Onkel, an, und er ließ den Van vom Abschlepper, während wir danebenstanden und zuschauten. Der Schotter unter den Reifen knarzte, dann stand der Sprinter wieder auf sicherem Boden. David war uns mit seinem eigenen Wagen hinterhergefahren.

»So, hier kann das alte Kerlchen erst mal bleiben«, sagte Mike. »Morgen ist ja Montag, da bin ich hier, und wir gucken rein, okay?«

Ich nickte und schüttelte seine Hand.

Allein deshalb, weil er so behutsam mit Charles umging, und nicht, als hätte er es mit einem Haufen Schrott zu tun, mochte ich ihn. Und als er es für selbstverständlich erklärte, dass ich weiterhin im Van übernachten durfte, mochte ich ihn noch viel mehr.

»Herzlichen Dank, ihr habt mir sehr geholfen«, sagte ich, als Mike sich zum Gehen wandte.

»Nicht dafür, bis morgen!«

Es war gut zu wissen, dass ich in dieser verzwickten Situation nicht auf mich allein gestellt sein würde.

»Und du schläfst jede Nacht da drin?«, wollte David, der neben mir stand und Charles beäugte, wissen.

Durch die Art und Weise, wie er es fragte, spürte ich, dass er hier keine Zweideutigkeiten von sich geben wollte. Nur reines Interesse.

»Ja, ich bin komplett autark, wenn alles funktioniert.« An seinem fragenden Blick erkannte ich, dass er keine Ahnung hatte, wovon ich sprach. »Den Strom beziehe ich über die Solarpanels auf dem Dach. Wasserzugang brauche ich nur einmal pro Woche, da ich einen großen Tank habe.«

»Das ist ja entspannt. Und du bist schon lange unterwegs?«

»Knapp zwei Monate.«

Er pfiff durch die Zähne, und ich schob die Seitentür des Vans auf und schaltete das Licht ein, damit er einen Blick ins Innere werfen konnte. Die Lichterkette, die im hinteren Bereich über dem Bett hing, tauchte die spärliche Einrichtung in ein sanftes Gelb und strahlte dadurch Gemütlichkeit aus.

David nickte anerkennend und begutachtete die Küchenzeile neben dem Einstieg, die Korkwand mit Polaroids meiner bisherigen Ziele und das Mini-Badezimmer gegenüber der Küche.

»Echt nett hast du es dir gemacht.«

»Danke, ich fühle mich auch sehr wohl hier drin«, antwortete ich und unterdrückte ein Gähnen der Erschöpfung, als ich in den Van kletterte. Mein Blick fiel auf meinen Wandspiegel im Bohostil, der zeigte, dass ich genauso erledigt aussah, wie ich mich fühlte. Meine blonden Haare, die mir bis zum Bauchnabel reichten, hingen zerzaust über meine Schultern, und meine grünen Augen wurden von dunklen Schatten umrandet. Weil er so freundlich gewesen war, wollte ich David aber nicht wegscheuchen.

»Wohnst du in der Gegend?«, fragte ich ihn.

Er zeigte über seine Schulter. »Ja, circa eine Meile von hier, ich muss nur die Straße runter, da ist meine Uni.«

»Deine Uni?« Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Seine Cap zeigte ein Wappen, sein Shirt zwei überkreuzte Boards … »Du bist aber nicht an der Emerald Bay Academy, oder?«

»Doch, zweites Semester«, sagte David mit Stolz in der Stimme und einem breiten Grinsen. Vollkommen zu Recht.

Die alte Universität an der Bucht war bekannt dafür, ein paar der weltbesten Surferinnen und Surfer hervorgebracht zu haben. Erst kürzlich hatte ich mich mit Leuten aus der Szene darüber unterhalten. Man kannte als Außenstehende den Namen, aber darüber hinaus kaum Details über das weite Gelände, Trainingsmethoden oder ihr strenges Auswahlverfahren.

»Wow, Glückwunsch«, sagte ich beeindruckt. »Unter anderen Umständen hätte ich jede Menge Fragen.«

David lachte und klopfte außen an meine Schiebetür. »Ich lasse dich gleich schlafen, keine Sorge. Und ich hoffe, dass du schnell wieder hier wegkommst, aber falls nicht, melde dich, wenn dir langweilig wird. Dann holen wir die Fragerunde nach.«

»Wie finde ich dich an der Academy? Kann man einfach dort hinkommen?«, fragte ich, weil ich trotz meiner grundoptimistischen Art nicht daran glaubte, am nächsten Tag wieder losfahren zu können.

Er grinste, während er sein Smartphone aus der Hosentasche zog. »Einfach so nicht, aber wenn man jemanden kennt, kennt derjenige vielleicht Mittel und Wege, dich aufs Gelände zu schmuggeln. Du kannst meine Nummer haben oder mich bei Instagram hinzufügen, wenn du willst.« Er hielt mir sein Handy mit geöffneter App und seinem Profil hin, also öffnete ich meine ebenfalls. Ich tippte seinen Accountnamen in die Suchleiste ein und drückte auf Follow. »Danke, Davidthegenerous.«

Während meiner Reise allein hatte ich gemerkt, dass es angenehmer war, neue Leute zunächst in den sozialen Medien hinzuzufügen, damit nicht jeder meine Telefonnummer besaß.

»Tja, der Name ist Programm!« Er schaute ein letztes Mal auf sein Smartphone, bevor er die Hände in seine Taschen schob und rückwärts davonging. »Dann hoffentlich bis bald, Shesblisscalifornia.«

»1:1 im Namen-Battle«, rief ich amüsiert.

Er schüttelte den Kopf und zeigte mit dem Finger zu meinem Dachgepäckträger, an dem mein altes Surfbrett befestigt war. »Für mich zählt nur, was im Wasser passiert. Keine Wettkämpfe an Land.«

»Challenge accepted!« Lachend schmiss ich meine Seitentür zu.

Als ich mich eine Viertelstunde später in meine Kissen fallen ließ, wurde mir klar, dass ich inständig hoffte, Charles so bald wie möglich zum Laufen zu bringen, um mich besser zu fühlen und meine Reise fortzusetzen. Aber gleichzeitig war ein kleiner Teil von mir auch sehr neugierig. Ich wäre nicht traurig, noch etwas Zeit in Laguna verbringen zu können und einen Blick hinter die alten Gemäuer der berühmt-berüchtigten Academy werfen zu können.

Das allein wäre ein Grund gewesen, um zu bleiben.

2: Kieran

2

Kieran

Es war einer dieser Morgen, an denen man nicht glauben kann, dass der Wecker zur korrekten Zeit klingelt. Hatte ich nicht gerade erst die Augen geschlossen? Dem unangenehmen Ziehen meiner Glieder nach zu urteilen, würde mich der Muskelkater vom gestrigen Training den Tag über begleiten. Klasse.

Ich widerstand der Versuchung, den Snooze-Button zu drücken, und quälte mich stattdessen aus dem Bett. Um gottlose vier Uhr morgens.

Wieso genau mache ich diesen Job noch mal?

Ach ja, da war was: Ich liebte es. Größtenteils.

Als Coach an der Emerald Bay Academy hatte ich es mit großartigen Talenten zu tun, die nicht nur ehrgeizig, sondern in der Regel auch intelligent waren. Es brauchte mehr als eine hervorragende Balance und gute koordinative Fähigkeiten, um es an dieser Universität zu schaffen. Das wusste ich, weil ich selbst vor einigen Jahren das Studium dort beendet hatte. Als erfolgreicher Profisurfer. Bis … ich es nicht mehr war.

Schnell schüttelte ich die Abwärtsspirale meiner Gedanken ab, in die ich mich immer noch viel zu schnell begab. Sie konnte mich unter Wasser ziehen, wie ein Strudel, den man nicht kommen sah, und es war nie einfach, sich wieder herauszukämpfen, wenn die Erinnerung mich in die Tiefe zog. Also umfuhr ich mein persönliches Bermudadreieck, wann immer es mir möglich war.

Verdrängung konnte man üben wie eine sportliche Disziplin.

Wo wir gerade bei Disziplin waren: Während meiner kalten Dusche ging ich im Kopf die Namen all der Drückeberger durch, von denen ich vermutete, dass sie beim morgendlichen Joggen am Strand nicht anzutreffen sein würden. Ich wusste, dass wir strenger mit ihnen sein sollten, aber weder Graham noch ich waren Bad Cops in unserem Coaching-Duo, auch wenn ich wusste, dass mein Image an der Schule nicht gerade dem eines Sympathieträgers glich. Ich tat nicht aktiv etwas dafür, es zu ändern, da ich der Meinung war, ein bisschen Respekt hatte noch niemandem geschadet.

Das Laufen bei Sonnenaufgang stellte für einige eine große Herausforderung dar, aber so trennte sich die Spreu vom Weizen. Früh aufstehen gehörte im Surfsport dazu. Johnny, mein Sorgenkind im zweiten Semester und Herzensbrecher im Nebenfach, würde ich an diesem Morgen mit Sicherheit nicht sehen. Montage waren ›gar nicht seins‹.

Ich schmunzelte, während ich mich abtrocknete und in den Spiegel sah. Es wäre gelogen, zu behaupten, ich hätte mich als Student nie vor den Einheiten gedrückt. Nur eben nicht ganz so offensichtlich und so oft. Mein Abbild sah mir aus grauen Augen müde entgegen. Durch die tiefen Augenringe fehlte nicht mehr viel, um zu denken, mir hätte jemand eine verpasst. Auch kaltes Wasser half nicht, also ignorierte ich mein Gesicht, genauso wie meine wild liegenden Haare. Da wir mit Sport in den Tag starteten, sparte ich es mir meistens, meine dunkelblonden Wellen zu stylen. Das übernahm die salzhaltige Meeresluft.

Am Strand dehnten sich bereits die ersten Pünktlichen, als ich dazustieß.

»Morgen, Coach«, sagte eine der Streberinnen, die mich immer etwas zu lange abcheckte, wenn ich kam. Wir hatten eigentlich in einem ernsten Gespräch über ihr Verhalten gesprochen.

»Morgen, Gemma«, sagte ich unbeeindruckt.

Mir war bewusst, dass ich mit meinen sechsundzwanzig Jahren ein junger Coach war. Die anderen Trainer, wie auch Graham, waren bereits über dreißig. Auch ich hätte mir meine Coachingkarriere zu einem etwas späteren Zeitpunkt in meinem Leben gewünscht, aber nun war ich eben da.

Der Rest der Laufgruppe versammelte sich, und ich staunte nicht schlecht, als John seinen müden Hintern auf den Strand schleppte. Graham kam als einer der Letzten, und so liefen wir schließlich auf sein Kommando los. Er liebte es, Ansagen zu machen, und da mein Ego das nicht brauchte, verzichtete ich. Stattdessen ließ ich mich zurückfallen, bis ich das armselige Tempo von Johnny mitging.

»Na, wer hat denn da in den Rhythmus zurückgefunden?«, neckte ich ihn. »Bereit für die Woche?«

»Gebe mein Bestes, Coach«, sagte er überraschend ernst. Üblicherweise schlug er einen flapsigeren Tonfall an.

»Alles in Ordnung?«

Er antwortete nicht direkt, also wurde ich noch langsamer und schaute, ob er die Chance nutzte, eine Lücke zwischen uns und den anderen entstehen zu lassen. Wie ich gehofft hatte, ließ er sich zurückfallen.

»Freitag gab’s Klausuren zurück«, sagte er.

»Und?«

»Ich muss in zwei Fächern aufholen. Sporttheorie-02 und Mathe haben mich komplett gef…«

»John«, ermahnte ich ihn, weil ich musste.

Die Studierenden lagen mir am Herzen, und ich wollte für sie da sein, aber ich war nicht ihr Kumpel. Das vergaßen sie von Zeit zu Zeit. Daher konnten sie nicht mit mir reden, als wäre ich ein Bro. Auch wenn ich es vom Alter her vielleicht sein könnte.

»Sorry, Coach K, aber ist doch wahr. Wer fällt in Theorie schon durch?«

Ich seufzte hörbar. »Jemand, der sein Wochenende im Seven Seas verbringt statt am Schreibtisch?«

Seine schuldbewusste Miene sagte mir, dass ich ins Schwarze getroffen hatte.

Einmal war ich ihm in meiner Lieblingsbar in der Nähe der Academy begegnet. Er war betrunken gewesen, obwohl Alkoholkonsum – vor allem bei unter Einundzwanzigjährigen – an der Uni nicht gern gesehen wurde. Es war nicht grundsätzlich verboten, zu trinken, immerhin sollten sie ein Wochenende haben, aber es sprach sich schnell rum, wenn jemand als Schnapsdrossel bekannt war, und natürlich trugen wir auch in gewisser Weise die Verantwortung für die Nichtvolljährigen. Ich wusste darüber hinaus nur zu gut, wie schnell man beim Präsidenten landen konnte, um sich zu rechtfertigen.

In jedem Fall war es suboptimal, dass ich als Coach bei Besuchen in Bars auf meine Schützlinge traf. Leider war Laguna zwar ein großer Küstenort, aber die besten Beachbars waren schnell bekannt. So war es unumgänglich, dass man sich traf, immerhin hatte auch ich ein Privatleben. Dennoch stand nicht gerade auf meiner Bucketlist, erneut bei einem Date von Gemma Luck mit Blicken ausgezogen zu werden, während sie lasziv an einem Strohhalm sog. Es war unangenehm gewesen. Für mich, für meine Begleitung … für alle. Und leider hatten ihre Avancen mir gegenüber danach nicht aufgehört. Seit den Begegnungen mit ihr und Johnny hatte ich keinen Fuß mehr ins Seven Seas gesetzt, und auch so lief es an der Dating Front nicht besonders, aber das war eine andere Baustelle.

»Du musst das Semester ernster nehmen«, versuchte ich zurück zu professionellen Ufern zu schwimmen. »Du weißt doch, was alle sagen: Die ersten beiden sind die schwersten. Aber danach wird es einfacher.«

»Ich weiß, ich weiß«, sagte er inzwischen außer Atem. »Es fühlt sich nur so an, als würde es den anderen leichter fallen als mir. Und ich bin ein beschiss… sorry, ein schlechter Planer. Mein Zeitmanagement ist mies.«

»Lass mich wissen, wenn ich irgendwie helfen kann. Du kennst unsere Nachhilfeprogramme, Tutorien und so? Brauchst du eine Übersicht?«

»Luft, Coach. Ich brauche erst mal Luft. Reden und Cardio … Das ist hart. Gerade auf Sand.«

»Gott, Johnny«, sagte ich halb genervt, halb lachend und erhöhte mein Tempo. »Krieg deinen Scheiß in den Griff. Und eine bessere Kondition!«

»Coach!«, rief er tadelnd. »Artikulieren Sie sich angemessen, Sie müssen ein Vorbild sein!«

Kopfschüttelnd lief ich ihm und seinem armseligen Tempo davon.

Dieser Junge.

Es dauerte nicht lange, da erreichten wir unsere Markierung und drehten um. Graham ermahnte ein paar Studentinnen, da sie einfach kehrtmachten, obwohl sie die Pylone nicht umkreist hatten.

»Liegestütze im Anschluss!«, rief er, was ihm einigen Protest einbrachte.

Zurück an der Academy dehnten sich alle, und Graham kam auf mich zu. Er war etwas kleiner als ich, hatte rotbraunes Haar und Sommersprossen auf der Nase, die ihn jünger wirken ließen.

»Alles gut bei John? War er wieder verkatert?«

»Nein, diesmal nur frustriert.«

Graham sah mich fragend an, doch ich plauderte keine Informationen aus, die Studierende mir anvertrauten, also starrte ich zurück. Das Vertrauen musste er sich schon selbst erarbeiten. Oder er fragte einfach mal jemanden, wie es ihm oder ihr ging. Aus meiner Sicht waren wir nicht nur dafür da, allen in den Hintern zu treten, um sportliche Höchstleistungen herauszupressen. Kraft und Stärke entstanden im Geist. Und man behielt sie nur dauerhaft, zerbrach nicht im Wettkampfdruck, wenn man einen klaren Kopf hatte.

Wenn man einen klaren Kopf hatte. Wenn nicht, konnte das im Zweifel echten Schaden anrichten.

* * *

Die nächsten Tagesprogrammpunkte ließen nicht lang auf sich warten.

Ich erledigte Papierkram im Büro: Ein paar Beurteilungsformulare mussten ausgefüllt werden und neue Bewerbungen hatten sich angesammelt. Um einen möglichst gemischten Kader in jedem Jahr zu garantieren, hatten alle Coaches die Chance, Bewerbungen zu sichten und eine gewisse Anzahl an Talenten zu Tests und Gesprächen einzuladen. Mit einer reinen Bewerbung war es bei uns nicht getan.

Nach dem trockenen Teil meiner Arbeit stand etwas Freizeit und damit mein eigenes Sportprogramm im Gym auf dem Plan, das mir dabei helfen sollte, meine Form nicht zu verlieren, für den Fall, dass ich es irgendwann in diesem Leben noch mal wagte, mich zurück auf ein Board zu begeben. Wenn es nach mir ginge, lieber heute als morgen, aber da war diese innere Blockade, die es mir bislang unmöglich machte. Es kostete mich noch zu viel Überwindung. Immerhin die Spuren meiner körperlichen Verletzungen, die ich mir vor eineinhalb Jahren zugezogen hatte, waren mittlerweile gut verheilt, sodass ich beim Training alles geben konnte.

Nach der Sport-Session nahm ich eine erfrischende Dusche und schnappte mir anschließend meinen Rucksack aus dem Spind. Bevor abends das freie Surftraining anstand, wollte ich noch mal in mein Apartment fahren. Wassertropfen lösten sich aus meinen nassen Haarsträhnen, als ich mich zum Gehen wandte. Ich hatte mir nicht die Mühe gemacht, sie trocken zu föhnen, also zog ich die Kapuze meines schwarzen Hoodies über den Kopf, um nicht krank zu werden. Mir war klar, dass ich so keinen besonders professionellen Eindruck machte, aber das war mir egal. Wir waren immer noch eine Sportuni. Zwar die Elite, wie sie so gerne betonten, aber trotzdem nur Menschen. Die feinen Professoren und Professorinnen der Theorie-Seminare kamen oft im Anzug, was ich etwas übertrieben fand, doch zum Glück konnte jeder machen, was er wollte. Erst letztes Jahr wurde die Uniformpflicht im Alltag für alle Studierenden abgeschafft. Lediglich bei offiziellen Anlässen und Empfängen mussten das Personal sowie die Studierendenschaft darin erscheinen.

Die Gänge im steinernen Hauptgebäude wurden bereits leerer, als ich sie durchquerte und im Foyer ankam. Im Geiste war ich schon in meiner kurzen Pause, aber plötzlich zog etwas, oder vielmehr jemand, meine gesamte Aufmerksamkeit auf sich.

Ich steuerte geradewegs auf eine mir unbekannte Person im Eingangsbereich zu. Es war eine junge Frau mit welligen blonden Haaren, die ihr bis zur Hüfte reichten. Meine innere Stimme sagte mir, dass man sie gar nicht übersehen konnte und es mir deshalb nicht möglich war, meinen Blick abzuwenden, aber … Ich verlor den Gedanken, als ich den Blick tiefer wandern ließ. Über gebräunte Beine, die aus einer kurzen Jeansshorts herausschauten und mir jegliche übergebliebene Professionalität abverlangten. Schnell sah ich zurück in ihr Gesicht, beobachtete, wie sie sich mit großen, hellen Augen ehrfürchtig umsah. Dabei hob sie ihr zierliches Kinn, um die Laterne über ihr näher zu betrachten. Schwer und massiv.

Das genaue Gegenteil von ihr.

»Wow«, formten ihre vollen Lippen stumm.

Ja, wow, dachte ich im gleichen Moment.

Wer war sie? Offensichtliche Fremde stolperten normalerweise nicht einfach in die Academy, da sich jeder offiziell anmelden musste. Vielleicht war sie Verwandtschaft von jemandem. Aber zu wem gehörte sie? Ich hatte sie nie zuvor gesehen, und sie wäre mir definitiv auf einem unserer Bälle aufgefallen.

Ich redete mir ein, dass ich sie nur ansprechen wollte, da sie sich so suchend umsah, als gute Tat quasi. War es nicht mein Job, zu helfen?

Definitiv.

»Hey, suchst du etwas?«

3: Bliss

3

Bliss

Auf einem Werkstatthof aufzuwachen, hatte ich mir unromantischer vorgestellt. Statt von lauten Werkzeugen geweckt zu werden, klopfte es an meiner Seitentür, während morgendliche Sonnenstrahlen durch die Fenster fielen.

»Bliss, bist du wach?«, hörte ich Mike fragen und kletterte aus meinem Bett.

»Ja, Sekunde!«

Ich hatte meinen Pyjama an, nichts Pikantes, also schob ich die Seitentür auf.

»Morgen«, begrüßte er mich und hielt mir eine dampfende Tasse Kaffee hin, auf der stand: Wenn Mike es nicht reparieren kann, sind wir am Arsch.

Automatisch musste ich lachen und nahm das heiße Lebenselixier an mich.

»Dachte, das motiviert dich für den Tag«, sagte er grinsend.

»Ja, das macht Mut.«

»Bitte fühl dich nicht gestresst, ich wollte dich nicht überfallen. Werd in Ruhe wach und komm rüber in die Werkstatt, sobald es passt.«

»Das mache ich, danke.«

Nachdem der Kaffee mein System in Gang gebracht hatte, schlüpfte ich in Kleidungsstücke ohne Avocadoprints.

Ich liebte an Südkalifornien, dass es an den meisten Sommertagen einfach warm war. Man musste nicht dauernd den Wetterbericht checken, wie in meiner Heimat im Norden. Also entschied ich mich für ausgewaschene Jeansshorts und ein luftiges Leinentop.

Nachdem ich mir die Zähne geputzt hatte, löste ich den dicken Knoten auf meinem Kopf, sodass mir meine Haare in sanften Wellen über die Schultern fielen. Ich kämmte durch die Strähnen und schmierte anschließend Sonnenschutz in mein Gesicht. Sonnenbrände hatte ich bereits genug gehabt, aber mit meiner frischen Gesichtsfarbe, die ich durch all die Sonnenstunden an der frischen Luft hatte, war ich glücklich. Meine Augen strahlten durch den Teint mehr als sonst, sodass ich die meiste Zeit auf Foundation und viel Make-up verzichtete.

Auf dem Weg zum Werkstattgebäude blieb ich abrupt stehen, als ich das Rauschen von Wellen überdeutlich wahrnahm. Es zog mich an wie ein Magnet, und so folgte ich meiner Intuition, lief nicht direkt zu Mike, sondern um die Werkstatt herum, bis …

Himmel.

Wir befanden uns direkt in der Bucht?

Am Vorabend war es bereits dunkel gewesen und ich selbst so aufgeregt, dass ich nicht darauf geachtet hatte, in welche Richtung wir fuhren. Jetzt blickte ich durch ein paar Büsche direkt zum Strand. Und dort hinten, vielleicht ein paar Hundert Meter Luftlinie entfernt, lag die Emerald Bay Academy, genauso beeindruckend groß, wie sie im Netz rübergekommen war, wann immer ich Content von der Elite-Uni gesehen hatte. Selbst von meinem Standort aus erkannte ich das dunkle Gemäuer, das aus den Felsen der Bucht emporragte. Ein steinerner Turm sorgte für einen schlossartigen ersten Eindruck. Der private, abgesperrte Strand, der wohl zur Universität gehörte, erstreckte sich gleich davor und führte noch an meinem Aussichtspunkt vorbei. Ich fragte mich, wie David mich auf das Gelände bringen wollte. Das gesamte Areal war entweder eingezäunt oder von steilen Klippen umgeben.

Sehnsüchtig löste ich meinen Blick von den Surfenden, die in weiter Entfernung mit ihren Boards aus dem Wasser eilten. Wie ihr Leben wohl aussah? Surfen den ganzen Tag? Das war eine traumhafte, aber vermutlich auch unrealistische Vorstellung. Ich wusste nichts Genaues über die Academy, nur, dass es höllisch schwer war, dort angenommen zu werden. Bildeten sich die Studierenden dort wohl etwas darauf ein, an einer Elite-Uni zu trainieren? Sofort erinnerte ich mich an Davids stolzen Gesichtsausdruck vom Vorabend.

Eine ganz andere Liga.

Ich selbst war nur Hobbysurferin. Und bevor ich mir unnötige Gedanken um ein derartiges College machte, sollte ich mich erst mal darum kümmern, dass ich bald wieder mobil war.

Als ich Mike antraf, assistierte ihm gerade ein Mitarbeiter unter der Hebebühne, der sich mir als Robert vorstellte. Er war ein älterer Herr, aber genauso freundlich wie sein Chef. Gemeinsam sorgten sie dafür, dass mein Van für Tests in die Werkstatt gerollt wurde. Mit einer Menge Werkzeug bewaffnet, erklärte Mike mir ein paar Handgriffe, aber sein Fachjargon überstieg schnell meine Kenntnisse. Es war schön zu sehen, dass Charles in guten Händen war, aber nach ein paar Flüchen schwand meine Hoffnung auf eine schnelle Weiterfahrt.

Zwei Stunden lang half ich Mike und versuchte, ihm das richtige Werkzeug anzureichen, wann immer er etwas brauchte, aber ich machte mir nichts vor: Ich war ihm mehr im Weg, als dass ich etwas bewirken konnte. Das schien auch Davids Onkel irgendwann zu bemerken, oder er hatte einfach Mitleid. Jedenfalls seufzte er und wischte sich Schweißperlen von der Stirn.

»Hör mal, Bliss, du musst deinen ganzen Nachmittag nicht bei einem alten Mann und Wagen verbringen. Geh dir doch die Gegend anschauen oder Mittagessen. Es gibt ein nettes Restaurant am Strand. Dein Charles und ich kommen hier schon zurecht.«

Ich haderte ein wenig mit mir, denn ich wollte ihm nicht meine Probleme wortwörtlich auf dem Hof abladen und dann Urlaub machen, aber …

»Es wird länger dauern, oder?«

Er nickte. »Ich will ehrlich sein: Es ist kein gutes Zeichen, dass ich bisher keine Ahnung habe, was hier los ist. Das Cockpit zeigt sämtliche Möglichkeiten an, die ich prüfen muss.«

Die Partybeleuchtung.

»Na gut«, gab ich nach und kramte einen Zettel aus einem Fach im Van. Schnell kritzelte ich meine Handynummer darauf. »Aber falls ich doch helfen kann, oder du auf etwas stößt und mir sagen kannst, mit welchen Kosten ich in etwa rechnen muss, dann …«

»Melde ich mich.«

Ich nickte dankbar, schnappte mir meine Umhängetasche vom Fahrersitz und verabschiedete mich mit einem Rest schlechten Gewissens.

»Grüß David von mir!«, rief Mike mir hinterher, als wisse er genau, wohin ich wollte.

Während ich die Straße an der Küste entlangschlenderte, machte ich ein paar Fotos und schrieb David bei Instagram, damit er wusste, dass ich auf dem Weg war. Als ich die Academy erreichte, hatte er noch nicht geantwortet, sodass ich überlegte, was ich tun sollte.

Vor mir lag ein großes eisernes Tor, das geöffnet war und den durchfahrbaren Eingang des Geländes darstellte. Auf der linken Seite war eine Tür für Fußgängerinnen und Fußgänger wie mich.

Möglichst unauffällig sah ich durch die eisernen Streben und entdeckte ein Wachdiensthäuschen mit einer Dame hinter der Scheibe, doch sie schien mich nicht zu beachten und eher auf fahrende Gäste zu warten. Hieß es nicht immer, Dreistigkeit siegt? Außerdem hatte ich eine Einladung. Quasi.

Entschlossen straffte ich meine Schultern und legte meine Hand auf die massive Klinke der Tür. Ein paar Vögel wurden aufgescheucht, als das alte Metall ein quietschendes Geräusch von sich gab. Das Tor war hübsch verziert, aber lief nach oben hin in spitze Enden aus. Sie erinnerten mich erschreckend an Waffen aus dem Walfang, und sofort schauderte es mich.

Als ich möglichst selbstbewusst am Wachdienst vorbeigelaufen war, bemerkte ich, dass ich die Luft angehalten hatte, und stieß sie lang gezogen aus, während ich die Palmenallee zum Gebäude entlanglief. Rechts und links von mir erstreckten sich die gepflegtesten Parkplätze, die ich je gesehen hatte. Akkurat geschnittene Pflanzen, verzierte Straßenlaternen, feste Stellplätze für das Personal mit luxuriösen goldenen Namensschildern.

Am Eingang angekommen war ich wenig überrascht und doch beeindruckt. Auch aus der Nähe sah die Academy überwältigend aus. Groß, massiv, alt. Auf eine Art und Weise, die ihre Besuchenden wissen ließ, dass diese Gemäuer schon mehr erlebt und gesehen hatten als jeder, der es wagt, einen Fuß hineinzusetzen. Dunkelgrauer Stein, so weit das Auge reichte. Und dabei stand ich noch oben am Cliff. Ich konnte mir kaum vorstellen, wie der Blick auf die Academy von unten am Strand sein musste, wenn man alle Etagen sehen konnte. Es war verrückt, dass sich vor über hundert Jahren jemand gedacht haben musste: In diese Felsen baue ich ein Schloss. Challenge accepted. Ein bisschen wahnsinnig, aber gleichzeitig das Schönste, was ich je gesehen hatte.

Meine Füße liefen wie von selbst weiter, als mein iPhone vibrierte. Glücklicherweise war es eine Nachricht von David.

Hab dich angemeldet als Familienbesuch, also wenn jemand fragt, bist du Mikes Tochter Bliss Chadwick, okay, Cousinchen?

Ich grinste und schickte einen Daumen hoch. Daraufhin ging die nächste Nachricht ein.

Aufs Gelände solltest du einfach so kommen. Schau dich in Ruhe um, mein Kurs geht noch knapp eine Stunde, dann sammle ich dich im Café am Strand ein

Schnell tippte ich meine Antwort.

Alles klar, bis gleich!

Ein älterer Herr begutachtete mich mit strengem Blick, als ich die schwere Eingangstür aufzog und an den Empfangstresen herantrat. Auch hier begegneten mir gusseiserne Ornamente. Das ganze Gebäude schrie förmlich teuer, außergewöhnlich, elitär – alles, was ich in meinen alten Shorts und dem leichten Leinenshirt, das mir plötzlich etwas zu transparent vorkam, nicht verkörperte. Doch jetzt konnte ich keinen Rückzieher mehr machen.

»Sie wünschen?«, fragte mich der Herr monoton.

»Äh, hi, ich bin Bliss … Chadwick«, fiel es mir im letzten Moment wieder ein.

Er sah auf eine Liste und nickte schließlich. »Sie sind angemeldet.« Es klang nicht, als wäre es eine Frage, aber er sah mich auch nicht an, als wäre ich entlassen.

»Okaaay, und ich … gehe dann rein …?«

Da kein Protest kam, nahm ich meine Beine in die Hand und ging am Schalter vorbei.

Du bist drin, freute ich mich innerlich und nahm mir Zeit, mich im großen Foyer umzusehen. Natürlich hatte ich keine Ahnung, in welcher Richtung das Café lag, aber irgendwie würde ich schon am Strand landen. Mein Blick blieb an einer Reihe Verzierungen hängen, die einen Rundbogen schmückten. Die Decken waren ungewöhnlich hoch, und ganz oben hingen riesige Laternen an schweren Ketten.

»Wow«, sagte ich beinahe tonlos und drehte mich ehrfürchtig um die eigene Achse.

Als ich sah, dass jemand vor mich trat, zuckte ich wie ertappt zusammen.

»Hey, suchst du etwas?«, fragte der Fremde und musterte mich intensiv aus grauen Augen, wie ich sie noch nie gesehen hatte.

»Sorry, ich war so vertieft«, platzte ich etwas peinlich berührt heraus.

»Hab ich gesehen.« Ein Lächeln zuckte um seine Mundwinkel.

Kurz befürchtete ich, er könnte mich angesprochen haben, weil er wusste, dass ich mir semi-illegal Zutritt verschafft hatte, aber er wirkte nicht so, als wollte er mich rausschmeißen. Zum Glück fragte er nicht nach meinem Namen, denn unter seinem Blick fiel es mir schwer, einen klaren Kopf zu bewahren, und ich wollte David nicht in Teufels Küche bringen. Also räusperte ich mich, schloss den Bruchteil einer Sekunde die Augen und erinnerte mich daran, wieso ich gekommen war.

»Ich suche das Café«, beantwortete ich seine erste Frage.

»Du suchst das Café«, wiederholte er, und ich biss mir auf die Unterlippe, um ein Grinsen zu unterdrücken. Zum Glück klang sein Nachgeplapper auch nicht so elitär, beinahe wirkte es, als müsste auch er nach den richtigen Worten suchen. Sowieso hatte mein Gegenüber nichts an sich, das zum luxuriösen Foyer gepasst hätte. Er trug einen schwarzen Hoodie, dessen Stoff sich sanft um trainierte Brustmuskeln legte. Die Kapuze zog er sich in diesem Moment vom noch feuchten Haar, das in welligen dunkelblonden Strähnen in seine Stirn hing. Dabei erreichte mich ein frischer, maskuliner Duft, der darauf schließen ließ, dass er eben geduscht hatte. Ich verfolgte, wie der Fremde sich selbstbewusst und ohne Eile die losen Strähnen aus dem Gesicht strich, ohne den Blick von mir abzuwenden.

Himmel, er ist so attraktiv.

Seine Haut sah aus wie von der Sonne geküsst und bildete einen sanften Kontrast zu seinem helleren Haar und den grauen Augen, deren Blick nach wie vor auf mir lag. Ich musste mein Kinn leicht anheben, um diesem standzuhalten, denn der Typ überragte mich um gut eineinhalb Köpfe. Ein Wassertropfen löste sich aus einer Strähne und tropfte von der Stirn bis auf seine volle Oberlippe, die aussah, als könnte man damit ganz hervorragend küssen.

Ich schluckte schwer.

Wer war dieser Typ?

»Ja, das Café …« Meine Stimme war dünn, kratzig und meine Antwort verzögert. Ich räusperte mich erneut. Was war nur los mit mir? Verlor ich beim ersten schönen Elitesurfer, oder was auch immer er war, die Beherrschung? Dann sollte ich besser schleunigst kehrtmachen. Stattdessen legte ich den Kopf schief, als er über seine Schulter zu einer Wand zeigte.

»Siehst du die Karte dort? Sie zeigt alle Einrichtungen und Flügel der Uni. Wir haben mehrere Cafés, aber ich denke, du meinst das am Strand.« Seine Augen wanderten kurz über mein Outfit, als würde er darin die Bestätigung finden, dass ich in die Sonne wollte. Jeder Millimeter meiner Haut kribbelte unter seinem Blick. Und er ließ sich Zeit, mich zu betrachten.

Ich hingegen sollte besser schleunigst die Flucht ergreifen, bevor ich etwas Dummes tat, wie ihn bitten, auf einen Kaffee mitzukommen, oder so …

»Okay!«, sagte ich etwas zu euphorisch. »Dann werfe ich mal einen Blick drauf, so schwer kann es ja nicht zu finden sein. Und danke …« Ich machte eine Pause, weil ich nicht wusste, wie er hieß.

»Kieran. Ich meine, Coach Pintar, Kieran. Fuck. Sag einfach Kieran.«

Ein Coach, der fluchte?

Ich biss mir auf die Unterlippe, um nicht zu lachen.

»Okay«, war alles, was ich vorerst herausbrachte.

Coach.

Noch ein Grund, endlich zu gehen. Er arbeitete hier.

SOS – kein Student! Verschwinde, Bliss.

Wie konzentrierten sich die Studentinnen hier auf ihr Training, wenn ihre Coaches so aussahen?

Weil sie ein Ziel vor Augen haben, hörte ich die Stimme meines Vaters in meinem Kopf. Und er hatte recht. Das unterschied mich von jedem, der diszipliniert etwas verfolgte. Dieser Gedanke fühlte sich an wie eine kalte Dusche.

»Ich heiße übrigens Bliss«, schob ich hinterher. »Und ich sollte los. Danke für deine Hilfe, mach’s gut.«

Kieran wirkte überrumpelt, als ich kehrtmachte.

»Zu wem gehörst du denn?«, fragte er plötzlich, was mich innehalten ließ.

Ich sah über meine Schulter zurück, und meine Aufmerksamkeit fiel auf seine ausgestreckte Hand, die zwischen uns in der Luft hing. Noch im gleichen Moment zog er sie zurück, als hätte er sich verbrannt.

»Zu David«, antwortete ich und musterte Kierans Gesicht.

Graue Augen, die wirkten, als würden sie das dunkle Gemäuer spiegeln, schauten mich forschend an, und ich spürte, wie mir eine kribbelnde Röte in die Wangen stieg. Wieso wirkte es, als würde ihm diese Info missfallen?

»David Chadwick?«

Ich nickte und glaubte zu erkennen, dass Kieran sehr wohl bemerkte, wie verlegen mich diese Fragerunde machte. Sollte ich ihm sagen, dass ich Davids angebliche Cousine war, um keinen falschen Eindruck zu erwecken? Andererseits hatte er nicht nach Details gefragt, und es war nicht so, dass ich gerne mit Lügen um mich warf.

»Na, wenn das so ist, viel Spaß hier«, fügte er hinzu, nickte zum Abschied knapp und ging in Richtung Ausgang.

Wie angewurzelt stand ich da und fragte mich, was das gerade gewesen war. Ich blinzelte, sah Kieran nach, der sich wieder seine Kapuze über den Kopf zog und durch die massive Tür verschwand.

Ich versuchte, nicht zu lange darüber nachzudenken, und lenkte mich mit der großen Tafel ab, auf der tatsächlich sämtliche Gebäudeinfos standen: Wohnflügel, Trainingsfläche, Princeton Hall und Abkürzungen, die ich nicht zuordnen konnte.

»Ich will doch einfach nur zum Strand«, murmelte ich vor mich hin.

Dann sah ich es: Black Sand Café. Das musste es sein.

Ich merkte mir die Karte, lief Treppen und Gänge hinab, bis ich das Meer sehen konnte. Zunächst durch Fenster, dann durch offene Torbögen, sodass ich die salzige Luft beinahe schmeckte. Draußen nahm ich einen tiefen Atemzug. Vor mir lag der private Sandstrand der Academy, links zeigte ein Wegweiser zum Café, einem schwarzen Anbau im Sand mit Tischen und Stühlen davor.

Meine Birkenstocks füllten sich mit Sand, sodass ich sie auf dem Weg zum Bestellfenster auszog und in die Hand nahm. Angekommen entschied ich mich für einen Saft und ein veganes Clubsandwich.

Die Barista im Inneren des modernen, wenn auch kleinen Küchenbereichs wirkte gestresst, obwohl außer mir nur eine Handvoll anderer Leute da war und auf ihre Bestellungen wartete. Vermutlich waren die meisten zu dieser Zeit in Kursen. Denn das war es, was man in meinem Alter normalerweise tat: sich weiterbilden. Den Weg ins Berufsleben ebnen. Zumindest hatte man mir das in letzter Zeit oft zu vermitteln versucht. Ich wusste selbst, dass ich mich nicht für immer mit Nebenjobs auf Reisen über Wasser halten konnte, aber derzeit genoss ich es und konnte zu diesem Zeitpunkt sowieso nichts an meiner Lage ändern. Warum sie nicht genießen? Der Weg war das Ziel, und ich war noch unterwegs.

Fünf Minuten später aß ich das beste Sandwich aller Zeiten, was ich der Barista auch mitteilte. Sie freute sich sichtlich.

»Danke, heute habe ich noch nicht so viel Nettes gehört, ehrlich gesagt.«

»Nein?« Ich wischte mir Avocado aus dem Mundwinkel.

Sie schüttelte den Kopf. »Wir sind unterbesetzt, und eine Küchenmaschine ist kaputt. Kein Iced Coffee heute, das kann manchen hier den Tag versauen, bevor sie gottlos früh zum Surfen aufbrechen. Koffein ist ein Lebenselixier.«

»Und das lassen sie an dir aus?«

Sie lächelte beschwichtigend. »Nicht alle, aber manche. Wir suchen übrigens dringend Verstärkung. Falls du Lust hast, dir jeden Tag das beste Sandwich aller Zeiten selbst zu machen …«

Sie machte Spaß, das war mir klar, trotzdem sagte ich: »Klingt gut«, und wusste selbst nicht, ob ich es ernst meinte oder nicht.

»Warte, echt jetzt?«, fragte sie verdutzt. »Suchst du einen Job?«

»Schwer zu sagen, ich habe eine Panne mit meinem Van. Aktuell kann ich nur von heute bis morgen planen, aber ich habe nichts zu tun und brauche wahrscheinlich sehr bald ein bisschen Geld. Wie flexibel seid ihr denn in eurer Anstellungspolitik?«

»Wenn du wissen willst, ob du sofort anfangen kannst: ja, bitte! Wir zahlen allerdings nur Mindestlohn, dafür kannst du dein Trinkgeld behalten. Erwarte nur nicht zu viel. Die Surferinnen und Surfer haben immer die Ausrede, dass sie ihr Geld nicht am Strand liegen lassen, während sie wellenreiten. Die meisten zahlen mit der Campus App oder schreiben auf ihr Zimmer an wie im Hotel.«

»Ist okay, das kenne ich schon aus meiner Zeit als Kellnerin in Venice Beach vor ein paar Wochen«, erklärte ich.

Wir plauderten noch eine Weile, sie stellte sich als Florence Medina vor, und bald konkretisierten wir die Pläne für einen Probetag, sollte mein Charles weiterhin nicht anspringen.

Plötzlich hörte ich eine männliche Stimme neben mir, und David tauchte auf.

»Du hast es reingeschafft!« Er ließ sich grinsend auf einen Stuhl fallen. »Willkommen an der EBA, Cousine.«

Wir lachten, und David berichtete von seinem bisherigen Unitag. Irgendwann erwähnte ich, dass ich vielleicht bald im Black Sand Café arbeiten würde. Ihm war die Überraschung anzusehen, aber er freute sich trotzdem für mich. Wahrscheinlich konnte er sich denken, dass ich dringend Geld brauchte, um seinen Onkel zu bezahlen, was mir zwischen all dem Reichtum, den die Academy versprühte, tatsächlich etwas unangenehm war.

David wuschelte sich durch die Haare, an diesem Tag trug er keine Cap, statt des Tanktops aber ein weißes Shirt und dazu eine Chino.

»Hast du frei für heute?«, wollte ich wissen.

»Wie man’s nimmt. Später geht’s noch mal aufs Board.«

»Echt?« Vielleicht klang ich etwas zu euphorisch, aber er nahm es gelassen und lachte.

»Ja, echt, wir sind eine Surf-Uni, Bliss.«

»Und … ihr geht abends surfen, nicht morgens?«

»Kommt auf das Wetter an, aber normal ist morgens vier- bis fünfmal pro Woche Training, für das wir zum Teil bewertet werden, abends ist zusätzlich ein paarmal freies Training in den Wellen, bei dem meistens auch einer der Coaches vorbeischaut, um Fragen zu beantworten, Tipps zu geben und so. Es ist aber nicht verpflichtend, für keine der Seiten.«

»Und kann man da vielleicht zuschauen?«

Oder mitmachen?, dachte ich. Aber das war utopisch.

»Zuschauer hat man hier normalerweise keine, aber du kannst ruhig bleiben. Ich denke, eine Ausnahme ist okay, sonst spielen wir die Probetag-Karte und sagen, dass du bald eine Mitarbeiterin bist.«

»Okay, cool«, sagte ich aufgeregt. Ich würde etwas sehen, was kaum jemandem gestattet war.

»Nur wenn die Sonne untergeht, müssen alle von außerhalb weg sein, da sind sie streng.«

»Wenn die Sonne untergeht ist eine flexible Zeitangabe für eine strenge Regel«, merkte ich an.

»Surf Academy«, wiederholte er. »Hier laufen manche Dinge anders, wundert mich schon, dass es nicht heißt: bei Ebbe oder Flut.«

Wir lachten und plauderten noch ein bisschen, bevor er sich nach dem Van erkundigte.

Instinktiv holte ich mein Smartphone raus und checkte, ob ich eine Nachricht von Mike hatte, doch da war nichts.

David klopfte mir freundschaftlich auf die Schulter. »Mach dir nichts draus. Er steht sicher, ihr seid in guten Händen …«

»Ja, wird schon alles«, sagte ich positiv gestimmt. Mir blieb auch nichts anderes übrig, außer abzuwarten und mir die Zeit in Laguna noch möglichst schön zu gestalten. Da brachte es nichts, sich den Kopf zu zerbrechen. Es gab deutlich schlechtere Orte, um zu stranden. Noch dazu hatte ich eine kurzfristige Joboption ergattert und würde von meinem Arbeitsplatz aus Surferinnen und Surfer beobachten können. Das allein zauberte mir ein Lächeln aufs Gesicht.

Was sollte schon schiefgehen?

Die Zeit am Strand verflog schnell, und schon bald musste David sich auf den Weg machen, um sich auf sein freies Training vorzubereiten. Ein Training mit einem Coach, auf den ich alles andere als vorbereitet war.

4: Bliss

4

Bliss

Es war ein merkwürdiges Gefühl, unbeteiligt hinter knapp dreißig Leuten herzulaufen, die mit ihren Boards in Richtung Meer pilgerten. Ich fühlte mich immer noch wie ein Eindringling an ihrer Uni, aber die Neugierde auf ihr Training war stärker. Immerhin liebte ich Surfen und das Gefühl der Freiheit auf dem Board selbst schon seit Jahren, und nun bekam ich einen Blick hinter die Kulissen des Profisports. Damit waren meine Hobbyskills nicht vergleichbar. Das wurde mir spätestens bewusst, als ich sah, wie die Ersten sich mit ihren durchtrainierten Körpern auf die Boards warfen. Andere waren noch dabei, kontrollierte Dehnübungen am Strand zu machen, um sich aufzuwärmen. Eins der Mädchen schaute dabei schon zum zweiten Mal zwischen mir und David hin und her und schien herausfinden zu wollen, in welchem Verhältnis wir zueinander standen.

»Vielleicht lernst du ja noch was von uns«, rief David mir lachend zu und hechtete ins Wasser.

»Schauen wir mal!«

Ich saß inzwischen im Sand, der von der Sonne den Tag über warmgehalten worden war. Das Rauschen der Wellen und das Glitzern der Lichtreflexe auf der Meeresoberfläche hatten beinahe etwas Therapeutisches. Amüsiert beobachtete ich, wie die Surfenden in der Ferne immer kleiner wurden, während sie auf den Ozean hinauspaddelten und anschließend erste Wellen nahmen.

»Da hast du dich aber ganz schön verlaufen«, sagte plötzlich eine tiefe Stimme hinter mir. »Das Café ist am Gebäude.«

Mein Kopf zuckte nach links, bevor ich Kieran erkannte, der mit verschränkten Armen neben mir stehen blieb.

»Du leitest das Training?«, sprach ich meinen ersten Gedanken laut aus.

Er antwortete nicht sofort, sah mich nur irritiert an.

»Ist das ein Problem?« Er wirkte nicht gerade begeistert davon, mich zu sehen. Sein Blick glitt von mir zu den Wellen.

Es half dabei, mich von seinem eindringlichen Blick loszureißen, und so schüttelte ich den Kopf. »Nein, kein Problem, nur …«

Nur war ich nicht darauf vorbereitet, dich so schnell wiederzusehen.

»Nur?« Er drehte sich zurück zu mir und musterte mich.

»Nichts, schon okay.«

Anders als erwartet blieb er bei mir stehen, und ich spürte, wie seine Augen immer wieder zu mir rüberhuschten. Beinahe, als würde er meine Reaktionen analysieren oder auf Fragen warten.

Ich warf ihm meinerseits einen Seitenblick zu und nutzte die Gelegenheit, um an ihm herabzusehen. Im Gegensatz zu den anderen trug er keinen Neoprenanzug und hatte auch kein Surfbrett dabei. Es wirkte nicht, als hätte er vor, ins Wasser zu gehen, aber vielleicht musste er das als Trainer auch nicht?

»Wie kommt es, dass du noch da bist?«, fragte er plötzlich und fing meinen Blick auf, sodass ich mich ertappt fühlte.

Gerade als ich antworten wollte, ertönte eine Stimme aus dem Meer. Es war David, der nach Kieran rief und auf uns zupaddelte. Es klang nicht, als wäre er in Not.

»Coooooach?«, ertönte seine Stimme erneut.

Kieran bemerkte es, aber sein Blick lag noch zwei Atemzüge lang auf mir, bevor er seine Aufmerksamkeit auf David richtete. Mit langen Schritten ging er aufs Wasser zu, blieb aber genau dort stehen, wo die schäumende Gischt seine Füße nicht berührte.

Ein wasserscheuer Surfer?, dachte ich und grinste.

»Wie kann ich helfen?«, fragte er mit klarer und autoritärer Stimme.

»Bliss gehört zu mir, sie kann ausnahmsweise zuschauen, oder?« Er hatte das flache Wasser erreicht und stieg vom Board. »Sie stört doch nicht.«

Kieran warf mir einen prüfenden Blick über die Schulter zu, der sagte: Das wird sich noch zeigen.

Ich zuckte mit den Schultern, immerhin saß ich nur im Sand und verhielt mich ruhig.

»Du weißt, dass das nicht üblich ist?«

»Es ist doch nur das freie Training«, erwiderte David besänftigend.

Kieran antwortete nicht direkt, schob die Hände in die Taschen seiner dunkelblauen Shorts, die ihm bis knapp über das Knie reichte, und nickte schließlich.

»Gut, wenn sie euch nicht ablenkt.«

»Schwer zu sagen«, rief jemand hinter David, der gerade von einer Welle angespült wurde, und löste damit allgemeines Gelächter aus.

David verdrehte die Augen und sah mich entschuldigend an, aber ich grinste nur kopfschüttelnd. So leicht brachte man mich nicht aus der Ruhe.

Kieran nahm es nicht so locker, denn seine Schultern versteiften sich, und als ich einen Blick auf seine Züge erhaschte, waren seine Brauen nachdenklich zusammengezogen und ein Muskel seines markanten Kiefers zuckte. Anscheinend war er kein Coach, der es lustig fand, wenn während seiner Trainingseinheiten herumgeblödelt wurde. Auch nicht beim freien Training. Mir kam der Gedanke, dass mich sein lässiger Look im Foyer getäuscht hatte. Er war offensichtlich strenger als vermutet.

»Johnny!«, rief er dem Surfer zu. »Konzentrier dich lieber auf deine Haltung, damit die nächste Welle vielleicht mal potenzielle Punkte bringt, sonst hast du bei weiteren Contests nichts zu lachen.«

Johnny salutierte und legte sich sofort wieder auf sein Board, um mit den anderen zurück ins Line-up zu paddeln – die Zone im Wasser, in der man auf gute Wellen wartete.

Kieran atmete tief durch, dann lief er für ein paar Minuten an der Wasserkante auf und ab, beobachtete konzentriert sein Team und gab Anweisungen, wenn jemand in Richtung Ufer gespült wurde.

Irgendwann drehte er sich zu mir um, machte ein paar Schritte in meine Richtung und blieb in kurzer Entfernung stehen. Alles an ihm strahlte Selbstbewusstsein und Autorität aus, und seine charismatische Aura sorgte dafür, dass meine Aufmerksamkeit immer wieder von den Surferinnen und Surfern im Wasser zu ihm huschte.

Auch wenn er keine große Lust auf meine Gesellschaft oder eine Unterhaltung hatte, hätte ich ihm gerne jede Menge Fragen gestellt. Es brannte mir unter den Nägeln zu erfahren, worauf er beim Training achtete. Was den Kader der Academy von anderen unterschied. Was die geheime Formel war, um aufgenommen zu werden, und was die Trainingsmethoden ausmachte.

Nach einer Weile holte er sein Handy aus der Hosentasche, wobei ein Zettel mit rausfiel und vom Wind in meine Richtung geweht wurde. Schnell stand ich auf, schnappte ihn mir und nutzte die Gelegenheit, wortwörtlich auf Kieran zuzugehen. Vielleicht merkte er ja, dass ich einfach interessiert war.

»Hier, das ist aus deiner Tasche gefallen«, sagte ich und reichte ihm das Papier, das aussah wie die Visitenkarte einer Praxis.

Kaum hatte er erkannt, was ich ihm reichte, nahm er sie an sich und stopfte sie schnell zurück in seine Hosentasche.

»Danke«, presste er hervor, sein Blick zurück auf das Handy gerichtet, bevor er es ebenfalls verstaute.

Ich nickte nur, als er nichts weiter sagte.

Wir beobachteten gemeinsam das Treiben auf dem Wasser, bis eine Surferin einen ziemlich brutalen Abgang vom Board machte. Kieran trat direkt vor und schien sich erst zu entspannen, als sie zurück an der Oberfläche auftauchte, um sich auf ihr Brett zu hieven.

»Gemma, Augen geradeaus, nicht aufs Board. Genau das meinten wir Freitag. Du riskierst, dein Gleichgewicht zu verlieren, wenn du nicht siehst, was kommt.«

Ich war automatisch mit nach vorne gegangen und sah Kieran jetzt von der Seite an.

»Die Welle war aber auch ungleichmäßig«, sagte ich, ohne groß darüber nachzudenken, und bekam direkt die Quittung. Kieran funkelte mich aus schmalen Augen an und erinnerte mich so daran, dass ich versprochen hatte, nicht zu stören – und mich erst recht nicht einzumischen. »Sorry«, schob ich schnell hinterher, musste mir allerdings auf die Unterlippe beißen, um nicht zu grinsen. Wieso war er so ein Griesgram? Im Foyer hatte er eigentlich einen ganz charmanten Eindruck auf mich gemacht. Na ja, zumindest bis zu dem Punkt, an dem ich erwähnt hatte, dass ich zu David wollte.

Als Kieran kurz darauf einen unzufriedenen Laut ausstieß, folgte ich seinem skeptischen Blick aufs Meer und entdeckte den Surfer mit der großen Klappe von eben. Johnny. Er klaute jemandem eine Welle, der sich lautstark darüber ärgerte. Zu Recht – sich vorzudrängeln war etwas, das man im Wasser nicht tat, wenn man sportlichen Anstand besaß, das wussten sogar Hobbysurferinnen wie ich.

»Er kann’s nicht lassen«, flüsterte Kieran, eher zu sich selbst als zu mir.

Ich nickte trotzdem bestätigend. »Stimmt, das macht man nicht.«

Sofort schoss sein Blick wieder zu mir, und diesmal bemühte ich mich nicht so sehr darum, mein Grinsen zu verstecken, denn mal ehrlich: Diese Steifheit konnte ihm doch selbst keinen Spaß machen.

»David hat gesagt, du wirst nicht stören.«

»Und Gesellschaft ist schon etwas, das dich stört?«

Ich hatte das Team nicht negativ beeinflusst oder angesprochen.

»Kommt drauf an«, schoss er zurück und sah mich mit diesen hypnotisierenden Augen an.

Ungläubig stieß ich die Luft aus. Wie unhöflich.

»Tut mir leid, dass ich zwei Sätze gesagt habe. Ich fiebere doch nur mit. Ich wäre auch lieber in den Wellen als hier im Sand.«

Kierans Augenbrauen zogen sich zusammen, als würde er versuchen, ein Rätsel zu lösen, während er mich prüfend musterte.

»Du kannst surfen?«

Unsicher, wie ausführlich ich antworten durfte, wiegte ich den Kopf hin und her.

»Ich weiß nicht, ob man an eurer Elite-Academy in meinem Fall von Können sprechen darf. Es ist mein Hobby, allerdings schon seit ich klein bin, ich habe also ein bisschen Erfahrung und liebe jede Minute, die ich auf einem Board stehen kann. Aber ich surfe trotzdem nur zum Spaß.«

Das Wort Spaß betonte ich vielleicht etwas übertrieben.

Wer wusste schon, ob der Begriff ihm etwas sagte …

Wieder wanderten seine Augen auf diese besondere Weise an mir herab. Als könnte er meiner Statur ansehen, ob ich was draufhatte oder nicht. Durch die Zeit auf Reisen war ich sehr aktiv, machte in jeder Stadt Tausende von Schritten, probierte neue Sportarten aus – von Slack Lining über Hiking bis hin zu Pole Dance in Los Angeles –, alles Aktivitäten, die meine Muskeln definierten, meine Balance steigerten und Körperspannung verbesserten. Ich wusste, dass ich mich nicht verstecken musste, solange er mich nicht auf ein Board stellte und an seinen Studierenden maß.

»Bist du hier, weil du an die Uni willst?«, fragte er geradeheraus.

Überrascht schüttelte ich den Kopf. »Nein, ich bin Davids Cousine und auf Durchreise. Ich besuche ihn, bis mein Van repariert ist.« Nun musste ich diese Notlüge der Verwandtschaft doch nutzen, um seiner Skepsis zu entkommen. Doch so leicht ließ er mich nicht vom Haken und zog eine Augenbraue hoch.

»Die Cousine auf der Durchreise, ja?«